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Freitag, 17. Oktober 2014

Suscipe depressionem nostram!

Nimm die Enttäuschung, den Frust, sogar das Jammern vieler über unsere Kirche an. Über von (noch) „oben“ dogmatisch – deduktive Äußerungen über den Zugang zu Deinen Sakramenten für wiederverheiratet Geschiedene. Über Seligsprechungen und Verhandlungen mit Exklusivvereinen, die sich zu Deinen besonderen Freunden ernennen. Über das „Dir – und der bösen Welt - Zuschieben“ der Verantwortung für den Priestermangel, über Verbote von „Wortgottesdiensten am Rand“ (Du lachst? Ein Bischof – sei Dir besonders nahe!!). Oder über die bewusste Verhinderung der Ökumene. Soll ja durch ihre Kompliziertheit theologische Arbeitsplätze sichern.

Uns freut, dass wir um Deine grenzenlose Barmherzigkeit wissen. Diese gilt auch jenen, die glauben, dass sie die ersten an Deinem Tische seien. Du siehst sehr, sehr gnädig, als ob Du es nicht merktest, über diese von irdischen Kriterien bestimmte Selbstannahme hinweg. Hilf uns, dies auch zu tun und nach ihrer Versetzung an das Ende der Tafel freundlich zu ihnen zu sein! Ihr Sein bestimmt halt auch ihr Bewusstsein, da hat der alte Karl Marx trotz seiner sonstigen Gegnerschaft zu der von ihm erlebten Kirche noch immer Recht.

Wenn wir Dich bitten, unsere „Depression“ so wie die gewohnte „deprecation“ anzunehmen, dann wissen wir schon, was Du uns dazu sagen wirst:
„Ich bin nicht Euer Obertherapeut! Mit diesen Fragen und Problemen – da werdet gefälligst selbst fertig. Hab Euch meinen eigenen Sohn und viele weitere Menschen geschickt, die Euch sagen: gegen die Ursachen von Depressionen müsst Ihr selbst antreten! Bin doch nicht Euer Ausputzer! Und diese Hierarchie – die hab ich auch nicht erfunden! Damit das ein für allemal klar ist, nicht von mir!“

Alles O.K., lieber Gott! Danke, jetzt wissen wir, wie wir mit diesen Müllers, den selbsternannten Spezialfreunden von Dir (Werk Gottes, Amici etc.) umzugehen haben. Naja, und Du wirst auch sie irgendwo an Deinem Tisch sitzen lassen.

Ihr geht mir schon langsam auf die Nerven mit eurer ewigen Fragerei! Tut halt endlich was, wozu habe ich Euch jenen Verstand gegeben, auf den ihr sonst so stolz seid? Der gilt auch und sogar besonders für die Kirche! Verstand, aber auch Barmherzigkeit! Die letztere sollt ihr auch denen gegenüber an den Tag legen, die es nach Eurer Einschätzung nicht so verdienten. Sind eigentlich ja arme Hund, abhängig von der Kirchensteuer.

Lothar Müller

Montag, 6. Oktober 2014

Betreff: Kirchenbeitrag

Mag. Dr. theol. Ernst Gatterbauer
Kirchberg 22
7091 Breitenbrunn 
 
An die
Diözese Eisenstadt
7000 Eisenstadt                                               Breitenbrunn, 30. Sept. 2014


Betreff: Kirchenbeitrag

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Bischof!

Ich möchte Ihnen hiermit mitteilen, dass ich den Einziehungsauftrag für meinen Kirchenbeitrag mit Ende September 2014 storniert habe und ich auch weiterhin nicht mehr bereit bin, einen Kirchenbeitrag zu bezahlen.

In den vergangenen Wochen und Tagen habe ich mehrere namhafte Personen (darunter auch zahlreiche Priester im Dienst) des Burgenlandes getroffen und als Theologe wurde ich immer wieder auf die derzeitige Situation der Diözese Eisenstadt angesprochen, bzw. wurden mir (mehr oder minder bereits bekannte) missliche Details unterbreitet, die mich sehr betroffen gemacht haben – es waren durchaus glaubhafte und identische Berichte. Ich möchte mich im Detail darüber nicht näher äußern, muss jedoch gestehen, dass ich (obwohl ich selbst meine Erfahrungen mit „hochrangigen“ Personen der Diözese in einer beschämenden Art und Weise erlitten habe) über das Ausmaß der Verletzungen und Demütigungen, welche Personen zugefügt wurden, zutiefst erschüttert bin.

Ich kann und möchte mit meinem Kirchenbeitrag weder die derzeitige Leitung noch den Kurs der Diözese Eisenstadt unter diesen Umständen weiter mitfinanzieren. Mein Gewissen verbietet mir, mich mit dem jetzigen „Führungsstil“ in dieser Angelegenheit und auch in anderen Bereichen zu solidarisieren.

Natürlich trete ich als getaufter Christ und überzeugter sowie leidenschaftlicher Katholik nicht aus der Kirche aus – was ja auch gar nicht möglich ist. Meine finanzielle Unterstützung werde ich in Zukunft vermehrt sozialen Einrichtungen zukommen lassen.

Ersuche um Kenntnisnahme und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Ernst Gatterbauer

Freitag, 19. September 2014

S`Rosakreuzgschäftle

Hoi Frida, hockscht do? Wi gohts`dr?
As tuts scho, as tuts.
Jo was tuscht da gauza Namittag do ufm Bänkle? So henn i di no nia gseha.
Jo was tu i. A bitzle etz allad.
Jo muscht et mitheua?
Na, nümma, i sei z` aut. Ma bruch mi nümma. Alls Mascheana. Und mugga tät hüt koi Mänsch meh, höads se gseit.
Jo do heascht ja des Sterbbildle vom Fridl! Wieso dänas?
Jo will i für eahn beat. Scho fünf Rosakreiz.
Fünf Rosakreiz, sovl! Globscht brucht`r däs, sovl Rosakreiz?
Des woiß i it, abr d`Anna heat gseit, i söll`s tu. Fünf Roskreiz.
A d` Anna, wiso tuts se des it sealb?
Di heat doch koa Zit, für nix Zit. Die schaffat doch wia a Närrsche. Allad schaffa.
Do, warum heascht dänn i des Sterbildle gauz dunda Löchle iegmachat?Die klenna Löchle do?
Jo, für jeda Krauz ois. Des hean i mit`dr Anna usmachat. Als Bewis.
Zowas bruchscht du an Bewis? So etz hean i no nie ghörat.
Jo woischt, darscht däs abr niamauda seiga, i komm für fümf Rosakrüz an Kaffe übr. Im Cafe. Dänas höamr usgmachat.
Waas? An Kaffee im Cafehus für fümpf Rosakreiz? Jo, vrkaufscht Du itz ou scho s`Beata?
Vrkoufa tu i gär nünz. Des ischt freiwillig und d` Anna heat gseit, i söll des für se tu. Und baschta. Dr Pfarar konnt jo ou etz übr für a Meass. Scho me als i. E hean en scho gfrogat, ich sei auf Ministrantenniveau mit meinen Gebetspreisen, heatar gseit. I söll abr koi Werbung macha, er täts`mr jo vargunna, abr des müaß untr üs bliba. Ein Meßstipendium sei etwas anderes als dieses Beten.
Jo, seig amaol, tuscht du des für meh? Net bloß für da Fridl?
Eigentle it, bloß no für zwoi. Döt wod`Wibr und Kindr ou koi Zit höad. Abr ou für an Kaffeee. Im Cafe. Däne dött wunderat si ou scho. Will i fascht jeda Tag mit am Fümfr kumm. Woischt jo, ufrunda. I rund jo ou vialmol uf, a Gegrüscht seist Du meh.

Petrus, nach wie vor zuständig für Informationen aus der Welt von heute, berichtete dem lieben Gott beim Jour fixe über diese Praxis. Gott schüttelte den Kopf und lächelte. „So raffinierte Wibr“, muss es in ihrer Sprache wohl heißen, ging es durch seinen göttlichen Kopf.
„Petrus, das ist O.K.! Du schickst diese Kaffeetanten sofort zu mir, wenn sie ankommen. Die sind viel unterhaltsamer als diese Oberliturgen und Theologen.
Aber – nur die, die ihre Leistung persönlich erbracht haben, nur die“.
Petrus nickt. Das hatte er ja erwartet.

Dienstag, 19. August 2014

„Wenn wir schweigen, werden die Steine schreien“

 Wien, 7. August 2014

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diesen Brief schreiben soll, ob ich dazu überhaupt berechtigt bin. Ich bin nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen, dass ich den Brief schreiben muss.

Ich lege meine Gedanken darin offen - in der Hoffnung, damit doch noch ein Umdenken herbeizuführen und die Erzdiözese Wien – und damit einen wesentlichen Teil der Kirche von Österreich vor einem irreversiblen Schaden zu bewahren.

Gerade als Offizier sind mir hierarchisches Denken und die Frage des Gehorsams durchaus geläufig. Ich kenne die Pflichten, aber auch die Rechte (sic!), die sich daraus ergeben. Ich lehne aber jede Form von Kadavergehorsam ab. Gehorsam ist keine Einbahnstraße, sie setzt GEGENSEITIGES Vertrauen voraus – dieses ist zurzeit einfach nicht gegeben.

Ich will durch Schweigen jedenfalls nicht mitschuldig werden an dem, das sich seit langer Zeit in der Erzdiözese abspielt.

Den folgenden Text habe ich in etwas abgewandelter und persönlicher Form an den Erzbischof von Wien gesandt. Wider Erwarten habe ich von ihm auch eine handgeschriebene Antwort erhalten. In dieser geht +Schönborn aber nicht auf den Inhalt ein. Vielmehr meinte er, dass „Dialog anders aussehe“ und „dass wer alles (so wie ich) schon weiß, keinen Dialog, keine Differenzierung brauche“.
+Schönborn vermisst bei mir auch „Selbstzweifel“ oder „Fragen, ob vielleicht auch eine andere Sicht möglich sein könnte“.

Das trifft mich sehr. Seit elf Jahren habe ich in meiner offiziellen kirchlichen Funktion im Rahmen der Bischofskonferenz +Schönborn unzählige Male um einen Termin für ein Gespräch ersucht. Immer wieder wurde mir erklärt, dass dafür keine Zeit vorhanden sei. In den meisten Fällen gab es gar keine Reaktion. Nun habe ich es auf dem persönlichen Weg versucht. Durch die pointierte Darstellung der Situation erhoffte ich, mit +Schönborn ins Gespräch zu kommen. Ich habe erwartet, endlich etwas von der „anderen Sicht der Dinge“ zu erfahren. Nur so kann man gegenseitiges Verständnis erreichen. Stattdessen musste ich mir, in Umkehr der Dinge, vorwerfen lassen, nicht dialogbereit zu sein. Letzteres lässt den Verdacht zu, dass +Schönborn meinen Brief gar nicht (bis zum Schluss) gelesen hat. Denn hier hätte er ja meine Bereitschaft zum und meine Bitte um diesen Dialog gefunden.

WER SCHWEIGT, STIMMT ZU. Ich weiß, dass mir viele zustimmen, aber nicht die Gabe haben, so einen Brief in letzter Konsequenz zu schreiben. Ich möchte mich daher auch zu ihrem Sprachrohr machen.

In herzlicher und tiefer Verbundenheit mit allen jenen Frauen und Männern, die diese (wie ich meine berechtigten) Sorgen teilen

Rolf M. Urrisk


Offener Brief zur Lage der Kirche der Erzdiözese Wien:
„Wenn wir schweigen, werden die Steine schreien“ (Lk. 19/40) >>


Siehe auch Beitrag von Mag. Urrisk vom 30.1.2014 im Blog-Archiv:
Ad limina – Welches Bild der Kirche von Österreich wird hier vermittelt?

Montag, 30. Juni 2014

Wir LaiInnen betteln nicht!

Herrn Mag. Edi Posch
Begegnung & Dialog

Lieber Edi!

Du berichtest soeben über einen „Modellversuch“ in der Diözese/dem Bistum Osnabrück. Ehrenamtlich Tätige, von den Pfarrgemeinden dem Bischof vorgeschlagene LaiInnen leiten dort die Gemeinden. Es gibt anscheinend nur noch wenige Priester in diesem Bereich – diese dürften jetzt vor allem für den „sakramentalen Bereich“ zuständig sein.

Bei allem Verständnis: aber wir LaiInnen betteln nicht!
Angesichts der Forderungen Jesu und der von ihm erkannten unbedingten Notwendigkeit des Gemeindelebens begrüße ich diese Arbeitsaufteilung natürlich.
Als (ehrenamtlicher) Krankenseelsorger sehe ich auch die oft gesprächsweise erhobene Forderung von Priestern/Pfarrern ein, „wir (die erprobten LaiInnen) sollten doch auch die Krankensalbungen „übernehmen“. Das sollten wir - die LaiInnen - von den Bischöfen/der Hierarchie einfordern.
Bei allem Verständnis für die Zeitnöte unserer Pfarrer – aber das fällt mir überhaupt nicht ein! Wir sollten bei den Bischöfen um Kompetenzen betteln gehen? Kommt doch überhaupt nicht in Frage. Das sollen ihnen die Pfarrer und auch die Betroffenen persönlich sagen! Beinhart und unter Hinweis auf die Verpflichtung, für die „Sakramentenverwaltung“ für alle KatholikInnen Sorge tragen zu müssen. Ansonsten: Versagen!

Soll er doch selber gehen!
Einer unserer Bischöfe lehnt nach meiner Erinnerung die zumeist von LaiInnen engagiert geleiteten „Wortgottesdienste mit Kommunion“ ab. Wegen „Verwechslungsgefahr“ – soweit ich mich erinnere. O.K. – ist sein formelles Recht.
Aber dann, dann hat er mit seinen Klerikern selber zu marschieren! Seine Pflicht zu erfüllen. Jeder und jedem, die oder der den Leib des Herrn empfangen will, diesen auch zu geben. Arbeitszeiten und Repräsentationsverpflichtungen – die sind hinterrangig und werden auch diesbezüglich überprüft.

Tebartz soll arbeiten. Rückversetzung in Laienstand braucht Zustimmung!
Wir LaiInnen sind bereit, unsere Aufträge zu erfüllen. Aber wir werden „die Hierarchie“ nicht um „Zugeständnisse des Notwendigen“ betteln. Das nicht.
Und wenn wir gerade dabei sind: ich las, dass der Vatikan einen bisherigen Botschafter „in den LaiInnenstand“ zurückversetzen wolle. Wegen angeblichen Kindermißbrauchs. Dem Hohen Vatikan wäre schon zu raten, vor einer solchen „Rückversetzung“ in unseren bescheidenen „Stand“ uns als Betroffene zu fragen. Zumindest die LaiInnenorganisationen der betroffenen Diözese.

Noch ein Wort zum unglücklichen Bischof von Tebartz! Mitte 50 – und da soll er schon Pensionist sein?  Tut ihm, seiner nach wie vor Exzellenz, und auch – soweit ich weiß – den deutschen SteuerzahlerInnen das nicht an. Er muss doch einige Fähigkeiten haben, die – so wie bei anderen Frühpensionierungen – hinsichtlich der (steuersparenden) Arbeitsfähigkeit noch verwendet werden könnten. Auch in seinem persönlichem Interesse.

Lothar Müller                                                                      2014-06-28

PS.: Wurde auch an Herrn Nuntius weitergeleitet. Herzlich Lothar


Zum Thema "Krankensalbung" siehe im Blog-Archiv:
Studientag der katholischen Reformbewegungen am 29. November 2013 über Krankenseelsorge und Krankensalbung im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Humor ist, wenn man trotzdem katholisch bleibt – und lacht

Beitrag von Alfred Kirchmayr:

Humor ist, wenn man trotzdem katholisch bleibt – und lacht
Die heitere Dreifaltigkeit fördern

Besonders in witzlosen Zeiten bedarf man des Witzes, vor allem des humorvollen. Sonst ist sehr schwer auszuhalten, was sich in der katholischen Kirchenleitung abspielt. Das gilt nicht nur für den peinlichen und verlogenen Umgang mit sexuellem und pädagogisch-sadistischem Missbrauch.
Das gilt besonders auch für die Art, wie die Kirchenleitung auf die christlichen Basisbewegungen und „Aufrufe zum Ungehorsam“ reagiert. Das Motto der Kirchenleitung ist offensichtlich:
„Zuerst schließen wir die Augen und dann sehen wir weiter!“
Zum Beitrag als PDF >>

Dr. theol. Dr. phil. Alfred Kirchmayr, unorthodoxer Psychoanalytiker, Humorexperte, Autor, Witzlandschaftspfleger in witzloser Zeit und Theologe mit kirchlichem Lehrverbot, lebt in Wien.

Passend hierzu:

Witz und Humor - Alfred Kirchmayr
Im denkwürdigen Jahr 1905 hat Sigmund Freud ein geniales und viel zu wenig beachtetes Buch
veröffentlicht: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten. Dieses Jubiläum nehme ich zum Anlass, für die stärkere Beachtung der komischen Gesellen Witz und Humor zu werben. Meine Erfahrungen als Psychoanalytiker und Zeitgenosse legen mir dies nahe, denn in jedem Witz ist ein Problem verborgen, das der Beachtung bedarf. Die Entfaltung von Humor fördert trotz aller Misere in der großen Welt und in den kleinen Welten von uns Erdkrustenbewohnern Konfliktfähigkeit, Toleranz und Lebensfreude. Das Buch versteht sich als Sach- und Lachbuch. Mit vielen Witzen gewürzt, enthält es bescheidene Annäherungsversuche: Das Wesen des Witzes und des Humors; der Clown als scheiterndes Stehaufmännchen; die Rolle von Torheit, Dummheit und Witz im Spiel des Lebens; Witz und Humor in der Psycho-therapie; erotische Kultur statt neurotischer Verengung; das Blödeln und kultivierte Kindlichkeit; Wanderungen durch Witz-landschaften; die köstliche Lebensweisheit des jüdischen Witzes. Abschließend folgt ein Gespräch mit Paul Flora über Witz, Humor und Lebenskunst.
Weitere Infos und Bestellmöglichkeit >>

Freitag, 30. Mai 2014

„Macht, die sich vor keiner Gegenmacht zu fürchten hat, wird immer missbraucht“

Lothar Müller, 2014-05-29

Herrn Mag. Edi Posch
Begegnung & Dialog

Lieber Edi!

Darf Dir zuerst nur mitteilen: habe vor kurzem mit etwa 30 StudentInnen Deinen - heißt es „blogspot“? angeklickt. Hat den Glauben an eine gewisse Pluralität in unserer Kirche bestärkt! Ohne diese Aktion hätt es sehr düster ausgeschaut!

Nur noch einige Worte zum Beitrag von Herrn Mag. Ludwig Leitner: er wartet also seit etwa zwei Jahren auf einen Gesprächstermin bei Eurem Bischof? Er – so interpretiere ich seinen Beitrag – war der Leiter eines inzwischen von diesem (Bischof) aufgelösten Bildungsheimes? Ja, wurde er anlässlich der geplanten Auflösung nicht zumindest angehört?

Wenn das nicht der Fall war, dann sind den Forderungen hinsichtlich der Sanierung des Kirchenrechts neben „Ersatzvornahmen“ (der Gläubigen bei nachhaltiger Unfähigkeit der Zuständigen) und einer Regelung analog dem Amtsverfahrensgesetz (Antworten haben innerhalb von sechs Monaten zu erfolgen) auch Bestimmungen hinsichtlich eines Anhörungs- und Auskunftsrechts hinzuzufügen. Das Mietrecht und auch der Konsumentenschutz bietet dazu sicher einige Anregungen, die im Sinne einer botschaftsgemäßen und ordentlichen Gestaltung des Lebens in der Kirche zur Anwendung zu bringen sind. Etwa durch die Sanktion der Einbehalte von Kirchenbeiträgen im Falle der Verweigerung von berechtigten Gesprächswünschen. Im Sinne einer sparsamen Verwaltung der Kirchenbeitragseinnahmen könnte überlegt werden, mit solchen Fragen im Konfliktfalle die Diözesangerichte zu befassen.

Sollten durch „hierarchische Entscheidungen ohne Anhörung der Betroffenen“ auch fundamentale ArbeitnehmerInneninteressen oder auch die der SteuerzahlerInnen mit betroffen sein, dann ist die Information sowohl der zuständigen AK bzw. ÖGB und wohl auch der Kontrollorgane (Bundes – und Landesrechnungshöfe) Verpflichtung! Denn auch hier geht es „um die Groschen der armen Witwe“!
Immer!

Diese Anregungen (eines Ethikers mit sehr starken Beziehungen zum Öffentlichen Recht) mögen etwas trocken erscheinen. Aber – sie sind im Rahmen einer klaren Struktur der Aufgabenverteilung und der Verantwortung zur Durchführung -in jeder (!) Einrichtung notwendig. Also auch in unserer Kirche. Ich darf hierzu den guten und anerkannten Leopold Kohr zitieren: „Macht, die sich vor keiner Gegenmacht zu fürchten hat, wird immer missbraucht“. Immer! – wir wissen, wovon wir damit auch reden.

Ich darf dieses Schreiben auch dem Herrn Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz und einigen Freunden zur Kenntnis bringen.

Mit herzlichem Gruß – bald wirst Du ja eine Million Interessierter haben
Dein Lothar

Mittwoch, 28. Mai 2014

Ich würde gerne eine „angeregte Dialogpredigt“ mit Bischof Ägidius führen

Gastbeitrag von Mag. Ludwig Leitner:

Auf der Titelseite der letzten Ausgabe des martinus (Nr. 21 v. 25. Mai 2014) ist Bischof Zsifkovics mit Kindern aus Müllendorf abgebildet. Im Kommentar dazu heißt es:

Bischof Ägidius führte mit ihnen eine angeregte Dialogpredigt und lud die Kinder dazu ein, mehr „Du-Mensch“ als „Ich-Mensch“ zu sein. „Du-Mensch“ zu sein bedeutet Offen-Sein für andere.

Ich würde auch gerne eine „angeregte Dialogpredigt“ mit Bischof Ägidius führen. Seit beinahe zwei Jahren (!) ersuche ich um ein persönliches Gespräch mit ihm – ohne Erfolg (siehe „Korrespondenz“!). Bischof Ägidius sollte die „Einladung“ an die Kinder auch an sich selbst richten! „Du-Mensch“ zu sein bedeutet Offen-Sein für andere. Wie wahr! Zu den "anderen" sollten freilich auch solche gehören, die es gewohnt sind, einen Dialog auf „Augenhöhe“ zu führen!



16.12.2012:

Sehr geehrter Herr Diözesanbischof!

Im Sommer habe ich Ihnen einen „offenen Brief“ gesendet, der auch in mehreren Medien veröffentlicht worden ist. Von vielen ehemaligen Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Verwandten, Priestern, …. habe ich daraufhin wunderbare und ermutigende Rückmeldungen erhalten.

Vielleicht ist mein Brief im Trubel der sommerlichen „Umbauarbeiten“ im Bischofshof nicht zu Ihnen gelangt? Ich lege ihn daher nochmals bei und greife mein Angebot darin auf, Ihnen in einem Gespräch mehr über die Geschichte des St. Christophorus-Hauses zu erzählen.

Ich bitte daher um einen persönlichen Gesprächstermin, um mit Ihnen als einfacher Christ (mit theologischer Basis) auch über aktuelle Entwicklungen in unserer Kirche zu sprechen.

Mit „adventlichem“ Gruß

Beilage: Offener Brief vom 01.08.2012 


Bildungshaus aufgelöst  (martinus  Nr. 30 , 29. Juli 2012, S. 18)

„Niemals auch nur annähernd“ – hätten sich die Erwartungen an das  Christophorus-Haus erfüllt!

Mit diesen Worten in Ihrem Dekret, Herr Diözesanbischof, fällen Sie ein pauschales und hartes Urteil. Bedenken Sie, was dazu schon in der Bergpredigt zu lesen ist: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch zugeteilt werden.“ (Mt 7, 1 -2).
Sie haben gerade maturiert, als das Haus eingeweiht wurde, und weit weg von Oberschützen Theologie studiert, als ich in den 80er Jahren das Haus betreut habe. Ich würde Ihnen in einem persönlichen Gespräch mehr erzählen über die bescheidenen Anfänge. Nur ein kleines Beispiel: in meinem ersten Arbeitsjahr ab September 1982 hat es bis zum Aschermittwoch im Jahr 1983 gedauert, bis ein Bildungsbudget genehmigt war. Die Veranstaltungen, die ich trotzdem bis dahin organisiert hatte, haben wir aus unseren privaten familiären Ersparnissen vorfinanziert!

Ich weiß nicht, ob Sie das Haus jemals persönlich betreten haben; mit Ihrem Urteil haben Sie es jedenfalls „mit Füßen getreten“! Und vielleicht empfinden dies auch alle so, die jemals „Gäste“ im Christophorus-Haus waren, besonders die vielen Schülerinnen und Schüler. Zu den pastoralen „Highlights“ zählten meines Erachtens die ökumenischen Abschlussgottesdienste mit unseren Maturanten am letzten Schultag ihres Lebens vor der schriftlichen Matura. Sie können Ihren Vorgänger, Bischof Iby, befragen, der im Rahmen der bischöflichen Visitation zweimal dabei war. Beim letzten Gottesdienst im Mai hatten wir den Philipperhymnus als zentrale Bibelstelle gewählt (Phil 2, 5 -11).

Ich brauche Ihnen wohl nicht zitieren, von welcher „Gesinnung“ dort die Rede ist! Legt man dieses „Maß“ an, dann stimmt wohl das Urteil „niemals auch nur annähernd“!
Aber darf ich dieses „Maß“ auch an den Bischofshof anlegen, auch an Ihre Art das Bischofsamt auszuüben!?

Ich habe heuer bei der mündlichen Matura im Juni einer Kandidatin die folgende Frage gestellt:
Vor 50 Jahren – im Oktober 1962 – wurde das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet. Für Tomás Halik, katholischer Priester, Theologe und Soziologe an der Karls-Universität in Prag, stellen sich angesichts dieses Jubiläums mehr Fragen als Antworten:

    … man denke an die festlichen Worte, mit denen das Konzilsdokument
    „Über die Kirche“ beginnt: dass eben „Freude und Hoffnung, Trauer
    und Angst der Menschen unserer Zeit auch Freude und Hoffnung,
    Trauer und Angst der Kirche“ sind.
    Diese Worte klingen fast wie ein Ehe-Gelöbnis. Die katholische Kirche
    gelobt dem modernen Menschen Liebe, Achtung und Treue in guten wie
    in schlechten Zeiten. Ist sie diesem Versprechen jedoch treu geblieben?
    Kann sie heute mit gutem Gewissen eine „Goldene Hochzeit“ mit der
    modernen Gesellschaft feiern? Auf der anderen Seite muss man
    allerdings auch nüchtern fragen: War für den modernen Menschen
    eine solche „Ehe“ je begehrenswert?  (Publik-Forum Nr. 10, 2012, S. 32)
    Versuche Antworten auf die gestellten Fragen von Tomás Halik zu geben!
    Wie könnte eine Vision für die (katholische) Kirche in Europa aussehen –
    ähnlich etwa des von lateinamerikanischen Bischöfen während des Konzils
    an den Grabstätten der Urchristen Roms beschlossenen „Katakombenpakts“:
    die Selbstverpflichtung einfach und solidarisch aufseiten der Armen zu
    leben?

Die Kandidatin hat die Frage nicht beantwortet, weil sie die andere Frage wählte. Herr Diözesanbischof, wie würden Sie diese Frage beantworten?

Die lateinamerikanischen Bischöfe haben zu Hause ihre Konsequenzen gezogen: Dom Helder Camara zum Beispiel ist aus seinem Palast ausgezogen. Die Kirchenzeitung hätte damals einen Bericht darüber schreiben können mit dem Titel „Bischofshof aufgelöst“!
Was ich mir schließlich bezüglich Christophorus-Haus wünschen würde, Herr Diözesanbischof, ist, dass Sie den wahren Grund für die Auflösung nennen, nämlich Sparmaßnahmen! Und nicht Gründe vorschieben, über die Sie „auch nicht annähernd“ urteilen können. (Siehe dazu vielleicht auch Mt 7, 5 !).
 
Oberschützen, am 1. August 2012
 
Mag. Ludwig Leitner
Berggasse 8
7432 Oberschützen
 
„Offener Brief“ an den Herrn Diözesanbischof  Dr. Ägidius Zsifkovics; an folgende Redaktionen: martinus, Die Furche, Kurier, Der Standard, Wir sind Kirche

*******

19.03.2013:

Sehr geehrter Herr Diözesanbischof!

Da ich auf meine beiden Briefe im Sommer bzw. vor Weihnachten im vorigen Jahr keinerlei Antwort erhielt, nehme ich an, dass diese Sie entweder nicht „erreicht“ haben oder von Ihnen bewusst ignoriert worden sind.

Für den ersteren Fall lege ich nochmals eine Kopie meines ersten Briefes bei – durch unseren neuen Papst haben die darin formulierten Anliegen ja noch an Aktualität gewonnen!
Im anderen Fall ersuche ich nochmals um ein persönliches Gespräch – ermutigt durch den von ihnen geäußerten Wunsch an den neuen Papst, dass „er die Fähigkeit des Hinhörens und des Dialogs so einbringen kann, dass er mit seinen Mitarbeitern und den Bischöfen aus aller Welt befreit und offen reden könne.“ (Radio Burgenland, 14. 3. 2013)

Ich hoffe, dass auch Sie für meine Anliegen, die vielen Menschen unserer Diözese am Herzen liegen, ein „offenes Ohr“ haben werden.
 
Mit „österlichem“ Gruß 


26.03.2013:


*******

14.04.2013:

Sehr geehrter Herr Diözesanbischof!

Mit Freude habe ich Ihrem Schreiben vom 26. März 2013, das ich am Karfreitag erhielt, den Dank für mein „Engagement in der Vergangenheit“ entnommen. Ich würde Ihnen gerne viel mehr über die 7 Jahre dieses Engagements erzählen, die ich als harte, aber auch sehr glückliche Zeit in Erinnerung behalte. Vielleicht würden Sie meine heutigen Sorgen dann auch besser verstehen. Mein Engagement währt bis heute und meine „Korrespondenz mit Ihnen“ sehe ich auch als einen Teil davon.

Die Wahl Ihrer Worte (Aggression, Vorurteil und Respektlosigkeit) hat mich etwas erschreckt; anscheinend sind Sie durch meine Wortwahl aber doch auch betroffen?

Wir haben ja beide eine humanistische Bildung genossen: aggredior … ich gehe heran.

Vielleicht bin ich Ihnen etwas zu Nahe getreten; aber es gehört zu meinem Wesen, nahe heranzugehen! „Fürchtet euch nicht!“ (Lk 2,10; Mt 28,10) schließt sich für mich wie eine „Klammer“ um das Evangelium, die für mich einen besonderen „Halt“ bedeutet.

Jesus ist für mich ein Vorbild, wie er furchtlos und sehr nahe den unterschiedlichsten Menschen begegnet. Vielleicht bin ich daher auch leichter „respektlos“. Im Duden wird Respekt erklärt mit „Ehrerbietung, schuldige Achtung und Scheu“. Ich habe tatsächlich keine Scheu, offen meine Meinung zu sagen – gegenüber wem auch immer! Ich habe dies auch in der Vergangenheit gegenüber Ihren Amtvorgängern im Bischofsamt unserer Diözese so gehalten – und es war dennoch ein persönliches Gespräch mit ihnen möglich.

Eine Offenheit/ein Angebot in diese Richtung vermisse ich in Ihrem Brief. Ich hoffe aber nach wie vor auf eine solche Möglichkeit.

Mit hoffnungsvollen Grüßen


*******

02.02.2014:

Sehr geehrter Herr Diözesanbischof!

Ich hatte ja schon die Hoffnung aufgegeben, da ich auch auf das Versprechen unseres neuen Generalvikars (ich kenne Martin seit meiner Gymnasialzeit in Mattersburg und schätze ihn nach wie vor) gleich nach seiner Amtseinführung im September, sich um einen Gesprächstermin für mich mit Ihnen zu bemühen, seither keinerlei Reaktion erhielt.

Der Besuch der österreichischen Bischöfe in den vergangenen Tagen in Rom und die Berichte darüber ermutigen mich aber – ich formuliere es jetzt bewusst so – mein Gesprächsangebot zu erneuern. Wie auf einem Foto ersichtlich (Die Presse, 27.1.2014, S. 3), waren Sie ja auch schon 2005 dabei; und so sollte Ihnen der Unterschied zu heute noch mehr bewusst sein, welchen Umgangston unser (neuer) Bischof in Rom im Vergleich zu früheren Zeiten pflegt: „Sein kommunikativer Stil muss auch für uns Bischöfe Vorbild sein.“ (Kardinal Schönborn in: Die Presse, 1.2.2014, S. 4). Auch Sie schreiben zur Fragebogenaktion: „Der Heilige Vater hat die Menschen um ihre Meinung gefragt, er verdient es auch, Antworten zu bekommen, egal, wie heiß ein Eisen auch ist. Und die Gläubigen, die sich der Mühe der Auseinandersetzung mit den Fragen unterzogen haben, haben es verdient, an zentraler Stelle gehört zu werden.“ (martinus, 2.2.2014, S. 3).

So habe ich wieder Hoffnung, auch in Eisenstadt Gehör zu finden – auch zu sogenannten „heißen Eisen“. Sie wurden in Rom ja auch nach den Reformgruppen in Österreich gefragt (Die Presse, 28.1.2014, S. 8). Als diözesane Kontaktperson und Vorstandsmitglied der Plattform „Wir sind Kirche“ würde ich Ihnen gerne unsere ursprünglichen und aktuellen Anliegen vortragen – und auch nur zu gerne erfahren, was Franziskus oder auch Sie von uns erwarten.

Ich freue mich auf eine hoffentlich positive Antwort – könnte mir vorstellen, dass auch Martin bei einem Gespräch mit dabei ist – und grüße Sie aus dem (noch) winterlichen Südburgenland.

Oberschützen, am Fest der Darstellung des Herrn, 2.2.2014 

Kopie an Generalvikar Mag. Martin Korpitsch

Mittwoch, 14. Mai 2014

Bestätigung der Wirksamkeit der „Geistlichen Kommunion“ für wiederverheiratet Geschiedene

2014-05-13
Bestätigung der Wirksamkeit der „Geistlichen Kommunion“ für wiederverheiratet Geschiedene

Beim jüngsten Diözesankomitee des Bistums Münster verwies Bischof Genn auf die Möglichkeit der „Geistlichen Kommunion“ für wiederverheiratet Geschiedene.

Die „Geistliche Kommunion“ geht auf Thomas von Aquin zurück und setzt ein lebhaftes Verlangen zu einer liebevollen Vereinigung mit Jesus Christus voraus. Und wenn das „Verlangen“ recht glühend ist, dann sei die „Geistliche Kommunion“ gottwohlgefälliger als eine „wirkliche Kommunion“ in Lauheit.

Angesichts der Unentschlossenheit der Hierarchie und der Notwendigkeit, „Ja, Ja oder Nein, Nein“ zu sagen wird hiermit die „Geistliche Kommunion“ unter den oben genannten Voraussetzungen als ebenbürtig erklärt.
Diese Erklärung erfolgt unter dem Aspekt des erkannten unerträglichen Leidens vieler schuldlos Geschiedener und Wiederverheirateter und dem ebenso unerträglichen Nichthandeln der zuständigen Stellen. Es stellt also eine notwendige „Ersatzvornahme“ dar.

Jesus Christus, der Gründer unserer Glaubensgemeinschaft ist informiert.

f.d.R.d.A.
Lothar Müller, Schriftführer

Donnerstag, 17. April 2014

Peinliche Gemeinsamkeit

Für Frauen verboten: hier der Altar, dort das Lenkrad
Kürzlich in Marokko: Mohamed, der junge Reiseleiter erklärt seinen 30 österreichischen Gästen vom Bus aus die Stadt Marrakesch. Plötzlich stockt er mitten im Satz: da schauen Sie, von rechts kommt ein Auto, das von einer Frau gelenkt wird! Mohamed verbindet mit dieser Beobachtung die moderne Entwicklung in seinem Land, die auch die Emanzipation von Frauen miteinschließt. Am selben Tag in der Altstadt: ein junges Mädchen fegt auf dem Moped die enge Straße entlang. Auch diese junge Dame wird von den Österreichern aufmerksam registriert, wie übrigens sehr viel mehr Frauen am Steuer eines Autos, als unser Mohamed erwähnt hat. Die große Überraschung für die Österreicher aber erst im Flugzeug der Lufthansa. Aus dem Cockpit des riesigen Airbus 321 meldet sich wie selbstverständlich eine Dame: Hier spricht Ihre Kapitänin. Butterweich hebt sie den großen Vogel auf und setzt ihn dann auch wieder auf. Sie erntet herzlichen Applaus, nicht nur von den weiblichen Passagieren. Die Pilotin ist kein Einzelfall, genauso wenig wie die marokkanischen Frauen am Steuer. 27 Damen besitzen alleine in der Lufthansa bereits die Kapitänslizenz, sie sitzen also vorne im Cockpit links auf dem Chefsessel, eine davon sogar in der riesengroßen A 380. Es sind Selbstverständlichkeiten, eigentlich, genauso wie die weiblichen Mitglieder bei den Wiener Philharmonikern, ebenfalls einer traditionellen männlichen Domäne. Aber auch hier wird die Zahl der weiblichen Mitglieder immer größer, wie das jüngste Neujahrskonzert unübersehbar gezeigt hat. Frauen holen auf und bewähren sich. Weltweit, wie sich zeigt. Aber nur fast. Einige wenige Länder und Bereiche gibt es, wo ihnen dieses Recht verwehrt wird. Saudi Arabien gehört dazu, und auch die katholische Kirche. Eine peinliche Gemeinsamkeit. Hier wie dort werden zwischen Frauen und Männern völlig irreale und absolut nicht nachvollziehbare Grenzen gezogen. Dieses dürft ihr, jenes nicht. Basta. In Saudi Arabien ist es unter anderem das Lenken von Fahrzeugen, das Frauen gesetzlich vorenthalten wird, in der katholischen Kirche sind es die Weiheämter, von denen Frauen ferngehalten werden. Die Argumente dagegen kommen vor allem aus der vatikanischen Zentrale, in der Männer in rotumrandeten Kleidern dieses „No“ immer und immer wieder begründen. Einwände selbst von hochdekorierten Würdenträgern aus vielen Ländern gegen dieses „No“ werden ignoriert. Und nicht einmal der Papst, sonst in seinem Denken so wohltuend aufgeschlossen, traut sich öffentlich für Priesterinnen am Altar einzusetzen. Wie er persönlich darüber denkt, lässt sich nur vermuten.
Saudi Arabien und der Vatikan. Eine peinliche Gemeinsamkeit in der modernen Welt. Sie hat zu verschwinden, weil sie menschenfeindlich ist und diskriminiert. Und weil der Begründer des christlichen Glaubens, dessen Auferstehung dieser Tage gefeiert wird, die Fleisch gewordene Botschaft gegen solche Ausgrenzungen ist. Ob er damals vor 2000 Jahren persönlich Jüngerinnen berufen hat oder nicht, ist einerlei: heutzutage würde er es tun, davon sind viele Menschen überzeugt.

Donnerstag, 3. April 2014

Am Anfang stand das böse Wort

Am Anfang stand das böse Wort.
Es wurde als Signal verstanden.
Auch die Entschuldigung wurde verstanden.
Notwendiger taktischer Rückzug.

Das böse Wort setzt sich in den Köpfen fest.
Es funktioniert, bringt Erfolg.
Wenn aus dem Erfolg für wenige Unheil für alle wird sagen sie billig:
Das haben wir nicht gewollt.
Und eigentlich sind wir gar nicht dabei gewesen.
Muss sich alles wiederholen?

Aus Anlass Negerkonglomerat, Vergleich EU – Nazistaat.
Lothar Müller

Mittwoch, 2. April 2014

Die Bischöfe sind in der Pflicht im kirchlichen Richtungsstreit!

Gefordert wie noch nie

An der katholischen Kirchenspitze tobt ein Richtungsstreit, der zurzeit in der Ehe- und Geschiedenenfrage kulminiert. Auch Österreichs Bischöfe müssen Farbe bekennen.

Von Otto Friedrich

„Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen.“ Das finale „Gebot“ aus George Orwells bitterböser Totalitarismus-Parabel „Die Farm der Tiere“ steht unversehens vor Augen, wenn man das jüngste Interview von Gerhard Ludwig Müller liest. Der Neo-Kardinal sucht darin einmal mehr die Befürworter von Änderungen in der Geschiedenenpastoral in die Schranken zu weisen: Denn er rede als Chef der Glaubenskongregation, der einzigen vatikanischen Behörde, „die am Lehramt des Papstes unmittelbar Anteil“ habe. Andere Wortspender, so Müller, „auch wenn sie im Kardinalsrang sind“, sprächen „einfach nur für sich selber persönlich“.
Hat Müller damit auch Walter Kasper gemeint, der erst Ende Februar unter ausdrücklichem Beifall von Papst Franziskus derartige Änderungen vor den versammelten Mitbrüdern im Kardinalsamt angedacht und referiert hat? Kasper, 81, beileibe kein kirchlicher Heißsporn, sondern renommierter Theo*loge, hat bedachtsam, aber klar aufgezeigt, dass es fürs katholische Lehramt sehr wohl konkrete Möglichkeiten gibt, sich in Bezug auf die Familie und alle Themenbereiche, die damit zusammenhängen – etwa Sakramentenzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen –, neu aufzustellen (vgl. FURCHE 11/2014).

Eigentlich müssten die Ortskirchen aufatmen

Es ist evident, dass um diese Fragen an der katholischen Kirchenspitze ein Richtungsstreit tobt, der bis vor kurzem undenkbar war. Neo-Kardinal Müller kämpft da als Speerspitze der Konservativen mit Zähnen und Klauen für die Zementieren des Status quo, auch wenn ihm die „Privatmeinungen“ anderer Kardinäle, vom Landsmann Reinhard Marx bis zum honduranischen Papstvertrauten Óscar Rodríguez Maradiaga um die Ohren fliegen. Wie dieser Richtungsstreit ausgeht, ist aber längst nicht entschieden. Dass Franziskus Bewegung will, ist ebenso evident wie die Tatsache, dass er dann agieren wird, wenn seine bischöflichen Brüder mitgehen. Was soll der Bischof von Rom denn tun, als einen wie Kardinal Kasper vorzuschicken und ausdrücklich zu ermuntern?
Nichts an Kaspers Überlegungen ist revolutionär, er plädiert für eine vorsichtige Öffnung. Vielerorts sind diese Fragen seit langem „klar“, sie stehen in allen Forderungskatalogen zur Kirchenreform und sind theologisch und pastoral zigfach diskutiert. Dass diese Diskussion nun aber auch vom Papst her zugelassen und gefördert wird, sollte eigentlich ein Aufatmen in den Ortskirchen zur Folge haben. Meint man.

Die postmoderne Kirchenspaltung ist überwindbar

Ist aber den Einlassungen Kaspers ein Begeisterungssturm beispielsweise der Bischöfe Europas gefolgt? Hat man von den heimischen Hirten, die dieser Tage, zu ihrer Frühjahrssession versammelt sind, bislang klar gehört: Wir unterstützen Kasper, in diese Richtung kann und muss sich die Kirche bewegen? Man will ja hoffen, dass sich Derartiges in nächster Zeit ereignet.
Aber als selbstbewusster Laie kann man dieser Tage nicht umhin, gerade die Hirten in die Pflicht zu nehmen: Positionen wie die von Kardinal Kasper geäußerten haben – Sympathien von Franziskus hin oder her – nur dann Chancen, wenn sie von den Ortskirchen erkennbar aufgenommen werden – auch auf der Bischofssynode im Herbst. Bislang hat man in der kirchlichen Reformdiskussion von den Hirten immer gehört, man könne diese Fragen nur weltkirchlich lösen. Nur zu! – ist man geneigt, zu sagen.
Der am Dienstag verstorbene Religionsphilosoph Eugen Biser hat bereits vor 25 Jahren den bis vor kurzem perpetuierten Kirchenzustand als „vertikales Schisma“, als einen Riss zwischen Hierarchie und den Gläubigen, charakterisiert. Die Chance zur Überwindung dieser postmodernen Kirchenspaltung ist intakt. Dabei sind jedoch die Bischöfe gefordert wie noch nie. Sie können sich nicht zurücklehnen und warten, wer aus dem beschriebenen Richtungsstreit siegreich hervorgeht.

Die Furche >>
Quelle: Die Furche, 27. März 2014


Zum Thema:

"Jede Hoffnung erwartet Realisierung"
Pfarrer-Initiative sieht Bischöfe als "Risikofaktor"
"Wir haben Angst, dass der Papst allein gelassen wird", sagte Initiativen-Sprecher Helmut Schüller. Auf Ebene der Bischofskonferenzen ortet er nur "Passivität". Schüller: "Wenn es scheitert, dann nicht am Papst, sondern an den Bischöfen, die auf seine Reformbemühungen nicht einsteigen. Das ist der Risikofaktor."
Der Standard >>

Dienstag, 4. März 2014

Bischof sucht das Heil in der Flucht


Bei allen missglückten und unverständlichen Personalentscheidungen in der Diözese Eisenstadt scheint für Bischof Egidij das Motto „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“ zum Prinzip zu werden. Den Betroffenen Rede und Antwort zu stehen, ist nicht die Stärke des Oberhirten. Da zieht er es vor, vor den Schafen die Flucht zu ergreifen. Das bei der Weintaufe im Bischofshof kreierte „Fluchtachterl“ ist nunmehr selbsterklärend.

Szinovatz Robert

Mittwoch, 19. Februar 2014

Die Errettung des Glaubens

Gestern bin ich auf den interessanten Blog "Aus dem Leben eines Vereinsmeiers" von Konstantin Vlasich aufmerksam gemacht worden. Der ambitionierte Nachwuchsjournalist aus Großwarasdorf ist auch Vorsitzender des kroatischen Akademikerklubs in Wien.
Zur Abberufung des beliebten Pfarrer Ivan Jelic schreibt er:

Die Errettung des Glaubens

Ich habe meinen Pfarrer schon nackt gesehen. Mehrmals.

Das ist nicht das einzig Unübliche. Ich hab’ mit ihm schon gesoffen, hab’ für ihn Lieder gesungen, war mit ihm im Ausland und dennoch wurde ich nie misshandelt.

Was der katholischen Kirche fehlt sind Prediger, die sich einbringen. Man solle sich ein Beispiel am Ivan nehmen, dem rebellischen Pfarrer der Gemeinde Großwarasdorf, der so manches Wochenende in der B-Mannschaft des Fußballvereines eigensinnig aufs Tor ballert oder sich gern mit Glaubensbrüdern und Ordensschwestern auf Streitereien einlässt. Ivan, von dem sogar der VP-Bürgermeister weiß, dass er nicht zu seinem Wählerkreis zählt, ist ein bosnischer Franziskaner und engagiert. Nicht zu verwechseln mit dem englischen „engaged“, das so viel wie verlobt bedeutet. Die Meinung, Geistliche mögen den Bund der Ehe eingehen, weil sie dadurch näher ans wahre Leben rankommen, trifft sicherlich auf einige Diener Gottes zu, Ivan braucht keine Frau auf seinem Diwan, er ist höchstens mit seinem Beruf verlobt. Neben seinen  Gottesdiensten lässt er sich vielerorts blicken, nimmt mit Vergnügen an einer Vielzahl von Veranstaltungen teil, egal ob seine Anwesenheit den Altersdurchschnitt hebt oder senkt, und sucht dort den Dialog, selbst wenn es sich um politische Diskussionen handelt – das schätzen die Großwarasdorfer auch jenseits der Kirchenpforten.

Vielleicht fängt die Errettung des Glaubens nach dem Fußballmatch unter Dusche an, vielleicht würden gute Kopien von Don Camillo der katholischen Kirche nicht schaden, vielleicht sollte es Pfarrer nicht nur am Sonntag geben – oder steht es so in der Bibel?

(*bis hierher ist dieser Text aus 2012, aber es gibt Neuigkeiten)

Mit dem gestrigen Gottesdienst (16.2.2014) endet die Zeit von Ivan in Großwarasdorf. Wegen der Ungereimtheiten mit den Ordensschwestern, muss er zurück nach Bosnien. Vor der Pfarre Großwarasdorf protestierten heute einige aufgebrachte Kirchgängerinnen und Kirchgänger gegen den äußert ungewöhnlichen “Rückzugsbefehl”, ihre Drohung: “Fra. Ivan muss bleiben, Kirchenaustritt jetzt!” Es war die erste mir bekannte Demonstration in Großwarasdorf seit meiner Geburt – und das wegen eines Pfarrers! Ob wir je wieder eine erleben werden?

Weiters interessant:
 Abschiedsbrief von Pater Ivan Jelic vom 16.2.2014 >>

Freitag, 14. Februar 2014

Gedanken zu den Gedanken von Erzbischof Franz Lackner: Frauenpriestertum „als schwerer Bruch“ für Kirche.




Man merkt es, wie schwer sich der neue Salzburger Erzbischof mit einer wirklich verständlichen und überzeugenden Argumentation hinsichtlich der beiden offenen Fragen Frauenpriestertum und Zölibat tut. Das macht ihn (mir) durchaus sympathisch.

Nur zwei Punkte zum KATHPRESS – Bericht:

1. „Anders wäre für Lackner die Situation (Priesterweihe von Frauen, m.E.), lebte Jesus heute…“. Aber ER lebt doch auch heute! Und wenn eine Änderung hin zur Frauenordination „für die katholische Theologie ein schwerer Bruch“ sein sollte: naja, diese Anstrengung ist den TheologInnen durchaus zuzumuten! Und sie werden es auch schaffen. Ansonsten werden sie in spätestens 20 Jahren mehr Arbeit bekommen: mit der Konzeption einer neuerlichen Entschuldigung der Kirche: nach Galilei, dem Judentum usw. dann auch bei den Frauen. Was ist das für eine Kirche, die sich dauernd nur entschuldigen muss? Für hausgemachte (und verhinderbare) Fehler?

2. Wenn die Kirche ihre „Eucharistische Mitte“ nicht verlieren will, dann hat sie die Verpflichtung, den – gegenüber dieser sekundären oder tertiären - Wert der Tradition Zölibat zu überdenken. Ansonsten macht sie sich schuldig! Gegenüber dem sakramentalen Auftrag und den Gläubigen. „Sakrament sticht Tradition“ – man verzeihe diese zwar profane, aber dafür hoffentlich verständliche Kurzformulierung. Nur Jammern über einen Priestermangel oder gar der Vorwurf, die Welt sei halt so schlecht – das sind keine Gründe! Denk- und Veränderungsleistung sind gefragt! „Lebte Jesus heute…“ – der würde, nein wird – uns die Leviten lesen. Zuerst ganz kräftig den Leitungsorganen. Aber dann schon auch „der Basis“. Weil sie sich zu wenig rührt.

Lothar Müller, Theologe

PS: habe heute in „Menschen und Mächte“ (ORF) den Bericht über das Jahr 1934 gesehen. Mit einem die kurzfristigen „Sieger“ weihwasserbesprengenden Kardinal Innitzer. Aus sehr vielen, tiefgehenden Gesprächen mit „ZeitzeugInnen“ des Jahres 1934 weiß ich, wie tief diese Wunden bei den noch lebenden SozialdemokratInnen sind. Einer – er ist vor kurzem verstorben – hat mir geschildert, wie er als etwa Siebenjähriger vom Kooperator aus der Kirche geworfen wurde. Er wollte nur – wie seine Freunde – Ministrant werden. Das hinausgeworfene Kind Walter – unehelich, Mutter Arbeiterin, ruht nun im Frieden des Herrn. Vom jenseitigen Schicksal des damaligen Kooperators – später sehr anerkannt – habe ich keine Kunde.