Donnerstag, 21. Juli 2011

Schönborns ungeheuerliches Ansinnen

Kardinal Schönborns Aussage, bei Gewissenskonflikten als Konsequenz „den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen“, bedarf energischen Widerspruchs - Gastbeitrag von Herbert Kohlmaier:

Als reformorientierter Katholik kann man oft von Konservativen den keineswegs wohlgemeinten Rat hören, man solle doch zu den Evangelischen übertreten. Denn dort gäbe es ja das, was Reformer anstreben. Dem ist dann entgegenzuhalten, dass man bei aller Wertschätzung für die Protestanten eben der katholischen Kirche angehöre. Änderungen würden ja aus  Zugehörigkeitsgefühl und Verbundenheit mit dieser Gemeinschaft eingemahnt, in die man getauft wurde und die viel Gutes tut, aber auch arge Mängel aufweist..

Es ist unfassbar, aber in der Auseinandersetzung mit der Pfarrerinitiative hat sich nun auch der Wiener Erzbischof zu der Empfehlung verstiegen, „im äußersten Fall den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen“. Das sei die Konsequenz, wenn jemand aus einem geprüften Gewissen zur Überzeugung komme, dass Rom auf einem Irrweg sei, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht.

Man stelle sich vor: Jemand kritisiert die Regierung und erhält dann von dort den Rat, er möge doch seine Heimat verlassen und auswandern. Oder es beschwert sich ein Kunde über die Qualität einer Ware und die erzeugende Firma erklärt ihm daraufhin kühl, er solle eben wo anders einkaufen. Schon daraus erkennt man die Dummheit und Pflichtvergessenheit, die hinter so einer Haltung stünde.

Bei einem so genanten Oberhirten kann der Rat, die Kirche zu verlassen, noch viel weniger ertragen werden. Ob das zu Jesu Gleichnis vom guten Hirten passt? Wenn einer die Schafe, die ihr Futter wollen, in eine andere Herde schickt, damit sie ihn nicht mehr belästigen? Offenbar schwebt Schönborn eine von kritischen Geistern bereinigte Kirche vor, wo man unter sich ist. Klein, aber fein. Er komplimentiert Christen hinaus, die sich eine bessere und tauglichere Kirche wünschen. Das ist ungeheuerlich!

Dankbar hätte ein Bischof zu sein, wenn Menschen eben nicht so wie unzählige andere weggehen, sondern sich vielmehr dafür einsetzen, dass Seelsorge von sturem Beharren auf theologisch unhaltbaren Vorschriften befreit wird. Er sollte in dieser Situation über seine Pflicht und Schuldigkeit nachdenken, selbst etwas zu tun, um das Auseinander- und Weglaufen zu überwinden. Es genügt nicht, wenn er sich abgefunden hat, er übt sein Amt nicht für sich und den Papst aus.

Eigentlich muss einem so ein Bischof leid tun. Hat man von Schönborn je eine plausible Begründung für das gehört, was heute unzählige Gläubige – darunter viele Geistliche und Theologen – für nicht mehr zeitgemäß halten? Nein, dazu fällt ihm nichts ein, auch er weiß, dass es dafür keine Argumente gibt. Wenn er nur blinden Gehorsam einmahnt, gibt er wie viele seiner Amtsbrüder ein trauriges Geistliches Armutszeugnis ab. Er opfert Reichtum, Lebendigkeit und Vielfalt des Glaubens einer ängstlichen und gar nicht heiligen Obrigkeit, die er kurioser Weise „Weltkirche“ nennt. Kann er das vor dem Herrn verantworten?

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Zitat "..kann man… den keineswegs wohlgemeinten Rat hören…"

Haben Sie die Herzensschau? Wann wird ihr Heiligsprechungsprozess eingeleitet?
Sie wissen sogar, wie ein anderer etwas meint!
Ja, dann wissen Sie selbstverständlich auch alles andere besser als jeder andere. Ich habe ursprünglich noch ein paar Zweifel gehabt, aber jetzt beuge ich mich Ihrer Argumentation - von der ich armer Wurm jedoch nicht weiß, wie sie gemeint ist.

Giorgio hat gesagt…

Herr Kohlmeier, ich denke es wäre nur redlich und lauter, Kardinal Schönborn genau zu zitieren: er sprach die Gewissensentscheidung an bzw. das Gewissen an.Und gerade im Diskurs, den Ihre und die ähnlich gesinnte Pfarreinitiative begonnen haben, wurde und wird das Gewissen und die Gewissensentscheidung sehr häufig als Argument gebraucht. Tatsächlich hat Kardinal Schömnborn die immer gleiche Lehre der Kathol. Kirche vom Gewissen als letzter Instanz des Menschen, der immer Folge zu leisten ist aufgegriffen und davon gesprochen, dass sobald diese Instanz in die Diskussion eingebracht wird, man eigentlich auf einer neuen Stufe angelangt sei, wo man sagen müsse, wer in seinem Gewissen zu solchen Erkenntnissen gekommemn sei, müsse diesen eben folgen und das gehe dann aber nur außerhalb der katholischen Kirche. Also bitte hören Sie auf damit, in alter Politikermanier Begriffe, die sehr genau definiert sind zu verdrehen und Dinge zu interpretieren, die der Kardinal in seinem übrigens sehr sachlich gehaltenen Schreiben nirgendwo auch nur angedeutwet hat. Diese art der Rhetorik passt zu einem Parlamentarier und Volksanwalt. In dieser Diskussion geht sie leider voll daneben. Im übrigen hatten Sie doch dankenswerter Weise angekündigt, sich aus der kirchl. Diskussion zurückzuziehen. Warum dieserr Kommentar hier?

Anonym hat gesagt…

Der höchstwürdigste Herr Graf Schönborn ist "die Kirche"!
Ihr seid's dumme Simandel und Urschels und habt zu gehorchen und Euer Kirchengeld zu zahlen.
Ramatama!

Schillebeeckx hat gesagt…

Wenn Schönborn & Co so weiter machen, können wir in spätestens 20 Jahren im Glaubensbekenntnis statt "Ich glaube an die heilige katholische Kirche" "Ich glaube an die sich katholisch nennende Sekte des Papstes" beten.

Aber möglicherweise ohne mich.

Dass es uns allen aber klar ist, auch Leuten wie Giovanni - um nichts weniger als um das geht es mittlerweile!

Noch ist das Zweite Vatikanum nicht ganz tot. In diesem Sinne grüßt mal wieder

Schillebeeckx

Regina hat gesagt…

LieberR Schillebeeckx: Dankesehr für Ihre Kommentare, denen ich aus meinem vollsten Herzen zustimme!!!! Liebe Grüße unbekannterweise aus Deutschland