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Montag, 15. Juli 2013

Besprechung im Bischofshof

Gastbeitrag von Gregor Görtler

Im Bischofssitz in Zeisenstadt haben sich der hochwürdigste Herr Diözesanbischof Magister Doktor Zägidius Zwitschkowitsch, der provisorische Leiter des Diözesangerichts Kanonikus Lizenziat Magister Aszlo Zal und der designierte Generalvikar Kanonikus Konsistorialrat Magister Martin Zorpitsch nie getroffen. Daher kann auch folgendes Gespräch so nie stattgefunden haben:

Kan. Kons.R. Mag. Martin Zorpitsch: „Guten Morgen hochwürdigster Herr Diözesanbischof Magister Doktor. Guten Morgen Herr Kanonikus Lizenziat Magister.“
Kan. Lic. Mag. Aszlo Zal: „Guten Morgen Herr Kanonikus Konsistorialrat Magister.“
Hochwst. Diözesanbischof Mag. Dr. Zwitschkowitsch: „Guten Morgen Herr Kanonikus Konsistorialrat Magister. Guten Morgen Herr Kanonikus Lizenziat Magister. Mir kam zu Ohren, dass ein ganz offensichtlich verwirrter Schreiberling aus Zinkafeld, ein gewisser Regorg Zörtler, abfällige Artikel über die Diözese für den Blog des Unruhestifters Frosch Fredi schreibt. Was sagen Sie dazu meine Herren Kanoniker Magistri?“
Kan. Lic. Mag. Aszlo Zal: „Hochwürdigster Herr Diözesanbischof Magister Doktor, ich kann dazu leider nichts sagen. Vielleicht weiß ja der Kanonikus Konsistorialrat Magister Zorpitsch etwas.“
Kan. Kons.R. Mag. Martin Zorpitsch: „Ich kenne diesen Regorg Zörtler noch von meiner Zeit in Zinkafeld. Dort erschien er mir harmlos. Ich könnte mich ja einfach brieflich an ihn wenden. Wäre ihnen das Recht, hochwürdigster Herr Diözesanbischof Magister Doktor?“
Hochwst. Diözesanbischof Mag. Dr. Zwitschkowitsch: „Gute Idee, Herr Kanonikus Konsistorialrat Magister. Aber bitte vergessen sie mir nicht die korrekte Anrede!“

Freitag, 21. Juni 2013

Zeitsprung

Gastbeitrag von Gregor Görtler:

Durch einen Riss im Raum-Zeit Kontinuum wird der Apostel Johannes mitten in unsere Zeit geschleudert. Wie es der Zufall so will, trifft er auf eine Prozession in Zeisenstadt, welcher der hochwürdigste Diözesanbischof, Mag. Dr. Zägidius Zwitschkowitsch, vorsteht. Johannes betrachtet interessiert den Zug von Menschen, in deren Mitte ein prächtig gekleideter Mann steht, über den mehrere Träger schützend ein Dach breiten. Erstaunt wendet er sich an einen Passanten.
Johannes: „Prächtig, prächtig. Wir haben bei uns auch einen König, der sich solch einen Prunk leisten kann. Wie heißt denn euer König, der so prächtig gewandet ist wie nur selten einer?“
Passant: „Junger Mann, wo kommen Sie den her? Unseren hochwürdigsten Herrn Diözesanbischof, den Führer der Christenheit im Zurgenland, sollte ja nun wirklich jeder kennen.“
Johannes: „Vorsicht, nicht so laut. Einen Fürsten mit Christus in Verbindung zu bringen, kann einen teuer zu stehen kommen. Die Römer haben ihre Augen und Ohren überall.“
Passant: „Junger Mann, Ihre Art zu scherzen ist hier höchst unangebracht. Und überhaupt, wie sehen Sie denn eigentlich aus! Dieser Fetzen, den Sie da anhaben, ist für dieses Hochfest ja geradezu unwürdig. Guten Tag.“
Der Passant geht ab und lässt Johannes einigermaßen ratlos zurück. Gerade auf sein Gewand war Johannes stolz, da es demjenigen seines Meisters sehr ähnlich war. Und überhaupt - zu seiner Zeit sehen die Jünger Jesu noch ganz anders aus. Wahrscheinlich war der Passant geistig nur ein wenig verwirrt, so etwas kann ja vorkommen. Entschlossen, die Nachfolger Jesu im Zurgenland aufzusuchen, lässt er sich den Weg zum Haus der Christen in Zeisenstadt erklären. Doch vor dem frisch renovierten Bischofssitz angekommen, muss er zur Kenntnis nehmen, dass man ihm offensichtlich den falschen Weg beschrieben hat.
Johannes: „Ja so was. Jetzt lande ich schon wieder bei einem Fürsten, wo ich doch die Jünger Jesu suche. Nun denn – vielleicht kann man mir ja im Fürstenhof weiterhelfen.“

Kurzentschlossen tritt Johannes ein und wendet sich an die nächstbeste Person, die er trifft. Es handelt sich zufälligerweise um den ehemaligen Leiter des Diözesangerichts, den hochwürdigen Lic. Dr. Zetar Zivandics, der gerade seine Sachen packt.

Johannes: „Guter Mann, ich suche euren bedeutenden Lehrer, Bruder Zägidius heißt er wohl. Wo kann ich ihn finden?“
Hochw. Lic. Dr. Zivandics: „Sie meinen wohl den hochwürdigsten Diözesanbischof Mag. Dr. Zägidius Zwitschkowitsch. Da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. Vielleicht ist er ja auf dem Weg nach Rom.“
Johannes: „Nach Rom? In die Höhle des Löwen?  – welch wagemutiger Mann, der die Botschaft unseres Meisters bis nach Rom trägt! Wahrscheinlich ist er deshalb so hochwürdigst.“
Hochw. Lic. Dr. Zivandics: „Ha Ha, sehr komisch. Mir ist das Scherzen bereits vergangen. Da kommt er übrigens gerade bei der Tür herein.“

Johannes, dessen Ausspruch durchaus ernst gemeint war, erkennt den prächtig gekleideten Mann von der Prozession wieder und es dämmert ihm langsam, dass es sich wirklich um den Führer der Christen im Zurgenland handeln müsse. Da ihn so viele Worte seines Meisters ganz tief ins Herz getroffen haben, wendet er sich geradezu bestürmend an den hochwürdigsten Herrn Diözesanbischof.

Johannes: „Bruder Zägidius, Bruder Zägidius, hier läuft einiges verkehrt. Das alles dürfte ja so gar nicht sein!“
Hochwst. Diözesanbischof Mag. Dr. Zwitschkowitsch: „Sprich dich aus, mein Sohn.“
Johannes: „Jesus hat uns so vieles gesagt, über Armut, Demut und Einfachheit. Das alles hier ist ja völlig verkehrt!“
Hochwst. Diözesanbischof Mag. Dr. Zwitschkowitsch: „Ach Bruder Johannes, so einfach stellt sich wohl der gewöhnliche Jünger die große weite Welt vor. Die Kirche ist eine große Organisation mit einer weit zurückliegenden Tradition. Tradition und Gehorsam, mein Lieber, nur Gehorsam kann die Einheit der Christen bewahren. Doch glücklicherweise müssen wir alle nicht darüber nachdenken, wir müssen nur gehorsam gegenüber Rom sein. In Rom wird alles entschieden.“
Johannes (starr vor Schreck): „In Rom? Um Gottes Willen – Pilatus, Soldaten, der allmächtige Kaiser, das darf doch alles nicht wahr sein!“

Durch heftiges Schütteln wird Johannes wachgerüttelt. Es ist sein Mitbruder Petrus.

Petrus: „Johannes, Johannes, wach auf, du hast im Schlaf geschrien. Wir müssen weg. Die Römer suchen uns.“
Johannes: „Ach Petrus, ich hatte einen schlimmen Traum über die Zukunft. So vieles ist so anders. Aber eines ändert sich wohl nie – Rom beherrscht noch immer die Welt!“

Freitag, 2. März 2012

Dialog

Folgendes Gespräch zwischen dem frei erfundenen Bischof von Zeisenstadt, Zägidius Zwitschkowitsch (Zwi) und seinem nicht existenten Diözesanmoderator Zetar Zivandic (Ziv), welches nie stattgefunden hat, wurde von Niemandem aufgezeichnet:

Ziv: (erfreut): Guten Morgen, Herr Bischof, gute Nachrichten.
Zwi (erstaunt): Zivandics, was haben wir vergessen?
Ziv (fragend): ?
Zwi (ungeduldig): Zivandics!
Ziv: Ach so! Guten Morgen hochwürdigster Herr Diözesanbischof.
Zwi: Na bitte, Zivandics, geht doch. Selbstverständlich würde ich auf diese Anrede nicht bestehen, aber Rom fordert das von uns und dieser Forderung können und wollen wir uns nicht entziehen. (träumerisch) Ach, Rom!
Ziv: Selbstverständlich, hochwürdigster Herr Diözesanbischof. Wie gesagt, gute Neuigkeiten: Die Kirchenaustritte sind gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen.
Zwi: Sehen Sie, mein guter Zivandics, wieder ein Ergebnis unserer unermüdlichen Arbeit. Es bestätigt uns auf unserem rechten Weg. Durch Gesetzestreue und beispielhafte Lebensführung lässt sich viel erreichen.
Ziv: In absoluten Zahlen sind das …
Zwi: Verschonen Sie mich bitte mit unwichtigen Details, mein Guter. Was gibt es weiter für wichtige Nachrichten?
Ziv: Der Umbau des Bischofssitzes geht zügig voran.
Zwi: Ah, wahrlich gute Nachrichten.
Ziv: Allerdings unterlässt es dieser Berufsquerulant aus Zinkafeld, dieser Frosch Fredi, nicht weiter seine Giftpfeile gegenüber uns und den Umbau abzuschießen.
Zwi: Ach, der gute Frosch Fredi. Dieses umherirrende Schaf! Wenn ihm unser Herr doch die Augen öffnen würde! Wie kann man so etwas wie diesen Umbau nicht verstehen Zivandics? Ich mache mit Ihnen einen kleinen Test: Was ist das schönste Gebäude in Rom?
Ziv: Der Petersdom natürlich, Herr Bischof.
Zwi (verärgert): Zivandics – schon wieder!
Ziv: Ach so! Der Petersdom natürlich, hochwürdigster Herr Diözesanbischof.
Zwi (versöhnt): Richtig! Und was ist das schönste Gebäude in Zeisenstadt?
Ziv: Das Schloss Zesterhazy.
Zwi: Na bitte, da haben wir‘s. Diese Profanbauten überragen unseren Amtssitz in Größe und Ausstattung. Welche Erniedrigung unseres Herrn! Gott der Allmächtige hat wohl einen besseren Amtssitz verdient als diesen baufälligen Bischofshof. Denken Sie an Rom, mein Lieber. (träumerisch) Ach, Rom!
Ziv: Natürlich, hochwürdigster Herr Diözesanbischof, es ist auch mir schleierhaft, wie dieser Frosch Fredi nur so blind sein kann. Möge Gott ihm seine Augen öffnen.
Zwi: Ihr Wort in Gottes Ohr, mein guter Zivandics. Aber unsere Schäfchen werden uns auf dem rechten Weg sicher noch folgen. Was gibt es noch?
Ziv: Im erzbischöflichen Palais in Wien gibt es demnächst eine Sitzung gegen die Bekämpfung der Armut in Österreich.
(es klopft, der Chauffeur des hochwürdigsten Diözesanbischofs tritt ein)
Chauffeur: Die Limousine wartet, hochwürdigster Herr Diözesanbischof.
Zwi: Die Pflicht ruft mein guter Zivandics. Auf Wiedersehen. Gelobt sei Jesus Christus.
Ziv: Gelobt sei Jesus Christus.

Gastbeitrag von Gregor Görtler

Montag, 31. Oktober 2011

Was ist die Wahrheit?

Gastbeitrag von Gregor Görtler:
Was ist die Wahrheit?
Die Wahrheit ist, dass sich die Sonne um die Erde dreht.
Die Wahrheit ist, dass die heiligen Stätten mit Gewalt von den Heiden befreit werden müssen.
Die Wahrheit ist, dass die Inquisition in schwerwiegenden Fällen von Ketzerei die Todesstrafe aussprechen muss.
Die Wahrheit ist, dass evangelische Christen vom wahren Glauben abgefallen sind.
Die Wahrheit ist, dass Gewissens- und Religionsfreiheit Wahnsinn sind (nach der Enzyklika „Quanta Cura“ von 1864).
Ist das die Wahrheit?
Nun, zumindest war das die Wahrheit, die der heilige Stuhl verkündete und der alle Priester Gehorsam leisten mussten. Zumindest so lange, bis diese Wahrheit offiziell geändert wurde.
Die Wahrheit ist, dass der Papst unter bestimmten Umständen in Glaubensfragen unfehlbar ist (das ist die Wahrheit seit 1870).
Die Wahrheit ist, dass Frauen keine Priester werden dürfen.
Die Wahrheit ist, dass Priester keine Ehefrau haben dürfen (zumindest dann nicht, wenn sie nicht von einer anderen Kirche übergetreten sind).
Die Wahrheit ist, dass wiederverheiratete Geschiedene nicht an der Eucharistie teilhaben dürfen.
Ist das die Wahrheit?
Nun, zumindest ist das die Wahrheit, die der heilige Stuhl derzeit verkündet und der alle Priester Gehorsam leisten müssen.
Glücklicherweise ist es heute so, dass der heilige Stuhl und die Glaubenskongregation die letzte und endgültige Wahrheit erkannt haben. Diese Wahrheit ist unumstößlich, darf nicht relativiert werden und alle Gläubigen müssen ihr folgen, denn heutzutage kann sich der Papst nicht mehr irren.
Ist das die Wahrheit?

Dienstag, 24. Mai 2011

Kirchenbeitrag? - Jein!

Gastbeitrag von Gregor Görtler:

Vor einigen Jahren bereits sah ich im TV einen Beitrag zu einer Bischofskonferenz. Die Bilder dazu haben mich so bewegt, dass ich sie noch heute recht deutlich vor mir habe. Dort fuhren vor einem prächtigen Palais einige ältere Herren in großen schwarzen Limousinen mit Chauffeur vor. Der einzige Unterschied zu einem Treffen von Bankmanagern schien darin zu bestehen, dass die Kleidung der Gottesdiener unterschiedlich ausfiel, wobei sich der Preis des Bischofsgewands durchaus mit jenem der Maßanzüge der Manager messen könnte. Ich weiß noch wie ich mir dachte, welch unglaublich falsches Signal hier gesetzt wird und wie weit mir dieses Szenario vom Evangelium entfernt schien.
Seit meiner Kindheit beschäftigt mich die Diskrepanz zwischen der Botschaft Jesu und dem Glanz der Ausstattung in der Kirche. Häufig erschien es mir, dass dieser Glanz wohl wichtiger sei als das Gloria. Je näher man dem offiziellen Kirchenapparat kommt, umso deutlicher wird für mich der zweifelhafte Umgang mit Geld und damit auch mit den Kirchenbeiträgen.

Die Ereignisse der letzten Monate in der Diözese Burgenland taten ein Übriges dazu meine Einstellung zum Kirchenbeitrag zu überdenken. Die zunehmende Ignoranz der Kirchenleitung gegenüber den Meinungen vieler Gläubiger ist für mich ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Diese Entwicklung lässt sich auch am höchsten katholischen Amt sehr gut ablesen. Das Papsttum hat sich von einem Fischer in Sandalen, der sich als Diener Gottes verstand und weinte als er Jesus verleugnete, zu einem Theologen in Maßschuhen, der als oberster Befehlshaber der Katholiken fungiert und die absolute Wahrheit in Glaubensfragen für sich beansprucht, gewandelt.

All diese Entwicklungen ließen mich schließlich nach einer Möglichkeit suchen, mein Geld denen zur Verfügung zu stellen, die es nötiger brauchen als die Funktionäre des Kirchenapparats. Durch eine für mich glückliche Fügung wurde ich auf das Treuhandkonto der Plattform „Wir sind Kirche“ aufmerksam, welches die Möglichkeit bietet die Verwendung des Kirchenbeitrags zu bestimmen. Für diese Möglichkeit möchte ich mich bei der Plattform „Wir sind Kirche“ recht herzlich bedanken. An dieser Stelle könnte man einwenden, dass auch die Kirchenbeitragsstelle eine Zweckwidmung des Kirchenbeitrags ermöglicht. Dieser Weg kam aber für mich nicht in Frage da erstens nur 50% des Gesamtbeitrags zweckgewidmet werden können und zweitens die Nachvollziehbarkeit der Verwendung nicht gegeben ist.
Ich möchte mein Geld nicht weiter denen zur Verfügung stellen, die sich nicht für die Meinung so vieler Gläubiger interessieren und sich selbst in aufwändigen Inszenierungen in der Öffentlichkeit darstellen. Kirchenbeitrag – Ja! In der bisherigen Form – Nein! Bischof Ägidius hat gesagt, dass es ihm überlassen sein sollte, welche Mitarbeiter er sich für die Erfüllung seiner Aufgaben aussucht und damit hat er grundsätzlich recht. Mit derselben Argumentation führe ich an, dass es mir überlassen sein sollte, wofür mein Kirchenbeitrag verwendet wird. Wenn auch Sie dieser Meinung sind, dann wenden Sie sich bitte an die Plattform „Wir sind Kirche“ und wählen Sie den Weg des Kirchenbeitrags über das Treuhandkonto Esperanza. Ich war so frei.

Wir sind Kirche - Treuhandkonto Esperanza

Dienstag, 1. März 2011

Mein Glauben

Gastbeitrag von Gregor Görtler:
Ich glaube, dass es keinen einfachen Weg gibt, um zu Gott vorzudringen und Seine Nähe zu erfahren. Viel mehr sind große persönliche Anstrengungen und wahrscheinlich auch Niederlagen nötig, um Ihm näher zu kommen.
Ich glaube, dass wir uns für Gott Zeit nehmen müssen. Vielen wird es schwer fallen, doch für jeden ist es möglich. Diese Zeit ist wie ein Samen, den man ausstreut und der auf wunderbare Weise in vielfacher Form und vielfacher Frucht zu uns zurückkehren wird.
Ich glaube, dass wir uns in Demut üben müssen, wenn wir die Gegenwart Gottes spüren wollen. Dieses heutzutage fast ausgestorbene Wort bedeutet für mich die Entfernung von unserem Egoismus und unseren Eitelkeiten. Ohne demütig zu sein, werden wir Gott keinen Schritt näher kommen.
Ich glaube, dass es viel mehr wert ist hundertmal zu scheitern, wenn man Gutes tun will, als einmal aus Bequemlichkeit oder Egoismus das Gute zu unterlassen. Der Wille zum Guten wird uns aufrichten und das Scheitern im Guten wird uns nicht beugen.
Ich glaube, dass jeder Mensch jeden Tag aufs Neue wählen kann und entscheiden muss Gutes oder Böses zu tun. Dabei können wir unsere vergangenen guten Taten nicht gegen das aufwiegen, was wir in Zukunft unterlassen würden. Das vergangene Gute gibt uns aber Kraft und Mut für neue Taten.
Ich glaube, dass mein Tun und Denken in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so oft auf dem falschen Weg war, ist und sein wird, dass ich nicht eine Sekunde vor einem gerechten Gott bestehen könnte. Nur durch Seine Barmherzigkeit kann ich gerettet werden. Ich bin jeden Tag non Neuem viel mehr der verlorene Sohn, der sich von Ihm abwendet, als der gute Sohn, der Seinen Willen tut und kann nur jeden Tag erneut auf die Barmherzigkeit des Vaters hoffen.
Ich glaube, dass jeder Anhänger einer anderen Religion und auch jeder Atheist ein besserer Christ sein kann als ich, weil am Ende nur das Bemühen, der Lebenswandel und die Taten zählen, nicht aber das Bekenntnis. Nur an meinen Früchten kann man mein Christsein erkennen, nicht an meinen Worten.
Ich glaube, dass Gott sich jedem offenbart, der Ihn von ganzem Herzen sucht, gleichgültig welcher Konfession dieser Mensch angehört.
Ich glaube dass alle Bücher, Aufsätze, Reden und auch dieses Schreiben nichts wert sind, wenn der Mensch dahinter nicht authentisch bemüht ist, seinen Worten auch durch sein Leben Ausdruck zu verleihen.
Ich glaube, dass man beim Studium der Gebote und Gesetze ohne mit dem Herz zu suchen große Gefahr läuft, die Gebote und Gesetze zu finden, Gott dabei aber zu verlieren.
Ich glaube, dass es den einfachsten Menschen möglich ist, die Botschaft des Evangeliums besser zu verstehen als den größten Gelehrten. Kein Studium der Naturwissenschaften oder der Theologie kann uns auch nur einen Schritt näher zu Gott bringen, wenn wir nur unseren Verstand bemühen und nicht auch unser Herz.
Ich glaube, dass die Kirche UND die Menschen einen neuen Anfang benötigen, um Gott gefällig sein zu können. Nicht nur muss die Kirche auf die Menschen zugehen, sondern die Menschen müssen auch auf die Kirche zugehen. Die Kirche muss die Menschen endlich als mündige Gläubige in ihrer Sprache ansprechen und die Gläubigen dürfen die Kirche nicht als Supermarkt ansehen, bei dem man sich ohne jede Anstrengung die gefälligsten Waren abholt.
Ich glaube dass auch nur die geringste gefühlte Gegenwart Gottes einem mehr zu geben vermag, als man sich vorstellen kann. Seinen Hauch zu spüren, nur den Saum vom Gewand Jesu zu berühren, kann einem die Zufriedenheit und Losgelöstheit spüren lassen, nach der man sein ganzes Leben lang sucht.
Ich glaube, dass jeder befähigt und begnadet ist, Gutes zu tun und seinen Nächsten zu lieben. Jeder auf seine Art und auf seine Weise. Auch Du, der Du diese Zeilen liest, hast Deine Gaben und deine Talente. Fange heute an sie zu nutzen. Lebe!

Freitag, 28. Januar 2011

Brüder im Geiste

Gastbeitrag von DI Gregor Görtler:
BRÜDER IM GEISTE

Sehr geehrter Herr Bischof Zsifkovics, höchstwürdigste Eminenz.

In einer Situation höchster Bedrängnis wende ich mich an Sie. Erlauben Sie mir bitte, mich zu Beginn meines Schreibens kurz vorzustellen. Mein Name ist Generalleutnant Gregor Großkopf und ich bekleide eine nicht unwichtige Position im österreichischen Generalstab. Durch meine ehrenamtliche Mitarbeit im Pfarrgemeinderat bin ich auf Sie als meine letzte Rettung aufmerksam geworden.

Höchstwürdigste Eminenz. Zweifellos werden Ihnen die furchtbaren Zustände im österreichischen Bundesheer zu Ohren gekommen sein. Warum ich mich als Berufssoldat gerade an Sie wende, möchte ich in weiterer Folge kurz ausführen. Wir haben so viele Gemeinsamkeiten, dass ich selbst überrascht war.

Werte Exzellenz, es ist ein Jammer – nein, ein Drama. Bei der Armee sind wir umgeben von Laien, linksliberalen Aufrührern, die immer mehr mitzureden haben. Allesamt Wendehälse ohne Rückgrat, ohne Prinzipien und vor allem ohne Kenntnis der Heeresgesetze. Auch bei Ihnen in der Kirche wollen ja Amateure immer stärker mitbestimmen. Ich kann Sie nur bewundern ob Ihrer Standhaftigkeit und bestärken in Ihrem Weg. Lassen Sie sich nicht beirren von diesen Halbwissenden. Die faseln nur irgendetwas von der frohen Botschaft und haben in Wirklichkeit nichts verstanden. Keine Kenntnis des Kirchenrechts, kein Respekt vor den Würdenträgern und damit auch kein Respekt vor der Wahrheit. Ich sage Ihnen, diesen Leuten ist nichts heilig, nicht einmal ein Bischof. Bei uns haben Sie das Ruder bereits übernommen – und was war das Resultat: Frauen in der Armee. FRAUEN. Wir beide wissen wohl nur zu gut, wo diese Geschöpfe ihren Platz haben. Seien wir doch ehrlich. Eine Frau als Soldat, das ist doch genauso absurd wie eine Frau als Priester. Jetzt werden sie auch schon Offiziere und bald sitzen sie im Generalstab. Stellen Sie sich das vor! Dieser Weg kann nur im Chaos enden. Selbstverständlich bin ich für die Gleichberechtigung und Förderung der Frauen, aber doch nicht bei uns in der Armee! Immer wieder versuchte ich bei internen Diskussionen auf die katholische Kirche zu verweisen. Es ist ganz einfach die Wahrheit, dass Frauen eben für gewisse Bereiche nicht geeignet sind. Sie haben das als Behüter der Wahrheit ganz richtig erkannt.

Bleiben Sie standhaft Herr Bischof! Bei uns hat dieser völlig unnötige Demokratisierungsprozess nur Disziplinlosigkeit und Chaos hervorgebracht. Wer seine von Amts wegen erhaltene Autorität verliert, der ist verloren! Erfreulicherweise ist mir über sichere Quellen zu Ohren gekommen, dass es bei Ihnen noch nicht so weit ist. Diese linken Randalierer sollen sogar richtig Angst vor Ihnen haben. Ich komme fast ins Schwärmen wenn ich mich daran erinnere, dass es auch bei uns früher noch so war. Einmal den Mund aufmachen und – zack, weg mit Ihnen. Da herrschte noch Ordnung und Disziplin. Aber heute …Wehret den Anfängen sage ich! Lassen Sie es nicht so weit kommen. Bald werden sie uns auch noch unsere Rangabzeichen und Generalstreifen wegnehmen, dann bricht die Ordnung vollends zusammen.

Hochwürdigste eminente Exzellenz. In der Armee ist kein Platz mehr für gerechte Männer wie mich. Ich bitte Sie, als Bruder im Geiste, mich bei Ihrer Organisation einzustellen. Ich glaube an die unverrückbare Hierarchie im Klerus, an das Kirchenrecht, an Disziplin und Ordnung und an die von Gott bestimmte Stellung der Frau in der Kirche. Benötige ich sonst noch welche Qualifikationen?

Montag, 25. Oktober 2010

G.G. Abzocker an Bischof Zsifkovics

Gregor Görtler wendet sich in diesem Gastbeitrag mit einem fiktiven Brief an Bischof Ägidius:

Sehr geehrter Herr Bischof Zsifkovits!

Zu Beginn meines Schreibens erlaube ich mir, mich kurz vorzustellen. Mein Name ist G.G. Abzocker und ich bin im Vorstand der Firma Profitmax & Sohn AG tätig. Ehrenamtlich leite ich auch den Verein „Hoch den Neoliberalismus“, welcher Ihnen vielleicht nicht ganz unbekannt ist, und der einige namhafte Mitglieder aufweisen kann.

Vielleicht wird Sie mein Schreiben überraschen, denn bislang sahen wohl weder Sie noch ich besondere Berührungspunkte unserer Organisationen. Speziell unsere Firma und unser Verein sahen die Tätigkeiten Ihrer Organisation eigentlich seit jeher mit sehr gemischten Gefühlen. Ich darf Ihnen sogar verraten, dass wir dachten Ihre Grundsätze seien geradezu diametral entgegengesetzt zu unserer Firmenphilosophie. Wir wussten ja nicht wie sehr wir uns getäuscht hatten!

Ehrwürdigster Herr Bischof, die Ereignisse der letzten Wochen nötigen uns unseren tiefsten Respekt und unsere Bewunderung speziell für Ihre Person ab. Ich möchte Sie innigst bitten uns mitzuteilen, wie man eine solch schlagkräftige Organisation aufbauen kann. Aus der Presse habe ich erfahren, dass Sie einen leitenden Angestellten, den Regens des Priesterseminars, mit einer zweizeiligen Nachricht entlassen haben – was für eine wunderbare Nachricht für uns Neoliberale! Haben Sie eine Vorstellung davon, was wir bei unserer Firma alles in Gang setzen müssen, um einen leitenden Angestellten zu entlassen? Arbeitnehmerschutz, Arbeiterkammer, Abfertigungen und dann noch dazu die Gewerkschaften. Noch dazu haben Sie diesen Herren mit einem weiteren Schreiben dazu aufgefordert, unverzüglich seine Dienstwohnung zu räumen, mit dem Hinweis auf priesterlichen Gehorsam – welch wunderbare Welt! Wenn wir ein paar Mieter rausschmeißen wollen, dann brauchen wir dafür Monate.

Dann noch diese grandiose Inszenierung Ihres Dienstantrittes. Aus der Presse habe ich erfahren, dass mit den Vorbereitungen und der Durchführung 23 Personen betraut waren. Wir müssen in unserer Firma alle Kosten vor unseren Aktionären offenlegen und verantworten, zusätzlich sitzen uns noch die Finanzmarktaufsicht und diverse Kontrollorganisationen im Nacken. Wenn ich mehrere Leute einlade, dann muss ich mich sogar mit dem Anti-Korruptionsgesetz beschäftigen. Zuletzt ist mir noch zu Ohren gekommen, dass Sie drei zusätzliche Stellen geschaffen haben – ohne Kontaktierung des Betriebsrats und das alles noch bei Unkündbarkeit Ihrer Stelle – einfach grandios!

Sehr geehrter Herr Bischof. Sie sind unser Mann! Wir bitten Sie inständigst bei unserem Verein „Hoch dem Neoliberalismus“ ein Referat über den Aufbau und die Möglichkeiten Ihrer Organisation zu halten. Ich bin davon überzeugt, dass es viele Firmen, so auch meine Firma Profitmax & Sohn AG gibt, die danach trachten Ihrem Beispiel zu folgen und die eine Menge von Ihnen lernen können.

In tiefster Verbundenheit
G.G. Abzocker

P.S. Da meine Position leider nicht unkündbar ist und wir zweifellos in vielen Dingen Brüder im Geiste sind, darf ich Sie noch im Vertrauen fragen: Wie wird man Bischof?

25.10.2010