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Mittwoch, 3. Mai 2023

Weihbischof Helmut Krätzl 92-jährig verstorben

 

Weihbischof am Dienstag im 92. Lebensjahr verstorben - Kardinal Schönborn würdigt den Verstorbenen: "Die Erneuerung der Kirche blieb bis zum Ende sein Herzensanliegen" - Mit Krätzl ist einer der letzten unmittelbaren Zeitzeugen des Zweiten Vatikanischen Konzils verstorben
Katholisch.at, 2.5.2023


Er wollte "heiße Eisen schmieden": Weihbischof Krätzl ist tot
Beliebt und umstritten: Helmut Krätzl widmete sein Leben der Öffnung der Kirche – und eckte dabei mit liberalen Positionen an.
KURIER >>

 
Nachruf
Weihbischof Helmut Krätzl gestorben
Der langjährige Wiener Weihbischof Helmut Krätzl ist heute im Alter von 91 Jahren gestorben. Zeit seines Lebens setzte sich Krätzl für die konsequente Verwirklichung des Zweiten Vatikanischen Konzils, für ökumenische Verständigung, für den interreligiösen Dialog und den Dienst der Kirche an der Gesellschaft von heute ein. 
ORF.at >>


Evangelische Kirche verliert profilierten und liebevollen Gesprächspartner in der Ökumene
Evangelische Stimmen zum Tod von Weihbischof Krätzl
evang.at >>



 
AKTUALISIERUNG:
 

Wien: Kirche, Staat und Gesellschaft nahmen Abschied von Weihbischof Krätzl
Kardinal Schönborn bei Requiem im Stephansdom: Unerschütterliche Liebe zur Kirche und Kritik an kirchlichen Fehlentwicklungen gehörten für Krätzl zusammen
Katholisch.at, 15.05.2023


Zulehner würdigt Krätzl als "Bischof der Weltoffenen"
Pastoraltheologe erkennt in Beisetzung des verstorbenen Wiener Weihbischofs zugleich das "Ende der Ära König"
Katholisch.at, 15.05.2023

Montag, 25. Oktober 2021

Weihbischof Helmut Krätzl wird 90

 


Weihbischof Krätzl feiert 90. Geburtstag

Der Wiener emeritierte Weihbischof Helmut Krätzl feiert am Samstag, 23. Oktober, seinen 90. Geburtstag. Krätzl war über viele Jahrzehnte in unterschiedlichen Funktionen der römisch-katholischen Kirche tätig. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil war er als Stenograf mit dabei. 


Mahnende Stimme: Weihbischof Helmut Krätzl wird 90

Er ist einer der letzten Zeitzeugen des Zweiten Vatikanischen Konzils und war als Weihbischof unter den Kardinälen König, Groer und Schönborn ein Verfechter der konziliaren Reformen: Am 23. Oktober 2021 wird Bischof Helmut Krätzl 90 Jahre alt. – Geboren wurde Krätzl 1931 in Wien. Schon als Bub beim Ministrieren faszinierte ihn die Liturgie.
Er trat 1949 ins Priesterseminar ein, wurde mit 22 Jahren zum Priester geweiht und war bald darauf Zeremoniär des neuen Wiener Erzbischofs Franz König. Anfang der 1960er-Jahre setzte Krätzl sein Studium in Rom fort und erlebte die ersten Sitzungen des Konzils unter Papst Johannes XXIII. als Stenograf hautnah mit.
Er wurde zum Verfechter der dort beschlossenen Reformen. Nach seiner Rückkehr aus Rom war er zunächst Pfarrer in Laa an der Thaya in Niederösterreich, dann Ordinariatskanzler der Erzdiözese und ab 1977 Weihbischof in Wien. Als Hans Hermann Groer 1986 zum Erzbischof ernannt wurde – ein klares Signal gegen die Linie des scheidenden Erzbischofs Kardinal Franz König – trat er als Generalvikar zurück.
Krätzl wurde zur mahnenden Stimme in der katholischen Kirche Österreichs. Für sein Buch „Im Sprung gehemmt" zitierte ihn der Chef der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, nach Rom. Krätzl spricht sich seit vielen Jahren öffentlich für die Weihe von „Viri probati“, also erprobten, verheirateten Männern, zu Priestern aus.
Orientierung vom 24.10.2021 >>


Bischof Krätzl - 90 Jahre im Dienst von Welt und Kirche
Seit bald 90 Jahren - davon fast die Hälfte als Bischof - nimmt Helmut Krätzl leidenschaftlich Anteil am kirchlichen Leben. Hoffnung macht ihm die von Papst Franziskus ausgehende Dynamik für die Zukunft der katholischen Kirche.
Erzdiözese Wien >>


90. Geburtstag:
Ökumenischer Rat würdigt Wiener Weihbischof Krätzl
ÖRKÖ-Vorsitzender Prokschi betont Krätzls jahrzehntelange Bemühungen um Fortschritte in der Ökumene
Katholisch.at >>

Freitag, 7. Januar 2011

Weihbischof Krätzl: "Kirche hat drei Mal Vertrauen verloren"

Interview mit Weihbischof Helmut Krätzl in den Salzburger Nachrichten:

Sexualmoral. Pillenverbot, wiederverheiratete Geschiedene und Missbrauchsfälle. Weihbischof Helmut Krätzl diagnostiziert einen dreifachen Vertrauensverlust und verlangt Reformen.

Josef Bruckmoser

Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl ist auch im Alter von 79 Jahren ein unermüdlicher Mahner. In zahlreichen Vorträgen und in seinen Büchern fordert Krätzl die längst überfälligen Reformen ein. Die SN sprachen mit dem Weihbischof über den Vertrauensverlust der Kirche und darüber, was ihm Hoffnung gibt.

Herr Weihbischof, die katholische Kirche hat im Jahr 2010 durch den Missbrauchsskandal einen schweren Vertrauensverlust erlitten. Wie nachhaltig ist der Schaden?

Krätzl:
Es ist durch diese Vorfälle tatsächlich zu einem schweren Vertrauensverlust bis in die innersten Kreise der Kirche hinein gekommen. Sogar die Kirchenaustritte haben erstmals das innerste Segment der katholischen Pfarrgemeinden erreicht. Nicht selten sind es erwachsene Kinder von Pfarrgemeinderäten, von kirchlich engagierten Eltern, die nicht mehr dazugehören wollen.

Besonders tiefgreifend war dieser Vertrauensverlust, weil erneut die Sexualmoral der Kirche am Pranger gestanden ist. Viele Gläubige haben sich daran gestoßen, dass ihnen die Kirche in Bezug auf die Ehe sehr rigide Vorschriften mache und von Verfehlungen im Klerus weggeschaut habe. Da hilft auch das sachlich richtige Argument wenig, dass die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche weniger als zwei Prozent aller Fälle ausmachen. Die Kirche wird in der Sexualmoral als streng erlebt und daher wird in dieser Frage auch ein besonders strenger Maßstab an sie angelegt.

In der Sexualmoral gab es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) mehrere Brüche.

Krätzl: Der erste Vertrauensverlust dieser Art zwischen Kirchenleitung und einem großen Teil der Gläubigen ist 1968 im Anschluss an die Enzyklika „Humanae vitae“ geschehen. Nach vielen sehr guten und tragenden Aussagen in diesem Schreiben von Papst Paul VI. blieb fast nur im Gedächtnis, dass alle direkt empfängnisverhütenden Mittel wie die Pille in sich schlecht seien. Damit begann zum ersten Mal das Vertrauen in eine päpstliche Lehre zu schwinden – auch wenn weltweit 30 Bischofskonferenzen, darunter die deutsche („Königsteiner Erklärung“) und die österreichische („Maria Troster Erklärung“) mildernde Stellungnahmen abgegeben hatten, die der persönlichen Gewissensentscheidung einen Raum gelassen haben.

Viele Gläubige und sogar Seelsorger tragen auch den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion nicht mit.

Krätzl:
Papst Johannes Paul II. hat eingeräumt, dass es wegen gemeinsamer Kinder Fälle geben könne, in denen wiederverheiratete Geschiedene sich nicht mehr trennen könnten. Zu den Sakramenten dürften sie aber nicht gehen, außer sie lebten enthaltsam.

Diese Entscheidung haben auch tiefgläubige katholische Ehepaare als untragbar angesehen. Das kirchliche Lehramt hat sich damit völlig von der Lebenswirklichkeit entfernt. Einige Pfarrer und Pfarrgemeinden folgen diesem rigorosen Verbot schon nicht mehr und gehen eigene Wege. Damit entsteht eine untragbare Spaltung zwischen der Kirchenleitung und dem Kirchenvolk.

Was kann diesem dreifachen Vertrauensverlust entgegengehalten werden: dem Pillenverbot von 1968, der Frage der wiederverheirateten Geschieden und den Missbrauchsfällen?

Krätzl:
Die katholische Kirche muss dringend die Entwicklung ihrer eigenen Theologie und der teils bereits geübten Praxis aufgreifen. Die unauflösliche Ehe steht außer Frage, aber es gibt sehr gute Vorschläge, wie die Kirche trotzdem konkreten Lebenssituationen gerecht werden kann. Etwa wenn in der neuen Beziehung Verpflichtungen durch gemeinsame Kinder entstanden sind und wenn die Trennung der ersten Ehe mit Achtsamkeit und Rücksicht auf alle Betroffenen aufgearbeitet wurde. Zu Recht wird auch immer die Nähe der römisch-katholischen Kirche zu den orthodoxen Kirchen betont. Dort wird zwar eine zweite oder dritte Eheschließung nicht mehr feierlich zelebriert wie die erste, aber die Brautleute bekommen den Segen der Kirche.

Zu den Missbrauchsfällen hat die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Kommission unter Waltraud Klasnic eine sehr gute Arbeit geleistet. Da sind andere gesellschaftliche Bereiche, die auch von dem Thema betroffen sind, nicht so weit. In den innerkirchlichen Fragen der Disziplin und der Moral wird aus Rom in naher Zukunft nichts Neues kommen. Wo sehen Sie dennoch Hoffnungszeichen?

Krätzl:
Außerordentlich positiv überrascht hat mich das Eröffnungsreferat, das der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch zur Herbstsession gehalten hat. Er sagte, Stagnation wäre Verrat. Die Kirchenleitung könne nicht darüber hinweggehen, dass viele Katholiken die Ehelosigkeit der Priester infrage stellten.

Eine andere gewichtige Stimme ist der bekannte Jesuit Henri Boulad. Er fordert die Gläubigen und die Bischöfe auf, nicht auf Lösungen aus dem Vatikan zu warten.

Derzeit werden in den österreichischen Diözesen, konkret jetzt in der Erzdiözese Wien, große Seelsorgeräume geschaffen, in denen ein Priester für mehrere Pfarren zuständig ist. Wieweit hilft das?

Krätzl:
Die Kirche hat bisher einen großen Bonus, weil sie in vielen Gemeinden die letzte Institution ist, die Menschen im Feiern und im Trauern zusammenbringt. Ich bin überzeugt, dass diese Nähe zu den Menschen nicht aufgegeben werden darf. Der Blaulicht-Pfarrer, der nur zur Spendung der Sakramente kommt, ist sicher nicht die Lösung. Die Menschen suchen mehr denn je eine Behausung in einer erlebbaren, überschaubaren Gemeinschaft.

Buchtipp:
Jüngst ist von Weihbischof Helmut Krätzl das Buch erschienen „. . . und suchen Dein Angesicht. Gottesbilder – Kirchenbilder“. 182 Seiten, Domverlag, Wien 2010.

Freitag, 30. September 2011

Helmut Krätzl: Klartext zum Achtziger

Dass Helmut Krätzl ein theologisch fundierter, aber für ein breites Publikum verständlicher Autor ist, hat er in zahlreichen Büchern längst bewiesen. Auch dass er bei den brisanten Themen der Kirchendiskussion nicht um den heißen Brei herumredet, ist spätestens seit seiner Reflexion übers stehengebliebene Konzil „Im Sprung gehemmt“ (1998) seiner Leserschaft bekannt. Diesmal geht er einen Schritt weiter: In seinen Erinnerungen „Mein Leben für eine Kirche, die den Menschen dient“ legt er auch offen, was hinter den Kulissen rund um die Bischofs*ernennungen von Groër & Co gelaufen ist und wie er persönlich und in aller Deutlichkeit Rom die Meinung gesagt hat. Und dass ihm sein Konzilsbuch ein Verfahren bei der Glaubenskongregation eintrug, erfährt der Leser ebenfalls samt vieler weiterer Details aus brisanter Zeit mit oft schmerzlichen Erfahrungen.
DIE FURCHE >>

Siehe auch:
"Auf Reformen drängen - mit Rom, nicht gegen Rom"
Für ein verstärktes Engagement der Bischöfe im fortschreitenden kirchlichen Reformprozess hat sich der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl ausgesprochen
Beitrag auf katholisch.at >>

Donnerstag, 26. Juni 2014

Krätzl: "Ohne Eucharistie gibt es keine wirkungsvolle Neuevangelisierung"

Weihbischof Helmut Krätzl
anlässlich seines Diamantenen Priesterjubiläums

"Ohne Eucharistie gibt es keine wirkungsvolle Neuevangelisierung"
Großes Interview der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" mit Weihbischof Helmut Krätzl über Priester-Werden und Priester-Sein und die zentrale Bedeutung der Eucharistie.
Erzdiözese Wien >>

Kommentar:

Krätzl für Öffnung bei Zölibat

Emeritierter Wiener Weihbischof in Kirchenzeitungsinterviews anlässlich seines diamantenen Priesterjubiläums: Sehe Gefahr, dass das Bewusstsein für die Eucharistie "austrocknet"
Kathpress >>

Mittwoch, 21. September 2011

Ein Zeuge darf nicht schweigen

In seinem neuen Buch bietet Bischof Helmut Krätzl brisante Einblicke in die Kirchenkonflikte der letzten Jahre: eine ungeschönte Zeitzeugenschaft.

Interview mit Helmut Krätzl in DIE FURCHE >>

Dienstag, 15. November 2011

Krätzl: Kirchenleitung soll stärker regionalisiert werden

Die Leitung der Kirche sollte nach Ansicht des emeritierten Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl weniger zentralistisch und stärker regionalisiert organisiert sein.
Mehr auf religion.at >>

Samstag, 29. Oktober 2011

Altbischof Krätzl: Verheiratete Priester zulassen

Interview mit Helmut Krätzl: Der Ex-Weihbischof hat Rom vergeblich vor Groer und Krenn gewarnt. Er will jetzt Pfarrer mit Ehefrau und Zweitjob.

Mehr >>

Dienstag, 15. Januar 2013

Entkrümmung – die Folge der Botschaft Jesu


Anlässlich des 60. Geburtstags von Helmut Schüller lud der Katholische Akademikerverband Wien zu einer Geburtstagsfeier am 8. Jänner 2013 in den Großen Festsaal der Universität Wien. Dort hielt der Luzerner Bibelwissenschafter Walter Kirchschläger nachstehenden Vortrag:


Entkrümmung – die Folge der Botschaft Jesu


Gebückt oder gekrümmt zu sein – das ist eine unangenehme Erfahrung. Sie kann somatische Ursachen haben und ist dann unter die Krankheitsbilder der Orthopädie einzuordnen. Sie kann durch psychische Zustände hervorgerufen werden und entwickelt sich zu einer oft zu beobachtenden, chronischen Körperhaltung, hinter der vielfältige Gründe stehen können und die vielfach den Eindruck einer zwanghaften Lebensgestaltung vermittelt. Der gekrümmte Rücken ist im wörtlichen wie auch im metaphorischen Sinn Kennzeichen einer Gesellschaftsstruktur, in der die Machtverhältnisse und die Machtausübung zur Selbsteinschätzung eines „unten“ und „oben“ führen und in der die selbst eingenommene Körperhaltung das eigene Selbstverständnis zum Ausdruck bringt.

Im wörtlichen Sinn ist uns der gekrümmte Rücken aus der höfischen Etikette der Feudalstrukturen, fallweise auch heute noch aus dem Staatsprotokoll verschiedener Monarchien bekannt. Die Erfahrung lehrt, dass diese Körperhaltung ein unverkennbares Signal diktatorischer Gesellschaftssysteme ist und dort die Krümmung des Rückens nicht einer Selbsteinschätzung des einzelnen Menschen entspricht, sondern diesem vor allem aufgezwungen wird.
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Krätzl, Küberl, Busek, Stoisits feiern Schüller
Helmut Schüller, Gründer der ungehorsamen „Pfarrerinitiative“, wurde 60. Die katholischen Akademiker ehrten ihn mit einem Festvortrag – vor prominenten Weggefährten.
Die Presse >>


Bibelwissenschaftler Kirchschläger: „Schüller macht die Tugend des aufrechten Ganges in Kirche und Gesellschaft hoffähig“
Der emeritierte Luzerner Neutestamentler Walter Kirchschläger - wie Helmut Schüllers Pfarrer-Initiative mit dem Herbert-Haag-Preis ausgezeichnet - zeigte in seinem Festvortrag die „entkrümmende“ Wirkung der Botschaft Jesu auf.
Anhand eines Heilungswunders aus dem Lukasevangelium, bei dem Jesus am Sabbat eine seit 18 Jahren gekrümmte Frau „aufrichtete“, wies der Exeget auf das befreiende Potenzial des Glaubens hin. Auch die Kirche stehe in der Nachfolge Christi immer wieder auf dem Prüfstand, ob sie „krümmt“ oder aber „entkrümmt“, so Kirchschläger. Den Jubilar Helmut Schüller lobte der Bibelwissenschaftler dafür, „die Tugend des aufrechten Ganges in Kirche und Gesellschaft hoffähig zu machen“.
JA-Kirchenzeitung >>

Samstag, 4. Februar 2023

Festmesse für Paul Iby

 

"Künder der Froh- statt Drohbotschaft": Iby feierte 30 Jahre Bischof

Eisenstadt, 04.02.2023 (KAP) Mit einem Festgottesdienst hat der emeritierte burgenländische Bischof Paul Iby (88) am Samstag den 30. Jahrestag seiner Bischofsweihe gefeiert. Charakteristisch für Ibys Hirtendienst sei dessen Einsatz für "lebendige Gemeinden" und für ein "wachsames Christentum", erklärte bei diesem Anlass sein Nachfolger, Bischof Ägidius Zsifkovics. Im Martinsdom zugegen waren Spitzenvertreter der Landespolitik, der Amtskirche - darunter auch Nuntiaturrat Kevin Randall sowie die Bischöfe Franz Scharl, Klaus Küng und Maximilian Aichern -, der Ordensgemeinschaften und Ökumene, Freunde, Wegbegleiter und Gläubige der Diözese sowie auch Gehörlose, deren Seelsorger Iby ist. Papst Franziskus war mit Segenswünschen präsent, die von Generalvikar Michael Hüger verlesen wurden.

Iby war am 24. Jänner 1993 in derselben Kirche von seinem Vorgänger, Bischof Stefan László, zum Bischof geweiht worden, wobei neben dem Wiener Weihbischof Helmut Krätzl auch Sarajevos Kardinal Vinko Puljic Mitkonsekrator war. Letzteren hatte der Jubilar damals bewusst wegen des Krieges in Jugoslawien eingeladen, hob Zsifkovics in seiner Predigt hervor, und betete nun auch für Frieden und Versöhnung in der aktuell kriegsgeprüften Ukraine. Der amtierende Diözesanbischof verwies zudem auf Ibys damaligen Appell bei Weihe: "Seid wachende Christen, wenn der Herr kommt. Seid aufgeweckte Christen, die die Zeichen der Zeit erkennen und die Not der Menschen wahrnehmen. Seid hellwach, seid sensibel, habt die Augen und Ohren und das Herz offen."

Iby habe das selbst immer in die Tat umgesetzt, betonte Bischof Zsifkovics. Stets sei er bemüht gewesen, unter Einsatz aller seiner Talente "den Menschen unseres Landes das Evangelium nicht als Drohbotschaft, sondern als Frohbotschaft weiterzutragen". Das von Heinrich Böll geprägte Wort, er würde "selbst die allerschlechteste christliche Welt der besten heidnischen Welt vorziehen", da nur erstere auch Krüppel, Kranken, Alten und Schwachen Raum gebe, habe der emeritierte Bischof vorgelebt - indem er besonderes Gespür für die Jugend, die Frauen, Gehörlosen, Volksgruppen und vor allem die Roma gehabt habe, aber auch für die Armen und die der Kirche Fernstehenden. Somit sei in Eisenstadt "Ubi Iby, ibi caritas - Wo Iby ist, da ist die Liebe" - in Anspielung auf Ibys Wahlspruch "Omnia in Caritate" - zum Sprichwort geworden. Zsifkovics dazu in Richtung seines Vorgängers: "Das kennzeichnet nicht nur deine Person, sondern ist ein Auftrag an uns alle, besonders an die Seelsorger und Seelsorgerinnen und an die Hirten."

Als großes Anliegen Ibys nannte Zsifkovics weiters auch, dass Christen in Familie, Beruf, Kirche und Gesellschaft "Salz der Erde und Licht der Welt" sein sollen, so wie Jesus dies aufgetragen habe. Dazu gehöre auch, sich "gegen Ungerechtigkeit, Gewalt und Ausbeutung von Gottes Schöpfung" einzusetzen. Deutlicher Ausdruck von Ibys Bemühen um Gespräch und lebendige Gemeinden sei zudem der "Dialog für Burgenland", mit dem Eisenstadt als einzige österreichische Diözese den kirchlichen "Dialog für Österreich" weitergeführt hatte.

Synodales Vorbeben

Würdigende Worte für Iby aus der Landespolitik kamen von Altlandeshauptmann Hans Niessl (SPÖ). Der frühere Burgenländer Bischof sei "in der Sozialen Frage ein wichtiger Ansprechpartner" gewesen, betonte er. Spontaner Applaus im Dom brandete auf, als auch Niessl auf den innerkirchlich damals umstrittenen "Dialog für das Burgenland" zu sprechen kam. Die Initiative Ibys, die man "als eine Art Vorbeben des synodalen Prozesses" ansehen könne, habe "zum Miteinander im Burgenland einen wesentlichen Beitrag geleistet", berichtete der Landeshauptmann der Jahre 2000 bis 2019, der betonte: "Das Burgenland verdankt Bischof Iby vieles."

Neben Niessl war vonseiten der Politik unter anderem auch der Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP) unter den Mitfeiernden, weiters der Europaparlamentarier und VP-Landesparteiobmann Christian Sagartz sowie die Klubobfrau der Grünen, Regina Petrik.

Auch die interkonfessionellen Verdienste des Jubilars kamen bei der Feier zur Sprache. Der evangelische Altsuperintendent Manfred Koch betonte, die Ökumene sei unter Iby von "Brüderlichkeit ohne Taktieren" gekennzeichnet gewesen. Koch erinnerte zudem an einen mit Iby verfassten Brief an die burgenländischen Bürgermeister, in dem zur Errichtung von Gedenkstätten in ihren Ortschaften zum Gedenken an die während des "Dritten Reiches" ermordeten Burgenländer - allen voran Angehörige der Burgenlandroma - aufgerufen wurde. Die gemeinsame Initiative sei ein "wesentlicher Schritt zur Gedenkkultur des Burgenlandes" gewesen, betonte Koch.

Einblicke in Ibys Umgang mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewährte Barbara Buchinger vom Team Gemeindepastoral der Diözese Eisenstadt: "Paul Iby hat mir das Gefühl gegeben, dass meine Meinung als Frau in der Kirche etwas zählt", so die Bereichsleiterin.

Auf den Festgottesdienst, der musikalisch vom Chor "mehr:stimmig" der burgenländischen Religionslehrkräfte mitgestaltet wurde, folgte noch ein Empfang im Martinus-Saal.

"Bischof zum Anfassen"

Altbischof Paul Iby wurde am 23. Jänner 1935 in Raiding als Bauernsohn geboren. Er war Sekretär seines bischöflichen Vorgängers Stefan László und leitete in der Folge die Caritas, das Schulamt der Diözese Eisenstadt und wirkte auch als Generalvikar. Seine Bischofszeit ab 1993 ist von zahlreichen bedeutenden Projekten und Ereignissen gekennzeichnet: Etwa das Jugendkonzil 1997, die Errichtung der diözesanen Frauenkommission im selben Jahr oder die Erhebung der Wallfahrtskirche in Loretto zur Basilika. Von 1995 bis 2003 war Paul Iby Jugendbischof, dreimal nahm er an Weltjugendtagen (in Paris, Rom und Toronto) teil.

Als Jugendbischof setzte sich Iby immer wieder mit großer Offenheit für die Anliegen junger Menschen ein und galt bis zu seiner Emeritierung 2010 als einer der dialogfreudigsten Diözesanbischöfe Österreichs. Über seinen Führungsstil heißt es auf der Diözesan-Website: "Kommunikation war ihm sehr wichtig; sowohl bei seinen vielen Pfarrbesuchen als auch durch die modernen Informationsmedien erwies er sich als 'Bischof zum Anfassen'."
Quelle: Kathpress, 04.02.2023

 

Festmesse für Altbischof Iby
Altbischof Paul Iby ist am Samstag bei einer Festmesse im Eisenstädter Dom ist geehrt und gefeiert worden. Anlass war seine Bischofsweihe vor dreißig Jahren am 24. Jänner 1993.
burgenland.orf.at >>

 Dossier "Altbischof Paul Iby" auf martinus.at >>

 
Ubi Iby, ibi caritas – Wo Iby ist, da ist die Liebe
Altbischof Paul Iby feierte am 4. Februar 2023 sein 30-jähriges Weihejubiläum. Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics: "Wahlspruch 'Omnia in caritate' war Programm für Dein Wirken, zugleich aber eine Aufforderung und Ermutigung an alle Getauften und Gefirmten unserer Diözese"
martinus.at >>


Bildergalerie vom Dankgottesdienst zum 30jährigen Bischofsjubiläum von Paul Iby >>

Sonntag, 30. Oktober 2011

Lothar Müller aus Innsbruck schreibt.....

Lothar Müller, Theol.                                                  2011-10-30

Herrn Mag. Edi Posch
Begegnung & Dialog
Martinsdiözese

Lieber Edi!

Oje, aber ohne zu generalisieren: das heutige Evangelium könnte – oder sollte – so manchem zu denken geben. So in Richtung Umkehr. Schwere Lasten für die anderen, Quasten, vorderste Sitze, Benennungen, Differenz zwischen Forderungen und Tun… alles drin.
Die Umkehr wird (uns allen!) leider nicht so recht gelingen – denn einiges scheint einfach allzu menschlich zu sein! Nimm doch einem die „Quasten an den Gewändern“ – die Kinder dieser Welt haben diese ja auch. Oder das in vorderster Reihe sitzen wollen. Das wollen auch die Kinder dieser Welt. Und „Meister“ – jede Menge! Eine Übersicht ist schon gar nicht mehr möglich. Die, die das brauchen sollens behalten dürfen aber nicht mehr weiter stören.

Herzliche Gratulation zu den 150 000 Anklicken usw. Das ist wirklich nicht zu unterschätzen. Das ist ein Zeichen nachhaltiger und seriöser Qualität – mit viel Arbeit verbunden.

Zwei der letzten Beiträge werfen für mich schon ganz pragmatische Fragen auf:

1.    Die vergeblichen Warnungen von Altweihbischof Helmut Krätzl: wir wissen alle, wie groß der Schaden für unsere Kirche war und ist. Doch – wer ist dafür verantwortlich und zieht zumindest Konsequenzen daraus? Und wenn dann welche? Es wird schon Zeit für ein kirchliches Amtsverfahrensgesetz! Innerhalb einer bestimmtem Frist haben (!!!) die angesprochenen Instanzen zu antworten. Aus.
2.    Das mit dem „Weltbild – Verlag“: bin in Deutschland darauf angesprochen worden. „Welt“ – Artikel – wirklich? Da haben die Brüder aber Handlungsbedarf! Und sie sollen angesichts dieses - wenn das alles stimmt – ja nie mehr salbungsvolle Kommentare zu Medienethik oder so abgeben oder Priester mit Zölibatsschwierigkeiten/Laien mit zweiter Ehe verdammen. Das haben sie im Falle der Stimmigkeit dieser Information verloren. Aus. Ebenfalls.

Mit einem herzlichen Gruß in die Martinsdiözese – und bitte: verzeiht Eurem Bischof dessen jungbischöflichen Stolz auf seine Gewänder bei seiner weltkirchlich so bedeutsamen Weihe. Auch er hats halt gebraucht.

Mit besten Grüßen und nochmaliger Gratulation
Dein Lothar

Kopie u.a. an Seine Eminenz Herrn Nuntius wegen Frage 1.

Anmerkung: Evangelium vom 30.10.2011 - Mt 23,1-12
"In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger und sprach: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet eucht nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen.
Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich gern grüßen und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen.
Ihr aber sollte euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nr einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist eurer Lehrer, Christus.
Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Freitag, 1. März 2024

20. Todestag von Kardinal König



Zum 20. Todestag: Kirche gedenkt Kardinal Franz Königs
Gottesdienst am Todestag Königs mit Kardinälen Schönborn und Koch im Wiener Stephansdom am 13. März - Festakt anlässlich "60 Jahre Stiftung Pro-Oriente", die Kardinal König gründete
Kardinal König Stiftung, 1.3.2024

WIE KARDINAL KÖNIG SICH AUF DEN TOD VORBEREITETE UND STARB
Annemarie Fenzl, langjährige Sekretärin Königs, berichtete bei Symposion in Wien über die "letzte Zeit" von Kardinal König anlässlich seines 15. Todestages am 13. März 2019.
Erzdiözese Wien, 20.02.2019


Helmut Krätzl: Was würde Kardinal König heute sagen?
Am 13. März jährt sich der Todestag Kardinal Königs zum fünften Mal. Erinnerung an einen großen Mann - gerade in aktueller Kirchenzeit.
Die Furche, 12.3.2009

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Wie "demokratisch" soll Kirche sein?

Referent: em. Univ. Prof. Dr. Valentin Zsifkovits

Vorstellung des Referenten durch Dr. Herbert Kohlmaier:
Der emeritierte Ordinarius für Christliche Sozialwissenschaften an der Uni Graz Valentin Zsifkovits hat sich mit diesem Thema wiederholt und engagiert-kritisch befasst, insbesondere 1997 mit dem Buch „Die Kirche, eine Demokratie eigener Art?“, welches Helmut Krätzl als „starken Anstoß zur weiteren Diskussion im Sinne der Erneuerung“ bezeichnete.

Priesterweihe 1958, Doktor der Theologie und der Staatswissenschaften. Zahlreiche Publikationen, auch nach der Emeritierung., u. a. „Politik ohne Moral?“, „Wirtschaft ohne Moral?“, „Demokratie braucht Werte“ und zuletzt „Was wir brauchen - Ethik im Alltag“.
Bemerkenswert ist sein Brief an Bischof Kapellari, der veröffentlicht wurde und in dem der Referent den Titel „Monsignore“ zurückgegeben hat, da er nicht „Ehrenkaplan einer Amtskirche sein will, in welcher eitles Karrierestreben eine schädliche Rolle spielt“.

Wenn ihm vorgehalten worden sei, dass er häretische Aussagen treffe, müsse er darauf verweisen, dass „Bischöfe keine Kapläne bzw. Delegaten des Papstes sind“. Würden diese Basisinteressen nicht ehrlich und verantwortungsvoll vertreten, laufe der Papst Gefahr, ein „Schreibtischtäter“ zu werden.

Aus dem Referat:
In der Demokratie geht das Recht vom Volk aus und in der Kirche - so wird gesagt - von Gott. Allerdings berief sich Professor Ratzinger 1970 auf Zyprian, der sagte, dass nichts ohne den Bischof geschehen sollte - aber ebenso nichts ohne Rat und Konsens - auch des Volkes! Tatsächlich bildet die Gemeinde die innere Struktur kirchlicher Demokratie. Diese bedeutet ja, dass die Mitglieder eines Gemeinwesens in größtmöglicher und sinnvoller Weise am Bilden des Gemeinschaftswillens mitwirken sollen. Nicht „Volksdemokratie“ soll bestehen, sondern ein freiheitliche, soziale und rechtsstaatliche.

Es gibt keine Gesellschaft ohne Macht, aber Popper weist zu Recht daraufhin, dass in der Demokratie nicht Diktatoren umgebracht werden müssen, sondern abgewählt werden können. Wesentlich wäre, dass Gottes Wille im Volk verwirklicht werden kann. Pius XII. erklärte gegenüber dem Kardinalskollegium, auch in der Kirche wäre das Subsidiaritätsprinzip anzuwenden - die Hierarchie bilde da kein Hindernis, was auch Nell-Breuning so sah.

Das bedeutet: Was der Einzelne leisten kann, darf ihm nicht entzogen und von der übergeordneten Instanz nicht in Anspruch genommen werden. Nicht zu Unrecht wurde daher der Kirche vorgeworfen, dieses von ihrer Soziallehre verkündete Prinzip nicht in den eigenen Reihen vorbildhaft anzuwenden.

Der Heilsdienst würde dies aber erfordern. Doch warum geschieht das nicht? Wer Macht hat, will nicht, dass sie beschränkt wird. Aischylos sagt, dass viel Leiden daher kommt, dass zu spät geschieht, was früher hätte geschehen können. Das gilt auch für die Spaltungen in der Kirche. Man muss bedenken, dass der Papst eine Macht hat, die er - außer er wäre eine göttliche Person - gar nicht ethisch verantwortungsvoll ausüben kann. Macht bedarf der Teilung, immer der ausreichenden Information und des Lernens anhand von Fehlern. Einseitige Information kann viel schaden, wie die jüngsten Fehler gezeigt haben - leider gibt es ja auch die Intrige.

Es geht um die Entziehung der Willkür, Selbstbestimmung ist der wesentliche Faktor der Freiheit. Beteiligung des Volkes heißt nicht Druck von der Straße! Die Verantwortung für alle muss natürlich von qualifizierten Personen ausgeübt werden. Wenn gesagt wird, die Kirche sei keine Demokratie, muss hinzugefügt werden, dass sie auch keine Diktatur im Namen Gottes sein darf. Die positiven Erfolge der Demokratie können in jeder Gemeinschaft verwirklicht werden. Das muss Schritt für Schritt in einem fairen Kampf erarbeitet werden, denn Mitbestimmung wurde nie geschenkt. Zählen müssen die Argumente, und zwar mutige!

Aus den Antworten in der Diskussion:
* Es gibt eine Kirchenenttäuschung, die vielen zu schaffen macht - hier liegt die tiefe Wurzel der Religionskrise. Es bedürfte der „unsichtbaren Wirkung der sakramentalen Gnade“, nicht aber fraglicher Heilmittel (wie Medjugorje ...)

* Auch in der Kirche ist der „Produktionsfaktor“ Personal entscheidend, doch derzeit finden wir überall ein schwaches Führungspersonal, was auch den Nachwuchs betrifft - es besteht also Handlungsbedarf!

* Sehr viel liegt am Rekrutierungssystem. Was den Zölibat als Hindernis betrifft, wäre es eigentlich logisch, zuerst auf bereits ehelos lebende Frauen zurückzugreifen! Zulehner sagte bekanntlich, dass der Zölibat (neben der Einehe) zu den „Hochrisikolebensformen“ zähle.

* Schon in der Bibel wird Widerstand gegen Könige geleistet, weil Gott als der alleinige Herrscher angesehen wurde. Priester waren aber als „Gralshüter“ des Willens Gottes auch Herrscher.

* Es gibt zu allen Zeiten viel Wandel, der auch die Symbole und die verwendete Sprache betrifft. Uniformen kommen eigentlich „aus der Hölle“! Überholte Strukturen haben niemals Bestand, wenn sich das Bewusstsein ändert.

* Das Wichtigste in einer positiven Entwicklung ist immer das gute Beispiel. Paulus verlangt bekanntlich, dass ein Bischof ein guter Familienvater sein soll.

* Leider gibt es „therapieresistente“ Menschen. Würde jeder in seinem Verantwortungsbereich richtig handeln, wäre alles gewonnen - trotz allen Elends der Welt! Es hat auch Jahrhunderte gedauert, bis sich die Menschenrechte durchsetzten und die Sklaverei überwunden wurde.

* Bei jedem langwierigen Prozess ist im Kleinen anzufangen, wir brauchen die Tugend der aktiven Geduld. Es gibt auch einen Wandel des Rechts durch Nichtbeachtung, also „zivilen Ungehorsam“. Bischof Lobinger hat berichtete, wie man sich in Südafrika beim Priestermangel geholfen habe - man habe auf den Vatikan einfach nicht gewartet.

* Was die Wahl der Bischöfe betrifft, habe ich konkrete Vorschläge für anzuwendende Modelle - es sollten von der Diözesankirche Vorschläge kommen - 3 gereihte Personen -, wobei auch die Nationalkirche befasst werden sollte. Um der Überforderung des Papstes zu begegnen, sollten im Sinn des Subsidiaritätsprinzips Patriarchate der Kulturkreise gebildet werden.

* Die Kirche darf nicht mit dem Reich Gottes gleichgesetzt werden, dieses darf nicht hinaus geschoben werden.

* Es bedarf der heute fehlenden praktischen Begabung, nicht der konservativen Gruppen, damit etwas weitergeht in Rom - es gibt eine Wahrheit der Resultate und der Fakten.
Schmidtmayr versucht ein Resümee: Wir müssen in unserem Lebensraum Kirche so leben, wie sie sein sollte. Wir müssen uns immer zu Wort melden, auch kritisch - es bedarf jedenfalls des „langen Atems“...

Zur Beachtung: Das Buch des Herrn Vortragenden „Die Kirche, eine Demokratie eigener Art?“ ist nach wie vor im Buchhandel erhältlich - LIT - Verlag 1997, ISBN 3-8258-3422-0.

Tagung des "Lainzer Kreises" am 15. März 2009. Für das Protokoll: Herbert Kohlmaier

Dienstag, 10. Juli 2012

Europäisches Laienforum fordert Öffnung von Diensten und Ämtern in der Kirche für Laien


Studienversammlung des Europäischen Laienforums in Wien

„Um der Zukunftsfähigkeit der Kirche willen müssen die im gegenwärtigen Kirchenrecht vorgesehenen Dienste und Ämter weiter sowohl für haupt- als auch ehrenamtlich tätige Männer und Frauen geöffnet werden“, fordert das Europäische Laienforum (ELF) in einem gemeinsamen Text, der auf seiner Studienversammlung in Wien verabschiedet wurde.

Im Rahmen des Europäischen Laienforums trafen sich in Wien vom 29. Juni bis 2. Juli rund 70 Vertreter nationaler Laienkomitees und -räte aus 16 europäischen Ländern. An zwei Studientagen hatten sie sich über ihre Erfahrungen und die Rolle der Laien in Kirche und Gesellschaft vor dem Hintergrund des 50-jährigen Jubiläums des 2. Vatikanischen Konzils ausgetauscht.
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Helmut Krätzl: Berufung und Sendung der Laien nach dem 2. Vatikanum
Ohne sich in geschichtlichen Betrachtungen zu verlieren zuerst ein ganz kurzer Überblick über die sich veränderte Stellung der Laien in der römisch katholischen Kirche.

Vom Verbändekatholizismus zum „gemeinsamen Priestertum“
Im aufkommenden Liberalismus des 19. Jahrhunderts schlossen sich Katholiken zusammen, um Belange der Kirche zu verteidigen und ihre Vorstellungen in der Öffentlichkeit zu vertreten.[1] Unter Pius XI bekam die Katholische Aktion einen besonderen Vorrang. Er definierte sie als „Mitarbeit und Teilhabe der Laien am hierarchischen Apostolat der Kirche.“ [2] Gleichzeitig sollte durch diesen Zusammenschluss die Jugend für den aufkeimenden Nationalsozialismus gestärkt werden.  So war auch in der Nazizeit die KA die einzige lebensfähig Form, ganz nahe der Kirche, rund um den Altar, weil die übrigen Verbände vom Regime aufgelöst waren.

Nach dem Krieg gab es Meinungsverschiedenheiten,  wie weit die früheren Verbände  wieder aufleben sollten oder nicht und in welchem Verhältnis sie  zur Kirchenleitung stehen. Vielfach gab man weiterhin der KA den Vorrang.

Wie vieles so hat sich auch die Stellung der sog. „Laien“ – ich werde später noch zeigen, warum ich “sogenannte Laien“ sage -  in der Kirche durch das Konzil wesentlich verändert. Die Kirche wird ja nicht mehr vornehmlich hierarchisch gesehen, sondern zuerst als Volk Gottes, in dem alle Glieder die gleiche Würde haben. Theologisch hat das die Basis im „gemeinsamen Priestertum“.
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Laien in Diözesanleitungsfunktionen: Thesentext von DBK und ZdKDer von Vertretern der Bischofskonferenz und des Katholiken-Zentralkomitees gebildete "Beirat Priester und Laien" fordert "deutlicheres Herausstellen" und "bessere strukturelle Absicherung" von Leitungsverantwortung in der Kirche, die von Priesterweihe unabhänig ist - Bedauern über vatikanische Nicht-Beantwortung der schon 1975 Rom übergebenen Fragen nach Diakonat der Frau
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Mittwoch, 2. November 2011

Zsifkovics:"Ich möchte mich hier am Sudlesen nicht mitbeteiligen..."

Vor einigen Tagen hat der ehemalige Weihbischof Helmut Krätzl mit einigen Aussagen für Diskussionen gesorgt. Er könne sich die Weihe von Religionslehrern, um dem Priestermangel entgegenzuwirken. Darüber nachzudenken, sei vorstellbar - wie vieles andere im Leben, sagt Ägidius Zsifkovics.
„Ich möchte mich hier am Sudlesen nicht mitbeteiligen, und auch nicht Aussagen bischöflicher Mitbrüder kommentieren. Für mich als Bischof ist es wichtig, dass ich hier in Einheit mit der Weltkirche den Weg gehe, so wie es auch in unserer Bischofskonferenz ist. Wir wollen keine Einzelgänge machen, sondern mit der Weltkirche den Weg gehen und da auch sehen, welche Veränderungen notwendig sind“, so Zsifkovics.
Themen wie diese seien schon in der Vergangenheit Thema der Bischofskonferenz gewesen. Sie könnten nicht von heute auf morgen gelöst werden, sie würden ehrlich besprochen, seien aber nicht leicht zu lösen.

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Das Inerview mit Bischof Zsifkovics im Burgenland HEUTE >>

Donnerstag, 26. Mai 2011

Kohlmaier: Bischöfe als willenlose Außenstellenleiter Roms

Der Mitbegründer und langjährige Obmann der Laieninitiative Dr. Herbert Kohlmaier gibt in einer Aussendung vom 26. Mai Folgendes bekannt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde!

Ich will Sie heute davon informieren, dass ich mich nach mehr als drei Jahren des Einsatzes für die Gründung und Arbeit der Laieninitiative entschlossen habe, deren Leitung in andere Hände zu übergeben. Es hat dies für mich vor allem persönliche Gründe. Die Funktion als Obmann war für mich eine großartige Aufgabe, aber auch eine Belastung, die man in meinem Lebensalter nicht zu lange auf sich nehmen sollte. Es entstehen nun auch neue Herausforderungen.

Ich bin zur Überzeugung gekommen, dass eine Reform der Kirche, die wir wie viele andere Kräfte bisher anstrebten, derzeit ein unerreichbares Ziel ist. Wir stehen unter dem Diktat einer verstockten vatikanischen Bürokratie, die weder gewillt noch fähig ist, den Auftrag des Herrn in unserer Zeit zu erfüllen. Unter der Verantwortung eines von seiner Aufgabe auf geradezu  jämmerliche Weise überforderten Papstes ignoriert Rom die verzweifelten Mahnungen höchst besorgter Katholiken, darunter sehr Vieler aus Wissenschaft und Geistlichkeit. Es ist unfassbar!

Ja, man steuert sogar den Kurs zurück in die Vergangenheit! Die Kirche ist auf dem Weg zu einer lateinische Formeln murmelnden Sekte unterwerfungssüchtiger und sexualneurotischer Sonderlinge. Sagen wir es uns und auch der Welt ganz offen und ehrlich: Die Reform der Institution ist angesichts dessen nicht möglich. Christentum kann heute nur mehr in völliger Loslösung  von dieser Hierarchie gelebt werden!

Die als Reformbewegung gegründete Laieninitiative hat damit ihre Bedeutung nicht verloren – ganz im Gegenteil!  Sie muss jenen Menschen, die der Kirche trotz allem die Treue halten, eine unverzichtbare Stimme geben. Sie will zur Selbständigkeit mündig gewordener Christen aufrufen und anleiten. Wir wissen heute nicht, wie die Entwicklung weitergeht, aber jeder, der die Nachfolge Jesu ernst nimmt, steht vor einer Pflicht: dem Glauben durch persönlichen und verantwortungsbewussten Einsatz wieder eine Zukunft zu geben!

Die Gremien der Laieninitiative werden entscheiden, wer nun für diese Aufgabe Verantwortung übernimmt und Sie werden darüber bald informiert. Ich bitte alle, meinem Nachfolger / meiner Nachfolgerin jenes Vertrauen und jene wunderbare Unterstützung zu schenken, die ich erfahren durfte. Ich danke von Herzen dafür!  Die Arbeit wird neu zu orientieren und mit allem Einsatz fortzusetzen sein.

Abschließend noch ein persönliches Wort, das Sie verstehen mögen: Ich hatte als langjähriger Politiker mit sehr vielen Menschen zu tun. Für mich ist es aber unbegreiflich: Die Reformorganisationen, hinter denen viele Tausende Katholiken stehen, halten dem Papst vor, dass zentralistische Bischofsernennungen der Tradition und dem Evangelium widersprechen. Er ignoriert das einfach. Das ist nicht nur unchristlich, sondern auch grob ungehörig! Der Großteil der Bischöfe verhält sich nicht anders – sie haben sich zu willenlosen Außenstellenleitern Roms degradieren lassen. Solche Leute sind für mich einfach nicht satisfaktionsfähig. Ich will mit ihnen nichts mehr zu tun haben.

Um positiv zu schließen: Es gibt nach wie vor großartige Seelsorger, die ich bewundere – Altbischof Krätzl, die Äbte Fürnsinn und  Christian, Helmut Schüller, Georg Sporschill und viele andere. Meine Gemeinde hat einen menschlichen und aufgeschlossen denkenden Pfarrer. Dieser Typus hat heute kaum Nachwuchs. Aber an der „Basis“ geschieht noch immer Großartiges und Segensreiches. Bei diesen Frauen und Männern liegt die Zukunft der Kirche und wir müssen uns energisch auf ihre Seite stellen. Eine niederdrückende Last muss abgeworfen werden, die Wege unseres Herr sind frei von unerträglicher Bevormundung zu beschreiten. Das ist die einzig mögliche „Kirchenreform“.

Herzlich Ihr / Euer
Herbert Kohlmaier

http://www.laieninitiative.at/