Donnerstag, 31. Juli 2014

Abtprimas Wolf gegen Kirche als „Verbotsinstitution“

Der Abtprimas des katholischen Benediktinerordens, Notker Wolf, hat sich gegen ein Auftreten der Kirche als „Verbotsinstitution“, zum Beispiel in Fragen der Sexualität, ausgesprochen.

In einem Interview der Kärntner Kirchenzeitung „Sonntag“ antwortete Wolf auf die Frage, weshalb junge Menschen die Kirche als „unsexy“ empfinden, diese habe womöglich „Angst vor den Problemen der jungen Leute“. Junge Menschen würden vielfach unbequeme Fragen stellen, „und da erscheint gerade auf dem Boden der Sexualität die Kirche als Verbotsinstitution“, so der aus Deutschland stammende höchstrangige Benediktiner. Nachsatz: „Mit so etwas möchte auch ich nichts zu tun haben.“
Der kritische Zugang Jugendlicher zur kirchlichen Sexualmoral sollte nicht „so tragisch“ genommen werden, so Wolf. Sexualität sei letztlich „ein Geschenk Gottes“, das die Verbindung von Menschen bedeute. Werde stattdessen moralische Enge vermittelt, sei die Konsequenz klar: „Die Jungen schalten ab, suchen ihr Heil woanders.“ Die Kirche werde nicht als „Ort des Glaubens und der Hoffnung“ erlebt.

Neuer Umgang statt Strukturreform
Im Hinblick auf ein neues Kirchenbild setze er große Hoffnung in Papst Franziskus, so Abtprimas Wolf. Beim Papst sehe er zwei hervorstechende Eigenschaften: Erstens sei er ein ganz normaler Mann, der Gespür für das menschliche Leben und für Gemeinschaft habe. Und zweitens lege er eine „entwaffnende Ehrlichkeit“ an den Tag, die aus dem Evangelium komme.
Wichtiger als Strukturreformen sei es allerdings, „die Menschen mit den Augen Gottes zu sehen“ und Barmherzigkeit als dessen vorrangige Botschaft zu erkennen. Kritischen Anfragen, warum der Papst noch keine Strukturen verändert habe, setzte der Benediktiner entgegen: „Strukturen haben noch nie Leben erzeugt! Was wir brauchen, ist ein neuer Umgang miteinander.“
Papst Franziskus schüttle „keine Lösungen aus dem Ärmel“, diese müssten sich im gemeinsamen Gespräch ergeben, wie jetzt im Vorfeld der Bischofssynode über Familienfragen. „Da wird leicht auf oberflächliche Fragen reduziert“, bemängelte Wolf. „Sind denn Schwulen-Ehen wirklich das höchste der Gefühle? Ist Conchita Wurst der Gipfel abendländischer Kultur? Müssen wir das alles wollen?“, fragte er. „Wie viel Intoleranz kommt in diesen Fragen durch! Die Intoleranz der ‚moralisch Korrekten‘ ist fast wie eine moderne Inquisition, das ist kein Dialog.“
religion.ORF.at/KAP

Mittwoch, 30. Juli 2014

Anatomie eines Misstrauensvotums

"Mir reicht's" - das dachten sich im vergangenen Jahr zahlreiche Katholiken. Rund 178.800 Menschen kehrten deutschlandweit der katholischen Kirche den Rücken, weitaus mehr als 2012 (Foto: dpa)
Franziskus und Tebartz-van Elst: Der bescheidene Papst und Limburgs verschwenderischer Bischof prägten das Bild ihrer Kirche. Nun zeigt sich, wer stärker wirkt - die Zahl der Austritte ist stark gestiegen. 
Ein Kommentar von Matthias Drobinski in der Süddeutschen Zeitung >>


Was die Katholiken aus der Kirche treibt
Das Vertrauen ist zu gering, die Steuern sind zu hoch: Im vergangenen Jahr sind deutlich mehr Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten als 2012.
Weiterlesen auf Zeit-Online >>


Kirchenaustritte - Quittung für Limburg
Seit Jahren treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. An diesem Freitag wurden die Zahlen für 2013 bekanntgegeben. Allein in Limburg sind es 80 Prozent mehr als 2012. Auswirkungen des sogenannten"Tebartz-Effekts"?
Deutsche Welle >>


Region Augsburg
Die Kirche hat ein Problem
Immer mehr Menschen in der Region treten aus der Kirche aus. Das bekommen auch die Pfarreien im Landkreis zu spüren. Sind die Gotteshäuser bald menschenleer?
Augsburger Allgemeine >>

Dienstag, 29. Juli 2014

Woran glauben Menschen mit Demenz?

Der gelöschte Gott – Woran glauben Menschen mit Demenz?

Elfie sitzt ganz ruhig da, nur ihr rechter Zeigefinger ist nervös. Der Fingernagel fährt immer wieder über dieselbe Stelle des Tischtuchs und macht ein schabendes Geräusch. Was sie dabei denkt, weiß man nicht so genau, und schon gar nicht woran sie glaubt. Früher waren es Gott, Kirche, Auferstehung, das volle katholische Programm. Aber seit fünf Jahren hat Elfie Demenz. Kann man Gott einfach so vergessen? Woran glauben demente Menschen eigentlich?

Weiterlesen auf: BR-Blog Woran glauben? >>

Montag, 28. Juli 2014

Papst Franziskus trifft Missbrauchsopfer

Papstpredigt vor Missbrauchsopfern:
„Ich bitte um die Gnade, weinen zu können“

„Ich sehe den Blick Jesu und bitte um die Gnade, weinen zu können, die Gnade für die Kirche, weinen zu können und wiedergutmachen zu können, wo ihre Söhne und Töchter ihre Aufgabe verraten haben und unschuldige Menschen missbraucht haben.“ Ungewöhnlicherweise predigte Papst Franziskus an diesem Montagmorgen auf Spanisch bei der Messe der Kapelle Santa Marta, er sprach die Opfer von sexueller Gewalt an, die bei der Messfeier dabei waren. Er sei sehr ihnen sehr dankbar, so Franziskus, von so weit angereist zu sein.

„Eine ganze Weile habe ich in meinem Herzen nun schon einen tiefen Schmerz und ein oft verborgenes Leiden“, so der Papst weiter. Er sprach von einer Mitschuld, die erst verständlich werde, wenn man realisiere, dass Jesus seinen Blick auf einen richte. Dann finde man den Mut, das zu sehen. „Das ist meine Beklemmung und mein Schmerz darüber, dass einige Priester und Bischöfe durch den Missbrauch Minderjähriger deren Unschuld und ihre eigene priesterliche Berufung verletzt haben.“

Der Papst nannte diesen Missbrauch „Sakrileg“, denn diese Mädchen und Jungen seien Priestern anvertraut gewesen, sei seien der Wollust geopfert worden. Das Bild Gottes, in dem die Menschen geschaffen seien, sei geschändet worden.

In diesen Kindern erkenne die Kirche Jesus, und sie „will weinen“, so Franziskus weiter, weinen vor den verabscheuungswürdigen Missbrauch, der für immer Narben zurück lassen. Der Papst sprach dann diese Narben an, die Schäden die das zurück gelassen habe, bis hin zu Selbstmorden. Abermals bat er um die Gnade, weinen zu können, „bitten wir um diese Gnade gemeinsam mit der um Wiedergutmachung.“
In seiner Predigt ging der Papst auch auf die Wirkungen des Missbrauchs auf die Kirche ein, sie hätten „giftige Wirkungen“ auf den Glauben und die Hoffnung auf Gott. „Ihre Anwesenheit hier spricht vom Wunder der Hoffnung, welche die tiefste Dunkelheit überwunden hat. Ohne Zweifel, es ist ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, dass wir heute die Möglichkeit haben, uns zu begegnen, den Herrn anzubeten, uns in die Augen zu schauen und die Gnade der Versöhnung zu erbitten.“

„Vor Gott und seinem Volk bitte ich demütig um Vergebung“, so Papst Franziskus weiter. „Ich bitte um Vergebung auch für die Sünden der Unterlassung von Seiten der Leitung der Kirche, die nicht auf angemessene Weise auf die Anzeigen von Missbrauch durch Familien und durch diejenigen, die Opfer von Missbrauch geworden waren, reagiert hat. Das hat das Leiden derer, die missbraucht wurden, noch vermehrt und die Gefahr für andere Minderjährige, die dem Risiko ausgesetzt waren, erhöht.“
Auf der anderen Seite bedeute der Mut, den die Anwesenden und andere durch ihr Sprechen gezeigt haben, ein Dienst der Liebe, denn das habe Licht auf eine furchtbare Dunkelheit im Leben der Kirche geworfen. „Es gibt im Dienst der Kirche keinen Platz für Menschen, die missbrauchen, und ich verpflichte mich dazu, keinerlei an einem Minderjährigen angerichteten Schaden zu tolerieren, sei er Kleriker oder nicht.“ Alle Bischöfe müssten ihr Amt so ausüben, dass der Schutz gewährleistet sei, daran würden sie gemessen werden.

„Für uns alle gilt die Ankündigung, die Jesus denen gibt, die Skandal erregen, mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen zu werden“ (Mt 18:6).

Papst Franziskus betonte die Wichtigkeit, die die Ausbildung zum Priestertum beim Schutz Minderjähriger spiele. Die Bildung aller Menschen, die in der Kirche arbeiteten, müsse so angelegt sein, dass sie diese Grundsätze umsetzen könnten, „Wir müssen alles tun, um sicher zu stellen, dass sich diese Sünden in der Kirche nicht wiederholen.“

Gemeinsam als Kirche seien alle eingeladen, in die Dynamik der Barmherzigkeit einzutreten. Jesus sei schuldlos an den Sünden der Menschen am Kreuz gestorben, an ihn gewandt bitte er um die Gnade der Versöhnung mit dem gesamten Volk Gottes.

„Ich bedanke mich für diese Begegnung und bitte darum, für mich zu beten, dass meine Augen immer klar den Weg der barmherzigen Liebe Gottes sehen und mir den Mut schenken, ihn zum Wohl der Minderjährigen weiter zu gehen.“

Radio Vatikan >>


Papst hört drei Stunden lang Missbrauchsopfern zu
Radio Vatikan >>

Kommentare:

Papst Franziskus trifft erstmals Missbrauchsopfer
Jahrzehntelang kehrte die katholische Kirche die Vergehen von Geistlichen unter den Tisch, nun hat Papst Franziskus erstmals Opfer, auch aus Deutschland, getroffen.
FAZ >>

Papst Franziskus trifft Missbrauchsopfer
Papst "erschöpft und erschüttert" nach einer langen Begegnung mit sechs Personen, die in der Vergangenheit von Priestern sexuell missbraucht worden waren.
Erzdiözese Wien >>

Sonntag, 27. Juli 2014

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz

Du musst graben
tief graben
der Schatz liegt im Acker
nicht oben drauf
für jeden sichtbar
greifbar

der Schatz liegt im Acker verborgen
im Acker deiner Hoffnungen
und Enttäuschungen
im Acker deiner Ängste und Freuden
in deinem Leben
in dir

darum
du musst graben
tief graben
immer wieder
auch an anderen Stellen versuchen
deine Erfahrungen befragen
die Höhen und Tiefen deines Lebens schmecken
vielleicht sogar
dein ganzes Leben umkrempeln

aber dann
eines Tages
schweigst du im Glück
staunend
voll Freude
wirst du nur noch stammeln können
ich hab ihn gefunden
ich hab dich gefunden
Gott
du
mein Schatz

Gerd Blick, in: Lebendig ist das Wort, Impuls- und Meditationstexte zur Bibel,
Haus der Stille-Heiligenkreuz, 2000, 141.

Freitag, 25. Juli 2014

Sprachlos – ein Bild ohne Worte



Ein im Jahr 2007 in Argentinien aufgenommenes Foto zeigt zwei nebeneinander sitzende Kardinäle, Jorge Mario Bergoglio und Tarcisio Bertone. Ihre Stühle stehen auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Zu diesem Zeitpunkt war Bertone Vatikanischer Staatssekretär und besuchte im Namen Seiner Heiligkeit, Benedikt VXI., ein Dorf im nördlichen Patagonien, um dort einer Seligsprechung eines Theologiestudenten vorzustehen, der um die Jahrhundertwende lebt. Bergolgio war damals Erzbischof von Buenos Aires.

Donnerstag, 24. Juli 2014

"Bischofsernennungen" im 3. Jahrhundert

Interessant, wie im 3. Jahrhundert die Bischöfe "erwählt" wurden.

"Auch diese Sitte geht, wie wir sehen, auf eine göttliche Weisung zurück, daß der Bischof in Gegenwart des Volkes vor aller Augen erwählt und durch öffentliches Urteil und Zeugnis als würdig und geeignet anerkannt wird. ... Vor der ganzen Gemeinde, so befiehlt der Herr, soll der Hohepriester aufgestellt werden, das heißt: er lehrt und zeigt, daß die Einsetzung von Priestern nur im Einverständnis mit dem dabei anwesenden Volk erfolgen darf, damit in Gegenwart der Gemeinde die Missetaten der Bösen aufgedeckt oder die Verdienste der Guten gepriesen werden und eine rechtmäßige und gesetzliche Ernennung zustande kommt, die durch Abstimmung und Urteil der Gesamtheit geprüft ist."
Cyprian von Karthago († 258)