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Samstag, 17. Dezember 2016
Franziskus: "Papst der Rekorde" feiert 80. Geburtstag
Franziskus: "Papst der Rekorde" wird 80 Jahre alt
Franziskus, der am Samstag seinen 80. Geburtstag feiert, ist gewissermaßen ein "Papst der Rekorde". Der als Jorge Mario Bergoglio geborene Argentinier ist nicht nur der erste lateinamerikanische Papst in der Kirchengeschichte. Er ist auch der erste Pontifex, der den Namen Franziskus gewählt hat.
Salzburger Nachrichten >>
Franziskus 80: Ein Papst zum Anfassen
Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche wird am Samstag 80 Jahre alt. Papst Franziskus feiert nicht groß, doch der runde Geburtstag erinnert an die immense Bedeutung, die er für seine Kirche hat - als Papst zum Anfassen.
Religion.orf.at >>
Papst Franziskus wird 80
In Demut fordernd
Den Armen so nah wie seinen Mitarbeitern: Franziskus ist ein demütiger Papst, der sich keine Pause gönnt. Über den Eindruck, er sei von Feinden umstellt, kann er nur lachen. Heute wird Jorge Maria Bergoglio 80 Jahre alt.
Frankfurter Allgemeine >>
Freitag, 8. April 2016
Papst Franziskus veröffentlicht „Amoris laetitia“ zu Ehe und Familie
Papst stellt Schreiben zu Familie und Sexualität vor
Der Vatikan hat am Freitag das nachsynodale apostolische Papst-Schreiben „Amoris Laetitia“ (Freude der Liebe) vorgestellt. Es schreibt die aktuellen Positionen der katholischen Kirche zu den Themen Sexualität und Familie fest.
Hauptthema ist wie schon in den beiden vorangegangenen Bischofssynoden 2014 und 2015 der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit Homosexuellen. Das in neun Kapitel unterteilte, 190 Seiten starke Schreiben lässt immerhin teilweise etwas Raum für Spekulationen. Nebenbei hat Franziskus auch den einen oder anderen Rat in Sachen Kindererziehung und Liebesdinge parat.
Weiterlesen auf Religion.orf.at >>
Ehe und Familie: Franziskus veröffentlicht Dokument „Amoris laetitia“
Das von vielen Erwartungen begleitete neue Papstdokument zu Ehe und Familie ist erschienen. In „Amoris laetitia“, zu Deutsch: „Die Freude der Liebe“ legt Papst Franziskus auf 300 Seiten seine Überlegungen zu neuen Wegen der Familienpastoral vor, wie sie bei den beiden Bischofssynoden von 2014 und 2015 zur Sprache gekommen waren. Papst Franziskus selbst empfiehlt ausdrücklich, den Text nicht hastig und in einem Durchlauf zu lesen.
(Mit vielen weiteren Links)
Radio Vatikan >>
Papst Franziskus: Die neue Freiheit der Kirche
Papst Franziskus schlägt beim Thema Sex ein neues Kapitel für die katholische Kirche auf. Für den konservativen Flügel ist die neue Linie ein Albtraum.
Zeit-Online >>
Papst-Schreiben zu Familien Vage Botschaft zu Liebe und Sex
Das Papier des Vatikan zum Thema Liebe und Sexualität liefert keine Antwort auf drängende Fragen wie den Umgang mit Homosexualität. Doch es lässt Spielräume. Die spannende Frage wird deshalb sein: Was machen die Ortskirchen aus dem Schreiben?
Tagesschau.de >>
Papst Franziskus' rhetorischer Kniff für das Ehe-Dilemma
Nach Jahren des Reformstreits hat der Papst über den Umgang mit Homosexuellen und Wiederverheirateten entschieden. Er erweitert den Spielraum bei der Lehre - ohne wirklich neue Regeln aufzustellen.
Die Welt >>
Weitere Stellungnahmen auf Zeitgemäß-glauben.at >>
Papst Franziskus "Amoris laetitia - Freude der Liebe"
Am Donnerstag, dem 14. April 2016 sprach ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Marschütz von der Universität Wien über das von Papst Franziskus am 19. März 2016 infolge der Bischofssynoden 2014 und 2015 unterzeichnete Apostolisches Schreiben "Amoris laetitia - Freude der Liebe". Der Vortrag bietet einen Einblick in die Grundzüge und in zentrale Textpassagen des päpstlichen Lehrschreibens.
Podcast auf Theologische Kurse >>
Der Vatikan hat am Freitag das nachsynodale apostolische Papst-Schreiben „Amoris Laetitia“ (Freude der Liebe) vorgestellt. Es schreibt die aktuellen Positionen der katholischen Kirche zu den Themen Sexualität und Familie fest.
Hauptthema ist wie schon in den beiden vorangegangenen Bischofssynoden 2014 und 2015 der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit Homosexuellen. Das in neun Kapitel unterteilte, 190 Seiten starke Schreiben lässt immerhin teilweise etwas Raum für Spekulationen. Nebenbei hat Franziskus auch den einen oder anderen Rat in Sachen Kindererziehung und Liebesdinge parat.
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Ehe und Familie: Franziskus veröffentlicht Dokument „Amoris laetitia“
Das von vielen Erwartungen begleitete neue Papstdokument zu Ehe und Familie ist erschienen. In „Amoris laetitia“, zu Deutsch: „Die Freude der Liebe“ legt Papst Franziskus auf 300 Seiten seine Überlegungen zu neuen Wegen der Familienpastoral vor, wie sie bei den beiden Bischofssynoden von 2014 und 2015 zur Sprache gekommen waren. Papst Franziskus selbst empfiehlt ausdrücklich, den Text nicht hastig und in einem Durchlauf zu lesen.
(Mit vielen weiteren Links)
Radio Vatikan >>
Papst Franziskus: Die neue Freiheit der Kirche
Papst Franziskus schlägt beim Thema Sex ein neues Kapitel für die katholische Kirche auf. Für den konservativen Flügel ist die neue Linie ein Albtraum.
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Papst-Schreiben zu Familien Vage Botschaft zu Liebe und Sex
Das Papier des Vatikan zum Thema Liebe und Sexualität liefert keine Antwort auf drängende Fragen wie den Umgang mit Homosexualität. Doch es lässt Spielräume. Die spannende Frage wird deshalb sein: Was machen die Ortskirchen aus dem Schreiben?
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Papst Franziskus' rhetorischer Kniff für das Ehe-Dilemma
Nach Jahren des Reformstreits hat der Papst über den Umgang mit Homosexuellen und Wiederverheirateten entschieden. Er erweitert den Spielraum bei der Lehre - ohne wirklich neue Regeln aufzustellen.
Die Welt >>
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Papst Franziskus "Amoris laetitia - Freude der Liebe"
Am Donnerstag, dem 14. April 2016 sprach ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Marschütz von der Universität Wien über das von Papst Franziskus am 19. März 2016 infolge der Bischofssynoden 2014 und 2015 unterzeichnete Apostolisches Schreiben "Amoris laetitia - Freude der Liebe". Der Vortrag bietet einen Einblick in die Grundzüge und in zentrale Textpassagen des päpstlichen Lehrschreibens.
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Freitag, 19. Februar 2016
Fliegende Pressekonferenz des Papstes nach Mexiko-Reise
Wiederverheiratete Geschiedene, Donald Trumps Bemerkungen über Papst Franziskus, pädophile Täter, Russland und die Ukraine – all diese konfliktreichen Themen fanden sich in der Pressekonferenz wieder, die Papst Franziskus während des Rückfluges aus Mexiko für die mitreisenden Journalisten hab. Hier eine ausführliche Zusammenfassung von Radio Vatikan.
Donald Trump
Auf mexikanischer Seite der Grenze habe der Papst über Flüchtlinge gesprochen, während auf der anderen Seite des Zaunes – also in den USA – eine heftige Wahlkampagne laufe, setzte ein Journalist an. Und er zitierte in seiner Frage den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, der dem Papst vorgeworfen hat, für die Politiker und die Regierung Mexikos zu sprechen. Trump selber wolle 2.500 Kilometer Zaun bauen und elf Millionen Immigranten ausweisen. Kann ein Katholik in den USA so jemanden wählen?, lautete die Frage.
Ob er nur ein Spielball der Politik sei, dieses Urteil überlasse er gerne anderen, antwortete Papst Franziskus. „Ein Mensch, der nur daran denkt, Mauern zu bauen und nicht Brücken, der ist nicht christlich. Das ist nicht das Evangelium“, ging der Papst auf den zweiten Teil der Frage ein. Zur Frage, ob man so jemanden wählen könne, wollte er sich nicht direkt äußern. „Ich sage nur: Dieser Mensch ist kein Christ, wenn er das so sagt. Man muss aber sehen, ob er das wirklich so gesagt hat, nicht wahr?“
Pädophilie und Marcial Maciel
Viel Schmerz habe in Mexiko die sexuelle Gewalt gegen Kinder verursacht, sagte ein weiterer Journalist und ging auf den Fall Marcial Maciel Degollado ein, also auf den Gründer der „Legionäre Christi“, der Mexikaner war. Die Opfer fühlten sich immer noch nicht von der Kirche geschützt; ob er daran gedacht habe, diese Menschen zu treffen, wollte der Journalist wissen. Und als Anschlussfrage: Wie er darüber denke, dass Priester, die zu Tätern geworden seien, von ihren Vorgesetzten oft einfach nur in eine andere Pfarrei versetzt worden seien.
„Ein Bischof, der einen Priester aus einer Pfarrei versetzt, wenn dieser als Pädophiler bekannt ist, handelt verantwortungslos, und das Beste, was er tun kann, ist seinen Rücktritt einzureichen!“ Klare Worte des Papstes. „Ist das klar genug? Und was den Fall Maciel angeht: Hier erlaube ich mir den Mann zu loben, der in Zeiten, in denen er nicht die Kraft hatte, sich durchzusetzen, gekämpft hat, obgleich er sich nicht sofort hat durchsetzen können: Kardinal Ratzinger“ [der Papst bittet um Applaus]. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe dieser alle Informationen gesammelt, aber nicht gegen Maciel vorgehen können. Um die Papstwahl 2005 herum habe Ratzinger das dann angesprochen und als Papst auch angegangen, daran wolle er an dieser Stelle erinnern, so Franziskus.
Was die „Legionäre“ angehe, habe es eine Änderung in der Leitung gegeben. Um die Geschichte kontrollieren zu können, würden die Legionäre selber ihren Oberen wählen, aber der Papst setze einen Vertreter ein, zwei Generalberater würden von der Kongregation bestimmt und zwei weitere durch den Papst.
Auf den Einsatz des Vatikans gegen Missbrauchsfälle heute bezogen, sagte der Papst, dass sehr viel daran gearbeitet werde; und er zählte die Maßnahmen auf, die bereits umgesetzt seien oder derzeit umgesetzt würden.
Wiederverheiratete Geschiedene
Die Kirche feiere zur Zeit das Jahr der Barmherzigkeit, als Papst habe er sehr viel Wert auf das Thema gelegt, so ein weiterer Journalist. Müsse eine barmherzige Kirche nicht viel leichter wiederverheirateten Geschiedenen vergeben?
„Das post-synodale Dokument, das vielleicht noch vor Ostern herauskommen wird, wird all das aufnehmen, was die Synode über die Konflikte und die verwundeten Familien gesagt hat, über die Seelsorge für diese verwundeten Familien“, antwortete der Papst. Er ging ausführlich auf die Ehevorbereitung als ein Problem ein, diese werde noch nicht wichtig genug genommen; auch sprach er davon, dass zu viele Ehen zu schnell geschlossen würden und nicht ganz aus freien Stücken. Außerdem sei es wichtig, auf die Kinder zu schauen: Diese seien die ersten Opfer von Konflikten und Überbelastung der Eltern. Auf die Frage bezogen sprach er das wiederverheiratete Paar an, das er in Tuxtla Gutierrez getroffen hatte. „Sie sind in der Seelsorge der Kirche integriert. Das ist das Schlüsselwort der Synode, und das werde ich auch wieder aufgreifen: in das Leben der Kirche die verwundeten Familien, die Familien der Wiederverheirateten, integrieren.“ Das sei aber nicht gleichbedeutend mit der Zulassung zu den Sakramenten, fügte Papst Franziskus an.
Kyrill, Russland und die Ukraine
Während fast die gesamte Welt das Treffen mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill vor der Ankunft in Mexiko gelobt habe, gebe es in der Ukraine bei vielen griechisch-katholischen Christen das Gefühl, verraten worden zu sein, führte eine weitere Journalistenfrage aus. Sie sprächen von einem „politischen Dokument“, das unterzeichnet worden sei; es stütze die Politik Russlands. Über den Krieg und die Propaganda verliere es kein Wort. Ob er daran denke, nach Moskau zu fahren, oder vielleicht in Kreta das panorthodoxe Konzil [das dort für Juni geplant ist] besuchen wolle, wollte ein Journalist wissen.
Er wünsche sich schon, dorthin zu fahren und die Glaubensbrüder zu grüßen, aber er wolle das panorthodoxe Konzil als solches auch respektieren, antwortete der Papst. Dass die auf Kreta zusammentretenden orthodoxen Kirchenführer auch katholische Beobachter einladen wollten, das sei schon eine gute Brücke.
Mit Patriarch Kyrill habe er zwei Stunden gesprochen. Was nun in der Ukraine gesagt werde, bereite ihm durchaus Sorgen. Den derzeitigen Großerzbischof der griechisch-katholischen Christen, Svjatoslav Ševčuk, kenne er noch aus Buenos Aires, wo er vier Jahre lang mit ihm zusammengearbeitet habe. Um eine Erklärung verstehen zu können, brauche man eine Hermeneutik, ging Papst Franziskus auf die Sorgen um das Dokument ein. Bischof Svjatoslav habe wie alle anderen auch ein Recht auf seine eigene Meinung. „Das Dokument kann man diskutieren, und man muss hinzufügen, dass sich die Ukraine im Krieg befindet, in Leiden, die verschieden ausgelegt werden… Wenn Bischof Svjatoslav sagt, dass viele Gläubige ihn angerufen und ihm geschrieben hätten und gesagt hätten, dass sie tief enttäuscht sind und sich von Rom verraten fühlen, dann ist das in einem Volk in dieser Situation verständlich, nicht wahr?“ Aber das Dokument spreche davon, dass die Situation enden müsse und dass es Abkommen brauche. Als Papst habe er immer zum Frieden aufgerufen.
Alles, was er mit Patriarch Kyrill in den zwei Stunden besprochen habe, bleibe vertraulich, fügte der Papst noch an.
Europa und der Karlspreis
Von einem deutschsprachigen Journalisten im Flugzeug kam die Frage, ob er als jemand, der demnächst den Karlspreis entgegennehme, zu Europa etwas zu sagen habe, das erst durch die Euro-Krise und nun durch die Flüchtlingskrise Gefahr laufe, zu zerbrechen.
„Ich habe eigentlich nicht die Angewohnheit, Ehrungen oder Doktorate anzunehmen, immer schon. Nicht weil ich demütig wäre, sondern weil mir das nicht gefällt“, ging der Papst zuerst auf den Preis ein, den er im Mai im Vatikan entgegennehmen wird. „Ein wenig Verrücktheit ist ganz gut, aber das mag ich nicht. In diesem Fall bin ich nicht gezwungen, aber überzeugt worden, und zwar von der theologischen Dickköpfigkeit Kardinal Kaspers“, so der Papst lachend.
Er habe in einer Zeitung neulich ein Wort gelesen, das ihm zu Europa sehr gut gefalle, nämlich die „Neugründung der Europäischen Union“. „Aber wo sind heute ein Schumann und ein Adenauer?“, schloss er an. Europa habe eine Kraft, eine Kultur, eine Geschichte, die man nicht vergeuden dürfe.
Die Verschwundenen
Aus Mexiko kam eine Frage nach den verschwundenen Menschen; es sind Tausende, von denen die Verwandten nicht wüssten, wohin sie verschleppt worden seien. Notorisch ist der Fall der Stadt Ayotzinapa, wo 43 Menschen vermisst würden. Warum habe er die Angehörigen nicht getroffen, wollte die Journalistin wissen.
Es sei quasi unmöglich, alle Gruppen und alle Vertreter von Opfern zu treffen, vor allem auch, weil sie untereinander nicht immer einig seien. Deswegen habe er vorgezogen, öffentlich und in Botschaften und Predigten immer wieder auf die Probleme der Gewalt hinzuweisen. „Das ist eine schwer zu verstehende Situation“, so der Papst. „vor allem für mich, der ich hier ein Fremder bin, nicht wahr? Aber ich glaube, dass die gesamte Gesellschaft Mexikos Opfer von all dem ist, Opfer der Verbrechen, dieses Verschleppens von Menschen, dieses Wegwerfens von Menschen.“ Davon habe er öffentlich gesprochen.
Gleichgeschlechtliche Partnerschaften
Auf dem Weg zurück nach Italien gab es natürlich auch eine italienische Frage; sie bezog sich auf eines der meistdebattierten Themen zur Zeit, nämlich auf die gesetzliche Regelung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die im Parlament diskutiert wird. Was er zum Thema Adoption durch solche Paare denke, wollte der Journalist wissen.
Als Papst mische er sich nicht in italienische Politik ein, begann der Papst seine Antwort. Den Bischöfen Italiens habe er gesagt, sie sollten das unter sich ausmachen, wie damit umzugehen sei. Er selber denke zum Thema, das ja kein nur italienisches sei, das, was die Kirche insgesamt dazu denke, schloss der Papst seine Antwort. Auf eine Nachfrage hin erinnerte er daran, Politiker - zumal katholische Politiker - sollten ihrem Gewissen entsprechend abstimmen; das Gewissen müsse natürlich gut gebildet sein.
Abtreibung
Sehr klar fiel die Antwort des Papstes auf die Frage aus, ob nicht im Fall einer Infektion durch den Zika-Virus bei einer Schwangeren eine Abtreibung in Frage komme, ob das nicht das kleinere Übel sei. „Abtreibung ist kein kleineres Übel“, so der Papst. „Es ist ein Verbrechen! Das heißt jemanden umzubringen, um jemand anderen zu retten. Das macht die Mafia, das ist ein Verbrechen! Das ist ein absolutes Übel.“
Johannes Paul II. und seine Freundin
Franziskus äußerte sich auf die Frage eines Journalisten hin auch zur Freundschaft des heiligen Papstes Johannes Paul II. zur US-Philosophin Anna Tymieniecka; eine BBC-Dokumentation hat unlängst Auszüge aus dem Briefwechsel der beiden veröffentlicht. Er habe von dieser Freundschaft schon zu seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires gewußt, versetzte der Papst: „Das war eine Sache, die bekannt war.“ Johannes Paul sei ein „unruhiger Mann“ gewesen, und Männern, die keine „gute Freundschaft zu einer Frau“ unterhielten, fehle doch etwas.
„Die Freundschaft zu einer Frau ist keine Sünde! Eine Liebesbeziehung zu einer Frau, die nicht deine Ehefrau ist – das ist Sünde. Der Papst ist ein Mann, er braucht auch das Denken von Frauen. Und auch der Papst hat ein Herz, das zu einer gesunden, heiligen Freundschaft zu einer Frau imstande ist. Es gibt heilige Freunde, etwa Franziskus und Klara, oder Teresia von Avila und Johannes vom Kreuz – also, erschreckt nicht!“
Ende der „Eiszeit“ zwischen Vatikan und Azhar-Universität?
Der Papst ließ erkennen, dass er gerne den Großimam der ägyptischen al-Azhar-Universität treffen würde. Auch dieser sei zu einer Begegnung bereit, das habe der Besuch eines Vertreters des päpstlichen Dialogrates in Kairo letzte Woche ergeben. „Wir denken noch über die Art und Weise (eines Treffens) nach“, ergänzte Franziskus; „wir werden das hinkriegen“. Die al-Azhar-Universität hatte während des Pontifikats von Benedikt XVI. 2011 einen theologischen Dialog mit dem Vatikan auf Eis gelegt; in jüngster Zeit gibt es aber Hinweise, dass Kairo wieder auf den Vatikan zugeht.
Staunen über Vielfalt Mexikos
Voller Begeisterung sprach der Papst von der kulturellen Vielfalt, die er in den letzten Tagen in Mexiko vorgefunden habe: „Wußtet ihr, dass in Mexiko heute 65 Sprachen gesprochen werden?“ Mit Bedauern vermerkte er, dass rivalisierende Drogenbanden wegen seines Besuchs in Ciudad Juárez lediglich einen „Stillhaltepakt von zwölf Stunden“ abgeschlossen hätten, „danach werden sie wieder untereinander kämpfen“.
Dass Mexiko trotz all seiner Probleme noch so „vital“ sei, lasse sich nur mit den Marienerscheinungen von Guadalupe erklären. Vor dem Gnadenbild Mariens habe er für die Kirche und für Mexiko gebetet. „Aber was ein Sohn der Mamma sonst noch so sagt, ist ein bisschen geheim...“
Zum Schluss der fliegenden Pressekonferenz verabschiedeten sich Franziskus und die Journalisten mit einer Torte und Geschenken von Alberto Gasbarri, der elf Jahre lang der Hauptverantwortliche für die Organisation von Papstreisen gewesen ist und jetzt in den Ruhestand wechselt. Eine Journalistin würdigte Gasbarri, der auch Radio-Vatikan-Personalchef war, als „Gentleman alter Schule“.
Quelle: Radio Vatikan >>
Hintergrund:
Alle Artikel zur Papstreise nach Mexiko auf Radio Vatikan
Dienstag, 9. Juni 2015
Franziskus in Sarajevo: Aufruf zum Einsatz für Frieden in der Welt
Papstpredigt: Wie baut man den Frieden auf?
Liebe Brüder und Schwestern,
in den biblischen Lesungen, die wir gehört haben, ist mehrmals das Wort „Frieden“ aufgetreten. Es ist ein prophetisches Wort par excellence! Frieden ist der Traum Gottes, Gottes Plan für die Menschheit, für die Geschichte und mit der ganzen Schöpfung. Es ist ein Plan, der immer auf Widerstand von Seiten des Menschen oder von Seiten des Bösen stößt. Auch in unserer Zeit kollidieren das Streben nach Frieden und der Einsatz, ihn aufzurichten, mit der Tatsache, dass in der Welt zahlreiche bewaffnete Konflikte im Gang sind. Es ist eine Art dritter Weltkrieg, der „stückweise“ geführt wird; und im Bereich der globalen Kommunikation nimmt man ein Klima des Krieges wahr.
Es gibt welche, die ein solches Klima absichtlich schaffen und schüren wollen, insbesondere jene, die den Zusammenstoß zwischen verschiedenen Kulturen und Zivilisationen suchen, und auch jene, die mit den Kriegen spekulieren, um Waffen zu verkaufen. Doch Krieg bedeutet Kinder, Frauen und alte Leute in Flüchtlingslagern; bedeutet Vertreibungen; bedeutet zerstörte Häuser, Straßen und Fabriken; bedeutet vor allem so viele zerbrochene Leben. Ihr kennt das zu gut, weil ihr es gerade hier erlebt habt: wie viel Leiden, wie viel Zerstörung, wie viel Schmerz! Heute, liebe Brüder und Schwestern, erhebt sich noch einmal aus dieser Stadt der Schrei des Volkes Gottes und aller Männer und Frauen guten Willens: Nie wieder Krieg!
Inmitten dieses Kriegsklimas erklingt das Wort Jesu im Evangelium wie ein Sonnenstrahl, der die Wolken durchbricht: „Selig, die Frieden stiften“ (Mt 5,9). Es ist ein immer aktueller Aufruf, der für jede Generation gültig bleibt. Er sagt nicht: „Selig, die Frieden predigen“; denn alle sind fähig, ihn zu verkünden, auch in scheinheiliger oder sogar lügnerischer Weise. Nein. Er sagt: „Selig, die Frieden stiften“; das heißt, die ihn herstellen. Frieden herzustellen ist eine „handwerkliche“ Tätigkeit, die Leidenschaft, Geduld, Erfahrung und Ausdauer erfordert. Selig sind die, die Frieden säen mit ihren alltäglichen Taten, mit dienstbereitem Auftreten und Handeln und mit Gesten der Brüderlichkeit, des Dialogs und der Barmherzigkeit … Ja, diese „werden Söhne Gottes genannt werden“. Denn Gott sät Frieden, immer und überall. Als die Zeit erfüllt war, hat er seinen Sohn in die Welt „ausgesät“, damit wir Frieden hätten! Frieden herzustellen ist eine Arbeit, die jeden Tag weiterzuführen ist, Schritt für Schritt, ohne je zu ermüden.
Wie macht man das, wie baut man den Frieden auf? Das hat uns auf grundsätzliche Weise der Prophet Jesaja in Erinnerung gerufen: „Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein“ (32,17). „Opus iustitiae pax“, wie es in der Version der „Vulgata“ heißt und zu einem berühmten Motto geworden ist, das auch prophetisch von Papst Pius XII. übernommen wurde. Der Friede ist Werk der Gerechtigkeit. Auch hier gilt: Es ist nicht eine vorgetragene, theoretisch durchgespielte, geplante Gerechtigkeit, sondern eine praktizierte und gelebte Gerechtigkeit. Und das Neue Testament lehrt uns, dass die vollkommene Erfüllung der Gerechtigkeit darin besteht, den Nächsten zu lieben wie sich selbst“ (vgl. Mt 22,39; Röm 13,9). Wenn wir mit der Gnade Gottes dieses Gebot befolgen, wie ändern sich dann die Dinge! Weil wir uns ändern! Diese Person, dieses Volk, das ich als Feind ansehe, hat in Wirklichkeit das gleiche Gesicht wie ich, das gleiche Herz wie ich, die gleiche Seele wie ich. Wir haben den gleichen Vater im Himmel. Daher bedeutet die wahre Gerechtigkeit, dieser Person, diesem Volk das zu tun, von dem ich möchte, dass es mir und meinem Volk getan werde (vgl. Mt 7,12).
Der heilige Paulus hat uns – in der zweiten Lesung – die notwendigen Haltungen zur Schaffung des Friedens aufgezeigt: „Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol 3,12-13).
Hier haben wir die Haltungen, um „Handwerker“ des Friedens im Alltag zu sein, dort wo wir leben. Nun dürfen wir uns aber nicht einbilden, dass dies nur von uns abhängt! Wir würden einem trügerischen Moralismus verfallen. Der Friede ist Gabe Gottes, nicht im magischen Sinn, sondern weil Er mit seinem Geist diese Haltungen in unsere Herzen und in unser Fleisch einprägen kann. Er kann uns zu wirklichen Werkzeugen seines Friedens machen. Und tiefgründig sagt der Apostel, dass der Friede Gabe Gottes ist, weil er Frucht seiner Versöhnung mit uns ist. Nur wenn der Mensch sich mit Gott versöhnen lässt, kann er Friedensstifter werden.
Liebe Brüder und Schwestern, auf die Fürsprache der Jungfrau Maria bitten wir heute gemeinsam den Herrn um die Gnade, ein lauteres Herz zu haben; um die Gnade der Geduld; um die Gnade, für die Gerechtigkeit zu kämpfen und zu arbeiten; um die Gnade, barmherzig zu sein, auf den Frieden hin zu arbeiten, Frieden und nicht Krieg und Zwietracht zu säen. Das ist der Weg, der zum Glück führt, der selig macht.
Radio Vatikan >>
Papst an bosnische Jugendliche: Sorgt für Frieden!
Mit einer großen Begegnung mit Jugendlichen ist der Ein-Tages-Besuch von Papst Franziskus in Bosnien-Herzegowina am Samstag zu Ende gegangen. Bei dem Treffen, eine Art ‚Mini-Weltjugendtag‘, kam auch eine junge bosnische Serbin zu Wort; sie berichtete über ein ökumenisches Projekt katholischer und orthodoxer Jugendlicher. „Unser Ziel ist es, dass wir uns besser kennenlernen, unsere Ähnlichkeiten wahrnehmen und unsere Unterschiede verstehen. Damit wollen wir die Vorurteile überwinden, die unter uns bestehen, und den Frieden in Bosnien-Herzegowina bewahren.“ Ein multiethnischer Kinderchor sang von Versöhnung.
Wie schon zuvor in der Kathedrale verzichtete Franziskus auf das Verlesen seiner vorbereiteten Rede; stattdessen ließ er sich auf ein Frage-Antwort-Spiel mit ein paar jungen Leuten auf dem Podium ein. Ja, es stimme, dass er seit den neunziger Jahren kein TV mehr sehe, sagte er auf eine entsprechende Frage; er habe damals „gemerkt, dass das Fernsehen mir nicht gut tat“. Bestimmt sei er in dieser Hinsicht „antik, aus der Steinzeit“, und er verstehe ja auch, dass sich die Zeiten geändert hätten und wir jetzt „in der Zeit der Bilder“ lebten. „Aber in der Zeit des Bildes muss man dasselbe tun, was man früher in der Zeit der Bücher tat: auswählen, was mir guttut!“
Die Fernsehanstalten hätten eine große Verantwortung, mahnte der Papst. „Aber die Verantwortung, das richtige Programm auszuwählen, haben wir selbst. Wenn da etwas läuft, was uns nicht guttut, was die Werte niedermacht, auch Schweinereien – den Kanal wechseln! Das machten wir schon in meiner Steinzeit mit den Büchern so.“
Jugendliche sollten nicht „am Computer kleben und Sklaven des Computers sein“, sonst hätten sie keine Freiheit. „Und wenn du da schmutzige Programme suchst, verlierst du die Würde! Schaut Fernsehen und nutzt den Computer, aber für Dinge, die uns wachsen lassen und die uns guttun!“
Nie Mauern bauen, immer nur Brücken
Franziskus sagte den Jugendlichen, sie seien die erste Generation seit langem, die in Bosnien ohne Krieg aufwachse. „Ich sehe, dass ihr keine Zerstörungen wollt – das ist etwas Großartiges! Ob du Muslim, Jude, Orthodoxer, Katholik bist – wir gehören zusammen, und wir wollen den Frieden! Das ist eine Erfahrung eurer Generation. Ihr habt eine große Berufung: Nie Mauern bauen, immer nur Brücken!“ Er habe mal einen Film über Sarajevo mit dem Film „Die Brücke“ gesehen: Wenn wir – wie während der Belagerung Sarajevos – blockiert seien, dann sei die Zukunft der Stadt in Gefahr.
Alle redeten von Frieden, fuhr der Papst fort: „Einige Mächtige der Welt sagen schöne Dinge über Frieden, aber gleichzeitig verkaufen sie Waffen! Von euch erwarte ich mir Ehrlichkeit – Kohärenz zwischen dem, was ihr denkt, sagt und tut. Das Gegenteil heißt Scheinheiligkeit.“ Zum Schluß der Begegnung wurde dem Papst eine Bronzestatuette seines Vorgängers, des heiligen Johannes Paul II. überreicht. Der polnische Papst hatte Sarajevo 1997, zwei Jahre nach Kriegsende, besucht.
Franziskus grüßte auch die vor dem Zentrum wartenden Jugendlichen, die im Innern keinen Platz mehr gefunden hatten, und bezog sich einmal mehr auf das Motto seiner Reise: „Mir vama, Friede sei mit euch! Das ist die Aufgabe, die ich euch hinterlasse. Frieden schließt man mit allen, mit Muslimen, Orthodoxen, Juden – alle sind wir Brüder, alle sind wir Kinder Gottes! Niemals Trennung zwischen euch! Brüderlichkeit und Einigkeit!“
Radio Vatikan >>
Papst ruft in Sarajevo zum Frieden auf: "Nie wieder Krieg"
Papst Franziskus hat in Sarajevo zum Einsatz für den Frieden in der Welt aufgerufen. Aus der im Bosnien-Krieg leidgeprüften Stadt erhebe sich der "Schrei des Volkes Gottes und aller Männer und Frauen guten Willens: Nie wieder Krieg", sagte er am Samstag während eines Gottesdienstes mit 65.000 Menschen im Kosevo-Stadion der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas. Krieg bedeute Kinder, Frauen und alte Leute in Flüchtlingslagern, Vertreibungen sowie zerstörte Häuser und Fabriken, so Franziskus in seiner Predigt. Vor allem aber bedeute er "so viele zerbrochene Leben". In Sarajevo sei diese Erfahrung besonders präsent.
Die zahlreichen bewaffneten Konflikte, die gegenwärtig seien eine "Art dritter Weltkrieg, der stückweise geführt" werde, sagte der Papst weiter. Er beklagte zudem ein "Klima des Krieges", das in die "globale Kommunikation" eingekehrt sei. Christen müssten sich dieser Entwicklung entgegenstellen und als Friedenstifter wirken.
Kathpress >>
Papst in Sarajevo: Nie wieder Krieg!
Frieden, Dialog und Versöhnung war die zentrale Mission der 8. Auslandsreise von Papst Franziskus an diesem Samstag nach Sarajevo.
Papstgeflüster.de >>
Sarajevo - Papst spricht in Bosnien von "Drittem Weltkrieg"
Kirchenoberhaupt traf Vertreter von Katholiken, Orthodoxen, Muslimen und der jüdischen Gemeinde
DerStandard >>
Kommentar: Papst in auswegloser Mission
Er kam, blieb kurz und musste auf jedes Wort, jede Geste achten. Der Papst in Sarajewo ist mehr als ein katholisches Kirchenereignis. Es ist große politische Diplomatie - leider ohne Folgen, meint Volker Wagener.
Deutsche Welle >>
Ähnlicher Appell von Papst Franziskus für den Frieden:
Papst an kleine "Friedensarbeiter": Frieden ist Handwerk
Papst Franziskus hat an diesem Montag im Vatikan 7.000 kleine „Friedensarbeiter“ empfangen. Im Rahmen der italienischen Bildungsinitiative „Fabbrica della pace“ – Friedensfabrik - kamen Grundschulkinder verschiedener ethnischer und sozialer Herkunft in die Audienzhalle, um mit dem Papst über Frieden, Liebe und Gerechtigkeit zu plaudern. Die Papstaudienz ist das erste Projekt der Solidaritäts- und Bildungskampagne, die vom italienischen Bildungsministerium, Kinderschutzinstitutionen und dem Komitee für Kinderrechte der Vereinten Nationen unterstützt wird.
„Warum wollen so viele Regierenden nicht den Frieden? Weil sie vom Krieg leben! Es ist die Waffenindustrie – das ist schwerwiegend! Einige Mächtige verdienen mit der ,Fabrik der Waffen‘, verkaufen Waffen an verfeindete Länder. Das ist die Industrie des Todes.“ Und der Papst riet den Kindern, sich die Welt der Macht, des Geldes und der Interessen, mit der auch sie in Berührung kommen, genau anzusehen: „Wenn wir sehen, dass das Wirtschaftssystem um das Geld kreist, und nicht um die menschliche Person… Man opfert viel und führt Krieg, um das Geld zu verteidigen! Deshalb wollen so viele Menschen keinen Frieden: Sie verdienen mehr mit dem Krieg. Man verdient Geld, aber verliert Leben, Kultur, Erziehung, so viele Dinge.“
Radio Vatikan >>
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| Papst Franziskus küsst den Priester Zvonimir Matijevic an der Stelle, wo die Handfesseln Spuren hinterlassen haben |
Papstbesuch noch immer Thema
In der Kirche in Bosnien und Herzegowina sind unterdessen noch immer die vielfältigen Eindrücke des Papstbesuches ein Thema. Einer der besonders berührenden Momente dies Besuches war das Zeugnis des Priesters Zvonimir Matijevic über seine Leiden, die er im Krieg erlitten hat. Infolge dessen erkrankte der Priester an multiple Sklerose (MS).
In einem Interview für die Katholische Presseagentur in Sarajevo, das am Dienstag veröffentlicht wurde, spricht Matijevic von jenem Moment, als der Papst nach seinem Glaubenszeugnis zu ihm kam. "Ich habe nicht erwartet, dass der Papst aufstehen und zu mir kommen würde. Deshalb war ich völlig verwirrt. Ich wurde von Emotionen überwältigt, meine Augen wurden voll von Tränen, und ich habe geweint. Ich habe erwartet, dass er mich segnen wird. Aber der Papst hat sich gebeugt und die Stellen an meinen Händen geküsst, an denen die Handfesseln die Spuren hinterlassen haben. Er hat mich um meinen Segen gebeten, was ich, noch immer verwirrt, getan habe. Danach hat er mich gesegnet. Der Papst ist wahrhaftig mit dem Geist Gottes erfüllt. Er ist spontan, und Christus hat ihn berührt, der das Kreuz auch durch mich getragen hat", sagte der Priester wörtlich.
In der Kirche in Bosnien und Herzegowina sind unterdessen noch immer die vielfältigen Eindrücke des Papstbesuches ein Thema. Einer der besonders berührenden Momente dies Besuches war das Zeugnis des Priesters Zvonimir Matijevic über seine Leiden, die er im Krieg erlitten hat. Infolge dessen erkrankte der Priester an multiple Sklerose (MS).
In einem Interview für die Katholische Presseagentur in Sarajevo, das am Dienstag veröffentlicht wurde, spricht Matijevic von jenem Moment, als der Papst nach seinem Glaubenszeugnis zu ihm kam. "Ich habe nicht erwartet, dass der Papst aufstehen und zu mir kommen würde. Deshalb war ich völlig verwirrt. Ich wurde von Emotionen überwältigt, meine Augen wurden voll von Tränen, und ich habe geweint. Ich habe erwartet, dass er mich segnen wird. Aber der Papst hat sich gebeugt und die Stellen an meinen Händen geküsst, an denen die Handfesseln die Spuren hinterlassen haben. Er hat mich um meinen Segen gebeten, was ich, noch immer verwirrt, getan habe. Danach hat er mich gesegnet. Der Papst ist wahrhaftig mit dem Geist Gottes erfüllt. Er ist spontan, und Christus hat ihn berührt, der das Kreuz auch durch mich getragen hat", sagte der Priester wörtlich.
Montag, 1. Juni 2015
Papstinterview: „Ich war schon immer ein Wanderer“
Papstinterview:
„Ich war schon immer ein Wanderer“
In einem aktuellen Interview mit der Zeitung „La Voz del Pueblo“ geht Papst Franziskus auf globale Missstände ein und gibt intime Einblicke in sein Amt. Das Gespräch auf Spanisch wurde in dem argentinischen Blatt am Pfingstsonntag veröffentlicht. Geführt wurde es von dem Journalisten Juan Berretta, der Papst Franziskus vor einiger Zeit im vatikanischen Gästehaus Santa Marta besuchte. Im Folgenden lesen Sie eine Zusammenfassung.
Wie fühlt es sich an, Papst zu sein? Was hofft ein Papst, worum sorgt er sich, was bewegt ihn besonders? Um diese Fragen kreist das Gespräch, in dem Jorge Mario Bergoglio einen persönlichen Einblick in sein Amtsverständnis gibt. Zu seiner großen Popularität befragt, antwortet der Papst zunächst abwehrend. Er hat aber doch eine Ahnung davon, warum er einen solchen „Magnetismus“ auf die Menschen ausübt. „Ich weiß nicht genau, warum das passiert. Es ist, als ob die Leute verstünden, was ich sagen möchte. Ich versuche, konkret zu sein. Und das, was ihr ,Magnetismus‘ nennt, hat, so sagen mir bestimmte Kardinäle, damit zu tun, dass die Menschen mich verstehen.“ Es fühle sich so an, als ob sein Leben sich mit dem der Menschen „vermische“. Im Übrigen tue es ihm gut, unter Menschen zu sein, ohne sie könne er „psychologisch nicht leben“.
„Ich war schon immer ein Wanderer“
Sicher – fährt Franziskus dann fort – es fehlten ihm auch viele Dinge im Vergleich zu seinem Leben in Argentinien: Zum Beispiel „rausgehen und auf den Straßen herumlaufen“ oder „eine Pizza essen gehen“. Pizza? Die könne er doch in den Vatikan bestellen, entgegnet der Journalist. „Ja sicher, das ist aber nicht dasselbe. Das Schöne ist doch, dorthin zu gehen. Ich war schon immer ein Wanderer.“ Als Kardinal habe es ihn „verzaubert, auf den Straßen zu laufen“ oder Metro zu fahren. „Die Stadt verzaubert mich, ich bin in tiefster Seele ein Städter“, so Papst Franziskus. Seine Heimat sieht Franziskus übrigens auch aus einem anderen Grund mit Wehmut: Er halte Argentinien für das „Land vieler Möglichkeiten und vieler verpasster Gelegenheiten“, wenn er auch das politische Geschehen dort kaum noch verfolge.
Dass es ungeahnte Folgen haben kann, wenn er sich als Papst mal über das Protokoll hinwegsetzt, sei ihm inzwischen auch klar, schließt er an. Einmal habe er bei einer Autofahrt mit Chauffeur vergessen, das Fenster zu schließen, und damit „für Krawall gesorgt“: Die Leute hätten ihn neben dem Fahrer sitzen sehen und das Auto nicht durchgelassen. Es sei wahr, er habe den „Ruf des Indisziplinierten, das Protokoll befolge ich nicht sehr, ich empfinde das als kalt“, doch wenn es um „offizielle Dinge“ gehe, halte er „komplett“ daran fest.
Bereitet ihm sein wichtiges Amt auch mal schlaflose Nächte?, will der Journalist wissen. „Ich habe einen so tiefen Schlaf, dass ich mich ins Bett lege und sofort schlafe.“ Im Regelfall schlafe er sechs Stunden, so Franziskus: „Normalerweise gehe ich um neun in mein Zimmer und lese fast bis zehn.“ Derzeit lese er übrigens den „großen spirituellen Meister“ Siluan von Athos. „Wenn dann ein Auge anfängt zu tränen, knipse ich das Licht aus und schlafe bis vier. Dann wache ich von selber auf, das ist meine biologische Uhr.“ Am Tag brauche er dann allerdings „die Siesta“: „Da muss ich zwischen vierzig Minuten und einer Stunde schlafen, ich ziehe mir die Schuhe aus und ziehe mich ins Bett zurück“. Wenn er das nicht tun könne, merke er das auch.
„Tollkühner“ Charakter
Grundsätzlich sei er ein „tollkühner“ Charakter, fährt der Papst fort. Deshalb habe er „generell keine Angst“. Mit seiner Wahl zum Papst habe er zwar überhaupt nicht gerechnet, habe sich aber ganz Gott anvertraut: „Das Leben eines Geistlichen, eines Jesuiten, verändert sich je nach Notwendigkeit“, so Franziskus wörtlich. Auch was etwa mögliche Attentate auf ihn betreffe, fühle er sich „in den Händen Gottes“. Freilich habe er Angst vor physischem Schmerz: „Was das betrifft, bin ich sehr ängstlich. Ich habe keine Angst vor einer Spritze, ziehe es aber vor, keine Probleme mit körperlichem Schmerz zu haben.“ Momentan mache ihm die Intensität seines Amtes zu schaffen, ergänzt er. „Ich halte einen sehr starken Arbeitsrhythmus ein, das ist das Syndrom des Schuljahrendes, das im Juni endet“.
Es kämen da auch manchmal „tausende Dinge und Probleme“ hinzu, so Franziskus mit Blick auf die mediale Berichterstattung über seine Amtsführung weiter: In den Medien würden seine Worte manchmal aus dem Kontext gerissen, und es entstünden Probleme daraus; da werde richtiggehend gekämpft „um das, was du sagst oder nicht sagst“.
Quelle: Radio Vatikan
Papst im Interview: „Ich bin eher tollkühn“
Papst Franziskus sagte laut einem Interview mit der argentinischen Zeitung „La Voz del Pueblo“: „Ich bin eher tollkühn“. Das Interview wurde am Montag auch in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ veröffentlicht.
Religion.orf.at >>
Er versprach es der Jungfrau Maria
"Das ist nichts für mich"
Papst Franziskus ist ein bescheidener Mann. Das zeigt sich auch in seinen täglichen Gewohnheiten: In einem Interview erzählte er nun, dass er bereits seit 1990 auf Fernsehen verzichte. Der Grund dafür ist ein altes Gelübde.
Focus.de >>
Provokantes Kirchenoberhaupt
Papst Franziskus verteidigt erneut Gewalt an Kindern
Papst Franziskus hat sich in einem Interview erneut zu Gewalt an Kindern geäußert. Zwei oder drei Klapse auf den Hintern würden nicht schaden. Auch zu dem Thema Abtreibung hat das Kirchenoberhaupt eine klare Meinung.
Könische Rundschau >>
„Ich war schon immer ein Wanderer“
In einem aktuellen Interview mit der Zeitung „La Voz del Pueblo“ geht Papst Franziskus auf globale Missstände ein und gibt intime Einblicke in sein Amt. Das Gespräch auf Spanisch wurde in dem argentinischen Blatt am Pfingstsonntag veröffentlicht. Geführt wurde es von dem Journalisten Juan Berretta, der Papst Franziskus vor einiger Zeit im vatikanischen Gästehaus Santa Marta besuchte. Im Folgenden lesen Sie eine Zusammenfassung.
Wie fühlt es sich an, Papst zu sein? Was hofft ein Papst, worum sorgt er sich, was bewegt ihn besonders? Um diese Fragen kreist das Gespräch, in dem Jorge Mario Bergoglio einen persönlichen Einblick in sein Amtsverständnis gibt. Zu seiner großen Popularität befragt, antwortet der Papst zunächst abwehrend. Er hat aber doch eine Ahnung davon, warum er einen solchen „Magnetismus“ auf die Menschen ausübt. „Ich weiß nicht genau, warum das passiert. Es ist, als ob die Leute verstünden, was ich sagen möchte. Ich versuche, konkret zu sein. Und das, was ihr ,Magnetismus‘ nennt, hat, so sagen mir bestimmte Kardinäle, damit zu tun, dass die Menschen mich verstehen.“ Es fühle sich so an, als ob sein Leben sich mit dem der Menschen „vermische“. Im Übrigen tue es ihm gut, unter Menschen zu sein, ohne sie könne er „psychologisch nicht leben“.
„Ich war schon immer ein Wanderer“
Sicher – fährt Franziskus dann fort – es fehlten ihm auch viele Dinge im Vergleich zu seinem Leben in Argentinien: Zum Beispiel „rausgehen und auf den Straßen herumlaufen“ oder „eine Pizza essen gehen“. Pizza? Die könne er doch in den Vatikan bestellen, entgegnet der Journalist. „Ja sicher, das ist aber nicht dasselbe. Das Schöne ist doch, dorthin zu gehen. Ich war schon immer ein Wanderer.“ Als Kardinal habe es ihn „verzaubert, auf den Straßen zu laufen“ oder Metro zu fahren. „Die Stadt verzaubert mich, ich bin in tiefster Seele ein Städter“, so Papst Franziskus. Seine Heimat sieht Franziskus übrigens auch aus einem anderen Grund mit Wehmut: Er halte Argentinien für das „Land vieler Möglichkeiten und vieler verpasster Gelegenheiten“, wenn er auch das politische Geschehen dort kaum noch verfolge.
Dass es ungeahnte Folgen haben kann, wenn er sich als Papst mal über das Protokoll hinwegsetzt, sei ihm inzwischen auch klar, schließt er an. Einmal habe er bei einer Autofahrt mit Chauffeur vergessen, das Fenster zu schließen, und damit „für Krawall gesorgt“: Die Leute hätten ihn neben dem Fahrer sitzen sehen und das Auto nicht durchgelassen. Es sei wahr, er habe den „Ruf des Indisziplinierten, das Protokoll befolge ich nicht sehr, ich empfinde das als kalt“, doch wenn es um „offizielle Dinge“ gehe, halte er „komplett“ daran fest.
Bereitet ihm sein wichtiges Amt auch mal schlaflose Nächte?, will der Journalist wissen. „Ich habe einen so tiefen Schlaf, dass ich mich ins Bett lege und sofort schlafe.“ Im Regelfall schlafe er sechs Stunden, so Franziskus: „Normalerweise gehe ich um neun in mein Zimmer und lese fast bis zehn.“ Derzeit lese er übrigens den „großen spirituellen Meister“ Siluan von Athos. „Wenn dann ein Auge anfängt zu tränen, knipse ich das Licht aus und schlafe bis vier. Dann wache ich von selber auf, das ist meine biologische Uhr.“ Am Tag brauche er dann allerdings „die Siesta“: „Da muss ich zwischen vierzig Minuten und einer Stunde schlafen, ich ziehe mir die Schuhe aus und ziehe mich ins Bett zurück“. Wenn er das nicht tun könne, merke er das auch.
„Tollkühner“ Charakter
Grundsätzlich sei er ein „tollkühner“ Charakter, fährt der Papst fort. Deshalb habe er „generell keine Angst“. Mit seiner Wahl zum Papst habe er zwar überhaupt nicht gerechnet, habe sich aber ganz Gott anvertraut: „Das Leben eines Geistlichen, eines Jesuiten, verändert sich je nach Notwendigkeit“, so Franziskus wörtlich. Auch was etwa mögliche Attentate auf ihn betreffe, fühle er sich „in den Händen Gottes“. Freilich habe er Angst vor physischem Schmerz: „Was das betrifft, bin ich sehr ängstlich. Ich habe keine Angst vor einer Spritze, ziehe es aber vor, keine Probleme mit körperlichem Schmerz zu haben.“ Momentan mache ihm die Intensität seines Amtes zu schaffen, ergänzt er. „Ich halte einen sehr starken Arbeitsrhythmus ein, das ist das Syndrom des Schuljahrendes, das im Juni endet“.
Es kämen da auch manchmal „tausende Dinge und Probleme“ hinzu, so Franziskus mit Blick auf die mediale Berichterstattung über seine Amtsführung weiter: In den Medien würden seine Worte manchmal aus dem Kontext gerissen, und es entstünden Probleme daraus; da werde richtiggehend gekämpft „um das, was du sagst oder nicht sagst“.
Quelle: Radio Vatikan
Papst im Interview: „Ich bin eher tollkühn“
Papst Franziskus sagte laut einem Interview mit der argentinischen Zeitung „La Voz del Pueblo“: „Ich bin eher tollkühn“. Das Interview wurde am Montag auch in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ veröffentlicht.
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Er versprach es der Jungfrau Maria
"Das ist nichts für mich"
Papst Franziskus ist ein bescheidener Mann. Das zeigt sich auch in seinen täglichen Gewohnheiten: In einem Interview erzählte er nun, dass er bereits seit 1990 auf Fernsehen verzichte. Der Grund dafür ist ein altes Gelübde.
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Provokantes Kirchenoberhaupt
Papst Franziskus verteidigt erneut Gewalt an Kindern
Papst Franziskus hat sich in einem Interview erneut zu Gewalt an Kindern geäußert. Zwei oder drei Klapse auf den Hintern würden nicht schaden. Auch zu dem Thema Abtreibung hat das Kirchenoberhaupt eine klare Meinung.
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Freitag, 10. April 2015
Papst Franziskus ruft „Jubiläum der Barmherzigkeit“ aus
Im Wortlaut die Papstpredigt der Vesper zur Ankündigung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit
Radio Vatikan >>
Die veröffentlichte Bulle „Misercordiae Vultus“ - „Antlitz der Barmherzigkeit“
Radio Vatikan >>
Papst Franziskus ruft am Samstag Heiliges Jahr aus
Mobilisierung der Massen
Mit einer Bulle, einer feierlichen Urkunde, ruft Papst Franziskus am Samstag ein außerordentliches Heiliges Jahr aus. Dass ein Papst vor dem Petersdom eine solche Bulle verliest, kommt seltener vor als ein Konklave.
Domradio.de >>
Heiliges Jahr 2016: Papst ruft „Jubiläum der Barmherzigkeit“ aus
Das Heilige Jahr wird zum 50. Jahrestages des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) statt. Es sei damit eine Einladung, das mit dem Konzil begonnene Werk fortzuführen, so der Vatikan in einer Pressemitteilung. Datum der Eröffnung ist der 8. Dezember 2015, das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und gleichzeitig Jahrestag des Endes des Konzils. Enden wird das Heilige Jahr am 20. November 2016 mit dem Christkönigsfest.
Radio Vatikan >>
Franziskus kündigt Heiliges Jahr an
Papst Franziskus kündigt am zweiten Jahrestag seines Potifikats ein Heiliges Jahr an. Unter dem Titel „Jubiläum der Barmherzigkeit“, sollen ab Dezember Katholiken nach Rom pilgern und Barmherzigkeit im Alltag praktizieren.
Religion.orf.at >>
Bischof von Rom
Franziskus ruft Heiliges Jahr aus
Der Papst hat in Rom den Beginn eines katholischen Jubeljahres angekündigt. Es soll im Zeichen eines seiner Schlüsselbegriffe stehen: der Barmherzigkeit. Zugleich will Franziskus mit dem Heiligen Jahr seine Reformbemühungen stärken.
FAZ >>
Fremde aufnehmen und Hungrige speisen
Papst Franziskus hat am Abend das Heilige Jahr ausgerufen. Das Thema des Jahres ist Barmherzigkeit. Damit rückt ein altertümlich klingenden Begriff in den Fokus. In Zeiten von Flüchtlingskrisen und Terror scheint er aber sehr aktuell.
Domradio.de >>
Die Kirche als Zeichen der Barmherzigkeit Gottes
Nach der Proklamation der Bulle erklärte Papst Franziskus, warum er das Heilige Jahr will.
Die Tagespost >>
Radio Vatikan >>
Die veröffentlichte Bulle „Misercordiae Vultus“ - „Antlitz der Barmherzigkeit“
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Papst Franziskus ruft am Samstag Heiliges Jahr aus
Mobilisierung der Massen
Mit einer Bulle, einer feierlichen Urkunde, ruft Papst Franziskus am Samstag ein außerordentliches Heiliges Jahr aus. Dass ein Papst vor dem Petersdom eine solche Bulle verliest, kommt seltener vor als ein Konklave.
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Heiliges Jahr 2016: Papst ruft „Jubiläum der Barmherzigkeit“ aus
Das Heilige Jahr wird zum 50. Jahrestages des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) statt. Es sei damit eine Einladung, das mit dem Konzil begonnene Werk fortzuführen, so der Vatikan in einer Pressemitteilung. Datum der Eröffnung ist der 8. Dezember 2015, das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und gleichzeitig Jahrestag des Endes des Konzils. Enden wird das Heilige Jahr am 20. November 2016 mit dem Christkönigsfest.
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Franziskus kündigt Heiliges Jahr an
Papst Franziskus kündigt am zweiten Jahrestag seines Potifikats ein Heiliges Jahr an. Unter dem Titel „Jubiläum der Barmherzigkeit“, sollen ab Dezember Katholiken nach Rom pilgern und Barmherzigkeit im Alltag praktizieren.
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Bischof von Rom
Franziskus ruft Heiliges Jahr aus
Der Papst hat in Rom den Beginn eines katholischen Jubeljahres angekündigt. Es soll im Zeichen eines seiner Schlüsselbegriffe stehen: der Barmherzigkeit. Zugleich will Franziskus mit dem Heiligen Jahr seine Reformbemühungen stärken.
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Fremde aufnehmen und Hungrige speisen
Papst Franziskus hat am Abend das Heilige Jahr ausgerufen. Das Thema des Jahres ist Barmherzigkeit. Damit rückt ein altertümlich klingenden Begriff in den Fokus. In Zeiten von Flüchtlingskrisen und Terror scheint er aber sehr aktuell.
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Die Kirche als Zeichen der Barmherzigkeit Gottes
Nach der Proklamation der Bulle erklärte Papst Franziskus, warum er das Heilige Jahr will.
Die Tagespost >>
Montag, 16. März 2015
Großes Papst-Interview für das mexikanische Fernsehen
Kurienreform, Drogenhandel und Migration: In einem großen TV-Interview stand Papst Franziskus dem mexikanischen Fernsehen Televisa Rede und Antwort. Radio Vatikan veröffentlicht Auszüge aus dem argentinischen Text in eigener Übersetzung:
Wie ist es möglich, dass Sie uns dieses Jahr nicht besuchen? Es gab große Hoffnungen darauf, dass Sie im September kommen würden.
„Ich wollte es eigentlich tun, weil ich die Vereinigten Staaten über die mexikanische Grenze betreten wollte. Aber wenn ich zum Beispiel nach Ciudad Juárez oder Morelia gegangen wäre, um von dort aus (in die USA) einzureisen, hätte es einigen Unmut gegeben: Wie kann er denn dorthin fahren und nicht auch kommen, um Unsere Liebe Frau (von Guadalupe), die Mutter zu besuchen! Außerdem kann man Mexiko nicht nur ein bisschen besuchen, Mexiko braucht eine Woche. Also, ich verspreche eine Reise nach Mexiko, wie es das verdient, und nicht nur flüchtig und im Vorbeigehen! Darum habe ich beschlossen, nicht von Mexiko aus (in den USA) einzutreffen.“
Was bedeutet für Sie Unsere Liebe Frau von Guadalupe?
„Nun, da rühren Sie an ein Thema, das mir viel bedeutet, nicht wahr... Sie ist eine Mutter, die ein Kind erwartet. Und in diesem tragischen Moment der Eroberung ... bringt sie uns die Erlösung. Sie zeigt uns, dass sie ein Kind erwartet. Aber wie tut sie das? Wie tut sie das abgesehen davon, dass sie (sichtlich) schwanger ist? Sie zeigt sich als Mestizin. Das ist eine Prophezeiung, unser amerikanisches Mestizenwesen. Eine Prophezeiung unserer Kultur. Darum hat sie die Grenzen Mexikos überschritten, und sie geht viel weiter und ist die Einheit des amerikanischen Volkes. Amerika ist kein Waisenkind. Es hat eine Mutter. Eine Mutter, die uns zu Jesus führt...“
Zum Thema „Migration“
Sie haben gesagt, dass Sie die USA gerne über die mexikanische Grenze erreicht hätten – eine sehr, sehr bedeutungsvolle Grenze... Was wäre die Botschaft Ihrer Anwesenheit dort, an dieser Grenze?
„Menschen nicht nur aus Mexiko, sondern aus Zentralamerika, Guatemala, die Mexiko ganz durchqueren, um eine bessere Zukunft zu suchen. Heutzutage ist die Emigration ein Resultat ... des Hungers, der Suche nach neuen Grenzen. Dasselbe geschieht in Afrika mit all diesen Menschen, die das Mittelmeer überfahren; sie kommen aus Ländern, die schwierige Momente durchmachen, sei es wegen des Hungers, sei es wegen der Kriege, nicht wahr? Es liegt auf der Hand, dass die Migration heutzutage sehr viel mit dem Hunger, mit dem Mangel an Arbeitsplätzen zu tun hat. Mit dieser Tyrannei eines Wirtschaftssystems, das den Geldgott im Mittelpunkt hat und nicht die menschliche Person, nicht wahr? Und so sortiert man Menschen aus. Also schafft ein Land – ob aus Amerika, Afrika oder sonst wo – eine von oben auferlegte wirtschaftliche Lage, die natürlich Menschen aussortiert, und die gehen dann woanders hin, um Arbeit zu suchen oder Nahrung oder Wohlstand, nicht wahr? Es ist sehr schmerzlich, das Migrationsproblem in der Welt! Denn es gibt verschiedene Migrationsgrenzen, nicht? Mich freut es, dass Europa seine Migrationspolitik überdenkt. Italien war sehr großzügig, und das will ich aussprechen! Die Bürgermeisterin von Lampedusa hat sich nicht geschont und auch Geld dafür gegeben, um diese Insel von einer Tourismus- zu einer Aufnahmezone zu machen, nicht wahr? Mit all dem, was das an entgangenen Einnahmen bedeutet, nicht? Da gibt es also heroische Taten... Aber Gott sei Dank sehe ich, dass Europa jetzt neu über diese Situation nachdenkt.
Um auf die Migration dort (in Mexiko) zurückzukommen: Diese Gegend ist außerdem geprägt von starkem Kampf gegen Probleme des Drogenhandels, nicht wahr? Die USA ... sind, glaube ich, unter den ersten Drogenkonsumenten in der Welt, und die Grenze, über die die Drogen hineinkommen, ist im Wesentlichen die mexikanische Grenze. Also, dort wird gelitten, nicht wahr? Morelia, diese ganze Gegend, ist eine Gegend großen Leidens, wo auch die Organisationen von Drogenhändlern ... ihr tödliches Geschäft tun, nicht wahr? Sie sind Botschafter des Todes, sei es wegen der Droge, sei es weil sie die, die sich der Droge entgegenstellen, sozusagen „wegschaffen“, in Anführungszeichen; die 43 (verschwundenen) Studenten bitten gewissermaßen um – ich sage nicht Rache, sondern Gerechtigkeit, und dass man an sie denke! ...
Zum Thema „Sicherheit“
Papst Franziskus, Sie haben sich auf die 43 Studenten aus Iguala bezogen. Das war ein sehr schwieriger Moment für Mexiko, eine tiefe Trauer für unser Land...
„Das ist nicht der erste schwierige Moment, den Mexiko durchmacht... Mexiko hat auch Momente der religiösen Verfolgung erlebt, in denen es viele Märtyrer gab. Ich glaube, dass der Teufel Mexiko sehr bestraft... Ich glaube, dass der Teufel Mexiko nicht vergibt, dass sie (Maria) dort ihren Sohn gezeigt hat. Das ist meine Deutung. Das heißt: Mexiko ist bevorzugt im Martyrium, weil es Seine Mutter erkannt und verteidigt hat... Die Mehrheit des mexikanischen Volkes ist (im Fall der getöteten Studenten) solidarisch. Und das ist eine der Tugenden, die Sie haben, nicht wahr? Und ich glaube, dass alle dort sich sehr einsetzen sollten, um das auf irgendeine Weise zu lösen. Ich weiß, dass es sehr schwierig ist, einen Drogenhändler anzuzeigen, denn man setzt dabei sein Leben aufs Spiel, das ist eine Art Martyrium, nicht wahr? Es ist hart, aber ich glaube, alle müssen wir in solchen Situationen – ob in Mexiko oder nicht – den Kopf hinhalten. Die Schuld nur einem Sektor, einem Menschen, einer einzigen Gruppe zu geben, ist kindisch!“
Papst Franziskus, in einer privaten Mail an einen argentinischen Freund haben Sie Ihre Besorgnis über die wachsende Verbreitung des Drogenhandels in Ihrem eigenen Land ausgedrückt und dabei von „eine Mexikanisierung vermeiden“ gesprochen. Es ist normal, dass dieser Begriff Ärger und Gereiztheit hervorgerufen hat...
„Das ist offensichtlich ein, erlauben Sie mir das Wort, technischer Begriff. Das hat nichts mit der Würde Mexikos zu tun. Wie wenn wir von Balkanisierung sprechen: Weder die Serben, noch die Mazedonier oder Kroaten ärgern sich deswegen über uns. Und man spricht von Balkanisierung, das wird technisch verwendet, und die Medien haben das viele Male getan, nicht wahr? ... Und alles friedlich. Das heißt: Das hat mir nicht die Türen Mexikos verschlossen. Ich werde nach Mexiko reisen!“
Zum Thema „Sekten“
... Gibt es etwas, was Ihnen an Mexiko besondere Sorge bereitet? Zum Beispiel die Sekten, die ja nicht nur ein Problem Mexikos sind? ... Hat die Kirche in gewisser Hinsicht versagt? Wie bekommt man diese Leute zurück, die die Kirche verlassen haben und in eine Sekte gegangen sind? ...
„Wir sprechen von der ganzen evangelikalen Bewegung, ob Sekte oder nicht. Was sie in der Regel anbieten, ist Nähe... Sie gehen einmal bei ihnen zum Gottesdienst, und am Sonntag darauf warten sie an der Tür auf Sie, kennen Ihren Namen und begrüßen Sie. Sie sind jemand. Wir Katholiken ... haben in Lateinamerika einen sehr großen Defekt, nämlich den Klerikalismus, wir sorgen für Distanz. Der Klerikalismus in Lateinamerika war eines der größten Hindernisse für das Wachstum der Laien. Die Laien in Lateinamerika sind nur in Sachen Volksfrömmigkeit gewachsen, denn dort ist er frei, und der Laie ist kreativ, und dort hat er seine Prozessionen, seine Riten – aber in organisatorischer Hinsicht ist der Laie nicht genug gewachsen, und zwar wegen des Klerikalismus, der für Distanz sorgt.
Um also auf die Frage zurückzukommen: Eines der Dinge, die sie in den evangelikalen Bewegungen hervorrufen und schaffen, ist die Nähe... Dann gibt es Unterschiede zwischen ehrlichen, guten evangelikalen Bewegungen und dem Sektenwesen, nicht wahr? ...Es gibt Sekten, und einige von ihnen kommen von der Theologie des Wohlstands, das ist sicher... Natürlich weisen die Evangelikalen all dies zurück, die ernsthaften Evangelikalen!
Und dann dieses Phänomen, die Religion als Handel zu benutzen. Da macht jemand einen Kurs und gründet dann einen Kult, nicht? Aber ich würde da unterscheiden, ich würde das nicht alles über denselben Kamm scheren, nicht? Es gibt Gruppen, die sich evangelikal nennen und nicht einmal Christen sind, und dann so viele Evangelikale, wie wir sie anerkennen...
Und warum schaffen sie diese Nähe? Über die Verkündigung des Wortes. Unsere Predigten sind manchmal – ein römischer Priester hat mir erzählt, wie er mal seine Eltern in der Nähe von Rom besucht hat, und da sagte ihm der Vater einmal: ‚Du ahnst gar nicht, wie zufrieden meine Freunde und ich sind, wir haben eine Kirche entdeckt, wo man die Messe ohne Predigt hält!’ Das heißt, es gibt Predigten, die sind ein Desaster. Ja. Ich weiß nicht, ob das die Mehrheit ist, aber sie erreichen nicht das Herz. Es sind Theologiestunden oder abstrakte, oder lange Sachen. Darum habe ich in (meinem Apostolischen Schreiben) ‚Evangelii Gaudium’ so viel Wert auf die Predigt gelegt... Also: Distanz, Klerikalismus, langweilige Predigten, und die anderen bieten Nähe, ‚Setz dich ein’, ‚Beweg dich’, Integration am Arbeitsplatz, brennendes Gotteswort...“
Zum Thema „Papstsein“
Gefällt es Ihnen, Papst zu sein?
„Es missfällt mir nicht... Das Einzige, was ich gerne täte, wäre, eines Tages mal rauszugehen, ohne dass mich jemand erkennt, und eine Pizza zu essen... Das sage ich jetzt als Beispiel. In Buenos Aires war ich oft draußen. Ich besuchte die Pfarreien... Das fehlt mir etwas, aber man arrangiert sich, man gewöhnt sich daran...“
Was Ihnen am Vatikan nicht so gefällt, ist kein Geheimnis. Sie kamen nicht gern in den Vatikan. Und jetzt sind Sie dort seit zwei Jahren, gefällt er Ihnen etwas besser, oder etwas schlechter (als früher)?
„Nein. Nicht nur der Vatikan, das muss ich klarstellen. Ich glaube, meine große Buße sind die Reisen. Ich reise nicht gern. Ich klebe sehr am Habitat, das ist eine Neurose... Das Reisen generell gefällt mir nicht, und darum gefiel es mir auch nicht, nach Rom zu kommen... Wenn Benedikt (XVI.) mittags empfing, dann saß ich am Nachmittag wieder im Flugzeug, nicht wahr? Und jetzt missfällt es mir nicht: Es gibt hier sehr gute Menschen. Die Tatsache, hier (in der Casa Santa Marta) zu wohnen, hilft mir sehr... Einfach, weil es hier Menschen gibt. Ich allein da oben (im Apostolischen Palast), das hätte ich nicht ertragen...“
Papst Franziskus..., Sie sagen manchmal: ‚In zwei oder drei Jahren kehre ich ins Haus des Vaters zurück’... Warum haben Sie dieses Gefühl, warum sagen Sie uns das?
„Ich habe das Gefühl, dass mein Pontifikat kurz sein wird. Vier oder fünf Jahre. Ich weiß nicht – oder zwei, drei. Nun gut, zwei sind schon vorüber. Das ist ein etwas vages Gefühl.. Darum habe ich immer die Möglichkeit offen, nicht?“
… Man könnte daran denken, dass ein Papst – wie die Bischöfe – mit achtzig Jahren zurücktritt. Dass es diese Möglichkeit gibt.
„Auch, ja. Aber mir gefällt das nicht sehr, diese Altersgrenze festlegen. Denn ich glaube, das Papsttum hat etwas von letzter Instanz. Es ist eine besondere Gnade. Für einige Theologen ist das Papsttum ein Sakrament..., die Deutschen sind sehr kreativ in all diesen Dingen. Ich denke das nicht, aber naja – ich will sagen, es hat etwas Besonderes. Also, zu sagen: Der ist jetzt achtzig – das schafft ein Gefühl von Ende des Pontifikats, das nicht gut tun würde. Vorhersehbar, nicht? Ich gehöre nicht zu denen, die gern Altersgrenzen setzen, sondern ich sehe das so, wie es Benedikt (XVI.) gemacht hat...“
Zum Thema „Kurienreform“
Und jetzt kommen wir zu einem Ihrer bevorzugten Themen, der Kurie. Wir wissen, dass Sie mit der Kurienreform begonnen haben...
„Jeder Wechsel beginnt mit dem Herzen: mit der Bekehrung des Herzens... und auch mit einer Bekehrung der Lebensweise. Ich glaube, das ist der letzte Hof, den es noch gibt in Europa, die übrigen sind alle demokratisch geworden, sogar die klassischsten. Es gibt etwas am päpstlichen Hof, das sehr eine etwas angegraute Tradition beibehält, nicht? Das sage ich nicht abwertend... Und das muss geändert werden, im Dienst der Kirche. Im Dienst an den Bischöfen. Offensichtlich bedeutet das eine persönliche Umkehr. Dass es hier drinnen Probleme gegeben hat, wissen Sie besser als ich. Als die Vatileaks-Dokumente veröffentlicht wurden, und ein Urteil über den Kammerdiener (des Papstes) – das ist nichts Geringfügiges. Dass man von schwerwiegenden moralischen Problemen spricht..., das weiß man, es ist öffentlich. Das kann ein bisschen heilen. Es geht um Umkehr, beim Papst angefangen, er ist natürlich der erste, der umkehren muss, nicht? Ständig umkehren, entsprechend dem, was Gott von uns erwartet, nicht? Und das versuche ich...“
Was Sie im letzten Dezember der Kurie gesagt haben, habe ich, ehrlich gesagt, in vierzig Jahren noch nie gehört, so viele Krankheiten auf einmal... Ist die Kurie so krank?
„Das möchte ich erklären... Ich habe im Wesentlichen gesagt: Wir sind jetzt am Jahresende, machen wir doch mal eine Gewissenserforschung. Und meiner Meinung nach sind die Versuchungen oder Krankheiten ... der Kurie diese hier... Und da habe ich zum Beispiel von einer gesprochen, bei der sich niemand groß aufgehalten hat, dabei ist sie für mich die wesentliche: das Vergessen der ersten Liebe! Wenn einer sich in einen guten Angestellten verwandelt, aber dabei vergisst, dass er eine Mission der Identität mit Jesus Christus hat, der die erste Liebe ist... Und hinterher kam ein gewitzter Kardinal zu mir und sagte: ‚Hören Sie mal, Heiligkeit, was soll ich denn jetzt tun? Beichten oder in die Apotheke gehen?’ Das heißt: Es ist eine Gewissenserforschung, und ich wollte sie so plastisch machen, nicht? Das hat vielleicht nicht gefallen, der Stil war nicht sehr traditionell für eine Botschaft zum Jahresende – aber am Jahresende tut man gut daran, eine Gewissenserforschung zu halten. Und ich habe zweimal klar gesagt: Geht beichten. Denn ich möchte, dass hier jeder zum Beichten geht. Und das tun wir auch, nicht wahr? Ich glaube, darin sind sie treu, nicht? Aber richtige, konkrete Beichten... Es war eine Gewissenserforschung, die ‚Versuchung’ oder ‚Krankheit’ als Synonyme benutzte. Aber das heißt nicht, dass die Kurie wegen all dieser Komplikationen oder Krankheiten in Stücke fiele...“
Fühlen Sie Widerstand in der Kurie? ...
„Die Dinge sollen auf den Tisch, nicht? Es gibt immer unterschiedliche Sichtweisen, das ist legitim. Ich will, dass sie auf den Tisch kommen und ausgesprochen werden. Die Krankheit Nummer sechzehn, nicht? ... Und nie, nie, nie – das sage ich vor Gott – habe ich, seit ich Bischof bin, jemanden dafür bestraft, dass er mir die Dinge ins Gesicht gesagt hat! Das sind die Mitarbeiter, die ich will.“
Und die Sie haben?
„Es gibt sie. Ich habe hier schon welche getroffen.“
Viele oder wenige?
„Genügend. Genügend, würde ich sagen. Es gibt sie. Und es gibt andere, die sich nicht trauen, die Angst haben. Aber man muss der Zeit ihre Zeit geben, nicht? Ich setze auf das Gute in den Menschen. Alle haben mehr Gutes als Schlechtes.“
Zum Thema „Familiensynode“
... Papst Franziskus, ein wichtiges Thema dieser zwei Jahre war auch die Familiensynode, mit allem, was sie ausgelöst hat, sagen wir mal...
„Ich glaube, dass es übertriebene Erwartungen gibt... Nicht ich, sondern der Herr wollte die Familiensynode... Die Familie ist in der Krise... Wie kann man die Replay-Familien in das Leben der Kirche integrieren? Das heißt: die zweite Eheschließung... Dass sie in die Kirche gehen, jeder einzeln – da vereinfachen sie dann und sagen, oh, die werden den Geschiedenen die Kommunion geben! Aber damit löst man nichts. Was die Kirche will, ist dass du dich in das Leben der Kirche integrierst. Aber es gibt einige, die sagen: Nein, ich will die Kommunion empfangen, und fertig... Eine Ordensverleihung. Nein. Sondern: Füge dich ein! Es gibt nach dem jetzigen (Kirchen-)Recht sieben Dinge, die diejenigen, die ein zweites Mal verheiratet sind, nicht tun können. Und ich erinnere mich nicht an alle, aber eine davon ist, dass man nicht Taufpate sein kann. Warum? Und welches Zeugnis wird man da dem Täufling geben? Das Zeugnis, ihm zu sagen: ‚Schau mal, mein Lieber, ich habe mich in meinem Leben geirrt, jetzt bin ich in dieser Lage. Ich bin katholisch. Die Prinzipien sind diese und diese. Ich tue dies und begleite dich.’ Zeuge der Wahrheit. Aber dann kommt ein Mafioso, ein Krimineller, ein Mörder, aber weil er kirchlich verheiratet ist, darf er Taufpate sein! Diese Widersprüche...
Eine Synode ohne Freiheit ist keine Synode, sondern eine Konferenz. Eine Synode ist ein geschützter Raum, in dem der Heilige Geist wirken kann. Und dafür müssen diese Menschen frei sein. Darum widersetze ich mich dem Ansinnen, dass die Dinge, die jeder sagt, mit vollem Namen veröffentlicht werden. Nein!“ ...
Zum Thema „Missbrauch“
Ein anderes wichtiges Thema dieser zwei Jahre war das des Missbrauchs an Kindern oder Jugendlichen... Wir hatten in Mexiko einen sehr, sehr ernsthaften Skandal um den Gründer einer mexikanischen Gemeinschaft (gemeint sind die Legionäre Christi), Macial Maciel... Kannten Sie ihn, wussten Sie etwas über ihn...?
„Ich hatte nie Kontakt mit den Legionären Christi, denn die gab es nicht in Buenos Aires... Ich hörte von ihnen... Als ich von dem Skandal hörte, hat mich das sehr geschmerzt und erregt: Wie konnte dieser Mann nur so weit gehen? Ganz offensichtlich war er sehr krank, denn zusätzlich zu den Missbräuchen, glaube ich, gab es noch zwei oder drei Frauen, Kinder... und viel Geld. Die Korruption fängt in der Geldbörse an, nicht wahr? Ich glaube, es handelte sich um einen Kranken. Einen sehr Kranken... Aber ich will sehr klar sagen, dass der damalige Kardinal Ratzinger und der hl. Johannes Paul II. sich der Sache bewusst wurden und sagten: Vorwärts (mit dem Prozess)! Der eine trieb den Prozess voran, der andere gab das grüne Licht dazu...
Die (von mir eingesetzte vatikanische) Kommission behandelt nicht den Missbrauch, sondern ist zum Kinderschutz da, also zur Prävention...“
Quelle: Radio Vatikan
ENTREVISTA PAPA FRANCISCO PRIMERA PARTE
Televisa Notícias - Youtube-Video >>
In der vergangenen Woche ist noch ein weiteres Interview erschienen:
Das große Papst-Interview für die Armenzeitung "La Carcova"
Papst Franziskus hat einer kleinen Straßenzeitung aus einem Armenviertel von Buenos Aires, die erst letzten Dezember gegründet wurde, ein Interview gegeben. Es waren die Einwohner des Viertels Carcova selbst, die die Fragen an den Papst formulierten. Der Pfarrer von Carcova ist Jose Maria di Paola, ein geistlicher Ziehsohn Bergoglios. Er zeichnete am 7. Februar in Rom die Antworten von Papst Franziskus auf. Das Interview erschien wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag der Wahl Bergoglios zum Papst am 13. März 2013.
Radio Vatikan >>
Der Armenpriester von Carcova
Reportage in Blickpunkt Lateinamerika 01/2014
Wie ist es möglich, dass Sie uns dieses Jahr nicht besuchen? Es gab große Hoffnungen darauf, dass Sie im September kommen würden.
„Ich wollte es eigentlich tun, weil ich die Vereinigten Staaten über die mexikanische Grenze betreten wollte. Aber wenn ich zum Beispiel nach Ciudad Juárez oder Morelia gegangen wäre, um von dort aus (in die USA) einzureisen, hätte es einigen Unmut gegeben: Wie kann er denn dorthin fahren und nicht auch kommen, um Unsere Liebe Frau (von Guadalupe), die Mutter zu besuchen! Außerdem kann man Mexiko nicht nur ein bisschen besuchen, Mexiko braucht eine Woche. Also, ich verspreche eine Reise nach Mexiko, wie es das verdient, und nicht nur flüchtig und im Vorbeigehen! Darum habe ich beschlossen, nicht von Mexiko aus (in den USA) einzutreffen.“
Was bedeutet für Sie Unsere Liebe Frau von Guadalupe?
„Nun, da rühren Sie an ein Thema, das mir viel bedeutet, nicht wahr... Sie ist eine Mutter, die ein Kind erwartet. Und in diesem tragischen Moment der Eroberung ... bringt sie uns die Erlösung. Sie zeigt uns, dass sie ein Kind erwartet. Aber wie tut sie das? Wie tut sie das abgesehen davon, dass sie (sichtlich) schwanger ist? Sie zeigt sich als Mestizin. Das ist eine Prophezeiung, unser amerikanisches Mestizenwesen. Eine Prophezeiung unserer Kultur. Darum hat sie die Grenzen Mexikos überschritten, und sie geht viel weiter und ist die Einheit des amerikanischen Volkes. Amerika ist kein Waisenkind. Es hat eine Mutter. Eine Mutter, die uns zu Jesus führt...“
Zum Thema „Migration“
Sie haben gesagt, dass Sie die USA gerne über die mexikanische Grenze erreicht hätten – eine sehr, sehr bedeutungsvolle Grenze... Was wäre die Botschaft Ihrer Anwesenheit dort, an dieser Grenze?
„Menschen nicht nur aus Mexiko, sondern aus Zentralamerika, Guatemala, die Mexiko ganz durchqueren, um eine bessere Zukunft zu suchen. Heutzutage ist die Emigration ein Resultat ... des Hungers, der Suche nach neuen Grenzen. Dasselbe geschieht in Afrika mit all diesen Menschen, die das Mittelmeer überfahren; sie kommen aus Ländern, die schwierige Momente durchmachen, sei es wegen des Hungers, sei es wegen der Kriege, nicht wahr? Es liegt auf der Hand, dass die Migration heutzutage sehr viel mit dem Hunger, mit dem Mangel an Arbeitsplätzen zu tun hat. Mit dieser Tyrannei eines Wirtschaftssystems, das den Geldgott im Mittelpunkt hat und nicht die menschliche Person, nicht wahr? Und so sortiert man Menschen aus. Also schafft ein Land – ob aus Amerika, Afrika oder sonst wo – eine von oben auferlegte wirtschaftliche Lage, die natürlich Menschen aussortiert, und die gehen dann woanders hin, um Arbeit zu suchen oder Nahrung oder Wohlstand, nicht wahr? Es ist sehr schmerzlich, das Migrationsproblem in der Welt! Denn es gibt verschiedene Migrationsgrenzen, nicht? Mich freut es, dass Europa seine Migrationspolitik überdenkt. Italien war sehr großzügig, und das will ich aussprechen! Die Bürgermeisterin von Lampedusa hat sich nicht geschont und auch Geld dafür gegeben, um diese Insel von einer Tourismus- zu einer Aufnahmezone zu machen, nicht wahr? Mit all dem, was das an entgangenen Einnahmen bedeutet, nicht? Da gibt es also heroische Taten... Aber Gott sei Dank sehe ich, dass Europa jetzt neu über diese Situation nachdenkt.
Um auf die Migration dort (in Mexiko) zurückzukommen: Diese Gegend ist außerdem geprägt von starkem Kampf gegen Probleme des Drogenhandels, nicht wahr? Die USA ... sind, glaube ich, unter den ersten Drogenkonsumenten in der Welt, und die Grenze, über die die Drogen hineinkommen, ist im Wesentlichen die mexikanische Grenze. Also, dort wird gelitten, nicht wahr? Morelia, diese ganze Gegend, ist eine Gegend großen Leidens, wo auch die Organisationen von Drogenhändlern ... ihr tödliches Geschäft tun, nicht wahr? Sie sind Botschafter des Todes, sei es wegen der Droge, sei es weil sie die, die sich der Droge entgegenstellen, sozusagen „wegschaffen“, in Anführungszeichen; die 43 (verschwundenen) Studenten bitten gewissermaßen um – ich sage nicht Rache, sondern Gerechtigkeit, und dass man an sie denke! ...
Zum Thema „Sicherheit“
Papst Franziskus, Sie haben sich auf die 43 Studenten aus Iguala bezogen. Das war ein sehr schwieriger Moment für Mexiko, eine tiefe Trauer für unser Land...
„Das ist nicht der erste schwierige Moment, den Mexiko durchmacht... Mexiko hat auch Momente der religiösen Verfolgung erlebt, in denen es viele Märtyrer gab. Ich glaube, dass der Teufel Mexiko sehr bestraft... Ich glaube, dass der Teufel Mexiko nicht vergibt, dass sie (Maria) dort ihren Sohn gezeigt hat. Das ist meine Deutung. Das heißt: Mexiko ist bevorzugt im Martyrium, weil es Seine Mutter erkannt und verteidigt hat... Die Mehrheit des mexikanischen Volkes ist (im Fall der getöteten Studenten) solidarisch. Und das ist eine der Tugenden, die Sie haben, nicht wahr? Und ich glaube, dass alle dort sich sehr einsetzen sollten, um das auf irgendeine Weise zu lösen. Ich weiß, dass es sehr schwierig ist, einen Drogenhändler anzuzeigen, denn man setzt dabei sein Leben aufs Spiel, das ist eine Art Martyrium, nicht wahr? Es ist hart, aber ich glaube, alle müssen wir in solchen Situationen – ob in Mexiko oder nicht – den Kopf hinhalten. Die Schuld nur einem Sektor, einem Menschen, einer einzigen Gruppe zu geben, ist kindisch!“
Papst Franziskus, in einer privaten Mail an einen argentinischen Freund haben Sie Ihre Besorgnis über die wachsende Verbreitung des Drogenhandels in Ihrem eigenen Land ausgedrückt und dabei von „eine Mexikanisierung vermeiden“ gesprochen. Es ist normal, dass dieser Begriff Ärger und Gereiztheit hervorgerufen hat...
„Das ist offensichtlich ein, erlauben Sie mir das Wort, technischer Begriff. Das hat nichts mit der Würde Mexikos zu tun. Wie wenn wir von Balkanisierung sprechen: Weder die Serben, noch die Mazedonier oder Kroaten ärgern sich deswegen über uns. Und man spricht von Balkanisierung, das wird technisch verwendet, und die Medien haben das viele Male getan, nicht wahr? ... Und alles friedlich. Das heißt: Das hat mir nicht die Türen Mexikos verschlossen. Ich werde nach Mexiko reisen!“
Zum Thema „Sekten“
... Gibt es etwas, was Ihnen an Mexiko besondere Sorge bereitet? Zum Beispiel die Sekten, die ja nicht nur ein Problem Mexikos sind? ... Hat die Kirche in gewisser Hinsicht versagt? Wie bekommt man diese Leute zurück, die die Kirche verlassen haben und in eine Sekte gegangen sind? ...
„Wir sprechen von der ganzen evangelikalen Bewegung, ob Sekte oder nicht. Was sie in der Regel anbieten, ist Nähe... Sie gehen einmal bei ihnen zum Gottesdienst, und am Sonntag darauf warten sie an der Tür auf Sie, kennen Ihren Namen und begrüßen Sie. Sie sind jemand. Wir Katholiken ... haben in Lateinamerika einen sehr großen Defekt, nämlich den Klerikalismus, wir sorgen für Distanz. Der Klerikalismus in Lateinamerika war eines der größten Hindernisse für das Wachstum der Laien. Die Laien in Lateinamerika sind nur in Sachen Volksfrömmigkeit gewachsen, denn dort ist er frei, und der Laie ist kreativ, und dort hat er seine Prozessionen, seine Riten – aber in organisatorischer Hinsicht ist der Laie nicht genug gewachsen, und zwar wegen des Klerikalismus, der für Distanz sorgt.
Um also auf die Frage zurückzukommen: Eines der Dinge, die sie in den evangelikalen Bewegungen hervorrufen und schaffen, ist die Nähe... Dann gibt es Unterschiede zwischen ehrlichen, guten evangelikalen Bewegungen und dem Sektenwesen, nicht wahr? ...Es gibt Sekten, und einige von ihnen kommen von der Theologie des Wohlstands, das ist sicher... Natürlich weisen die Evangelikalen all dies zurück, die ernsthaften Evangelikalen!
Und dann dieses Phänomen, die Religion als Handel zu benutzen. Da macht jemand einen Kurs und gründet dann einen Kult, nicht? Aber ich würde da unterscheiden, ich würde das nicht alles über denselben Kamm scheren, nicht? Es gibt Gruppen, die sich evangelikal nennen und nicht einmal Christen sind, und dann so viele Evangelikale, wie wir sie anerkennen...
Und warum schaffen sie diese Nähe? Über die Verkündigung des Wortes. Unsere Predigten sind manchmal – ein römischer Priester hat mir erzählt, wie er mal seine Eltern in der Nähe von Rom besucht hat, und da sagte ihm der Vater einmal: ‚Du ahnst gar nicht, wie zufrieden meine Freunde und ich sind, wir haben eine Kirche entdeckt, wo man die Messe ohne Predigt hält!’ Das heißt, es gibt Predigten, die sind ein Desaster. Ja. Ich weiß nicht, ob das die Mehrheit ist, aber sie erreichen nicht das Herz. Es sind Theologiestunden oder abstrakte, oder lange Sachen. Darum habe ich in (meinem Apostolischen Schreiben) ‚Evangelii Gaudium’ so viel Wert auf die Predigt gelegt... Also: Distanz, Klerikalismus, langweilige Predigten, und die anderen bieten Nähe, ‚Setz dich ein’, ‚Beweg dich’, Integration am Arbeitsplatz, brennendes Gotteswort...“
Zum Thema „Papstsein“
Gefällt es Ihnen, Papst zu sein?
„Es missfällt mir nicht... Das Einzige, was ich gerne täte, wäre, eines Tages mal rauszugehen, ohne dass mich jemand erkennt, und eine Pizza zu essen... Das sage ich jetzt als Beispiel. In Buenos Aires war ich oft draußen. Ich besuchte die Pfarreien... Das fehlt mir etwas, aber man arrangiert sich, man gewöhnt sich daran...“
Was Ihnen am Vatikan nicht so gefällt, ist kein Geheimnis. Sie kamen nicht gern in den Vatikan. Und jetzt sind Sie dort seit zwei Jahren, gefällt er Ihnen etwas besser, oder etwas schlechter (als früher)?
„Nein. Nicht nur der Vatikan, das muss ich klarstellen. Ich glaube, meine große Buße sind die Reisen. Ich reise nicht gern. Ich klebe sehr am Habitat, das ist eine Neurose... Das Reisen generell gefällt mir nicht, und darum gefiel es mir auch nicht, nach Rom zu kommen... Wenn Benedikt (XVI.) mittags empfing, dann saß ich am Nachmittag wieder im Flugzeug, nicht wahr? Und jetzt missfällt es mir nicht: Es gibt hier sehr gute Menschen. Die Tatsache, hier (in der Casa Santa Marta) zu wohnen, hilft mir sehr... Einfach, weil es hier Menschen gibt. Ich allein da oben (im Apostolischen Palast), das hätte ich nicht ertragen...“
Papst Franziskus..., Sie sagen manchmal: ‚In zwei oder drei Jahren kehre ich ins Haus des Vaters zurück’... Warum haben Sie dieses Gefühl, warum sagen Sie uns das?
„Ich habe das Gefühl, dass mein Pontifikat kurz sein wird. Vier oder fünf Jahre. Ich weiß nicht – oder zwei, drei. Nun gut, zwei sind schon vorüber. Das ist ein etwas vages Gefühl.. Darum habe ich immer die Möglichkeit offen, nicht?“
… Man könnte daran denken, dass ein Papst – wie die Bischöfe – mit achtzig Jahren zurücktritt. Dass es diese Möglichkeit gibt.
„Auch, ja. Aber mir gefällt das nicht sehr, diese Altersgrenze festlegen. Denn ich glaube, das Papsttum hat etwas von letzter Instanz. Es ist eine besondere Gnade. Für einige Theologen ist das Papsttum ein Sakrament..., die Deutschen sind sehr kreativ in all diesen Dingen. Ich denke das nicht, aber naja – ich will sagen, es hat etwas Besonderes. Also, zu sagen: Der ist jetzt achtzig – das schafft ein Gefühl von Ende des Pontifikats, das nicht gut tun würde. Vorhersehbar, nicht? Ich gehöre nicht zu denen, die gern Altersgrenzen setzen, sondern ich sehe das so, wie es Benedikt (XVI.) gemacht hat...“
Zum Thema „Kurienreform“
Und jetzt kommen wir zu einem Ihrer bevorzugten Themen, der Kurie. Wir wissen, dass Sie mit der Kurienreform begonnen haben...
„Jeder Wechsel beginnt mit dem Herzen: mit der Bekehrung des Herzens... und auch mit einer Bekehrung der Lebensweise. Ich glaube, das ist der letzte Hof, den es noch gibt in Europa, die übrigen sind alle demokratisch geworden, sogar die klassischsten. Es gibt etwas am päpstlichen Hof, das sehr eine etwas angegraute Tradition beibehält, nicht? Das sage ich nicht abwertend... Und das muss geändert werden, im Dienst der Kirche. Im Dienst an den Bischöfen. Offensichtlich bedeutet das eine persönliche Umkehr. Dass es hier drinnen Probleme gegeben hat, wissen Sie besser als ich. Als die Vatileaks-Dokumente veröffentlicht wurden, und ein Urteil über den Kammerdiener (des Papstes) – das ist nichts Geringfügiges. Dass man von schwerwiegenden moralischen Problemen spricht..., das weiß man, es ist öffentlich. Das kann ein bisschen heilen. Es geht um Umkehr, beim Papst angefangen, er ist natürlich der erste, der umkehren muss, nicht? Ständig umkehren, entsprechend dem, was Gott von uns erwartet, nicht? Und das versuche ich...“
Was Sie im letzten Dezember der Kurie gesagt haben, habe ich, ehrlich gesagt, in vierzig Jahren noch nie gehört, so viele Krankheiten auf einmal... Ist die Kurie so krank?
„Das möchte ich erklären... Ich habe im Wesentlichen gesagt: Wir sind jetzt am Jahresende, machen wir doch mal eine Gewissenserforschung. Und meiner Meinung nach sind die Versuchungen oder Krankheiten ... der Kurie diese hier... Und da habe ich zum Beispiel von einer gesprochen, bei der sich niemand groß aufgehalten hat, dabei ist sie für mich die wesentliche: das Vergessen der ersten Liebe! Wenn einer sich in einen guten Angestellten verwandelt, aber dabei vergisst, dass er eine Mission der Identität mit Jesus Christus hat, der die erste Liebe ist... Und hinterher kam ein gewitzter Kardinal zu mir und sagte: ‚Hören Sie mal, Heiligkeit, was soll ich denn jetzt tun? Beichten oder in die Apotheke gehen?’ Das heißt: Es ist eine Gewissenserforschung, und ich wollte sie so plastisch machen, nicht? Das hat vielleicht nicht gefallen, der Stil war nicht sehr traditionell für eine Botschaft zum Jahresende – aber am Jahresende tut man gut daran, eine Gewissenserforschung zu halten. Und ich habe zweimal klar gesagt: Geht beichten. Denn ich möchte, dass hier jeder zum Beichten geht. Und das tun wir auch, nicht wahr? Ich glaube, darin sind sie treu, nicht? Aber richtige, konkrete Beichten... Es war eine Gewissenserforschung, die ‚Versuchung’ oder ‚Krankheit’ als Synonyme benutzte. Aber das heißt nicht, dass die Kurie wegen all dieser Komplikationen oder Krankheiten in Stücke fiele...“
Fühlen Sie Widerstand in der Kurie? ...
„Die Dinge sollen auf den Tisch, nicht? Es gibt immer unterschiedliche Sichtweisen, das ist legitim. Ich will, dass sie auf den Tisch kommen und ausgesprochen werden. Die Krankheit Nummer sechzehn, nicht? ... Und nie, nie, nie – das sage ich vor Gott – habe ich, seit ich Bischof bin, jemanden dafür bestraft, dass er mir die Dinge ins Gesicht gesagt hat! Das sind die Mitarbeiter, die ich will.“
Und die Sie haben?
„Es gibt sie. Ich habe hier schon welche getroffen.“
Viele oder wenige?
„Genügend. Genügend, würde ich sagen. Es gibt sie. Und es gibt andere, die sich nicht trauen, die Angst haben. Aber man muss der Zeit ihre Zeit geben, nicht? Ich setze auf das Gute in den Menschen. Alle haben mehr Gutes als Schlechtes.“
Zum Thema „Familiensynode“
... Papst Franziskus, ein wichtiges Thema dieser zwei Jahre war auch die Familiensynode, mit allem, was sie ausgelöst hat, sagen wir mal...
„Ich glaube, dass es übertriebene Erwartungen gibt... Nicht ich, sondern der Herr wollte die Familiensynode... Die Familie ist in der Krise... Wie kann man die Replay-Familien in das Leben der Kirche integrieren? Das heißt: die zweite Eheschließung... Dass sie in die Kirche gehen, jeder einzeln – da vereinfachen sie dann und sagen, oh, die werden den Geschiedenen die Kommunion geben! Aber damit löst man nichts. Was die Kirche will, ist dass du dich in das Leben der Kirche integrierst. Aber es gibt einige, die sagen: Nein, ich will die Kommunion empfangen, und fertig... Eine Ordensverleihung. Nein. Sondern: Füge dich ein! Es gibt nach dem jetzigen (Kirchen-)Recht sieben Dinge, die diejenigen, die ein zweites Mal verheiratet sind, nicht tun können. Und ich erinnere mich nicht an alle, aber eine davon ist, dass man nicht Taufpate sein kann. Warum? Und welches Zeugnis wird man da dem Täufling geben? Das Zeugnis, ihm zu sagen: ‚Schau mal, mein Lieber, ich habe mich in meinem Leben geirrt, jetzt bin ich in dieser Lage. Ich bin katholisch. Die Prinzipien sind diese und diese. Ich tue dies und begleite dich.’ Zeuge der Wahrheit. Aber dann kommt ein Mafioso, ein Krimineller, ein Mörder, aber weil er kirchlich verheiratet ist, darf er Taufpate sein! Diese Widersprüche...
Eine Synode ohne Freiheit ist keine Synode, sondern eine Konferenz. Eine Synode ist ein geschützter Raum, in dem der Heilige Geist wirken kann. Und dafür müssen diese Menschen frei sein. Darum widersetze ich mich dem Ansinnen, dass die Dinge, die jeder sagt, mit vollem Namen veröffentlicht werden. Nein!“ ...
Zum Thema „Missbrauch“
Ein anderes wichtiges Thema dieser zwei Jahre war das des Missbrauchs an Kindern oder Jugendlichen... Wir hatten in Mexiko einen sehr, sehr ernsthaften Skandal um den Gründer einer mexikanischen Gemeinschaft (gemeint sind die Legionäre Christi), Macial Maciel... Kannten Sie ihn, wussten Sie etwas über ihn...?
„Ich hatte nie Kontakt mit den Legionären Christi, denn die gab es nicht in Buenos Aires... Ich hörte von ihnen... Als ich von dem Skandal hörte, hat mich das sehr geschmerzt und erregt: Wie konnte dieser Mann nur so weit gehen? Ganz offensichtlich war er sehr krank, denn zusätzlich zu den Missbräuchen, glaube ich, gab es noch zwei oder drei Frauen, Kinder... und viel Geld. Die Korruption fängt in der Geldbörse an, nicht wahr? Ich glaube, es handelte sich um einen Kranken. Einen sehr Kranken... Aber ich will sehr klar sagen, dass der damalige Kardinal Ratzinger und der hl. Johannes Paul II. sich der Sache bewusst wurden und sagten: Vorwärts (mit dem Prozess)! Der eine trieb den Prozess voran, der andere gab das grüne Licht dazu...
Die (von mir eingesetzte vatikanische) Kommission behandelt nicht den Missbrauch, sondern ist zum Kinderschutz da, also zur Prävention...“
Quelle: Radio Vatikan
ENTREVISTA PAPA FRANCISCO PRIMERA PARTE
Televisa Notícias - Youtube-Video >>
In der vergangenen Woche ist noch ein weiteres Interview erschienen:
Das große Papst-Interview für die Armenzeitung "La Carcova"
Papst Franziskus hat einer kleinen Straßenzeitung aus einem Armenviertel von Buenos Aires, die erst letzten Dezember gegründet wurde, ein Interview gegeben. Es waren die Einwohner des Viertels Carcova selbst, die die Fragen an den Papst formulierten. Der Pfarrer von Carcova ist Jose Maria di Paola, ein geistlicher Ziehsohn Bergoglios. Er zeichnete am 7. Februar in Rom die Antworten von Papst Franziskus auf. Das Interview erschien wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag der Wahl Bergoglios zum Papst am 13. März 2013.
Radio Vatikan >>
Der Armenpriester von Carcova
Reportage in Blickpunkt Lateinamerika 01/2014
Freitag, 13. März 2015
Franziskus, der Charismatiker auf dem Thron Petri
Franziskus ist schwer zu greifen. Weder links noch rechts: Der Papst ist in erster Linie nur eins – beliebt. Und das genießt er wie kaum je einer. Darin ähnelt er einem Landsmann.
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Zwei Jahre Papst Franziskus: Das Gesicht der Kirche ändern
Frischer Wind, Zuversicht, neue Hoffnung: alles Dinge, die Papst Franziskus in die Kirche gebracht hat. So charakterisiert Kardinal Walter Kasper die zwei Jahre, die seit der Wahl Jorge Mario Bergoglios zum Papst vergangen sind. An diesem Freitag jährt sich das Konklave zum zweiten Mal. Franziskus habe eine Wende verursacht, denn aufgrund von Vatileaks und den Missbrauchsskandalen habe zuvor eine gedrückte Stimmung geherrscht. „Auffallend und erfreulich ist auch, dass er weit über die katholische Kirche hinaus Achtung und Gehör findet,“ so Kardinal Kasper im Interview mit Radio Vatikan. Darüber hinaus habe der Papst eine ganze Reihe von Reformen mindestens eingeleitet, Kasper nennt vor allem die Reform der Finanzinstitutionen, die schon weit gediehen sei . Außerdem wolle der Papst die Bischofssynode hervorheben und habe einen synodalen Prozess – den zum Thema Familie – begonnen. „Es ist vieles in Bewegung geraten, und ich denke, dass wir diese Bewegung brauchen. Wenn man stehen bleibt, schläft man ein“, so Kasper. Bei all dem sei vor allem das umgesetzt worden, was im Vorkonklave vor über zwei Jahren dem zu wählenden Papst aufgetragen worden sei, nämlich ein mehr pastorales Selbstverständnis vor allem in die Kurie zu bringen.
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Zwei Jahre Papst Franziskus
Ein Glücksfall mit Hang zu drastischer Formulierung
Kein fleißiger Strippenzieher, sondern ein selbstbewusster Visionär: Vor zwei Jahren trat Papst Franziskus sein Amt an, seitdem stiftet er Unruhe – zum Glück. Ein Kommentar.
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Amtsjubiläum von Papst Franziskus
Bescheiden, beliebt - und umstritten
Seit zwei Jahren ist Papst Franziskus im Amt und macht dabei vieles anders als seine Vorgänger. Das kommt außenpolitisch oft gut an, doch in der Kurie hat sich der Argentinier nicht nur Freunde gemacht. Jetzt sprach er erneut von einem möglichen Rücktritt in wenigen Jahren.
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Eine Revolution ohne Umbruch
In der zweijährigen Amtszeit von Papst Franziskus ist viel berichtet worden über den Stellvertreter Christi auf Erden, der so gar nicht ins tradierte Bild seiner Amtsvorgänger passen will. Einigen gilt er als radikaler Erneuerer der katholischen Kirche, andere sehen in ihm einen fröhlichen Himmelsstürmer. Sein Pontifikat ist kein Entweder oder, sondern vielmehr ein Sowohl als auch – der Versuch einer Bilanz.
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Papst Franziskus hatte von Anfang an die Sympathien auf seiner Seite. Dann folgte ein Ausrutscher nach dem anderen. Allmählich ahnen auch seine größten Fans, dass daran nicht zuletzt einer schuld ist. Er selbst.
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Ecken und Kanten: Zwei Jahre Franziskus
Zwei Jahre nach der Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche beginnt sich sein Image allmählich zu wandeln. Gerade in letzter Zeit tauchten überraschende Ecken und Kanten an dem vermeintlichen „Feel-good“-Papst Franziskus auf.
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Franziskus' Provokationen sollen die Kirche wieder auf einen Kurs der Mitte bringen. Spalten will der Papst sie nicht, mit den Konservativen legt er sich nur in Maßen an.
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Papst Franziskus - Revolution im Vatikan?
In diesem Frühjahr wird es zwei Jahre her sein, dass Benedikt XVI. den Papstthron freimachte für einen Nachfolger. Sein überraschender Amtsverzicht öffnete der katholischen Kirche neue Perspektiven. Manche Beobachter sprechen gar von einer Revolution im Vatikan. Als sich am Abend des 13. März 2013 der frisch gewählte Papst Franziskus den Massen auf dem Petersplatz vorstellte, hatte er mit seiner ebenso schlichten wie ergreifenden Art sofort die Herzen der Menschen erobert. Er kam - wie er selbst sagte - "vom anderen Ende der Welt" nach Rom, und es scheint, dass er bis heute dort noch nicht so richtig heimisch geworden ist.
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Montag, 2. März 2015
Papst Franziskus berät Klerus von Rom in der Kunst des Messfeierns
Weder nachlässig noch penibel
Papst Franziskus hat sich an diesem Donnerstag (19.2.) im Vatikan mit Pfarrern seines Bistums Rom getroffen. Hinter verschlossenen Türen sprach er mit ihnen über das Thema ‚Ars Celebrandi’, die Kunst des Zelebrierens, und speziell über das Predigen. Der Wortlaut des Gesprächs wurde vom Vatikan nicht veröffentlicht, allerdings gelangten Auszüge durch Twitter an die Öffentlichkeit. Franziskus sagte nach Angaben eines teilnehmenden Pfarrers, es gelte heute „das Staunen in der Liturgie wiederzuentdecken“. Priester sollten Gottesdienste weder „nachlässig“ feiern noch lediglich auf die Einhaltung der liturgischen Normen achten. Pfarrer müßten im Kontakt zu den Menschen stehen und sie an das Heilige heranführen.
Nach Angaben von Nachrichtenagenturen wurde Franziskus auch auf das Thema verheiratete Priester angesprochen. Darauf habe er erwidert, das Thema stehe auf seiner Agenda.
Radio Vatikan >>
Papst berät Priester in der Kunst des Messfeierns
Wenn wir die Messe feiern, dürfen wir das weder allzu steif tun noch als „Showman“ auftreten: Das hat Papst Franziskus als Bischof von Rom den Priestern seiner Diözese gesagt. Er traf sie gestern in einer Audienz, ein Redetext wurde nicht veröffentlicht. Stellvertreter des Papstes für die Leitung der Diözese Rom ist Kardinalvikar Agostino Vallini. Er sagte unserem Sender, Franziskus habe insistiert auf der Art und Weise, wie ein Priester die Messe feiert. „Dem zelebrierenden Priester muss bewusst sein, was es bedeutet, Diener Christi zu sein, das heißt, er muss auf gewisse Weise die Erfahrung des Geheimnisses Christi mitteilen; er muss sich selbst auf diese tiefe spirituelle Erfahrung vorbereiten. Er wird keiner sein, der in der Liturgie improvisiert oder eine unangemessene Haltung einnimmt. Der Papst hat dazu eingeladen zu sagen: Jeder muss seine eigene Modalität des Messfeierns finden, die aber aus dem Leben entsteht, aus einem tiefen Glauben und aus dem Wunsch, dem Volk Gottes zu dienen, und das heißt auch: Extreme zu vermeiden.“
Der Priester sei niemals Träger seiner eigenen Worte, fuhr Vallini fort. Die Geistlichen des Bistums Rom seien gut auf das Treffen mit dem Papst vorbereitet gewesen. Er selbst, sagte Vallini, habe allen Priestern einen Text des damaligen Kardinals Bergoglio von 2005 geschickt. Der Erzbischof von Buenos Aires und heutige Papst habe dieses Papier der vatikanischen Liturgiekongregation vorgelegt, der er seinerzeit angehörte.
Radio Vatican >>
Warum verachtet Papst Franziskus die Tradition?
Verächtliche Worte von Papst Franziskus vor dem römischen Klerus über Priester und Seminaristen der Tradition
[...]
Papst Franziskus bezeichnete das Motu proprio Summorum Pontificum und den überlieferten Ritus als Geste, die sein Vorgänger, ein „Mann der Einheit“ setzen wollte, um „den Lefebvrianern und den Traditionalisten eine mutige Hand“ zu reichen, bzw. jenen Personen, die den Wunsch hatten, die Messe nach dem alten Rituale zu zelebrieren. Diese Art der sogenannten „tridentinischen“ Messe, so der Papst, sei jedoch eine „außerordentliche Form des römischen Ritus“, jenem, der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil approbiert wurde. Daher ist er nicht als eigener Ritus zu betrachten, sondern nur als „unterschiedliche Form desselben Ritus“. Dennoch, so Franziskus, gebe es Priester und Bischöfe, die von einer „Reform der Reform“ sprechen würden.
Einige von ihnen seien ‚Heilige‘ und sprechen im ‚guten Glauben‘. Das aber „ist falsch“, so der Papst. Er berichtete dann von einigen Bischöfen, die „traditionalistische“ Seminaristen, die von anderen Diözesen weggeschickt wurden, aufgenommen hätten, ohne zuvor Informationen zu ihnen einzuholen, weil „sie sich sehr gut und sehr fromm präsentierten“. Sie wurden geweiht, doch dann haben sie „psychologische und moralische Probleme“ gezeigt. Das ist nicht die Regel, aber es „passiert oft“ in diesen Kreisen, sagte der Papst. Und solche Typen von Seminaristen zu weihen, sei wie „die Kirche mit einer Hypothek zu belasten“. Das eigentliche Problem sei, daß einige Bischöfe manchmal von der „Notwendigkeit“ übermannt würden, „neue Priester in der Diözese“ zu brauchen, deshalb komme es nicht zur nötigen Auswahl unter den Kandidaten, bei denen sich hinter einigen eine „Unausgeglichenheit“ zeigen kann, die dann gerade in der Liturgie zum Ausdruck komme. Die Kongregation der Bischöfe habe bei drei Bischöfen zu solchen Fällen eingreifen müssen, wenn auch nicht in Italien. Soweit die Ausführung des Papstes am Donnerstag.
Katholisches.info >>
Priest reacts to Pope Francis’ meeting with Roman clergy
news.va >>
Dienstag, 17. Februar 2015
Kardinäle beraten über Kurienreform
"In gewisser Weise eine Revolution"
In einer intensiven Woche haben im Vatikan die Gremien und die Vollversammlung der Kardinäle über die geplante Kurienreform beraten. Kardinal Reinhard Marx, Koordinator des neuen vatikanischen Wirtschaftsrates, äußert sich dazu in Interview.
domradio.de >>
Die Kurie soll sozialer werden
Die Reform des Verwaltungsapparates ist dem Papst ein besonderes Anliegen.
Die Reform der als behäbig und verkrustet geltenden Kurie ist eins der wichtigsten und heikelsten Vorhaben von Papst Franziskus. In einer flammenden Rede hatte der 78-jährige Argentinier vor einigen Wochen erklärt, die Kurie leide unter 15 Krankheiten – unter anderem "spirituellem Alzheimer" und "Terrorismus des Geschwätzes". Kein Wunder, dass der Pontifex sich bei seinen Reformierungsmaßnahmen im Vatikan mit solchen Worten nicht gerade beliebt macht.
KURIER >>
Kurienreform: Verzögerungen, Grenzen und Widerstände
Das Großprojekt, das Franziskus sehr am Herzen liegt, ist noch weit von einem Abschluss entfernt - Offenbar ist nicht vor 2016 mit Neufassung der Kurien-Konstitution "Pastor bonus" zu rechnen
Kathpress >>
20 Kardinäle und eine Kirchenreform
Er wolle Hirten, keine Bürokraten, hatte Papst Franziskus erklärt und eine Kirchenreform angestoßen. Nun beraten die Kardinäle. Zudem werden 20 neue Kardinäle ernannt, darunter ein Deutscher. Erstmals werden die Europäer in der Minderheit sein.
Tagesschau.de >>
Als Hintergrundinfo:
Ein Mammutprojekt namens Kurienreform
Mit dem Begriff "Kurienreform" verbinden sich seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus hohe Erwartungen. Heute tritt der zur Planung der Kurienreform geschaffene neunköpfige Kardinalsrat erneut zusammen.
domradio.de >>
Freitag, 23. Januar 2015
Pressekonferenz auf dem Flug von Manila nach Rom
Der Papst plädiert für eine "verantwortete Elternschaft"
Franziskus und die Kaninchen
Papst Franziskus ist von seiner Asienreise nach Rom zurückgekehrt. Traditionell hat er auf dem Rückflug auf die Fragen der mitreisenden Journalisten geantwortet. Die Themen u.a.: Familienplanung, das Leiden Unschuldiger, die Frauenförderung und China. Ein Überblick.
domradio.de >>
Franziskus in Asien – Pressekonferenz
Papst Franziskus hat seine 7. Auslandsreise beendet. Auf dem Rückflug von Manila nach Rom sprach er gut eine Stunde mit den mitreisenden Journalisten. In den elf Fragen ging es um die nächsten Reisen, seine Rede von der „ideologischen Kolonisierung“ und „verantwortliche Elternschaft“.
Papstgeflüster-Blog >>
Fliegende Pressekonferenz: Weitere Papstreisen und die Frage nach dem Faustschlag
Während seiner Rückreise aus Asien sprach Papst Franziskus mit Journalisten zum Thema weiter Papstreisen, Armut, Familie und Ideologie, sowie zum Thema Faustschlag und Meinungsfreiheit.
Radio Vatikan >>
Ansprachen von Papst Franziskus im Jänner 2015 >>
Franziskus und die Kaninchen
Papst Franziskus ist von seiner Asienreise nach Rom zurückgekehrt. Traditionell hat er auf dem Rückflug auf die Fragen der mitreisenden Journalisten geantwortet. Die Themen u.a.: Familienplanung, das Leiden Unschuldiger, die Frauenförderung und China. Ein Überblick.
domradio.de >>
Franziskus in Asien – Pressekonferenz
Papst Franziskus hat seine 7. Auslandsreise beendet. Auf dem Rückflug von Manila nach Rom sprach er gut eine Stunde mit den mitreisenden Journalisten. In den elf Fragen ging es um die nächsten Reisen, seine Rede von der „ideologischen Kolonisierung“ und „verantwortliche Elternschaft“.
Papstgeflüster-Blog >>
Fliegende Pressekonferenz: Weitere Papstreisen und die Frage nach dem Faustschlag
Während seiner Rückreise aus Asien sprach Papst Franziskus mit Journalisten zum Thema weiter Papstreisen, Armut, Familie und Ideologie, sowie zum Thema Faustschlag und Meinungsfreiheit.
Radio Vatikan >>
Ansprachen von Papst Franziskus im Jänner 2015 >>
Mittwoch, 7. Januar 2015
Papst überrascht mit Wahl neuer Kardinäle aus der Peripherie
FAZ >>
Die Kardinäle aus der Peripherie der Kirche
Tonga, Rangun, Agrigent – das waren die überraschenden Ernennungen an diesem Wochenende. Papst Franziskus hatte nach dem Angelusgebet die fünfzehn Namen von Bischöfen bekannt gegeben, die er im Februar zu Kardinälen erheben wird. Traditionelle Bistümer wie Venedig, Turin oder Washington sind wiedererwartend leer ausgegangen. Papst Franziskus spricht nicht nur von der Peripherie, sondern geht auch mit seinen Kardinalsernennungen an die Peripherie der Kirche und mischt das Kardinalskollegium ordentlich durch.
Radio Vatikan >>
Papst wählt Kardinäle aus entfernten Weltgegenden
Rom. Lange dominierten europäische Kardinäle die katholische Kirche. Doch Papst Franziskus setzt bei der Erneuerung der Geistlichkeit auf Vielfalt. Er hat 15 neue Kardinäle aus 14 Ländern ernannt.
rp-online >>
Die vom Papst benannten 20 neuen Kardinäle im Kurzporträt
Radio Vatikan >>
Dienstag, 30. Dezember 2014
2015 wird über das Pontifikat von Franziskus entscheiden
Noch nie auch nur in Ansätzen hat ein Papst seine engsten Mitarbeiter so gemaßregelt wie der Mann, der vom anderen Ende der Welt nach Rom kam.
"Ich bin der Großvater von euch allen.“ Diese Worte des Verständnisses, der Nähe, fast der Intimität, hat Franziskus an diesem ersten Sonntag nach Weihnachten bei einer Sonderaudienz in Richtung hunderter italienischer Familien mit Kindern gerichtet. Und er fühlte sich sichtlich wohl in dieser lauten Gesellschaft bunten Lebens fast jeder Altersstufe. Ein Papst, der sich als Großvater versteht? Ausgerechnet dieser Papst? Kann, muss man eine derartige Ansage ernst nehmen? Oder darf das als kaum mehr zu steigernder Zynismus verstanden werden?
So mögen Mitarbeiter an der Kurie im Vatikan, vom Monsignore bis hinauf zum Kardinal, wohl gestern Nachmittag gedacht haben. Sind sie es doch, die ihren Chef gerade während dieser Festtage als konsequenten Zuchtmeister kennengelernt haben, alles andere jedenfalls denn als gütigen Großvater. Die Weihnachtsfesttage der Kurialen waren getrübt von einer harten, noch dazu öffentlich verbreiteten Abrechnung des Papstes mit ihnen, seinen engsten Zu- und Mitarbeitern in den Dikasterien der Zentrale der katholischen Weltkirche, wie sie die Geschichte nicht kennt.
Was hat Franziskus ihnen – offenbar nach eineinhalb Jahren prägender einschlägiger Erfahrungen in Rom – nicht alles an den Kopf geworfen: Geschwätzigkeit, Griesgrämigkeit, Eitelkeit, das Führen eines Doppellebens, ein völliges Vernachlässigen der Seelsorge. Franziskus hat jüngst Krankheiten und Sünden benannt, die er den Kurienmitarbeitern vorhielt, nicht bei Buß- und Fastenübungen, sondern beim offiziellen Weihnachtsempfang. Nein, das wird keine Liebesbeziehung mehr zwischen diesem Papst und „seiner“ Kurie.
2015 wird das Entscheidungsjahr für das Pontifikat von Franziskus. Im Februar trifft der handverlesene Kardinalsrat mit dem Papst zusammen, um weiter über eine organisatorische Reform der Kurie zu beraten und womöglich Beschlüsse vorzulegen, unmittelbar danach versammeln sich dann alle Kardinäle in Rom zum Konsistorium. Und im Oktober folgt die jedenfalls mit Spannung, von manchen aber auch mit Sorge erwartete Bischofssynode. Da soll dann nach dem Willen von Franziskus über neue Wege in der Familienseelsorge beraten werden. Nach den heftigen theologischen Differenzen bei der vorbereitenden Synode im heurigen Herbst scheint derzeit kein Kompromiss in Sicht.
Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit besonders auf Kurskorrekturen im Umgang mit Geschiedenen, die zivilrechtlich eine neue Ehe eingegangen sind. Ihnen ist derzeit streng genommen – aber gar so streng ist die gelebte Praxis in weiten Teilen des Kirchenuniversums dann auch wieder nicht, was nur bedingt zur Glaubwürdigkeit kirchlicher Regeln beiträgt – der Zugang zu den Sakramenten verwehrt. Im Herbst werden Entscheidungen gefällt werden müssen. So oder so. Und es wird natürlich Verlierer oder Enttäuschte geben.
2015 wird also das Entscheidungsjahr für das Pontifikat von Franziskus. Er selbst hat sich die Latte hoch gelegt, hat Erwartungen formuliert und in der katholischen Kirche, in der Öffentlichkeit damit noch größere geweckt. Er hat nur die Option, sich durchzusetzen, Widerstände auch zu brechen und – wie Johannes XXIII. – als einer jener Päpste in die Kirchengeschichte einzugehen, denen es gelungen ist, die katholische Kirche aus dem Gestern (oder Vorgestern) in das Heute zu führen.
Indem er der katholischen Kirche Relevanz im täglichen Leben von Familien, Singles, Hetero- wie Homosexuellen zurückerkämpft. Indem es ihm gelingt, die vatikanische Kurie strukturell, organisatorisch und was das Selbstverständnis betrifft aus der Ecke der zentralistischen, dirigistischen Machtzentrale herauszuführen, sie mehr zu einer Service- als Kontrollstelle für die Diözesen zu machen.
Franziskus bleibt nur diese eine Option, sich durchzusetzen. Zu klar hat er sich schon positioniert. In Worten und Werken. Schafft er es nicht, bleibt er hinter seinen Vorgaben zurück, sagen wir es offen, scheitert er also, dann scheitert dieser Papst ganz gewaltig, vor aller Augen, mit schweren, unabsehbaren Folgen für die Gesamtkirche. Dieser Weg wird kein leichter sein.
Quelle: DiePresse
"Der Papst wird Entscheidungen treffen"
Papst Franziskus ist populär - aber Reformen bei strittigen Themen wie dem Umgang mit Geschiedenen oder Homosexuellen hat er bisher nicht eingeleitet. Der Kölner Kardinal Woelki verweist aufs kommende Jahr.
Domradio.de >>
Franziskus droht das gleiche Schicksal wie dem Franz
Der Papst hat seiner Kurie, und damit seinem Topmanagement, die Leviten gelesen. Für Victor Weber wird er trotzdem enden wie der Heilige aus Assisi: als Narr Gottes
Sonntagszeitung.ch >>
„Alzheimer spirituale“
Der Papst liest der Kurie die Leviten.
Journal21.ch >>
So mögen Mitarbeiter an der Kurie im Vatikan, vom Monsignore bis hinauf zum Kardinal, wohl gestern Nachmittag gedacht haben. Sind sie es doch, die ihren Chef gerade während dieser Festtage als konsequenten Zuchtmeister kennengelernt haben, alles andere jedenfalls denn als gütigen Großvater. Die Weihnachtsfesttage der Kurialen waren getrübt von einer harten, noch dazu öffentlich verbreiteten Abrechnung des Papstes mit ihnen, seinen engsten Zu- und Mitarbeitern in den Dikasterien der Zentrale der katholischen Weltkirche, wie sie die Geschichte nicht kennt.
Was hat Franziskus ihnen – offenbar nach eineinhalb Jahren prägender einschlägiger Erfahrungen in Rom – nicht alles an den Kopf geworfen: Geschwätzigkeit, Griesgrämigkeit, Eitelkeit, das Führen eines Doppellebens, ein völliges Vernachlässigen der Seelsorge. Franziskus hat jüngst Krankheiten und Sünden benannt, die er den Kurienmitarbeitern vorhielt, nicht bei Buß- und Fastenübungen, sondern beim offiziellen Weihnachtsempfang. Nein, das wird keine Liebesbeziehung mehr zwischen diesem Papst und „seiner“ Kurie.
2015 wird das Entscheidungsjahr für das Pontifikat von Franziskus. Im Februar trifft der handverlesene Kardinalsrat mit dem Papst zusammen, um weiter über eine organisatorische Reform der Kurie zu beraten und womöglich Beschlüsse vorzulegen, unmittelbar danach versammeln sich dann alle Kardinäle in Rom zum Konsistorium. Und im Oktober folgt die jedenfalls mit Spannung, von manchen aber auch mit Sorge erwartete Bischofssynode. Da soll dann nach dem Willen von Franziskus über neue Wege in der Familienseelsorge beraten werden. Nach den heftigen theologischen Differenzen bei der vorbereitenden Synode im heurigen Herbst scheint derzeit kein Kompromiss in Sicht.
Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit besonders auf Kurskorrekturen im Umgang mit Geschiedenen, die zivilrechtlich eine neue Ehe eingegangen sind. Ihnen ist derzeit streng genommen – aber gar so streng ist die gelebte Praxis in weiten Teilen des Kirchenuniversums dann auch wieder nicht, was nur bedingt zur Glaubwürdigkeit kirchlicher Regeln beiträgt – der Zugang zu den Sakramenten verwehrt. Im Herbst werden Entscheidungen gefällt werden müssen. So oder so. Und es wird natürlich Verlierer oder Enttäuschte geben.
2015 wird also das Entscheidungsjahr für das Pontifikat von Franziskus. Er selbst hat sich die Latte hoch gelegt, hat Erwartungen formuliert und in der katholischen Kirche, in der Öffentlichkeit damit noch größere geweckt. Er hat nur die Option, sich durchzusetzen, Widerstände auch zu brechen und – wie Johannes XXIII. – als einer jener Päpste in die Kirchengeschichte einzugehen, denen es gelungen ist, die katholische Kirche aus dem Gestern (oder Vorgestern) in das Heute zu führen.
Indem er der katholischen Kirche Relevanz im täglichen Leben von Familien, Singles, Hetero- wie Homosexuellen zurückerkämpft. Indem es ihm gelingt, die vatikanische Kurie strukturell, organisatorisch und was das Selbstverständnis betrifft aus der Ecke der zentralistischen, dirigistischen Machtzentrale herauszuführen, sie mehr zu einer Service- als Kontrollstelle für die Diözesen zu machen.
Franziskus bleibt nur diese eine Option, sich durchzusetzen. Zu klar hat er sich schon positioniert. In Worten und Werken. Schafft er es nicht, bleibt er hinter seinen Vorgaben zurück, sagen wir es offen, scheitert er also, dann scheitert dieser Papst ganz gewaltig, vor aller Augen, mit schweren, unabsehbaren Folgen für die Gesamtkirche. Dieser Weg wird kein leichter sein.
Quelle: DiePresse
"Der Papst wird Entscheidungen treffen"
Papst Franziskus ist populär - aber Reformen bei strittigen Themen wie dem Umgang mit Geschiedenen oder Homosexuellen hat er bisher nicht eingeleitet. Der Kölner Kardinal Woelki verweist aufs kommende Jahr.
Domradio.de >>
Franziskus droht das gleiche Schicksal wie dem Franz
Der Papst hat seiner Kurie, und damit seinem Topmanagement, die Leviten gelesen. Für Victor Weber wird er trotzdem enden wie der Heilige aus Assisi: als Narr Gottes
Sonntagszeitung.ch >>
„Alzheimer spirituale“
Der Papst liest der Kurie die Leviten.
Journal21.ch >>
Dienstag, 23. Dezember 2014
Papst nennt 15 kuriale Krankheiten bei Weihnachtsempfang
"Schlagzeilen machen sie nur, wenn sie abstürzen"
Die Weihnachtsansprache von Papst Franziskus an die Kurie auf domradio.de >>
AKTUALISIERUNG:
Was kommt nach dem Paukenschlag?
Nach der furiosen Rede des Papstes beginnen heute die Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan
ARD-Tagesschau >>
Reaktionen auf Brandrede des Papstes
Das große Schweigen am Tag danach
Am Tag danach ist Schweigen. Keine offizielle Reaktion auf die Brandrede des Papstes kommt heute aus dem Vatikan. Dabei hatte Franziskus so wortgewaltig wie kein Papst zuvor seinen Mitarbeitern die Leviten gelesen. Und so mancher fragt sich: Wen hat er konkret gemeint?
ARD-Tagesschau >>
Erstaunen und Rätselraten um Kurien-Kritik des Papstes
Franziskus fordert zu Weihnachten zur Gewissenserforschung auf
Kathpress >>
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Weihnachtsempfang des Papstes:
Die kurialen Krankheiten
Eine ganze Liste von „kurialen Krankheiten“ hatte Papst Franziskus mitgebracht: Die Weihnachtsansprachen der Päpste an die vatikanische Kurie waren immer schon Gelegenheit, Grundsätzliches zu sagen, und Papst Franziskus machte hier an diesem Montag bei seiner zweiten Ansprache dieser Art keine Ausnahme. Vor den versammelten Leitern und leitenden Mitarbeitern der Vatikan-Verwaltung sprach er über Haltungen und Einstellungen, welche die Einheit verderben und dem Dienst an der Kirche schaden.
„Die Kurie ist gerufen, sich zu bessern, immer zu verbessern und in Gemeinschaft, Heiligkeit und Weisheit zu wachsen, um ihre Aufgabe ganz und gar erfüllen zu können. Und wie jeder menschliche Körper ist sie auch Krankheiten ausgesetzt (..) Hier möchte ich einige dieser möglichen Krankheiten nennen, kuriale Krankheiten.“
Insgesamt fünfzehn dieser Krankheiten identifizierte er. Er wolle damit eine Gewissenserforschung vor dem Fest anbieten, so der Papst. Der in Armut geborene Gott wolle uns Demut lehren, er sei nicht zu ausgewählten Menschen, sondern zu den armen und einfachen Menschen gekommen.
Die Krankheiten, von denen er spreche, seien zwar nicht ausschließlich auf die Kurie beschränkt, es seien Versuchungen, die alle Christen beträfen. Aber sie seien „natürlich auch eine Gefahr für jeden Christen und jede Kurie, Gemeinschaft, Kongregation, Pfarrei und kirchlichen Bewegung.“ Die Kurie sei wie ein kleines Modell der Weltkirche.
15 Krankheiten
Die erste Krankheit: Die Kurie für unsterblich, immun oder unersetzbar zu halten. „Eine Kurie, die sich selbst nicht kritisiert, die sich nicht erneuert, die nicht besser werden will, ist ein kranker Körper. Ein Besuch auf dem Friedhof kann uns helfen, die Namen all der Personen zu sehen, die glaubten, unsterblich, immun und unersetzbar zu sein.“ Diese Krankheit komme aus einem Narzissmus, der das eigene Gesicht, aber nicht das Gottes sehe und auch nicht das der Bedürftigen. Das Gegenmittel: Sich selbst als Sünder sehen.
„Dann ist da eine weitere Krankheit: der Marta-lismus [nach der biblischen Figur der Marta], die obsessive Arbeitswut. (…) Die notwendige Ruhe vernachlässigen führt zu Stress und Aufregung,“ so der Papst weiter. „Außerdem gibt es die Krankheit der geistlichen oder geistigen Versteinerung, das heißt, wie die zu sein, die ein Herz aus Stein haben und halsstarrig sind. Das sind die, die unterwegs die innere Seelenruhe verlieren, die Lebendigkeit und den Wagemut, und die sich unter Papier verstecken und ‚Arbeitsmaschinen’ werden, nicht ‚Menschen Gottes’. Es ist gefährlich, das menschliche Mitgefühl zu verlieren, das man braucht, um mit den Weinenden zu weinen und sich mit denen zu freuen, die froh sind!“
Insgesamt fünfzehn dieser geistlichen „Krankheiten“ zählte der Papst auf: Funktionalismus und Planungswut, oder die Vereinzelung in der Arbeit. Immer wieder griff der Papst dabei auch in die Kiste der farbigen Metaphern.
„Da ist auch die Krankheit des geistlichen Alzheimer, also des Vergessens der Heilsgeschichte, der persönlichen Geschichte mit dem Herrn, der „ersten Liebe“ (Apg 2,4). Dabei handelt es sich um ein fortschreitendes Absenken der geistlichen Fähigkeiten, die früher oder später zu einer schweren Behinderung des Menschen führen und ihn unfähig werden lassen, autonom zu handeln, und ihn so in einem Zustand völliger Abhängigkeit von den von ihm selbst geschaffenen Selbstbildern leben lassen.“
Viel Aufmerksamkeit bekamen auch die „Krankheiten“ der Eitelkeit: Titel und Auszeichnung zu suchen, das Einschleimen beim Chef - und die Chefs, die sich schmeicheln lassen.
„Dann gibt es die Krankheit der existenziellen Schizophrenie: die Krankheit derer, die ein Doppelleben leben, Ergebnis einer Heuchelei des Mittelmaßes und der fortschreitenden geistlichen Leere, die akademische Titel oder Abschlüsse nicht beruhigen können. Diese Krankheit betrifft vor allem diejenigen, welche die Pastoral aufgegeben haben und sich auf Verwaltung beschränken und so den Kontakt mit der Wirklichkeit verloren haben, mit konkreten Menschen. So schaffen sie sich eine Parallelwelt.“
Überhaupt wog in den Worten des Papstes das Manko der fehlenden Pastoral schwer. Deutlich auch noch einmal die Aussagen zum „Geschwätz“, dem Herabsetzen des anderen. Man „töte kaltblütig den Ruf des Nächsten“, so der Papst, um selber besser dazustehen.
Das übermäßige Ansammeln von Gütern, die Härte und der Rigorismus gegenüber dem Nächsten, die in sich abgeschlossenen Kreise, die wie ein Krebsgeschwür seien: Der Papst ging immer wieder und aus immer anderen Perspektiven auf das ein, was die Leitung der Weltkirche behindere, ihr schade und den Zusammenhalt in der Kurie schädige.
Da hilft Humor
„Da ist die Krankheit des Beerdigungsgesichtes: Das bedeutet Menschen, die mürrisch und finster drein blicken, die meinen, um ernsthaft sein zu können, ihr Gesicht mit Melancholie und Strenge anmalen zu müssen, und die die anderen, vor allem die Schwächeren, mit sturer Strenge, Härte und Arroganz behandeln. In Wirklichkeit ist diese theatralische Strenge ein steriler Pessimismus und ein Zeichen für Angst und Unsicherheit.“
Dagegen helfe vor allem eines: der Humor, und damit die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Ihm selber helfe da das Gebet des heiligen Thomas Morus, das er täglich bete: „Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile“.
Sehr viel Schaden richte auch die Krankheit des weltlichen Profits an, wenn Dienst in Macht verwandelt werde. Das betreffe Menschen, die ihre Macht unbedingt vermehren wollten und alles dafür täten, auch andere diffamierten und diskreditierten, vor allem in den Medien, oft sogar in Namen von Transparenz und Gerechtigkeit. „Ich denke da an einen Priester, der Journalisten anrief und ihnen von den privaten Dingen der Mitbrüder und Pfarreimitglieder berichtete. Für ihn zählte es nur, sich selbst auf der ersten Seite zu sehen, denn nur so fühlte er sich ‚mächtig und interessant’, aber er fügte der Kirche und den anderen viel Schaden zu. Der Arme!.“
Die Kurie sei dazu berufen, sich immer zu verbessern und einiger zu werden, hatte er seine Gedanken begonnen. Es waren keine konkreten Vorwürfe, die der Papst äußerte, es war eine sehr deutliche Gewissenserforschung, die er vorlegte. Einmal mehr wurde deutlich, dass der Papst unter „Reform“ zuerst und vor allem eine Reform der Menschen versteht, dann erst der Strukturen. Die Kurie – wie die gesamte Kirche – könne nicht ohne persönliche, authentische und tiefe Beziehung zu Christus leben
Die Krankheiten zu nennen, sei bereits der erste Schritt zur Besserung, schloss Franziskus seine Ausführungen. Das sei ein Auftrag an alle hier, die Gemeinsamkeit zu suchen, die Einheit, um besser der Kirche dienen zu können.
Quelle: Radio Vatikan >>
Kommentare:
Papstkritik zu Weihnachten
Die 15 Krankheiten der Kurie
Als Mann der offenen Worte kennen die Menschen im Vatikan Papst Franziskus. Doch so deutlich wie heute wird er selten: In seiner Weihnachtsbotschaft attestierte er den Kirchenmitarbeitern insgesamt 15 Krankheiten. Zum Beispiel Schizophrenie.
ARD-Tagesschau >>
Papst diagnostiziert der Kurie "spirituelles Alzheimer"
Geschwätzig, eitel, schizophren: Das Oberhaupt der Katholiken hat die kirchliche Verwaltungsspitze in beispielloser Weise kritisiert. Die Kardinäle reagierten verstört.
Zeit-Online >>
Papst geht mit römischer Kurie hart ins Gericht
Papst Franziskus hat am Montag bei einer Weihnachtsansprache vor Leitern und leitenden Mitarbeitern der Vatikan-Verwaltung vor „spirituellen Krankheiten“ in der Kurie gewarnt.
Religion.orf.at >>
Papst rechnet mit geschwätziger Kurie ab
Exhibitionismus, "spirituelles Alzheimer" und Geschwätzigkeit – das sind nur drei von 15 Krankheiten, die Papst Franziskus in der Kirchenführung diagnostiziert hat. Es gab wenig freudige Reaktionen.
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