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Freitag, 28. November 2014

Zum 100. Geburtstag von Edward Schillebeeckx

"Schillebeeckx" ist wahrscheinlich meinen BlogLesern durch seine Kommentare bekannt, in denen immer wieder der Geist des Konzils auflebt.
Der echte Schillebeeckx hätte vor kurzem seinen 100. Geburtsag gefeiert.


Zum 100. Geburtstag von Edward Schillebeeckx

Edward Schillebeeckx OP, 1958-1983 Professor für Systematische Theologie in Nijmegen, nahm am II. Vatikanischen Konzil als Berater des niederländischen Episkopates teil, der einzelnen Bischöfen in der Vorbereitung ihrer Stellungnahmen beiseite stand. Ausserdem hielt er des öfteren Vorträge am niederländischen Dokumentationszentrum für das Konzil, so am 16. September 1964 einen Vortrag zum Thema Kirche und Welt. Hier mahnte er dazu, die Kirche solle der Welt gegenüber nicht nur als Lehrende, sondern auch als Hörende auftreten (was in GS 40.44 auch ausgesagt werden wird).

Schillebeeckx ging es um eine Schwerpunktverlagerung der Kirche, die mit einer fünffachen Dezentralisierung einhergeht: von sich selbst auf Christus; von der zentralen zu einer kollegialen Leitung der Kirche; von einer Konzentration auf die Hierarchie hin zum Verständnis der Kirche als Gottesvolk; von der Aufmerksamkeit nur auf das Christentum hin zu einer Offenheit für andere Religionen und den Dienst an der Menschheit, und dies letztlich in Hinordnung auf das umfassende Reich Gottes. Deswegen ist für Schillebeeckx die Konzilsaussage, dass die Kirche «universales» bzw. «allumfassendes» «Sakrament des Heils» (LG 48; GS 45) ist, von grösster Bedeutsamkeit.

Das Anliegen, den christlichen Glauben in den Dialog mit der zeitgenössischen Kultur und Gesellschaft zu bringen, prägt das Gesamtwerk des Dominikaners. Heute vor 100 Jahren wurde Edward Schillebeeckx in Antwerpen geboren. Er starb 2009 in Nijmegen.
Konzilsbolg >>


Zum 100. Geburtstag von Edward Schillebeeckx
Erzählen von der Nähe Gottes
Der flämisch-niederländische Dominikaner war einer der weltweit bedeutendsten katholischen Theologen der Nachkriegszeit.
Niederländische Medien nannten ihn nach der Todesnachricht einen „Picasso unter den Theologen“, aber auch eine „Laus im Pelz des Vatikan“.
Luxemburger Wort >>


Der Picasso unter den Theologen
Edward Schillebeeckx (1914-2009) war flämisch-niederländische Dominikaner und einer der weltweit bedeutendsten katholischen Theologen der Nachkriegszeit.

Den Menschen von Jesus und Gott zu erzählen - dieses Anliegen hat Edward Schillebeeckx stets beschäftigt. Er knüpfte bei der Erfahrung des modernen Menschen an und warb für eine einladende Kirche. Damit war der flämisch-niederländische Dominikaner einer der weltweit bedeutendsten katholischen Theologen der Nachkriegszeit. Am 12. November 1914, vor 100 Jahren, wurde Schillebeeckx kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs als sechstes von 14 Kindern im belgischen Antwerpen geboren.
Katholisch.de >>


Edward Schillebeeckx – in Memoriam
Prof. Dr. Edward Schillebeeckx OP
12. November 1914 - 23. Dezember 2009

Würdigung von seinem Nachfolger Prof. Dr. Hermann Häring >>

Edward Schillebeeckx im Alter von 95 Jahren gestorben
Dossier auf Münsteraner Forum für Theologie und Kirche >>

Donnerstag, 18. April 2013

Papst Franziskus bemängelt Umsetzung des Zweiten Vatikanums

„Der Heilige Geist drängt zum Wandel, und wir sind bequem“: Papst Franziskus hat in seiner Predigt am Dienstag Morgen deutlich Stellung bezogen und die mangelhafte Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils beklagt. Das sei vor allem ein geistliches Problem, so der Papst:

„Um es klar zu sagen: Der Heilige Geist ist für uns eine Belästigung. Er bewegt uns, er lässt uns unterwegs sein, er drängt die Kirche, weiter zu gehen. Aber wir sind wie Petrus bei der Verklärung, ‚Ah, wie schön ist es doch, gemeinsam hier zu sein.’ Das fordert uns aber nicht heraus. Wir wollen, dass der Heilige Geist sich beruhigt, wir wollen ihn zähmen. Aber das geht nicht. Denn er ist Gott und ist wie der Wind, der weht, wo er will. Er ist die Kraft Gottes, der uns Trost gibt und auch die Kraft, vorwärts zu gehen. Es ist dieses ‚vorwärts gehen’, das für uns so anstrengend ist. Die Bequemlichkeit gefällt uns viel besser.“

Wir seien heute viel zu zufrieden mit der angeblichen Anwesenheit des Heiligen Geistes, und diese Zufriedenheit sei eine Versuchung. Das gelte zum Beispiel mit Blick auf das Konzil:

„Das Konzil war ein großartiges Werk des Heiligen Geistes. Denkt an Papst Johannes: Er schien ein guter Pfarrer zu sein, aber er war dem Heiligen Geist gehorsam und hat dieses Konzil begonnen. Aber heute, 50 Jahre danach, müssen wir uns fragen: Haben wir da all das getan, was uns der Heilige Geist im Konzil gesagt hat? In der Kontinuität und im Wachstum der Kirche, ist da das Konzil zu spüren gewesen? Nein, im Gegenteil: Wir feiern dieses Jubiläum und es scheint, dass wir dem Konzil ein Denkmal bauen, aber eines, das nicht unbequem ist, das uns nicht stört. Wir wollen uns nicht verändern und es gibt sogar auch Stimmen, die gar nicht vorwärts wollen, sondern zurück: Das ist dickköpfig, das ist der Versuch, den Heiligen Geist zu zähmen. So bekommt man törichte und lahme Herzen.“
Dasselbe gelte für das eigene geistliche Leben: Der Heilige Geist dränge zu einem Leben gemäß dem Evangelium, aber wir seien zu bequem, wir widersetzten uns dem. Dem Heiligen Geist dürfe man sich aber nicht widersetzen, denn er mache die Menschen frei, er gebe ihnen die Freiheit der Kinder Gottes und bringe sie auf dem rechten Weg voran.

Geburtstagsmesse
Papst Franziskus feierte die Messe anlässlich des 86. Geburtstages für Benedikt XVI. Zum Beginn des Gottesdienstes, den der Papst mit einigen Mitarbeitern des Governatorats des Vatikanstaates in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta feierte, sagte Franziskus:

„Heute ist der Geburtstag von Benedikt XVI., feiern wir diese Messe für ihn, damit der Herr mit ihm sei, ihm Trost spende und ihm Halt gebe!“
Quelle: Radio Vatikan


Il Papa: Concilio, opera dello Spirito Santo, ma c'è chi vuole andare indietro. Messa dedicata a Benedetto XVI
2013-04-16 Radio Vaticana
Lo Spirito Santo spinge le persone e la Chiesa stessa ad andare avanti ma noi opponiamo resistenza e non vogliamo cambiare: è quanto ha affermato il Papa stamani durante la Messa presieduta nella Cappellina di Casa Santa Marta, alla presenza di alcuni dipendenti del Governatorato. Hanno concelebrato il cardinale Giuseppe Bertello, presidente del Governatorato, e il patriarca latino di Gerusalemme Fouad Twal. Ce ne parla Sergio Centofanti:

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Kleingläubigkeit

Was der Kirchenleitung heute fehlt, ist Mut.

Coraggio – Mut wünschte Papst Johannes XXIII. dem Benediktinerpater Maximilian Aichern vor rund 50 Jahren. Mut hatte der Papst selbst, als er das Zweite Vatikanische Konzil einberief. Und Mut wäre das, was die Leitung der römisch-katholischen Kirche heute bräuchte.
Denn das Hauptproblem der Kirche ist nicht, dass konservative Männer das Sagen haben: Auch Johannes XXIII. hatte konservative Seiten. Nur hatte er den Mut– besser: die Demut, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und die Geschicke der Kirche in die Hände der Bischöfe zu legen.

Dass dieser Mut, auch anderen etwas zuzutrauen, der heutigen Kirchenleitung um Papst Benedikt XVI. fehlt, ist das größte Problem der römisch-katholischen Kirche: Bischöfe sind in dieser Sicht nur Befehlsempfänger, die Meinung der Gläubigen zählt nicht. Besonders christlich ist diese Mutlosigkeit aber nicht. „Du Kleingläubiger“, sagt Jesus zu Petrus, der ihm auf dem Wasser entgegenkommen will, aber aus lauter Angst zu versinken droht.


Kommentar von Heinz Niederleitner in den Oberösterreichischen Nachrichten

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Rede von Papst Johannes XXIII. zur Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962

„Ehrwürdige Brüder!

Es jubelt die Mutter Kirche, weil durch besondere Gnade der göttlichen Vorsehung dieser hochersehnte Tag angebrochen ist, an dem hier am Grabe des hl. Petrus unter dem Schutz der jungfräulichen Gottesmutter, deren Mutterwürde heute festlich begangen wird, das Zweite Vati­kanische Ökumenische Konzil seinen Anfang nimmt.

Quelle: Herderkorrespondenz 17 (1962/63), 85-88 >>

50 Jahre Konzil: Die (un)heilige Schlacht
Mehr „Einheit“ mit der Welt und anderen Konfessionen wollte das Konzil. Dafür stritten dessen „Väter“ erbittert miteinander. Über ein epochales Ereignis und seine unschönen Schatten.
Die Presse >>

50 Jahre II. Vaticanum: Als die Kirche die Moderne probte
Von Donnerstag an begeht die katholische Kirche das 50-jährige Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es läutete einen Modernisierungsprozess in der katholischen Kirche ein, der bis heute nicht abgeschlossen ist.
Religion.ORF.at >>


"Die Kirche ist wirklich krank"
Am 11. Oktober 1962 wurde das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet. Es galt damals als richtungsweisendes Reformkonzil. Und in der Tat hat sich in der katholischen Kirche nach dem Konzil viel geändert. Doch in jüngster Zeit sind in Rom Bemühungen zu erkennen, die die Kirche wieder in eine vorkonziliare Zeit zurückbringen wollen. Der katholische Theologe Hans Küng erlebte damals als junger Berater das Konzil hautnah mit. Heute spricht der inzwischen 84-Jährige mit n-tv.de über die Errungenschaften und Versäumnisse der katholischen Kirche, über den Papst und seine Motivationen. Und er bescheinigt der Kirche eine schwere, lebensgefährliche Krankheit, für die es nur eine Medizin gebe: die Orientierung an der Welt und am Evangelium. Denn beides, so Küng, sei im Vatikan beim besten Willen nicht zu erkennen.
Interview mit Hans Küng auf n-tv >>


Die „Verheutigung“ der Kirche
Noch heute gilt das Zweite Vatikanische Konzil im Oktober 1962 als Referenzpunkt für das Selbst- und Weltverständnis der katholischen Kirche heute.
Berliner Zeitung >>

Dienstag, 2. Oktober 2012

Als die Kirche noch Reformen wagte

Das Zweite Vatikanische Konzil hat vor 50 Jahren die römisch-katholische Kirche reformiert. Zeitzeugen erinnern sich an die Aufbruchsstimmung und die spätere Krise. 

„Am Ende der Messe hat Papst Johannes XXIII. die Kardinäle aufgefordert, noch mit ihm zu sprechen. Da hat er das Konzil angekündigt“, erzählt Altbischof Maximilian Aichern. Das war am 25. Jänner 1959 in St. Paul vor den Mauern (Rom). Aichern war als Student dabei. Nach der Priesterweihe wurde er dem Papst vorgestellt: Es stellte sich heraus, dass beide ihre erste Messe am selben Altar in der Peterskirche gefeiert hatten. Da klopfte der Papst Aichern auf die Schulter und wünschte ihm: „Coraggio“ – Mut.

Immer wieder hört man „Mut“
Das Wort hört man oft, wenn Zeitzeugen vom Zweiten Vatikanischen Konzil erzählen. „Ich habe eine Aufbruchsstimmung empfunden“, sagt auch Pfarrer Walter Wimmer aus Linz. Er hat von 1963 bis 1973 in Rom studiert und das Konzil miterlebt: „Ich habe dort Weltkirche gesehen: Die Buntheit der Bischöfe, auch in der Kleidung. Die 2500 Konzilsväter kamen aus 133 Ländern.“
Beeindruckt hat Wimmer auch, dass es einen echten Dialog am Konzil gab: „Zwischen Papst, Bischöfen, Theologen und dem Glaubenssinn des Volkes. Heute sind die Dialogkanäle verstopft, daher kommt der Reformstau“, sagt er.

Mittwoch, 19. September 2012

Konziliare Versammlung "Zeichen der Zeit" in Frankfurt

 Zeichen der Zeit – Hoffnung und Widerstand

Aufruf zur Konziliaren Versammlung

18.-21. Oktober 2012 in Frankfurt

50 Jahre nach dem Beginn des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965)

Fünfzig Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil ist es Zeit, aus kirchlicher Erstarrung zu erwachen.  Wir werden nicht mehr auf Klerus und Hierarchie warten, sondern machen uns vielmehr selbst auf den Weg. Wir wollen unserer eigenen gesellschaftlichen Verantwortung in der Welt gerecht werden, dafür die Enteignung des kirchlichen Erbes rückgängig machen und uns die Kirche im Dienst dieser Aufgabe wieder aneignen. Wir laden zu einem ersten großen Treffen im Oktober 2012 ein, sodass sich Menschen versammeln können, die das immer noch uneingelöste Versprechen der Pastoralkonstitution „Über die Kirche in der Welt von heute“ selbst in die Hand nehmen, nach Wegen suchen und nach anderen Menschen, die mit ihnen gehen. Im Lichte dieser Pastoralkonstitution sind die anderen Konzilsthemen und -texte neu zu lesen. Und wir müssen wir uns mit dringenden Themen, wie z. B. Migration, Globalisierung oder sexuelle Gewalt, beschäftigen, die beim II. Vatikanum ausgeblendet oder erst danach virulent wurden.
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ So hieß es 1965. Was ist mit unserer Kirche, was ist mit uns geschehen, dass wir uns von diesem Bekenntnis zur Menschwerdung Gottes, von diesem Bekenntnis zur kirchlichen Verantwortung für die Welt so weit entfernen konnten?
Auf eine kurze Phase des Frühlings in der Kirche folgte eine lange Phase der Stagnation und Reaktion, die bis heute anhält. Den Frühling der Kirche in Deutschland markierten die Pastoralsynode der Katholischen Kirche in der DDR (1973-1975) und die Würzburger Synode (1971-1975). Sie waren Versuche einer gleichberechtigten Zusammenarbeit von „Laien“ und „Klerikern“. Das Bekenntnis der Würzburger Synode, „Unsere Hoffnung“, führte damals schon mitten in unsere Lebenswelt hinein: „Das Reich Gottes ist nicht indifferent gegenüber den Welthandelspreisen“ (I.6.)! Wie in einem Brennglas waren hier zwei Elemente verschmolzen: Der Bezug auf das Reich Gottes verwies auf die Bereitschaft zu einer anderen Kirche, der Bezug auf die Welthandelspreise auf die Bereitschaft von ChristInnen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Es war die Zeit der Aufbrüche:
  • der Emanzipation der Frauen, der feministischen Theologie und des Wunsches nach hierarchiefreier Gleichberechtigung
  • des Aufbruchs der Befreiungstheologie in der Kirche und der Bereitschaft, sich mit Armut und Ungleichheit – auch in der BRD – auseinanderzusetzen
  • der Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung im Kampf gegen Krieg, Militarisierung und Atomindustrie
  • der Bereitschaft, das Undenkbare zu denken, den Anbruch des Reiches Gottes
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Informationen und Anmeldung zur Konziliaren Versammlung >>

Freitag, 25. Mai 2012

Pontifikat der Scharlatane

Diskussionsbeitrag von Peter Bürger am Katholikentag in Deutschland:

Kleinbürgerliche Heimathorizonte und das Ende der katholischen Weite: Der Papst aus Bayern und der Zentralkomitee-Katholizismus sind den Herausforderungen des 3. Jahrtausends nicht gewachsen. – Eine fromme Polemik.

Angesichts des römischen Kamikaze-Kurses, der in absehbarer Zeit zum großen Knall führen muss, kann man sich über die Blauäugigkeit und Zaghaftigkeit mancher Laienfunktionäre nur wundern. Restituiert ist trotz des letzten Konzils ein repressiver Machtapparat, durch den sich Hans Küng - sehr zu Recht - "an Leitungskader in totalitären und diktatorischen Systemen" erinnert fühlt.

Vom Papst ernannte Kardinäle, deren Amt in Bibel und frühchristlicher Praxis nirgendwo vorgesehen ist, wählen jeweils den nächsten Papst, der wiederum allein die neuen Kardinäle kreiert und überall in der Weltkirche alles befehlen kann. Auch die Bischöfe auf dem ganzen Erdkreis werden vom Papst so ausgewählt, dass sie - von sehr seltenen "Unfällen" abgesehen - durchweg aus willigen Befehlsempfängern und Ausführungsbeamten bestehen …

Das sich selbst reproduzierende, auf einen einzelnen Übermenschen zugeschnittene Machtsystem ist jedoch in jesuanischer, biblischer und altkirchlicher Perspektive schlichtweg illegal. Es ersetzt die Formen rechtmäßiger Kirchenleitung durch einen Götzendienst der Macht und bedarf aus Glaubensgründen zwingend der Heilung. Dies gilt umso mehr, als Willkür und Selbstherrlichkeit dieses Systems nun wieder ungeschminkt ihr Gesicht zeigen. Zu predigen ist heute der römischen Kurie die Weisung Jesu: "Die in der Welt als Herrscher gelten, willküren nach unten herunter auf die Menschen und setzen sich ohne Rücksicht auf Verluste durch. So jedoch darf es bei euch nie sein." (vgl. Markus-Evangelium 10, 42-43)
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Theologe Küng: Papst droht zum Kirchenspalter zu werden
Der deutsche Theologe Hans Küng hat Papst Benedikt XVI. davor gewarnt, durch zu großes Entgegenkommen gegenüber den ultrakonservativen Piusbrüdern selbst zum Schismatiker zu werden und innerkirchlichen Ungehorsam zu provozieren. Benedikt bereite in der Pfingstzeit offensichtlich „die definitive Versöhnung“ der Kirche mit den Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Küng-Text.
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Hintergund:
Papst Pius IX. - vom Reformer zum Reaktionär und "Unfehlbaren"

Im Exil hat sich Pius IX. vom Reformer zum Reaktionär gewandelt. Von nun an, so der Historiker Lill, "führt Pius jene Zentralisation herbei, auf der das moderne, autoritäre, monarchische Papsttum beruht." Die politische Bühne überlässt Pius fortan ganz seinem gewieften Kardinalstaatssekretär Antonelli.
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Freitag, 24. Februar 2012

Die Sünde des Vergessens

Oder wie ist es sonst zu nennen, wenn die kirchliche Leitung Geist-gewirkte Ereignisse wie das Zweite Vatikanische Konzil der Vergessenheit anheim fallen lässt?
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Übrigens: Jesus gehörte nicht zum Priesterstand, genauso wenig wie die Apostel; sie alle waren Laien. Jesus sagte beim letzten Abendmahl: „Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.“ (Lk 22,27)

Ein interessanter Beitrag von Pater Thomas Heck SVD >>

Samstag, 14. Januar 2012

50 Jahre Konzil: Zerstörte Hoffnung auf ein Pfingsten

Der deutsche Dogmatiker Peter Hünermann plädiert bei einem Symposium an der Universität Wien für das Rückgewinnen katholischer Weite. Die Veranstalter wurden von den Anmeldungen förmlich überschwemmt.
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Hünermann: Zweites Vatikanum ist Maßstab für Zukunft der Kirche
Tübinger Theologe eröffnet Wiener Tagung zum 50-Jahr-Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils - "Reformpotenzial des Konzils noch nicht ausgeschöpft" - Generalsynode der lateinischen Kirche notwendig
Weiter auf Kathweb >>

Wiener Vaticanum-Tagung: „Erinnerung an die Zukunft"
Der Beginn des 2. Vatikanischen Konzils jährt sich heuer zum 50sten Mal. Aus diesem Anlass hat in dieser Woche an der Universität Wien ein Symposium mit dem Titel "Erinnerung an die Zukunft" stattgefunden.
Zusammenfassung auf Religion.ORF.at >>


Wendepunkt im Lernprozess der Kirche?
Die Rede von Bruch und Paradigmenwechsel dominierte die Wiener Konferenz über „50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil“.
Beitrag in der Tagespost >>

Samstag, 7. Januar 2012

Bischof Bode: Kirche und Bistum in der Spur des Zweiten Vatikanischen Konzils

Silvesterpredigt 2011 von Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Osnabrück

„Ich will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein“ (vgl. Jer 31,33)
– Kirche und Bistum in der Spur des Zweiten Vatikanischen Konzils –

11. Oktober 1962. Einige hundert Schüler des Gymnasiums Theodorianum in Paderborn sind in der Aula um einen kleinen schwarz-weißen Bildschirm versammelt. Ihnen soll ein kirchen- und weltgeschichtliches Ereignis nicht entgehen, das ein „erneuertes Pfingsten“ genannt wurde: die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils in Rom. – Wir hatten für dieses Ereignis unterrichtsfrei. Ich war gerade zehn Jahre alt.

Unendlich lang erschien uns die Reihe der fast 2500 Bischöfe, die in Sankt Peter einzog. Für uns war das alles schwer verständlich, aber wir hatten das deutliche Gefühl, dass dort etwas Hochbedeutsames geschah. Die warme, bäuerliche Stimme Johannes XXIII., seine Worte und sein Segen waren Höhepunkte. Schon damals spürten wir, dass eine neue Atmosphäre in die Kirche einzog: Allen bloß negativen Verurteilen wurde eine Absage erteilt. Stattdessen solle die „Medizin der Barmherzigkeit“ angewandt werden. Johannes XXIII. unterzeichnete das Glaubensbekenntnis nicht mit seinen vielen Titulaturen, sondern mit „Johannes, Bischof der katholischen Kirche“, dem Amt also, das ihn mit all seinen Brüdern in der Welt verband.
In der Schule legten wir ein Heft an, in das wichtige Bilder und Texte des Konzils eingeklebt wurden. Als Ministranten erlebten wir bald, dass sich Enormes tat in der Liturgie der heiligen Messe. Denn die tägliche, oft in schwarzer Kleidung für die Verstorbenen gefeierte Alltagsliturgie war bis dahin ein heiliges Schauspiel. Wir wirkten daran mit, minutiös eingeübt, sogar in lateinischer Sprache, das Volk weit hinter uns. Nun die befreiende Wende zur Muttersprache, zu einem gemeinsamen Geschehen in der Kirche, an dem nunmehr alle teilnehmen konnten in klarer Struktur und in der Einheit von Wort und Sakrament.
Und dann die Jahre des Konzils selbst mit einem neuen Papst, Paul VI., der sich ganz auf den Geist des Anfangs einließ und sich wie kaum ein Papst vor ihm der Herausforderung der Moderne stellte. Der aber auch darunter litt, wie sehr der Bruch zwischen Kirche und Kultur vorangeschritten war. Seine bis heute prophetische Schrift „Evangelii nuntiandi“ von 1975 (zehn Jahre nach dem Konzil) über die Evangelisierung in der Welt von heute ist immer noch von höchster Aktualität. Auch darum ist es, nebenbei gesagt, völlig unangemessen, Papst Paul VI. nur auf einige Aspekte seiner Enzyklika „Humanae vitae“ von 1968 über die Weitergabe menschlichen Lebens zu reduzieren.
Das Konzil und seine Aussagen wurden in den Folgejahren zum großen Impuls vieler positiver Erneuerungen und Öffnungen der Kirche, freilich auch zum Stein des Anstoßes, zum Ereignis, an dem die Geister sich schieden und zu verschiedenen Interpretationen gelangten. Man denke nur an die reformorientierte Anwendung des Konzils in der Würzburger Synode oder den traditionalistischen Weg, den Bischof Lefebvre und seine Anhänger gingen. Einer, der das Konzil im Alter von gerade mal 35 Jahren als Professor und Berater des Kölner Kardinals Frings mitprägte, war Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI. Er wird der letzte Papst sein, der das Konzil selbst miterlebt hat.

Der junge Professor war angetan von der ganz neuen Gesprächsatmosphäre. Im Rückblick auf die erste Sitzungsperiode schrieb er 1963: „Das Klima des Konzils war von vornherein durch die grosszügige Haltung Johannes XXIII. geprägt, der sich darin merklich von dem Konzilspapst des Ersten Vaticanums unterschied. Ohne viele Worte drückte die Persönlichkeit des Papstes eine Ermutigung zur Offenheit und zum Freimut aus. Es wird noch eingehend darüber zu reden sein, dass … ein neues Bewusstsein sich ausprägt, wie man in der Kirche in brüderlicher Offenheit, ohne den Gehorsam des Glaubens zu verletzen, miteinander sprechen kann“ (Joseph Ratzinger, Die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Rückblick, Köln 1963, S. 19 f.).
Bezeichnend für dieses neue Klima und die neue Offenheit sind die Ausführungen, die Ratzinger in seinem Rückblick zu den zentralen Konzilsthemen Pastoral und Ökumene macht: „,Pastoralʻ – das sollte nicht heißen: verschwommen, substanzlos, bloß erbaulich, wie es da und dort missverstanden wurde. Sondern es sollte heißen: in der positiven Sorge um den heutigen Menschen formuliert, dem mit Verurteilungen nicht geholfen ist, der lange genug gehört hat, was alles falsch ist und was alles er nicht darf, der aber endlich hören will und viel zu wenig gehört hat, was wahr ist, mit welcher positiven Botschaft der Glaube unserer Zeit gegenübertreten kann, was er positiv ihr zu lehren und zu sagen hat. ,Pastoralʻ sollte nicht heißen: verwaschen und unpräzis, sondern es sollte heißen: frei von (theologischem) Schulgezänk, ohne Einmischung in Fragen, die nur die Gelehrten angehen, ohne weitere Beschneidung der Diskussionsmöglichkeit unter ihnen in einem Zeitpunkt, in dem alles voller neuer Aufgaben ist und eine offene Auseinandersetzung von ihnen verlangt. ,Pastoralʻ sollte endlich heißen: ohne die Sprache der (theologischen) Schule …, in der Sprache der Schrift, der (Kirchen-)Väter, des Menschen von heute – einfach in der lebendigen Sprache des allzeit einen Menschen.
Und ,ökumenischʻ sollte nicht heißen: Verschweigen von Wahrheiten, um die anderen nicht zu verstimmen. Was wahr ist, muss offen gesagt werden, ohne Verbergen; die volle Wahrheit ist ein Teil der vollen Liebe. ,Ökumenischʻ sollte vielmehr heißen: dass man aufhört, die anderen bloß als Gegner zu sehen, gegen die man sich verteidigt (nachdem wiederum die Abgrenzung lange und gründlich genug geschehen ist); dass man versucht, sie als Brüder zu erkennen, mit denen man spricht und von denen es auch zu lernen gibt. ,Ökumenischʻ sollte heißen: dass man auf die Wahrheit achtet, die der andere hat, auf die ernsthaften christlichen Anliegen, die er selbst da vertreten kann, wo er von uns getrennt ist oder irrt. Und ,ökumenischʻ sollte heißen: das Ganze einbeziehend; nicht bloß jenen Teilaspekt sagen, der im Augenblick nach einer Verurteilung oder Korrektur ruft, sondern die innere Ganzheit des Glaubens hinstellen und so dem getrennten Bruder bewusst machen, dass alles wahrhaft Christliche im Katholischen eingeborgen ist. Man sollte wieder mehr bedenken, dass die beiden Wörter ,ökumenischʻ und ,katholischʻ von ihrem Ursprung her dasselbe sagen, dass Katholischsein also bedeutet, sich nicht in Sondertraditionen zu verspinnen, sondern der ganzen Fülle des Christlichen offenstehen“ (Joseph Ratzinger, die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Rückblick, Köln 1963, S. 45-47).

Soweit der Rückblick des Professors Joseph Ratzinger aus dem Jahr 1963. Die Wahl Angelo Giuseppe Roncallis 1959 zum Papst Johannes XXIII. war schon ein kleines Wunder gewesen. Erst recht die von diesem vermeintlichen „Übergangspapst“ völlig unerwartete Einberufung des Konzils. Die neue Arbeitsweise der Versammlung schließlich war bahnbrechend, weil sie die schon fast fertigen Arbeits- und Beschlussvorlagen vollkommen überholte.
In den vier Jahren des Konzils bis zum 8. Dezember 1965 wurden hoch bedeutsame Aussagen errungen über die Kirche, über ihr grundsätzliches Selbstverständnis, ihr inneres Leben und ihre Sendung nach außen; über den Dialog mit den anderen christlichen Konfessionen, mit den Nichtchristen, mit der „Welt von heute“ und über die Religionsfreiheit, also über die weltanschauliche Pluralität, in der die Kirche lebt und wirkt. Hier nur einige wenige Auszüge:
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände“ (GS 1).
„Zur Erfüllung … ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben. Es gilt also, die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen“ (GS 4).
„Das Volk Gottes bemüht sich, in den Ereignissen, Bedürfnissen und Wünschen, die es zusammen mit den übrigen Menschen unserer Zeit teilt, zu unterscheiden, was darin wahre Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes sind. Der Glaube erhellt nämlich alles mit einem neuen Licht …“ (GS 11).
„Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (LG 1).
„Das aber verlangt von uns, dass wir vor allem in der Kirche selbst, bei Anerkennung aller rechtmäßigen Verschiedenheit, gegenseitige Hochachtung, Ehrfurcht und Eintracht pflegen, um ein immer fruchtbareres Gespräch zwischen allen in Gang zu bringen, die das eine Volk Gottes bilden, Geistliche und Laien. Stärker ist, was die Gläubigen eint als was sie trennt. Es gelte im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem die Liebe“ (GS 92).
Ich muss so breit ausholen, weil das Konzil für die heutige Generation längst Geschichte ist, für die Jugendlichen gefühlt fast so weit entfernt wie die Reformation. Dabei geht es mir nicht darum, wie ein Historiker oder Archäologe nur die Texte wieder zu ergraben – so wichtig und spannend es ist, sie sich vorzunehmen. Nein, es geht darum, in unserer Zeit, in unserer Welt und in unserer hoch krisenhaften Situation die Absichten und Impulse des Konzils neu zu lesen und aus heutiger Erfahrung – 50 Jahre später – in einen Dialog mit ihnen einzutreten. Es geht um einen neuen aggiornamento – diese große Vision Johannes XXIII. für die Kirche –, es geht um ein neues „auf den Tag bringen“. Das wunderbare Wort von Gregor dem Großen aus dem sechsten Jahrhundert über die Bibellektüre „Divina eloquia cum legente crescunt“, Gottes Worte wachsen mit dem Lesenden (in Ezechiel, I, VII, 8: PL 76, 843) gilt auch für die feierlichen Aussagen der Kirche in einem Konzil.

Ich spreche auch deshalb so breit über das damalige Ereignis, weil dieses Konzil ein wirkliches Geschenk an die Kirche war, unerwartet und unberechenbar, wirklich aus der „Improvisation des Geistes“, wie der Theologe Karl Rahner einmal die Kirche genannt hat (Karl Rahner, Angst vor dem Geist, in: Karl Rahner, Chancen des Glaubens, Anm. 22, S. 53f. 57). Von diesem Geschenk leben wir bist heute: in der Ökumene, im Verhältnis zum Judentum, zum Islam und den anderen Religionen, in der Liturgie, in der Auffassung von Kirche, die nie nur sich selbst leben darf, sondern immer für alle in der Welt von heute. Wir leben von all den Diensten und gemeinschaftlichen Strukturen, die sich gebildet haben: die Dienste des Diakons, der Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten, der Lektoren, Kommunionhelfer und Katecheten; die Gremien der Pfarrgemeinderäte, Dekanatsarbeitsgemeinschaften, der diözesanen Räte und gemeinsamen Konferenzen. Diese Dienste und Strukturen können wir uns gar nicht mehr wegdenken, selbst wenn sie nach den Jahrzehnten neu vom Geist des Konzils, ja vom Geist der Hoffnung und des Mutes durchdrungen werden müssen. Der heilige Geist ist ja immer noch wach in der Kirche (vgl. Siegfried Hübner, Aufbruch im Glauben mit Papst Johannes XXIII., Wiesmoor 2010, S. 10).
Die schmerzlichen Abbrüche und die damit verbundenen Veränderungen, die wir bis in die jüngsten Krisen in der Kirche erfahren, sind trotz des großen Aufbruchs in den 60er Jahren im Konzil geschehen und nicht wegen dieses Aufbruchs. Die gesellschaftliche Entwicklung nach den beiden Weltkriegen und der Fortschritt der Welt haben zu einer tiefgreifenden und in vielerlei Hinsicht fragwürdigen Wandlung des gesamten Lebens geführt. Für die Kirche muss die Antwort heute eine noch tiefere und entschlossenere Aneignung der prophetischen Aussagen des Konzils sein, statt Angst vor der eigenen Courage zu bekommen.
Und eine solche neue Aneignung der Prophetie und der Hoffnung des Konzils muss gerade in dem vor uns liegenden Jahr bereitet werden. Im Juli hat in Mannheim der Auftakt des Dialogprozesses unter dem Leitwort „Im Heute glauben“ stattgefunden. Das wichtige Treffen hat uns deutlich gemacht, worauf es in den nächsten Monaten und Jahren ankommt:
• auf die Kommunikation des Lebens und des Glaubens. Dazu gehört unser Katechetischer Prozess, der doch nichts anderes will, als den Glauben für alle Generationen heute und morgen einladend zu machen. Dazu gehört aber auch die mutige Einmischung der Kirche in die Gesellschaft in den Grundfragen des Lebens, der Politik und der Kultur.
• Es kommt an auf eine Kultur der Barmherzigkeit (Compassion), die den Menschen – auch denen, die sich schwertun – frische Luft zum Atmen gibt in der Kirche. Barmherzigkeit der Kirche aus einem „Herzen aus Fleisch“, aus einem „hörenden Herzen“, statt Unerbittlichkeit aus einem „Herzen aus Stein“ (vgl. Ez 11,19; 1 Kön 3,9). Das große Stichwort im Dialogprozess in Deutschland ist in diesem Jahr deshalb diaconia – Dienst am Menschen um Gottes willen, den Menschen zugewandt, weil Gott sich uns zuwendet, auch heute.
• Und es kommt an auf Partizipation, Teilnahme und Teilgabe, das Miteinander der Dienste und Charismen in der Kirche, in den großen pastoralen Räumen bunter und vielfältiger als früher. Die Aussagen des Konzils über das pilgernde Volk Gottes unterwegs in communio, als Leib Christi, und über das gemeinsame Priestertum aller Getauften und Gefirmten müssen jetzt praktisch werden. „Denn durch die Taufe dem mystischen Leib Christi eingegliedert und durch die Firmung mit der Kraft des Heiligen Geistes gestärkt, werden sie (die Laien) … zu einer königlichen Priesterschaft und zu einem heiligen Volk (vgl. 1 Petr 2,4-10) geweiht …“, so das Konzil (AA 3). Wir brauchen nichts nötiger als Getaufte, Gefirmte, Beauftragte, Gesendete und Geweihte, die überzeugt und überzeugend aus ihrer jeweiligen Berufung heraus leben. Und wir brauchen auch bei noch mehr Entscheidungsträgern der Kirche den Mut, neu an die Aufbrüche des Konzils anzuknüpfen und denen deutlich zu widerstehen, die das Rad rückwaÅNrts drehen wollen. Wir müssen „einen neuen Aufbruch wagen“. (Das ist ja auch das Leitwort des Katholikentags in Mannheim im kommenden Jahr.)
Dabei dürfen wir aber – und das ist mir ein großes Anliegen – auf keinen Fall zu binnenkirchlich denken. Wir müssen immer auch die rund 80 Prozent der katholischen Christen im Blick haben, die nicht so eng mit ihrer Kirche verbunden sind über Gottesdienst und Engagement, die in der Distanz bleiben, scheu, gleichgültig oder enttäuscht. Wir sind Kirche nicht nur mit uns und für uns, sondern mit den vielen und für alle. Neuevangelisierung ist das Gebot der Stunde. Der Dialog mit den ,anderenʻ – den Nicht-Katholiken, den Nicht-Christen – und mit allen Menschen gutem Willens, ja auch mit denen, die uns ablehnend gegenüberstehen, ist heute für alle Beteiligten über-lebens-notwendig.
Weiter denke ich bei einem neuen Aufbruch an eine möglichst lebensnahe Katechese für alle Generationen; ich denke an den Umgang der Kirche mit wiederverheiratet Geschiedenen und mit Paaren in konfessionsverschiedenen Ehen; ich denke an ein vertieftes Zusammenwirken von Männern und Frauen in den Diensten des Gottesvolkes; ich denke an den Beitrag der Kirche zu einer positiven Sexualkultur, zu verlässlichen Beziehungen und echter Partnerschaft in der Vorbereitung auf das Ehesakrament; und konkret denke ich für unser Bistum an ein weiteres großes Pastorales Zukunftsgespräch im Jubiläumsjahr 2015, da das Konzil vor 50 Jahren beendet wurde.
2012 wird ein wichtiges Jahr der Zurüstung für unsere Kirche in der Weltweite, in Deutschland, in unserem Bistum. Die Weltbischofssynode, an der ich im Oktober drei Wochen in Rom teilnehmen darf, befasst sich mit der Neuevangelisierung, mit der Kommunikation des Glaubens mit den Menschen von heute. Nicht von ungefähr hat der Papst ein „Jahr des Glaubens“ ausgerufen, das am 50. Jahrestag der Konzilseröffnung, also am 11. Oktober 2012, beginnt. In den Tagen werden wir auch die Erfahrungen unseres Katechetischen Prozesses bündeln in einer Versammlung der diözesanen Räte am 28./29. September 2012.
Das alles dient dem Ziel, das Schwungrad des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder in Gang zu setzen in einer global, regional und privat grundlegend veränderten Situation. Ja, wir stehen wieder neu am Anfang, da so vieles abgebrochen und zerbrochen ist. An einem neuen Anfang, der niemals gegen das Konzil gerichtet sein kann, sondern nur mit dem Konzil und seiner innersten prophetischen Wahrheit gelingen wird.
Vier Tage nach Beendigung des Konzils, am 12. Dezember 1965, hielt Karl Rahner – er war neben Joseph Ratzinger und Hans Küng einer der großen deutschen Konzilsberater – einen Vortrag. Daraus möchte ich abschließend eine längere Passage zitieren, weil sie so großartig und ermutigend ist:
„Im ganzen ist (jedenfalls) zu sagen: Es wäre ein furchtbarer Irrtum und eine schreckliche Verblendung der Herzen, ist aber eine reale Gefahr, vor der auch die unzerstörbare Kirche nicht von vornherein sich bewahrt glauben darf, wollte man meinen, man könne im Grunde nach dem Konzil einfach so weitermachen wie bisher, weil das, was in ihm gesagt, beschlossen und gelehrt wurde, entweder schon immer selbstverständlich in Übung gewesen sei oder nur unwichtige Dinge am Rande beträfe oder eben fromme Ideale beinhalte, die man sich zur eigenen Selbstrechtfertigung erbaulicherweise sagt und im übrigen auf dem geduldigen Papier stehenlässt. Natürlich muss die Kirche ihrem Wesen und – richtig verstanden – selbst ihrer Vergangenheit treu bleiben. (…) Aber das alles ändert nichts an der heilig-schrecklichen Verantwortung, die wir alle, die wir die Kirche sind, uns aufgeladen haben durch dieses Konzil: zu tun, was wir gesagt haben, die zu werden, die zu sein wir erkannt und vor aller Welt bekannt haben, aus Worten Taten zu machen, aus Gesetzen Geist, aus liturgischen Formen wahres Gebet, aus Ideen Wirklichkeit. Dafür konnte das Konzil nicht mehr als den Anfang des Anfanges setzen. Das ist unsagbar viel. Es würde aber ein hartes Gericht für Hirten und Herde, für uns alle bedeuten, wenn wir Wort und Tat, Anfang und Vollendung verwechseln wollten. Wir sind auf dem Konzil wie einst Elias durch eine weite Wüste gewandert und dem heiligen Berg Gottes nähergekommen. Wenn wir uns jetzt darum müde, schläfrig und verdrossen unter dem Ginsterbusch eines konziliaren Triumphalismus ausruhen würden, dann wird, dann möge, ja dann muss uns der Engel Gottes durch die schrecklichen Gefahren und Qualen dieser Zeit, durch Verfolgung, Abfall und Schmerzen des Herzens und des Geistes aus unserem Schlaf aufwecken: mach dich auf, ein großer Weg steht dir noch bevor (vgl. 3 Könige 19,7).
(…)
Wenn des Bischofs Regierung Dienst ist, demütig, demütiger als bisher, wenn der Priester lauterer und selbstloser, ob mit oder ohne Erfolg, das Wort Gottes und die Gnade der Sakramente darreicht, wenn der Laie weniger tadelt und eifriger mitarbeitet, wenn alle das Kreuz ihres Daseins in der Nachfolge Christi geduldiger tragen, in den Finsternissen mit helleren Augen des Glaubens das Licht Gottes sehen, jeder sich ehrlicher als Sünder erkennt und doch der Gnade Gottes getrost ist, wenn jeder anfängt, Gott mehr zu lieben, wenn jeder sich täglich mehr bemüht, der egoistischen Härte seines Herzens ein wenig mehr tätige Nächstenliebe abzuringen, wenn es Christen gibt, die nicht auch bei brutalem, brüllendem Geschrei oder bei dem feigen Geflüster nationalistischen oder gruppengesellschaftlichen Egoismus' dabei sind, wenn ein paar christliche Männer und Frauen im öffentlichen Leben deutlicher fragen und klarer das sagen, was recht ist, und nicht, was ihnen nützt, dann hat das Konzil seinen wirklichen Sinn, den letztlich einzigen, erreicht.
(…)
Es liegt aber an uns, an jedem von uns, an jedem in der Alltäglichkeit des Lebens und in der letzten einsamen Entscheidung des Gewissens, diesen Sinn des Konzils aus Gottes Gnade allein in der königlichen Freiheit der Kinder Gottes zu tun. Gott gebe uns dazu seine Gnade.“ (Karl Rahner, Das Konzil – Ein neuer Beginn. Vortrag beim Festakt zum Abschluss des II. Vatikanischen Konzils im Herkulessaal der Residenz in München am 12. Dezember 1965, Freiburg 1966, S. 18-26)

Gott gebe uns seine Gnade, besonders in diesem Jahr 2012, und seinen Segen: Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Quelle: Bistum Osnabrück

Montag, 26. Dezember 2011

FeierAbend: Coraggio - Habt Mut!

Am 25. Dezember vor genau 50 Jahren wurde von Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberufen. Eine neue Ära der römisch-katholischen Kirche sollte damit beginnen - eine Ära der Weltoffenheit, Dialogbereitschaft und Toleranz. Walter Kirchschläger - Sohn des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger - ist Theologe und lehrt heute an der Universität in Luzern. Das Zweite Vatikanische Konzil ist bis heute für ihn richtungsweisend und in einer Zeit, in der der Kirchenkurs wieder in Richtung "zurück hinters Konzil" zu gehen scheint, herausfordernd. Ein Porträt über den österreichischen Theologen, über seine Prägung durch seinen Vater, und über sein Festhalten an den Weichenstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils.
FeierAbend in der ORF TVthek >> 



Weihnachtliche Seligpreisungen

Selig, wer sich von der Ohnmacht
der Liebe Jesu in der Krippe und später
am Holz des Kreuzes mehr leiten lässt
als von allen anderen Machtansprüchen.

Selig, wer dem Wunder der Weihnacht mehr traut
als den Berechnungen, Statistiken,
Prognosen und Prophezeiungen unserer Zeit.

Selig, wer sich mehr vom Stern
des neu geborenen Königs leiten lässt
als von den geheimen Verlockungen
der Selbstbeweihräucherung.

(Paul Weismantel, Wache und warte! Abendlicher Adventkalender 2011, Kemmern 2011)

Freitag, 23. Dezember 2011

Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils jährt sich zum 50. Mal


Mit einer Einladung von Papst Johannes XXIII. an alle Bischöfe der Weltkirche erfolgte zu Weihnachten vor fünfzig Jahren die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

„Wir hielten die Zeit für reif“, schrieb der Papst in seiner Konstitution „Humanae salutis“ vom 25. Dezember 1961, „der katholischen Kirche und der Menschheitsfamilie die Möglichkeit eines neuen Ökumenischen Konzils zu schenken“. Damit realisierte der Papst den Plan eines Konzils, den er im Jänner 1959 erstmals angekündigt hatte. Schließlich eröffnete Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962 die bisher letzte beschlussfassende Versammlung der rund 2.800 katholischen Bischöfe, die nach seinem Tod 1963 durch seinen Nachfolger Papst Paul VI. fortgesetzt und am 8. Dezember 1965 abgeschlossen wurde.

„Mutter Kirche in immerwährender Lebenskraft und Jugend“

Der Papst fand zu Weihnachten 1961 noch nicht so prägnante Worte wie bei seiner Konzilseröffnung knapp zehn Monate später, wo er erklärte, er wolle den „Unglückpropheten“ der Zeit „entschieden widersprechen“ und sich furchtlos an die Aufgaben begeben, die das Jahrhundert an die Kirche stelle. In „Humanae salutis“ heißt es, das Konzil werde „die Mutter Kirche in immerwährender Lebenskraft und Jugend zeigen“, so dass die Kirche „neues Licht ausstrahlt“. Am 2. Februar 1962 legte Johannes XXIII. schließlich den Beginn auf den 11. Oktober fest.

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Was der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff über die katholische Kirche sagt
Eberhard Schockenhoff ist Professor für Moraltheologie in Freiburg und einer der renommiertesten Vertreter seines Fachs. Johannes Adam hat mit ihm über Erscheinungsbild und Außenwirkung der katholischen Kirche gesprochen.
Interview in der Badischen Zeitung >>

Freitag, 16. Dezember 2011

Symposium zu 50 Jahre II. Vatikanisches Konzil in Wien

Ganz im Zeichen des Konzilsjubiläums steht das von der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien organisierte Symposium, welches von 11. bis 13. Jänner 2012 an der Universität Wien stattfinden wird. Zahlreiche Vorträge und Diskussionen bieten die Möglichkeit, sich die programmatische Weichenstellung des Konzils (1962-1965) neu ins Bewusstsein zu rufen und die Konzilstexte nach ihrem bleibenden Gehalt zu befragen.

Programm

11.01.2012,
18.00 Uhr:

Eröffnungsvortrag: Peter Hünermann (Tübingen),
anschließend Empfang
12.01.2012,
9.00-18.00 Uhr:

Vorträge von Albert Gerhards (Bonn), Christoph Theobald (Paris), Statements und Diskussion
13.01.2012,
9.00-18.00 Uhr:

Vorträge von Thomas Söding (Bochum), Ottmar Fuchs (Tübingen), Statements und Diskussion
13.01.2012,
19.00 Uhr:

Abschlussvortrag von Eberhard Schockenhoff (Freiburg),
anschließend Empfang

Detaillierte Informationen entnehmen Sie bitte der Homepage.

Anmeldung bis 4. Jänner 2012 unter folgendem Link erbeten: http://ktf.univie.ac.at/vatikanum.

Montag, 13. Juni 2011

Karl Rahner: Das Konzil als Anfang eines Anfangs

Im kommenden Jahr wird sich der Beginn des II. Vatikanischen Konzils (am 11. Oktober 1962) zum 50. Mal jähren. Dieses ökumenische Konzil und seine Wirkungsgeschchte rücken damit wieder ins Blickfeld.

Ich möchte auf folgende Homepages zu diesem Thema hinweisen:


Und als "Ohrenschmaus" die Stimme von Karl Rahner:

Karl Rahner: Das Konzil – Anfang eines Anfangs
Karl Rahner 1965: Das Konzil hat sich zweifellos Aufgaben und Themen gestellt, die gemessen an den konkreten Möglichkeiten, die der Kirche im Augenblick zu Gebote stehen, nicht größer sein konnten.


Kardinal Franz König hat am Ende des Konzils zu Journalisten gesagt: Ihr braucht nun nicht mehr die Kirche zu fragen, was ihr fragen dürft; ihr könnt und sollt fortan eure Fragen und Anliegen offen vorbringen.