Sonntag, 6. November 2011

Warten wie…

ein Läufer auf den Startschuss,
ein Wächter auf das Signal,
ein junger Mensch auf das Leben,
ein Schuldiger auf Vergebung,
ein Trauriger auf das Fest,
ein Suchender auf das Gefundenwerden,
ein Liebender auf die Begegnung.

Und wenn die Nacht lang wird,
das Licht nicht verglimmen,
das Herz nicht zagen lassen:
Warten auf das große Fest –
warten.

Eleonore Beck, Messbuch ’90,
Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer, 698.

Samstag, 5. November 2011

OÖ LaientheologInnen: Aufruf zum Hören auf den Heiligen Geist

Linz, am Hochfest Allerheiligen 2011

Aufruf zum Hören auf den Heiligen Geist
Zur notwendigen Strukturreform der katholischen Kirche

Wir, die Interessensgemeinschaft der LaientheologInnen der Diözese Linz, knüpfen an zentrale Themen der „Pfarrer-Initiative“ in ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ vom Dreifaltigkeitssonntag 2011 an und teilen wichtige Anliegen der Plattform „Wir sind Kirche“ und der „Laieninitiative“ in ihrem gemeinsamen „Aufruf zu Eigenverantwortung“ vom Oktober des Jahres. Wir rufen die Katholiken und Katholikinnen Oberösterreichs, die diözesane Kirchenleitung sowie die Kirchenleitung in Rom auf zum genauen Hinhören auf die genannten Initiativen. Wir glauben, dass in diesen Initiativen der Heilige Geist wirksam ist. Wir geben zu bedenken, dass der lebendigmachende Geist Gottes auch durch unausgewogene Formulierungen und diskussionswürdige Aktivitäten wehen kann.

Insbesondere empfehlen wir der Kirchenleitung die Abschaffung der Zölibatspflicht für Priester und die Zulassung von Frauen zu den kirchlichen Ämtern. Wir wissen, dass wir mit diesen Empfehlungen die Anliegen des Großteils der getauften KatholikInnen hierzulande aussprechen. Wir glauben, dass in diesen Anliegen des Volkes Gottes der Heilige Geist am Werk ist. Wir übersehen dabei nicht, dass sich viele Getaufte ihrer Identität als Volk Gottes nicht bewusst sind und dass sie ihren Anteil am priesterlichen, königlichen und prophetischen Amt Christi zuwenig schätzen. Die hohen Kirchenaustrittszahlen und die geringe Beteiligung der KatholikInnen an den Sonntagsgottesdiensten könnten mit Änderungen der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden. Dennoch könnte vor allem mit einer echten Gleichberechtigung der Frauen ein derzeit noch bestehender Makel der katholischen Kirche endgültig Geschichte werden.
Dem oft gehörten Argument, verheiratete Priester oder Frauen im Priesteramt würden in manchen Regionen der Erde nicht akzeptiert werden, weil dies die jeweilige Kultur nicht zulasse, begegnen wir mit dem Vorschlag, die Frage der kulturellen Verträglichkeit der konkreten Zulassungsbedingungen jeweils vor Ort zu klären: Ob in einem Kulturkreis verheiratete Männer und Frauen zum Priesteramt zugelassen werden, möge die territoriale Bischofskonferenz entscheiden. Die römische Kirchenleitung soll im Sinne des Subsidiaritätsprinzips diese Befugnisse den Bischofskonferenzen überlassen. Zumindest im deutschen Sprachraum hieße eine Entscheidung zugunsten der völligen Gleichberechtigung von Männern und Frauen bei den kirchlichen Ämtern die Zeichen der Zeit erkennen.

Wenn die Herrlichkeit Christi, der das Licht der Völker ist, auf dem Antlitz der Kirche widerscheinen soll, um nach dem Wunsch der Kirchenkonstitution des II. Vatikanums alle Menschen zu erleuchten, dann muss die Kirche ihr gesellschaftliches Erscheinungsbild ändern. Dass wir als Kirche in hohem Maß unglaubwürdig geworden sind für die Menschen, liegt weniger an deren mangelnder Empfänglichkeit für die Herrlichkeit Christi, sondern daran, dass wir kirchlich organisierte ChristInnen Christus zuwenig ähnlich sind. Die Leitsätze für die notwendigen Strukturreformen in der Kirche sind im Evangelium selbst zu finden: „Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Geschwister. Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.“ (Mt 23,8f). Damit ist die häufig geäußerte Ansicht, in der Kirche könne es keine Demokratie geben, schon entkräftet: Zwar geht in der Kirche das Recht nicht vom Volk aus. Doch Christus, den wir als Herrn der Kirche bekennen, will selbst, dass wir unsere Angelegenheiten geschwisterlich, das heißt, auf demokratische Weise regeln. Wir begreifen demokratische Umgangsformen in Gesellschaft und Kirche als theologische Konsequenz der Menschwerdung Gottes in Christus Jesus.
Deshalb rufen wir dazu auf, in gelingenden demokratischen Prozessen in Kirche und Gesellschaft das Wirken des Heiligen Geistes zu sehen.

Verfasst vom Vorstand der IG LaientheologInnen im Auftrag der Vollversammlung
vom 12. Oktober 2011 im Bildungshaus Schloss Puchberg.

Freitag, 4. November 2011

„Erfülle treu deinen Dienst.“ Buch zur Bischofsweihe erschienen

Ein farbenfroher Bildband blickt ein Jahr danach auf die Weihe von Ägidius J. Zsifkovics zum dritten Bischof der Diözese Eisenstadt zurück.
Die Umschlagseiten des Buches stehen in einer für das Christentum typischen Spannung zueinander: auf dem Cover findet sich die zentrale Weihegeste der Handauflegung durch Kardinal Schönborn, auf der Rückseite das intime Ritual, in dem seine Mutter dem neuen Bischof mit Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn zeichnet.
Ganzer Beitrag auf martinus.at >>

Nach der DVD zur Bischofsweihe gibt es nun auch einen Bildband zur bischöflichen Selbstinszenierung. Der Herausgeber des Buches, Franz Josef Rupprecht, wurde zuvor zum neuen Chefredakteur des Burgenländischen Jahrbuchs ernannt. Er folgt in dieser Funktion auf Bernhard Dobrowsky, Direktor-Stellvertreter und Bereichsleiter im Pastoralamt.

Donnerstag, 3. November 2011

Bischöfe tagen nächste Woche und Pfarrer-Initiative am Sonntag

Bischöfe tagen nächste Woche, "ungehorsame" Pfarrer am Sonntag
Bischofskonferenz diskutiert auch Pfarrerinitiative - Diese erörtert weitere Linie - Schüller: Zeitpunkt der Jahresversammlung reiner Zufall
Beitrag im Standard >>

Abtprimas Wolf fordert mehr Transparenz in der Kirche


Der ranghöchste Benediktiner spricht sich bei einem Vortrag in Wien für mehr Information bei Bischofsernennungen und Reformprozessen aus.

Mehr Transparenz in Kirche und Gesellschaft hat Benediktiner-Abtprimas Notker Wolf eingefordert. Die heutige Gesellschaft sei von einer Aufbruchsstimmung gekennzeichnet, die nach mehr Offenheit, Transparenz und Kommunikation verlange, sagte der weltweit ranghöchste Benediktiner am Donnerstag, 27. Oktober 2011, bei einem Vortrag im Kardinal König Haus. Es herrsche oftmals das Gefühl vor, "wer auch immer oben ist: Es wird vertuscht." Dies führe zu Wut unter den Bürgern und zur Gefährdung des sozialen Friedens.

Beitrag auf Erzdiözese Wien >>

Mittwoch, 2. November 2011

Zsifkovics:"Ich möchte mich hier am Sudlesen nicht mitbeteiligen..."

Vor einigen Tagen hat der ehemalige Weihbischof Helmut Krätzl mit einigen Aussagen für Diskussionen gesorgt. Er könne sich die Weihe von Religionslehrern, um dem Priestermangel entgegenzuwirken. Darüber nachzudenken, sei vorstellbar - wie vieles andere im Leben, sagt Ägidius Zsifkovics.
„Ich möchte mich hier am Sudlesen nicht mitbeteiligen, und auch nicht Aussagen bischöflicher Mitbrüder kommentieren. Für mich als Bischof ist es wichtig, dass ich hier in Einheit mit der Weltkirche den Weg gehe, so wie es auch in unserer Bischofskonferenz ist. Wir wollen keine Einzelgänge machen, sondern mit der Weltkirche den Weg gehen und da auch sehen, welche Veränderungen notwendig sind“, so Zsifkovics.
Themen wie diese seien schon in der Vergangenheit Thema der Bischofskonferenz gewesen. Sie könnten nicht von heute auf morgen gelöst werden, sie würden ehrlich besprochen, seien aber nicht leicht zu lösen.

Mehr auf burgenland.orf.at >>

Das Inerview mit Bischof Zsifkovics im Burgenland HEUTE >>

Dienstag, 1. November 2011

Selig, wer glauben kann

Selig, wer glauben kann,
er wird auch Fragen haben,
aber er wird mit ihnen leben können.

Selig, wer hoffen kann,
er wird auch traurig sein,
aber er wird an der Trauer nicht zerbrechen.

Selig, wer lieben kann,
er wird auch enttäuscht werden,
aber er wird in den Wunden
deine heilende Liebe erspüren.

Selig, wer verzeihen kann,
er wird nicht von allen geliebt werden,
aber dann und wann
wird der Same des Friedens aufgehen.

Selig, wer barmherzig ist,
manche werden ihn ausnützen,
aber Gottes Liebe wird durch ihn scheinen.

Selig, wer glauben kann,
manche werden ihn nicht verstehen,
aber letztlich wird alles gut.


aus: Gottes Volk, Lesejahr A 8/2008,
Verlag Kath. Bibelwerk GmbH, Stuttgart, 2008, 66.