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Mittwoch, 4. Mai 2011

Bischof Morris ist über die Art seiner Abberufung betroffen

"Das pilgernde Volk lebt den Traum Gottes"

Das steht - zumindest noch heute - auf der Homepage der australischen Diözese Toowoomba. Ihr Bischof William Morris (67) ist am 1. Mai von Papst Benedikt XVI. vorzeitig in seinem 18. Jahr als Bischof von den Amtspflichten entbunden worden. Das gaben der Vatikan und die Apostolische Nuntiatur in Canberra am Montag in wenigen Worten und ohne Begründung bekannt.

Ende 2006 hatte Bischof Morris seinen Gläubigen im Advent-Hirtenbrief mitgeteilt, dass seine - flächenmäßig mit 166.000 Quadratmeilen und 34 Pfarren sehr große - Diözese im Jahr 2014 nur noch 19 Priester haben werde, den Bischof eingeschlossen. Zu seinen Vorschlägen, wie man die Krise bewältigen könne, gehörte die Wiederaufnahme von Priestern, die aus welchen Gründen auch immer ihren Dienst aufgeben mussten. Zudem schlug er die Weihe von verheirateten Männern und die Weihe von Frauen vor. Auch eine Kooperation mit Anglikanern und Protestanten brachte Morris ins Gespräch. In der Folge leitete der Vatikan eine Untersuchung ein.

In einem von Bischof Morris veröffentlichten Brief legt dieser seine Sicht der Vorgänge, die zu seiner Enthebung geführt haben, dar. Morris betont darin, sein beanstandetes Schreiben vom Advent 2006 sei "falsch gelesen" und "bewusst fehlinterpretiert" worden. Nach Beschwerden "einer kleinen Gruppe", der er nicht gepasst hätte, sei es zu einer Apostolischen Visitation gekommen.

Morris beklagt, dass er den Schlussbericht der Apostolischen Visitation nie gesehen hat und dass ihm ein ordentlicher Prozess sowie die Möglichkeit „einer angemessenen Verteidigung und Interessenvertretung in meinem Namen“ vorenthalten wurde. Jene konservativ-romtreuen Kreise, die mit ihm als Bischof der Diözese nicht einverstanden waren, hat Morris gegenüber Medien „Tempel-Polizei“ genannt.

Einen "freiwilligen Rücktritt", wie er offenbar verlangt wurden, lehnt Morris aus Gewissensgründen sowie "aus Liebe zur Kirche“ ab, da er bei seinen Aussagen zur aktuellen Situation der Kirche keinen Fehler sieht.

Bischof Morris ist bei Klerus und Volk sehr beliebt und erhält momentan viele Unterstützungs- und Solidaritätserklärungen.

Toowoomba: Priester stellen sich hinter Bischof Morris
Protest von Priestern: "Überragende Mehrheit der Katholiken der Diözese empfand pastorale Leitung von Bischof Morris als konstruktiv, fundiert und belebend"
Beitrag auf Kathpress >>

Plattform "Wir sind Kirche": Solidarität mit australischem Bischof Morris
„Wir sind Kirche“ sieht in der Abberufung des australischen Bischofs William M. Morris eine Verletzung der Menschenrechte durch eine menschenunwürdige diktatorische Entscheidung des Vatikans. Deshalb ruft die Kirchenreformbewegung alle Menschen die für Gerechtigkeit eintreten auf, bei der Nuntiatur gegen die Entscheidung zu protestieren und Solidarität mit dem australischen Bischof Morris aus der Diözese Toowoomba/Australien zu zeigen.
Zum Aufruf von Wir-Sind-Kirche mit der deutschen Übersetzung des Abschiedsbriefs von Bischof Morris sowie seinem Advent-Hirtenbrief 2006

Radio Vatikan: Vatikan/Australien: Bischof suspendiert
Kathpress: Australischer Bischof scheidet vorzeitig aus seinem Amt

Community rallies behind bishop
THE forced retirement of Catholic Bishop William Morris continues to make headlines across the country, as people rally behind the ousted diocese leader.
Toowoomba’s Fr Hal Ranger – who was a parish priest at Warwick several years ago – yesterday condemned the Vatican for their heavy-handed treatment of the revered Bishop.

Church slammed for dumping Toowoomba bishop
Catholic leaders have criticised the church hierarchy for a lack of transparency after the Vatican confirmed the removal of a long-serving Queensland bishop.
* Video: Pope 'forces' Toowoomba bishop out of church (7pm TV News QLD)
* Audio: Catholic Bishop retires early amid Vatican row (The World Today)

'Temple police' blamed for Toowoomba Bishop William Morris' downfall

Diocesan Pastoral Plan
It stressed four things:-
1. It is vital to have a Pastoral Plan in every local Church;
2. The plan should involve all the people and all the organizations and movements within the Diocese;
3. The plan calls for participation, dialogue and community discernment; and
4. The plan flows from the spirituality of the Second Vatican Council, which is the spirituality of communion.

Dienstag, 15. Februar 2011

"Für eine Kirche mit Zukunft - Eckpunkte für eine menschenrechtskonforme Kirchenverfassung"

Aus Aktualitätsgründen möchte ich auf meinen Blogeintrag vom 15.09.2010 hinweisen, der die Eckpunkte einer menschenrechtskonformen Kirchenverfassung beinhaltet, auf Grundlage folgender sieben Prinzipien:

1. Gewaltenteilung
2. Subsidiarität
3. Repräsentanz
4. Mitwirkung
5. befristete Amtszeiten
6. Rechenschaftspflicht
7. Schriftlichkeit

Quelle: Batschunser Erklärung 2010 zur Notwendigkeit einer neuen Kirchenverfassung
„Für eine Kirche mit Zukunft - Eckpunkte für eine menschenrechtskonforme Kirchenverfassung“

Donnerstag, 11. November 2010

Eine Erinnerung an Eisenstadt zu Martini 1966


Pfarrer Dietmar Stipsits auf der Pfarrhomepage von Bad Tatzmannsdorf:

interessant, wie Bischof Schoiswohl vor 44 Jahren von Kirche gesprochen hat. da dies m. e. noch immer höchst aktuell ist, hier die zusammenfassung:

Kathpress / Inland

Bischof Schoiswohl
sprach im Festvortrag der Martinsfeier in Eisenstadt über die Kirche der Zukunft – Anstelle des ”bedingungslosen Gehorsams und der Gängelbandmethoden wird die Kollegialität auf allen kirchlichen Ebenen treten, der Abbau des weltlichen Herrschaftsstiles, von Hofhaltung und Byzantinismus

Eisenstadt 14.11.1966

Die katholische Kirche im Burgenland beging ~ in Verbindung mit dem Jubiläum Bischof Laszlos ~ durch eine Feier im Eisenstädter Schloss auf festliche Weise den Tag des burgenländischen Landespatrons, des hl. Martins.

Der Grazer Bischof Schoiswohl beschäftigte sich dabei in seinem Festvortrag auf Grund der Aussagen der Theologie der Gegenwart und des Zweiten Vatikanischen Konzils mit den Strukturen der Kirche der Zukunft. Dabei unterstrich der Bischof mit Nachdruck, dass die Kirche wesentlich brüderliche Gemeinde zu sein habe. In der Kirche der Zukunft werde die Gemeinschaftsstruktur stärker hervortreten und das Leben der Gläubigen bestimmen”

Der Vortragende sprach sich in diesem Zusammenhang für die Vermenschlichung der gottesdienstlichen Atmosphäre aus.

Er bemerkte, dass ein “Plauscherl” in den Bänken vor Beginn des Gottesdienstes mehr den Gemeinschaftscharakter und die christliche Freundlichkeit zum Ausdruck bringe als die Abschließung von den anderen auf Grund einer individualistischen Frömmigkeitsauffassung. Mit Bedauern stellte er fest, dass in der Gegenwart der Christ ein “privatisierender Christ” geworden ist, der in erster Linie sein individuelles Heil sucht und dabei glaubt, die christliche Norm zu erfüllen. In der Kirche der Zukunft werde sich jeder Getaufte, der den anderen nicht zu Hilfe kommt und nicht die Gesinnung der Brüderlichkeit aufbringt, von selbst außerhalb der Gemeinde stellen.

In der Kirche der Zukunft habe der Paternalismus, der kennzeichnend für den Autoritätsstil der Kirche der Vergangenheit war, keinen Platz mehr. Anstelle des bedingungslosen Gehorsams und der Gängelbandmethoden werde die Kollegialität treten. Sie dürfe nicht bloß das Verhältnis zwischen Papst und Bischöfen bestimmen, sondern müsse auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens zur Geltung gebracht und angewendet werden. Das Kennzeichen aller kirchlichen Gemeinschaften müsse die Brüderlichkeit sein.

Die Einfachheit bezeichnete Bischof Schoiswohl als ein wichtiges Merkmal der Kirche der Zukunft. Einfachheit und Dienst bedingten einander gegenseitig, daher sei es notwendig, in der Kirche einen weltlichen Herrschaftsstil, Hofhaltung und Byzantinismus abzubauen. Dienstgesinnung und Einfachheit müssten ergänzt werden durch die Vermenschlichung aller kirchlichen Lebensäußerungen und durch neue Formen der Begegnung.

Besonders unterstrich der Bischof, dass in der Kirche der Zukunft die Gläubigen für ihr Weltwirken von der kirchlichen Autorität keine kirchlichen Weisungen erwarten dürfen, sondern auch auf Grund der Freiheit, die sie als Christen genießen, und auf Grund ihres mündigen Gewissens in der Welt zu wirken und sich zu bewähren haben. Die Diasporasituation erfordere eine zeitgemäße Seelsorge, das Zeugnis der Gläubigen in den weltlichen Bereichen und den Dialog mit allen Menschen. Dabei müssten die Christen beachten, dass sie mit dem Partner auf gleicher Ebene stehen; mit Belehrung sei es nicht getan. Jeder Partner sei im Dialog der Wahrheit verpflichtet und müsse bereit sein, sogar Korrekturen an eigenen Denkmodellen vorzunehmen.
Anmerkung:

Samstag, 23. Oktober 2010

"Kirchlicher Tsunami ist keine Strafe Gottes, sondern das Werk der Eiferer"

Heute, am 23.10.2010 hätte in Oberwart der Diözesantag im Rahmen der 50-Jahr Feiern der Diözese Eisenstadt stattfinden sollen. Wie bekannt, hat der neue Bischof Ägidius kurzerhand diese zwei Jahre lang vorbereitete Dialogveranstaltung abesagt. Die Auseinandersetzungen rund um diese Absage haben unter anderem auch zur Gründung dieses Blogs "Begegnung und Dialog" geführt.

Anstelle dass heute ein Dialog über pastorale Schwerpunkte stattgefunden hätte, ist ein "Kirchlicher Tsunami" in die Diözese Eisenstadt eingefallen, der seinesgleichen sucht.

Die Plattform "Wir sind Kirche" hat in einer Presseaussendung vom 21. Oktober 2010 unter anderem folgendes geschrieben:

STURM ÜBER DEM BURGENLAND - Ägidius Zsifkovics bricht mit der bewährten Art Ibys

Der fast lückenlose Austausch der Führungskader in der Diözese Eisenstadt zeigt, dass der neue Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics einen anderen Kurs als Bischof Iby steuern möchte. Dabei reizt er das Kirchenrecht aus. Folgende Positionen wurden bereits ausgetauscht, um eigene Vertraute an die Schalthebel der Diözese zu bringen: Der Generalvikar, der Leiter von Pastoral- und Schulamt, der Regens des Priesterseminars, nunmehr der Leiter der CARITAS. Die Leitung der Kirchenzeitung und des Verlages wurde neu besetzt, ebenso wie die Bischofsvikare für die ungarische und die kroatische Volksgruppen. Außerdem wird (einzigartig in Österreich) die Stelle eines Moderators der Diözesan-Kurie für Petar Ivandić neu geschaffen. Diese extreme Kurskorrektur ist eine deutliche kirchen-politische Umfärbung.

Das Kirchenrecht lässt solch ein Verhalten zu. So zeigt diese Vorgangsweise mehr als deutlich, dass die Änderung des Kirchenrechts dringend nötig ist. Macht muss kontrollierbar sein. Ein Bischof, der mit Feuereifer alles verändert, was seine Vorgänger mühsam aufgebaut haben, erzeugt Angst.

Ganz offensichtlich war Zsifkovics bisher nicht in der Diözese heimisch. Die Zahl derer, die nicht über seine Ernennung erfreut sind, ist offensichtlich viel größer, als er es anfangs eingestehen wollte. Diese Art der Abberufungen wird Spuren in der Diözese hinterlassen. Naturgemäß schafft sich damit niemand Freunde. Schon jetzt entsteht bei den kirchlich Angestellten ein Klima von Misstrauen und Schrecken, wie es normalerweise in Diktaturen üblich ist. Aber auch Zsifkovics wird noch Freunde brauchen.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ sieht ihre immer wieder vorgetragenen Forderungen mehr als bestätigt: wir brauchen in der Kirche dringend eine Verfassung mit Strukturen der Mitbestimmung des Kirchenvolkes in Personalfragen (Bischofsbestellung und andere Personalentscheidungen), die Einforderbarkeit der Menschenrechte innerhalb der Kirche, die Repräsentanz der Entscheidungsgremien, eine Teilung und Begrenzung der Macht, eine Begründungs- und Rechenschaftspflicht aller Amtsträger und Gerichte, die Entscheidungen auf ihre Sachlichkeit und Notwendigkeit überprüfen und aufheben können.

„Weil wir solche Zustände verhindern wollen, fordern wir eine Änderung des Kirchenrechts“, sagt der Vorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“, Hans Peter Hurka.

Gleichzeitig ruft er Zsifkovics auf, endlich Vernunft anzunehmen und einzusehen, er könne nicht gegen die ganze Welt in Eisenstadt die Zeit zurückdrehen. Zsifkovics soll sein brutales Vorgehen hinterfragen. Jesu Botschaft ist die von einem liebenden und menschenfreundlichen Gott. Bloßes Machtgehabe wird die Menschen nicht in der Kirche halten und schon gar nicht einladen.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Wie "demokratisch" soll Kirche sein?

Referent: em. Univ. Prof. Dr. Valentin Zsifkovits

Vorstellung des Referenten durch Dr. Herbert Kohlmaier:
Der emeritierte Ordinarius für Christliche Sozialwissenschaften an der Uni Graz Valentin Zsifkovits hat sich mit diesem Thema wiederholt und engagiert-kritisch befasst, insbesondere 1997 mit dem Buch „Die Kirche, eine Demokratie eigener Art?“, welches Helmut Krätzl als „starken Anstoß zur weiteren Diskussion im Sinne der Erneuerung“ bezeichnete.

Priesterweihe 1958, Doktor der Theologie und der Staatswissenschaften. Zahlreiche Publikationen, auch nach der Emeritierung., u. a. „Politik ohne Moral?“, „Wirtschaft ohne Moral?“, „Demokratie braucht Werte“ und zuletzt „Was wir brauchen - Ethik im Alltag“.
Bemerkenswert ist sein Brief an Bischof Kapellari, der veröffentlicht wurde und in dem der Referent den Titel „Monsignore“ zurückgegeben hat, da er nicht „Ehrenkaplan einer Amtskirche sein will, in welcher eitles Karrierestreben eine schädliche Rolle spielt“.

Wenn ihm vorgehalten worden sei, dass er häretische Aussagen treffe, müsse er darauf verweisen, dass „Bischöfe keine Kapläne bzw. Delegaten des Papstes sind“. Würden diese Basisinteressen nicht ehrlich und verantwortungsvoll vertreten, laufe der Papst Gefahr, ein „Schreibtischtäter“ zu werden.

Aus dem Referat:
In der Demokratie geht das Recht vom Volk aus und in der Kirche - so wird gesagt - von Gott. Allerdings berief sich Professor Ratzinger 1970 auf Zyprian, der sagte, dass nichts ohne den Bischof geschehen sollte - aber ebenso nichts ohne Rat und Konsens - auch des Volkes! Tatsächlich bildet die Gemeinde die innere Struktur kirchlicher Demokratie. Diese bedeutet ja, dass die Mitglieder eines Gemeinwesens in größtmöglicher und sinnvoller Weise am Bilden des Gemeinschaftswillens mitwirken sollen. Nicht „Volksdemokratie“ soll bestehen, sondern ein freiheitliche, soziale und rechtsstaatliche.

Es gibt keine Gesellschaft ohne Macht, aber Popper weist zu Recht daraufhin, dass in der Demokratie nicht Diktatoren umgebracht werden müssen, sondern abgewählt werden können. Wesentlich wäre, dass Gottes Wille im Volk verwirklicht werden kann. Pius XII. erklärte gegenüber dem Kardinalskollegium, auch in der Kirche wäre das Subsidiaritätsprinzip anzuwenden - die Hierarchie bilde da kein Hindernis, was auch Nell-Breuning so sah.

Das bedeutet: Was der Einzelne leisten kann, darf ihm nicht entzogen und von der übergeordneten Instanz nicht in Anspruch genommen werden. Nicht zu Unrecht wurde daher der Kirche vorgeworfen, dieses von ihrer Soziallehre verkündete Prinzip nicht in den eigenen Reihen vorbildhaft anzuwenden.

Der Heilsdienst würde dies aber erfordern. Doch warum geschieht das nicht? Wer Macht hat, will nicht, dass sie beschränkt wird. Aischylos sagt, dass viel Leiden daher kommt, dass zu spät geschieht, was früher hätte geschehen können. Das gilt auch für die Spaltungen in der Kirche. Man muss bedenken, dass der Papst eine Macht hat, die er - außer er wäre eine göttliche Person - gar nicht ethisch verantwortungsvoll ausüben kann. Macht bedarf der Teilung, immer der ausreichenden Information und des Lernens anhand von Fehlern. Einseitige Information kann viel schaden, wie die jüngsten Fehler gezeigt haben - leider gibt es ja auch die Intrige.

Es geht um die Entziehung der Willkür, Selbstbestimmung ist der wesentliche Faktor der Freiheit. Beteiligung des Volkes heißt nicht Druck von der Straße! Die Verantwortung für alle muss natürlich von qualifizierten Personen ausgeübt werden. Wenn gesagt wird, die Kirche sei keine Demokratie, muss hinzugefügt werden, dass sie auch keine Diktatur im Namen Gottes sein darf. Die positiven Erfolge der Demokratie können in jeder Gemeinschaft verwirklicht werden. Das muss Schritt für Schritt in einem fairen Kampf erarbeitet werden, denn Mitbestimmung wurde nie geschenkt. Zählen müssen die Argumente, und zwar mutige!

Aus den Antworten in der Diskussion:
* Es gibt eine Kirchenenttäuschung, die vielen zu schaffen macht - hier liegt die tiefe Wurzel der Religionskrise. Es bedürfte der „unsichtbaren Wirkung der sakramentalen Gnade“, nicht aber fraglicher Heilmittel (wie Medjugorje ...)

* Auch in der Kirche ist der „Produktionsfaktor“ Personal entscheidend, doch derzeit finden wir überall ein schwaches Führungspersonal, was auch den Nachwuchs betrifft - es besteht also Handlungsbedarf!

* Sehr viel liegt am Rekrutierungssystem. Was den Zölibat als Hindernis betrifft, wäre es eigentlich logisch, zuerst auf bereits ehelos lebende Frauen zurückzugreifen! Zulehner sagte bekanntlich, dass der Zölibat (neben der Einehe) zu den „Hochrisikolebensformen“ zähle.

* Schon in der Bibel wird Widerstand gegen Könige geleistet, weil Gott als der alleinige Herrscher angesehen wurde. Priester waren aber als „Gralshüter“ des Willens Gottes auch Herrscher.

* Es gibt zu allen Zeiten viel Wandel, der auch die Symbole und die verwendete Sprache betrifft. Uniformen kommen eigentlich „aus der Hölle“! Überholte Strukturen haben niemals Bestand, wenn sich das Bewusstsein ändert.

* Das Wichtigste in einer positiven Entwicklung ist immer das gute Beispiel. Paulus verlangt bekanntlich, dass ein Bischof ein guter Familienvater sein soll.

* Leider gibt es „therapieresistente“ Menschen. Würde jeder in seinem Verantwortungsbereich richtig handeln, wäre alles gewonnen - trotz allen Elends der Welt! Es hat auch Jahrhunderte gedauert, bis sich die Menschenrechte durchsetzten und die Sklaverei überwunden wurde.

* Bei jedem langwierigen Prozess ist im Kleinen anzufangen, wir brauchen die Tugend der aktiven Geduld. Es gibt auch einen Wandel des Rechts durch Nichtbeachtung, also „zivilen Ungehorsam“. Bischof Lobinger hat berichtete, wie man sich in Südafrika beim Priestermangel geholfen habe - man habe auf den Vatikan einfach nicht gewartet.

* Was die Wahl der Bischöfe betrifft, habe ich konkrete Vorschläge für anzuwendende Modelle - es sollten von der Diözesankirche Vorschläge kommen - 3 gereihte Personen -, wobei auch die Nationalkirche befasst werden sollte. Um der Überforderung des Papstes zu begegnen, sollten im Sinn des Subsidiaritätsprinzips Patriarchate der Kulturkreise gebildet werden.

* Die Kirche darf nicht mit dem Reich Gottes gleichgesetzt werden, dieses darf nicht hinaus geschoben werden.

* Es bedarf der heute fehlenden praktischen Begabung, nicht der konservativen Gruppen, damit etwas weitergeht in Rom - es gibt eine Wahrheit der Resultate und der Fakten.
Schmidtmayr versucht ein Resümee: Wir müssen in unserem Lebensraum Kirche so leben, wie sie sein sollte. Wir müssen uns immer zu Wort melden, auch kritisch - es bedarf jedenfalls des „langen Atems“...

Zur Beachtung: Das Buch des Herrn Vortragenden „Die Kirche, eine Demokratie eigener Art?“ ist nach wie vor im Buchhandel erhältlich - LIT - Verlag 1997, ISBN 3-8258-3422-0.

Tagung des "Lainzer Kreises" am 15. März 2009. Für das Protokoll: Herbert Kohlmaier

Donnerstag, 16. September 2010

Petar Ivandic - die starke Hand von Bischof Ägidius?


Seit der Ernennung von Dr. Ägidius Zsifkovics zum neuen Bischof der Diözese Eisenstadt am 09. Juli 2010 greift ein Mann in die Leitung der Diözese ein, der bislang wenig bekannt war und nur kurze Zeit Bezug zum Burgenland hatte: Dr. Petar Ivandic.
Ohne den engsten Vertrauten geht in der Diözese Eisenstadt seither wenig bis gar nichts.
Einige Daten zu Petar Ivandic:
1. Geboren 1969 in Zavidovici (Bosnien-Herzegowina)
2. Studium der Theologie in Sarajevo und Zagreb mit Abschluss im Jahr 1996
3. Weihe zum Priester der Diözese Eisenstadt im Jahr 1998
4. Danach Pfarrmoderator in Pama
5. Pfarrmoderator von Wiesen 2001 - 2004
6. 2004 - 2010 Studium des Kirchenrechts an der Päpstlichen Universität Gregoriana, das er am 2. Juli 2010 beendete - fast zeitgleich mit der Bekanntgabe der Ernennung von Bischof Ägidius am 09. Juli 2010.

Seine Rolle in der Leitung der Diözese Eisenstadt seit der Ernennung von Bischof Ägidius ist bemerkenswert und wird mit Verwunderung registriert.
Viele Fragen drängen sich auf. Vor allem auch vor dem Hintergrund des Titels und des Themas seiner Dissertation: "Erforderliche vorgeschriebene beratende Gremien des Diözesanbischofs im allgemeinen Gesetz der lateinischen Kirche und ihre Anwendung in bestimmten Normen der Diözese Eisenstadt."

Mittwoch, 15. September 2010

Appell der österreichischen PFARRER - INITIATIVE

In einer Resolution appelliert die österreichische Pfarrer-Initiative an die Mitchristen in der katholischen Kirche:"Treten Sie nicht aus, sondern helfen Sie den Reformbewegungen dafür einzutreten, dass die Kirche ihren Auftrag zeitgemäß erfüllt. Die Kirche ist für die Menschen da und nicht umgekehrt!"

Die Grundsätze einer neuen Kirchenverfassung

Die Grundsätze einer neuen Kirchenverfassung sollen folgende Bereiche berücksichtigen:
1. Grundrechte
2. Gewaltenteilung
3. Faires Verfahren
4. Mitbestimmung
5. Kontrolleinrichtungen

"Für eine Kirche mit Zukunft - Eckpunkte für eine menschenrechtskonforme Kirchenverfassung"

Batschunser Erklärung 2010 zur Notwendigkeit einer neuen Kirchenverfassung. Folgende sieben Prinzipien stellen die Eckpunkte einer neuen Kirchenverfassung dar:
1. Gewaltenteilung
2. Subsidiarität
3. Repräsentanz
4. Mitwirkung
5. befristete Amtszeiten
6. Rechenschaftspflicht
7. Schriftlichkeit

"Wiener Manifest " zur grundlegenden Erneuerung des Kirchenrechts

Die Enquete: „Kirchenreform und Menschenrechte" der Reformbewegungen in der Österreichischen Katholischen Kirche am 20. November 2009 in Wien hat den Nachweis der Unhaltbarkeit des römisch-katholischen Kirchenrechts (Codex Juris Canonici 1983) erbracht.
Dieses widerspricht vielfach sowohl den biblischen Vorgaben und den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils als auch den heute allgemein anerkannten Grund- und Menschenrechten.
"Laieninitiative"
Plattform "Wir sind Kirche"
"Priesterinitiative"
"Priester ohne Amt"