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Freitag, 17. Oktober 2014

Suscipe depressionem nostram!

Nimm die Enttäuschung, den Frust, sogar das Jammern vieler über unsere Kirche an. Über von (noch) „oben“ dogmatisch – deduktive Äußerungen über den Zugang zu Deinen Sakramenten für wiederverheiratet Geschiedene. Über Seligsprechungen und Verhandlungen mit Exklusivvereinen, die sich zu Deinen besonderen Freunden ernennen. Über das „Dir – und der bösen Welt - Zuschieben“ der Verantwortung für den Priestermangel, über Verbote von „Wortgottesdiensten am Rand“ (Du lachst? Ein Bischof – sei Dir besonders nahe!!). Oder über die bewusste Verhinderung der Ökumene. Soll ja durch ihre Kompliziertheit theologische Arbeitsplätze sichern.

Uns freut, dass wir um Deine grenzenlose Barmherzigkeit wissen. Diese gilt auch jenen, die glauben, dass sie die ersten an Deinem Tische seien. Du siehst sehr, sehr gnädig, als ob Du es nicht merktest, über diese von irdischen Kriterien bestimmte Selbstannahme hinweg. Hilf uns, dies auch zu tun und nach ihrer Versetzung an das Ende der Tafel freundlich zu ihnen zu sein! Ihr Sein bestimmt halt auch ihr Bewusstsein, da hat der alte Karl Marx trotz seiner sonstigen Gegnerschaft zu der von ihm erlebten Kirche noch immer Recht.

Wenn wir Dich bitten, unsere „Depression“ so wie die gewohnte „deprecation“ anzunehmen, dann wissen wir schon, was Du uns dazu sagen wirst:
„Ich bin nicht Euer Obertherapeut! Mit diesen Fragen und Problemen – da werdet gefälligst selbst fertig. Hab Euch meinen eigenen Sohn und viele weitere Menschen geschickt, die Euch sagen: gegen die Ursachen von Depressionen müsst Ihr selbst antreten! Bin doch nicht Euer Ausputzer! Und diese Hierarchie – die hab ich auch nicht erfunden! Damit das ein für allemal klar ist, nicht von mir!“

Alles O.K., lieber Gott! Danke, jetzt wissen wir, wie wir mit diesen Müllers, den selbsternannten Spezialfreunden von Dir (Werk Gottes, Amici etc.) umzugehen haben. Naja, und Du wirst auch sie irgendwo an Deinem Tisch sitzen lassen.

Ihr geht mir schon langsam auf die Nerven mit eurer ewigen Fragerei! Tut halt endlich was, wozu habe ich Euch jenen Verstand gegeben, auf den ihr sonst so stolz seid? Der gilt auch und sogar besonders für die Kirche! Verstand, aber auch Barmherzigkeit! Die letztere sollt ihr auch denen gegenüber an den Tag legen, die es nach Eurer Einschätzung nicht so verdienten. Sind eigentlich ja arme Hund, abhängig von der Kirchensteuer.

Lothar Müller

Freitag, 19. September 2014

S`Rosakreuzgschäftle

Hoi Frida, hockscht do? Wi gohts`dr?
As tuts scho, as tuts.
Jo was tuscht da gauza Namittag do ufm Bänkle? So henn i di no nia gseha.
Jo was tu i. A bitzle etz allad.
Jo muscht et mitheua?
Na, nümma, i sei z` aut. Ma bruch mi nümma. Alls Mascheana. Und mugga tät hüt koi Mänsch meh, höads se gseit.
Jo do heascht ja des Sterbbildle vom Fridl! Wieso dänas?
Jo will i für eahn beat. Scho fünf Rosakreiz.
Fünf Rosakreiz, sovl! Globscht brucht`r däs, sovl Rosakreiz?
Des woiß i it, abr d`Anna heat gseit, i söll`s tu. Fünf Roskreiz.
A d` Anna, wiso tuts se des it sealb?
Di heat doch koa Zit, für nix Zit. Die schaffat doch wia a Närrsche. Allad schaffa.
Do, warum heascht dänn i des Sterbildle gauz dunda Löchle iegmachat?Die klenna Löchle do?
Jo, für jeda Krauz ois. Des hean i mit`dr Anna usmachat. Als Bewis.
Zowas bruchscht du an Bewis? So etz hean i no nie ghörat.
Jo woischt, darscht däs abr niamauda seiga, i komm für fümf Rosakrüz an Kaffe übr. Im Cafe. Dänas höamr usgmachat.
Waas? An Kaffee im Cafehus für fümpf Rosakreiz? Jo, vrkaufscht Du itz ou scho s`Beata?
Vrkoufa tu i gär nünz. Des ischt freiwillig und d` Anna heat gseit, i söll des für se tu. Und baschta. Dr Pfarar konnt jo ou etz übr für a Meass. Scho me als i. E hean en scho gfrogat, ich sei auf Ministrantenniveau mit meinen Gebetspreisen, heatar gseit. I söll abr koi Werbung macha, er täts`mr jo vargunna, abr des müaß untr üs bliba. Ein Meßstipendium sei etwas anderes als dieses Beten.
Jo, seig amaol, tuscht du des für meh? Net bloß für da Fridl?
Eigentle it, bloß no für zwoi. Döt wod`Wibr und Kindr ou koi Zit höad. Abr ou für an Kaffeee. Im Cafe. Däne dött wunderat si ou scho. Will i fascht jeda Tag mit am Fümfr kumm. Woischt jo, ufrunda. I rund jo ou vialmol uf, a Gegrüscht seist Du meh.

Petrus, nach wie vor zuständig für Informationen aus der Welt von heute, berichtete dem lieben Gott beim Jour fixe über diese Praxis. Gott schüttelte den Kopf und lächelte. „So raffinierte Wibr“, muss es in ihrer Sprache wohl heißen, ging es durch seinen göttlichen Kopf.
„Petrus, das ist O.K.! Du schickst diese Kaffeetanten sofort zu mir, wenn sie ankommen. Die sind viel unterhaltsamer als diese Oberliturgen und Theologen.
Aber – nur die, die ihre Leistung persönlich erbracht haben, nur die“.
Petrus nickt. Das hatte er ja erwartet.

Montag, 30. Juni 2014

Wir LaiInnen betteln nicht!

Herrn Mag. Edi Posch
Begegnung & Dialog

Lieber Edi!

Du berichtest soeben über einen „Modellversuch“ in der Diözese/dem Bistum Osnabrück. Ehrenamtlich Tätige, von den Pfarrgemeinden dem Bischof vorgeschlagene LaiInnen leiten dort die Gemeinden. Es gibt anscheinend nur noch wenige Priester in diesem Bereich – diese dürften jetzt vor allem für den „sakramentalen Bereich“ zuständig sein.

Bei allem Verständnis: aber wir LaiInnen betteln nicht!
Angesichts der Forderungen Jesu und der von ihm erkannten unbedingten Notwendigkeit des Gemeindelebens begrüße ich diese Arbeitsaufteilung natürlich.
Als (ehrenamtlicher) Krankenseelsorger sehe ich auch die oft gesprächsweise erhobene Forderung von Priestern/Pfarrern ein, „wir (die erprobten LaiInnen) sollten doch auch die Krankensalbungen „übernehmen“. Das sollten wir - die LaiInnen - von den Bischöfen/der Hierarchie einfordern.
Bei allem Verständnis für die Zeitnöte unserer Pfarrer – aber das fällt mir überhaupt nicht ein! Wir sollten bei den Bischöfen um Kompetenzen betteln gehen? Kommt doch überhaupt nicht in Frage. Das sollen ihnen die Pfarrer und auch die Betroffenen persönlich sagen! Beinhart und unter Hinweis auf die Verpflichtung, für die „Sakramentenverwaltung“ für alle KatholikInnen Sorge tragen zu müssen. Ansonsten: Versagen!

Soll er doch selber gehen!
Einer unserer Bischöfe lehnt nach meiner Erinnerung die zumeist von LaiInnen engagiert geleiteten „Wortgottesdienste mit Kommunion“ ab. Wegen „Verwechslungsgefahr“ – soweit ich mich erinnere. O.K. – ist sein formelles Recht.
Aber dann, dann hat er mit seinen Klerikern selber zu marschieren! Seine Pflicht zu erfüllen. Jeder und jedem, die oder der den Leib des Herrn empfangen will, diesen auch zu geben. Arbeitszeiten und Repräsentationsverpflichtungen – die sind hinterrangig und werden auch diesbezüglich überprüft.

Tebartz soll arbeiten. Rückversetzung in Laienstand braucht Zustimmung!
Wir LaiInnen sind bereit, unsere Aufträge zu erfüllen. Aber wir werden „die Hierarchie“ nicht um „Zugeständnisse des Notwendigen“ betteln. Das nicht.
Und wenn wir gerade dabei sind: ich las, dass der Vatikan einen bisherigen Botschafter „in den LaiInnenstand“ zurückversetzen wolle. Wegen angeblichen Kindermißbrauchs. Dem Hohen Vatikan wäre schon zu raten, vor einer solchen „Rückversetzung“ in unseren bescheidenen „Stand“ uns als Betroffene zu fragen. Zumindest die LaiInnenorganisationen der betroffenen Diözese.

Noch ein Wort zum unglücklichen Bischof von Tebartz! Mitte 50 – und da soll er schon Pensionist sein?  Tut ihm, seiner nach wie vor Exzellenz, und auch – soweit ich weiß – den deutschen SteuerzahlerInnen das nicht an. Er muss doch einige Fähigkeiten haben, die – so wie bei anderen Frühpensionierungen – hinsichtlich der (steuersparenden) Arbeitsfähigkeit noch verwendet werden könnten. Auch in seinem persönlichem Interesse.

Lothar Müller                                                                      2014-06-28

PS.: Wurde auch an Herrn Nuntius weitergeleitet. Herzlich Lothar


Zum Thema "Krankensalbung" siehe im Blog-Archiv:
Studientag der katholischen Reformbewegungen am 29. November 2013 über Krankenseelsorge und Krankensalbung im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg.

Freitag, 30. Mai 2014

„Macht, die sich vor keiner Gegenmacht zu fürchten hat, wird immer missbraucht“

Lothar Müller, 2014-05-29

Herrn Mag. Edi Posch
Begegnung & Dialog

Lieber Edi!

Darf Dir zuerst nur mitteilen: habe vor kurzem mit etwa 30 StudentInnen Deinen - heißt es „blogspot“? angeklickt. Hat den Glauben an eine gewisse Pluralität in unserer Kirche bestärkt! Ohne diese Aktion hätt es sehr düster ausgeschaut!

Nur noch einige Worte zum Beitrag von Herrn Mag. Ludwig Leitner: er wartet also seit etwa zwei Jahren auf einen Gesprächstermin bei Eurem Bischof? Er – so interpretiere ich seinen Beitrag – war der Leiter eines inzwischen von diesem (Bischof) aufgelösten Bildungsheimes? Ja, wurde er anlässlich der geplanten Auflösung nicht zumindest angehört?

Wenn das nicht der Fall war, dann sind den Forderungen hinsichtlich der Sanierung des Kirchenrechts neben „Ersatzvornahmen“ (der Gläubigen bei nachhaltiger Unfähigkeit der Zuständigen) und einer Regelung analog dem Amtsverfahrensgesetz (Antworten haben innerhalb von sechs Monaten zu erfolgen) auch Bestimmungen hinsichtlich eines Anhörungs- und Auskunftsrechts hinzuzufügen. Das Mietrecht und auch der Konsumentenschutz bietet dazu sicher einige Anregungen, die im Sinne einer botschaftsgemäßen und ordentlichen Gestaltung des Lebens in der Kirche zur Anwendung zu bringen sind. Etwa durch die Sanktion der Einbehalte von Kirchenbeiträgen im Falle der Verweigerung von berechtigten Gesprächswünschen. Im Sinne einer sparsamen Verwaltung der Kirchenbeitragseinnahmen könnte überlegt werden, mit solchen Fragen im Konfliktfalle die Diözesangerichte zu befassen.

Sollten durch „hierarchische Entscheidungen ohne Anhörung der Betroffenen“ auch fundamentale ArbeitnehmerInneninteressen oder auch die der SteuerzahlerInnen mit betroffen sein, dann ist die Information sowohl der zuständigen AK bzw. ÖGB und wohl auch der Kontrollorgane (Bundes – und Landesrechnungshöfe) Verpflichtung! Denn auch hier geht es „um die Groschen der armen Witwe“!
Immer!

Diese Anregungen (eines Ethikers mit sehr starken Beziehungen zum Öffentlichen Recht) mögen etwas trocken erscheinen. Aber – sie sind im Rahmen einer klaren Struktur der Aufgabenverteilung und der Verantwortung zur Durchführung -in jeder (!) Einrichtung notwendig. Also auch in unserer Kirche. Ich darf hierzu den guten und anerkannten Leopold Kohr zitieren: „Macht, die sich vor keiner Gegenmacht zu fürchten hat, wird immer missbraucht“. Immer! – wir wissen, wovon wir damit auch reden.

Ich darf dieses Schreiben auch dem Herrn Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz und einigen Freunden zur Kenntnis bringen.

Mit herzlichem Gruß – bald wirst Du ja eine Million Interessierter haben
Dein Lothar

Mittwoch, 14. Mai 2014

Bestätigung der Wirksamkeit der „Geistlichen Kommunion“ für wiederverheiratet Geschiedene

2014-05-13
Bestätigung der Wirksamkeit der „Geistlichen Kommunion“ für wiederverheiratet Geschiedene

Beim jüngsten Diözesankomitee des Bistums Münster verwies Bischof Genn auf die Möglichkeit der „Geistlichen Kommunion“ für wiederverheiratet Geschiedene.

Die „Geistliche Kommunion“ geht auf Thomas von Aquin zurück und setzt ein lebhaftes Verlangen zu einer liebevollen Vereinigung mit Jesus Christus voraus. Und wenn das „Verlangen“ recht glühend ist, dann sei die „Geistliche Kommunion“ gottwohlgefälliger als eine „wirkliche Kommunion“ in Lauheit.

Angesichts der Unentschlossenheit der Hierarchie und der Notwendigkeit, „Ja, Ja oder Nein, Nein“ zu sagen wird hiermit die „Geistliche Kommunion“ unter den oben genannten Voraussetzungen als ebenbürtig erklärt.
Diese Erklärung erfolgt unter dem Aspekt des erkannten unerträglichen Leidens vieler schuldlos Geschiedener und Wiederverheirateter und dem ebenso unerträglichen Nichthandeln der zuständigen Stellen. Es stellt also eine notwendige „Ersatzvornahme“ dar.

Jesus Christus, der Gründer unserer Glaubensgemeinschaft ist informiert.

f.d.R.d.A.
Lothar Müller, Schriftführer

Donnerstag, 3. April 2014

Am Anfang stand das böse Wort

Am Anfang stand das böse Wort.
Es wurde als Signal verstanden.
Auch die Entschuldigung wurde verstanden.
Notwendiger taktischer Rückzug.

Das böse Wort setzt sich in den Köpfen fest.
Es funktioniert, bringt Erfolg.
Wenn aus dem Erfolg für wenige Unheil für alle wird sagen sie billig:
Das haben wir nicht gewollt.
Und eigentlich sind wir gar nicht dabei gewesen.
Muss sich alles wiederholen?

Aus Anlass Negerkonglomerat, Vergleich EU – Nazistaat.
Lothar Müller

Freitag, 14. Februar 2014

Gedanken zu den Gedanken von Erzbischof Franz Lackner: Frauenpriestertum „als schwerer Bruch“ für Kirche.




Man merkt es, wie schwer sich der neue Salzburger Erzbischof mit einer wirklich verständlichen und überzeugenden Argumentation hinsichtlich der beiden offenen Fragen Frauenpriestertum und Zölibat tut. Das macht ihn (mir) durchaus sympathisch.

Nur zwei Punkte zum KATHPRESS – Bericht:

1. „Anders wäre für Lackner die Situation (Priesterweihe von Frauen, m.E.), lebte Jesus heute…“. Aber ER lebt doch auch heute! Und wenn eine Änderung hin zur Frauenordination „für die katholische Theologie ein schwerer Bruch“ sein sollte: naja, diese Anstrengung ist den TheologInnen durchaus zuzumuten! Und sie werden es auch schaffen. Ansonsten werden sie in spätestens 20 Jahren mehr Arbeit bekommen: mit der Konzeption einer neuerlichen Entschuldigung der Kirche: nach Galilei, dem Judentum usw. dann auch bei den Frauen. Was ist das für eine Kirche, die sich dauernd nur entschuldigen muss? Für hausgemachte (und verhinderbare) Fehler?

2. Wenn die Kirche ihre „Eucharistische Mitte“ nicht verlieren will, dann hat sie die Verpflichtung, den – gegenüber dieser sekundären oder tertiären - Wert der Tradition Zölibat zu überdenken. Ansonsten macht sie sich schuldig! Gegenüber dem sakramentalen Auftrag und den Gläubigen. „Sakrament sticht Tradition“ – man verzeihe diese zwar profane, aber dafür hoffentlich verständliche Kurzformulierung. Nur Jammern über einen Priestermangel oder gar der Vorwurf, die Welt sei halt so schlecht – das sind keine Gründe! Denk- und Veränderungsleistung sind gefragt! „Lebte Jesus heute…“ – der würde, nein wird – uns die Leviten lesen. Zuerst ganz kräftig den Leitungsorganen. Aber dann schon auch „der Basis“. Weil sie sich zu wenig rührt.

Lothar Müller, Theologe

PS: habe heute in „Menschen und Mächte“ (ORF) den Bericht über das Jahr 1934 gesehen. Mit einem die kurzfristigen „Sieger“ weihwasserbesprengenden Kardinal Innitzer. Aus sehr vielen, tiefgehenden Gesprächen mit „ZeitzeugInnen“ des Jahres 1934 weiß ich, wie tief diese Wunden bei den noch lebenden SozialdemokratInnen sind. Einer – er ist vor kurzem verstorben – hat mir geschildert, wie er als etwa Siebenjähriger vom Kooperator aus der Kirche geworfen wurde. Er wollte nur – wie seine Freunde – Ministrant werden. Das hinausgeworfene Kind Walter – unehelich, Mutter Arbeiterin, ruht nun im Frieden des Herrn. Vom jenseitigen Schicksal des damaligen Kooperators – später sehr anerkannt – habe ich keine Kunde.

Montag, 3. Februar 2014

Betrifft: Berichte über „Ad-Limina“ der österreichischen Bischöfe (KATHPRESS).



Kirchenengagierten ist zu empfehlen:

Erstens
Den KATHPRESS – Beitrag (30.1.2014) auch „zwischen den Zeilen“ zu lesen! Etwa – Seite 2 – die Bemerkung von Papst Franziskus zur Bedeutung der Pfarren! Sieht man von der Bitte des Sportbischofs um einen päpstlichen Segen für die österreichische Teilnahme an „Sotschi“ ab, so findet sich eigentlich kein Wort über organisatorische Sonderformen oder „Bewegungen“. Offen–sichtlich kennt auch der Papst die Bedeutung der Pfarren mit ihren tausenden von MitarbeiterInnen.

Zweitens
Den Beitrag von Mag. Rolf Urrisk genau zu lesen! Es ist genau diese offene und klare Sprache, die unsere Kirche braucht! Es freut uns, dass unsere Bischöfe - laut KATHPRESS - ein Bischofskreuz und Rosenkränze erhielten. Aber: ist das pastoral irgendwie bedeutend? Da schon lieber die glasklaren Aussagen eines guten, alten österreichischen Offiziers, der seine Laienarbeitskraft unserer Kirche zur Verfügung stellt. Auch er ist „von der Freundschaft mit Jesus er-füllt“, wie Kardinal Dr. Schönborn im Vatikan sagte.

Drittens
Kardinal Dr. Schönborn fühlt „kirchliche Erneuerung“. Herr Kardinal – wenn die nachhaltig sein soll – ohne LaiInnen und Gottesvolk gibt`s keine Erneuerung! Den Fehler, den wir (Volk) nach dem Zweiten Vatikanum gemacht haben, den dürfen wir kein zweites Mal machen: uns vor lauter Begeisterung nicht um die Organisation und ums Kirchenrecht zu kümmern. Auch das gehört wesentlich zu einer „Erneuerung“!

Viertens
Der neue Salzburger Erzbischof Franz Lackner ist durch sein „Vertretungsbekenntnis“ für die Menschen in seiner Erzdiözese wirklich gut aufgefallen. Es ist ja keine Selbstverständlichkeit – bisher knickten die meisten Bischöfe „vor Rom“ gleich ein. Bei all diesem Verdienst – wenn er den Papst jetzt bittet, „dass die Laien einen Ort und Aufgaben in der Kirche haben und „wirklich spüren, dass sie in dieser Kirche wichtig sind“ – ja dann, lieber Bruder Erzbischof, dann sind Sie leider etwas „hinter der Situation“! Die LaiInnen sind nicht nur wichtig, sondern letztlich entscheidend! Hier versammelt sich jenes Engagement und auch Kompetenz, die unsere Kirche braucht! Ganz, ganz abgesehen einmal von der Finanzierung! Also: wir brauchen kein barmherziges Zuteilen von Aufgaben, sondern eine klare Aufgabenteilung. Und das auf Augenhöhe! Die Pfarrerinitiative hat dies - im Sinne der Kirche - längst „überrissen“! Die Bischöfe müssten ihr eigentlich sehr dankbar sein!

Fünftens
Der Idee von Herrn Mag. Urrisk auf einen eigenen „LaiInnenbericht“ an diesen Papst ist schon einiges abzugewinnen! Niemand wird ihn bremsen können – und Franziskus wird`s schon gar nicht tun!

Herzlich an alle Lothar Müller

Montag, 30. Dezember 2013

„Oremus!“ und Lampedusa


Zu und um Weihnachten gibt es immer „besonders viel Papst“. Heuer kamen noch die Erwartungshaltungen an den neuen, „anderen“ hinzu.
Also „noch mehr Papst“. Und er hat die Erwartungen sicher weitgehend erfüllt, seine Botschaften höchst glaubwürdig „untergebracht“. Denn wer denn sonst war in Lampedusa? Wer denn sonst von den „StaatenlenkerInnen“ geht zu den Menschen in den immer breiter werdenden „sozialen Rändern“?

„Wien“ – mit neuer Bundesregierungbesucht zuerst Kroatien, Berlin und – ebenfalls neu – Paris. Niemand fällt ein, vielleicht zuerst ein Land mit hohem Bedarf an Solidarität zuerst zu besuchen.
Sicher haben sehr viele nach der „eigenen Weihnachtsmette“ auch noch einen spätabendlichen Blick auf Franziskus' erste Mette im Petersdom geworfen. Mir ist dort sein erstes, ganz leises und bescheidenes „Oremus“ („Lasset uns beten“), aufgefallen. Lampedusa und das „Oremus“ – das scheint Kernbotschaft. Und diese ist für die Welt keine sehr angenehme; sie wird zu Konflikten führen. Zwischen den AnhängerInnen dieser Botschaft und den BewahrerInnen der derzeitigen Machtaufteilung. In der Kirche und in der Welt. Auch hier, in Tirol!
Franziskus landet in einer Zeit, in der seine Kirche schon sehr viel versäumt, verloren hat. Die gesellschaftliche Entwicklung hat sehr viel Themen schon längst überholt. Das Thema „Viri probati“, erprobte Männer als Priester – wen von denen interessiert das noch? Die haben längst höchst anspruchsvolle Herausforderungen im sozialen, kulturellen Bereich gefunden. Oder: welche Frauen warten denn noch auf die „Gnade der Hierarchie“, auf ihre kompetenten Möglichkeiten?

„Oremus und Lampedusa“. Vielleicht steht das Beten für das noch Verbindende.
Lampedusa steht jedoch sicher für Konflikt! Mit der derzeitigen Politik hinsichtlich der Menschen in Armut und Armutsgefährdung. Mit der beschämenden österreichischen Entwicklungshilfe. Mit der Distanz der offiziellen Politik zu Fragen der Armut und Ausgrenzung. „Oremus“ – wir müssen dafür beten, dass der anstehende Konflikt friedlich gelöst wird.
Eine Idee sei noch hinzugefügt: in diesen Tagen arbeiten tausende SternsingerInnen für Entwicklungsprojekte. Zeigen wir`s der schwachen offiziellen Entwicklungspolitik, was wir zusammenbringen! Sie sollen es gefälligst verdoppeln.

Lothar Müller

Dienstag, 10. Dezember 2013

Die „Leidensgeschichte“ des Herrn Georg Gänswein

Einer wie ich muss über sein normales Leben enttäuscht sein!
Denn das, was dieser Msgr. Erzbischof laut „Süddeutscher“ vermeldet – das mag schier kein normal Sterblicher zu tragen!

So schwor ER dem seinerzeitigen Papst Treue „in vita et in morte“. Leben und Tod – und so was in der äußerst gefährlichen europäischen und vatikanischen Welt“. Helden – ja potentielles Märtyrertum!

Und dann weiter: Er hat den Rücktritt „des Chefs“ wie „eine Amputation“ erleben müssen. Unter dem Wechsel leide er bis heute. Na ja, vielleicht besteht im Vatikanstaat so etwas wie eine Art Entschädigung für solch ungeheure, für LaientheologInnen niemals erfahrbare Leiden? Diese möge Seiner Exzellenz unbedingt zugesprochen werden!

S.E. (Seine Exzellenz) leide weiters am Eindruck, “in zwei Welten leben zu müssen“. Und am Schmerz des Sichabfindens mit der neuen Rolle. Alle kirchensteuerpflichtigen ArbeitnehmerInnen werden sicher tiefstes Verständnis für diese Schmerzen Seiner Exzellenz spüren. Und für eine entsprechende Schmerzabgeltung plädieren.

Bezüglich der bedrückenden Information der „SZ“, dass er als „engster Mitarbeiter Benedikts“ „acht Jahre Blut gelassen“ habe und dass sein erzbischöfliches Leben seitdem „nicht mehr ständig am Herzpuls“ des Vatikans sei vermögen wir – auch als medizinische Laien – lediglich zum Besuch einer entsprechenden medizinischen /kardiologischen Einrichtung zu raten.

Möge Seine Exzellenz noch viele Jahre die Gelegenheit haben, den zurückgetretenen Herrn Papst am Ort seines Aufenthalts als „Heiligen Vater“ anreden zu können!

Monsignore, Herr Erzbischof, Hochwürdigster Herr! Wie leiden auch – weil Sie uns fehlen! Aber: Wir sehen ein- in vita et in morte – dass Sie, Hochwürdigster, im Vatikan verbleiben müssen.

Herzlich, mitleidend, Lothar Müller, Theologe


Hintergrund:

Der „Affront“ des neuen Papstes gegen den alten
Klare Worte: Papstsekretär Gänswein leidet bis heute unter dem Rücktritt von Benedikt XVI. - und hatte am Anfang auch seine Probleme mit dem eher unkonventionellen Auftreten von Papst Franziskus. In einem Interview äußert sich der Benedikt-Vertraute überraschend deutlich.
Süddeutsche-Online >>

Verhältnis zu Franziskus "ist Schmerz"
Georg Gänswein lästert über den Benedikt-Nachfolger
Erzbischof Georg Gänswein hat sich über den Reformeifer von Papst Franziskus ereifert. Sich mit seiner neuen Rolle in Rom abzufinden, empfinde er als Schmerz, die demonstrative Missachtung des Protokolls durch den das neue Kirchenoberhaupt als Affront.
Focus.de >>

Montag, 9. Dezember 2013

Sie haben ja (noch!) das Konkordat

Lieber Edi – Die Stellungnahme der Laieninitiative zu den künftigen Bischofsernennungen und dort v.a. der Appell an die Bundesregierung gibt mir zu denken!
Alles Gute, herzlich Lothar

Die Laieninitiative analysiert aus meiner Sicht die Situation völlig richtig:
Das Wollen von Papst Franziskus ist „beim vatikanischen Leitungsapparat noch nicht angekommen“. Und es ist zu erwarten, dass dies noch eine Weile dauern wird – deshalb ist das Engagement von Laien – und Pfarrerinitiativen, „Wir sind Kirche“ usw. höchst wichtig. Wir dürfen diesen Papst nicht allein lassen! Sonst gewinnt letztlich die vatikanische Bürokratie. Gegen ihn und gegen uns.
Die Vorgangsweise in Salzburg mag als Warnung zu verstehen sein – allein die Aufnahme des dortigen Weihbischofs in den Dreiervorschlag ist für die Allermeisten eine Zumutung! Unvorstellbar, was das für Konsequenzen beim mündig gewordenen Kirchenvolk gehabt hätte – aber darum kümmert sich ein Apparat ja nicht – er hat ja (noch!) „das Konkordat“.
Hier liegt die Stellungnahme der Laieninitiative sicher richtig! Sie ist ganz im Sinne einer im Volk verwurzelten Kirche. Den Vertretern des Apparats sei gesagt, dass jedes Konkordat auch einmal in Frage gestellt werden kann! Von beiden Seiten.

Wo steht denn das im Konkordat?
In der Stellungnahme wird die Bundesregierung aufgefordert, „die Katholiken nicht im Stich zu lassen“. Sie müsste sich zumindest vergewissern, dass auch der Vertragspartner „Heiliger Stuhl“ die Spielregeln eines zeitgemäßen Gemeinwesens beachtet“. Inhaltlich völlig richtig – aber rechtlich sicher daneben! Wo steht denn das im Konkordat, auf das sich die Apparatvertreter (noch) berufen können?

Man wollte „nicht Schicksal spielen“. Dann kam Groer.
Nach langen Jahren des Anhängens an eine kräftige Stellungnahme der Bundesregierung bei Bischofsernennungen bin ich mir jetzt hier nicht mehr so sicher! Soll wirklich die Bundesregierung die Aufgabe von uns KatholikInnen übernehmen und für den Anspruch des Kirchenvolkes auf akzeptable Bischöfe sorgen müssen?
Müssten nicht wir das machen – Sanktionsmittel positiver und negativer Art hätten wir ja genug! Auch ein „Apparat“ kommt nicht um Mitgliedszahlen, Mitgliedsbeiträgen, Image, gut organisierten Initiativen usw. herum! Ist ja die einzige Sprache, die er anscheinend versteht! Aber diese „Sprache“ wird ja oft „aus mitbrüderlicher Rücksicht“ nicht gesprochen.

Auch nicht von den Bischöfen! Zu meinem Entsetzen habe ich gehört, dass es vor der Bestellung von Kardinal Groer auch keine Vorschläge von dieser Seite gegeben habe! „Man wolle nicht Schicksal spielen“! Welch grandiose Überschätzung der Rolle der Kirche! Die Folgen sind bekannt! Im Apparat gibt es natürlich keine Verantwortlichen. Die glauben noch, ihre Machtspielchen kämen beim Kirchenvolk und bei Gott irgendwie an.

Lothar Müller

Montag, 4. November 2013

Lothar Müller an Herrn Mag. Edi Posch - Begegnung & Dialog



Lieber Edi – Du kommst selber ja nicht dazu!
 
Gratuliere herzlichst zum inzwischen 500.000sten Info – und Dialoganklick.
Die Plattform wirkt weit über die Martinsdiözese hinaus. Letzte Woche – bei meinem interdisziplinären Stammtisch – wollte ich auf eine Meldung in Deinem Blog hinweisen – die Reaktion (in Tirol !): „schon gelesen“!
Dein Beitrag ist m.E. für die Zukunft der Kirche unerlässlich – und die Stärkung unserer Gemeinschaft durch Öffnung, Abbau uralter privilegierter Strukturen und Transparenz auch hinsichtlich öffentlicher Leistungen quasi ein Vorgriff auf Kommendes. Wer das nicht versteht, ist falsch am Platz.

Wer mir echt Sorge macht ist dieser Gerhard Müller, Erzbischof und (noch) Chef der Glaubenskongregation. Nach KATHPRESS (31.10.2013) hat er sich in Palermo jüngst über die „Krise des Priestertums in der westlichen Welt“ ausgelassen. Ursachen dafür findet er in einer „radikalen Desorientierung der christlichen Identität“ und in einer Philosophie, die keinen „transzendenten Hintergrund“ mehr habe.

Also: ich kenne genügend Priester und auch Ordensleute, die eher an der Hierarchie und deren immer mehr zutage kommenden Privilegien und Machtmöglichkeiten „desorientiert“ sind. Und denen ihre tägliche pastorale und sozial – kulturelle Arbeit weit wichtiger ist als die Frage nach einer „transzendenzlosen Philosophie“ ist. Genau diese Menschen braucht die Kirche – und ebenso die Gesellschaft! Nach einem guten Vierteljahrhundert in allen Ebenen der Politik weiß ich, wie wichtig selbstlos und bescheiden arbeitende Priester, Ordensleute und kirchliche MitarbeiterInnen sind.
Gerhard Müller wird sich mit seinen allzu theoretischen Ausführungen und Einschätzungen nicht mehr lange halten können. Weiß er schon wohin? Irgendwie ist er mir ja sympathisch!

Herzlich und alles Beste für die nächsten 500.000!
Dein Lothar

(Kopien an kirchliche Freunde!)