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Freitag, 18. August 2017

In Osnabrück und München dürfen auch Laien Pfarreien leiten


Zu wenig Priester-Nachwuchs
Laien an die Macht

Wie sollen die Bistümer auf den Priestermangel reagieren? Die meisten legen immer mehr Pfarreien zusammen, die dann von einem Priester geleitet werden. Viele sind damit unzufrieden. Neue Wege gehen nun zwei Diözesen: In Osnabrück und München dürfen künftig auch Laien Pfarreien leiten.

Von Michael Hollenbach (Quelle: Deutschlandfunk.de)

Das Bistum Osnabrück hat das Startsignal gegeben. In den kommenden Monaten sollen die ersten nicht-priesterlichen Pfarrbeauftragten die Leitung von Gemeindeverbünden übernehmen. Daniela Engelhard hat als Leiterin des Seelsorgeamtes das Konzept maßgeblich erarbeitet:

"In diesem neuen Modell, das das Kirchenrecht ermöglicht, gibt es einen Pfarrbeauftragten, der vor Ort die Leitung wahrnimmt in der Pfarreiengemeinschaft, und der auch die Dienstvorgesetzten-Rolle wahrnimmt für das Personal, aber er nimmt die Rolle wahr mit einem moderierenden Priester, der die Pfarrei begleitet."

Chefs innerhalb eines Teams - das können auch Frauen sein - sind dann Laien mit einer theologischen Ausbildung wie zum Beispiel Pastoralreferenten oder Gemeindereferenten. Im Prinzip sind sie dann auch die Vorgesetzten des Priesters.

"Es gibt aber Aufgaben im sakramentalen Bereich oder im gottesdienstlichen Bereich, die dem Priester vorbehalten sind", sagt Engelhard.

Bewährtes Modell aus Lateinamerika
Diese moderierenden Priester können pensionierte Pfarrer oder auch Schul- oder Klinikseelsorger sein, können in der Kirchenverwaltung arbeiten und müssen nicht in der Pfarrei wohnen. Möglich ist dieses Modell aufgrund eines Kirchengesetzes von 1983, dem Kanon 517,2. Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht an der Universität Münster:

"Dahinter stecken konkrete lateinamerikanische Kirchenerfahrungen. Derjenige, der als Kardinal für die Erstellung des Kodex zuständig war, hat aus Venezuela berichtet, dass dort Ordensfrauen und von Bischöfen betraute andere Seelsorge wahrnehmen, wo ein Priester nicht mehr hinkommt. Das habe sich bewährt. Und er hat es geschafft, Papst Johannes Paul II. zu überzeugen, trotz Widerstände in der Kurie diesen Kanon neu in das kirchliche Gesetzbuch aufzunehmen."

Mittlerweile gibt es weltweit 3.500 bis 4.000 Pfarreien, die von einem Laien geleitet werden. Die meisten davon in Lateinamerika, Afrika oder auch in Russland. Doch wegen des akuten Priestermangels müssen sich auch die Diözesen in Deutschland überlegen, welchen Weg sie beschreiten wollen:

"Es gibt zwei Antworten darauf: das eine war in den letzten zwei Jahrzehnten, das man einfach die Zahl der Pfarreien so angepasst hat auf die zukünftig leitungsfähigen Priester", sagt Schüller.

"Automatismus in Frage stellen"
Das bedeutet, dass die Pfarreien immer größer werden; ein Pfarrer für immer mehr Mitglieder zuständig ist. So hat beispielsweise das Erzbistum Hamburg die Anzahl von 174 Pfarreien vor 20 Jahren auf demnächst 28 sogenannte "pastorale Räume" reduziert. Dabei muss ein Pfarrer an der Spitze dieses Verbundes stehen. Einen ähnlichen Weg wie das Bistum Osnabrück beschreiten die Münchener.

"Das heißt konkret, dass wir hier im Erzbistum überlegen, in einer Erprobungsphase auch kollegiale Leitungsmodelle auszuprobieren, also wenn es keinen letztverantwortlichen Priester mehr gibt, dann ein kollegiales Leitungsteam aus Haupt- und Ehrenamtlichen zu bilden. Und damit dafür zu sorgen, dass Kirche vor Ort bleiben kann und wir nicht Strukturfragen immer mehr zum Problem der Gläubigen machen."

Robert Lappy ist im Erzbistum München zuständig für Strategie- und Organisationsentwicklung. Er betont, man wolle nicht noch mehr Pfarreien zusammenlegen. Darunter leide die Nähe zu den Menschen. Das Besondere an dem Münchener Modell: Man verzichtet auf der Ebene des Pfarreiverbundes auf eine einzelne Leitungsperson:

Wir sagen jetzt: Wir wollen erproben, ob es nicht auch möglich ist, dass ein Team kollegial gemeinsam Leitungsverantwortung wahrnimmt, ohne dass es in diesem Team einen Letztverantwortlichen gibt", sagt Lappy.

Diese Entwicklung sei natürlich auch dem Priestermangel geschuldet, räumt Robert Lappy ein. Allerdings: "Es ist auch ein Wechsel in der Sichtweise darauf, welche Kirchenbilder haben wir, welche Leitungsbilder haben wir, und bisher haben wir diese sehr deutliche Zuspitzung zu sagen: Leiten tun Priester. Und das ist so ein Automatismus. De facto muss man diesen Automatismus in Frage stellen."

Gemischte Reaktionen
Ab Herbst will man in einer dreijährigen Erprobungsphase nun mit dem neuen Modell Erfahrungen sammeln. Nicht alle Priester sind begeistert von dem neuen Konzept:

"Das gibt von zustimmenden Reaktionen bis zu sehr skeptischen reservierten und ablehnenden, erlebe ich da alles. Kann man ganz offen sagen, dass wir damit auch ein gängiges Priesterbild in die Diskussion bringen", so Lappy.

Wie den Münchener legen auch die Osnabrückern besonderen Wert darauf, die Zahl der bislang fusionierten 70 Pfarreien nicht weiter zu reduzieren, betont die Leiterin des Seelsorgeamtes Daniela Engelhard:

"Es ist uns wichtig, dass wir nahe bei den Menschen bleiben, und das geht unserer Einschätzung nach nur in überschaubaren Räumen. Wir wollen, dass auch Seelsorge weiter möglich ist nahe bei den Menschen, dass Seelsorger auch in einen guten Kontakt zu den Menschen vor Ort stehen können, und in sehr großen Einheiten besteht die Gefahr, dass die Seelsorge sich in der Anonymität auflöst."

Schon in den 90er-Jahren gab es in einigen deutschen Bistümern Ansätze, zumindest auf Gemeindeebene, Laien die Leitung zu übertragen. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller hat die Erfahrungen im Bistum Limburg wissenschaftlich ausgewertet und Gemeindemitglieder befragt:

"Ein Satz, der mir sehr einprägsam war: Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich seelsorglichen Beistand brauche und ein Licht im Pfarrhaus brennt."
"Alle Gläubigen sind gefordert, dass Kirche weiterlebt"

Insgesamt sei die Praxis der Gemeindeleitung durch Laien auf eine hohe Akzeptanz gestoßen. Doch dieser Prozess ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten wieder zurückgedrängt worden. Fast alle Bistümer haben auf die Zusammenlegung von Pfarreien gesetzt. In Osnabrück geht man nun aber einen Schritt weiter als in den 90er-Jahren. Nicht nur die Gemeinde, sondern ganze Pfarreigemeinschaften mit bis zu 8.000 Gemeindemitgliedern und zahlreichen Mitarbeitenden sollen künftig von Laien geleitet werden.

"Das ist ein weiterer Meilenstein, der auch Rollenveränderungen mit sich bringt und auch für Gemeinden eine Umstellung erfordert", sagt Daniela Engelhard.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller erwartet, dass das Osnabrücker Modell auch in anderen Bistümern Nachahmung finden wird. Denn bei der Ausdehnung der Pfarreien sei die Schmerzgrenze längst erreicht:

"Die Bischöfe haben in dem Papier 'Gemeinsam Kirche sein' schon deutlich signalisiert: Die Zeit, dass man sich allein auf Kleriker bezieht, die Zeiten sind endgültig vorbei. Alle Gläubigen sind gefordert, dass Kirche weiterlebt. Da liegt ein Paradigmenwechsel vor."


Salzburger Pastoralrat: Laien sollen Pfarren leiten
„Grünes Licht für die Einführung von ehrenamtlichen Seelsorgeteams für die Leitung von Pfarrgemeinden“ hat der Pastoralrat der Erzdiözese Salzburg gegeben. Der Beschluss wurde am Wochenende einstimmig gefasst.
Religion.orf.at vom 18.3.2013

Priestermangel: 100 Pfarren werden von Laien geleitet
LINZ. Das hohe Durchschnittsalter der Priester von 65 Jahren und der Mangel an Pfarrern zwingen die Diözese Linz zu neuen Wegen in der Seelsorge.
OÖN.at vom 25.3.2015

Mittwoch, 4. März 2015

"Die Bischöfe sollen jetzt ihre Verantwortung wahrnehmen."


„Ich mache nicht mehr mit“
Die Zeit drängt, um neue Wege in der Pfarrseelsorge zu gehen, betont Propst Johannes Holzinger. Eines will er sicher nicht mehr machen: 75-jährigen Priestern statt der Pensionierung weitere Pfarren zuteilen.

Die Seelsorge in den Stiftspfarren zu gewährleisten – darin besteht eine der Hauptaufgaben für einen Propst. Doch es wird immer schwieriger, für jede Pfarre einen Chorherren als Pfarrer zu bestellen. Und das Durchschnittsalter des Konvents ist bei 70 Jahren. Wie soll das weitergehen?
Propst Holzinger: Ich spüre das als große Last. Ich muss mich vor die Leute in den Stiftspfarren stellen und ihnen sagen: Ihr bekommt keinen Pfarrer mehr. Wie erst vor wenigen Monaten geschehen, muss ich einen 75-jährigen Mitbruder bitten, noch nicht in Pension zu gehen und zu seinen zwei Pfarren noch eine weitere dazuzunehmen. Man weiß, man darf das als Vorgesetzter nicht tun, und trotzdem ist man dazu gezwungen. Ich komme mir als unverantwortlich vor.

Warum machen Sie mit?
Holzinger: Ich werde auch nicht mehr mitmachen. Das heißt: Ich werde keinen Mitbruder mehr bitten, eine zusätzliche Pfarre zu übernehmen. Das bin ich dem Alter vieler Mitbrüder schuldig und andererseits möchte ich auf die Gesundheit der Jüngeren achten.

Wie soll es weitergehen?
Holzinger: Man muss sich eingestehen: Die Versorgung der Pfarren mit Priestern ist am Zusammenbrechen. Ich halte auch nichts davon – wie das mancherorts in Deutschland geschieht –, durch die Schaffung von Großpfarren die Behebung des Priestermangels vorzutäuschen. Was wir brauchen, sind neue Modelle. Die kann ich aber nicht machen.

Wer dann?
Holzinger: Aus meiner Sicht sind jetzt die Bischöfe gefordert. Bischof Kräutler hat Papst Franziskus von den vielen Gemeinden seiner Diözese erzählt, die wegen fehlender Priester nur ein bis zweimal im Jahr Eucharistie feiern können. Der Papst hat geantwortet: Die Bischöfe sollen kühne und mutige Vorschläge machen, wie man die Situation ändern könnte. Die Bischöfe sollen jetzt ihre Verantwortung wahrnehmen. Die Zeit drängt. Wenn der Papst schon um Vorschläge bittet, da wäre ich schneller in Rom als ein E-Mail.

Seelsorgeteams, Pfarr- und Pastoralassistent/innen, ausländische Priester – die Diözese hat Wege eröffnet, dass die Pfarren lebendig bleiben können. Finden Sie das nicht als hilfreich?
Holzinger: Ja, sehr sogar, und ich bin froh, dass es sie gibt. Und ich bin auch für das große ehrenamtliche Engagement in den Stiftspfarren dankbar. Aber wir brauchen trotzdem neue Wege, die in der Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer bestehen könnten. Es bräuchte auch Signale in Richtung Frauen. Ich denke hier an das Diakonenamt.

Wir haben über Krise, Probleme und Schwierigkeiten gesprochen. Gibt es etwas, was Ihnen Anlass zu Optimismus gibt?
Holzinger: Die Menschen haben eine große Sehnsucht nach Beheimatung. Auf diese Sehnsucht hat  die Kirche eine Antwort: Sie kann Gemeinschaft anbieten und auf eine Hoffnung verweisen, die nicht zugrunde geht, sie kann Jesus Christus verkünden – Jesus Christus ist die Mitte unserer Verkündigung. Das ist doch wirklich Grund optimistisch zu sein. Auch im Blick auf die fast 950-jährige Geschichte unseres Klosters bin ich nicht pessimistisch. Es hat schon viele Tiefs gegeben. Und immer wieder ist es weiter- und aufwärts gegangen.

Was kann man jetzt machen, wenn man nicht darauf warten will, was „oben“ entschieden wird?
Holzinger: Mir ist es wichtig, nicht untätig zu sein, sondern mit allen Sinnen Ausschau zu halten, wohin Gott seine Kirche führen und wohin er sie verändert haben will. Es gilt, den Willen der Liebe Gottes zu erspüren. Mich begleitet der Satz aus dem zweiten Timotheusbrief: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2 Tim 1,7).

Was wird Ihre größte Herausforderung in den nächsten Jahren als Propst sein?
Holzinger: Bis zum Ende meiner Amtszeit werden wir Florianer Chorherren aus eigener Kraft nicht einmal mehr annähernd unsere Aufgaben in den Pfarren und im Stift bewältigen können. Davor darf man die Augen nicht verschließen.
Meine Verantwortung sehe ich darin, vernünftige Übergänge zu schaffen und zu verantworten, was nicht mehr geht. In den nächsten drei Jahren möchten wir ein Programm erarbeiten, das den jüngeren Mitbrüdern Freiheit und neue Gestaltungsräume verschafft. Im Vertrauen auf das Wirken Gottes wird uns das gelingen. 

Quelle: kirchenzeitung.at


Ähnliches Thema:

„Wir sind Kirche“ an die Bischöfe:
Wo bleiben eure kühnen Vorschläge?
Weiterlesen auf "Wir sind Kirche" >>

Dienstag, 13. Januar 2015

Pfarrzusammenlegung in Wien: bis zu einem Viertel weniger Hauptamtliche

Pfarrzusammenlegung beginnt
Die römisch-katholische Erdiözese Wien startet heuer mit ihrer großen Pfarrreform. Dabei sollen Pfarren verringert werden, damit sich die Priester stärker auf ihre pastoralen Aufgaben konzentrieren können. Den Beginn macht Favoriten.
Video-Beitrag auf  W24 >>


Diözesaner Entwicklungsprozess Apg 2,1
Die Pfarre als wichtige Einheit gemeinsamen christlichen Lebens muss zu den Menschen des 21. Jahrhunderts passen. Diese leben in Weite, Offenheit, Flexibilität, Mobilität, Vernetzung, Vielfalt und Verschiedenheit sowie in großer Freiheit und in komplexen Beziehungen und Bindungen. Der Gefahr von immer kleiner und dabei uniformer werdenden Pfarren ist entsprechend strukturell zu begegnen, um den Menschen von heute zu begegnen und dem Anspruch des Evangeliums gerecht zu werden.

In den nächsten Jahren wird sich in der Struktur unserer Pfarren vieles verändern. Alle derzeit bestehenden Pfarren  werden in Vorgänge der Neuordnung  einbezogen. Bis 2022 sollen mindestens 80 Prozent der neuen Pfarren gebildet sein. Pfarrverbände und Seelsorgeräume stellen in diesem Prozess einen möglichen Übergang zu neuen Pfarren dar, sind aber keine Dauereinrichtung.
Erzdiözese Wien >>


Etappen für einen Dekanatsprozess als PDF >>


Rahmenbedingungen für die künftigen Strukturen im Dekanat Favoriten
  • So muss eine Pfarre mindestens 7.000 Katholiken mit Hauptwohnsitz im Pfarrgebiet haben.
  • Eine Pfarre kann aus vielen kleinen gleichberechtigten Gemeinden bestehen.
  • Fünf Prozent des Budgets der Pfarre müssen für neue, noch zu entwickelnde Aktivitäten oder Projekte gewidmet werden.
  • Es ist mit bis zu einem Viertel weniger hauptamtlichen Seelsorgepersonal zu rechnen, das betrifft Priester und Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten.
  • Die Kosten für den Betrieb eines Pfarrheims und des Pfarrhofes dürfen 20 Prozent der dort erwirtschafteten Einnahmen nicht überschreiten. Alle anderen kirchlichen nichtsakralen Gebäude müssen sich selber finanzieren.
  • Die laufenden Instandhaltungsarbeiten an den Sakralbauten müssen ohne diözesane Zuschüsse finanziert werden können.
  • Profane wie sakrale Gebäude, die nach diesen Grundsätzen nicht erhalten werden können, werden von der Diözese in Absprache mit der jeweiligen Pfarre einer anderen Nutzung zugeführt.
Erzdiözese Wien >>


Pfarr-Zusammenlegung in Maria-Enzersdorf Südstadt:
12.000 Katholiken – Kennen Sie noch Ihre Pfarrgemeinden?

Frage: Ich kann mir die jetzt unmittelbar bevorstehende Pfarr-Zusammenlegung einfach nicht vorstellen. Wieso wurden wir, die Pfarrmitglieder, überhaupt nicht gefragt? Und wie soll denn das gehen: Sie werden künftig auch Pfarrer im Alt-Ort Maria Enzersdorf, aber andere (Franziskaner) lesen dort die Messen? Wer kennt dann bei ca. 12.000 Katholiken noch den eigenen Pfarrer – und wie kennen Sie noch Ihre Pfarrgemeinden? Das ist doch ein riesiger Entfremdungsprozess! Ich glaube: Wenn die Kirche keine oder zu wenige Menschen für das gewohnte Priesteramt findet, dann muss sie diesen Dienst neu definieren. Wird uns nicht ständig etwas vom „allgemeinen Priestertum“ in jedem Christen (jeder Christin) erzählt?

P. Elmar: Die Pfarre „Maria-Enzersdorf Südstadt“ wird um das Gebiet des Altortes erweitert; d. h. dass dann die Pfarrgrenze mit der Gemeindegrenze übereinstimmen wird. Ich werde Pfarrer dieser „neuen“ Pfarre sein und mit einem Kaplan (der Steyler Missionare) die Seelsorgearbeit leisten. Am „Altort“, d. h. in der Franziskanerkirche, die künftig keine Pfarrkirche mehr sein wird, werden die Franziskaner allen Eucharistiefeiern vorstehen. Sie werden aber keine Pfarrseelsorge mehr betreiben, sondern „nur“ noch die Wallfahrtsseelsorge.
Für mich ergibt sich da schon ein großes Problem: Da jede christliche Gemeinde letztlich um die Eucharistie herum aufgebaut ist, wird der Pfarrer im „Altort“ praktisch nur ein Pfarradministrator sein. Das finde ich bedenklich. Ich habe das auch klar und deutlich kundgetan.
Ein zweites Problem ist, dass bei großen Pfarren der direkte Kontakt des Seelsorgers zu den Menschen nur noch schwer möglich ist. Dabei bedeutet Seelsorge doch, dass ein Pfarrer Kontakt mit den ihm anvertrauten Menschen hat. Ob das, was von „oben“ beschlossen wurde, in diesem Fall sinnvoll ist, das ist mit einem großen Fragezeichen zu versehen.
Es wurden keine Alternativen in Erwägung gezogen. Alles geschah unter enormen Zeitdruck. Und die Basis war in die Entscheidungsfindung nicht eingebunden. Wir wurden praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt.
P. Elmar Pitterle SVD im Pfarrblatt August 2014 >>

Montag, 22. September 2014

Sonntags-Touristen mit Eucharistie-Navi?

Die Herbstkonferenz der Katholischen Männerbewegung (KMB) der Diözese St. Pölten befasste sich im Bildungshaus Stift Zwettl mit Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft in Österreich. Thematisiert wurden die Sonntaggestaltung, die Einführung einer anonymisierten Statistik der Schwangerschaftsabbrüche, biblische Initiativen für die kommenden Jahre sowie das persönliche Einbringen der Männer bei einem Caritas-Projekt in Oradea in Rumänien. Hauptreferent war Ernest Theussl, pensionierter Religionspädagoge aus Deutschlandsberg, zum Thema „Der Sonntag, meine Pfarre und ich“. Der Obmann der KMB Steiermark meinte am Beginn seines Referates provokant: „Aufgrund innerkirchlicher Entwicklungen müssen wir uns fragen: Werden wir zu Sonntags-Touristen, die mit dem Eucharistie-Navi die nähere und weitere Umgebung erkunden, oder werden wir weiterhin aus unserer alltäglichen Lebenswelt verbundene Ortsgemeinde unseren Glauben dort feiern können, wo wir zu Hause sind?“ Er verwies auf den Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer, der beim Kongress der Pfarrgemeinderäte in Mariazell drei Vorgaben formulierte, die eine zeitgemäße Kirche ausmachen würden. Seiner Meinung müsse die Kirche jesuanischer, urchristlicher und konzilskonformer werden. In einer arbeitsteilig strukturierten Gesellschaft, die vielfach von säkularen Riten durchwirkt sei, hätte der traditionelle christliche Sonntag einen schweren Stand. „Wir müssen ihn auf seine anthropologischen, dem Menschen dienenden, und theologischen, aus dem Glauben kommenden, Grundlagen zurückführen und so in unsere Zeit inkulturieren“, so Ernest Theussl. Voraussetzung dafür sei, dass ausreichend Raum und Zeit dafür zur Verfügung stehe. In der Pfarrgemeinde vor Ort sei das noch am ehesten zu erreichen. Wer die Pfarrgemeinden auflöse, zerstöre Identifikation und Heimatgefühl der dort lebenden Menschen.

„Kommunion kann man sich nicht irgendwo holen, sondern muss man dort erleben, wo man zu Hause ist. Daher ist es ein Gebot der Stunde, alles zu unternehmen, dass die Menschen am Sonntag nicht fortfahren müssen, um zu einer 'communio' zu kommen“, so der Religionspädagoge vor Teilnehmern aus vielen Dekanaten der Diözese St. Pölten, der selber in einem Pfarrverband mit fünf Pfarren lebt. Wortgottesdienste müssten zu einer selbstverständlichen Form der Sonntagsheiligung werden. Dort, wo ein dringender Wunsch der Gemeinde besteht, sei auch die Hl. Kommunion als Zeichen der Einheit zu reichen. Die einmal angedachte Idee, bewährte Männer - und auch Frauen - für die gemeindliche Feier der Eucharistie einzusetzen, sei beharrlich zu verfolgen und alle gegenteiligen Tendenzen seien hintanzustellen.

KMB-Herbstkonferenz

Mittwoch, 10. September 2014

Scheidung mit Gottes Segen

Der reformierte Pfarrer Andrea Bianca
Reformierte und Katholiken nehmen sich der Geschiedenen an – damit nicht noch mehr Mitglieder austreten.

Mit leiser Stimme spricht Andrea Bianca (53) ein Gebet am Altar. Dann segnet der reformierte Pfarrer das Paar vor ihm. Auf einen Kuss warten die Gäste vergeblich.Was der Pfarrer aus Küsnacht ZH hier mit einem Gottesdienst feiert, ist keine Hochzeit – sondern eine Scheidung.

«Die Kirche muss nicht nur den Anfang, sondern auch das Ende einer Ehe rituell begleiten», sagt Bianca. Wenn ein Paar auseinandergehe, solle es dies respektvoll tun. Vor allem, wenn es Kinder habe und sich das Sorgerecht teilen soll, wie es seit dem 1. Juli gesetzlich vorgegeben ist.

Der reformierte Pfarrer – er ist selber geschieden – will die Scheidung in der Kirche schweizweit salonfähig machen. «Die reformierten Kirchen können dabei eine Vorreiterrolle einnehmen.» Bianca hat gerade erst an der Universität Bern seine Dissertation zum Thema Scheidungsrituale abgeschlossen.
Fast die Hälfte aller Ehen in der Schweiz wird geschieden. «Die Kirchen können die Augen vor dieser Realität nicht verschliessen», sagt Bianca. «Sie müssen da sein, wo Schmerz ist.»

Deshalb fordert er das Angebot von Scheidungsritualen in allen Kirchen: «Diese Arbeit sprengt die Konfessionsgrenzen. Es gibt heute so viele Mischehen, da kann sich eine Seite nicht verschliessen.»
Tatsächlich: Auch die katholische Kirche will sich künftig verstärkt um Geschiedene kümmern. Die Bischofssynode im Oktober befasst sich im Vatikan mit dem Thema «Ehe und Familie». Im Zentrum steht auch der Umgang mit gescheiterten Ehen: «Ich hoffe, dass es dabei Ermutigendes gibt für die Arbeit mit Geschiedenen», sagt Christoph Casetti, Domherr im konservativen Bistum Chur.

Geschiedene als Aussätzige
Die katholische Kirche tut sich seit Jahrhunderten schwer mit diesem Thema: Schliesslich gilt die Ehe vor Gott für sie als unauflösbar. Wer geschieden ist und neu heiratet, bleibt nach offizieller Lesart des Vatikans von den Sakramenten ausgeschlossen.

«Geschiedene werden heute noch immer zu oft als Aussätzige behandelt», sagt Bischofsvikar Christoph Casetti. Neu sensibilisiert er Priester im Umgang mit dem Thema und hilft Geschiedenen in Seminaren, ihren Platz in der Kirche zu finden.

Weil sich freikirchliche und neureligiöse Gruppierungen zunehmend der Geschiedenen annehmen, fühlen sich die etablierten Kirchen gefordert. Pfarrer Bianca: «Wir müssen jetzt handeln. Sonst verlieren wir die Menschen an andere, weniger seriöse Anbieter.»

Mit seinen Scheidungsritualen machte er überraschende Erfahrungen: «Ich hatte ein Paar, das danach feststellte: Jetzt haben wir unsere Schwierigkeiten verarbeitet: Wir bleiben zusammen!»
Quelle: blick.ch


Homepage von Dr. Andrea Marco Bianca >>


Scheiden vor dem Altar
Bei der Trauung ist die Kirche dabei, bei der Trennung oft abwesend: Ein Scheidungsgottesdienst kann jedoch den Betroffenen enorm über die schmerzliche Zeit hinweg helfen, wie der Berner Theologe Andrea Marco Bianca in seiner Studie herausgefunden hat.
Online-Magazin der Universität Bern vom 11.9.2007 >>


Positionspapier mit praktischen Arbeitshilfen, erarbeitet von der Fachgruppe Kirche des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF und vom Zentralvorstand am 7. Mai 2003 verabschiedet.
Geschieden und wiederverheiratet –
„Du aber stärke deine Schwester!“ (vgl. Lk 22,32)

Aus dem Inhalt:
Scheidungsliturgie für ein Paar in Trennung (Seite 13)
Scheidungsliturgie für eine Frau in Trennung (Seite 15)
Segensfeier für Geschiedene und standesamtlich Wiederverheiratete (Seite 17)
Dieses Positionspapier mit praktischen Arbeitshilfen wurde von der Fachgruppe Kirche des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF erarbeitet und vom Zentralvorstand am 7. Mai 2003 verabschiedet.
als PDF >>

Dienstag, 9. September 2014

Katholische Kirche: Der Kampf um Rom hat erst begonnen

Wie Papst Franziskus und einige Gleichgesinnte die Irrwege der kirchlichen Lehre von Ehe und Familie nach dem II. Vatikanischen Konzil korrigieren wollen. 

Es war im Frühjahr 1999, als Walter Kasper aus seiner Erfahrung als Bischof von Rottenburg-Stuttgart kein Hehl machte und öffentlich sein Leid über die „theologische Restauration des römischen Zentralismus“ klagte. Die Tinte unter dem Text war noch nicht trocken (dieser aber noch nicht veröffentlicht), als Papst Johannes Paul II. den renommierten Theologen nach Rom berief und ihn zu seinem Ökumene-Minister machte. Dort dauerte es nicht lange, und Joseph Kardinal Ratzinger trat auf den Plan. Vor allen Kardinälen bezichtigte der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre den Novizen im Vatikan implizit und nicht zum ersten Mal der Irrlehre.

Fünfzehn Jahre später heißt es in einem im Vatikan verfassten Text: „Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen.“ Dieser Ansicht ist indes nicht allein nur Kurienkardinal Walter Kasper, der seinen Ruhestand lesend und schreibend in Sichtweite des Petersdoms verbringt. Niedergelegt hat das Zitat ein Argentinier namens Jorge Mario Bergoglio, der seit dem 13. März 2013 als Papst Franziskus in der Kirche und weit darüber hinaus für Wirbel sorgt.
 
Franziskus wusste nicht nur, was er tat, als er dieses und so manch anderen theologischen und kirchenpolitischen Sprengstoff im vergangenen Jahr in eine schön zu lesende Verpackung namens „Die Freude des Evangeliums“ (Evangelii gaudium) packte. Der erste Jesuitenpapst der Geschichte wusste auch, was er tat, als er die unter seinen Vorgängern weitgehend bedeutungslose Beratungsinstanz namens Bischofssynode gegen die allmächtige vatikanische Kurie in Stellung brachte und sie für den Oktober dieses und des kommenden Jahres zusammenrief, um über das dornigste Thema zu beraten, das sich der Kirche von Nord bis Süd und von Ost bis West stellt: die schier unüberwindlich erscheinende Kluft zwischen den Weisungen des Lehramtes auf dem Feld von Ehe und Familie und dem Leben der meisten Gläubigen. Und als wäre das alles noch nicht genug, ließ Franziskus in diesem Februar zum ersten Mal in der Kirchengeschichte das Kardinalskollegium über dieses Thema diskutieren - nach Maßgabe eines Vortrages über „Das Evangelium von der Familie“ von niemand anderem als Walter Kardinal Kasper.

Indes ist Kaspers theologisch wie praktisch wohlbegründete Saat ebenso wenig überall aufgegangen wie dass Papst Franziskus im Vatikan leichtes Spiel hätte. Im Gegenteil. Wer die Maßgaben des Papstes nicht offen hintertreibt oder stillschweigend ignoriert, der richtet sich schon jetzt darauf ein, dass es mit dem mittlerweile bald 78 Jahre alten Papst vom Ende der Welt bald ein wie auch immer geartetes Ende nehmen wird - und damit auch ein Ende mit irritierenden Sätzen wie: „Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben“ - gleichfalls ein Zitat aus „Evangelii gaudium“.

Doch noch ist der Kampf um Rom nicht richtig entbrannt. Denn so wohlfeil vielen Bischöfen die eindringlichen Sprachbilder und die flammenden Appelle des Papstes sind, so wenig lassen sie sich selbst von dem Geist der Barmherzigkeit anstecken, von dem Franziskus sprach. Warum auch? Nahezu alle wurden von Johannes Paul II. und von Benedikt XVI. ernannt, und damit in einer Zeit voller „Spannungen, Brüche und Konflikte“, in denen jeder gut beraten war, sich dem „strategischen Programm“ nicht zu widersetzen, mit dem das kirchliche Lehramt seit den Tagen von Papst Paul VI. seine „Wahrheit über Ehe und Fortpflanzung“ mit brachialer Gewalt exekutierte. Für viele Theologen ein Drama, für die meisten Gläubigen ein Dilemma, für nicht wenige Bischöfe eine Qual - so zu lesen in einer Denkschrift über die Erwartungen eines Diözesanbischofs an die bevorstehende Bischofssynode über die Familie, die der Form und dem Inhalt nach in der jüngeren Kirchengeschichte ihresgleichen sucht.

Johan Bonny, der mit 59 Jahren vergleichsweise junge Bischof der belgischen Hafenstadt Antwerpen, hat seit seinen römischen Studienjahren genug gesehen und gehört: „Verdächtigungen, Ausschlüsse, verpasste Chancen“ nennt er ebenso beim Namen wie die Erfahrung, „wie anstößig die Sprache der Kirche gegenüber bestimmten Personen und Situationen wirken kann“. Und er weiß als Theologe zu viel, als dass er sich damit abfinden kann, dass das kirchliche Lehramt und die moralischen Weisungen der Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. das letzte Wort zu Familienplanung oder Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten sein können. Zug um Zug dekonstruiert Bonny in seiner umfassenden Denkschrift, die ins Englische, Französische, Deutsche und Italienische übersetzt ist und in den kommenden Tagen auch Papst Franziskus direkt zugänglich gemacht wird, die Begründungsstrategien aus „Humanae vitae“ und „Familiaris consortio“ mit dem Argument, die Kirche nehme ihre eigene Tradition nicht ernst, wenn sie für Gewissensentscheidungen keinen Raum lasse und die Lehre von der Eucharistie als „Mittel der Gnade“ einfach ignoriere.

Dass Bonny mit seiner Denkschrift frontal gegen die Lehre der Päpste seit Paul VI. aufbegehrt, ist ihm bewusst. Dabei waren diese es, die nicht nur inhaltlich mit der Tradition gebrochen haben, sondern auch formal: „Alle Konstitutionen und Dekrete des Zweiten Vatikanums, auch die schwierigsten, wurden schlussendlich annähernd im Konsens verabschiedet. Von dieser Art Kollegialität blieb allerdings drei Jahre später, bei der Veröffentlichung von ,Humanae Vitae‘ nur sehr wenig übrig.“ Nicht, dass Kollegialität ein Allheilmittel sei, gerade angesichts der enormen regionalen Unterschiede zwischen Nord und Süd, Ost und West. Auch das hat Bonny gedacht und damit vor den Synodenberatungen die längst vorbereitete Strategie der Anti-Franziskus-Front demaskiert, die Behandlung einzelner Themen mit dem Argument zu verhindern, bestimmte Fragen seien in anderen Teilen der Welt kein Problem oder stellten gerade ein solches dar. „Eine monolithische Kollegialität hat in der Kirche genauso wenig Zukunft wie ein monolithischer Primat“ - so einfach, so schwierig.

Das heißt? „Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein, und schließlich in einer Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist. Wenn uns etwas in heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es die Tatsache, dass so viele unserer Brüder und Schwestern ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben.“
Auch diesen Satz von Papst Franziskus macht sich Bonny zu eigen - und nimmt in dessen Konsequenz den vielen furchtsameren Geistern als ihm die (letzte) Illusion, dass es bei den Beratungen und womöglich Beschlüssen der Synode nur um die Anwendung der kirchlichen Lehre gehe, nicht aber um ihren Inhalt.

„Diese Gegenüberstellung von ,Pastoral‘ und ,Lehre‘ scheint mir aber zu kurz gegriffen, sowohl in pastoraler wie theologischer Hinsicht. Sie kann sich nicht auf die Tradition der Kirche berufen. Pastoral hat ganz und gar mit Lehre zu tun, und Lehre ganz und gar mit Pastoral.“ Doch wo ist das Problem, wenn Bonny mit der Internationalen Theologenkommission hinsichtlich der Annahme lehramtlicher Weisungen festhalten kann: „Diese fehlende Rezeption kann Ausdruck eines schwachen oder zu geringen Glaubens auf Seiten des Gottesvolks sein, hervorgerufen durch eine unzureichende kritische Anknüpfung an die Kultur der Gegenwart. In manchen Fällen kann sie aber darauf verweisen, dass bestimmte Entscheidungen von Amtsträgern ohne angemessene Aufmerksamkeit für die Erfahrung und den Glaubenssinn der Gläubigen oder vom Lehramt ohne ausreichende Beratung mit den Gläubigen getroffen wurden.“
Quelle: faz.net 

Denkschrift von Bischof Johan Bonny als PDF >>


Aktualisierung:

"Einer der spannendsten Momente der jüngeren Kirchengeschichte"
Statt römischer Zentralisierung braucht die Kirche mehr Kollegialität von Bischöfen und Papst - diesen Schluss zieht der belgische Bischof Bonny aus den Lehren und Einstellungen der Katholiken zu Ehe und Familie. Daniel Deckers erläutert die Hintergründe.
Domradio.de >>

Ja „in pectore“ von Papst Franziskus zu wiederverheiratet Geschiedenen?
(Rom) Soviel ist bekannt: Papst Franziskus war es, der den Anstoß zur Diskussion gab, wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion zuzulassen. Seither sagt er nicht, ob er für oder gegen diese Zulassung ist. Da von ihm der erste Schritt ausging und aufgrund weiterer Gesten, scheint das katholische Kirchenoberhaupt ersterer Position näher zu stehen. Ein australischer Theologe jedenfalls ist überzeugt davon und erklärt warum, wie der Vatikanist Sandro Magister berichtet.

Der aktuell jüngste Vorstoß für einen radikalen Wechsel in Praxis und Lehre der Kirche beim Ehesakrament kam von Johan Jozef Bonny, dem Bischof im belgischen Antwerpen. Er tat es Anfang September mit der Veröffentlichung eines 30 Seiten langen Memorandums in mehreren Sprachen, das er auch Papst Franziskus zuschickte.
Weiterlesen auf Katholisches.info >>

Dienstag, 29. Juli 2014

Woran glauben Menschen mit Demenz?

Der gelöschte Gott – Woran glauben Menschen mit Demenz?

Elfie sitzt ganz ruhig da, nur ihr rechter Zeigefinger ist nervös. Der Fingernagel fährt immer wieder über dieselbe Stelle des Tischtuchs und macht ein schabendes Geräusch. Was sie dabei denkt, weiß man nicht so genau, und schon gar nicht woran sie glaubt. Früher waren es Gott, Kirche, Auferstehung, das volle katholische Programm. Aber seit fünf Jahren hat Elfie Demenz. Kann man Gott einfach so vergessen? Woran glauben demente Menschen eigentlich?

Weiterlesen auf: BR-Blog Woran glauben? >>

Donnerstag, 10. Juli 2014

Küng Nachfolgerin: Kirche ist eine "keusche Hure"

Johanna Rahner wird den Tübinger Lehrstuhl für Dogmatik, Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie übernehmen, den Hans Küng leitete
Die neue Theologie-Professorin an der deutschen Universität Tübingen, Johanna Rahner, hält weibliche Priester in der katholischen Kirche für möglich und fordert eine erneuerte Dogmatik.

Die katholische Theologin Johanna Rahner, die den Tübinger Lehrstuhl für Dogmatik, Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie des Kirchenkritikers Hans Küng übernimmt, fordert in der „Zeit“ (Donnerstag-Ausgabe) theologische Reformen. „Ich möchte die klassische Dogmatik nach außen hin öffnen“, sagt Rahner. „Wir können nicht den Menschen an die Regeln anpassen, sondern müssen die Regeln menschlich verstehen.“ Weiter heißt es provokant: „Wenn die Kirche die Welt scheut, wird sie esoterisch.“ Die Kirche sei jedoch eine „keusche Hure“.

Männliche Apostel kein Argument gegen Priesterinnen
Rahner, die am Donnerstag ihre Antrittsvorlesung in Tübingen hält, forderte ihre Kirche auf, sie solle „bei der Emanzipation eine Vorreiterrolle spielen“. Denn schon die Bibel sehe Mann und Frau als gleichberechtigt. Zum Frauenpriestertum sagte sie: „Die Apostel mögen ja männlich gewesen sein.“ Fraglich sei jedoch der Zusammenhang zwischen den Aposteln und der Ämterstruktur der Kirche: „Weder ist historisch betrachtet Petrus der Papst, noch sind die Bischöfe einfach die Nachfolger der Apostel. Männliche Apostel sind also ein schwaches Argument gegen Frauenordination.“
Rahner schließt an den kritischen Kurs Hans Küngs an und verteidigte einen kirchlichen Segen für homosexuelle Paare: „Die Bitte um den Beistand Gottes kann auch hier theologisch legitim sein.“ Auch mit den wiederverheiratet Geschiedenen könnte die Kirche einen besseren Umgang finden. „Wenn das Schuldigwerden am Scheitern der ersten Ehe anerkannt wird, ist eine Zweitheirat möglich.“

Kein Glaube ohne Zweifel
Unter Berufung auf Papst Franziskus fordert Rahner eine neue Pastoral: „Prinzipien zu haben ist gut, aber man muss sie auch menschenwürdig anwenden.“ Sie verteidigt das aufgeklärte Christentum Westeuropas: „Zum Amen gehört das Aber. Wer den Glauben ohne Zweifel will, verkauft ihn unter Niveau.“ Mit Blick auf Afrika und Lateinamerika erklärte Rahner: „Mir sind halbleere Kirchen mit aufgeklärten Katholiken lieber als volle Kirchen, die die Not der Menschen ausnutzen.“

Zugleich übte Rahner scharfe Kritik an der evangelischen Kirche: „Die deutschen Protestanten machen zur Zeit nicht den besten Eindruck: Man scheint immer noch nicht sagen zu können, was protestantisch heute heißt, ohne sich am Katholizismus abzuarbeiten.“ Rahner sprach in dem ZEIT-Interview von „Profilierungsnot“ und „konfessioneller Profilneurose“. Sie forderte eine aktive Annäherung der Kirchen: „Das Erbe der Reformation ist ein gemeinsames Erbe. (…) Wir sollten das Gemeinsame betonen.“

religion.ORF.at


Hintergrund:

“Die heilige Hure”
Predigt von Prof. Niewiadomski >>


Artikel von Johanna Rahner:

Was wir vom neuen Papst erwarten

Zeit-Online vom 28.2.2013 >>

Frauen als Priester? Nein, als Kardinäle!
Der Papst und die Frauenfrage. Ein Gespräch mit Johanna Rahner.
Zeit-Online >>

"Denkverbote in der Kirche haben nie weitergeholfen"
Die Theologin Johanna Rahner hält eine stärkere Einbindung von Frauen in die katholische Kirche für eine theologisch legitime Forderung - trotz dem Wunsch des Papstes, nicht mehr darüber zu sprechen. Ein Anknüpfungspunkt sei sicher das Diakonenamt - ein Amt, dass Frauen in der Vergangenheit auch schon ausgeführt haben.
Johanna Rahner im Gespräch mit Kirsten Dietrich auf Deutschlandradio vom 12.11.2011 >>

„Gut angezogen? - Nachfolge in Tradition und Wandel?“.
Kleider machen Leute. Das Taufkleid ist ein Symbol für das Leben in Christus. Welches Glaubensgewand trage ich heute? Wie verändert sich der Glaube im Leben? Was ist einem im Glauben wichtig, wie gehen Menschen heute mit Tradition und Wandel um? Wie anziehend ist das christliche Erbe heute - für mich - für andere?
Vortag von Johanna Rahner im Rahmen der „Ökumenischen Wochenimpulse“ während der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 in Trier als PDF >>

Mensch - Macht - Kunst
Der Mensch als Schöpfer und Gestalter der Welt fordert die Theologie heraus.
Vortrag von Prof. Dr. Johanna Rahner vom 8. Juli 2012 als mp3 >>

Dienstag, 17. Juni 2014

Ging der PGR-Kongress 2014 an PA-Direktor Wüger spurlos vorbei?

Franz Josef Rupprecht, Chefredakteur der Kirchenzeitung, beim PGR-Kongress in Mariaszell
 Ziemlich unbemerkt von Medienbüro und Pastoralamt der Diözese Eisenstadt hat in Mariazell zu Christi Himmelfahrt  wieder ein österreichweiter PGR-Kongress stattgefunden. 
Bezüglich einer Vorbereitung auf diözesaner Ebene ist wenig bis nichts bekannt. Ebenso von den eigenen martinus-Berichten.

Im martinus vom 8. Juni gibt es lediglich einen Pool-Artikel des Oberösterreichers Heinz Niederleitner (Von der ‚Komm her‘-Kirche zu einer ‚Geh hin‘-Kirche) mit einem Foto "Die Delegierten aus der Diözese Eisenstadt mit Generalvikar Martin Korpitsch" sowie einem Mosaiksteinchen einer bgld. Teilnehmerin: "Es sind einige Aspekte, die ich vom PGR-Kongress mitnehme. Besonders wichtig ist mir: Freiheit wird nicht zur Last, wenn man sich gegenseitig stärkt und gegenseitig trägt."

Wo bleiben motivierende pastorale Worte des Pastoralamtsdirektors oder des Referats für Pfarrgemeinderäte? Spielen nur mehr die PGR-Vorsitzenden (=Pfarrer) eine Rolle beim "Neuen pastoralen Weges in der Diözese"? Wie ist dieses Schweigen zu einem PGR-Event zu verstehen?

Mit Wehmut erinnere ich mich an den PGR-Kongress von 2010, als ich noch als Dekanatsratsvikar gemeinsam mit dem damaligen Bischof Paul und Pastoralamtsdirektor Johann Haider sowie vielen Ratsvikaren teilgenommen und dort ein Referat gehalten habe. Ich habe auch in der Zwischenzeit immer wieder nachgefragt, was aus den Versprechungen von 2010 geworden ist, vor allem im Hinblick auf die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur Kommunion. (Siehe Blogbeiträge dazu >>)

Im Kathpress-Fokus zum Kongress 2014 habe ich wenige Vorschläge gefunden, die in unserer derzeitigen pastoralen Notstandsituation hilfreich sein könnten:

Wortgottesfeiern in Tirol
In der Diözese Innsbruck gibt es viele kleine Pfarren, die inzwischen zu Seelsorgeräumen zusammengefasst sind. Inzwischen ist es nun nicht mehr möglich, dass in allen Pfarren jeden Sonntag Eucharistie gefeiert wird. Deshalb seien in den vergangenen fünf bis sieben Jahren verstärkt Wortgottesdienstleiter ausgebildet und beauftragt worden, berichtet Michael Strebitzer von der Diözese Innsbruck.
Teams würden die Wortgottesfeiern mit Kommunionspendung vorbereiten. Von der Bevölkerung werde diese Form des Gottesdienstes gut angenommen. Nicht nur an gewöhnlichen Sonntagen, sondern auch zu den Feiertagen, wie Weihnachten oder Ostern.

Ehrenamtliche Pfarrleitung
In der Diözese Linz gibt es seit 2003 das Modell der ehrenamtlichen Pfarrleitung: Viele Pfarrer haben zwei oder noch mehr Gemeinden und können nicht mehr im nötigen Ausmaß in jeder Gemeinde vor Ort sein. Um eine Seelsorge gewährleisten zu können, die nahe bei den Menschen ist, würden ehrenamtliche Mitarbeiter mit gewissen Leitungsaufgaben betraut, erläutert Monika Heilmann vom Pastoralamt der Diözese Linz. So gebe es beispielsweise für die Liturgie verantwortliche Mitarbeiter. Diese sorgen u.a. für den Gottesdienstplan und sind für die Einteilung von Lektoren oder Kommunionhelfer verantwortlich.
In 50 Pfarren in der Diözese werde bereits das Modell der ehrenamtlichen Pfarrleitung eingesetzt, so Heilmann. Viele Ehrenamtliche würden aus ihren Berufen bereits wichtige Qualifikationen und Leitungskompetenzen mitbringen. Dazu bekämen sie freilich auch eine fundierte Ausbildung in theologischen Fragen und Sozialkompetenzen. Die Pfarrleiter würden auch durchgehend von Priestern bzw. Theologen begleitet. Von der Pfarrbevölkerung würden die ehrenamtlichen Leiter gut akzeptiert, so Heilmann. An die Grenzen stoße das Modell allerdings dort, wo Pfarrer nicht teamfähig sind.
Quelle: Kathpress

Donnerstag, 5. Juni 2014

Küng-Hirtenbrief sorgt für Aufregung

In einem Pfarrverband der Diözese St. Pölten herrscht Aufregung um einen Brief von Bischof Klaus Küng. Er erinnert daran, dass in Wort-Gottes-Feiern keine Kommunion erteilt werden darf. In vielen Pfarren ist das aber gelebte Praxis.

In mehreren Pfarren ist es seit Jahren üblich, dass bei Wort-Gottes-Feiern auch die Kommunion erteilt wird, dem gegenüber steht nun ein Hirtenbrief vom 15. März. Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng schreibt darin: „Im Rahmen einer sonntäglichen Wort-Gottes-Feier soll grundsätzlich keine Kommunionsspendung erfolgen.“
Auch in Texing war der Hirtenbrief bei einer Frühmesse am Freitag Gesprächsthema. „Das war für uns schockierend, weil wir eigentlich etwas darauf halten, dass wir zur Kommunion gehen können“, sagt Maria Zöchbauer. Ihre Schwester Johanna ergänzt. „Wenn wir keine Kommunion bekommen, ist das eine halbe Sache. Ich bin dafür, dass es so bleibt wie es war und die Bischöfe sollen uns das nicht wegnehmen.“

Pfarrverband: Ein Priester für vier Pfarren
Dennoch: Die Botschaft der Diözese ist eindeutig. In einer Stellungnahme wird in diesem Zusammenhang auf einen Beschluss der Bischofskonferenz aus dem Jahr 2010 verwiesen. In diesem Beschluss heißt es, dass Wort-Gottes-Feiern und Heilige Messen strikt voneinander zu trennen sind. Nur in Ausnahmefällen darf die Kommunion auch im Rahmen von Wort-Gottes-Feiern erteilt werden, zum Beispiel, wenn Eucharistiefeiern nicht in einer zumutbaren Entfernung angeboten werden können.
In Texing ist das aber nicht der Fall, heißt es in der Stellungnahme der Diözese. Gemeinsam mit Kirnberg, Plankenstein und St. Gotthard bildet Texing einen Pfarrverband, für alle vier Pfarren gibt es einen Priester. „Ich persönlich sehe hier bei den vier Pfarren eine eucharistische Not, die Not der Menschen, die eben diese Kommunion empfangen möchten“, so Diakon Karl Bischof.

Erzdiözese: „Kommunion in Wort-Gottes-Feiern üblich“
Auch Pfarrgemeinderätin Christine Wippel kritisiert das Vorgehen. „Solange es keine besseren Lösungen gibt, wäre es eine Möglichkeit, das beizubehalten und man muss eben nach besseren Möglichkeiten suchen. Aber jemanden die Hostie nicht zu geben, der darum bittet, das finde ich nicht christlich.“ Auch in der Erzdiözese Wien, zu der die Pfarren im Wein- und Industrieviertel gehören, befasst man sich mit diesem Thema, wie Sprecher Michael Prüller bestätigt.
„Da sind wir als Kirche Gott sei Dank in der Situation, dass wir nicht immer alles gleich militärisch durchorganisiert haben und nicht immer mit disziplinären Maßnahmen drohen müssen, sondern da gibt es ein gemeinsames Ringen um den richtigen Weg.“ Laut Prüller ist es in der Erzdiözese Wien üblich, dass die Kommunion auch in Wort-Gottes-Feiern erteilt wird.
noe.orf.at

Donnerstag, 15. Mai 2014

"Homo-Adoption" - Argumente der katholischen Kirche unglaubwürdig

Das Nein von Bischof Küng zur "Homo-Adoption" zugunsten des Kindeswohls ist bedenkenswert, klingt aber deshalb unglaubwürdig, weil die kirchlichen Entscheidungsträger in Fällen, in denen Priester Väter sind, meist für eine Trennung der Kinder und deren Mutter vom Vater plädieren, um "seine Berufung zu retten". Hier ist das Kindeswohl plötzlich uninteressant.

Bischof Küng: "Klares Nein" zur "Homo-Adoption"
Ablehung "hat nichts mit Diskriminierung von sexuellen Identitäten zu tun, sondern schlichtweg mit dem Kindeswohl"

Das klare Nein der katholischen Kirche zur sogenannten "Homo-Adoption" hat der österreichische "Familienbischof" Klaus Küng bekräftigt. In einer Wortmeldung zum bevorstehenden Internationalen Tag der Familie am 15. Mai sprach Küng am Mittwoch hinsichtlich der aktuellen Debatte um Adoptionen durch homosexuelle Paare von "besorgniserregenden Entwicklungen" rund um das Thema Familie.

Die Ablehnung von "Homo-Adoptionen" habe "nichts mit Diskriminierung von sexuellen Identitäten zu tun, sondern schlichtweg mit dem Kindeswohl", betonte der St. Pöltner Bischof, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für das Referat Ehe und Familie zuständig ist. "Wer einem Kind das Recht auf Vater und Mutter - und zwar seine eigenen - bewusst vorenthält, der diskriminiert dieses Kind."
Kathpress >>


Hintergrund:

Zum engagierten Mitdenken:
Zur Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtlich liebende Paare
Die Meinungslage ist in der Österreichischen Bevölkerung bei der Adoption von Kindern höchst kontrovers. 41% Befürwortern stehen 43% Ablehnende gegenüber. 11% liegen im unentschlossenen Mittelfeld. Das ist das Ergebnis der Online-Umfrage des Zukunftsforums der Katholischen Kirche. An dieser Umfrage haben sich nachweislich keinesfalls nur Insider beteiligt. Es gibt auch Ausgetretene oder Nichtkirchgänger. Die Beteiligung lag bei mehr als viereinhalbtausend Ausfüllenden.
Weiterlesen auf Zulehner-Blog >>

Theologe: Im Zweifel Nein zu Homosexuellen-Adoption
Der Religionssoziologe und Theologe Paul Michael Zulehner ortet in Bezug auf die Frage, ob homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen Diskussionsbedarf, „noch mehr aber einen gediegenen Forschungsbedarf“.
Weiterlesen auf Religion.orf.at >>

Freitag, 9. Mai 2014

Pfarrbefragungen über ehrenamtliche Tätigkeit zwecks monetärer Bewertung

Die "Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH" macht derzeit eine Online-Befragung zur Erfassung der ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Pfarre. Sie ist an Detaillfragen schwer zu übertreffen. Welcher Pfarrer wird sich dafür Zeit nehmen - die er für die Seelsorge nicht hat!?
Es wird nicht nur nach Anzahl der ehrenamtlich tätigen Personen (getrennt nach männlich/weiblich) und nach der Art und Dauer des ehrenamtlichen Engagements gefragt, sondern es wird auch das Konsumverhalten bei Taufe, Erstkommunion und Firmung erhoben. Die Frage dazu:

In unserer Pfarre ist es üblich, dass für einen Täufling von Eltern, Großeltern bzw. Paten/Patinnen gemeinsam folgende Ausgaben in € getätigt werden für
  • Taufkleidung
  • Musikalische Gestaltung der Tauffeier
  • Essen und Verpflegung aller angehörigen Personen
  • Taufgeschenk
  • Ausflug
Falls man schwer schätzen kann, soll man kurz einige betroffene Personen aus der Pfarre befragen...

Wer es nicht glaubt, soll einen Blick auf folgende Grafik werfen oder den PDF-Fragebogen ansehen.
Die Umfrage läuft noch bis 16. Mai.

Es stellen sich schon einige Fragen bezüglich dieser Umfrage:
* Wem nützt diese Umfrage, wer hat an diesen Details Interesse?
* Was passiert mit den Ergebnissen, wozu dienen sie?
* Werden die Ergebnisse veröffentlicht oder bleiben sie geheim?
* Wie hoch sind die Kosten aus dem Kirchenbudget für diese Umfrage?

Fragebogen als PDF >>



Im Begleitschreiben zur Pfarrbefragung ist u.a. zu lesen:

Diese Befragung wird im Rahmen der Studie „Ökonomische Effekte der öffentlichen Leistungen der röm.-katholischen Kirche in Österreich“ durchgeführt. Die Studie wurde von der der Bischofskonferenz Österreich sowie der Superiorenkonferenz beauftragt und wird von der Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH und dem Institut für Höhere Studien (IHS) bearbeitet. Die Leistungen der Religionsgemeinschaften in Österreich, und insbesondere der römisch-katholischen Kirche, sind bis dato nur schwer quantifizierbar.

Da ein wesentlicher Teil der kirchlichen Leistungen in der Pfarre entsteht und schwer monetär zu bewerten ist, wird eine Befragung durchgeführt. Im Vordergrund der Befragung steht das ehrenamtliche Engagement in der Pfarre sowie Leistungen und Aktivitäten, die von einer Pfarre zur Verfügung gestellt werden. Generell stehen folgende ehrenamtliche Engagementbereiche im Fokus:
  • Liturgische Feiern und Sakramente,
  • Soziale und pastorale Tätigkeiten,
  • kulturelle Tätigkeiten und Gesellschaftspflege,
  • soziale und pastorale Tätigkeiten,
  • praktische Dienste sowie
  • Verwaltungstätigkeiten und Gremien.
Daher ist dieser Fragebogen an die Pfarre, genauer gesagt die Pfarrkanzlei gerichtet.
Mithilfe dieses Fragbogens soll nicht nur die Anzahl der ehrenamtlich tätigen Personen in einer Pfarre erfasst werden, sondern auch die Art und Dauer des ehrenamtlichen Engagements. Zur Vereinfachung beziehen sich die Schätzungen der Dauer der einzelnen Tätigkeiten auf jährliche Durchschnittswerte. Bei Unsicherheiten betreffend Dauer der einzelnen ehrenamtlichen Tätigkeiten und hinsichtlich Repräsentativität der Erhebung bitten wir Sie, die betreffenden Personen direkt zu befragen.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Reformbewegungen: Krankensalbung nicht nur durch Priester

Tagung der katholischen Reformbewegungen am 29. November 2013 über Krankenseelsorge und Krankensalbung im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg.

Die Krankenseelsorge ist ein wichtiger Dienst der Kirche und wird überwiegend von Frauen wahrgenommen. Die Begleitung der Kranken findet ihren Abschluss und Höhepunkt in der Spendung des Sakraments der Krankensalbung. Die geltenden kirchlichen Vorschriften wollen dazu zwingen, dass diese nur durch einen Priester geschehen darf.

Dagegen fordert die Salzburger Tagung die Bischöfe auf,
·         die Begleitung der Kranken nicht mehr von der Krankensalbung zu trennen,
·         Krankenhausseelsorger/innen mit der Spendung der Krankensalbung zu beauftragen und damit die längst geübte Praxis anzuerkennen,
·         die ökumenische Zusammensetzung der Seelsorge-Teams in Kranken­häusern und damit die gemischt-konfessionelle Seelsorge zu akzeptieren.

Die Seelsorger/innen ermutigt die Salzburger Tagung
·         zur Selbstermächtigung, sich in ihrem verantwortungsvollen Dienst nicht durch überholte kirchenrechtliche Vorschriften einschränken zu lassen,
·         weil die Taufe jeden Christen und jede Christin ermächtigt, um Schuldvergebung zu beten und die Krankensalbung zu vollziehen;
·         nicht mehr zu akzeptieren, dass nach Begleitung des/der Kranken zuletzt ein Priester geholt werden muss, den der/die Kranke sehr häufig gar nicht kennt.

Die Reformbewegungen, die die Salzburger Tagung veranstaltet haben („Laieninitiative“, Mitveranstalter: Plattform „Wir sind Kirche“, „Pfarrer-Initiative“, „Priester ohne Amt“, „Taxhamer PGR-Initiative“), werden diese Ergebnisse den Bischöfen als dringende Forderungen zukommen lassen.

Rückfragen:
Margit Hauft (Vorsitzende der Laieninitiative): margit_bert.hauft@aon, 0676 9641713
Peter Pawlowsky (Vize-Vorsitzender): peter.pawlowsky@chello.at, 0664 40376 40
 

„Gottes Nähe in der Krise“
Die Salzburger Tagung der katholischen Reformbewegungen vom 29. 11. 2013 über Krankenseelsorge und Krankensalbung fordert von den Bischöfen die ausdrückliche Beauftragung der Krankenseelsorger/innen zur Spendung der Krankensalbung. Damit würde eine oftmals längst geübte Praxis endlich anerkannt.

1. Die Krankensalbung ist kein Sterbesakrament, sondern ein Sakrament des Lebens: Sie ermutigt in Zeiten der Krise, sie stärkt und heilt und lässt Lebensbrüche überwinden. Für den richtigen Vollzug ist entscheidend, was die Leidenden brauchen, nicht was das Kirchenrecht sagt. Wer leidet, sollte dabei erfahren, dass er/sie in eine Gemeinschaft des Glaubens eingebunden ist. Deshalb sind regelmäßig stattfindende gemeinsame Krankensalbungen wichtige Ereignisse im Gemeindeleben. Wo Zuwendung und Vertrauen gelingen, kann die Krankensalbung ihre Wirkung entfalten.

2. Zur Krankensalbung gehört wesentlich die Erfahrung der Sinne: Die heilsame Berührung durch das Salböl und die Handauflegung, damit die Heilsdimension spürbar wird. Die dazu notwendige „Intimität“ ist nur gewährleistet, wenn die Begleitung in der Krise und das Sakrament nicht auseinander gerissen werden. Wer begleitet, ist auch kompetent die Krankensalbung zu spenden.

3. Die Taufe ermächtigt grundsätzlich jeden Christen und jede Christin, die Salbung zu vollziehen; durch Jahrhunderte war dies in der Kirche selbstverständlich. Seelsorger/innen in Krankenhäusern erwarten Beauftragung und Unterstützung durch die Bischöfe – Verbote sind keine Hilfe. Die Beauftragung hat der Kompetenz zu folgen. Trotz immer wieder beklagtem Glaubensverlust, ist das Bedürfnis nach Ritualen in besonderen Situationen ungebrochen und darf von der Kirche nicht ohne Antwort bleiben. Die Zuziehung eines Priesters, der den/die Patient/in nicht kennt, führt zu einem magischen Missverständnis des Sakraments.

4. Die Begleitung eines Menschen in Krise oder Krankheit führt oft zu einer Lebensbeichte. Die Spendung der Krankensalbung durch Laien wird häufig mit dem Argument abgelehnt, dass wegen der damit verbundenen Sündenvergebung die priesterliche Jurisdiktion notwendig sei. Dabei wird übersehen, dass auch das Sakrament der Taufe, das ebenfalls die Vergebung der Sünden bewirkt, im Notfall sogar von jedem von der nötigen Intention geleiteten Menschen gespendet werden kann.  „Bekennt einander eure Sünden, damit ihr geheiligt werdet“, sagt der Jakobusbrief (Jak 5, 16 f), denn „viel vermag das Gebet eines Gerechten.“ Das gemeinsame Gebet des/der Betroffenen mit dem/der Seelsorger/in vermittelt die Gewissheit der Vergebung gemäß der Vaterunser-Bitte:  „Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

5. Die Ökumenische Zusammensetzung der Seelsorgeteams in den Krankenhäusern erlaubt keine Trennung des Dienstes nach Konfessionen. Zwar muss offen deklariert werden, wer katholisch oder evangelisch ist. Oft verlangen gerade Patient/innen, die schon lange kirchlich distanziert sind, eine Betreuung durch die eigene Konfession und zur Krankensalbung einen Priester; solche Wünsche  müssen respektiert werden. Aber immer öfter stellt sich heraus, dass nicht die Konfession, sondern persönliche Zuwendung und Vertrauen entscheidend sind. So steht es frei, die Krankensalbung in vielfältigen Formen zu vollziehen. Hier sollte das Kirchenrecht entsprechend angepasst werden, damit zwischen der Wirklichkeit und dem Recht keine Kluft entsteht.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

"Seelsorgeräume”: Auf dem Weg zur Friedhofsruhe

Pfarrer Roland Breitenbrach schreibt auf der Pfarrhomepage der Gemeinde “St. Michael” (Deutschland) vor kurzem folgendes zum Thema “Seelsorgeräume”:

Erzbischof Albert Jean-Marie Rouet
Der wichtigste Satz zuerst: Von der Zusammenlegung der Pfarreien hält er gar nichts. Allerdings ist es ein Franzose, der ausspricht, worunter die Katholiken auch in Deutschland leiden.

Albert Rouet, seit 2011 emeritierter Bischof von Poitiers, wird noch deutlicher: „Nur eine Zusammenlegung funktioniert – auf dem Friedhof.“ Die deutschen Bischöfe begreifen trotz ihrer aufwändigen Visitationen offenbar nicht, dass sie mit den Gemeinden auf dem Weg zur Friedhofsruhe sind:

Wenn drei Pfarrgemeinden zusammengelegt werden, verdreifacht sich nicht das Engagement. Es geht auf weniger als ein Drittel zurück. Das ist die Erfahrung.

Wie managte Erzbischof Rouet, dessen Bistum etwas kleiner ist als das Würzburger, die Herausforderung? Die Anerkennung durch die Herbert-Haag-Stiftung begründet es: Der Bischof hat in seinem Bistum Anstöße und Räume gegeben für ein wegweisendes Modell von Seelsorge vor Ort.

Rouet passte die Seelsorgestrukturen nicht wie hierzulande dem Priestermangel an. Im Gegenteil: Für jede Gemeinde gibt es ein kleines Team, drei bis fünf Frauen und Männer. Sie werden für die Seelsorge und Verwaltung beauftragt und übernehmen Verantwortung vor Ort. Das gilt für zwei bis drei Jahre, dann wird das Team durch andere Freiwillige abgelöst. So lebt die christliche Gemeinde als Nachbarschaft; alle kennen sich.

Und die Priester? Sie wohnen in kleinen Gemeinschaften, besuchen regelmäßig die Ortsgemeinden, feiern mit ihnen die Sakramente und öffnen sie für die weltweite Gemeinschaft der Kirche. „Sie sind wie Gelenke und Bänder: sie verbinden die verschiedenen Begabungen zu einem Ganzen.“ Fünf Frauen und Männer für ein Team gäbe es auch in jeder fränkischen Gemeinde. Allerdings nicht mehr lange.

rb@stmichael.de


„Herbert-Haag-Preis“ ergeht erstmals an einen Erzbischof
Albert Jean-Marie Rouet ist nicht nur der erste Erzbischof der französischen Diözese Poitiers, sondern auch der erste Erzbischof, der den 1985 gegründeten Herbert Haag-Preis „Für Freiheit in der Kirche“ erhalten wird. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird ihm gemeinsam mit dem deutschen Jesuitenpater Klaus Mertes am 16. März 2014 in Luzern überreicht.
Albert Rouet hält von Pfarrzusammenlegungen gar nichts
„Nur eine Zusammenlegung funktioniert – auf dem Friedhof“
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Zentralisieren heisst vereinnahmen
Ein Hilton-Hotel sieht aus wie das andere, bis in die Möblierung der Zimmer: Die Globalisierung setzt auf weltweit gleiche Muster. Alles unterwirft der Westen seiner wirtschaftlichen Logik. Sie gilt ja überall! Alles dient dem schnellen Geld. Vor dem Eiseshauch dieses einheitlichen Zwecks gefrieren Gesellschaft, Politik und Kultur. Bewegen dürfen sich nur noch Börsenkurse. Der Starkult gibt dieser schrecklichen Einförmigkeit ein Gesicht. Nur den Stars gilt Aufmerksamkeit und Respekt. Nur sie haben etwas zu sagen. Vermittler und Übersetzer scheinen überflüssig: So sieht Albert Rouet, emeritierter Erzbischof von Poitiers, unsere Zeit.
Kath.ch >>


Zum Thema "Seelsorgeraum":
Niederländische Reformgruppen wenden sich an den Papst
Anlässlich des am Montag stattgefundenen Ad-limina-Besuchs der niederländischen Bischöfe in Rom richten sich die niederländischen Reformbewegungen Bezield Verband Utrecht (BVU) und Vereinigung Professorenmanifest in einem gemeinsamen Schreiben an Papst Franziskus. Darin bringen sie ihre „Sorge“ über die Lage der Kirche in den Niederlanden sowie über die Entwicklung zu Seelsorgeräumen zum Ausdruck.
Das Dokument ist derzeit nur auf Englisch verfügbar.
Aber bereits im April 2013 wurde das Professorenmanifest "Die Aushöhlung der Glaubensgemeinschaften in der katholischen Kirche" veröffentlicht, mit analogem Inhalt.

Erzbischof Albert Rouet sprach in Saint-Maurice vor Vertretern des Laien-Apostolates
«Die Kirche neu und anders erfinden»
Saint-Maurice VS, 20.1.14 (Kipa) Erzbischof Albert Rouet (77), bis 2011 Bischof von Poitiers, gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Oberhirten Frankreichs. Vor Vertretern des Westschweizer Laien-Apostolates («Communauté Romande de l'Apostolat des Laïcs» – Cral) rief er am Wochenende in Saint-Maurice dazu auf, «die Kirche neu und anders zu erfinden». Rouet tritt für übersichtliche christliche Gemeinschaften ein, die in der unmittelbaren Nachbarschaft verankert sind und auch dort ihr Wirken entfalten. Er erhält am 16. März in Luzern den Herbert-Haag-Preis 2014.
Kipa >>