Mittwoch, 1. Dezember 2010

Advent ist mehr als "Romantik"


Gastkommentar von Pfarrer Günther Kroiss in der BVZ vom 01.12.2010:

Allzu bekannt ist das Gejammer der Priester und Bischöfe, wenn sich die Kirchenbänke leeren und die Zahl der Kirchenaustritte ansteigt. "Der Glaube verdunstet!" - so wird dann argumentiert. Aber was verdunstet wirklich? Wenn Arbeitsplatz, Beziehungen, Klima und soziale Sicherheiten gefährdet sind, suchen Menschen einen Ort der Sicherheit und des Vertrauens.
Gerade die Adventzeit zeigt diese Ursehnsucht des Menschen wieder auf. Weder die Sehnsucht des Menschen verdunstet, noch der Glaube verdunstet, viel eher verdunstet ein Vertrauen in die Kirche und deren Repräsentanten. Die Menschen trauen der Kirche nicht mehr zu, die Welt verändern zu können und für Gerechtigkeit einzustehen.
Freilich werden in den kommenden Wochen die Kirchen gut gefüllt sein. Dies darf aber nicht dazu verleiten zu meinen, es könne alles immer so weitergehen.
Gerade die Adventzeit ist eine Zeit des Aufbruchs und des Neubeginns. In den biblischen Texten des Advents wird uns keine Punschzeit und Kuschelromantik präsentiert. Es geht um Gerechtigkeit, Aufbruch, Friedenspolitik...

Günther Kroiss ist Pfarrer in Rechnitz, Markt Neuhodis und Weiden bei Rechnitz. Weiters ist er Landesfeuerwehrkurat und Obmann von "2getthere"

Dienstag, 30. November 2010

Pfarrgemeinderat von Oberwart "zutiefst betroffen"

Diese Stellungnahme ist relativ schwer zugänglich auf der Oberwarter Pfarr-Homepage veröffentlicht.

"Intern regeln" oder einfach vertuschen?


Im Kurier vom 30.11. kritisiert Pfarrer Liedl (74) seine Alters- und Amtskollegen Mikovits, Zechmeister und Jestl: "Es ist schäbig, wenn man einen Bischof in einer so großen Öffentlichkeit kritisiert. So etwas gehöre intern geregelt."

Nur: wie soll das gehen, wenn der "Dialog" aufgekündigt ist!? Die Zeiten von devotem Gehorsam, Vertuschen, Aussitzen und "blind durch Dick und Dünn" sind Gott sei Dank vorbei. Dialog auf "gleicher Augenhöhe" ist notwendig.

Pfarrgemeinderat steht hinter Pfarrer Seifner
Oberwart: Trotz Gewalt-Anschuldigungen gegen den Pfarrer steht die Kirche weiter zu ihm.

Kundgebung während der Heiligen Messe. "Wir, die Pfarrgemeinderäte der katholischen Pfarre Oberwart, möchten hiermit deutlich zur Kenntnis bringen, dass wir dankbar sind, einen Priester als Stadtpfarrer zu haben, der sehr darum bemüht ist, als Priester den Sendungsauftrag Jesu in unserer Zeit heute zu erfüllen (. . .)"

Geeint steht der Oberwarter Pfarrgemeinderat hinter Erich Seifner, das demonstrierten die Mitglieder auch am Sonntag während der Heiligen Messe. Seifner, der in den Medien stark für seine Unterrichtsmethoden kritisiert wurde und dem auch Handgreiflichkeiten gegen Schüler vorgeworfen wurden, ist nicht bereit, eine Stellungnahme gegenüber dem KURIER abzugeben.

Aufklärung. Wie berichtet, bemüht sich die Diözese um Aufklärung der Anschuldigungen gegen Seifner und hat deshalb die Ombudsstellen eingeschaltet. Montagnachmittag waren noch keine Beschwerden bei den eingerichteten Stellen eingegangen, erklärt Barbara Horvath-Piroska von der Diözese.

Die drei Geistlichen, die Bischof Ägidius Zsifkovics und Erich Seifner teils im KURIER und teils im ORF Report öffentlich kritisiert haben, hätten keine Konsequenzen zu fürchten, ist aus der Diözese zu erfahren. Gerüchte, dass die beiden Priester Josef Mikovits, Emmerich Zechmeister und Dechant Alfons Jestl bereits nach Eisenstadt zitiert wurden, seien falsch.

Pfarrer Johann Liedl aus Grafenschachen fand die Kritik der Priester nicht richtig. "Es ist schäbig, wenn man einen Bischof in einer so großen Öffentlichkeit kritisiert", sagt Liedl. So etwas gehöre intern geregelt. Er hält auch den Bischofswechsel für notwendig. "Es ist nicht leicht, Pfarrer zu sein. Bischof Iby hat meiner Meinung nach keinen engen Kontakt zu den Priestern gehalten", sagt Liedl, der 49 Dienstjahre hinter sich hat. Konsequenzen für seine Kollegen erwartet Liedl nicht. "Manche sind schon fast in Pension, was soll es da noch für Konsequenzen geben?"

"Hochwürdigste" Titulierungen befremden Jung und Alt

Im "martinus" vom 28.11.2010 ist ein Leserbrief von kfb-"Urgestein" Hilde Steiner (90) veröffentlicht, in dem sie die altmodischen Anreden wie "Hochwürdigster Herr..." beklagt.
Damit spricht sie nicht nur mir, sondern auch vielen andern von der Seele.


Montag, 29. November 2010

Ombudsfrau muss aktiv werden und "jedem Verdacht nachgehen"

Sehr geehrte Frau Dr. Gabriele Kindshofer,
Leiterin der Ombudsstelle für Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt der Diözese Eisenstadt

Grüß Gott und ein Detail am Rande: auf Ihrer Homepage steht "Erzdiözese" Eisenstadt und manche jüngsten Entwicklungen mögen diesen Eindruck auch vermitteln, doch wir sind einstweilen noch "Diözese".

In der ORF-Sendung „Report“ vom 23.11.2010 wurden schwere Vorwürfe gegen den neuen Leiter des Schulamtes der Diözese Eisenstadt Pfarrer Dr. Erich Seifner erhoben. Ich möchte Sie hinweisen auf die Presseaussendung der Laieninitiative Burgenland vom 24.11.2010:
Aufklärung der Vorwürfe gegen Schulamtsleiter notwendig
Anwendung der kirchlichen Richtlinien im Fall Seifner gefordert

Die Stellungnahme der "Diözesanleitung" ließ nicht lange auf sich warten. Doch angesichts der Ernsthaftigkeit der Situation erscheinen mir die beiden vorgebrachten Argumente
1. schriftliche Anschuldigungen gegen Dr. Seifner würden nicht vorliegen und
2. etwaigen mündlichen Vorwürfen seien die Inspektoren nicht nachgegangen

nicht angemessen.

Wie wird jetzt den mündlichen Vorwürfen angemessen nachgegangen? Was ist ihr Beitrag dazu?

Im Ordinariat hat und hatte man Kenntnis über die umstrittene Person von Dr. Seifner. Erst im Mai/Juni dieses Jahres sorgte er für einen Eklat und schaltete gegen eine pastorale Mitarbeiterin den Anwalt ein. Am 30. Juni richtete sich die Vermittlungskommission an Dr. Seifner - ohne Erfolg.

Zahlreich sind die Vorwürfe und Kommentare zu Pfarrer Seifners Unterrichtsmethoden, sein ökumenisches Verhalten oder sein Verhältnis zur katholisch-ungarischen Gemeinde. Und das Unfassbare: Pfarrer Seifner gilt als die "Vertrauensperson" des Herrn Bischofs! Er wurde Schulamtsdirektor und Mitglied der Diözesankurie. Für mich ist klar, dass viele Menschen aus der Oberwarter Region mit dieser Beförderung von Pfarrer Seifner vor den Kopf gestoßen wurden.

Als Leiterin der Ombudsstelle für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch der Diözese Eisenstadt ersuche ich Sie, Ihrer Verantwortung für die Gewaltopfer wahrzunehmen. Wie man hörte, will Pfarrer Seifner die Vorwürfe einem Anwalt übergeben und gerichtlich ausfechten. Wird hier nicht offensichtlich mit dem Fehlen von Beweisen gepokert? Leider wird damit in Kauf genommen, dass die Opfer ein weiters Mal gedemütigt werden.

Das viel zitierte Motto "Die Wahrheit wird euch frei machen" darf kein leeres Gerede bleiben.

Laut Rahmenordnung für die katholische Kirche in Österreich bezüglich Umgang mit Missbrauch und Gewalt (Pkt 3.2.2.) muss die Ombudsstelle "jedem Verdacht nachgehen, auch wenn eine Verjährung eingetreten sein sollte." Schwerwiegender Verdacht ist umgehend dem Diözesanbischof zu melden, da nur er "aus eigener Entscheidung oder über Antrag der verdächtigen Person eine Dienstfreistellung bis zur Klärung des Sachverhaltes verfügen" kann.

Die Richtlinien empfehlen Selbstanzeige und raten zur Fremdanzeige bei der Staatsanwaltschaft - beides in diesem Fall wenig realistisch.

Ich ersuche Sie, im Fall Seifner die kirchlichen Richtlinien genau anzuwenden und "jedem Verdacht nachzugehen".

Mit freundlichen Grüßen
Eduard Posch

Dr. Lothar Müller an Bischof Zsifkovics

Lothar Müller, Dr.theol., Tirol 25.11.2010
Herrn
Patrick Divos
Diözese Eisenstadt

Sehr geehrter Herr Divos!
(Herr Divos ist Mitarbeiter im Bischöflichen Sekretariat und Ordinariat, Anm.)
Zunächst einmal wünsche ich Ihnen als – so vermute ich – jungem Mitarbeiter des „jungen“ Herrn Bischofs Ägidius alles Gute und Gottes Segen für Ihre wichtige Arbeit.

Obwohl Tiroler, den die Situation Ihrer Diözese höchstens unter den Aspekten der (globalen) Katholizität und der auch bei uns spürbaren Sympathie für Herrn Altbischof Dr. Iby überhaupt etwas angeht, darf ich nach jüngsten Meldungen in den Medien ganz kurz etwas dazu sagen.
Und ich darf Sie, sehr geehrter Herr Divos auch bitten, dies trotz meiner „hierarchischen Unmaßgeblichkeit“ auch Herrn Bischof Ägidius mitzuteilen!
1. Weil ich ihm alles Gute wünsche und mir von seiner Person und Herkunft einen wichtigen Beitrag im oft problematischen Umgang mit Minderheiten erwarte und erhoffe sage ich: Präsentationen bischöflicher Gewänder und „altkluge“ Gulasch – Vergleiche sind kontraproduktiv! Aber das wird er ja mittlerweile mitbekommen haben.
2. Wenn ich allerdings lesen muß, daß „die Leute Angst“ hätten, dann geht mir das unter die Haut! Der liebe Bischof Ägidius wird noch sehr lange dienen müssen. Und er wird mit Sicherheit in die „Zeit der Bilanzierungen“ kommen. Ganz einfach: Wieviel Gläubige (und zugleich Beitragszahlende) hast Du übernommen und wieviele sind es jetzt oder am Ende Deiner Amtszeit.
Gewiß! Das ist hart, aber es ist im Kommen. Und das ist auch gut so. Weil die Zeiten des Abschiebens der Verantwortung für Akzeptanz – und Kommunikationsdefizite auf den lieben Gott oder die bösen Zeitströmungen damit endlich vorbei sind. Und wenn jemand noch glaubt, in einer kirchlichen Dienstfunktion Macht ausüben zu können – dann ist er überhaupt fehl am Platz. Im Volksmund: „Der soll sich schleichen“.
Unter diesem Aspekt sage ich – obwohl ich den Vorwurf noch nicht glauben will: der Einzige, der Angst haben müßte , wäre in dem konkreten Fall: der Bischof. Und seine „Umgebung“. Patrick, denken Sie daran!

3. Ich muß – als Moraltheologe – noch eine Bitte äußern! Dabei geht es nicht um den noch immer schwärenden Konflikt um den weithin anerkannten Herrn Altbischof Dr. Iby. Der kann – ob seiner Ihnen sicherlich bestens bekannten österreichweiten Anerkennung gar nicht - wie publiziert – „weggeschoben“ werden. Meine Bitte, vielmehr Frage geht um die Aussagen bzw. Forderungen des H.H. Bischofs Ägidius beim Martinsfest Ihrer Diözese.
Ich las: „Dankbar rückwärts. Mutig vorwärts. Gläubig aufwärts“. Das klingt unheimlich gut.
Aber – Sie kennen als Theologe sicher dieses unangenehme aber im Sinne der Wirksamkeit der Botschaft unvermeidliche (bin Jesuitenschüler!) „Aber“: Das „Gläubig aufwärts“ ist`s!! Gott braucht dieses „Gläubig aufwärts“ überhaupt nicht. Die Menschen bräuchten es. Horizontal!! Die Botschaft Gottes muß den Menschen –ohne Angst – nähergebracht werden.
Nicht dem lieben Gott! Wenn Bischof Ägidius einmal den liebenden Gott treffen wird, dann er – so wie Sie oder ich – danach gefragt werden, was wir für die Botschaft unter den Menschen getan haben. „Habe ich Euch nicht das aufgetragen“? – so wird die Frage lauten! Auch an einen Bischof!

Mit herzlichem Gruß aus dem Gebirge!

Lothar Müller

Sonntag, 28. November 2010

Enquete: "Zentralistische Bischofsernennung - Theologisch unhaltbare Willkür?"

Die gestrige Veranstaltung der Reformbewegungen in der katholischen Kirche (Laieninitiative, Plattform Wir sind Kirche, Pfarrerinitiative, Priester ohne Amt) zeigte deutlich:
"Das jetzige System der Bischofsbestellungspraxis in der Lateinischen Kirche kann man als eine Fehltentwicklung bezeichnen, weil sie weder auf biblischen Grundlagen, noch auf der historischen Praxis der Kirchengschichte beruht. Sie geht auch nicht konform mit der Communio Ekklesiolgie des II. Vatikanum." (Univ. Doz. Dr. Gerhard Hartmann)

Ich werde in den nächsten Tagen und Wochen von dieser interessanten Tagung berichten.