Donnerstag, 26. November 2015

Diözese beendet Zusammenarbeit mit Kroatischem Kulturverein


Aktualisierung am 2.12.:

„Beleidigungs-Brief“ schlägt Wellen
Zahlreiche empörte Reaktionen gingen in der BVZ nach dem vorwöchigen Artikel zum Konflikt zwischen dem Kroatischen Kulturverein (HKD) und der Diözese ein.

Wie berichtet (den BVZ.at-Artikel dazu siehe hier bzw. weiter unten), hatte HKD-Vorsitzender Stanko Horvath, zugleich Vorsitzender des Volksgruppen-Beirates für Burgenlandkroaten im Bundeskanzleramt, Bischof Ägidius Zsifkovics in einem Schreiben persönlich wegen dessen Sehbeeinträchtigung beleidigt.

„Rufe Bischof wiederholt zum Dialog auf“
Gegenüber der BVZ meint Horvath jetzt: „Ich rufe den Bischof wiederholt zum Dialog auf, so wie auch Papst Franziskus den Dialog mit der Welt forciert.“ Die Beleidigung in seinem Schreiben will Horvath nicht weiter kommentieren.

In einer Stellungnahme der Diözese heißt es dazu: „Wer Beleidigung, Diskriminierung, mobbendes Verhalten und Rangeleien vor einem Gotteshaus als Voraussetzung für einen ‚Dialog‘ erachtet, ist im öffentlichen Diskurs zwischen Kirche und Gesellschaft beim besten Willen nicht als salonfähig zu erachten. Inwieweit jemand, der einem Menschen aufgrund von dessen Sehbeeinträchtigung die Führungskompetenz abspricht, überhaupt geeignet ist, in der Republik Österreich eine ganze Volksgruppe in ihren Minderheitenrechten öffentlich zu vertreten, muss an anderer Stelle überlegt werden.“
Quelle: BVZ


Verspottung von Bischof: Empörung über Skandal-Brief
Übles Schreiben mit persönlicher Beleidigung: Diözese beendet Zusammenarbeit mit Kroatischem Kulturverein.

Aufgrund wiederholter öffentlicher Angriffe des Vorsitzenden des Kroatischen Kulturvereins, Stanko Horvath, gegen Bischof Ägidius J. Zsifkovics sieht die Diözese nach 86 Jahren von einer weiteren Zusammenarbeit mit dem ursprünglich kirchlichen Werten verbundenen Verein ab.

Trauriger Höhepunkt ist ein Brief Stanko Horvaths, in dem er zum fünfjährigen Amtsjubiläum des Bischofs und dessen Beschreibung als „Wegweiser“ Stellung nimmt.

„,Wegweiser‘ mit solchen ,Rex‘-Augengläsern“
Horvath beendet sein Schreiben mit einer diskriminierenden Verspottung des Bischofs, der aufgrund seiner Sehbehinderung seit frühester Kindheit eine starke Brille tragen muss: „Bezweifle, dass man mit solchen ,Rex‘-Augengläsern (Originalzitat Dr. Werner J. Gruber) überhaupt etwas sieht, geschweige denn ,Wegweiser‘ sein kann.“

Bischof Zsifkovics will auf die Untergriffe nicht weiter reagieren und meint nur: „Diese Aussagen, noch dazu eines Arztes, disqualifizieren sich selbst – sie sind eine Verspottung aller sehbeeinträchtigten Menschen.“

Zu den persönlichen Beleidigungen gegen den Bischof möchte Horvath auf BVZ-Anfrage keine Stellung nehmen: „Ich habe das per Mail kommentiert, aber es hat keinen offenen Brief gegeben. Ich sage dazu nichts mehr.“ Auslöser der Trennung zwischen Diözese und Kroatischem Kulturverein war nun die einstimmige Wiederwahl Horvaths zum Vorsitzenden des Vereins.

Bischofsvikar: „Schaden für die Volksgruppe“
Bereits im Vorfeld der Wiederwahl hatte der Bischofsvikar für die kroatische Volksgruppe, Stefan Vukits, einen offenen Brief an die Mitglieder des Kroatischen Kulturvereins gerichtet, der auch auf der Volksgruppen-Seite des ORF veröffentlicht wurde. Darin heißt es seitens der Diözese: „Wir sind überzeugt, dass das persönliche Auftreten Dr. Horvaths in der ,Causa Großwarasdorf’ sowohl der kroatischen Volksgruppe im Burgenland als auch ihrem Bischof und ihrer Kirche geschadet hat und weiterhin schadet.“

Horvath dazu: „Es muss ja keine Zusammenarbeit geben, aber wir suchen weiter den Dialog mit der Diözese. Dazu ist aber auch eine Mindestbereitschaft auf der anderen Seite nötig.“

In der „Causa Großwarasdorf“ hatte der Lockenhauser Zahnarzt Horvath für negative Schlagzeilen gesorgt: Wie berichtet, folgten auf die Amtsenthebung von Pfarrer Ivan Jélic im Mittelburgenland heftige Proteste. Es kam auch zu Rangeleien, an denen Horvath als einer der Hauptakteure der Unruhen beteiligt war. Sogar der Verfassungsschutz war im Einsatz.

Stanko Horvath gilt nicht nur in Kirchenkreisen als „Wiederholungstäter“. Aktenkundig ist auch ein früherer körperlicher Angriff gegen einen Vereinsfunktionär. Den Bischof hatte er zuletzt im Rahmen der Agape nach der Messe beim Vorbeigehen beschimpft. Horvath hingegen will davon nichts wissen; allerdings gibt es zu dem Vorfall einen Entschuldigungsbrief, der der BVZ vorliegt.
Quelle: BVZ

Mittwoch, 25. November 2015

Schreiben der Reformbewegungen an die Bischöfe Österreichs

Sehr geehrter Herr Bischof!

Die Reformbewegungen in unserer Kirche haben die Ergebnisse der stattgefundenen Bischofssynode eingehend beraten und sind zur Auffassung gelangt, dass sich über den unmittelbaren Beratungsgegenstand weit hinausreichende Folgerungen ergeben. Sie haben daher beschlossen, an die Diözesanbischöfe Österreichs den im Folgenden wiedergegeben Appell in Form eines offenen Briefes zu richten.

Liebe Bischöfe – nun liegt es ganz an Euch!
Ein freimütiger Zuruf und Aufruf

Vielleicht ist uns allen noch nicht ganz bewusst, wie sehr Papst Franziskus die Kirche bereits verändert hat. So gut wie alles davon betrifft die Bischöfe – angestoßen durch einen von ihnen, den von Rom. Das Entscheidende ist eindeutig: Die Zeit der Entmündigung ist vorbei. Das hat nach der Überzeugung der kirchlichen Reformbewegungen Konsequenzen, die den Bischöfen in aller Freimut zugerufen werden sollen:

Liebe Bischöfe, bewältigt mutig und unverzüglich das Umdenken zu einem neuen Verständnis Eueres Amtes! Dieses war bisher auf die Rolle von Außenstellenleitern des Vatikans reduziert, gebunden durch geschworenen und bedingungslosen Gehorsam. Bringt diese entwürdigende Situation rasch hinter euch und unternehmt alles, um nun die eigentlichen Verantwortungsträger der Kirche zu sein!

Diese neu gewonnene Verantwortung besteht gegenüber Jesus, dem wahren Oberhaupt der Kirche. Sie besteht aber auch gegenüber dem Kirchenvolk. Die Getauften und Gefirmten sind niemandes Untergebene, so wie auch Ihr Bischöfe nicht solche seid, sondern wie wir alle zur schöpferischen Kraft des Glaubens berufen.

Das Amt der Bischöfe braucht Autorität, wenn es Respekt und Anerkennung finden soll. Autorität kann in unserer Zeit weder durch Berufung auf Gesetze noch auf Tradition gewonnen werden, sondern nur durch die Gaben des Geistes. Der Papst hat gegenüber der Synode erklärt, dass die evangelische Demut des Bischofsamtes erfordere, „die Gläubigen an der Hand zu nehmen und ihnen aufzuhelfen, ohne sich ihnen jemals überlegen zu fühlen“.

Den Reformbewegungen ist diese Hand bisher verweigert worden, ebenso das Gehör und das Gespräch. Wir haben immer an dieses „Aufhelfen“ gedacht, das auch die Kirche in ihrer heute so schwierigen Lage braucht und das ihr nun von einem inspirierten Papst zuteil wird.

Die Reformkräfte stehen in der Kirche nicht abseits, sondern wollen ihren Beitrag zu jener Erneuerung leisten, um die sie stets gerungen haben und die nun in Gang gesetzt wurde, aber noch keineswegs abgeschlossen ist. Sie erwarten, endlich Partner fruchtbaren Gedankenaustauschs in einer neuen und hoffnungsvollen Ära der Kirchenentwicklung sein zu können.

Mit der Bitte um Kenntnisnahme und besten Empfehlungen

Für die Plattform Wir sind Kirche:  Dr. Martha Heizer
Für die Pfarrerinitiative:                  Mag. Helmut Schüller
Für die Priester ohne Amt:             Herbert Bartl
Für die Laieninitiative:                    Dr. Herbert Kohlmaier

Samstag, 21. November 2015

Bischof Paul Iby erinnert sich an das Raiding seiner Kindheit

Bischof Paul Iby: „Mit Leib und Seele“
Die BVZ präsentiert die Autorinnen und Autoren des Buches „Mein Burgenland“. Diese Woche: Der emeritierte Bischof Paul Iby erinnert sich an das Raiding seiner Kindheit.
bvz am 20. November 2015
Einige Zeit vor meiner Ernennung zum Bischof von Eisenstadt wurde ich vom Apostolischen Nuntius in Wien, Donato Squicciarini, zu einem Gespräch eingeladen.

Im Laufe des Gesprächs stellte er mir die Frage: „Wären Sie bereit, in einer anderen Diözese das Amt eines Weihbischofs zu übernehmen, wenn Sie vom dortigen Bischof gefragt würden?“

Ich antwortete, dass ich grundsätzlich dazu bereit wäre, mit Ausnahme von Wien. „Warum nicht Wien?“, fragte der Nuntius. Ich antwortete: „Für uns Burgenländer ist das Parkett von Wien zu glatt, da kann man leicht ausrutschen.“

„Eigentlich will ich gar nicht anderswo hin“
Als ich dann zu Hause über das Gespräch nachdachte, überlegte ich noch einmal meine Antwort. Ich sagte mir: „Eigentlich will ich gar nicht anderswo hin. Ich möchte im Burgenland, in meiner Heimat, bleiben.“
Ich bin mit Leib und Seele Burgenländer. 1935 wurde ich in Raiding geboren und ich bin dort auch aufgewachsen.

Es erfüllt mich mit Stolz und Freude, dass in unserem Dorf Franz Liszt geboren wurde und dass ich in der gleichen Kirche wie Liszt getauft worden bin, nämlich in Unterfrauenhaid, unserer Pfarrkirche. Raiding war damals noch keine Pfarre, sondern eine Filialgemeinde von Unterfrauenhaid.

Wenn ich zurückschaue, stelle ich mit Freude fest, dass ich eine schöne Kindheit hatte. Als Kinder kannten wir jedes Haus und alle Spielplätze für uns Kinder. Wir wussten, in welchem Garten es Marillen gab, oder wo die ersten Äpfel, wir nannten sie „Süßäpfel“, reif wurden.

Spielplätze für uns Kinder waren die Strohtristen, die Stadel und Scheunen unserer Häuser. Das Herunterspringen von einem hohen Balken im Stadel war umso schöner, je höher der Balken angebracht war.

An die Jahre in der Volksschule kann ich mich kaum mehr erinnern. Im Gedächtnis geblieben ist mir aber der Gründonnerstag 1945, als die Russen nach Raiding kamen. Ebenso erinnere ich mich noch an die erste Klasse in der Hauptschule in Lackenbach, weil 1945 der Besuch des Gymnasiums in Mattersburg schwierig war.

Die Jahre im Gymnasium und im Knabenseminar in Mattersburg wie auch das Studium im Priesterseminar in Wien sind ohne besondere Ereignisse verlaufen. Heimweh habe ich eigentlich nie gehabt.

Heimweh nach dem Burgenland und nach den Bräuchen zu Hause hatte ich erst, als ich in den Jahren 1963 bis 1966 zum Studium des Kirchenrechts in Rom war. Besonders gespürt habe ich das in der Adventszeit, weil es in Rom keine Adventkränze und auch kein Tannenreisig gab.

Es wäre langweilig, wenn ich meine ganze Lebenszeit hier beschreiben wollte. Alle Jahre meines Lebens war ich gerne Burgenländer und Raidinger, auch wenn man uns so manche boshafte Burgenlandwitze und „Raidinger-Stückl“ nachgesagt hat.

In den Jahren, als ich Bischof von Eisenstadt war, habe ich mein Heimatland vom Norden bis in den Süden gründlich kennengelernt. Es gibt wenige Orte, in denen ich nicht gewesen bin.

Mit Freude bin ich immer wieder durch das Land gefahren, habe unsere Gemeinden mit ihrem Blumenschmuck und meine Landsleute mit ihrer Gastfreundschaft und Geselligkeit kennen, schätzen und lieben gelernt. Das ist „mein Burgenland“, wo ich gerne zu Hause bin.

P.S.: Die gescheite und narrische Seite von Raiding: Durch den Bach geteilt gibt es in Raiding zwei Seiten, die gescheite und die narrische Seite. Die narrische Seite ist dort, wo die Schule steht. Denn die Bewohner der gescheiten Seite sagten: Wir brauchen keine Schule, denn wir sind ohnehin gescheit.

Zur Person: Paul Iby, emeritierter Bischof

Wurde 1935 in Raiding geboren. Nach der Volksschule in Raiding besuchte er ein Jahr die Hauptschule in Lackenbach und wechselte dann von 1946 bis 1954 in das Bischöfliche Seminar und Gymnasium in Mattersburg. Nach der Matura lebte und lernte er im Bischöflichen Priesterseminar in Wien und studierte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Danach studierte er von 1963 bis 1966 Kirchenrecht an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. m 1959 wurde Paul Iby zum Priester geweiht, 1967 promovierte er zum Doktor jur.can. Nach verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten in der Diözese Eisenstadt war er von 1984 bis 1992 Generalvikar und wurde am 28. Dezember 1992 zum Bischof ernannt.

Kurz vor seinem Rücktritt sprach sich Iby für eine Aufhebung des Pflichtzölibats aus, die seiner Ansicht nach die Seelsorge erleichtern würde. Eine Berufung von Frauen in das Priesteramt wollte er ebenso nicht grundsätzlich ausschließen. Am 9. Juli 2010 wurde seine Resignation angenommen.

Heute lebt Paul Iby als emeritierter Bischof in Eisenstadt.

Mittwoch, 18. November 2015

50. Jahrestag des Dekrets über das Wirken von Laien in der Kirche

Die Laieninitiative, 18. November 2015

Laien in der Kirche – nach fünfzig Jahren wurde alles anders!

Am 18. November 1965 wurde vom II. Vatikanum das Dekret APOSTOLICAM ACTUOSITATEM über das Laienapostolat veröffentlicht. Die Rolle der Kirchenmitglieder, die nicht dem geistlichen Stand angehören, wurde neu beschrieben. Sie sollten Mitwirkende und Mitverantwortliche am Sendungsauftrag der Kirche sein. Was weiterhin blieb, waren Unterordnung, Gehorsamspflicht und das Angewiesensein auf die den Geweihten vorbehaltenen Befugnisse.

Das „Volk Gottes“ ist also zur „Mitwirkung“ am Apostolat berufen, aber nicht dort, wo die Kir-che Entscheidungen trifft (Ausnahme ist die bescheidene Mitsprache in den Pfarrgemeinderäten). Von welcher Gesinnung das nach dem Konzil erlassene Kirchenrecht geleitet ist, wird etwa darin sichtbar, dass man annahm, den Gläubigen die Erlaubnis geben zu müssen, Meinungen und Wünsche zu äußern (Can. 212) oder tiefere Kenntnisse der Theologie zu erwerben (Can. 229)!

Die entscheidende Ungleichheit zwischen Priestern und Laien besteht aber darin, dass nur Pries-ter „in persona Christi“ handeln können; auch nicht Diakone, was Benedikt XVI. ausdrücklich betonte. Es handelt sich dabei um eine spezifisch katholische Glaubenskonstruktion als Merkmal der Kirche. Sie ist historisch entstanden und findet in den Evangelien keinerlei Stütze.

Korrekturen, welche die Zeit bewirkt

Die nach dem Konzil bis zum Amtsantritt von Papst Franziskus verstrichenen Jahre haben keinen Fortschritt betreffend die den Laien zugewiesene Rolle gebracht – eher wirkten auch in dieser Frage restaurative Tendenzen des Vatikans. Aber in genau dieser Zeit ist sichtbar geworden, dass eine Kirche zweier voneinander strikt getrennter Stände in unserer Zeit und heutigen Gesellschaft zur bloßen Theorie wird. Die Entwicklung hat sich von der kirchlichen Autorität gelöst und neue Fakten geschaffen, welche die heutige Realität bestimmen:

• Die Lehre der Kirche ist im „Gottesvolk“ kaum mehr und allenfalls nur bruchstückhaft bekannt. Soweit dies der Fall ist, wird keine Verbindlichkeit empfunden, sondern jeder glaubt, was ihm plausibel erscheint.
• Das Gleiche gilt für die Vorschriften, welche die Kirche erlassen hat; sie haben praktisch keine Wirksamkeit mehr.
• Der traditionelle Priesterstand schrumpft auf eine immer kleinere Zahl überalteter Männer. Der dürftige Nachwuchs für einen unattraktiv gewordenen Beruf rekrutiert sich oft aus Kreisen, die noch dem überholten Bild des hierarchischen Kultpriesters verhaftet und für die Seelsorge in einer Gemeinde mündiger Christen untauglich sind. Eine einigermaßen flächendeckende und von Person zu Person wirkende Seelsorge für die Glaubensangehörigen ist nur mehr eine Illusion.
• Wo es wirklich noch lebendige Gemeinden gibt, hängt dies weitgehend vom Engagement der Laien ab, wobei die Frauen eine besonders wichtige Rolle spielen.

Die Zukunft der Kirche liegt in der Hand der Laien

Was die Kirchenleitung tut, ist also in Wahrheit bedeutungslos geworden, soweit es um Regeln, Gebote und Vorschriften geht. Wichtig hingegen ist alles, was Gesinnung, Gewissen und Glaube im wohlverstandenen Sinn betrifft. Franziskus hat das erkannt. Es bedeutet aber auch, dass die Chancen der Kirche in einer neuen Gemeinsamkeit liegen, die an der Basis wirken muss, aber nicht von einer Zentrale und deren Bevollmächtigten hergestellt werden kann.

Die Entwicklung zu einer Kirche ohne künstlich geschaffene Standesunterschiede ist nicht auf- zuhalten. Es kommt nicht mehr darauf an, dass jemand vorgibt, „in persona Christi“ zu handeln, sondern nur auf die Bereitschaft, im Geiste Christi zu wirken. Nur wenn das sehr viele „Laien“ in ihrer Verantwortung tun werden, kann es auch in Zukunft noch eine Kirche geben.

Das Dekret über das Apostolat der Laien hätte ein Meilenstein in der Kirchengeschichte werden können, wenn man das, was noch zögerlich angedacht war, mutig weiterentwickelt hätte. So aber ist das wenige Brauchbare beim „Rückbau“ nach dem Konzil durch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. verschüttet worden. Sollte es jetzt im Zuge der Entrümpelung der Kirche wieder her- vorgeholt werden, genügt kein oberflächliches Entstauben. Vielmehr müsste das Verhältnis von Priestern und Laien geradezu vom Kopf auf die Füße gestellt und anerkannt werden, dass im Verhältnis zu Gott und unseren Herrn Jesus der Unterschied zwischen Priestern und Laien marginal ist und nicht ins Gewicht fällt.

Zum Thema:

50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil
"Noch viel zu entdecken"
Ob Ökumene, Laien in der Kirche, Dialog mit anderen Religionen oder Fragen des Glaubenslebens: kein Bereich, der nicht durch die Beschlüsse des Konzils berührt wurde. Vor 50 Jahren ging das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. Eine Bilanz mit dem Dogmatiker Jan-Heiner Türk.
Deutschlandfunk >>

Samstag, 14. November 2015

Papst unterstreicht Rolle von Laien in der Kirche

Papst unterstreicht Rolle von Laien in der Kirche

Papst Franziskus hat die Rolle der Laien in der Kirche hervorgehoben. Die Verkündigung des Evangeliums sei nicht nur Aufgabe von „Missionsprofis“ mit Weihe, sondern aller Getauften, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Botschaft an den Päpstlichen Laienrat. Anlass des Schreibens ist ein Kongress zum 50. Jahrestag des Dekrets „Apostolicam actuositatem“ über das Wirken von Laien in der Kirche; es wurde vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) verabschiedet und durch Papst Paul VI. am 18. November 1965 in Kraft gesetzt.

Das Konzil habe die Laien nicht als Kirchenmitglieder zweiter Ordnung und Befehlsempfänger verstanden, so Franziskus. Sie sollten vielmehr das Licht und die Hoffnung weitergeben, die Christus allen Menschen gebracht habe. „Niemand kann besser als sie die essenzielle Aufgabe erfüllen, das göttliche Gesetz ins Leben der irdischen Welt einzuschreiben“, schreibt der Papst. „Als Jünger Christi und kraft ihrer Taufe“ seien die Laien dazu berufen, „jedes Umfeld, jede Aktivität, jede menschliche Beziehung mit dem Geist des Evangeliums zu erfüllen.“

Quelle: Radio Vatikan >>

Freitag, 13. November 2015

Innehalten ist notwendig - der Blog legt eine Pause ein!

Liebe Leser_innen meines Blogs!

Im Kanzelwort zum Martinsfest 2015 ist von einem "synodalen Prozess" zu lesen:

Zum diesjährigen Martinsfest wird der neue pastorale Weg verabschiedet – als Ergebnis eines synodalen Prozesses, zu dem von der Diözesan- über die Dekanats- bis hin zur Pfarrebene alle eingeladen waren, und der mit einem offiziellen Beschluss der diözesanen Gremien am Diözesantag des 15. Oktober 2015 seinen feierlichen Höhepunkt fand.

Das Papier ist mittlerweile verabschiedet und verteilt, und ich frage mich:
Wo gab es bei uns einen "synodalen Prozess"?
Wo wurden Konzepte zeitgemäßer Seelsorge so offen und breit diskutiert, wie wir es vor einigen Wochen bei der Synode in Rom zum Thema Familie erlebt haben?
Wo blieben bei uns die "Kasper- und die Pell/Müller-Positionen"?

Vielmehr habe ich in den letzten Jahren in unserer Diözese diese Erfahrungen gemacht:
Wenn sich  Mitarbeiter_innen kritisch äußerten, wurden sie einvernehmlich (oder auch nicht)  verabschiedet oder sehr unfreundlich behandelt.
Wenn Priester ihre Sorgen kundtaten und nicht gehorchen wollten, wurden sie auf Konsequenzen hingewiesen.
Wenn Reformbewegte um den Dialog baten, wurden sie ignoriert.

Dominik Orieschnig beschreibt im SchauTV vom 6.11. die Gläubigen in 20 Jahren als solche, die kritisch reflektieren, Gewohnheiten und Traditionen ablegen und Eigenverantwortung übernehmen werden. Leider übersieht er, dass es diese bereits jetzt zur Genüge gibt, dass sie aber in unserer Kirche nicht wahrgenommen und schon gar nicht gehört werden.

Ich konstatiere ein anonymes Nebeneinander, manchmal sogar von Angst bestimmt. Auf diese Weise werden dem Geist des Konzils nicht die Türen geöffnet. Wenn Dialog und Begegnung und somit der synodale Prozess fehlen, wird weiterhin vielen die Luft ausgehen - da helfen auch Gebete für sie bei Jubiläumsveranstaltungen wenig.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, vorerst nur mehr in besonderen Fällen Beiträge auf dem Blog zu veröffentlichen. Seit 2010 habe ich hier über 1.800 Beiträge veröffentlicht.

Für Gastbeiträge zum Thema Kirche und besonders zu Ereignissen in unserer Diözese Eisenstadt bin ich jederzeit offen und stelle meinen Blog zur Verfügung. Beiträge bitte an: eduard.posch@gmail.com


Den Leser_innen meines Blogs wird aufgefallen sein, dass ich in letzter Zeit viele Beiträge aus Radio Vatikan übernommen habe, besonders die Audienzen und Predigten von Papst Franziskus. Ich empfehle sie zur regelmäßigen Lektüre.

Schließen möchte ich mit Worten von Papst Franziskus beim Angelus vom letzten Sonntag:
„Jesus wirft den Schriftgelehrten und Pharisäern drei Fehler vor, die in ihrem Lebensstil offenbar werden: Hochmut, Habgier und Heuchelei. Unter einem feierlichen und falschen Schein verbergen sie Falschheit und Ungerechtigkeit, doch das Urteil wird hart sein, das sie erwartet“, so der Papst zum ersten Teil über die Christus-Nachfolge.

... und bei der Messe in Florenz am Dienstag:
„Die Kirche Jesu müsse stets in „gesundem Kontakt“ bleiben mit der Realität, wie sie die Menschen erlebten, „mit ihren Tränen und Freuden“, so Franziskus. Anders werde es ihr nicht gelingen, die Herzen der Menschen zu erreichen. Diener der Kirche dürften daher nicht der Versuchung verfallen, sich in ihren Ansichten vom Kirchenvolk abzukoppeln, als ginge es sie nichts an und sei ihnen nicht wichtig.

In der Hoffnung auf eine Wiederbelebung von Dialog und Begegnung und dankbar für über 910.000 Seitenaufrufe verbleibe ich

Euer
Edi Posch

Dienstag, 10. November 2015

SchauTV: Burgenlands Katholiken werden in Zukunft flexibler sein müssen

Kirche im Burgenland:
Ein Pfarrer für mehrere Gemeinden



SchauTV aktuell vom 6.11.2015
Der Beitrag aus dem Burgenland mit markanten Aussagen von Dr. Dominik Orieschnig beginnt bei Minute 5:40. 

SchauTV: Priestermangel - das bedeutet auch im Burgenland neue Wege einer Seelsorge. Die Zeiten, wo ein Pfarrer ständig in seiner Gemeinde anzutreffen war, sind vorbei. Als "eilige Pater" versorgen sie immer gleich mehrere Gemeinden. Die Diözese wünscht sich aber auch von den Gläubigen mehr Engagement. Groß war die Aufregung im mittelburgenländischen Großwarasdorf, als voriges Jahr der Pfarrer abberufen worden ist. Willkür und Freunderlwirtschaft haben Gläubige der Diözese vorgeworfen. Die Katholiken im Burgenland werden sich allerdings daran gewöhnen müssen, dass sie sich ihre Seelsorger nicht aussuchen können.

Dominik Orieschnig: "Es ist verständlich, dass Pfarren einen Lieblingspfarrer haben, aber man muss ganz klar sagen: ein Pfarrer gehört nicht seiner Pfarre!"

Man soll zwar die Kirche im Dorf lassen, aber das ist leichter gesagt als getan, wenn es immer weniger Priester und letztlich immer weniger Gläubige gibt.   

"Es ist die Chance wegzukommen von einem alten Versorgungsdenken und - entschuldigen Sie das offene Wort - von einer Art Wohlstandskatholizismus, so quasi: da muss ich jetzt unbedingt meine Messe haben, gleich nebenan."

Dass ein Priester für mehrere Gemeinden zuständig ist, ist nicht neu.  

"Ich glaube, die Menschen sind im Burgenland so, dass sie grundsätzlich eine Zeit brauchen, um mit Neuem umzugehen. Aber ich glaube, dass es da keine Rolle spielt, ob der neue Priester aus Afrika kommt oder aus Indien, oder ob das ein Priester wäre, der aus einer anderen burgenländischen Gemeinde kommt."

Die katholischen Christen im Burgenland werden in Zukunft flexibler sein müssen, nicht nur in Bezug auf ihre Pfarrer. Auch eine Garantie auf die H. Messe zur gewohnten Uhrzeit in ihrer gewohnten Kirche wird es nicht mehr geben.

"Wenn es jemand wichtig ist, einen Gottesdienst zu besuchen, die Hl. Messe zu feiern, zur Eucharistie zu gehen, gibt es im Burgenland sicherlich keine Überforderungen. Vielleicht jetzt nicht in der eigenen Ortskirche das haben zu können, sondern vielleicht auch in die Nachbarkirche einmal zu gehen."

Der Anfang vom Ende mancher Pfarren oder Gotteshäuser soll damit aber nicht gemacht sein.  

"Es werden Pfarren weder als Einheiten zusammengelegt zu einer Einheit, und es wird schon gar keine Kirche verkauft, wie es in anderen Diözesen der Fall ist, vor allem in Deutschland."

Dafür will die Diözese Burgenland auch die Gläubigen selbst in die Pflicht nehmen.

 "Jeder getaufte und gefirmte Katholik ist ein Seelsorger und trägt wirklich eine aktive Verantwortung zur Gestaltung der kirchlichen Gemeinschaft."

Que vadis? Wie wird die katholische Kirche im Burgenland 2035 aussehen?

"Das wird eine Kirche sein, in der es viel mehr Menschen gibt, die Eigenverantwortung übernehmen, und die diese Eigenverantwortung deshalb übernehmen können, weil sie sich von einem Traditionschristentum, von einem Gewohnheitschristentum, das ihre Eltern und Großeltern noch vertreten haben, verabschiedet haben, und wirklich kritisch, vielleicht auch aus einer ursprünglich kritischen Distanz heraus, ihr Christentum hinterfragt haben, und dann aber zu Antworten kommen werden, die sie wirklich im Leben tragen können."

Wer in der Bibel ganz genau liest wird merken, dass das eigentlich von Anfang an so gedacht war. Die von oben herab predigenden Priester haben zwar eine lange Zeit für sich gehabt. Diese Zeit geht nun aber zu Ende.