Aktualisierung:
Missbrauchsaufklärer kritisieren Bischofsernennung
Vier Mitglieder der von Papst Franziskus berufenen Kommission zur Aufklärung der Sexualvergehen an Kindern kritisieren die Berufung des Geistlichen Juan Barros zum Bischof von Osorno in Chile. Sie wollten am Sonntag dem Kinderschutzbeauftragten des Vatikans, Kardinal Sean O'Malley, ihre Sorge über Barros' Berufung erläutern, sagte Kommissionsmitglied Marie Collins.
Neue Züricher Zeitung, 12.04.2015 >>
Irish abuse survivor queries appointment of bishop
An Irish abuse survivor who advises Pope Francis has called on him to reconsider the recent appointment of a Chilean bishop, because he is alleged to have covered up for Chile's most notorious clerical abuser.
rte-news.ie, 26.3.2015 >>
Members of Vatican abuse commission question Francis' inaction in Chile
NC-Reporter, 26.3.2015 >>
Blogbeitrag vom 31.3.:
Chile: Proteste bei Amtseinführung
Beim Gottesdienst zum Amtsantritt von Bischof Juan Barros Madrid in der chilenischen Diözese Osorno ist es zu Protesten gekommen. Hunderte Demonstranten forderten am Samstag den Rücktritt des katholischen Geistlichen. Sie versuchten, Barros am Betreten der Kathedrale zu hindern, das berichtet die Tageszeitung „La Tercera“. Als Zeichen des Protestes hatten sie sich mit Plakaten versammelt und in der Kirche ließen die Demonstranten schwarze Luftballons steigen. Der Gottesdienst wurde immer wieder von Sprechchören unterbrochen. Kritiker werfen Barros vor, er habe als junger Priester sexuelle Übergriffe des Priesters Fernando Karadima Farina an Jugendlichen gedeckt.
Papst Franziskus hatte den ehemaligen Militärbischof Barros am 15. Januar zum neuen Bischof der südchilenischen Diözese berufen. Dagegen hatte es aus Kreisen der Politik und von Laienorganisationen der chilenischen Kirche immer wieder Proteste gegeben. Barros streitet eine Verwicklung ab und beteuert seine Unschuld.
Radio Vatikan >>
Obispo Juan Barros asume en medio de protestas en Osorno
Juan Barros asume como obispo de Osorno en medio de protestas
Fuente: Emol.com
Chile: Ausschreitungen bei Gottesdienst
Zum ersten Gottesdienst des umstrittenen chilenischen Bischofs von Osorno, Juan Barros Madrid (58), sind nach Medienberichten nur wenige Gläubige, aber zahlreiche Demonstranten erschienen. Dabei kam es zu Ausschreitungen.
Religion.orf.at >>
Primera misa de obispo Barros tras nombramiento estuvo marcada por la ausencia de feligreses
Sólo 150 personas llegaron a la catedral de Osorno, que puede albergar a más de 800, para participar de la liturgia de Domingo de Ramos que realizó el sacerdote acusado de encubrir a Fernando Karadima.
Fuente: Emol.com
Dienstag, 31. März 2015
Montag, 30. März 2015
Nonnen bestürmen Papst in der Kathedrale von Neapel
Nonnen bestürmen Papst: Video wird zum Youtube-Hit
Ein Video über Franziskus, der am Samstag (21.3.) bei einem Besuch in der Kathedrale von Neapel von Klausurnonnen bestürmt, umarmt, gehätschelt und mit Geschenken überhäuft wird, ist in Youtube zum Hit geworden.
Die Gruppe von Nonnen aus einem Klarissenorden, die sonst in Klausur leben, wegen des Papst-Besuches in Neapel aber ausnahmsweise ihr Kloster verlassen durften, umringten den Papst vor dem Altar der Kathedrale, umschwärmten ihn, knipsten Fotos und wollten seine Hand gar nicht mehr loslassen.
Vergebens versuchte der Erzbischof von Neapel, Crescenzio Sepe, den überschwänglichen Enthusiasmus der Nonnen zu zügeln. Über Mikrofon ermahnte er die Schwestern: „Beruhigt euch, beruhigt euch!“
„Schauen Sie sich das an. Sie verschlingen ihn noch. Und das sind Klausurschwestern. Nun stellen Sie sich mal die Ordensschwestern vor!“, witzelte der Erzbischof im neapolitanischen Dialekt und löste somit Heiterkeit bei den Kirchenbesuchern aus.
Das Video mit dem von den Nonnen „überfallenen“ Papst ist auf Youtube zur Sensation geworden. Im Gegensatz zu den Ordensschwestern leben die Klosterschwestern nach der päpstlichen Klausur und verlassen ihr Kloster nur bei besonderen Anlässen.
Quelle: Religion.orf.at
Freitag, 27. März 2015
„Rom muss den Bischof verklagen“
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| Teich für Koi Karpfen im Innenhof des Limburger Bischofssitzes |
Der ehemalige Bischof Tebartz-van Elst hat dem Bistum Limburg finanziell geschadet – dafür müsse er sich verantworten, sagt Weihbischof Manfred Grothe, der im Auftrag des Papstes das Bistum leitet. Einen Verabschiedung Tebartz-van Elst aus der Diözese hält er für wünschenswert.
Interview in der Frankfurter Rundschau >>
Kommentare:
Rom prüft den Fall Tebartz-van Elst
Kann der Bischof für den Luxusbau in Limburg belangt werden? Das prüft die Kurie in Rom. Aber auch im Bistum ist noch einiges ungewiss: Nach wie vor ist offen, wann ein neuer Bischof gewählt wird.
FAZ >>
Diözese Limburg: Tebartz an Finanzdebakel schuld
Die Diözese Limburg macht ihren früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für die Vermögensschäden verantwortlich, die mit der Errichtung des rund 31 Mio. Euro teuren Bischofssitzes entstanden sind.
Das habe ein Gutachten eines Kirchenrechtlers ergeben, teilte der Limburger Apostolische Administrator Manfred Grothe laut Kathpress der „Frankfurter Rundschau“ (Donnerstag-Ausgabe) mit. Das Gutachten habe ergeben, „dass der Bischof als Letztverantwortlicher in der Verwaltung und der Vermögensverwaltung Entscheidungen getroffen hat, die zu Vermögensschäden geführt haben“, präzisierte Grothe.
Religion.orf.at >>
Limburg überprüft 6.800-Euro-Pension von Tebartz
Die deutsche Diözese Limburg will nach dem Dienstantritt ihres ehemaligen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst in Rom mögliche Einkünfte dort mit seinen Ruhestandsbezügen gegenverrechnen.
Religion.orf.at >>
Streit um Tebartz-Bau:
Die "Unterwelt" am Limburger Domberg
Ein Jahr nach dem Abgang von Tebartz-van Elst entbrennt im Bistum Limburg neuer Streit um seine Bischofswohnung. Ein früherer Caritas-Leiter will den 31 Millionen Euro teuren Bau nun in einen Ort der Auseinandersetzung verwandeln.
Spiegel-Onine >>
Limburg nach Tebartz-van Elst
Im Tiefflug unter römischem Radar
Vor einem Jahr wurde Franz-Peter Tebartz-van Elst von Limburg nach Rom beordert. Heute bemüht sich das Bistum um eine Rückkehr zur Normalität. Schwierig, denn das Bischofshaus mit seinem Luxus-Interieur steht wie ein Mahnmal in der Stadt.
Mitteldeutsche Zeitung >>
Donnerstag, 26. März 2015
Der Papst gegen die Kurie
Deutschlandradio-Kultur >>
Interview mit Gerhard Ludwig Kardinal Müller
"Es gibt kein Argument gegen den Zölibat"
Gerhard Ludwig Kardinal Müller ist als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre einer der wichtigsten "Minister" des Papstes. Viele sehen in dem einerseits sozialkritischen, andererseits traditionalistischen deutschen Theologieprofessor einen mächtigen Anführer gegen diejenigen in der Römischen Weltkirche, die sich vom Pontifikat Franziskus' grundlegende kirchliche Erneuerung wünschen.
rp-online >>
Mittwoch, 25. März 2015
Katholische Verbände fordern Überdenken der kirchlichen Haltung zur Verhütung
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| AKV-Präsident Helmut Kukacka |
Kukacka: Rigorose Beschränkung der Sexualität auf die Regeln von "Humanae Vitae" wird von den Gläubigen und der Gesellschaft nicht mehr verstanden.
Wien (OTS) - Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände Österreichs (AKV) folgt dem Aufruf von Papst Franziskus, sich an der Vorbereitung der XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zu beteiligen. Die Mitgliedsverbände der AKV haben sich mit den pastoralen Herausforderungen für die Kirche im Umgang mit der gesellschaftlichen Situation von Ehe und Familie intensiv beschäftigt und können daher die Beantwortung des Fragenkatalogs zu den Lineamenta (Vatikanfragebogen zur Familiensynode) durch den Katholischen Laienrat Österreichs mittragen und unterstützen.
Dabei ist es, wie AKV-Präsident Helmut Kukacka feststellt, der AKV ein besonderes Anliegen im speziellen noch einmal auf die Fragen einzugehen, die sich mit der Sexualität von jungen Menschen und Eheleuten beschäftigen. Eine von der Generalversammlung der AKV am 18. März 2015 einstimmig beschlossene Resolution hat dazu folgende Feststellungen getroffen.
Kukacka: "Die AKV sieht die rigorose Beschränkung der Sexualität auf die strenge Haltung von "Humanae Vitae" nach fast fünfzig Jahren Erfahrung als problematisch und nicht mehr zeitgemäß an". Wie Kukacka dazu feststellt, mache die medizinische Entwicklung und die veränderte Einstellung der Gesellschaft, aber auch der Gläubigen, eine Präzisierung erfor-derlich. Denn die von der Kirche empfohlenen sogenannten "natürlichen Methoden" der Ver-hütung würden heute nur noch wenig berücksichtigt und verstanden.
Die AKV tritt nachdrücklich dafür ein, sehr viel klarer zwischen jenen Methoden und Mitteln zu unterscheiden, die eine Empfängnis verhindern (z.B. Antibabypille) und jenen, die zur Beendigung bereits empfangenen Lebens führen. Hier sind besonders die verschiedenen Versionen der sogenannten "Pille danach" zu nennen. Kukacka: "Wir lehnen daher alle le-bensbeendenden Mittel und Methoden strikt ab, hingegen sollte eine vom geprüften Gewissen getragene Verwendung künstlicher Methoden oder medikamentöser Mittel zur Verhütung akzeptiert werden". Die AKV setzt sich für eine verantwortet Elternschaft ein, wonach die Eltern entsprechend der Familiensituation in ihrem Gewissen über Zeitpunkt und Anzahl der Kinder selbst entscheiden müssen. Grundsätzlich müsse das eheliche Leben offen sein für Kinder, aber das muss nicht für jeden sexuellen Akt gelten.
Die AKV will mit dieser Stellungnahme bewusst an der vom Konzil im Dokument "Gaudium et Spes" formulierten Verantwortung der Eltern für die Kinder anknüpfen und für eine zeitge-mäße Sicht auf die von Gott geschenkte Sexualität eintreten.
OTS/APA >>
Katholische Verbände wollen Sexualmoral neu diskutieren
AKV-Präsident Kukacka im Blick auf Familiensynode im Herbst: Klare Trennung von Empfängnisverhütung und lebensbeendenden Mitteln und Methoden erforderlich
Kathpress >>
Rückmeldungen und Stellungnahmen zum Familienfragebogen 2015
Bistum Münster veröffentlicht Rückmeldungen auf die Umfrage in Vorbereitung der Familiensynode
Die Katholiken im Bistum Münster wünschen sich eine Kirche, die barmherzig und liebevoll auf alle Menschen zugeht, unabhängig davon, in welchen Familiensituationen oder Beziehungs-Formen sie leben.
Bistum Münster >>
Zusammenstellung der Antworten aus dem Bistum Münster >>
Befragung zur Familiensynode abgeschlossen
709 Einzelpersonen, Paare, Familien und Gruppen beteiligt
Erzbistum München und Freising - Pressemitteilung vom 9.3.2015
Kritik am Stil des Vatikan-Fragenbogens
Grundsätzlich werden der „schwer verständliche Sprachstil und die Komplexität der Fragestellung“ des Vatikan-Fragebogens kritisiert. Diese habe die Beantwortung nicht nur erschwert, „sondern selbst bei wohlmeinenden Katholiken z.T. Anlass gegeben, die gute Absicht einer breiten Befragung in Frage zu stellen“.
Quelle: Bistum Essen >>
Die vollständige Zusammenfassung der Antworten zum zweiten Vatikan-Fragebogen im Bistums Essen.
Kaum Beteiligung – Fragen zu komplex
Kritik am Vatikan-Fragebogen zur Familiensynode
Schwer verständliche Sprache, theologische Begriffe – mit diesen Worten kritisieren mehrere Bistümer den Fragebogen des Vatikans zur Vorbereitung der zweiten Familiensynode. domradio.de hat mit Dr. Michael Dörnemann vom Bistum Essen gesprochen.
Domradio.de >>
Stellungnahme von Wir-sind-Kirche.de zur Familien-Synode 29.3.2015
Stellungnahme zu Lineamenta und Fragenkatalog für die Synode 2015 >>
Stellungnahme vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)10.3.2015
SZdK.de >>
Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd):
Stellungnahme 26.2.2015 >>
Pressemitteilung 3.3.2015 >>
Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen-Region Köln
Stellungnahme vom 25.2.2015 >>
Katholischer Deutscher Frauenbund e.V. (KDFB)
Stellungnahme vom 3.3.2015 >>
Pressemitteilung vom 5.3.2015 >>
Über richtig und falsch hinaus: für eine Beziehungs- und Sozialethik von heute
Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) >>
Familienpastorale Herausforderungen im Hinblick auf die Bischofssynode 2015
Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK) >>
Deutsche Ordensobere für anderen Umgang mit Geschiedenen
Bonn (KAP/KNA) Mehr Barmherzigkeit im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und einen anderen Umgang mit dem Scheitern menschlicher Lebensentwürfe wünschen sich die katholischen Orden in Deutschland von der Kirche. In einer am Montag in Bonn veröffentlichten Stellungnahme zur kommenden Weltfamiliensynode im Vatikan erklärte die Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK), auch in einer zweiten Zivilehe lebenden Katholiken sollte unter bestimmten Voraussetzungen der Zugang zu den Sakramenten wieder ermöglicht werden.
Generell sprechen sich die Vertreter der Männer- und Frauenorden dafür aus, in Fragen von Sexualität, Partnerschaft und Ehe das Gewissen der Katholiken stärker zu achten und ihnen mehr Vertrauen entgegenzubringen. "Gläubige aus dem Kernbereich der Gemeinden bitten auch ganz ausdrücklich die Verantwortlichen unserer Kirche, ihnen doch mehr Vertrauen entgegenzubringen", heißt es. "Sie wünschen durchaus eine Unterstützung der Gewissensbildung und Hilfen zur Entscheidungsfindung. Sie kritisieren aber auch, dass manche Seelsorger versuchen, ihnen sehr stark in ihre Gewissensentscheidungen hineinzuwirken."
Kathpress >>
Österreich:
Katholische Verbände wollen Sexualmoral neu diskutieren
AKV-Präsident Kukacka im Blick auf Familiensynode im Herbst: Klare Trennung von Empfängnisverhütung und lebensbeendenden Mitteln und Methoden erforderlich
Kathpress >>
Linzer Pastoralrat: Wiederverheiratete zu Sakramenten zulassen
Größtes Beratungsgremium der Diözese Linz empfiehlt mit Blick auf Familiensynode theologische und pastorale Weiterentwicklung des Ehesakraments und Akzeptanz von Personen mit homosexueller Orientierung
Kathpress >>
„Wir sind Kirche“ an die Bischöfe:
Wo bleiben eure kühnen Vorschläge?
Plattform "Wir-sind-Kirche.at" >>
Entfaltung des Lebens in Würde statt rigorosem Gesetzesvollzug
Stellungnahme vom Netzwerk: zeitgemäß glauben >
Alles rund um die Familiensynode im Vatikan - Dossiers:
Katholisch.de >>
Domradio.de >>
Kathpress >>
Dienstag, 24. März 2015
„Kleriker müssen vom hohen Ross steigen“
Die Versorgung mit Priestern ist am Zusammenbrechen, sagt Propst Johannes Holzinger im Interview mit der KirchenZeitung. Ein Befund, den Sie teilen?
Franz Schobesberger: Die Befürchtung habe ich schon lange. Dass der Zusammenbruch nun so schnell geht, war auch klar. Die großen, starken Priester-Jahrgänge meiner Generation, die sind bald so weit, dass sie in die Ewigkeit gehen.
Franz Schobesberger: Die Befürchtung habe ich schon lange. Dass der Zusammenbruch nun so schnell geht, war auch klar. Die großen, starken Priester-Jahrgänge meiner Generation, die sind bald so weit, dass sie in die Ewigkeit gehen.
Sie pflegen Kontakte zu Dutzenden Gemeinden in Afrika und Asien, die Sie über Ihren Hilfsfonds finanziell unterstützen. Gibt es Ihrer Einschätzung nach dort genügend Priester?
Schobesberger: Nein. Den Priestermangel gibt es in Afrika und Asien weit mehr als bei uns. In Afrika kenne ich Priester, die Pfarren mit 30 und mehr Außenstationen zu betreuen haben. Dort können sie dann nur ein paar Mal im Jahr vor Ort sein. Ich finde es problematisch, dass viele afrikanische Priester zu uns geholt werden, vorwiegend nur, um das bestehende System aufrechtzuerhalten, wo sie doch in ihrer Heimat Arbeit bis über beide Ohren haben.
In einem Ihrer jüngeren Pfarrbriefe kritisieren Sie die ablehnende Haltung des Vatikans in Bezug auf die Weihe von Frauen zu Priesterinnen.
Schobesberger: Wenn der Vatikan sagt, die Kirche habe keine Ermächtigung durch Jesus, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, stimmt das so nicht. Jesus hat dazu einfach nichts gesagt – und das ist weder ein Verbot noch ein Gebot. Es ist auch keine Glaubensfrage, sondern eine Frage der amtlichen Strukturen in der Kirche, die nur teilweise auf Jesus zurückgehen, aber größtenteils von der Kirche selbst eingerichtet wurden.
Wie war das für Sie, als Sie jung waren? Wie sind Sie damals zur Weihe von Frauen gestanden?
Schobesberger: Zu dieser Zeit war es überhaupt noch keine Frage. Das hat sich erst später ergeben, dass ich über die Weihe von Frauen zu Priesterinnen nachgedacht habe. Hinsichtlich der Weihe von Frauen habe ich aber eine sehr vielschichtige Ansicht und bin kein reiner Befürworter.
Was heißt das konkret?
Schobesberger: Grundsätzlich wäre als Erstes zu beachten, ob es dem Wesen der Frau und der von Gott in sie gelegten Berufung entspricht. Dann wären die sehr verschiedenen Voraussetzungen in den weltweiten Kulturen und die Folgen für die Ökumene, besonders bezüglich der Ostkirchen, zu berücksichtigen.
Wenn man die Weihe von Frauen jetzt durchführen würde, gäbe das eine Kirchenspaltung in der Größe der Reformation. Priesterinnen kann es nicht von heute auf morgen geben.
Und das Diakonen-Amt für Frauen zu öffnen: Das würde einfacher umzusetzen sein?
Schobesberger: Überhaupt kein Problem, Diakoninnen hat es schon gegeben, die könnten sofort kommen. Vor allen Überlegungen in Amtsfragen sollte man aber endlich das gemeinsame Priestertum aller Getauften ernst nehmen. Das II. Vaticanum sagte, dass alle Getauften zu Priestern geweiht sind, also priesterliche Dienste erfüllen können.
Was erschwert die Einführung der Weihe von Frauen zu Priesterinnen?
Schobesberger: Die Weihe sollte, wenn grundsätzlich nichts dagegenspricht, möglich sein, aber nicht auf der gewohnten Ebene des Klerus. Bevor man Frauen zu Mitgliedern des Klerus macht, müssen die männlichen Kleriker vom hohen Ross heruntersteigen. Auf ebener Erde wird es kaum ein Problem sein, wenn zu den männlichen Priestern weibliche Priesterinnen kommen. Wenn es eine Machtangelegenheit ist, wird es gefährlich. Meines Erachtens ist die den Vorgaben Jesu widersprechende klerikale Entwicklung der Kirche ab dem 1. Jahrhundert eine Fehlentwicklung. Nicht der priesterliche Dienst, aber der Klerikalismus – und der sollte keine Erweiterung erfahren.
Ein Argument von Gegnern der Weihe von Frauen ist, dass Jesus eben ein Mann war, Priester Stellvertreter Christi sind und einfach Männer sein müssen.
Schobesberger: Das scheint mir eine ideologische Festlegung zu sein, damit man nichts anderes mehr zu denken braucht. Aber in der Heiligen Schrift ist nicht von der Mannwerdung Gottes, sondern von der Menschwerdung zu lesen. Gott schuf den Menschen als Mann und Frau, steht in der Bibel. Jesus kann von Männern und Frauen vergegenwärtigt werden.
Schobesberger: Das scheint mir eine ideologische Festlegung zu sein, damit man nichts anderes mehr zu denken braucht. Aber in der Heiligen Schrift ist nicht von der Mannwerdung Gottes, sondern von der Menschwerdung zu lesen. Gott schuf den Menschen als Mann und Frau, steht in der Bibel. Jesus kann von Männern und Frauen vergegenwärtigt werden.
Trauen Sie Frauen zu, Priesterinnen zu sein, wenn Sie an konkrete Menschen in der katholischen Kirche denken?
Schobesberger: Ich habe schon mit einigen Frauen zu tun gehabt, die wären gut geeignet für dieses Amt. Von der Spiritualität oder dem Können her hätte ich keinerlei Bedenken.
Viele, die sich mehr Gleichberechtigung in der Kirche wünschen, wollen nicht mehr länger warten. Müssten sie einfach geduldiger sein?
Schobesberger: Mit geduldig sein allein wird sich nichts ändern. Nur zuwarten, bis der Heilige Geist allein etwas tut, da warten sie umsonst. Der Heilige Geist wird nur etwas gemeinsam mit den Menschen bewirken.
Anderseits: Mit Revolutionen erzeugt man keinen positiven Weg, nur einen Bruch. Man müsste einen Weg finden, auf dem man mit Nachdruck richtig Erkanntes mit Blick auf das Ganze verwirklicht.
Sollen Priesterinnen eigentlich zölibatär leben?
Schobesberger: Die Frage, ob Priester zölibatär oder verheiratet leben, ist auf der Männerseite noch nicht gelöst. Man wird sich zuerst einmal hier und für den Fall einer Weihe von Frauen auch für diese dazu ernsthaft Gedanken machen müssen.
Was halten Sie von verheirateten Männern als Priester?
Schobesberger: Der verpflichtende Zölibat ist mit Sicherheit keine verbindliche Vorgabe Jesu. Die Zwangsverbindung der beiden selbstständigen Charismen Ehelosigkeit und Priestertum müsste gelöst werden, denn so, wie es jetzt ist, ist es nicht ehrlich. Der Heilige Geist teilt Charismen zu, wie er will, nicht wie es das Kirchenrecht bestimmt. Unter den Jugendlichen, etwa bei den Jugendseminaren war eine ganze Reihe dabei, die wären heute Priester, wenn der Zölibat nicht gewesen wäre. Die sind Pastoralassistenten geworden, machen gute Arbeit. Sie wollten eben auch eine Familie haben.
Sie haben als Priester viele Jahre mehrere Pfarren betreut. Wie ist es Ihnen dabei ergangen?
Schobesberger: Eine persönliche Seelsorge ist, wenn man für drei Pfarren zuständig und manchmal zusätzlich Dechant ist, nur noch schwer möglich.
Was haben Sie als schwierig erlebt?
Schobesberger: Seelsorge lebt vom Hören auf den Geist und die Menschen und von der freien Kreativität. Das Muss zur Erfüllung von verschiedensten Verpflichtungen würgt diese aber nicht selten ab. Das Wesentliche wäre die frei schaffende spirituelle Arbeit.
Das ist es, was Ihnen Freude macht am Priestersein?
Schobesberger: Ja, in einer vom Geist inspirierten Tätigkeit auf allen Ebenen die Menschen für ein Leben mit Christus gewinnen, sie für ein Leben aus dem Geist im Alltag begeistern und befähigen. Das Modell Jesu für seine Gemeinde war Freundschaft. So habe ich von Anfang an versucht, auf diesem Weg zu leben und zu arbeiten, und das war die Grundlage für ein erfülltes Leben und eine erfolgreiche Arbeit.
Es erfüllt mit Freude und Dankbarkeit, sich von einem fast weltweiten großen Freundeskreis im Gebet und gegenseitigen Austausch getragen zu wissen.
Würden Sie heute – wenn Sie sich nochmals entscheiden könnten – auch wieder Priester werden?
Schobesberger: Ich habe die Berufung, die ich als Dreizehnjähriger völlig unerwartet wie eine Liebeserklärung erlebte, zeitlebens als eines der besten und wertvollsten Geschenke Gottes angesehen.
Sie hat mir, obwohl ich dieser Liebeserklärung oft nicht entsprochen habe, ein erfülltes Leben ermöglicht, in dem ich alle meine Talente und Charismen einsetzen und – wie schon gesagt – einen fast weltweiten Freundeskreis gewinnen konnte.
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