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Dienstag, 17. Juni 2014

Ging der PGR-Kongress 2014 an PA-Direktor Wüger spurlos vorbei?

Franz Josef Rupprecht, Chefredakteur der Kirchenzeitung, beim PGR-Kongress in Mariaszell
 Ziemlich unbemerkt von Medienbüro und Pastoralamt der Diözese Eisenstadt hat in Mariazell zu Christi Himmelfahrt  wieder ein österreichweiter PGR-Kongress stattgefunden. 
Bezüglich einer Vorbereitung auf diözesaner Ebene ist wenig bis nichts bekannt. Ebenso von den eigenen martinus-Berichten.

Im martinus vom 8. Juni gibt es lediglich einen Pool-Artikel des Oberösterreichers Heinz Niederleitner (Von der ‚Komm her‘-Kirche zu einer ‚Geh hin‘-Kirche) mit einem Foto "Die Delegierten aus der Diözese Eisenstadt mit Generalvikar Martin Korpitsch" sowie einem Mosaiksteinchen einer bgld. Teilnehmerin: "Es sind einige Aspekte, die ich vom PGR-Kongress mitnehme. Besonders wichtig ist mir: Freiheit wird nicht zur Last, wenn man sich gegenseitig stärkt und gegenseitig trägt."

Wo bleiben motivierende pastorale Worte des Pastoralamtsdirektors oder des Referats für Pfarrgemeinderäte? Spielen nur mehr die PGR-Vorsitzenden (=Pfarrer) eine Rolle beim "Neuen pastoralen Weges in der Diözese"? Wie ist dieses Schweigen zu einem PGR-Event zu verstehen?

Mit Wehmut erinnere ich mich an den PGR-Kongress von 2010, als ich noch als Dekanatsratsvikar gemeinsam mit dem damaligen Bischof Paul und Pastoralamtsdirektor Johann Haider sowie vielen Ratsvikaren teilgenommen und dort ein Referat gehalten habe. Ich habe auch in der Zwischenzeit immer wieder nachgefragt, was aus den Versprechungen von 2010 geworden ist, vor allem im Hinblick auf die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur Kommunion. (Siehe Blogbeiträge dazu >>)

Im Kathpress-Fokus zum Kongress 2014 habe ich wenige Vorschläge gefunden, die in unserer derzeitigen pastoralen Notstandsituation hilfreich sein könnten:

Wortgottesfeiern in Tirol
In der Diözese Innsbruck gibt es viele kleine Pfarren, die inzwischen zu Seelsorgeräumen zusammengefasst sind. Inzwischen ist es nun nicht mehr möglich, dass in allen Pfarren jeden Sonntag Eucharistie gefeiert wird. Deshalb seien in den vergangenen fünf bis sieben Jahren verstärkt Wortgottesdienstleiter ausgebildet und beauftragt worden, berichtet Michael Strebitzer von der Diözese Innsbruck.
Teams würden die Wortgottesfeiern mit Kommunionspendung vorbereiten. Von der Bevölkerung werde diese Form des Gottesdienstes gut angenommen. Nicht nur an gewöhnlichen Sonntagen, sondern auch zu den Feiertagen, wie Weihnachten oder Ostern.

Ehrenamtliche Pfarrleitung
In der Diözese Linz gibt es seit 2003 das Modell der ehrenamtlichen Pfarrleitung: Viele Pfarrer haben zwei oder noch mehr Gemeinden und können nicht mehr im nötigen Ausmaß in jeder Gemeinde vor Ort sein. Um eine Seelsorge gewährleisten zu können, die nahe bei den Menschen ist, würden ehrenamtliche Mitarbeiter mit gewissen Leitungsaufgaben betraut, erläutert Monika Heilmann vom Pastoralamt der Diözese Linz. So gebe es beispielsweise für die Liturgie verantwortliche Mitarbeiter. Diese sorgen u.a. für den Gottesdienstplan und sind für die Einteilung von Lektoren oder Kommunionhelfer verantwortlich.
In 50 Pfarren in der Diözese werde bereits das Modell der ehrenamtlichen Pfarrleitung eingesetzt, so Heilmann. Viele Ehrenamtliche würden aus ihren Berufen bereits wichtige Qualifikationen und Leitungskompetenzen mitbringen. Dazu bekämen sie freilich auch eine fundierte Ausbildung in theologischen Fragen und Sozialkompetenzen. Die Pfarrleiter würden auch durchgehend von Priestern bzw. Theologen begleitet. Von der Pfarrbevölkerung würden die ehrenamtlichen Leiter gut akzeptiert, so Heilmann. An die Grenzen stoße das Modell allerdings dort, wo Pfarrer nicht teamfähig sind.
Quelle: Kathpress

Mittwoch, 23. Mai 2012

Wie gingen die PGR-Wahlen wirklich aus?

Die Einladung der Pfarrgemeinderäte zum Pontifikalamt am Pfingstmontag im Eisenstädter Martinsdom sowie zur Andacht mit Sendung machen mich neugierig über den tatsächlichen Ausgang der PGR-Wahl.

Bis spätestens 29. April 2012 hätten die Ergebnisses der konstituierenden Sitzungen des Pfarrgemeinderates und des Wirtschaftsrates an das Bischöfliche Ordinariat gesendet werden müssen.

Auf martinus.at erfährt man noch immer nur das vorläufige Endergebnis vom 19. März, wobei in der PDF-Statistik zur PGR-Wahl keine Zahlen für die Pfarren Kaisersteinbruch, Potzneusiedl, Weiden/See, Wimpassing, Neufeld/Leitha, Unterpullendorf, Heiligenbrunn und Neuberg angegeben sind.

Freitag, 30. März 2012

Schönborn bestätigt Pfarrgemeinderat von Stützenhofen

Diözesanleitung bestätigt Wahlergebnis in Stützenhofen
Presseerklärung von Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn zu den Pfarrgemeinderatswahlen in Stützenhofen.

Pressemeldungen:

Schönborn: Homosexueller darf Pfarrgemeinderat werden
Florian Stangl wird nun doch Pfarrgemeinderat im niederösterreichischen Stützenhofen. Kardinal Christoph Schönborn erklärte am Freitag in einer Stellungnahme, der Bischofsrat habe „einhellig beschlossen“, dass es keinen Einspruch gegen die Wahl des bekennenden Homosexuellen geben werde.
Weiter auf Religion.orf.at >>

Erzdiözese bestätigt schwulen Pfarrgemeinderat
Ein 26-Jähriger, der in einer eingetragenen homosexuellen Partnerschaft lebt, darf nun Pfarrgemeinderat in einer Weinviertler Gemeinde werden.
Weiter auf Die Presse >>

Stützenhofen: Pfarrer soll Journalist bedroht haben
Der Pfarrer, der einen Homosexuellen als Pfarrgemeinderat ablehnte, soll einen Journalisten in dessen Haus aufgesucht und bedroht haben. Der Redakteur hatte geschrieben, dass der Pfarrer "beurlaubt" sei.
Weiter auf Die Presse >>

Dienstag, 27. März 2012

Schwuler im Pfarrgemeinderat? Kardinal lässt prüfen

Ein Homosexueller, der in eingetragener Partnerschaft lebt, wurde mit großer Mehrheit in den Pfarrgemeinderat gewählt. Nach Kirchenregeln dürfte er kein Kandidat sein.
Kardinal Christoph Schönborn als Troubleshooter einer 102-Seelen-Gemeinde im Weinviertel: Aus Kärnten, wo die Bischöfe tagen, muss er telefonische Anweisungen wegen der Pfarrgemeinderatswahl in der kleinsten Gemeinde seiner Erzdiözese geben. Was passiert ist? Mit 94 von 142 Stimmen wurde ein junger Mann gewählt, der in eingetragener Partnerschaft mit einem Mann lebt.

Nach den Kirchenregeln dürfte er kein Kandidat sein. Schönborn lässt den Fall prüfen. Pfarrer Gerhard Swierzek wartet auf den Entscheid. Er betont, dem jungen Mann dankbar für das Engagement im Kirchenchor zu sein.
Dechant George van Horick: „Wenn wir die Erlaubnis für Leute als Kandidaten haben, die geschieden und wieder verheiratet sind, können wir Menschen, die homosexuell veranlagt sind und das leben, eine Kandidatur nicht verwehren."
Presse >>

Pfarre Stützenhofen: Warten auf den Segen
Kirchgang: Ein Ort hofft und bangt. Für seinen vielleicht ersten homosexuellen Pfarrgemeinderat.
Beitrag im Kurier vom 26.3. >>

Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel
Die Plattform „Wir sind Kirche“ stellt fest: Florian Stangl ist zu danken, dass er bei der Pfarrgemeinderatswahl in Stützenhofen kandidiert hat. Der überwältigende Zuspruch an Vertrauen gegenüber seiner Person ist zu respektieren. Jede andere Entscheidung gefährdet die Glaubwürdigkeit der Kirche, verletzt die Menschenwürde und stellt eine Abwendung von der Botschaft Jesu dar.
Beitrag von Wir-sind-Kirche >>

Katholische Aktion OÖ: Solidarität mit abgewiesenem Pfarrgemeinderat
„Unchristlich, unsolidarisch und unklug“ nennt Bert Brandstetter, der Präsident der Katholischen Aktion in Oberösterreich, in einer Presseaussendung der KA vom 22. März 2012 die Zurücksetzung eines jungen, erst am Sonntag mit großer Mehrheit gewählten Pfarrgemeinderates in Niederösterreich.
Weiter lesen >>

Stellungnahme der Erzdiözese Wien
Im Zusammenhang mit der Wahl des Pfarrgemeinderats in der Weinviertler Gemeinde Stützenhofen im Bezirk Mistelbach, teilt die Erzdiözese Wien, laut dem Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, Michael Prüller, folgendes mit:
"Derzeit prüft die Erzdiözese Wien den Wahlvorgang in Stützenhofen und versucht, auch im persönlichen Kontakt mit den Beteiligten eine Antwort zu finden, die sowohl der Integrität des Betroffenen wie auch den Regeln der Kirche gerecht wird. Dieses Gespräch wollen wir deshalb nicht über die Medien führen.
Weiter auf Erzdiözese Wien >>

Freitag, 16. März 2012

Die Stunde der Laien

DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse):

Die Aussage, 2012 gebe es keine bundesweite Wahl, ist falsch. Tatsächlich findet am Sonntag in ganz Österreich ein Wahltag statt, wenn auch allgemein eher unbemerkt: In (fast) allen Pfarren Österreichs. Bei der Pfarrgemeinderatswahl schlägt die Stunde der Laien. Mehr denn je. Denn je größer der Priestermangel, umso bedeutender deren (Mit-)Arbeit. Schon jetzt leiten de facto manchmal Laien Gemeinden, in die Priester zur Sakramentenspendung „eingeflogen“ werden. Auf absehbare Zeit wird sich das nicht ändern. Wahlen und Kirche sind keine Gegensätze: Der Papst wird gewählt, Klostervorsteher ebenso wie nun Pfarrgemeinderäte. Heuer wird Salzburgs Domkapitel aus einem päpstlichen Dreiervorschlag den Erzbischof wählen. Noch ein Privileg. Aber als Vorbild für den Rest der katholischen Welt durchaus geeignet.

Dienstag, 13. März 2012

Linz: Pfarrer nominiert "seine" Kandidaten für PGR-Wahl

Konflikt rund um PGR-Wahl in Linz-Herz Jesu
Die Erstellung der Kandidatenliste zur Pfarrgemeinderatswahl führt in der Pfarre Linz Herz Jesu zu erheblichen Differenzen. „Mir ist bekannt, dass Personen, die bis zu 30 Mal in den Wahlvorschlägen genannt wurden, nicht auf der Wahlliste aufscheinen“, sagt Roland Forster, noch bis zu der im März auslaufenden Amtsperiode Pfarrgemeinderat in Linz Herz Jesu. Er glaubt, dass diese nicht der Linie des Pfarradministrators Dietmar Neubauer entsprochen hätten und deshalb gar nicht erst kandidieren dürfen.
Weiter in der Linzer Kirchenzeitung >>



Einspruch gegen Liste in Linz-Herz Jesu
Pfarradministrator Dietmar Neubauer habe die Kandidatenliste für die Pfarrgemeinderatswahl sehr willkürlich erstellt. Auch die Dekanatsleitung will deshalb, dass die Liste neu erstellt wird.
Weiter in der Linzer Kirchenzeitung >>


Eltern wollen Pfarrer von Herz-Jesu „aussperren“
„Zutritt verboten!“ soll es künftig für Dietmar Neubauer (35), den umstrittenen Pfarradministrator der Linzer Pfarre Herz-Jesu, in der Volksschule 10 (Grillparzerschule) heißen.
OÖ-Nachrichten >>

Montag, 12. März 2012

Pfarrgemeinderatswahlen 2012: Demokratie "auf katholisch"


Video auf ORF-TV-Thek >> 

Christoph Riedl präsentiert im ORF-Religionsmagazin "Orientierung" am Sonntag, dem 11. März 2012, um 12.30 Uhr in ORF 2 u.a. folgenden Beitrag:

Pfarrgemeinderatswahlen 2012: Demokratie "auf katholisch"
Am 18. März ist es - nach fünf Jahren - wieder einmal so weit: Österreichs Katholikinnen und Katholiken werden zu den Urnen gerufen. Die Pfarrgemeinderatswahlen 2012 stehen an. Rund 30.000 Pfarrgemeinderäte sollen dabei gewählt werden. Aber immer schwieriger scheint es zu werden, engagierte Christinnen und Christen zu finden, die sich bereit erklären, für dieses Ehrenamt zu kandidieren.
Was das Engagement bremsen könnte: Einerseits haben PGR-Mitglieder in den vergangenen Jahren zwar viele wichtige Aufgaben übernommen - ganz im Sinne des Zweiten Vatikanums ("gemeinsames Priestertum aller Gläubigen") - andererseits wird, z. B. aus der Diözese Eisenstadt über "bischöfliche Rückwärtsbewegungen" berichtet, die wenig dazu angetan sind, Mut zu mehr Verantwortungsbewusstsein zu machen. So hat Bischof Ägidius Zsifkovics erst vor wenigen Monaten die PGR-Ordnung überarbeitet und dabei - deutlich merkbar - die Verantwortung der Laien zurückgenommen und teilweise sogar völlig gestrichen. Ein Bericht von Marcus Marschalek.

PGR-Wahl: Volksentscheid gegen Bischofsspruch
Als „Stück gelebte Demokratie“ wird der Pfarrgemeinderat (PGR) oft bezeichnet. Aber wie viel Demokratie ist in der katholischen Kirche möglich? Rechtsprofessor Herbert Kalb antwortete auf die Fragen von religion.ORF.at >>.


Archiv:
Begegnung & Dialog, 19. September 2011
Bischof Zsifkovics erlässt neues PGR-Statut mit wesentlichen Änderungen

Vergleich der diözesanen Pfarrgemeinderatsstatuten 

Mittwoch, 9. November 2011

Unsere Bischöfe nehmen die Pfarrgemeinderäte und das Kirchenvolk nicht ernst

Jetzt sitzen sie wieder beisammen, die hochwürdigsten Herren Bischöfe - bei der diesjährigen Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz. Vollmundig und salbungsvoll werden sie angesichts der bevorstehenden Pfarrgemeinderatswahlen im März 2012 die große Bedeutung und Wichtigkeit der Pfarrgemeinderäte betonen. Gleichzeitig scheren sie sich keinen Deut um deren Anliegen, Sorgen und Nöte. 

So wurden die Anliegen der Delegierten des PGR-Kongresses im März 2010 in Mariazell in keiner sichtbaren Weise aufgegriffen, wurden keine zufriedenstellenden Lösungen entwickelt. Obwohl die Bischöfe versprochen haben, sich der diskutierten Themen konkret anzunehmen.

Nur ein Beispiel: Die Bischöfe haben erklärt, dass sie bereits für den November 2010 (!) neue Vorschläge für die seelsorgliche Begleitung von Geschiedenen und Wiederverheirateten erarbeiten. Zu Weihnachten 2010 verschickte der zuständige PGR-Referatsbischof Dr. Alois Schwarz einen Brief an die PGR-Kongress-TeilnehmerInnen und vertröstete, dass eine Arbeitsgruppe am Arbeiten sei. Seither ist fast ein Jahr vergangen und geschehen ist nichts.

Wenn ich an diesen ignoranten Umgang der Bischöfe mit den Anliegen des überwiegenden Teiles des Kirchenvolkes und den tausenden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarren denke, kommt mir immer wieder ein bekanntes Zitat vom ehemaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk in den Sinn, mit dem er die Parteibuchwirtschaft in der Schulpolitik anprangerte.

Hintergrund:

Kardinal Schönborn präsentierte Ergebnisse des Kongresses der Pfarrgemeinderäte in Mariazell - Kommission soll bis November Vorschläge erarbeiten
Wien (KAP 17.05.2010) Österreichs Bischöfe wollen neue Vorschläge für die seelsorgliche Begleitung von Geschiedenen und Wiederverheirateten erarbeiten. Das hat Kardinal Christoph Schönborn am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien angekündigt. Eine bischöfliche Kommission unter Leitung des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser sei bereits eingesetzt worden, bis zur Vollversammlung der Bischofskonferenz im November 2010 sollen konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen, so Schönborn.

Was wird aus dem Mariazeller PGR-Kongress?
Zu Weihnachten 2010 richtete sich Referatsbischof Dr. Alois Schwarz an die Delegierten von Mariazell und informierte über "Beschlüsse", die bei der Herbst-Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz gefasst worden waren. Und seine eigene Feststellung:
"Angesichts manch großer Erwartungen mögen diese Dinge als kleine Schritte erscheinen. Aber wir sind auf einem gemeinsamen Weg."

Aktuell:
Bischöfe wirken nach Konferenz ratlos und sehen die Sorgen nicht

Samstag, 1. Oktober 2011

Bischof Zsifkovics: "Die Kirche braucht euch" - Zum Zuhören

Dankwallfahrt der Pfarrgemeinderäte: „Die Kirche braucht euch“
Festgottesdienst und Begegnung in Oberpullendorf anlässlich der zu Ende gehenden Pfarrgemeinderats-Periode mit Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics
Beitrag auf martinus.at >>

Bereits ein halbes Jahr vor dem Ende der PGR-Periode wurde der Abschied gefeiert.
Die Pfarrgemeinderäte kamen dabei in den Genuss einer konzertanten Messe unter der Leitung von Diözesanmusikdirektor Dolezal. Zuhören und leisetreten ist angesagt.

Montag, 19. September 2011

Bischof Zsifkovics erlässt neues PGR-Statut mit wesentlichen Änderungen

Die bevorstehenden Pfarrgemeinderatswahlen im März 2012 werfen im Burgenland ihre Schatten voraus. Bischof Zsifkovics hat das Statut sowie die Wahl- und Geschäftsordnung für den Pfarrgemeinderat in der Diözese Eisenstadt neu erlassen. Dies erfolgte im Alleingang. Ohne Einbindung und Beschluss des Pastoralrates, so wie es das bisherige Statut vorsah.

Die zum Teil erheblichen Veränderungen bringen eine klerikale und autoritäre Gesinnung zum Ausdruck, die die neuen Pfarrgemeinderäte nicht gerade zur ehrenamtlichen Mitarbeit ermutigen dürfte.

Einige wichtige Änderungen im Überblick:
  1. Gleich in § 1 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Pfarrgemeinderat nur eine "beratende Funktion" hat.
  2. Bisher zählte zu den Aufgaben des Pfarrgemeinderates auch, die Pfarrgemeinde nach außen zu vertreten. Diese Vertretung nach außen wurde im § 3 gestrichen.
  3. Das Familienwahlrecht wurde ersatzlos gestrichen.
    Anmerkung: Familienwahlrecht bedeutete, dass die Eltern für ihre Kinder die noch nicht selbst wahlberechtigt waren, für sie wählen konnten.
  4. Der Bischof hat ein neues, zusätzliches Kriterium für das passive Wahlrecht (=Möglichkeit gewählt zu werden) eingeführt. Der Kandidat muss "in und mit der Kirche leben".
    Das ist eine äußerst zweifelhafte Bestimmung, die viele Fragen aufwirft:
    * was heißt das ganz konkret "in und mit der Kirche leben"?
    * wer beurteilt, ob jemand "in und mit der Kirche lebt"?
    * wie kann sich jemand gegen eine negative Beurteilung wehren?
    * hat hier der Bischof vorgebeugt, um ihm z.B. unliebsame Pfarrgemeinderäte, Geschiedene und Wiederverheiratete leichter los werden zu können bzw. erst gar nicht zu bestätigen?
  5. Der Wirtschaftsrat ist bei der Vermögensverwaltung nur mehr unterstützendes Organ des Pfarrers und nicht wie bisher entscheidungsbefugtes Organ. Bei der zunehmenden Überlastung der Pfarrer in Seelsorgsräumen ist das Realitätsverweigerung.
  6. Die pastorale Schieds- und Appellationsstelle wurde abgeschafft.
  7. Änderungen des Statutes für den Pfarrgemeinderat können nur mehr durch den Bischof allein erfolgen. Bisher galt folgende Regelung: Eine Änderung kann nur im "Pastoralrat erfolgen und bedarf einer Zweidrittelmehrheit und der Genehmigung des Diözesanbischofs".
Bischof Zsifkovics und sein Moderator zitieren gerne das Kirchenrecht. Auch das Statut beginnt mit dem ausdrücklichen Hinweis auf den can. 536 CIC. Doch die "Anhörung des Priesterrates", die dort auch nahegelegt wird, dürfte überlesen worden sein; denn diesen gibt es erst seit wenigen Tagen.

Can. 536 — § 1. Wenn es dem Diözesanbischof nach Anhörung des Priesterrates zweckmäßig scheint, ist in jeder Pfarrei ein Pastoralrat zu bilden, dem der Pfarrer vorsteht; in ihm sollen Gläubige zusammen mit denen, die kraft ihres Amtes an der pfarrlichen Seelsorge Anteil haben, zur Förderung der Seelsorgstätigkeit mithelfen.
§ 2. Der Pastoralrat hat nur beratendes Stimmrecht und wird durch die vom Diözesanbischof festgesetzten Normen geregelt

Auszug & Textvergleich

 PGR-Statut 2011 PGR-Statut 2006
Dieses Statut, die Wahl- und Geschäftsordnung… wurden vom hochwst. Herrn Diözesanbischof am 22. Juli 2011 mit sofortiger Rechtswirksamkeit in Kraft gesetzt.. Die Texte wurden im Pastoralrat der Diözese Eisenstadt beraten und vom Herrn Diözesanbischof um 8. September 2006 bestätigt und in Kraft gesetzt.
1. Der Pfarrgemeinderat 1. Der Pfarrgemeinderat
§ 1 § 1
Der Pfarrgemeinderat (PGR) ist im Sinne von can. 536 CIC ein Gremium mit beratender Funktion, das für das Leben und die Entwicklung der Pfarrgemeinde Mitverantwortung trägt. Zusammen mit dem Pfarrer gestalten gewählte und berufene Frauen und Männer das Pfarrleben als Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung aller Gläubigen und wirken so am Leitungsdienst mit. Der Pfarrgemeinderat (PGR) ist im Sinne von can. 536 CIC ein Gremium, das für das Leben und die Entwicklung der Pfarrgemeinde Verantwortung trägt. Zusammen mit dem Pfarrer gestalten gewählte und berufene Frauen und Männer das Pfarrleben als Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung aller Gläubigen und wirken so am Leitungsdienst mit.
2. Aufgaben 2. Aufgaben
§ 3 § 3
Der PGR sorgt sich um die personellen, räumlichen und finanziellen Voraussetzungen der Pfarrgemeinde, bemüht sich um Informationen, Meinungsbildung und Austausch von Erfahrungen, stimmt die Interessen der Einzelnen und Gruppen aufeinander ab, koordiniert deren Aktivitäten und gewährleistet die Vielfalt des pfarrlichen Lebens. Der PGR sorgt sich um die personellen, räumlichen und finanziellen Voraussetzungen der Pfarrgemeinde, bemüht sich um Informationen, Meinungsbildung und Austausch von Erfahrungen, stimmt die Interessen der Einzelnen und Gruppen aufeinander ab, koordiniert deren Aktivitäten, gewährleistet die Vielfalt des pfarrlichen Lebens und vertritt die Pfarrgemeinde nach außen.
3. Zusammensetzung 3. Zusammensetzung
§ 7 § 6
(1) Amtliche Mitglieder... (1) Amtliche Mitglieder...
Sofern in einer Pfarre ein/e hauptamtliche/r Laienreligionslehrer/in tätig ist, kann diese/r dem Pfarrgemeinderat gleichfalls als amtliches Mitglied angehören. Sofern in einer Pfarre ein/e hauptamtliche/r Laienreligionslehrer/in tätig ist, gehört diese/r dem Pfarrgemeinderat gleichfalls als amtliches Mitglied an.
(2) Gewählte Mitglieder... (2) Gewählte Mitglieder...
Durch Beschluss des Wahlvorstandes kann das Familienrecht in Anspruch genommen werden.
Das passive Wahlrecht haben alle Wahlberechtigten, die... das Sakrament der Firmung empfangen haben,
in und mit der Kirche leben
und, falls keine Urwahl stattfindet, ordnungsgemäß zur Wahl vorgeschlagen wurden...
Das passive Wahlrecht haben alle Wahlberechtigten, die... das Sakrament der Firmung empfangen haben und, falls keine Urwahl stattfindet, ordnungsgemäß zur Wahl vorgeschlagen wurden...
§ 16 § 16
In der Vermögensverwaltung der Pfarre unterstützt der Wirtschaftsrat den Pfarrer gemäß can. 537 CIC. ….. Die Vermögensverwaltung nimmt der Wirtschaftsrat der Pfarre gemäß ca. 537 CIC wahr…….
6. Rechtszug gegen Entscheidungen der Organe der Pfarre 6. Rechtszug gegen Entscheidungen der Organe der Pfarre
§ 21 § 21
Verweigert der Pfarrer nach eingehender Diskussion einem Antrag unter Angaben von Gründen seine Zustimmung, ist in dieser Sitzung eine Beschlussfassung nicht möglich... Verweigert der Pfarrer nach eingehender Diskussion einem Antrag unter Angaben von Gründen seine Zustimmung, ist in dieser Sitzung eine Beschlussfassung nicht möglich...
Wird duch die Vermittlung des Dechanten innerhalb von zwei Wochen keine Einigung erzielt, ist das Bischöfliche Ordninariat anzurufen. Wird die Entscheidung des Bischöflichen Ordinariats vom Diözesanbischof bestätigt, so ist sie endgültig. Wird duch die Vermittlung des Dechanten innerhalb von zwei Wochen keine Einigung erzielt, ist die Pastorale Schiedsstelle im Bischöflichen Ordninariat anzurufen. Gegen eine Entscheidung der Schiedsstelle kann bei Vorliegen neuer Beweismittel und Argumente innerhalb von sechs Monaten die diözesane Appellationsstelle befasst werden. Wird die Entscheidung dieser Stelle vom Diözesanbischof bestätigt, so ist sie endgültig.
9. Rechtsbestimmungen 9. Rechtsbestimmungen
§ 25 § 25
Eine Änderung dieses Status kann nur durch den Diözesanbischof erfolgen. Eine Änderung dieses Status kann nur durch den Pastoralrat erfolgen und bedarf einer Zweidrittelmehrheit und der Genehmigung des Diözesanbischofs.

Link zum Pfarrgemeinderat-Statut >>   

Weiterführend:

PGR in der Erzdiözese Wien >>

Dienstag, 17. Mai 2011

Was wird aus dem Mariazeller PGR-Kongress?

Der Kongress der Pfarrgemeinderäte von 13. - 15. Mai 2010 in Mariazell hatte bei den Teilnehmern und auch in den Pfarren viele Hoffnungen geweckt. Leider merkt man momentan wenig davon.

In der Diözese Eisenstadt fand das geplante Treffen zur Information der Pfarrgemeinderäte über die Mariazeller Ergebnisse bis heute nicht statt.

Zu Weihnachten 2010 richtete sich Referatsbischof Dr. Alois Schwarz an die Delegierten von Mariazell und informierte über "Beschlüsse", die bei der Herbst-Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz gefasst worden waren. Und seine eigene Feststellung:
"Angesichts manch großer Erwartungen mögen diese Dinge als kleine Schritte erscheinen. Aber wir sind auf einem gemeinsamen Weg."

Schaut man sich die "Beschlüsse" genauer an, erkennt man einen "gemeinsamen Weg" leider nicht. Altes wird zaghaft und kraftlos wiederholt oder in weiter Ferne ins Auge gefasst; die Hoffnung auf eine lebendige Zukunft der Kirche kommt nicht durch:

1. Gearbeitet wird an einem vertieften Verständnis der sich verändernden Rolle der Pfarrgemeinderäte...
2. Die Pfarrgemeinderäte werden eingeladen, den Weg 2007-2012 erneut zu bedenken, niederzuschreiben und dem Heiligen Vater zu übergeben...
3. Umfangreiche Angebote zur Startbildung der Pfarrgemeinderäte nach der Wahl 2012 werden erarbeitet...
4. Eine Wallfahrt und ein Kongress ist für 2013/2014 ins Auge gefasst...
5. Die Arbeitsgruppe zur Frage der Wiederverheirateten Geschiedenen ist an der Arbeit...



pgr.at-Bericht vom PGR-Kongress
„Wo Gott ist, ist Zukunft – Der Beitrag der Pfarrgemeinde für eine lebendige und missionarische Kirche in der Welt von heute“
Wallfahrt und Kongress der Pfarrgemeinderäte von 13. - 15. Mai 2010 in Mariazell

KathPress-Dossier
Pfarrgemeinderäte tagten in Mariazell
Vom 13. bis 15. Mai kamen rund 500 Delegierte aus ganz Österreich zu einem großen Kongress in Mariazell zusammen

Linzer Kirchenzeitung
Mariazell-Delegierte wollen neue Seelsorge-Leitlinien für Wiederverheiratete 

Freitag, 17. Dezember 2010

Kohlmaier: Scheitert die Kirchenreform am Bischofsgehorsam?

Nach der empörenden Zurechtweisung einer Salzburger Gemeinderatsinitiative durch Erzbischof Kothgassner machte Herbert Kohlmaier, Obmann der Laieninitiative, einige grundsätzliche Überlegungen:
Kirchenreform und Bischofsgehorsam - ein unauflösbarer Wiederspruch?

Hintergrund:
Auf die in einer Pressekonferenz am 23.11. publizierten Reformideen der Pfarrinitiative Taxham antwortete Erzbischof Alois Kothgasser mit der Erklärung "Für wahre Erneuerung in der Kirche". Auszüge daraus:
"Gemeint mit „Ecclesia semper reformanda“ ist aber sicher nicht eine „Reformation“. Deshalb ist die Einheit mit und in der Kirche ein untrügliches Zeichen wahrer und echter Erneuerungsbestrebung. [...]
Die vorliegende „Erklärung von Delegierten aus Salzburger Pfarrgemeinderäten und der Taxhamer PGR-Initiative“ ist diesbezüglich (d.h. einer klaren Entscheidung zur Mitarbeit... gemeinsam mit dem Papst...) wenig hilfreich und widerspricht direkt kirchlichen Weisungen. Die Mitarbeit in der Sorge um das Wohl und Heil der Menschen setzt die Annahme und das Mittragen der von der Weltkirche gesetzten Bedingungen voraus."


Beitrag dazu auf kathweb.at, 7.12.2010
Kothgasser: Reformen nur innerhalb gesamtkirchlicher Ordnung

Salzburger Erzbischof kritisiert in offizieller Stellungnahme publizierten Reformideen der Pfarrinitiative Taxham: "Durch das Stellen von Forderungen löst man keine Probleme"

Aus der Presseinformation der Taxhamer Pfarrinitiative:
Ab 2013 werden nur noch 17 statt bisher 27 Priester in der Stadt Salzburg in der Seelsorge tätig sein. Die nachhaltige Seelsorge vor Ort ist in Gefahr.

Bei der erweiterten Stadtteilkonferenz am 19.09.2010 in Salzburg wurden die Pfarrgemeinderäte aufgerufen, über die Pfarrverbände zu beraten und die Ergebnisse an das Seelsorgeamt zu leiten. Diesem Aufruf folgend, haben sich auf Initiative des Pfarrgemeinderates Taxham am 19.11.2010 Delegierte aus den Pfarrgemeinderäten der Stadt Salzburg getroffen und einen zukunftsorientierten Alternativplan zu den von der Erzdiözese vorgesehenen Pfarrverbänden erstellt:

ERKLÄRUNG
von Delegierten aus Salzburger Pfarrgemeinderäten
vom 19.11.2010 und der Taxhamer PGR-Initiative

• Der von der Kirchenleitung vorgelegte Plan (Pfarrverbände) überfordert hauptamtliche MitarbeiterInnen, belastet Ehrenamtliche und lässt die Gläubigen im Stich. Insbesondere gewährleistet er nicht die Nachhaltigkeit der Seelsorge.

• Wir Pfarrgemeinderäte wurden eingeladen, kreativ mitzuarbeiten. Dieses Angebot mitzugestalten nehmen wir im Bewusstsein unserer Verantwortung gerne an.

• Wenn die Kirche ihre Aufgaben wahrnehmen will, braucht sie kleinräumige Seelsorgeeinheiten und ausreichend SeelsorgerInnen vor Ort. Daher schlagen wir folgende Maßnahmen vor:
  1. Unverzüglich wird geprüft, welche außer Amt stehende Priester fähig und willens sind, ihr Amt wieder auszuüben, damit sie ab Herbst 2011 vom Bischof wieder in der Pastoral eingesetzt werden.
  2. Geheimgehaltene Beziehungen von Priestern sind eine Tatsache. Um die Glaubwürdigkeit der Kirche in diesem Punkt wieder herzustellen, wird bis Herbst 2011 ein Modus gefunden, wie man bestehende Beziehungen von Priestern zu Frauen anerkennt und die Priester ihr Amt weiter ausüben können.
  3. Die Lebensform darf kein Hindernis für die Weihe zum Priester sein. Berufene Menschen entscheiden sich in freier Wahl für das zölibatäre oder das Eheleben.
  4. Berufenen Frauen werden - wie in den Schwesterkirchen möglich - zu Diakoninnen geweiht.
  5. Im Bewusstsein, dass die angeführten Maßnahmen eine gewisse Vorlaufzeit brauchen und um die Qualität der Seelsorge zu gewährleisten, werden ab Mai 2011 geeignete Personen (Personae probatae) vom Erzbischof beauftragt, im Gottesdienst das Wort Gottes zu verkündigen, zu taufen, Eheschließungen zu assistieren und Begräbnisse zu leiten.

    Beschlussfassung einhellig mit einer Enthaltung

    Homepage der Pfarre Taxham
    Aktuelles Pfarrblatt "Blickpunkt-Taxham"

Dienstag, 28. September 2010

Anliegen, Sorgen und Betroffenheit der Menschen sind kein Gulasch

Wie bereits bei der Pressekonferenz am 20.09.2010 hat der neue Bischof Ägidius Zsifkovics bei der ORF-Sendung „Orientierung“ am 26.09.2010 bei den Themen
• Geschiedene, Wiederverheiratete
• Pflichtzölibat für Priester
• Stellung bzw. Weihe der Frau
den Vergleich mit dem Gulasch herangezogen. Dieser Vergleich sorgt zum Teil für Unverständnis, handelt es sich doch bei diesen Themen um Anliegen, von denen sehr viele Menschen betroffen sind – bereits jahrzehntelang diskutiert aber bislang unerledigt.

Aus dem Interview:
Orientierung:
Die Weihe von Frauen, der Pflichtzölibat für Priester oder der Umgang mit Geschiedenen, Wiederverheirateten - wie will der neue Bischof von Eisenstadt mit den bekannten heißen kirchenpolitischen Eisen umgehen?

Zsifkovics:
„Da bin ich auch wirklich ein typischer Burgenländer. Wir wissen, das Aufgekochtes nicht immer geniesslich ist und es ist selten, dass etwas besser wird je öfter man es aufkocht, außer das Gulasch. Und ich denke ich möchte hier auch wirklich diesen klaren Weg auch der Kirche gehen.
Es gibt auch eine Lehre der Kirche dazu und als Bischof – und das verspreche ich auch bei der Bischofsweihe – dass ich auch mit dieser Lehre der Kirche einverstanden bin und das ich sie auch zu lehren, zu schützen und auch zu verteidigen habe und deshalb sehe ich hier überhaupt keinen Widerspruch.“

Die Bischöfe haben beim gesamtösterreichischen Kongress der Pfarrgemeinderäte in Mariazell (Mai 2010) anders gesprochen. Im Gegenteil: Es wurden konkrete Initiativen versprochen.
In der KATHPRESS-Sonderpublikation zum PGR-Kongress vom 17. Mai 2010 heißt es:

Österreichs Bischöfe wollen neue Vorschläge für die seelsorgliche Begleitung von Geschiedenen und Wiederverheirateten erarbeiten. Das hat Kardinal Christoph Schönborn angekündigt. Eine bischöfliche Kommission unter Leitung des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser sei bereits eingesetzt worden, bis zur Vollversammlung der Bischofskonferenz im November 2010 sollen konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen, so Schönborn.
Die neue Initiative ist ein konkretes Ergebnis des Kongresses der österreichischen Pfarrgemeinderäte in Mariazell.
Der Umgang der Kirche mit Geschiedenen und Wiederverheirateten gehöre zu jenen zahlreichen offenen Themenfeldern, „über die wir weiterhin sehr einfühlsam und von unterschiedlichen Standpunkten her sprechen müssen, um zu Lösungen zu kommen,“ sagte der Kärntner Bischof Alois Schwarz. Er nannte als weitere offene Themenfelder die Fragen der Gemeindeleitung und der Leitungsverantwortung, der kirchlichen Wertschätzung von Sexualität und Geschlechtlichkeit als Gabe und Geschenk sowie der Rolle der Frau in der Kirche.

Dienstag, 29. Juni 2010

"Wie geht's Herr Pfarrer?"

Brandneu > Zulehner, Paul M.: „Wie geht’s, Herr Pfarrer?“
Ergebnisse einer kreuz und quer-Umfrage:
Priester wollen Reformen (Graz 2010, Styria) ist das spannende Ergebnis einer österreichweiten Studie des ORF über den Innenzustand der katholischen Kirche. In der Kirche herrscht Handlungsbedarf, Gläubige und Priester wollen Reformen. Dieses Buch bietet Anregungen.

Dienstag, 18. Mai 2010

Lasst den Worten endlich Taten folgen

„Wir sind Kirche“ unterstützt die Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte in ihren Reformforderungen, wie sie beim Pfarrgemeinderätekongress vom 13. bis 15. Mai 2010 in Mariazell ausgesprochen wurden. Die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Gläubigen haben gemeinsam mit der Jugend mehr Mitbestimmung, die Weihe von Frauen, die Freigabe des Zölibats und einen wertschätzenden Umgang mit Sexualität von der Kirchenleitung verlangt.

Damit stehen sie in einer guten Tradition. Diese Forderungen werden seit rund 80 Jahren in Österreich von Synoden aller Diözesen erhoben, wurden im Kirchenvolks-Begehren vor 15 Jahren gefordert und im „Dialog für Österreich“ mit überwiegender Mehrheit beschlossen. Was fehlt, ist die Umsetzung!

Umso erfreulicher ist es, dass verschiedene Bischöfe einen Hoffnungsschimmer aufkeimen lassen, mit Umsetzungen sei zu rechnen. „Wir sind Kirche“ begrüßt dies und weist darauf hin, dass es höchste Zeit ist, den Worten endlich Taten folgen zu lassen. „Natürlich muss die Umsetzung gut vorbereitet werden. Kein Verständnis haben aber die Leute, wenn Kommissionen ohne Ergebnis endlos tagen und Bischöfe gnädig die Prüfung der Forderungen ankündigen. Dies ist von der Wissenschaft seit Jahrzehnten bereits erfolgt und liegt in solider Form vor“, erklärt der Vorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“, Hans Peter Hurka.
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Montag, 17. Mai 2010

"Dialog muss weitergehen und strukturell abgesichert werden"

Der in Mariazell beim Pfarrgemeinderatskongress in Gang gekommene Dialog in der Kirche sollte von den Bischöfen auch strukturell abgesichert werden. Diese erste Bilanz zogen der Vorsitzende der Pastoralkommission Österreichs und Salzbruger Seelsorgeamtsleiter Balthasar Sieberer und der Pastoralamtsleiter der Diözese Gurk, Josef Marketz.
Laut Marketz sei auch deutlich geworden, dass die Pfarrgemeinderäte heute "deutlich ihren Platz einfordern, weil es auch Tendenzen der Reklerikalisierung gibt."
Sieberer bekräftigte, dass die Pfarrgemeinderäte heute ein stärkeres Selbstbewusstsein hätten als früher, weil sie inzwischen zu Stützen der Seelsorge geworden sind.
(KAP)

Samstag, 15. Mai 2010

Pfarrgemeinderäte zwischen Frustration und Aufbruch

Mariazell, 15.05.2010 (KAP) Die österreichischen Pfarrgemeinderäte scheinen zwischen Frustration und Aufbruch hin und her gerissen zu sein. Dies ist nicht nur ein Ergebnis der großen Pfarrgemeinderats-Studie, sondern zugleich auch jener Eindruck, der nach den ersten beiden Tagen des Kongresses der österreichischen Pfarrgemeinderäte gemeinsam mit dem österreichischen Episkopat in Mariazell bleibt. Mehr noch: er findet sich in dieser Form auf jenen großflächigen Zettelwänden dokumentiert, auf die die rund 550 Delegierten der österreichischen Pfarrgemeinderäte ihre Wünsche, Ängste, Sorgen, auch ihren Zorn über ausbleibende Reformen niederschreiben durften.
Weiterlesen auf der Kathpress-Doku des Kongresses auf Seite 14

Freitag, 14. Mai 2010

Redebeitrag am PGR-Kongress

Eduard Posch, Redebeitrag zum PGR-Kongress, Mariazell am 14.05.2010
Redemanuskript - es gilt das gesprochene Wort


Geschätzte Delegierte!
Sehr geehrte Herren Bischöfe und Mitglieder der Bischofskonferenz!

• Programmpunkt jetzt lt. offiziellem Programm: Das ist meine Situation – persönliche Erfahrungsberichte
• Meine persönliche Situation und Betroffenheit ist unter anderem auch die: Als Christ und ehrenamtlicher Mitarbeiter in unserer Kirche ist es nicht leicht, den Kopf für sie, meine Herren Bischöfe hinzuhalten. Auf dem Sportplatz, im Wirtshaus und an den verschiedenen „Areopagen der heutigen Zeit“.
Ich muss auch meinen Kopf hinhalten für einen Kardinal der vatikanischen Religionsbürokratie, der den Skandal um die Kindesmisshandlungen als Geschwätz abtut.

Jetzt ist die Zeit und der Ort Anliegen anzusprechen, die uns Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte bewegen. Jetzt muss Klartext gesprochen werden. Ich spreche jetzt sie, sehr geehrte Herren Bischöfe, ganz gezielt an, die Sie als österreichische Bischofskonferenz eine kollektive Leitungsverantwortung für unsere Kirche in Österreich haben.

Es gibt nichts schönzureden, unsere Kirche steckt in einer tiefen Krise. Es steht außer Zweifel:
Angesichts der dramatischen Entwicklung ist eine tiefgreifende Reform der Kirche unumgänglich. Eine Reform, in der alle Gläubigen einbezogen werden müssen und in der sie auch mitbestimmen können. Eine Reform, bei der vor allem auch die Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte mitzureden und mit zu entscheiden haben.

„Ich wehre mich gegen eine Diktatur einer erstarrten Tradition,“ sagt der renommierte Theologe Prof. Walter Kirchschläger.
Und weiter: „Nicht alles, was einmal an hoher oder höchster Stelle gesagt und danach immer wieder zitiert und wiederholt wurde, ist deshalb schon unverzichtbares Marschgepäck des Volkes Gottes.“

Selbst die aller engsten Mitarbeiter – nämlich die Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte - versagen der katholischen Kirchenleitung – also auch Ihnen, geschätzte Mitglieder der Bischofskonferenz - in wichtigen Bereichen die Gefolgschaft.

So lehnt z. B. eine absolute Mehrheit der Pfarrgemeinderäte den Pflichtzölibat ab. Das sagen nicht irgendwelche Menschen - das sind gleichsam die treuesten der treuen Laien, ohne die Priester auf verlorenem Posten stünden.

Prof. Paul Zulehner fasst die Ergebnisse der Umfrage unter den Pfarrgemeinderäten so zusammen: „Wir verlieren die besten Leute. Unter den Engagierten existiert eine beträchtliche Kirchendepression. Man hat den Eindruck, dass sich die Pfarrgemeinden von der Kirchenleitung im Stich gelassen fühlen.“ Der Studienautor ruft dazu auf, die Verantwortung der Laien zu stärken, statt sie zu bremsen. Man dürfe den Engagierten nicht die Lust, die Freude an der Kirche nehmen.

Die Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte sind hoch motiviert mitzuarbeiten – aber nicht um jeden Preis. Wertschätzung muss gegeben sein – diese darf sich nicht nur in schönen Worten manifestieren, sondern muss sich auch im Kirchenbild im Sinne des II. Vat. Konzils und vor allem auch im Kirchenrecht abbilden. Das bestätigt eindrucksvoll die Umfrage wenn 61 % der Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte sich wünschen, dass die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils entschlossener durchgeführt werden. Es gibt die Sorge, dass es viele Kräfte gibt, die die Kirche - von Rom ausgehend – in die Zeit vor dem II. Vat. Konzil zurückführen wollen.

Das Kirchenrecht gehört grundlegend erneuert – die geltende Kirchenverfassung ist unhaltbar:
• es widerspricht vielfach sowohl den biblischen Vorgaben und den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils
• als auch den heute allgemein anerkannten Grund- und Menschenrechten.
Es ist notwendig, eine grundlegende Erneuerung der Kirchenverfassung in die Wege zu leiten.
Das bedeutet vor allem:
• eine Abkehr vom römischen Zentralismus zugunsten einer Subsidiarität, wie sie die katholische Soziallehre einmahnt, um den Bedürfnissen der Ortskirchen zu entsprechen
• die Aufwertung beratender kollegialer und synodaler Gremien zu Instanzen mit Entscheidungsrecht, damit autoritärer Klerikalismus von geschwisterlicher Einmütigkeit abgelöst werden kann
• die Anerkennung der vollen Gleichberechtigung von Frauen und Männern und der freien Wahl ihrer Lebensform. Ehe und Priesteramt schließen einander nicht aus.

Die Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte verlangen nach echter Mitbestimmung und Mitentscheidung. Nur die Möglichkeit der Beratung ist zuwenig. Die Verantwortung der Laien gehört gestärkt, nicht gebremst. 66 % sagen, Pfarren haben Zukunft, wenn der Pfarrgemeinderat Leitungsaufgaben übernimmt und mehr Kompetenzen erhält. Prof. Zulehner meint: „Es braucht eine tiefe Reform und keinen Neoklerikalismus, der da durch manche nachkommende Priester wiederkommt, die relativ wenig Gespür für synodale Vorgänge in der Kirche haben.“

Die Kirche ist von je her sowohl hierarchisch als auch synodal strukturiert. Es gibt heute den berechtigten und massiven Druck, synodale Prinzip zu stärken – und zwar im Sinne einer echten Teilhabe und Mitent-scheidung auf allen Ebenen der Kirche.

Ich will Klartext reden – wie gestern Kardinal Schönborn verlangt hat: Echte Teilhabe, Mitwirkung und Mitentscheidung muss sich auch auf die Ernennung von Bischöfen beziehen. Ich richte den eindringlichen Appell an sie, meine sehr geehrten Herrn Bischöfe: Das burgenländische Kirchenvolk erwartet vom neuen Bischof, dass er den Weg des Dialogs, der Offenheit und der pastoralen Ausrichtung Ibys weiterführt. Uns Burgenländerinnen und Burgenländern ist keinesfalls ein Bischof zumutbar, der für einen rückwärts gewandten Kirchenkurs steht.

Im Klartext: es gibt kein Zurück hinter die Positionen von unserem Bischof Iby! Liebe Bischöfe! Bitte handeln Sie!