Freitag, 24. Juni 2011

Pfarrerinitiative: Aufruf zum Ungehorsam


Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden:

Wir Priester wollen künftig Zeichen setzen:

1 WIR WERDEN in Zukunft in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen. Wir nehmen das Bibelwort ernst: Bittet, und ihr werdet empfangen. Vor Gott gilt Redefreiheit.

2 WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschieden-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene.

3 WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.

4 WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit.

5 WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.

6 WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.

7 WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge.

Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten. Beide Gruppen folgen mit ihrer Entscheidung ihrem Gewissen - wie ja auch wir mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen ebenso wie im Papst und den Bischöfen "unsere Brüder". Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht. Einer ist unser Meister - wir alle aber sind Brüder. "Und Schwestern" - sollte es unter Christinnen und Christen allerdings heißen. Dafür wollen wir aufstehen, dafür wollen wir eintreten, dafür wollen wir beten. Amen.

Dreifaltigkeitssonntag, 19. Juni 2011
Pfarrerinitiative >>

Mittwoch, 22. Juni 2011

Melker Altabt Burkhard: Alle Getauften und Gefirmten haben Auftrag der Verkündigung

Neue Perspektiven in der Pastoral
Forum XXIII diskutierte mit Altabt Burkhard über neue pastorale Entwicklungen
Neue Perspektiven in der pastoralen Entwicklung angesichts der gegenwärtigen Situation sieht der Melker Altabt Burkhard Ellegast bei einem Vortrag vor dem Forum XXIII am 16. Juni im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Auch in der Diözese selbst sei ein „Ringen um neue Wege“ festzustellen, sagte er.
Es sei zu begrüßen, dass die Mitverantwortung der Laien zunehmend positiv gesehen werde, sagte Altabt Burkhard Ellegast. In einem Brief des Bischofs an die Priester werde neben vielen wertvollen Vorschlägen und Anregungen ein „Pfarrteam“ angeregt, das Verantwortung mittragen soll. Es werde darauf hingewiesen, dass nicht der Priester im Mittelpunkt der Pfarre stehe, sondern Christus. Der Priester habe dabei aber ganz bestimmte Aufgabe, nämlich die des guten Hirten. Hier geschehe bereits sehr viel, stellte Burkhard fest und ergänzte: „doch noch mehr ist möglich“.
Beitrag auf der Diözese St. Pölten >>

Forum XXIII - zur Orientierung in Kirche und Gesellschaft

Kirchliche Gleichstellungsinitiative Basel fordert Reform des Kirchenrechts

Grafik vom "Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen"


In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind in Staat und Gesellschaft die Forderungen nach der Gleichstellung der Geschlechter mehr und mehr umgesetzt worden. Eine solche Entwicklung geht in der Römisch-Katholischen Kirche weit langsamer voran oder ist sogar blockiert. Der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt allein auf Grund ihres Geschlechts widerspricht jedoch dem Grundrecht der Gleichstellung der Geschlechter und ebenso dem Evangelium Jesu, das zu einer Gemeinschaft von Gleichgestellten aufgerufen hat. Die Diskriminierung von Frauen in der Römisch-Katholischen Kirche ist für uns inakzeptabel, und es gilt, ein Zeichen zu setzen.

Der Reformstau betrifft noch andere ungelöste Fragen und macht unsere Kirche zunehmend unglaubwürdig. Vielen Menschen fällt es daher immer schwerer, sich mit ihr zu identifizieren und Mitglied zu bleiben.

Weil in den vergangenen Jahren innerkirchlich schon einiges unternommen, jedoch wenig bewirkt worden ist, greifen wir, Frauen und Männer der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt und der Römisch-Katholischen Landeskirche Basel-Landschaft, zum demokratischen Mittel einer kirchlichen Verfassungsinitiative.

Diese Initiative soll die Behörden der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt und der Römisch-Katholischen Landeskirche Basel-Landschaft (d.h. Synoden und Kirchenräte) verpflichten, darauf hinzuwirken, dass die Römisch-Katholische Kirche die gleichberechtigte Zulassung – unabhängig von Zivilstand und Geschlecht – zum Priesteramt ermöglicht.
Unterstützen Sie unser Anliegen!

Das heisst:
- Abschaffung des Pflichtzölibats und
- Zulassung der Frauen zum Priesteramt

Unterschriftsberechtigt sind zwar nur Kirchenmitglieder von Basel-Stadt und Basel-Land, aber man kann sich auch als "Sympathisant(in)" in eine Online-Liste eintragen.


Link zur Kirchlichen Gleichstellungsinitiative Basel

Dienstag, 21. Juni 2011

Opus Dei bald allgegenwärtig?


In letzter Zeit hört man immer häufiger, dass Leitungsämter in der katholischen Kirche mit Männern aus dem Opus Dei besetzt werden. An den "Annäherungsgesprächen" zwischen der Päpstliche Kommission Ecclesia Dei und den Lefebvrianer, die vor dem Abscchluss stehen sollen, ist das Opus beteiligt.

Nun ist der spanische Opus-Dei-Priester Msgr. Miguel Delgado Galindo (48) vom Papst zum neuen Untersekretär und damit zum "dritten Mann" im vatikanischen Laienrat ernannt worden. Siehe dazu auf Kathpress >>

Der Gedenktag für den Gründer von Opus Dei, Josefmaria Escrivá, ist der 26. Juni. Vor zwei Jahren feierte Ägidius Zsifkovics, damals Generalsekretär der Bischofskonferenz und inzwischen Bischof von Eisenstadt, zusammen mit dem Regionalvikar des Opus Dei in Österreich Ludwig Juza und dem Rektor der Wiener Peterskirche Christian Spalek die Festmesse in der Wiener Peterskirche. Siehe Beitrag auf Opus-Dei.at >>

Der wachsende Einfluss des Opus Dei innerhalb der Hierarchie sorgt für Diskussionen und Unruhe. Es bleibt zu hoffen, das es im Burgenland nicht dazu kommt.

Opus Dei auf Wikipedia >>

Artikel von Friedrich Griess: Der Konflikt um das Opus Dei

Messen zu Ehren des hl. Josefmaria 2011

Montag, 20. Juni 2011

Lockenhaus: Bürgermeister beklagt Dialogverweigerung bei Pfarrbesetzung


Interview auf echtzeit-tv >>


Bei unseren Filmarbeiten erfuhren wir von den Kirchgängern, dass Bischof Ägidius Zsifkovics den Lockenhauser Pfarrer Angelo, von der Pfarrgemeinde abziehen wird und das gegen den Willen der Bevölkerung.
Zsifkovics, ein Bischof, der die Wünsche der Gläubigen dermaßen ignoriert, dass viele sogar über einen Kirchenaustritt nachdenken.
Da stellt sich schon die Frage ob sich die Kirche in der heutigen Zeit noch leisten kann, so über die Bevölkerung hinweg zu entscheiden.

Interview auf echtzeit-tv >>

Papstkult als Grundübel der katholischen Kirche

[...] Viele Mitglieder der katholischen Kirche verfügen in Sachen Kirchenreform über eine hohe Kompetenz, und aus guten Gründen verweisen sie darauf, dass auch ihnen der Beistand des Geistes versprochen ist: »Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr braucht euch von niemand belehren zu lassen.« (1 Joh 2,27). Viele von ihnen haben sich zu engagierten Gruppen zusammengeschlossen. Stellvertretend seien hier nur die »Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen (AGP)«, »Wir sind Kirche«, die Initiative »Kirche von unten« oder die junge Initiative pro concilio genannt. Man kann sie nicht als destruktive Kritiker diskriminieren, denn je mehr sie ihre Forderungen argumentativ unterbauen, umso klarer stehen die Kirchenleitungen für ihre Ansprüche und ihr Verhalten unter Beweiszwang. Andernfalls höhlt sich ihre Legitimität ebenso aus wie die Verpflichtung der Kritik zur Loyalität. Nicht eine Revolution ist auszurufen, aber zu eigenen Wegen ist zu ermuntern, weil wir sie guten christlichen Gewissens gehen können. Die innerkirchliche Kommunikation ist zum Erliegen gekommen; Wolfgang Seibel SJ hält den Papstkult, der heute in der katholischen Kirche betrieben wird, für eines der Grundübel der katholischen Kirche. Dabei geht es nicht um dessen Abschaffung, sondern darum, dass der Nachfolger des Petrus statt vielfältiger Machtansprüche endlich seine Brüder und Schwestern stärkt. Dies hätte für die gesamte Autoritätsstruktur der katholischen Kirche eine Signalwirkung. [...]
in: Hermann Häring, Freiheit im Haus des Herrn. Vom Ende der klerikalen Weltkirche, Gütersloh 2011, 60.


Aus ähnlicher Perspektive:
... ein sehr bekannter Konzilstheologe schrieb 1968 folgendes: "Über dem Papst als Ausdruck für den bindenden Anspruch der kirchlichen Autorität steht noch das eigene Gewissen, dem zuallererst zu gehorchen ist, notfalls auch gegen die Forderung der kirchlichen Autorität"

Zuerst das Gewissen und dann der Papst
Andreas R. Batlogg SJ in „Stimmen der Zeit“ über Henry Newmans Lehre vom Gewissen