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Freitag, 23. Januar 2015

Altbischof Paul Iby feiert 80. Geburtstag

Aktualisierung:

Ein Fest zum 80er
Altbischof Paul Iby feierte mit Gläubigen und Priestern der Diözese seinen runden Geburtstag - Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics würdigte den Jubilar als Bischof, der sich in seinem Dienst an der Kirche Gott und den Menschen gleichermaßen zugewandt habe.
martinus.at >>
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Burgenlands Altbischof Iby feiert 80. Geburtstag
Eisenstadt (APA) - Paul Iby, von 1993 bis 2010 Bischof der Diözese Eisenstadt, feiert am Freitag seinen 80. Geburtstag. Die Diözese begeht das Jubiläum mit einem Festgottesdienst am Sonntag im Eisenstädter Martinsdom, den der Altbischof selbst leitet und mit einer anschließenden Agape im Dompfarrzentrum.

Iby kam am 23. Jänner 1935 im mittelburgenländischen Raiding zur Welt. Nach der Priesterweihe war er als Zeremoniär und nach dem Studium des Kanonischen Rechts als Sekretär des ersten Eisenstädter Diözesanbischofs Stefan Laszlo tätig, dem er 1993 im Bischofsamt nachfolgte.

Zu wichtigen Anliegen Ibys in seiner 18-jährigen bischöflichen Tätigkeit zählten der Aufbau lebendiger Pfarrgemeinden und die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien sowie das Bemühen um die Ökumene.

Im Jahr 1998 initiierte er in der Diözese den „Dialog für Burgenland“. Als Bischof zeigte sich Iby Reformanliegen in der Katholischen Kirche gegenüber aufgeschlossen. So meinte er etwa, dass es für Weltpriester „sicher eine Erleichterung“ wäre, wenn der Pflichtzölibat aufgehoben würde.

Im Jänner 2010 reichte Iby, den kirchlichen Bestimmungen folgend, zum 75. Geburtstag sein Rücktrittsgesuch ein. Sein Wunsch, bis zum 50-jährigen Diözesanjubiläum im November 2010 Eisenstädter Oberhirte bleiben zu dürfen, wurde nicht erhört. Im Mai nahm Papst Benedikt XVI. den Rücktritt an und ernannte Iby zum Apostolischen Administrator der Diözese.

Am 9. Juli 2010 wurde die Ernennung von Ägidius Zsifkovics zum Nachfolger Ibys bekannt gegeben. Heute lebt Altbischof Iby in Eisenstadt. Als Firmspender und Vorsteher von Festgottesdiensten ist er weiterhin in den burgenländischen Pfarren unterwegs.
Tiroler Tageszeitung >>

Altbischof Iby feiert 80. Geburtstag
Altbischof Paul Iby feiert am Freitag seinen 80. Geburtstag. Die Diözese Eisenstadt gratuliert im Rahmen eines Dankgottesdienstes im Martinsdom am Sonntag. Wir haben den Altbischof zum Geburtstag zu Hause in Eisenstadt besucht.
burgenland.orf.at >>

Dienstag, 20. Januar 2015

Dialog-Bischof Paul Iby wird 80

Das Wirken von Bischof Paul Iby ist eng mit dem Dialog für das Burgenland verbunden. Damit war er im Hinblick auf notwendige Kirchenreformen seiner Zeit weit voraus - schon damals wurde vom "Erbarmen Gottes" gesprochen; Papst Franziskus betont heute die Barmherzigkeit Gottes. Mutig wie Paulus, im Glauben auf einen dialogischen Gott vertrauend, der selber in Jesus Mensch geworden ist und hellhörig den Menschen und ihren persönlichen Anliegen zugewandt, ließ Iby brennende Themen im Kirchenvolk offen diskutieren. Heute geschieht das ansatzweise auch schon im Vatikan.

Lieber Bischof Paul!

Herzlichen Glückwunsch zu Deinem 80. Geburtstag! Ich bin Gott dankbar, dass ich Deinen bereits zur Jahrtausendwende im Burgenland durchgeführten Dialogprozess selber erleben durfte. Bei zahlreichen Veranstaltungen wurden Anliegen und "Eingaben" der Menschen gesammelt - wie das heute mit den vatikanischen Fragebögen zur Familie geschieht. Über zwei Jahre hindurch erstreckte sich der Prozess des Hörens und Sammelns. Schließlich wurde der Katalog mit den Ergebnissen des "Dialogs für Burgenland" feierlich vorgestellt. Du sprachst damals von einer "Zwischenstation", einem "kreativen Innehalten", um zur Tat zu schreiten und "im Dialog mit Gott und mit den Menschen der Kirche in der Welt von heute ein neues Gesicht zu geben."

Mit Deiner Entschlossenheit zur Umsetzung des II. Vatikanischen Konzils hast Du unserer Kirche ein neues Gesicht gegeben, das von Miteinander geprägt war. Im geschichtlichen Rückblick wirst Du deshalb auch zu den Wegbereitern für Papst Franziskus gezählt werden. Unter seiner Führung wird nun endlich im Vatikan offen und frei über Themen diskutiert, für die Du noch gerügt wurdest.

Gottes Segen begleite Dich weiterhin bei Deinem kreativen Innehalten sowie tatkräftigen Voranschreiten,

Edi Posch



Altbischof Iby feiert 80. Geburtstag
Altbischof Paul Iby feiert am kommenden Freitag seinen 80. Geburtstag. Als Geburtstagsgeschenk erhielt er am Sonntag bei einem Dankgottesdienst in Lockenhaus Briefmarken mit seinem Porträt.
burgenland.orf.at >>


Iby nun Ehrenmitglied bei „Musica Sacra“
Anlässlich seines 80. Geburtstages feierte Altbischof Paul Iby mit Pfarrer Johannes Pratl einen Dankgottesdienst in Lockenhaus.
BVZ mit Fotogalerie >>


Interessantes Interview mit Bischof Paul Iby zum 20. Jahrestag seiner Bischofsweihe im KURIER >>


Eine Internet-Recherche zu "Dialog für das Burgenland" fällt leider bescheiden aus. Auf martinus.at wird so gut wie nichts davon erwähnt.

Fünf Jahre DIALOG FÜR DAS BURGENLAND
Plattform Wir-sind-Kirche >>

'Dialog für Burgenland': Klarstellung von Bischof Iby
KATH.NET bringt Auszüge aus der Erklärung von Bischof Iby:
1 - Leitlinien für die Liturgie
2 - Frage der "viri probati"
3 - Weiheamt für Frauen
4 - Begriff Familie
5 - Frage der Pastoral für wiederverheiratete Geschiedene
6 - Homosexualität und "eheähnliche Gemeinschaften"
7 - Jugendarbeit
Kath.net >>

Anlässlich des aktuellen Jubiläums von Bischof Paul ladet das Bischöfliche Ordinariat im Auftrag von Diözesanbischof Zsifkovics zur Teilnahme am festlichen Dankgottesdienst ein: am kommenden Sonntag um 9:00 Uhr im Eisenstädter Martinsdom.
Besonders die Priester dürften davon regen Gebrauch machen und die Gotteshäuser zuhause ihren Gläubigen überlassen.


Montag, 28. Januar 2013

Predigt von Weihbischof Krätzl zum Bischofsjubiläum von Paul Iby



Predigt von Weihbischof Krätzl
beim Dankgottesdienst – Paul IBY,  20 Jahre Bischof
Eisenstadt, 24. Jänner 2013
Les 1 Kor 15, 3-11   Ev  Joh 15, 9 – 17

Wenn ich heute mit so vielen für Bischof Iby und sein Bischofswirken Gott danke, dann berührt mich das ganz persönlich. Wir sind so lange befreundet, haben in Rom Kirchenrecht studiert, und sind dann eine ähnliche Laufbahn in den Diözesen gegangen: Bischofssekretär,  Kanzleidirektor,  Generalvikar bis hin zur Bischofsweihe. Sehr oft lud mich Paul Iby ein. Bei seiner Bischofsweihe heute vor 20 Jahren als Mitkonsekrator, was eine große Ehre für mich war. Am Martinsfest 1999 hielt ich den üblichen Festvortrag. Zu seinem 10 jährigen Bischofsjubiläum sprach ich vor dem gesamten Klerus und predigte schließlich 2005 zu seinem 70. Geburtstag in Raiding. Thema war immer Kommunikation und Dialog. Weil es die Begriffe sind, die das Wirken von Bischof Paul am besten charakterisieren. Er ist ein Mann, ein Bischof des Dialogs. Das zeigte er in seinem Leitungsstil, das war schließlich auch ein besonderes Programm für seine Diözese.

Ein Bischof, der den Dialog sucht
Bischof Paul hat viele Voraussetzungen für den  Dialog. Einmal seine herzliche, auf die Menschen zugehende, bescheidene Art. Dann im Sinne des Evangeliums die Haltung zu seinen Mitarbeitern: „Ich nenne euch Freunde, ich habe euch alles mitgeteilt.“ (Vgl. Joh 15, 15)  Schließlich spirituell, da er den Auftrag Jesu „liebt einander“ zu seinem Wahlspruch machte: „Omnia in caritate“, „Alles aus Liebe.“  Als er für die Caritas zuständig war gab es den Spruch „ Ubi Iby, ibi Caritas est.“
Er pflegte den Dialog in seinem Leitungsstil. -  Beispielhaft war sein Eintreten für Roma und Sinti. Mit Gehörlosen kommunizierte er in der Gebärdensprache. Bei seiner Bischofsweihe hatten sie einen Ehrenplatz.  Übrigens ist er am Gedächtnistag des Bischofs Franz von Sales geweiht worden, dem Patron der Gehörlosen. -  Dass er das Problem „Frau in der Kirche“ ernst nahm zeigt die Gründung einer Frauenkommission.  Als Jugendbischof fand er den Ton zur Jugend, hat sie in den österreichweiten Dialogprozess eingebunden. Er hat Jugendbriefe zu brennenden aktuellen Fragen geschrieben. Als Schulamtsleiter stand er im Gespräch mit den Religionslehrern und Lehrerinnen. Da erlebte ich ihnen wieder hautnah, als ich Schulbischof war.

Dialog für Österreich in Salzburg  – 1998
Das war nicht nur ein Schicksalsjahr für die Kirche in Österreich, sondern auch für die Diözese Eisenstadt. In wahrhaft geistgewirkter Stimmung gelang  damals ein menschlich herzlicher  und sachlich hochstehender Dialog auch zwischen  Vertretern unterschiedlichster Meinungen. Bischof Weber sprach am Schluss von einem Kapital, das wir nicht verschleudern dürfen. Die Bischöfe gingen aber dann mit den ohnehin moderaten Resolutionen all zu ängstlich um, was viele enttäuschte. Iby gab daraufhin 1999 den Start für einen Dialog für die Diözese Eisenstadt. Es war ihm klar, dass der Dialog weitergehen müsse, dass viel Fragen einfach nach einer Lösung drängen. Er war der einzige Bischof in Österreich, der das tat. Rom fand diesen Prozess aber für bedenklich und ließ es dem Bischof unmissverständlich wissen. 

„Kirche macht sich selbst zum Dialog.“
Dabei hatte er für sein Prinzip des Dialogs gerade ein päpstliches Vorbild, nämlich Paul VI. Der hat nach dem Tod von Johannes XXIII das Konzil wieder einberufen. Die Debatten waren inzwischen sehr kontrovers geworden. Da widmete er seine Antrittsenzyklika „Ecclesiam suam“ ganz dem Thema Dialog. Ein Dialog, dass Kirche und Welt einander begegnen, einander kennen und lieben lernen. Und der Weg dahin? „Dafür muss die Kirche ihr eigenes Bewusstsein vertiefen, ihr tatsächliches Antlitz mit ihrem Idealbild vergleichen und schließlich als Folge daraus den Dialog mit der Welt aufnehmen.“ Ja, „die Kirche macht sich selbst zum Dialog.“  Historiker meinen, dass diese Enzyklika die Voraussetzung für eine neue Diskussionskultur im Konzil war. Der Pastoraltheologe Hans Peter Heinz sagte: „ Die Dokumente zeigen, dass nun die katholische Kirche einen aufrichtigen Dialog anbiete, der keinen Menschen und kein Thema von vornherein ausschließt und sie ist offen für die unabsehbaren Folgen dieses gewagten Anfangs, gewärtig der schöpferischen Einfälle der Heiligen Geistes.“
Bischof Paul, wir danken dir für dieses Wagnis. Du hast deine Diözese den Dialog gelehrt, und anderen Bischöfen ein Beispiel gegeben. Und eigentlich hast du dabei sehr römisch gedacht, wie die Enzyklika von Paul VI zeigt, der dir Vorbild war.  

Die Kirche muss sich auch heute wieder zum Dialog machen.
Enzykliken sind oft zeitbedingt, sind aber in vergleichbaren Situationen dennoch gleich gültig.  Paul VI hat durch seine Dialogenzyklika die ins Stocken geratene Konzilsdebatte wieder in Bewegung gebracht.  Auch heute ist vieles ins Stocken geraten durch Uneinigkeit über den Weg in die Zukunft. Man fürchtet den Dialog. Wir müssen ihn wieder lernen:  einen  selbstlosen, vorurteilslosen, respektvollen, ergebnisoffenen Dialog, der auch den „schöpferischen Einfällen des Hl. Geistes“  Raum gibt.
Bischof  Paul. An deinem Weihetag möchte ich ganz in deinem Sinn zu einem solchen Dialog aufrufen. Und zwar mit wem?
Einen Dialog mit der Jugend, die das Vertrauen in die Kirche oft verloren hat, die heute wohl noch zu eventhaften Treffen kommt, sonst aber ihre eigenen Wege geht. Im Dialog möchte ich erfahren, was sie heute bewegt, wo sie Erfüllung ihres Lebens sehen.
Es braucht einen Dialog mit den Frauen. Sie fühlen sich nicht gerecht behandelt in der Kirche.  Was ist aus der Frauenkommission im Burgenland geworden?
Dialog mit Geschiedenen in zweiter Ehe. Hören wir doch, was ihnen gerade jetzt Gott bedeutet  bei einem gut gemeinten neuen Anfang,  und wie sie gerade dafür die Kraft  der Sakramente vermissen. Wozu drängt sie ihr Gewissen?
Dialog mit Reformbewegungen. Nur im Dialog auf gleicher Augenhöhe kann man unterscheiden, was hier wirklich aus tiefer Sorge und großer Liebe zur Kirche kritisiert wird, oder bloß aus billiger Rechthaberei oder gar Feindschaft gegen die Kirche.  
Dialog mit den vielen Ausgetretenen, den Fernstehenden, den Atheisten und Ungläubigen.  Woran glauben sie? Was hält sie aufrecht auch ohne Gott und was werfen sie der Kirche heute vor? Vielleicht, dass ihr Antlitz  ganz und gar nicht ihrem Idealbild gleicht?
Dialog mit den „Welt“, der man so vieles verdankt, wie das Konzil sagt: der Kunst, der Kultur, der Wissenschaft, der menschlichen Gemeinschaft. 

Lieber Bischof  Paul. Gott hat dich erwählt, wie Jesus es den Jüngern mit Nachdruck sagte. Du solltest Frucht bringen,  die bleibt. (Vgl. Joh  15,16)  Solche Früchte gibt es viele und man wird sie dir auch bei jedem Jubiläum aufzählen. Eine ganz besondere Frucht aber ist der Dialog. Du hast die Türen zu einem offenen Dialog aufgetan, hast dabei die ganzen Schätze unseres Glaubens eingebracht und dennoch auch gezeigt, dass die Kirche lernfähig ist. Warum hat man dich dafür nicht mehr gelobt?

„Alles in Liebe,  ist dein Wahlspruch.„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für andere einsetzt.“ (Joh 15, 13)  Wir emeritierten Bischöfe – jetzt spreche ich bewusst für uns beide – haben den Eindruck, dass man uns trotz unseres Alters  noch braucht. Das sagen uns viele Menschen. Wir wollen uns weiter, so gut wir können, für die Kirche einsetzen, weil wir sie und die Menschen lieben. Und unsere Liebe zu ihr möge vielen anderen wieder Freude an dieser Kirche machen. Das gelingt uns nicht allein, aber sicher zusammen mit der Gnade Gottes, auf die wir hoffen dürfen. (vgl.1 Kor 15,  10) Möge Gott dir und uns beiden dazu seinen Segen geben und erkennen lassen, was er noch mit uns vorhat.

Freitag, 25. Januar 2013

Bischof Iby: "Angst ist da"

„Wir waren immer Untertanen“
Bischof Paul Iby feierte gestern den 20. Jahrestag seiner Bischofsweihe. Im KURIER spricht er über seinen Nachfolger und die „Kirchenrebellen“ um Helmut Schüller und erklärt, warum er an Stelle von Norbert Darabos zurückgetreten wäre.
Interview im KURIER >>

Burgenland HEUTE >>


Lieber Bischof Paul!

Anlässlich deines Jubiläums möchte ich dir nochmals aufrichtig und mit großem Respekt für deine Arbeit als Bischof der Diözese Eisenstadt danken. Du warst wirklich ein "guter Hirte" der Menschen im Burgenland - nicht nur der Katholischen. Als Mann des Dialoges wirst du in die Diözesangeschichte eingehen. Du hast damit weit über die Grenzen unserer kleinen Diözese hinaus viel beachtete Zeichen gesetzt.

Deine brennende Liebe zur Kirche und dein engagiertes Bekenntnis für eine "ecclesia semper reformanda" im Sinne des Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus wurde und wird von einem Großteil - ja der Mehrheit - geschätzt und auch mitgetragen. Die zukünftige Entwicklung unserer Kirche wird zeigen, dass du mit Deinen Reformvorschlägen und den Weg des Dialoges auf dem richtigen Weg und Deiner Zeit voraus warst.

Für die Zukunft wünsche ich dir weiterhin alles Gute und Gottes Segen. Ich verbinde diese Wünsche mit der Bitte, dass du auch weiterhin Deiner Kirche und den Menschen unserer Diözese Deine Talente und Charismen nach Deinen Möglichkeiten zur Verfügung stellst.

Mit Hochachtung und in Verbundenheit grüße ich Dich herzlichst
Edi Posch 


Paul Iby: 20 Jahre Bischof
Vor 20 Jahren wurde Paul Iby in Eisenstadt zum Bischof geweiht. Er initiierte unter anderem den „Dialog für das Burgenland“ und erhielt für kritische Aussagen Schelte aus Rom. Das Jubiläum feiert er mit einem Gottesdienst im Dom in Eisenstadt.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Bruder Bischof Paul Iby

Bildtext: Bischof Paul Iby besucht im Rahmen der bischöflichen Visitation am 10.06.2010 die Franziskusgemeinschaft in Pinkafeld

Bruder Fritz Giglinger im "Francesco" der Hauszeitschrift der Franziskusgmeinschaft Pinkafeld, Advent 2010:

Danke, Bruder Bischof Paul, dass du unserer Gemeinschaft immer ein bischöflicher Bruder oder ein brüderlicher Bischof warst. Danke, dass wir mit unseren Anliegen und auch mit Vorschlägen zu dir kommen konnten. Du hast uns immer freundlich und herzlich empfangen. Du hast uns gut zugehört und bist auf unsere Wünsche eingegangen. Du hast uns ehrliche und begründete Antworten gegeben. Wir hatten stets den Eindruck, dass du uns ernst nimmst und dass wir dir Geschwister im Glauben sind.

Danke, dass du mit uns und allen Christen in unserem Land einen echten Dialog führtest. Du warst ein Bischof für alle und ein ökumenischer Mitchrist.

Danke, dass du uns auch an deinen Sorgen und Nöten teilhaben ließest. So hast du uns deine Offenheit spüren lassen, und wir konnten dich mit unserem Gebet unterstützen.

Danke, dass du uns gerne und öfter besucht hast, um mit uns Gemeinschaft zu pflegen. Du hast unsere Hauskapelle geweiht und warst noch im Juni bei uns. Schön war es, mit dir unter unserer großen Linde im Hof zu sitzen und freundschaftlich über das Deine und das Unsere mit dir zu sprechen. Wie ein Mitbruder warst du unter uns und nicht wie ein Visitator von oben herab. Wir hatten immer den Eindruck, dass du uns verstanden hast, dass dich unser Leben und unsere Zukunft interessieren und sie dir ein echtes Anliegen sind.

Gerne haben wir dir geschrieben, und immer haben wir uns in deiner Nähe wohl gefühlt. Es hat uns wehgetan, dass du dann so plötzlich abgelöst wurdest und das große Jubiläum der Diözese nicht mehr als Diözesanbischof feiern durftest. Du hättest dir einen anderen Abgang verdient.

Lieber Bruder Bischof Paul, die Franziskusgemeinschaft hatte in dir ein Vorbild im christlichen Glauben, Hoffen und Lieben, weil du mit uns Christ und für uns Bischof warst. Das mögest du noch lange bleiben, auch wenn du nun sozusagen Bischofspensionist bist.

Danke zuletzt noch, dass du keine Angst vor der Welt hattest, dass du auch die "heißen Eisen" innerkirchlicher Fragen und Probleme aufgegriffen und ausgesprochen hast, dass du mutig die Dinge und Lösungen beim Namen nanntest.

Das ist kein Abschiedsbrief an dich, sondern das ist ein Wort des Dankes und der Geschwisterlichkeit.

Da ich dich schon seit Jahrzehnten kennen und wie du den gleichen Geburtsjahrgang habe - du bist allerdings um einige Monate älter und mein älterer Bruder - und da du mir nach deiner Bischofsweihe spontan mit dem Du-Wort begegnet bist, darf ich dir auch noch persönlich sagen, dass ich dich sehr schätze, dass du für mich ein "idealer Bischof" warst und bleibst, und dass dich unsere Gemeinschaft lieb hatte. Gibt es Besseres auf dieser Erde als dies, dass man geliebt wird?

Noch viele gute, erholsame, frohe und gesunde Jahre wünscht dir für die Franziskusgemeinschaft

dein Kalvarienbergbruder
Fritz Giglinger

Freitag, 12. November 2010

Bischof Paul: Das tut auch weh..


Bischof Paul Iby in Burgenland-Heute, 11.11.2010:
"Ich feiere das heutige Fest mit, aber ein bißchen mit Wehmut. Denn ich habe den Wunsch geäußert, ob ich das gesamte Programm hier durchführen könnte. Dafür hat man kein Verständnis gezeigt. Das tut auch weh."

Sonntag, 31. Oktober 2010

Alt-Bischof Iby: Viel Lob zum Abschied

Kurier, 31.10.2010:

Die burgenländische Landesregierung bedankt sich mit einem Festakt und einer Reise nach Singapur bei Alt-Bischof Paul Iby.

Landeshauptmann Hans Niessl:
"Ich verbinde mit 17 Jahren Bischof Dr. Paul Iby 17 Jahre enge Zusammenarbeit und Dialogbereitschaft. Dr. Iby steht für mich für eine Kirche des Dialoges und des Miteinanders, dieses Miteinander ist ein wichtiger Bestandteil der burgenländischen Identität! Er hat sich herausragende Verdienste um das Burgenland, gerade in seiner Funktion als Jugendbischof auch für die Republik Österreich erworben. Es gab zwischen dem Land Burgenland und Bischof Paul Iby immer eine sehr gute Zusammenarbeit."

Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl:
"Bischof Paul Iby hat sein Amt in einer für die Kirche schwierigen Zeit übernommen und seinen Wahlspruch ',omnia in caritate - alles in Liebe' konsequent gelebt. Es ist ihm gelungen, Standfestigkeit mit Weltoffenheit zu verbinden. Er hat sein Bischofsamt nicht als Manager geführt, sondern als Seelsorger, der den Menschen zugehört hat und versucht hat, ihnen zeitgemäße Antworten zu geben."

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Aus der Diskussion - Reaktionen auf Prof. Paul Zulehner

Auf das "Inserat" von Prof. Zulehner Zum Bischofswechsel in der Diözese Eisenstadt
In tiefer Trauer über das Vorgehen in der Diözese Eisenstadt und in dankbarem Respekt vor Bischof Iby.
gab es viele Reaktionen. Hier einige davon - mehr auf der Homepage von Prof. Zulehner

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Ersparen Sie uns bitte in Zukunft Ihre Zurufe. Wir Burgenländer sind nicht so blöd, daß Sie ständig versuchen müssen, uns Ihren Käse vorzukauen. Dr. Hans Trinko (8.7.2010)

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Wir sind froh darüber, dass Bischof Iby endlich geht
Lieber Herr Pfarrer,
was haben Sie mit Burgenland zu tun, dass Sie sich so aufführen. Ihnen geht doch das überhaupt nichts an wer bei uns Bischof ist. Wir sind froh darüber, dass Bischof Iby endlich geht. Wir haben um guten Nachfolger viel gebetet und jetzt haben wir ihn bekommen. Danken dem Herrn. Und Ihnen möchte ich wünschen, dass Sie die katholische Kirche verlassen, und in diese eintreten, wo Sie das alles bekommen was Sie in unserer Kirche nicht erwarten können. Für Sie wird es furchtbar sein, wenn Sie einmal vor dem Richter stehen.
Ich bete für Sie um die Gnade einer Bekehrung. (Klothilde Schreiner, 8.7.2010)

Geschätzte Frau Schreiner,
katholisch heißt für mich allumfassend. Mich geht es also etwas an, was in der Weltkirche passiert. Es betrifft mich, wenn in anderen Ländern, wie in unserer Nachbarschaft über 40 Jahre!, Christinnen und Christen verfolgt werden. Natürlich ist eine Neubesetzung eines Bischofsstuhls in Österreich vergleichsweise zu diesem Glaubensleid eine Kleinigkeit: aber eben auch wichtig. Mir ist nicht zugänglich, warum Sie derart hart über den scheidenden Bischof urteilen. Da sind die Fragen, die ich an den neuernannten Bischof gestellt habe, harmlos dagegen. Jedenfalls kenne ich viele in der wunderbaren Diözese Eisenstadt, die über die Vorgänge betroffen und traurig sind.
Ich danke für Ihr offenes Wort und Ihr Gebet um die Gnade der Bekehrung: Wer hat diese nicht schon nötig!
Ihr Paul M. Zulehner

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Über das Glaubensbekenntnis abstimmen
Sehr geehrter Herr Zulehner,
nachdem ich Ihre Auslassung zur Ernennung des neuen Eisenstädter Bischofs gelesen hatte, konnte ich des Eindrucks nicht erwehren, daß sie die röm. kath. Kirche mit einer politischen Partei oder einen Gartenverein verwechseln. Da kann man munter wählen und wenn es einem deann doch nicht in den Kram paßt, natürlich auch wieder abwählen. Vielleicht könten wir auch einmal über das Glaubensbekenntnis abstimmen? Ist Ihnen in den letzten Jahren noch nicht aufgefallen, daß sich der Wind, den die 68-er angefacht haben, sich langsam zu drehen beginnt? Das begann übrigens schon vor Benedikt XVI. Junge Leute beginnen wieder mit der Mundkommunion, junge Priester kleiden sich wieder so, daß sie als Priester jederzeit zu erkennen sind, vom Interesse an der "alten" Messe zu schweigen. Sie und "Wir sind Kirche" (wir sind das übrigens auch) können ohne "Zustimmung" des Hl. Geistes gar nichts verändern. Wenn es Gottes Wille ist, daß Sie auf dem richtigen Weg sind, dann kommt das auch ohne Sie, wenn nicht, dann können Sie machen was Sie wollen, es wird zu nichts führen.
Klaus Hildebrand (8.7.2010)

Sehr geehrter Herr Hildebrand,
ich habe – ganz gegen meine Gewohnheit – soeben auch einmal Kath.net gelesen und finde in ihrem dankenswerten eMail viele Gedanken von dort wieder. Sie haben auch Recht, dass über die Liebe Gottes zur Schöpfung und zu jedem Menschen, auch zum Atheisten und – was unser aller Chance ist – zu den Sünderinnen und Sündern, nicht abgestimmt werden kann. Da gilt ein großes lobpreisendes Deo gratias, zusammen mit allen, die sich in der Hand Gottes geborgen wissen. Dass dies auch Ihnen so geschenkt ist, erhoffe ich von unserem Gott, von dem Benedikt XVI. auf der Kanzel der Welt schrieb: Deus caritas ist. Ich bin für Ihre eMail dankbar.
Ihr Paul M. Zulehner

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Auch die andere Seite gibt es
sehr geehrter herr professor zulehner,
als praktizierende katholikin bin ich von den vorgängen in der katholischen kirche sehr betroffen und gleichzeitig sehr verärgert.
darum freuen mich immer wieder ihre offenen stellungnahmen, ihre klaren worte und das heutige inserat in "die presse"!
herzliche grüße aus tirol
mona zerlauth-gschnitzer (9.7.2010)

Sehr geschätzte Frau Zerlauth-Gschnitzer !

Danke für Ihre aufmunternde eMail. Ich bin froh, dass sich die Trauer an einem Ort sammeln kann und sichtbar wird. Das war der Hauptgrund des Inserats, Heilung für die traurigen Seelen.

Herzlich Ihr Paul M. Zulehner

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Zum Bischofswechsel in der Diözese Eisenstadt

Von Paul M. Zulehner:

In tiefer Trauer über das Vorgehen in der Diözese Eisenstadt und in dankbarem Respekt vor Bischof Iby.
Er war ein pastoraler Bischof. Nah bei den Leuten. Besuchte immer wieder Gemeinden und ihre Priester. Auch mutig war er in seiner langen Amtszeit. Als der Dialog für Österreich abgewürgt wurde, setzte er ihn als Dialog fürs Burgenland fort: Bischof Dr. Paul Iby.

75jährig geworden, reichte er seinen Rücktritt ein. Seinen Wunsch, noch das Diözesanfest am 11.11.2010 mit der Diözese feiern zu dürfen, hat er dem Nuntius vorgetragen. Dieser versprach, sich in Rom dafür zu verwenden.

Die Suche nach dem Nachfolger setzte rasch ein. Der Sekretär der Bischofskonferenz Ägidius Zsifkovics galt früh als Favorit. Kroatischer Burgenländer: allein das sprach für ihn. In der Diözese regte sich Widerstand. Eine Abordnung ging zum Nuntius. Auch zu mir kamen einzelne und Gruppen und baten mich, mich an geeigneter Stelle zu verwenden. Was ich auch tat.

Nun ist Ägidius Zsifkovics Bischof von Eisenstadt. Ihm ist nur das Beste zu wünschen, der Geist der Kraft und der Besonnenheit. Die Kirche auch in Burgenland hat es ja nicht leicht. Ob es ihm beispielsweise gelingt, die Ausdünnung der Eucharistiefeiern zu stoppen: ein Anliegen, das Bischof Paul sehr am Herzen lag und weshalb er auch nicht scheute, über den Zölibat öffentlich zu diskutieren. Ihm ist die Feier der Eucharistiefeier ein höheres Gut als das Gut der ehelosen Lebensform der römisch-katholischen Priester (bei den griecisch-katholischen ist das ja nicht der Fall).

Es ist kein Detail am Rand: So wie einst Kardinal König von der Ernennung von Groer unterwegs in Amerika aus der Presse erfahren hat, erfuhr Bischof Iby von der Ernennung seines Nachfolgers über die Kronenzeitung. Erst später rief ihn der Apostolische Nuntius an. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass dies aber nicht am Nuntius lag, sondern an einer Indiskretion aus der Regierung, wo jemand der Kronenzeitung die Nachricht verfrüht mitteilte. Es soll auch bereits eine Entschuldigung der Regierung beim Apostolischen Nuntius gegeben haben.

Dass es jetzt bei der Emeritierung von Bischof Paul Iby so rasch ging, hat mit seinen Äußerungen in den letzten Wochen zu tun. Er hat damit nicht nur bei seinen bischöflichen Mitbrüdern, sondern auch in der Bischofskongregation Unmut ausgelöst, was zur Ablösung vor dem Diözesanjubiläum am Martinsfest führte. Zudem hatte Bischof Paul ja auch in der Diözese Eisenstadt nicht nur Freunde.

Die Österreichische Kirche steckt in einer schweren Vertrauenskrise, die tief ins Kirchenvolk hineinreicht. Dabei zeigt die jüngste Pfarrerstudie, dass sehr viele im Kirchenvolk (die Pfarrer meinen drei Viertel!) der Kirchenleitung mißtrauen, nicht der Kirche und noch weniger dem Evangelium. Die Leute sind nicht so glaubenslos, wie manche sie gern hätten. Aber die Kirche macht ihnen derzeit das Glauben und noch mehr das Leben mit der Kirche nicht leicht. Die Ernennung neuer Bischöfe könnte ein Signal sein, dass Vertrauen wieder gewonnen werden will. Wurde in Eisenstadt die Chance wirklich genützt? Man wird sehen.

Dienstag, 12. Oktober 2010

"...Das Volk Gottes verhält sich also völlig anders als die Bischofskongregation in Rom..."

Leserbrief von Pfarrer Gerhard Hackl, Waldegg, N.Ö. im Nachrichtenmagazin "Kirche In" (10/2010):

"Für Bischof Dr. Paul Iby gab es bei der Verabschiedung tosenden Applaus und stehende Ovationen. Bischof Iby war überaus beliebt, weit über die Grenzen seiner Diözese Eisenstadt hinaus.

Das Volk Gottes verhält sich also völlig anders als die Bischofskongregation in Rom. Sie ließ die primitivsten Formen des Anstandes vermissen. Bischof Dr. Paul Iby musste den Namen seines Nachfolgers zuerst aus den Medien erfahren und sein Wunsch, das 50-jährige Diözesanjubiläum noch als Diözesanbischof feiern zu können, wurde einfach ignoriert. Ist das der Dank?

Wo ist da der HEILIGE GEIST spürbar? Ganz deutlich beim Volk Gottes! Die Bischofskongregation sollte sich rasch bei Bischof Dr. Paul Iby und dem Diözesanvolk des Burgenlandes für ihr erschütterndes Verhalten, das mit Recht Zorn und Empörung hervorrief, entschduldigen!"

Montag, 27. September 2010

Dialog mit Gott und den Menschen

Der von Bischof Paul Iby 1999 initierte "Dialog für Burgenland" war von Anbeginn an fest verwurzelt in einem "Dialog mit Gott".
Das zeigt eindrucksvoll sowohl das Motto des Dialogs "Dialog mit Gott und den Menschen - Dialog für Burgenland" als auch das Gebet für den Dialog.

Gebet:

Gott, wir sind deine Kirche.
Wir sind dein Volk, unterwegs in eine neue Zeit.
Unser Land hat seine Geschichte,
eine Vergangenheit mit Licht und Dunkel.
Doch immer bist du unser Gott.

Wir bitten dich um deinen Heiligen Geist.
Wir wollen unser Leben erneuern.
Wir wollen unsere Gemeinschaft stärken
durch Gebet, Arbeit und Gespräch.
Wir werden es aus eigener Kraft nicht schaffen.
Wir vertrauen auf deine Hilfe.
Erneuere unsere Kirche.
Lass uns auf dein Wort hören
und Jesus Christus nachfolgen.

Hilf, dass wir uns richtig einschätzen.
Lass uns zusammenwachsen zu einer Familie,
damit wir uns gemeinsam auf das
Kommen deines Reiches vorbereiten.
Der du lebst und unser Gott bist für immer.
Amen.

Sonntag, 26. September 2010

Rückblick ohne Zorn: Paul Iby – Abschied nach 18 Bischofsjahren

Als „Kirchenrebell“ sieht sich der scheidende Diözesanbischof von Eisenstadt, Paul Iby nicht – und dennoch war er in vielen Dingen das, was man „unangepasst“ nennen könnte:
Er sprach sich für die Möglichkeit der Weihe von verheirateten Männern („viri probati“) zu Priestern aus, plädierte für eine Enttabuisierung des Themas „Frauenpriestertum“, forderte als Jugendbischof die Jugend auf, „unbequem“ zu sein und rief in einem eigenen „Dialog für das Burgenland“ dazu auf, mutig über die Zukunft der Kirche nachzudenken. „Orientierung“ ruft einige Stationen des bischöflichen Wirkens von Paul Iby in Erinnerung.

Paul Iby im aktuellen „Orientierung“-Interview mit Christoph Riedl: Am 25. September wird mit Ägidius Zsifkovics ein neuer Diözesanbischof von Eisenstadt geweiht – früher als von Vorgänger Paul Iby gedacht. Dieser wollte eigentlich bis zum Abschluss des diözesanen Jubiläumsjahres („50 Jahre Diözese Eisenstadt“) im Amt bleiben, doch Rom wollte es anders.

Im „Orientierung“-Interview äußert sich der scheidende Bischof zu seiner vorzeitigen Abberufung, übt Kritik am innerkirchlichen Auswahlprozess in puncto „Bischofsernennung“ und spricht über den „dringenden Handlungsbedarf“ der römisch-katholischen Kirche.

Samstag, 25. September 2010

ORF-Burgenland über die Bischofsweihe

Große Weihe: Ägidius Zsifkovics wird Bischof
Ägidius Zsifkovics wird heute zum Diözesanbischof von Eisenstadt geweiht. Die Weihe ist ein kirchliches Großevent mit vielen Sprachen, vielen Gäste, viel Tradition und viel Symbolik.

"So sei unsere Kirche eine einladende Kirche"

Johannes Kohl,
Generalvikar von 01.08.1993 bis 09.07.2010


Als langjähriger Mitarbeiter im Bischofshof und noch viel länger im Dienst eben dieser Kirche grüße ich den neugeweihten Diözesanbischof sehr herzlich und wünsche für seine verantwortungsvolle Aufgabe Gottes reichsten Segen.

Ein neues Kapitel der Diözesangeschichte beginnt mit dem heutigen Tag. Die Aufgabe jedoch bleibt dieselbe: Sich ganz und gar für Jesus Christus und seine Kirche einzusetzen. Wohl wissend: Nicht wir „machen“ Kirche, sondern Christus macht uns
zur Kirche!

So sei unsere Kirche eine einladende Kirche;• eine Kirche der offenen Türen;
• eine wärmende, mütterliche Kirche;
• eine Kirche der Kleinen, der Armen und Beladenen, der Scheiternden und Gescheiterten – im Leben, im Beruf, in der Ehe;
• eine Kirche derer, die im Schatten stehen, der Weinenden, der Trauernden;
• eine Kirche der Würdigen, aber auch der Unwürdigen, der Heiligen, aber auch der Sünder;
• eine Kirche nicht der frommen Sprüche, sondern der stillen, helfenden Tat.
Kurzum: eine Kirche Jesu Christi!

Auf diesem Weg, Herr Diözesanbischof, wünschen wir Ausdauer, Weisheit, Gottes Kraft! „Die Gnade Jesu Christi, des Herrn,
die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit dir!“ (2 Kor 13,13)

Dienstag, 21. September 2010

Letzter Brief von Bischof Paul

Liebe Mitbrüder, Priester und Diakone,
liebe Ordensschwestern und Ordensbrüder,
Schwestern und Brüder im Herrn!

Bevor die Leitung der Diözese dem neuen Bischof übertragen wird, wende ich mich noch einmal an Euch, Schwestern und Brüder in der Diözese Eisenstadt.

Jesus erzählte seinen Jüngern das Gleichnis vom guten Hirten. Er sagte: „Wer in den Schafstall nicht nur die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.“ (Joh 10,1-2)
Ich bin durch die Tür eingetreten und möchte auch durch die Tür hinausgehen. Es war eine lange Wegstrecke, die wir miteinander gegangen sind, vom 24. Jänner 1993 bis zum 25. September 2010. Dieser Weg hatte Höhen und Tiefen, gute Höhepunkte und schmerzliche Tiefpunkte. Der Herr war mit uns unterwegs und wir mit ihm.

Ich danke Euch allen, die Ihr diesen Weg mitgegangen seid als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als Hörerinnen und Hörer, als Zustimmende oder Zweifelnde, als kritische Beobachter oder auch als Enttäuschte, wie auch immer. Das überlassen wir dem Herrn, wie er uns und unseren Weg aufgenommen hat.

Segnen möchte ich mich verabschieden und Euch meinem Nachfolger übergeben. Ein letztes Wort gebe ich euch mit. Es ist ein Wort des Apostel Paulus, das mich auf meinem Weg geleitet hat:

„Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was Ihr tut, geschehe in Liebe.“ (1Kor 16,13-14)

Mit herzlichen Segensgrüßen

+ Paul Iby e. h.
Bischof
Apostolischer Administrator

Eisenstadt, 19. September 2010

Montag, 20. September 2010

"Was er euch sagt, das tut!"

Bischof Zsifkovics stellte am 20.09.2010 der Presse seinen Wahlspruch vor. Er lautet:
"Was er euch sagt, das tut!"

"Es heißt nicht in erster Linie, was der Bischof sagt, das tut. Das wäre natürlich auch immer wieder schön, wenn man Manches davon mit hineinnimmt. Es geht hier aber wirklich um das, was Jesus sagt", so Zsifkovics in Radio Burgenland.

Der Wahlspruch seines Vorgängers Paul Iby lautete:
"Omnia in caritate - Alles in Liebe tun"

Bischof Iby im "Orientierung"-Interview

ORF-Religion:
Im „Orientierung“-Interview äußert sich der scheidende Bischof zu seiner vorzeitigen Abberufung, übt Kritik am innerkirchlichen Auswahlprozess in puncto „Bischofsernennung“ und spricht über den „dringenden Handlungsbedarf“ der römisch-katholischen Kirche.

Das Interview auf Orientierung - Video-on-Demand zum nachschauen:

Iby: "Dringender Handlungsbedarf"

ORF-Burgenland, 19.09.2010:
In der Sendung "Orientierung" hat sich der scheidende Bischof Paul Iby zu seiner vorzeitigen Abberufung geäußert und sparte dabei nicht mit Kritik. Er sprach auch über den "dringenden Handlungsbedarf" der katholischen Kirche.

Kritik am Ablauf der Bestellung
Es wäre mir schon recht gewesen, dass ich es früher erfahren hätte, als die Medien", sagte er am Sonntag in der ORF-"Orientierung", zur Bestellung seines Nachfolgers Ägidius Zsifkovics. Auch das Tempo der Ernennung stellte er zumindest infrage.

"Was ich mir gewünscht hätte ist, dass man jene Umfragen, die in letzter Zeit gemacht wurden, auch beachtet hätte", so Iby zum Prozedere bei der Bestellung seines Nachfolgers. Und weiter: "Die Kürze der Zeit zwischen der Befragung und der Ernennung lässt vermuten, dass auf diese Fragen und Antworten nicht sehr geschaut wurde."

Rolle der Frau in der Kirche überdenken
Von Rom wünschte er sich, dass man sich "intensiver und ernsthafter" mit der Rolle der Frau und den geschiedenen Wiederverheirateten auseinandersetzt. Dies könnte man in einem Dritten Vatikanischen Konzil oder "zumindest eine Bischofssynode" tun.

Donnerstag, 12. August 2010

Bischof Iby möchte Reformvorschläge in größerem Rahmen diskutieren

ORF Religion, 12.8.2010
Iby: Kirchenleitung dürfe sich Reformanliegen nicht verschließen
Der Eisenstädter Bischof zieht in der katholischen Wochenzeitung "Furche" Bilanz über seine 18-jährigeAmtszeit. Reformvorschläge seien in einem größeren Rahmen zu diskutieren, etwa einer Bischofssynode oder einem Konzil.

Die Kirchenleitung dürfe sich den Reformanliegen der Basis nicht verschließen, sondern müsse den Dialog suchen. Wörtlich sagte der Apostolische Administrator der Diözese Eisenstadt, Bischof Paul Iby: "In den letzten Jahren haben hier Auseinandersetzungen begonnen, denen wir uns nicht verschließen können." Er glaube, "dass hier das Gespräch notwendig ist, und dass von der Basis auch an die Spitzen in Rom Anliegen vorgetragen werden, die einer Behandlung bedürfen.
"Bischofssynode oder auch Konzil"

"Die Reformvorschläge könnten freilich nicht "von einer Kongregation oder von einer einzelnen Person entschieden werden", so Iby: "Das ist in größerem Rahmen zu diskutieren, ich denke hier an eine Bischofssynode und vielleicht auch an ein weiteres Konzil. "Iby nahm in dem "Furche"-Interview auch zu jüngsten Vorschlägen des 91-jährigen brasilianischen Bischofs Dom Clemente Isnard Stellung, der im Wesentlichen drei Reformpunkte einmahnte: Erstens einen neuen Modus der Bischofsbestellungen und die Notwendigkeit, auch die Laien daran zu beteiligen; zweitens Änderungen hinsichtlich der Lebensform der Priester einschließlich des Pflichtzölibats; drittens die Stellung der Frau in der Kirche. Iby dazu wörtlich: "Dom Clementes Vorschläge sind mutig; ich glaube, dass dieser Bischof in seiner Weisheit des Alters nicht persönliche Probleme, sondern Probleme der Kirche, die ihn bewegen, formuliert hat."
"Sandwich-Position"

Angesprochen auf seine eigene jüngste Äußerung nach einer Lockerung des Pflichtzölibats meinte Iby: "Ich habe meine persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht. Die Reaktionen darauf werte ich nicht als Beifall zu einer modernen Äußerung, sondern als Bestätigung: Ja, das sind Anliegen, die uns bewegen und wo wir von der Kirche Lösungen erwarten." Sein Amt als Bischof und die damit verbundene Mittlerrolle zwischen Rom und Heimatdiözese beschrieb Iby als "Sandwich-Position". Nachsatz: "Vor allem, wenn ich das Beharren auf Tradition von Rom, das sehr stark ist, hernehme, und auf der anderen Seite brodelt es an der Basis, wegen dieser Fragen." Aber es wäre schade, "wenn es hier zu Spaltungen käme".
Kirche viel Vertrauen verloren

Die auf dem Tisch liegenden Fragen und Anliegen der Basis "müssen bearbeitet, diskutiert und entschieden werden". Zum Thema Missbrauch räumte Iby ein, dass die Kirche viel Vertrauen verloren habe. "Das wiederzugewinnen bedarf vieler Arbeit." Zur Frage, was ihm in den 18 Jahren seiner Bischofszeit besonders wichtig gewesen sei, nannte Iby drei Punkte: "Das Erste war, überhaupt ein Zugehen auf die Menschen ohne Barrieren zu ermöglichen. Das war am Anfang nicht leicht." Zweitens sei er mit der Jugend "wirklich in Kontakt gekommen".
Bildungsauftrag der Kirche

Iby erinnerte an seine Jugendbriefe oder die Sozialaktion "72 Stunden ohne Kompromiss": "Das war ein Erfolgserlebnis." Drittens wolle er den Bildungsauftrag der Kirche hervorheben. Er sei stark in den Umbau der Pädagogischen Akademie Burgenland zur Pädagogischen Hochschule involviert gewesen. Es sei "auf mühsamem Weg" gelungen, einen Teil der Lehrerausbildung im Lande zu halten. Zudem habe die Diözese Eisenstadt "auch zeichenhaft vorbildliche konfessionelle Schulen". Das sei "ein wichtiger Aspekt der Präsenz der Kirche in der heutigen Zeit".

Samstag, 31. Juli 2010

Zum Bischofswechsel in der Diözese Eisenstadt

Paul M. Zulehner:

In tiefer Trauer über das Vorgehen in der Diözese Eisenstadt und in dankbarem Respekt vor Bischof Iby.
Er war ein pastoraler Bischof. Nah bei den Leuten. Besuchte immer wieder Gemeinden und ihre Priester. Auch mutig war er in seiner langen Amtszeit. Als der Dialog für Österreich abgewürgt wurde, setzte er ihn als Dialog fürs Burgenland fort: Bischof Dr. Paul Iby.

75jährig geworden, reichte er seinen Rücktritt ein. Seinen Wunsch, noch das Diözesanfest am 11.11.2010 mit der Diözese feiern zu dürfen, hat er dem Nuntius vorgetragen. Dieser versprach, sich in Rom dafür zu verwenden.

Die Suche nach dem Nachfolger setzte rasch ein. Der Sekretär der Bischofskonferenz Ägidius Zsifkovics galt früh als Favorit. Kroatischer Burgenländer: allein das sprach für ihn. In der Diözese regte sich Widerstand. Eine Abordnung ging zum Nuntius. Auch zu mir kamen einzelne und Gruppen und baten mich, mich an geeigneter Stelle zu verwenden. Was ich auch tat.

Nun ist Ägidius Zsifkovics Bischof von Eisenstadt. Ihm ist nur das Beste zu wünschen, der Geist der Kraft und der Besonnenheit. Die Kirche auch in Burgenland hat es ja nicht leicht. Ob es ihm beispielsweise gelingt, die Ausdünnung der Eucharistiefeiern zu stoppen: ein Anliegen, das Bischof Paul sehr am Herzen lag und weshalb er auch nicht scheute, über den Zölibat öffentlich zu diskutieren. Ihm ist die Feier der Eucharistiefeier ein höheres Gut als das Gut der ehelosen Lebensform der römisch-katholischen Priester (bei den griecisch-katholischen ist das ja nicht der Fall).

Es ist kein Detail am Rand: So wie einst Kardinal König von der Ernennung von Groer unterwegs in Amerika aus der Presse erfahren hat, erfuhr Bischof Iby von der Ernennung seines Nachfolgers über die Kronenzeitung. Erst später rief ihn der Apostolische Nuntius an. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass dies aber nicht am Nuntius lag, sondern an einer Indiskretion aus der Regierung, wo jemand der Kronenzeitung die Nachricht verfrüht mitteilte. Es soll auch bereits eine Entschuldigung der Regierung beim Apostolischen Nuntius gegeben haben.

Dass es jetzt bei der Emeritierung von Bischof Paul Iby so rasch ging, hat mit seinen Äußerungen in den letzten Wochen zu tun. Er hat damit nicht nur bei seinen bischöflichen Mitbrüdern, sondern auch in der Bischofskongregation Unmut ausgelöst, was zur Ablösung vor dem Diözesanjubiläum am Martinsfest führte. Zudem hatte Bischof Paul ja auch in der Diözese Eisenstadt nicht nur Freunde.

Die Österreichische Kirche steckt in einer schweren Vertrauenskrise, die tief ins Kirchenvolk hineinreicht. Dabei zeigt die jüngste Pfarrerstudie, dass sehr viele im Kirchenvolk (die Pfarrer meinen drei Viertel!) der Kirchenleitung mißtrauen, nicht der Kirche und noch weniger dem Evangelium. Die Leute sind nicht so glaubenslos, wie manche sie gern hätten. Aber die Kirche macht ihnen derzeit das Glauben und noch mehr das Leben mit der Kirche nicht leicht. Die Ernennung neuer Bischöfe könnte ein Signal sein, dass Vertrauen wieder gewonnen werden will. Wurde in Eisenstadt die Chance wirklich genützt? Man wird sehen.