Donnerstag, 24. April 2014

Philosoph West: "Sprache des Papstes kommt Sprache Jesu nahe"

Amerikanischer Philosoph und Prediger Cornel West plädiert im "Kathpress"-Gespräch für eine Wiederentdeckung der biblischen Prophetie

Wien, 18.04.2014 (KAP) Als eine "Quelle anhaltenden Hallelujas" hat der US-amerikanische Philosoph und Bürgerrechtler Cornel West den Pontifikatswechsel von Benedikt zu Franziskus bezeichnet. Franziskus zeichne sich nicht nur durch seine Fokussierung auf die Menschen am Rande der Gesellschaft aus, sondern vor allem durch eine besondere Sprachbegabung, sagte West im Gespräch mit "Kathpress": "Diese Sprache kommt der Sprache Jesu sehr nahe und ist wie ein neuer Atem für die Kirche."

West, der an der amerikanischen Harvard-Universität lehrt und als einer der prominentesten öffentlichen Intellektuellen und Bürgerrechtler der USA gilt, plädierte außerdem für eine Wiederentdeckung der biblischen Prophetie als eine gesellschaftsverändernde Kraft. Prophetie meine dabei nicht, die Zukunft vorauszusagen, "sondern zur Wahrnehmung des Leidens und des Übels in der Welt zu sensibilisieren, dieses aufzudecken und die Kraft zu mobilisieren, dagegen anzukämpfen."

Sein philosophisches Programm bezeichnet der bekennende Baptist West als "prophetischen Pragmatismus": Pragmatismus bedeute dabei eine flexible und dynamische Handlungsform, "verbunden mit einer intellektuellen Demut, dass alles letztlich vorläufig bleibt, dass man bei allem auch falsch liegen kann", so West. "Prophetisch" werde dieser Pragmatismus, "wenn man ihn in die Leidensgeschichten dieser Welt eintaucht".

Die Philosophie neige dazu, Geschichte "klinisch zu bereinigen", er begreife Geschichte dagegen als Abfolge des "Tragischen" und "Katastrophischen". Darin liege letztlich auch der "Genius des Judentums", so West unter Verweis auf biblische Prophetengestalten: So habe das Judentum "der Menschheit ein großes moralisches Geschenk gemacht und die Frage in den Mittelpunkt seiner Tradition gerückt, was es bedeutet, Mensch und menschlich zu sein."

Daher gebe es laut West, der u.a. CD-Projekte mit Hip-Hop-Musikern realisiert hat und im Kino-Blockbuster "Matrix" mitgespielt hat, auch kein "neutrales" Verhalten zur Geschichte: "Wenn man sich als radikal demokratischer Intellektueller versteht, dann muss man auf die Stimmen dieses 'demos', des Volkes, hören - wo immer sie sich artikulieren. Das kann in politischen Verbänden sein oder in Kirchen oder eben im Studio mit Hip-Hop-Musikern." In diesen Stimmen - aber auch in der Musik wie etwa dem von ihm favorisierten Blues - artikulieren sich laut West "Ströme von Tränen, Gräuel und Leiden".

Forciert würde dieser Blick auf Geschichte als Leidensgeschichte laut West etwa durch gesellschaftliche Entwicklungen wie den aktuellen Aufstieg des Neo-Faschismus und Rassismus weltweit. Bedingt werde dieser Aufstieg durch die Finanz- und Wirtschaftskrisen: "'Big business' auf der einen Seite, soziale Abstiegsängste auf der anderen Seite". Dies befördere den Neo-Faschismus ebenso wie einen autoritären Politikstil. West kennzeichnet diese Entwicklung in seiner Philosophie mit dem Begriff "Nihilismus": Darunter verstehe er den "Triumph von Macht und Gewalt über alle Moral, ohne Rücksicht auf die Schwachen und Verwundbaren".

Sich selbst bezeichnet West als "Karsamstags-Christ". Wenn Karfreitag der Todestag Jesu ist und Ostern als Tag der erfolgten Auferstehung gefeiert werde, so sei die Existenz des Christen genau jene des Abwartens und "Ringens mit dem Tod", sprich: des Karsamstags. Christen neigten zum Teil dazu, "vorschnell zum Ostersonntag überzugehen", mahnte West. Dagegen laute der biblische Auftrag: "Leben wir als Karsamstags-Christen, stärken wir die radikale Nächstenliebe und mutige Mitleidenschaft, ohne vorschnell in den Jubel des Ostersonntags einzustimmen."
Kathpress >>

Mittwoch, 23. April 2014

Kardinal Bertone bezieht riesige Luxuswohnung im Vatikan

Die Forderung von Papst Franziskus nach einer „armen Kirche“ findet offenbar nicht bei allen Geistlichen Gehör: Der italienische Kardinal Tarcisio Bertone lässt sich eine 700 Quadratmeter große Luxuswohnung im Vatikan herrichten. Die neue Unterkunft will der frühere Kardinalstaatssekretär nach umfangreichen Umbauarbeiten im Sommer beziehen.

Wie die italienische Zeitung „La Repubblica“ am Sonntag meldete, sei Bertones Wohnung, die über eine 100 Quadratmeter große Dachterrasse verfügen soll, zehnmal so groß wie die Gemächer des Papstes, der sich mit rund 70 Quadratmetern begnügt. Der für seine bescheidene Lebensweise bekannte Pontifex wohnt anders als seine Vorgänger im vatikanischen Gästehaus und nicht im Apostolischen Palast.

„Arme Kirche für die Armen“
Franziskus tritt seit seinem Amtsantritt im März 2013 mit Nachdruck für eine Reform des Vatikan ein und fordert eine „arme Kirche für die Armen“. Den im Jänner bestimmten Kardinälen gab er mit auf den Weg, sie sollten „Weltlichkeit“ und Partys meiden und ein „einfaches und demütiges Herz“ behalten. Erst am Gründonnerstag hatte Franziskus in seiner Predigt gefordert: „Die priesterliche Freude ist eine Freude, welche die Armut zur Schwester hat.“
Bischöfe und Priester mahnt der Papst immer wieder, der Kirche nicht zu schaden, indem sie auf Geld und Ruhm aus sind. Beharrlich ruft er sie dazu auf, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen, zu den Armen und Benachteiligten und macht es ihnen vor, indem er Kranken und Behinderten die Füße wäscht, Obdachlose zu seinem Geburtstag einlädt oder für die traditionellen Fastenexerzitien mit seinen Mitarbeitern in einem Bus in die Albaner Berge südöstlich von Rom fährt.

Opfer von „Maulwürfen und Schlangen“
Bertone wurde im Oktober vom Papst seines Amtes erhoben. Sieben Jahre lang war er die Nummer zwei im Vatikan. Der Norditaliener, der von Benedikt XVI. zum Staatssekretär ernannt worden war, wurde von einigen Vatikan-Beobachtern für wiederholtes mangelndes Krisenmanagement der Kurie verantwortlich gemacht. Seine Behandlung von Missbrauchsfällen in den USA und die Probleme mit der umstrittenen Pius-Bruderschaft wurden in den Medien diskutiert. Sein Name tauchte außerdem in Zusammenhang mit Enthüllungen der „Vatileaks“-Affäre um Dokumentenklau, Intrigen und Korruption im Vatikan auf.
Seine Kritiker hatten Bertone immer wieder einen autoritären Führungsstil und zu enge Beziehungen zur Politik vorgeworfen. Der Kardinal witterte hingegen eine Verschwörung. Er sei ein Opfer von „Maulwürfen und Schlangen“ im Vatikan geworden, sagte er damals. „Natürlich habe ich meine Fehler“, sagte der Kardinal, aber er habe alles für die Kirche getan.
In seine Luxuswohnung werde Bertone immerhin nicht alleine einziehen, schreibt die „Repubblica“. Er werde sein neues geräumiges Domizil mit drei Nonnen teilen. Sein Nachfolger als Kardinalstaatssekretär, Erzbischof Pietro Parolin wohnt indes im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, in dem auch Papst Franziskus logiert.
Quelle: orf.at


Kardinal baut "Goldenes Penthouse" im Vatikan
Gegen dieses Luxusapartment ist Tebartz-van Elst' Residenz mickrig: Im Vatikan lässt sich Tarcisio Bertone ein 700 Quadratmeter großen Alterssitz errichten – zehn Mal so groß wie das Papst-Domizil.
Welt-Online >>

Dienstag, 22. April 2014

Österreicher vertrauen dem Papst wieder mehr als dem Dalai Lama

Auch der ungehorsame Pfarrer Helmut Schüller genießt weiterhin großes Vertrauen
Papst Franziskus hat es in Österreich gerichtet: Nicht mehr der Dalai Lama (wie noch 2011), sondern das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche kommt im vorösterlichen APA-OGM-Vertrauensindex auf den Bestwert. Den dritten Platz kann der ungehorsame Pfarrer Helmut Schüller für sich verbuchen. In den Minusbereich wurde der abgetretene Pontifex Josef Ratzinger verbannt.

Für den Vertrauensindex wurden in der Karwoche 500 Österreicher über 16 Jahren online befragt, ob sie der jeweiligen Person vertrauen oder nicht. Aus den Ja- und Nein-Stimmen wurde ein Saldo gebildet und dann ein Ranking erstellt. Die Schwankungsbreite beträgt plus/minus 4,5 Prozent.

Dalai Lama konnte klar zulegen
Der erstmals abgefragte Papst Franziskus liegt mit 59 Punkten an der Spitze, gefolgt vom Dalai Lama mit 50 Punkten. Dieser konnte damit gegenüber 2011 klar zulegen, damals reichten ihm 38 Punkte für den Spitzenplatz.
Schüller liegt mit 32 Punkten klar vor dem Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari, der mit 16 Punkten den Bestwert der österreichischen römisch-katholischen Bischöfe schafft. Gleich dahinter folgen Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn (15) und der neue Salzburger Erzbischof Franz Lackner (14).
Auf elf Punkte kommt der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, ebenso wie der Innsbrucker katholische Bischof Manfred Scheuer. Mit dem Wiener Dompfarrer Toni Faber (10) folgt dann wieder ein einfacher, wenn auch societyerprobter katholischer Kleriker, dahinter dann die Bischöfe Alois Schwarz (Gurk-Klagenfurt, 7), Ludwig Schwarz (Linz, 6) und Benno Elbs (Feldkirch, 6).

Minusbereich
Im Minusbereich finden sich der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis (-1), der Eisenstädter katholische Bischof Ägidius Zsifkovics (-3), Ex-Papst Benedikt XVI., also Joseph Ratzinger (-4), der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg (-5), der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch (-8), und der St. Pöltner Bischof Klaus Küng (-12). Schlusslicht ist Fuat Sanac, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, mit -16 Punkten. Schon 2011 nahm sein Vorgänger Anas Schakfeh den letzten Platz im Vertrauensranking ein.
Größter Gewinner gegenüber der Befragung 2011 ist Bünker mit +14 Punkten vor dem Dalai Lama (12), Kapellari (9) und Scheuer (9). Auch Eisenberg (8), Küng (7), Zsifkovics (5), Schönborn (5), Alois Schwarz (4) und Faber (3) legten zu. Einen Vertrauensverlust mit minus 12 Punkten musste einzig Ratzinger hinnehmen. Alle anderen wurden heuer erstmals abgefragt.

Substanzielle Verbesserung der Vertrauenswerte
Laut OGM-Chef Wolfgang Bachmayer zeigt der Vertrauensindex im Vergleich zu 2011 eine durchgehende und substanzielle Verbesserung der Vertrauenswerte vor allem bei den Vertretern der katholischen Kirche. Er führt das auf das Abebben des Missbrauchsthemas, aber auch auf die Strahlkraft des neuen Papstes zurück. Auch die Akzeptanz der anderen Glaubensvertreter hat - bei sehr geringen Bekanntheitswerten - zugenommen. Das könne als Zeichen etwas zunehmender Toleranz interpretiert werden, so Bachmayer.
 Artikelbild
Quelle:  Der Standard

Freitag, 18. April 2014

Kreuz und Auferstehung laden ein…

Maria Hafner - Auferstehen, Acryl 1998
„Vor dem grünen Kreuz, das zum Lebensbaum wurde, steht der Auferstandene. Er ist die Frucht dieses Baumes, er gibt sich zur Speise – seinen Brüdern und Schwestern. Er teilt sein Wesen mit, sein verwandeltes, auferstandenes Leben. Nicht als philosophische Idee, sondern sich selbst – zu einem neuen Begegnen. In einer neuen Gegenwart, auf einer neuen Ebene. „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabge kommen ist, damit sie (die Menschen) das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 5,33-35; 10,10)
Seine Arme sind ausgebreitet, sie sind nicht mehr ans Holz genagelt, sie sind frei. Es ist, als bewegen sie sich leicht im Tanze, uns einladend. Damit wir es immer wieder erfahren: in diesem auferstandenen Jesus, dem Christus, haben wir Anteil: an der Erde, am ganzen Kosmos, am Himmel.“ (Maria Hafner)
Mit diesen meditativen Worten der Künstlerin ist das Wesentliche gesagt. Ergänzend sei auf das Kreuz und die Farben eingehen. Das grüne Kreuz hat eine lange Tradition (z.B. Glasfenster in Chartres) und will sagen, dass aus dem Kreuz des Todes ein Kreuz der Hoffnung geworden ist durch den Tod und die Auferstehung Jesu. In das Holz des Kreuzes ist Leben eingekehrt, so dass es wieder grünt. Die Arme des Kreuzes gehen von einem Bildrand zum andern – Ausdruck für eine Hoffnung, die über alle Grenzen hinaus geht und alle Menschen erfassen soll.
Vor diesem Kreuz des Lebens steht der „Lebendige“, der von den Toten Auferstandene. Ganz in Rot: Zeichen seiner Liebe, in der er für uns und zur Vergebung der Sünden für uns sein Blut vergossen hat.

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs!
Liebe Freundinnen und Freunde!

Mit dem Bild "Auferstehen" und dem Text von Martin Gutl wünsche ich euch ein segensreiches Osterfest.

Euer Edi Posch


Kreuz und Auferstehung laden ein…

Ein neues Leben beginnen,
sich von neuem dem Menschen zuwenden.
Mit neuer Energie seine Arbeit tun.
Sich von neuem herausfordern lassen
von Menschen, von Umständen.
Das vergangene Gespräch loslassen können.
Nicht nur in Erinnerungen schwelgen.
Das Heute bedenken, heute handeln.
Mit neuem Mut sich den Schwierigkeiten stellen.

Von neuem sich dem Leben anvertrauen.
Von neuem den Menschen begegnen.
Von neuem Geduld haben und wissen,
dass nicht jede meine Erfahrungen macht,
nicht jeder das gleiche Bewusstsein hat.

Daher von neuem miteinander reden und wissen:
Es braucht viel Zeit,
um den anderen zu verstehen.
Von neuem das Leben als Schule begrüßen.
Von neuem das Leben
als Tag und Nacht erkennen,
als Leid und Freude,
als Ruhe und Kampf,
als Kreuz und Auferstehung.

Martin Gutl, Ich begann zu suchen,
Styria Verlag, Graz, 31990, 106.



Bischof Zsifkovics: Priester müssen Menschen nahe sein

Eisenstädter Bischof ruft bei Chrisammesse die Priester seiner Diözese auf, das Evangelium in Wort und Tat zu den Menschen zu bringen.
"Bringt das Evangelium in Wort und Tat zu den Menschen": Mit diesem Aufruf hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics an die Priester seiner Diözese appelliert, den Menschen in den Pfarren nahe zu sein. "Seid nicht steril und gleichgültig, habt keine Angst die Wunden der Menschen im Feldlazarett des Lebens zu berühren und ihre Herzen zu erwärmen", sagte Zsifkovics am Mittwochabend in seiner Predigt bei der Chrisammesse im Eisenstädter Dom.

Der burgenländische Diözesanbischof nahm darin Bezug auf ähnlich lautende Worte von Papst Franziskus, der zu Beginn der Fastenzeit die Priester der Diözese Rom dazu aufgerufen hatte, in ihrem Wirken weder lax noch rigoros, auf keinen Fall jedoch "keimfrei und steril" zu sein.

Wie Franziskus dankte Zsifkovics den Priestern für ihren Einsatz und ihr Glaubenszeugnis, appellierte aber gleichzeitig an sie, über die Beziehung zu den ihnen anvertrauten Gläubigen nachzudenken. "Kennt Ihr die Wunden Eurer Pfarrangehörigen und seid Ihr ihnen wirklich nahe?", fragte der Bischof, und: "Wie ist unsere Beziehung zu den Armen und Schwachen, Kranken und Alten? Wie viele von uns weinen wirklich angesichts des Leidens eines Menschen, angesichts des Zerbrechens einer Familie, angesichts der vielen Menschen, besonders der Kinder und Jugendlichen, die den Weg zu Jesus nicht finden?"

Priester müssten sich wie Jesus für die Menschen einsetzen, betonte Zsifkovics. "Wir müssen ihnen nahe sein und dürfen keine Berührungsängste haben."
Quelle: kathweb 


Die Predigt im Wortlaut auf martinus.at >>

Donnerstag, 17. April 2014

Peinliche Gemeinsamkeit

Für Frauen verboten: hier der Altar, dort das Lenkrad
Kürzlich in Marokko: Mohamed, der junge Reiseleiter erklärt seinen 30 österreichischen Gästen vom Bus aus die Stadt Marrakesch. Plötzlich stockt er mitten im Satz: da schauen Sie, von rechts kommt ein Auto, das von einer Frau gelenkt wird! Mohamed verbindet mit dieser Beobachtung die moderne Entwicklung in seinem Land, die auch die Emanzipation von Frauen miteinschließt. Am selben Tag in der Altstadt: ein junges Mädchen fegt auf dem Moped die enge Straße entlang. Auch diese junge Dame wird von den Österreichern aufmerksam registriert, wie übrigens sehr viel mehr Frauen am Steuer eines Autos, als unser Mohamed erwähnt hat. Die große Überraschung für die Österreicher aber erst im Flugzeug der Lufthansa. Aus dem Cockpit des riesigen Airbus 321 meldet sich wie selbstverständlich eine Dame: Hier spricht Ihre Kapitänin. Butterweich hebt sie den großen Vogel auf und setzt ihn dann auch wieder auf. Sie erntet herzlichen Applaus, nicht nur von den weiblichen Passagieren. Die Pilotin ist kein Einzelfall, genauso wenig wie die marokkanischen Frauen am Steuer. 27 Damen besitzen alleine in der Lufthansa bereits die Kapitänslizenz, sie sitzen also vorne im Cockpit links auf dem Chefsessel, eine davon sogar in der riesengroßen A 380. Es sind Selbstverständlichkeiten, eigentlich, genauso wie die weiblichen Mitglieder bei den Wiener Philharmonikern, ebenfalls einer traditionellen männlichen Domäne. Aber auch hier wird die Zahl der weiblichen Mitglieder immer größer, wie das jüngste Neujahrskonzert unübersehbar gezeigt hat. Frauen holen auf und bewähren sich. Weltweit, wie sich zeigt. Aber nur fast. Einige wenige Länder und Bereiche gibt es, wo ihnen dieses Recht verwehrt wird. Saudi Arabien gehört dazu, und auch die katholische Kirche. Eine peinliche Gemeinsamkeit. Hier wie dort werden zwischen Frauen und Männern völlig irreale und absolut nicht nachvollziehbare Grenzen gezogen. Dieses dürft ihr, jenes nicht. Basta. In Saudi Arabien ist es unter anderem das Lenken von Fahrzeugen, das Frauen gesetzlich vorenthalten wird, in der katholischen Kirche sind es die Weiheämter, von denen Frauen ferngehalten werden. Die Argumente dagegen kommen vor allem aus der vatikanischen Zentrale, in der Männer in rotumrandeten Kleidern dieses „No“ immer und immer wieder begründen. Einwände selbst von hochdekorierten Würdenträgern aus vielen Ländern gegen dieses „No“ werden ignoriert. Und nicht einmal der Papst, sonst in seinem Denken so wohltuend aufgeschlossen, traut sich öffentlich für Priesterinnen am Altar einzusetzen. Wie er persönlich darüber denkt, lässt sich nur vermuten.
Saudi Arabien und der Vatikan. Eine peinliche Gemeinsamkeit in der modernen Welt. Sie hat zu verschwinden, weil sie menschenfeindlich ist und diskriminiert. Und weil der Begründer des christlichen Glaubens, dessen Auferstehung dieser Tage gefeiert wird, die Fleisch gewordene Botschaft gegen solche Ausgrenzungen ist. Ob er damals vor 2000 Jahren persönlich Jüngerinnen berufen hat oder nicht, ist einerlei: heutzutage würde er es tun, davon sind viele Menschen überzeugt.

Mittwoch, 16. April 2014

Papst wettert gegen mittelmäßige, mutlose Priester

Franziskus vor Priesteramtskandidaten im Vatikan: Es ist besser eine Berufung zu verlieren, als ein Risiko einzugehen. Priesterseminare dürften kein Rückzugsort für "psychologische Defizite" sein. 
Papst Franziskus will nach eigenem Bekunden keine laschen Priester. In der Kirche sei "kein Platz für Mittelmäßigkeit, die nur dazu führt, das heilige Volk Gottes zum eigenen Vorteil zu benutzen", sagte Franziskus am Montag vor italienischen Priesteramtskandidaten im Vatikan. Wer nicht dazu bereit sei, "Stimme Christi" zu werden und unermüdlich für die Gläubigen einzutreten, sollte den Mut haben, einen anderen Weg zu wählen, forderte der Papst, schließlich gebe es in der Kirche "viele Arten, christliches Zeugnis abzulegen".
Es sei besser eine Berufung zu verlieren, als mit einem unsicheren Kandidaten ein Risiko einzugehen, zitierte Franziskus einen Ausspruch von Pius XI. Priesterseminare dürfen kein Rückzugsort für "psychologische Defizite" oder für jene sein, denen der Mut fehlte, sich einen Platz im Leben zu erkämpfen. Andernfalls würde ein Seminar "zu einer Hypothek für die Kirche", so der Papst vor Angehörigen des Priesterseminars von Anagni.
DiePresse >>


Papst zu Seminaristen: „Seid keine Bürokraten“
Bei Priestern gibt es keinen Platz für Mittelmäßigkeit. Mit diesen Worten hat Papst Franziskus die Studenten, Seminaristen, Priester und Bischöfe der päpstlichen Universität „Leoniano di Anagni“ der Region Lazio empfangen. Nach dankenden und ehrenden Worten an die Seminaristen, die zu Fuß zu ihm gepilgert sind, hat er betont, wie wichtig die vier Pfeiler sind, auf welche die Ausbildung der Priester basiert: das starke geistliche Leben, das ernste intellektuelle Leben, das gemeinschaftliche Leben und das apostolische Leben. Diese unterschiedlichen Teile sollen keine Reihung sein, meint er, viel eher eine Interaktion. Klare Worte fand der Papst auch für die Fehlformen des Berufes:

„Ihr lieben Seminaristen, bereitet euch nicht auf einen Beruf vor, auf eine Funktion in einer Firma und seid kein Teil eines bürokratischen Körpers. Wir haben viele Priester auf halber Strecke. Es schmerzt, dass sie es nicht geschafft haben: viele wirken wie Funktionäre einer Firma, es bekommt eine bürokratische Dimension und das tut der Kirche nicht gut! Passt auf, dass ihr nicht so werdet! Werdet Hirten, wie Jesus, um wie er zu sein müsst ihr Teil seiner Herde sein und diese nähren. “
Radio Vatikan >>


Die Berufung zum Priestertum ist die Berufung des Guten Hirten!
Am heutigen Montag (14.4.) empfing Papst Franziskus die Seminaristen und Ausbilder des Päpstlichen Kollegs „Leonianum“ (Anagni) in Audienz. Das „Leonianum“ ist ein interdiözesanes Priesterseminar für die Region Latium.

In seiner kurzen Ansprache betonte der Papst, dass sich Seminaristen nicht auf die Ausübung eines Berufs vorbereiten, darauf, „Funktionäre eines Betriebs oder eines bürokratischen Organismus zu werden“. Vielmehr „werdet ihr Hirten nach dem Bild des Guten Hirten, um wie er und an Stelle seiner Person mitten in der Herde zu sein, um seine Schafe zu weiden“.

Angesichts dieser Berufung „dürfen wir antworten, wie dies die Jungfrau Maria vor dem Engel getan hat: ‚Wie soll das geschehen?’. Gute Hirten nach dem Bild Jesu zu werden ist eine zu große Sache, und wir sind so klein.... Ja, das ist wahr, es ist zu groß. Aber das ist nicht unser Werk! Es ist dies das Werk des Heiligen Geistes, mit unserer Zusammenarbeit.“

Priester zu sein bedeute, jeden Tag das Evangelium zu betrachten, um es mit dem Leben und der Verkündigung weiterzugeben. Es bedeute, „die Barmherzigkeit Gottes im Sakrament der Versöhnung zu erfahren, um dessen großherzige und barmherzige Spender zu werden. Es bedeutet, sich mit Glauben und Liebe an der Eucharistie zu nähren, um mit ihr das christliche Volk zu nähren. Es bedeutet, Männer des Gebets zu sein, um Stimme Christi zu werden, die den Vater preist und ständig für die Brüder Fürsprache hält“.

„Wenn ihr nicht bereit seid, diesen Weg zu gehen“, so der Papst, „mit diesen Haltungen und mit diesen Erfahrungen, ist es besser, dass ihr den Mut habt, einen anderen Weg zu suchen“. Das Seminar sei keine Zuflucht für Leute mit psychologischen Problemen: „Wenn ihr nicht für das Priestertum bereit seid, dann sucht einen anderen Weg!“.

Es gebe viele Weisen in der Kirche, christliches Zeugnis zu geben, aber: „In der Nachfolge Jesu Christi im Priesteramt ist kein Platz für die Mittelmäßigkeit, die immer dazu führt, das heilige Volk Gottes zum eigenen Vorteil zu benutzen“.

„Weh den schlechten Hirten“, so Franziskus abschließend, „die nur sich selbst und nicht die Herde weiden! – so riefen die Propheten (vgl. Ez 34,1-6). Dieses ‚Weh!’ lasse euch ernsthaft über eure Zukunft nachdenken! Pius XI. hatte einmal gesagt, dass es besser ist, eine Berufung zu verlieren, als mit einem unsicheren Kandidaten zu riskieren. Er war ein Alpinist, er kannte diese Dinge“.
Kath.net >>