Samstag, 20. Dezember 2014

Ermutigender Vatikan-Bericht zu US-Ordensfrauen

Bericht zum Ordensleben in den USA: Eine Zusammenfassung von Radio Vatikan
Einen Überblick über die gesamte Bandbreite des weiblichen Ordenslebens in den USA: Nicht mehr und nicht weniger bietet der Bericht, der an diesem Dienstag im Vatikan vorgestellt wurde. Zwölf Seiten lang ist das Dokument, zusätzlich wird es noch einzelne Berichte geben, die bestimmte Kongregationen und Situationen betreffen.

Grund für die Visitation – die nur apostolische Ordensgemeinschaften, nicht aber klausurierte Nonnen betraf – seien die Herausforderungen für geweihtes Leben heute gewesen, heißt es in dem Bericht. Die Visitation sei in ihrer Art einzigartig. 341 Institute seien besucht worden, 50.000 Ordensfrauen seien betroffen. Die Leiterin, Sr. Mary Clare Millea SACJ, habe den Auftrag gehabt, diese Visitation „Schwester zu Schwester“ durchzuführen, in Respekt und Dialog. So wollte man die wichtigen Tendenzen und Trends des Ordenslebens in den USA identifizieren.

In einem ersten inhaltlichen Abschnitt geht es um die Statistik: Die Zahl der Ordensfrauen in den USA hat sich seit den 1960er Jahren halbiert, ihr Durchschnittsalter liegt heute bei 75 bis 80 Jahren. Aber schon hier wird differenziert: Die Jahrzehnte von 1940 bis 1970 dürften nicht als Norm gelten, es seien Jahre mit ungewöhnlich hohen Mitgliederzahlen gewesen. Der Duktus des genauen Hinsehens als Methode des Berichts wird bereits in diesem Abschnitt deutlich.

In einem weiteren Abschnitt geht es um die verschiedenen Charismen und Identitäten von Ordensfrauen. Die betroffenen Gemeinschaften seien sich ihres Erbes bewusst, durch abnehmende Mitgliederzahlen bestünde aber die Notwendigkeit, dass Institute zusammengelegt werden. In einer solchen Situation die Identität zu bewahren, sei nicht einfach.

Positiv vermerkt der Bericht, dass diese Charismen zunehmend mit Nichtmitgliedern geteilt würden, eine Tendenz, die ausdrücklich gelobt wird.

Abschnitt vier handelt dann von den Berufungen und der Ausbildung von Ordensfrauen. Allgemein könne man sagen, dass eintretende Frauen heute älter und bereits besser ausgebildet seien, als das früher der Fall gewesen sei. Allerdings hätten einige Kongregationen die Aufnahme von Novizinnen bereits beendet, da der Altersunterschied zwischen den Jungen und den Alten zu groß wäre, als dass ein gedeihliches Zusammenleben und –arbeiten möglich wäre. Unter den jüngeren Schwestern entstehe auch wieder der Wunsch, als Ordensfrauen erkennbar zu sein, eine Herausforderung für Gemeinschaften, die diese Dimension ihres Lebens in der Vergangenheit nicht ausdrücklich betont hätten.

In weiteren Abschnitten geht es um das Gebetsleben, die Nachfolge Christi als Zentrum des Ordenslebens und um das Gemeinschaftsleben. Von besonderer Bedeutung in Umbruchszeiten ist die Leitung der Gemeinschaft. Die meisten befragten Schwestern hätten ein positives Bild der Ordensleitungen, heißt es in dem Text. Das Problem sei, auch für die Zukunft Schwestern für Leitungsaufgaben zu qualifizieren, schlicht weil es immer weniger gäbe und die Gemeinschaften immer älter würden.

Ein weitere Abschnitt bezieht sich auf die finanziellen Umstände des Ordenslebens. Vielen Gemeinschaften fehle es an einer gesunden finanziellen Grundlage, meist weil über Jahrzehnte hinweg Ordensschwestern in ihrer Bezahlung sehr viel schlechter gestellt wurden als etwa Priester. Auch das zunehmende Alter in den Gemeinschaften spiele eine Rolle. Man müsse feststellen, dass viele Institute zum Beispiel in der Altersvorsorge ernsthaft unterfinanziert seien.

Klagen dokumentiert der Bericht, wenn es um die Anerkennung des Beitrages von Schwestern für die Kirche und deren Beteiligung an Entscheidungen gehe. Es brauche einen Dialog mit den Bischöfen,

Mehrfach drücken die beiden Unterzeichner der Dokuments, Kardinal João Braz de Aviz als Präfekt und Erzbischof José Rodríguez Carballo als Sekretär der Ordenskongregation, ihren Dank an die Kongregationen für die bereitwillige Teilnahme aus: für das apostolische Engagement, für das Charisma vor allem im Bereich sozialer Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, das sich in fast allen Gründungen fände, und besonders auch für die Mitarbeit an dieser Visitation. Es habe zu Beginn des Prozesses Widerstand gegeben, einige Institute hätten sogar ihre Beteiligung verweigert. Spannungen seien unvermeidlich im Leben, umso wichtiger sei den Beteiligten, erneut eine Einladung zum Dialog auszusprechen, um die Herausforderungen gemeinsam anzugehen.
Quelle: Radio Vatikan >


Vatikan stellt Bericht zu Ordensfrauen in den USA vor
"Ermutigender und realistischer Ton"
Der Vatikan hatte wohl Zweifel. Deshalb hat er die Frauenorden in den Vereinigten Staaten auf Defizite untersucht. Geleitet wurde die Visitation von der US-amerikanischen Ordensfrau Mary Clare Millea.
Domradio.de >>

Vatikan-Ordenskongregation: Positivbericht zu US-Frauenorden
Visitation abgeschlossen - Zu Beginn der Visitation im Jahr 2008 waren Sanktionen gegen Frauenorden wegen Ungehorsam gegenüber Rom befürchtet worden
Kathpress >>

40 Jahre Neokatechumenat in Österreich

40 Jahre Neokatechumenat: Glaube, der polarisiert
Mit einem Dankgottesdienst im Wiener Stephansdom am Freitagabend haben die Mitglieder des Neokatechumenalen Wegs ihr 40-jähriges Bestehen in Österreich gefeiert. 40 Jahre, in denen immer wieder angeeckt wurde.

In Österreich entstand die erste Gemeinschaft des Neokatechumenats 1974 in der Wiener Pfarre Döbling-St. Paul. Heute gibt es Gemeinschaften und Priester aus dem Neokatechumenalen Weg in den Diözesen Wien, Linz, St. Pölten, Graz und Salzburg. Mit dem Missionskolleg Redemptoris Mater befindet sich am Wiener Wolfrathplatz (13. Bezirk) auch eines der weltweit mehr als 100 vom Neokatechumenalen Weg getragenen Priesterseminare.

Liturgie hinter verschlossenen Türen
Doch Kritikerstimmen trüben die Freude über das 40-jährige Jubiläum der Bewegung in Österreich. In vielen Pfarren hat das Auftreten der Neokatechumenalen zunächst für Irritation, oft auch für Spaltungen in den Gemeinden gesorgt und viele angestammte Gläubige vertrieben. Die Mitglieder des Neokatechumenalen Wegs werden vielerorts als „polarisierende Sondergruppe am Rande der Kirche“ wahrgenommen.

Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass vieles beim Neokatechumenat hinter verschlossenen Türen passiert. Die lokalen Gemeinschaften sind streng organisiert und treffen sich zu Austausch und gemeinsamen Gottesdienstfeiern in separaten Räumen und nicht in den öffentlichen Pfarrkirchen.

Die Gottesdienste folgen einer von Gründer Francisco Arguello speziell entwickelten liturgischen Form. Vieles erinnert dabei stark an jüdische Liturgie. So versammeln sich die Mitglieder des Weges am Samstagabend statt am Sonntags zum Messopfer. Auf dem Altar steht dabei ein jüdischer Chanukka-Leuchter anstelle eines Kreuzes. In den katholischen Pfarrgemeinden führte diese und andere Sonderformen immer wieder zu Konflikten. Dort, wo das Neokatechumenat neu Fuß fasste, wurde oft die alteingesessene Gemeinde vor den Kopf gestoßen. Ein Vorgang, der sich in vielen Pfarren wiederholte, und auch den österreichischen Bischöfen nicht verborgen blieb.

Österreichs Bischöfe untätig
Das Neokatechumenat hätte „eine Seelsorge des Verärgerns, Vertreibens und Verletzens“ praktiziert. „Erwachsene, psychisch gefestigte Personen“ seien „zur Verzweiflung gebracht“ worden, zitiert ein Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ wörtlich aus dem Visitationsbericht 2012 der Linzer Herz-Jesu-Pfarre. Konsequenzen der Kirchenleitung für das Neokatechumenat blieben aber meist aus.

Zumindest wurden vonseiten der Bischöfe hin und wieder Mahnungen an die Bewegung adressiert. 1996 etwa sprach Kardinal Schönborn von „Schwierigkeiten“ mit dem Neokatechumenat. Ihm sei bewusst, dass er hier gelegentlich korrigierend eingreifen müsse, formulierte der Wiener Erzbischof damals im Interview mit der katholischen Presseagentur. Es gebe die Gefahr, dass das Neokatechumenat in manchen Pfarren zu einseitig eine Vorrangstellung bekommt.

„In der ersten Aufbruchphase einer Bewegung“ sei leicht „die Tendenz“ vorhanden, zu meinen, man habe sozusagen „die Lösung für die Kirche gefunden“. Wenn die Bewegung durch einzelne ihrer Mitglieder manchmal den Eindruck erwecke, „nur ihr Weg könne für einen Christen zum vollen Christentum führen“, dann sei das sicher eine Übertreibung, so Schönborn.

Konflikte in Pfarrgemeinden
In vielen anderen Statements äußerte sich Schönborn aber weit weniger kritisch gegenüber dem Neokatechumenat. Im Gegenteil, Schönborn sieht in geistigen Bewegungen, speziell auch im Neokatechumenat, einen wichtigen Beitrag für die Erneuerung der katholischen Kirche.

Nach 40 Jahren gibt es aber viele der von Schönborn aufgezeigten Schwierigkeiten mit dem Neokatechumenat nach wie vor, wie hört aus Pfarren in Wien und Linz hört. Auch international gibt es Bedenken gegenüber der Gemeinschaft. Doch Gegner des Neokatechumenalen „Sonderweges“ hätten vielerorts bereits aufgegeben, erzählen ehemalige Gemeindemitglieder.

Pfarren seien gespalten, Kritiker der Bewegung hätten sich in Nachbarpfarren zurückgezogen. Das sind Schwierigkeiten, die nicht nur aus Österreich berichtet werden. In einigen Diözesen haben Bischöfe Neokatechumenale Gemeinschaften daher verboten. In Japan zum Beispiel ist es der Gemeinschaft noch bis 2015 nicht erlaubt, in den katholischen Gemeinden tätig zu werden.

Begegnung mit dem Papst
Im Februar 2014 kam es zur ersten Begegnung von Papst Franziskus mit Tausenden Mitgliedern des Neokatechumenalen Wegs. Zu dem Treffen waren auch viele Anhänger aus Österreich angereist. Der Papst verlangte, keine Konflikte herauszufordern, auch um den Preis, darauf „verzichten zu müssen“, dass die Gemeinschaft ihr Programm „in allen Details leben zu können“.

Er mahnte zu mehr Respekt vor der örtlichen Kultur der Länder, in denen die Gemeinschaft aktiv sei. In Hinblick auf Aussteiger aus der Bewegung forderte Franziskus, dass „die Freiheit jedes Einzelnen keinem Zwang unterworfen sein darf. Man muss auch die eventuelle Entscheidung respektieren, sollte jemand außerhalb des Wegs andere Formen des christlichen Lebens suchen“.

Bei aller Schwierigkeit mit den Sonderformen und Eigenheiten des Neokatechumenalen Wegs scheinen die Mitglieder der Bewegung doch wichtige Helfer für die österreichischen Bischöfe bei Mission und Neuevangelisierung zu sein. Bei Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen wirbt die Gemeinschaft immer wieder für Gott und den Glauben. Als positive Beispiele dienen Mitglieder, die ihre Lebensgeschichten erzählen.

Ohne Gott sei ihr Leben meist hoffnungslos und voller Verzweiflung gewesen, erst mit Gott hätten sie die Fülle und Freude des Lebens kennengelernt, sagen sie. Die öffentlichen Bekenntnisse scheinen zu überzeugen: Die Bewegung ist mittlerweile nach eigenen Angaben in Österreich in vielen gesellschaftlichen Bereichen tätig. Weltweit sei man auf rund 25.000 Gemeinschaften in rund 1.500 Diözesen angewachsen.

Kinderschar durch Verhütungsverbot
Positiv finden die meisten Bischöfe auch die Bereitschaft der Neokatechumenalen zur Gründung großer Familien. „Ihr seid offen für das Leben“, sagte der Wiener Erzbischof den aus vielen Pfarren Österreichs zum Jubiläum mit rund 300 Kindern angereisten Familien im Wiener Stephansdom. Eine „Offenheit für das Leben“, die vor allem von Gründer Arguello vehement eingefordert wird. In seinen Schriften und in YouTube-Videos gibt er die Anweisung, keine Form von Schwangerschaftsverhütung zu praktizieren. Selbst „Natürliche Familienplanung“ (NFP), in vielen katholischen Familien kirchlich erlaubtes Mittel zur bewussten Entscheidung für Nachwuchs, ist Ehepaaren auf dem Neokatechumenalen Weg nicht erlaubt.

Dementsprechend groß ist die Kinderschar in der Bewegung. Und was einige Bischöfe freut: Viele der Söhne aus den Familien gehen in eines der über 100 Priesterseminare des Neokatechumenats. Vermutlich ist das auch der Grund, warum Österreichs Bischöfe den Abgang von ein paar Tausend alteingesessenen Gläubigen in vom Neokatechumenat übernommenen Pfarren meist tatenlos zusehen, vermuten mittlerweile ein leicht verbitterter und anonym bleiben wollender Kritiker aus der Linzer Herz-Jesu-Pfarre. Die Jubiläumsfreude über 40 Jahre Neokatechumenat in Österreich scheint getrübt.
Quelle: Religion.orf.at >>


Neokatechumenaler Weg - oficial wewbsite >>

Über das Neokatechumenat in Österreich
Artikel aus Christ & Welt bei Wir-sind-Kirche.de >>


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Freitag, 19. Dezember 2014

Vater Benedikt im Gespräch

Der Stille im Vatikan
Ein Besuch bei Vater Benedikt
Er trägt noch immer das weiße Papstgewand. Aber die roten Schuhe hat er gegen braune Sandalen über weißen Strümpfen getauscht.
Kaum hat Vater Benedikt auf dem Sofa in seinem Wohnzimmer Platz genommen, sagt er, es sei „völliger Unsinn“, dass er sich in die Debatte der letzten Bischofssynode um die Zulassung von Geschiedenen zur Kommunion eingemischt habe. Vielmehr sei es so: „Ich versuche, so still zu sein wie nur möglich.“
Mittlerweile sei bei den Gläubigen auch völlig klar, „wer der wahre Papst ist“, setzt Benedikt fort und bedauert, dass es ihm nicht gelang, sich auch von der Anrede her deutlicher vom regierenden Papst abzusetzen. Er habe gewollt, dass man ihn seit seinem Rücktritt „Vater Benedikt“ nennt oder „Padre Benedetto“, aber er sei damals zu schwach und müde gewesen, um das durchzusetzen. Ob man das schreiben dürfe? „Ja, machen Sie das; vielleicht hilft’s.“
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Der alte Pontifex meldet sich zurück
Ein Gegenpapst?
Benedikt schreibt einen Aufsatz um, verfasst ein Grußwort und gibt ein Interview. Das ist eine Kampfansage an Franziskus, meint Christiane Florin. Der Emeritus ist kein Gegenpapst, widerspricht Patrik Schwarz von der ZEIT.
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Donnerstag, 18. Dezember 2014

Die Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2015

„Nicht mehr Sklaven, sondern Brüder“:
Die Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag am 1. Januar
32 Milliarden Dollar pro Jahr: Das ist nach Schätzungen der UNO aus dem Jahr 2012 der weltweite Gewinn aus dem Menschenhandel, 2,4 Mio Menschen sind Opfer dieses Verbrechens. Papst Franziskus macht das Phänomen der modernen Sklaverei zum Thema seiner Friedensbotschaft für den kommenden 1. Januar, den Weltfriedenstag.
Radio Vatikan >>


BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS
PAPST FRANZISKUS
ZUR FEIER DES
WELTFRIEDENSTAGES
1. JANUAR 2015

NICHT MEHR KNECHTE, SONDERN BRÜDER 

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Über das Göttliche und den Sinn des Sinns

Wissen und Glauben
Über das Göttliche und den Sinn des Sinns
Volker Gerhardt
Kann es unter den Bedingungen der modernen Existenz eine rationale Theologie geben? Es spricht manches dafür – nicht zuletzt die Rolle, die der Sinn für das Dasein des Menschen in der Welt spielt: für das bewusste Leben im Horizont eines Ganzen, das nicht gewusst, sondern nur erschlossen werden kann.
NZZ >>

Volker Gerhardt ist emeritierter Professor für Praktische Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin. Unlängst ist sein Buch «Der Sinn des Sinns. Versuch über das Göttliche» (bei C. H. Beck) erschienen.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Ungeduld im Bistum Limburg

Wolfgang Rösch und Manfred Grothe (rechts)
Es bewegt sich viel in der Diözese Limburg. Aber die Tebartz-Zeit wirft noch immer ihre Schatten, und ein neuer Bischof ist noch lange nicht in Sicht. Abwarten reicht manchen nicht mehr.

In einer Woche bekommen Frankfurts Katholiken hohen Besuch. Manfred Grothe macht auf seiner Rundreise durch das Bistum Limburg Station in dessen wichtigster Stadt. Der Apostolische Administrator will hören, was die Mitarbeiter und die Laienvertreter ihm zu sagen haben, die Situation der Kirche in der Metropole besser kennenlernen, erörtern, wie es weitergehen kann und soll.

„Jetzt lernt er die Menschen hinter den Zahlen kennen“, sagt Ingeborg Schillai aus Taunusstein, Präsidentin der Diözesanversammlung, des obersten Laiengremiums im Bistum. In ihrem Bezirk war Grothe schon. Sie spielt auf den Prüfbericht mit seinen vielen Zahlen an, den er im Auftrag der Bischofskonferenz über das umstrittene, vom emeritierten Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gebaute Bischofshaus erstellt hatte. Im März dieses Jahres wurde er dann vom Papst mit der Leitung des Bistums beauftragt.

Strukturen ändern sich mit Grothe
Schillai zeigt sich dankbar für die Art und Weise, in der Grothe zuzuhören versteht – mit echter, nicht mit gespielter Anteilnahme. Dieses Lob ist oft zu hören, Grothe kommt gut an in der Diözese. Genauso wie seine Entscheidung, eine Hotline für Mitarbeiter einzurichten, bei der sie sich Erfahrungen aus der Tebartz-Zeit von der Seele reden können. Bis Ende dieses Monats ist die Nummer geschaltet. Rund 100 Anrufer haben sich bisher gemeldet, wie Grothe dem Vernehmen nach jüngst im Diözesansynodalrat mitteilte. Die Quintessenz der Gespräche soll wie angekündigt veröffentlicht werden.

Die Finanzangelegenheiten werden mit Grothe transparenter geordnet, ein weiterer Pluspunkt. Das Vermögen des Bischöflichen Stuhls wird neu sortiert, die Zusammensetzung entscheidender Gremien verändert, so dass es eine wirksamere Kontrolle geben kann. Teils waren Strukturen, an die Grothe nun herangeht, schon vor Tebartz-van Elst vorhanden. „Der Administrator möchte zeigen, wie es geht“, heißt es im Bistum. Das trifft auch für einen neuen Stellenplan zu, der auf breiter Basis von Herbst 2015 an aufgestellt werden soll. Auch die Planung der neuen Großpfarreien geht weiter. Hinzu kommen die Besuche Grothes im Bistum. Dessen Vielfalt beeindrucke ihn, versichert der Bistumssprecher. Im Advent will Grothe sich mit einem Brief an die Gläubigen wenden, Rückschau und Ausblick halten.
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Apostolischer Administrator Manfred Grothe
Standortbestimmung im Advent
Apostolischer Administrator schreibt an alle Gläubigen

LIMBURG - Weihbischof Manfred Grothe, der Apostolische Administrator für das Bistum Limburg hat die ersten neun Monate in der Diözese vor allem auch dafür genutzt, um zu hören und um die Diözese, die Verwaltung, die Gremien, Beratungswege und die Bezirke kennenzulernen. Dies schreibt Grothe in einem Brief an alle Gläubigen im Bistum Limburg zum dritten Advent. "Als Christen im Bistum Limburg blicken wir auf bewegende und herausfordernde Monate zurück", so Grothe. Nun sei es ruhiger geworden um das Bistum Limburg und es bestimme nicht mehr die Schlagzeilen der Medien.
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Montag, 15. Dezember 2014

„Es stinkt“: Verbale Entgleisung von umstrittenem Pfarrer

Der Geistliche Gerhard Maria Wagner hat heftig gegen die katholische Kirche gewettert. Sie sei ein „Saustall“, in dem es stinke. Der Pfarrer disqualifiziere sich mit diesen Aussagen selbst, so die Reaktion der Diözese Linz.

Der 2009 als Weihbischof verhinderte Pfarrer veröffentlichte am Freitag sein neues Buch „Himmel oder Hölle“ (edition innsalz) und übte bei der Präsentation heftige Kritik an seiner Diözese: „In Linz Bischof zu werden, ist vielleicht ein bisschen schwieriger.“ Die Situation in Oberösterreich sei kontrovers und von Gegensätzen getragen, sagte der umstrittene Geistliche.

Er wünsche dem Nachfolger von Bischof Ludwig Schwarz - die Diözese hat für das Amt vor kurzem einen Dreiervorschlag erstellt - „alles Gute“, so Wagner. „Es stinkt“, sagte er auf eine frühere Aussage angesprochen, wonach er sich schon zugetraut hätte, „diesen österreichischen Saustall auszumisten“. Der Pfarrer sagte, die Kirche befände sich auf keinem guten Weg. Es gebe Spannungen, und viele Menschen seien orientierungslos. Er berief sich dabei auch auf Priester, die - wie er sagte - darunter litten, „dass wir heute im Grunde aufhören, katholisch zu sein“.

Kirche „Oligarchenwirtschaft“
Außerdem bezeichnete der Pfarrer von Windischgarsten im Bezirk Kirchdorf das Beichtsakrament in vielen Gemeinden als „tot“. Wortgottesdienste hätten eine Eigendynamik bekommen, die ihn störe. Er sagte, es gebe eine Konkurrenz im Verhältnis von Laien und Geistlichen, die er nicht verstehe. Er warf Priestern vor, „Angst vor der Pfarrgemeinderatssitzung“ zu haben. „Da stimmt doch etwas nicht“, sagte Wagner. Seine Meinung sei allerdings in Linz nicht sonderlich gefragt, vermutete der Pfarrer und bezichtigte die heimischen Diözesen, „schon ein bisschen eine Oligarchenwirtschaft“ zu betreiben. Viele Bischöfe stünden alleine da.
In der Diözese Linz würden sich alle bemühen, eine qualitätsvolle Arbeit zu leisten, sagte der Linzer Bischofsvikar Wilhelm Vieböck. „Ich finde es erschreckend, dass Pfarrer Wagner das drastische Wort ‚Saustall‘ für die ganze Kirche in Österreich verwendet.“ Diese Einstellung qualifiziere ihn nicht für höhere kirchliche Ämter, er disqualifiziere sich damit von selbst, sagte Vieböck.

„Geschämt“ für Conchita Wurst
In dem nun erschienenen Buch von Pfarrer Wagner, für das der Autor Norbert Blaichinger sieben Tage mit dem Geistlichen verbracht hatte, äußert sich der Pfarrer mitunter zu kontroversen Themen. Über Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst sagte er etwa, dass er sich damals „für Österreich geschämt“ habe. Praktizierte Homosexualität sei „Verführung und schwere Sünde“, sagte er und weiter, dass er Hilfe suchende Schwule kennen würde, so der Pfarrer bei der Buchpräsentation.
Er freue sich zwar, dass es dem neuen Papst von Anfang an gelungen sei, auf der ganzen Welt Sympathie und Vertrauen zu wecken, wird Wagner in seinem Buch zitiert. Doch er merke nichts davon, dass die Kirchen deswegen voller würden, „die Leute mehr beichten gehen und alle, die Papst Franziskus loben, in der letzten Zeit frömmer geworden sind“.
Quelle: religion.orf.at 


Linz: Bischofsvikar Vieböck weist Wagner-Aussage zurück
Gerhard Maria Wagner, Pfarrer von Windischgarsten, nennt katholische Kirche in Österreich einen "Saustall"

Linz, 12.12.2014 (KAP) Der Linzer Bischofsvikar Wilhelm Vieböck hat den Vorwurf des umstrittenen Windischgarstner Pfarrers Gerhard Maria Wagner, die Kirche in Österreich sei ein "Saustall", zurückgewiesen: "Ich finde es erschreckend, dass Pfarrer Wagner das drastische Wort 'Saustall' für die ganze Kirche in Österreich verwendet", so Vieböck in einer Stellungnahme, die die Diözese am Freitag veröffentlichte. Wagner hatte sich am Freitag im Rahmen der Präsentation seines Buches "Himmel oder Hölle - Sieben Tage mit Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner" in Linz betont kritisch zum Zustand der katholischen Kirche in Österreich geäußert.

Diese Einstellung qualifiziere Wagner nicht gerade für höhere kirchliche Ämter und disqualifiziere sich von selbst, nahm Vieböck indirekt Bezug auf Wagners umstrittene Ernennung zum Weihbischof von Linz Ende Jänner 2009. Bereits zwei Wochen später hatte dieser als "ernannter Weihbischof von Linz" um Rücknahme seiner Ernennung bei Papst Benedikt XVI. gebeten, der schließlich am 19. Februar 2009 stattgegeben wurde.

Laut Wagner sei die Kirche in Österreich in einem Spannungsfeld zwischen der Lehre des Glaubens und der Praxis. "Wenn das Durcheinander so groß wird, dann muss man das zur Sprache bringen", sagte der Pfarrer von Windischgarsten bei der Buchpräsentation. Dennoch sehe er sich als Teil dieser Kirche, die er "sehr liebt". Für Vieböck sind die Aussagen Wagners angesichts des Bemühens in der Diözese, qualitätsvolle Arbeit zu leisten, zurückzuweisen. "In unseren pastoralen Leitlinien und im Schwerpunkt 'LebensZEICHEN' werden wir durch die Akzente von Papst Franziskus, zum Beispiel im Schreiben 'Evangelii Gaudium', ermutigt", so der Pastoralamtsleiter in seiner Stellungnahme.

Konkret kritisierte Wagner etwa, dass das Beichtsakrament in vielen Gemeinden tot sei. Wortgottesdienste hätten eine Eigendynamik bekommen, die ihn wirklich störe. Er verstehe zudem die Konkurrenz im Verhältnis von Laien und Geistlichen nicht, so Wagner. "Wie kommt es, dass heute Priester Angst vor der Pfarrgemeinderatssitzung haben? Da stimmt doch etwas nicht." Er habe aber bisher nicht den Eindruck gehabt, dass seine Meinung in Linz sonderlich gefragt ist. Den heimischen Diözesen attestierte der Pfarrer "schon ein bisschen eine Oligarchenwirtschaft", viele Bischöfe stünden alleine da.

Im nun erschienenen Buch, für das Autor Norbert Blaichinger sieben Tage mit Wagner verbracht hat, nimmt der streitbare Geistliche zu verschiedenen Themen Stellung. Dabei wird der Umgang mit Homosexualität genauso thematisiert wie das neue Pontifikat: Er freue sich, dass es dem neuen Papst von Anfang an gelungen sei, auf der weiten Welt Sympathie und Vertrauen zu wecken, wird er im Buch zitiert. Aber: "Ich merke nichts davon, dass die Kirchen voller werden, die Leute mehr beichten gehen und alle, die Papst Franziskus loben, in der letzten Zeit frömmer geworden sind."
Kathpress >>


Himmel oder Hölle?
Pfarrer Gerhard Maria Wagner im siebentägigen Interview, zusammengefasst in kontroversem Buch.(Edition Innsalz).
Einige Provokationen von Gerhard Maria Wagner auf ots.at >>