Dienstag, 22. November 2011

Fakten zum Zölibat

Die Ehelosigkeit der Priester wird auch vom offiziellen Lehramt der Kirche als disziplinäre Maßnahme mit langer Tradition, aber nicht als Dogma angesehen:
  • Jesus hat als seinen wichtigsten Apostel Petrus, einen verheirateten Mann, gewählt; Petrus hatte eine Schwiegermutter (Mt 8,14).
  • Paulus empfiehlt zwar nach seinem Beispiel, nicht zu heiraten, sagt aber ausdrücklich dazu, darüber "kein Gebot vom Herrn" zu haben (1Kor 7,25).
  • Bischöfe der frühen Kirche waren verheiratet: (1 Tim 3,2).
  • Das Konzil der 318 Väter zu Nicäa (325) lehnte den Antrag ab, Priester zur Ehelosigkeit zu verpflichten. Die Entscheidung von Nicäa wurde vom 6. Konzil von Konstantinopel (681) bestätigt und gilt bis heute für die Orthodoxen Kirchen: Verheiratete Männer werden zu Priestern geweiht, einmal geweihte, ebenso Bischöfe , dürfen nicht heiraten.
  • Ab dem 4.  Jahrhundert gab es immer wieder Aufforderungen zur sexuellen Enthaltsamkeit der Priester, überhaupt (Zölibat) oder bei verheirateten vor der Eucharistiefeier.
  • Erst beim 2. Laterankonzil (1139) wurde der Priesterzölibat in der Westkirche verpflichtend. Dir Kirche kam somit 1000 Jahre ohne Ehelosigkeit der Priester aus.
  • In den Unierten Ostkirchen, die dem Papst unterstehen, sind die Priester verheiratet.
  • Wenn heute Anglikaner oder Protestanten zur römischen Kirche konvertieren und katholische Priester werden, dann führen sie ihre Ehe weiter.
  • Während über den Priestermangel geklagt wird, leben allein in Österreich 600 bis 800 Priester, die geheiratet haben und vom Priesteramt ausgeschlossen wurden.
  • Der Priestermangel wird künstlich herbeigeführt. Weltweit schätzte man 20 Jahre nach dem 2. Vatikan. Konzil die Zahl verheírateter und daher entlassener Priester auf 60.000.
    (Carl Andresen, Georg Denzler, Wörterbuch der Kirchengeschichte, dtv München 1982, S. 641).
  • In Österreich leben rund 1.000 Priester in Beziehung mit einer Frau.
    (In Österreich gibt es lt. Kirchenstatistik 2009 rd. 4.51 % Priester; Prof. Paul M. Zulehner, hat erhoben, dass 12 bis 24 % der Priester in Beziehungen leben , die Gruppe "Priester ohne Amt" mutmaßt sogar 50 %).
Quelle: Newsletter 9 der "Laieninitiative"

Montag, 21. November 2011

Eigenartiges rund um die Anstellung von Thomas Dolezal

Schön, wenn die Qualität der Instrumente der Eisenstädter Dommusik seit dem heurigen Martinsfest verbessert wurden. Es scheint, als ob Thomas Dolezal ganze Arbeit leistet als Dommusikdirektor.

Was im Burgenland anscheinend noch nicht öffentlich, aber Tatsache ist: Thomas Dolezal will nicht auf sein Standbein in der Wiener Dommusik verzichten und ganz in Eisenstadt tätig sein. Er ist noch für 30 Stunden in Wien angestellt und dort v.a. unter der Woche im Stephansdom tätig. Sein offizielles Stundenausmaß im Burgenland beträgt lediglich 10 Stunden, man kann annehmen, dass er sich seine Mehrleistungen zusätzlich auf Honorarbasis ausbezahlen lässt.

Nun, man könnte ja argumentieren, dass das für Eisenstadt finanziell gesehen die bessere Variante ist. Man sollte aber nicht vergessen, dass zwei Personen ihre Anstellung wegen der vermeintlichen Vollanstellung von Thomas Dolezal verloren haben. Gerade für sie finde ich diese Regelung unter jeglicher Kritik. 

Ich bin gespannt, ob sich diesbezüglich etwas in Zukunft ändern wird.

Maria Ulrich-Neubauer

Sonntag, 20. November 2011

An der Quelle verwurzelt

Ein Leben lang dich abmühen
mit gutem Willen
jeden Morgen dich neu anstrengen
es allen recht zu machen…

Ein Leben lang
dich durch Leistung definieren
um den Erwartungen
der anderen
gerecht zu werden…

Es gibt eine andere Möglichkeit –
die mystische Lebensgestaltung:
Das Wesentliche ist schon da
du bist in der Quelle verwurzelt
du brauchst dich nicht zu beweisen
weil dein Wert aus deinem Sein entspringt

Aus dieser inneren Freiheit
schöpferisch
kämpferisch
leidenschaftlich sein –
wie Jesus.

Pierre Stutz, Der Stimme des Herzens folgen,
Herder Verlag, Fr. i. Br. 2005, 68.

Samstag, 19. November 2011

Kohlmaier: Kirchenbefreiung – Reformen, die aus dem Gewissen kommen

Kirchenbefreiung
Reformen, die aus dem Gewissen kommen
Eine Analyse von Herbert Kohlmaier

Das Thema Kirchenreform wird vielfach abgehandelt – meist von Theologen oder kirchlichen „Insidern“. Der Verfasser nähert sich ihm von einer anderen Seite. Hat er sich doch als langjähriger prominenter Politiker mit den Fragen des öffentlichen Lebens sehr grundsätzlich auseinandergesetzt und dazu publiziert.
Als Volksanwalt trat er energisch für die Rechte der Bürgerinnen und Bürger ein. Dazu kam die ernsthafte Befassung mit der Theologie. Als so genannter „Laie“ macht er sich nun um die Zukunft seiner Kirche größte Sorgen. Deshalb untersucht er mit schonungsloser Kritik das, was zur schweren Krise führte und geändert werden muss.
Kohlmaier engagierte sich zuletzt mehrere Jahre in der Reformbewegung kritischer Katholiken mit der deprimierenden Schlussfolgerung, dass sich die römische Zentrale noch so gewichtigen und überzeugenden Argumenten hochmütig verschließt – noch dazu voll Ängstlichkeit.

Er gelangt bei seiner Analyse zu folgenden wesentlichen Ergebnissen:
• Die Kirchenleitung hat sich von dem, was Jesus wollte, weit entfernt
• Sie stützt ihre Macht auf die falsche Behauptung eines göttlichen Auftrags
• Die Auswahl des Führungspersonals beschränkt sich auf dafür Ungeeignete
• Das Papstregime lebt in einer Scheinwelt, die geradezu pathologisch anmutet
• Das sterile Gehorsamsprinzip unterdrückt zeitgemäße geistige Entwicklung
• Die sture Abweisung kostbarer Berufungen ruiniert die Seelsorge.

So schildert der Autor schließlich die „7 Todsünden“ des Vatikans. Doch er beschränkt sich keineswegs auf Kritik! Bemüht legt er dar, welchen großen Wert christlicher Glaube gerade in unserer Gegenwart haben könnte. Das Buch endet mit dem Aufruf, dessen Gemeinschaft von einem „schrecklichen“ System zu befreien – durch systematischen Widerstand, Selbständigkeit und Eigenverantwortung des Gewissens aller, die so wie er die Kirche für unentbehrlich und unersetzlich halten.

Reihe: „Eine Analyse“
Herbert Kohlmaier
Kirchenbefreiung
Reformen, die aus dem Gewissen kommen
160 Seiten, Format 19 x 12 cm, broschiert
ISBN 978-3-85167-260-2 - € 18,90

EDITION VA bENE, Der Verlag, der sich was traut: A-3400 KLOSTER NEUBURG,
Max Kahrer Gasse 32, Telefon +43 / (0)664 / 16 16 356, Fax +43 / (0)2243 / 22 1 59,
E-Mail: edition@vabene.at, www.vabene.at

Freitag, 18. November 2011

Dolezal bekommt neue Pauken


Anmerkung:
Die "Paukenmesse" von Joseph Haydn (Missa in tempore belli) wurde 2000 unter dem damaligen Dommusikdirektor Christian Dreo im Martinsdom aufgeführt und aufgenommen, - hier das Gloria auf Youtube zum Genießen >>

Mittwoch, 16. November 2011

Vorarlberg bereitet sich auf Bischofsernennung vor

Die Ereignisse in Vorarlberg rund um die Bischofsernennung erinnern an das Burgenland vor eineinhalb Jahren. Der Päpstliche Nuntius hatte hier eine Scheinumfrage unter solchen Leuten vorgenommen, die den längst feststehenden Kandidaten "bestätigten".

Siehe dazu meinen Artikel vom 13. Dezember 2010:
Bischofswechsel in Eisenstadt – eine mehrfach unerträgliche Vorgangsweise
In Vorarlberg versucht man, wenigstens den beliebten Seelsorgeamtsleiter Schmolly in die Zukunft zu retten. Aber wie hieß es bei uns? "Der Bischof kann sich seine Vertrauensleute selbstverständlich selber aussuchen."

Diözese will pastorale Weichen einbetonieren
Viel ist das nicht. Aber wenigstens hat der Päpstliche Nuntius Peter Stephan Zurbriggen (68) dem Vorarlberger Diözesanbischof Elmar Fischer (75) bestätigt, dass er dessen Ansuchen um Pensionierung nach Rom weitergeleitet habe.
Die Umfrage unter Vorarlberger Priestern, wen sie sich als neuen Bischof wünschen würden, hat Zur­briggen noch nicht gestartet. Weder der Bregenzer Pfarrer Anton Bereuter (72) noch sein Frastanzer Kollege Herbert Spieler (72) haben Post erhalten. Feldkirchs Dompfarrer Rudolf Bischof (69) rechnet überhaupt damit, dass Rom erst nach der Seligsprechung von Carl Lampert am 13. November mitteilen wird, ob Benedikt XVI. (84) Fischers Rücktritt angenommen hat. Sähe auch komisch aus, wenn in der Dornbirner Pfarrkirche St. Martin die erste Seligsprechung der an sich noch jungen Diözese ohne Bischof über die Bühne ginge. Doch die Wartezeit verstreicht nicht tatenlos. Die Sorge, der Vatikan könnte erneut einen Traditionalisten in Position bringen, treibt manche um.
Beitrag auf Vorarlberg Online >>

Vatikan nimmt Rücktrittsgesuch von Bischof Fischer an
Hat Rücktritt mit 75. Lebenjahr angeboten - Amtszeit war von umstrittenen Aussagen geprägt
Das Konsultorenkollegium werde nun zusammentreten und einen Diözesanadministrator wählen, der die Diözese während der Sedisvakanz nach dem Rücktritt Fischers leiten wird.
Beitrag im Standard >>

Generalvikar Elbs gilt als Favorit auf den Feldkircher Bischofsstuhl
Die Favoritenrolle dürfte er inzwischen gewöhnt sein: Generalvikar Benno Elbs’ Name fällt in Vorarlberg, wann immer man über eine Nachfolge für Bischof Elmar Fischer spricht.
Beitrag auf VOL >>

Benno Elbs zum Diözesanadministrator gewählt
Prälat Dr. Benno Elbs ist zum Diözesanadministrator gewählt worden. Er leitet damit nach dem Rücktritt von Bischof Elmar Fischer interimistisch die Diözese Feldkirch. Fischers Rücktrittsgesuch wurde am Dienstag von Papst Benedikt XVI. angenommen.
Beitrag auf ORF.vorarlberg.at >>