Montag, 27. April 2015

Bischof Krautwaschl: "Gott ist doch eigentlich auch virtuell"


Der designierte steirische Bischof Willi Krautwaschl spricht in seiner WG-Küche im Augustinum über überhöhte Strukturen in der Kirche, Biereinkäufe und sein Leben als Nerd

STANDARD: Was haben Sie gedacht, als Sie am Sonntag erfahren haben, dass mindestens 700 Menschen im Meer ertrunken sind, die sich in Europa Hilfe erhofft hatten?

Krautwaschl: Das können Sie nicht schreiben, was ich mir gedacht habe. Das ist zu scheußlich (er schüttelt sich). Aber auf der reflektiven Ebene habe ich mir später gedacht: Wir erleben uns ständig im Hinschauen und Wegschauen. Wir erleben Machtlosigkeit. Es ist unerträglich.

STANDARD: Was kann die katholische Kirche jetzt konkret tun, damit solche Tragödien im Mittelmeer nicht mehr passieren?

Krautwaschl: Die erste Reise des Papstes führte nach Lampedusa, und dass der dortige Bischof Kardinal wurde, ist auch ein Zeichen. Wir können nicht sagen, wir sind hier, und der Rest der Welt geht uns nichts an. Das ist ein dritter Weltkrieg, der gerade an verschiedenen Orten passiert. Wir können uns nicht abschotten.

STANDARD: Abschottung passiert an den EU-Außengrenzen aber sehr wohl.

Krautwaschl: Ich bin nicht in der Lage oder Verantwortung eines EU-Politikers.

STANDARD: Derzeit sind 600 Flüchtlinge in kirchlichen Einrichtungen der Steiermark zusätzlich zu den bestehenden Heimen der Caritas untergebracht. Haben Sie noch mehr Platz?

Krautwaschl: Wir werden schauen, was wir tun können. Klar macht vielen Leuten Angst, was fremd ist, aber durch Kennenlernen können diese Gräben überwunden werden. Hier im Haus haben wir zurzeit auch vier Asylwerber aus Syrien. Ein Internatszimmer wurde frei – da braucht man nicht lange debattieren.

STANDARD: Verfolgen Sie die heimische Politik?

Krautwaschl: Ein bissl. Was soll ich noch alles verfolgen? (lacht) Nein, im Ernst: Ich bin wahnsinnig dankbar, dass sich Leute noch bereiterklären, so eine Arbeit auf sich zu nehmen. Jeder schaut nur auf seine Pfründe, da nehme ich die Kirche nicht aus. Hut ab vor allen, die das Ganze, das Gemeinwohl im Blick haben.

STANDARD: Ist Verteilungsgerechtigkeit für Sie ein christlicher Begriff?

Krautwaschl: Hm. Da müsste ich den Neuhold Poldl fragen (Leopold Neuhold, Sozialethiker an der Uni Graz, Anm.). Die Frage ist, worum geht es uns wirklich? Geht es um den Menschen? Da werde ich mich in der Tagespolitik immer wieder zu Wort melden und diese Frage stellen. Auch die Frage, was uns alle verbindet, wird zu wenig gestellt. Ein anderer Blick auf etwas ist nichts Schlechtes, wenn sich jeder mit seiner Berufung einbringt. Ich suche jetzt einen neuen Generalvikar, und da schreibe ich allen, sie sollen mir helfen und mitreden. Der Krampf ist natürlich: Die Dechanten sind alle Männer, dabei sind über 60 Prozent unserer hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Frauen.

STANDARD: Man sagt, Sie kommen bei Firmlingen gut an. Was sagen Sie einem jungen Mädchen, das sich in der Kirche einbringen will – als Priesterin?

Krautwaschl: Das Weiheamt ist sowieso überhöht. Das Streben ist doch jenes nach Heiligkeit.

STANDARD: Soll das heißen, Sie sagen dem Mädel: "Priesterin kannst du nicht werden, aber heilig, wenn du dann gestorben bist?"

Krautwaschl: Nein, nein! Ich meine: Es gibt die Struktur, die wir geschaffen haben wie ein Skelett, und es gibt das Fleisch. Das Skelett ist ohne Fleisch gar nichts, und das Fleisch kann ohne Skelett nicht stehen. Ich bin in der Fokolar-Bewegung, die Mitte des vorigen Jahrhunderts von einer Frau, Chiara Lubich, gegründet wurde. Und unsere Präsidentin ist eine Frau.

STANDARD: Was ist das für eine Bewegung?

Krautwaschl: Fokolar heißt Feuerstelle im Trentiner Dialekt. Die haben sich mitten im Krieg unter Bomben zusammengesetzt und das Evangelium gelesen. Im Matthäusevangelium heißt es: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Das ist Kirche. Da steht nicht, dass das Männer sein müssen. Nicht einmal, dass das Christen sein müssen.

STANDARD: Das könnten auch Geschiedene sein oder Homosexuelle …

Krautwaschl: Natürlich. Und bei uns in der Kirche ist die Struktur wichtiger geworden als dieser Zugang aus dem Evangelium. Auf einer Tagung der Fokolar-Bewegung waren zum Beispiel auch Buddhisten. Lubich, sie ist 2008 gestorben, gestaltete auch einen Abend in der Moschee in Harlem, zu der Malcolm X gehörte. Wir gelten in der Ökumene als die, die den interreligiösen Dialog führen. Kirchenintern gelten wir als papsttreu.

STANDARD: Sie leben in einer WG und möchten das auch weiterhin tun. Wie kann man sich das vorstellen? "Golden Girls" – nur mit Priestern?

Krautwaschl: Da sind vier Studenten, die irgendwann in ihrem Leben Priester werden wollten, dann noch vier Priester. Mit mir sind wir neun. Wir haben vereinbart, wer was besorgt, wer den Müll runterbringt. Ich bin fürs Einkaufen fürs Frühstück am Samstag zuständig. Ich kann es mir nicht anders vorstellen, ich war nie allein. Zölibatär zu leben heißt ja nicht, beziehungslos zu leben. Wenn in den Ferien alle weg sind und auch das Internat leer ist, ertappe ich mich dabei, dass ich zusperren gehe. Sonst ist hier immer alles offen. Ein Wunder, dass noch nie wer Bier bei uns gestohlen hat.

STANDARD: Vielleicht kaufen Sie die falsche Marke?

Krautwaschl: Na ja, da gibt es bei uns in der WG die Billigeinkäufer und die Qualitätseinkäufer.

STANDARD: Und Sie wollen die WG in den Bischofssitz mitnehmen?

Krautwaschl: Ich kenne die Räumlichkeiten noch gar nicht, ich schaue sie mir am Freitag an. Die Haushälterin habe ich kennengelernt. Ich habe ihr gesagt, ich täte schon gern wenigstens manchmal selber einkaufen gehen. Mein Vorgänger hat ganz allein dort gelebt. Das kann ich mir nicht vorstellen. Als ich den Anruf vom Nuntius bekommen habe, dass ich Bischof werden soll, da habe ich mir einmal ein Bier aufgemacht, und dann sind mein Mitbewohner, der Günther Zgubic, und ein Student gekommen, und wir haben lange geredet. Schlafen habe ich nachher eh trotzdem nicht können. Bei den Studenten im Haus herrscht helle Aufregung, weil die sich fragen: Wo werden wir jetzt Champions League schauen?!

STANDARD: Am Bischofsplatz?

Krautwaschl: Warum nicht. Das Bischofsamt ist ja für die Leute da!

STANDARD: Sie bloggen, facebooken, twittern und spielen. Sind Sie ein Nerd im Talar?

Krautwaschl: Was ist ein Nerd? Ein Freak? Es taugt mir schon sehr. Wenn ich den Jugendlichen hier im Haus einmal Respekt einflößen wollte, habe ich mir nur ein neues Handy gekauft. (lacht) Gott ist doch eigentlich auch virtuell. Oder sehen Sie ihn hier irgendwo? Und ich vertraue trotzdem auf ihn. Wir werden schon sehen, ob ich falsch liege, wenn ich tot bin. Aber ich riskier's halt! Und es ist ein wahnsinnig tolles Abenteuer.

STANDARD: Ihr Wahlspruch ist "Gott ist die Liebe". Wie ist das mit der Liebe zwischen Homosexuellen oder der Liebe von Wiederverheirateten in der Kirche?

Krautwaschl: Es geht um die Liebe Gottes. Wenn ich mich zum Beispiel entscheide, Priester zu werden und ehelos zu leben, dann mache ich das im Vertrauen darauf, dass Gott mir dabei hilft. Ich als Eheloser brauche Eheleute, damit sie mir die Liebe Gottes in der Ehe sichtbar machen. Gott kann diese Liebe nicht wieder zurücknehmen.

STANDARD: Aber Sie können sie von der Kommunion ausschließen.

Krautwaschl: Manche kränkt das sehr. Andere fühlen sich nicht ernst genommen, wenn man das nicht tut. Da müssen wir uns was überlegen. Wir dürfen uns nicht von den Menschen verabschieden. Wir sprechen Leute nur heilig, nicht unheilig! Der richtige Weg ist nicht nur ein schmaler Grat, es geht nicht darum, was du formell alles erfüllst oder ob du zur Kommunion gehen kannst. Auch in der Analogie zu den Homosexuellen. Erst gestern habe ich einen Katholiken auf ein Bier getroffen, der zu seiner Homosexualität steht und den ich pastoral begleitet habe. Wieso soll ich den nicht mögen? Wer bin ich? Manche laufen Gefahr, über andere richten zu wollen.

STANDARD: Wie wird Sie das Bischofsamt verändern?

Krautwaschl: Ich bin nicht der, der am besten glaubt. Ich mache Kirche sichtbar. Jetzt kriege ich die Weihe und den Ring als Zeichen meiner Treue zu Christus, und ich stelle mir die Frage, die ich mir schon als Regens gestellt habe: Was täte ich in einer Diktatur? Fragen S' mich nicht!

STANDARD: Auch ohne Diktatur: Ist Christsein etwas Radikales?

Krautwaschl: Ja. Denn was heißt es, alle zu lieben? Das heißt nicht, dass ich sofort jedem um den Hals fallen muss. Aber ich muss mich immer wieder fragen: Halte ich manche Menschen bewusst außen vor? Die Katholiken sind ja dafür bekannt, dass sie sich die Latte, über die sie springen sollen, so hoch legen, dass sie immer drunterspringen müssen. Dann sagen sie: Ich bin sündhaft. Aber wir sind heilig. Wir sind direkt bei Gott. Zwischen uns und Gott ist keine Instanz. Die Religionen haben sich da reingestellt.

STANDARD: Wäre es nicht bald wieder einmal Zeit für ein Konzil?

Krautwaschl: Bald nicht. Zwischen den letzten waren ungefähr hundert Jahre.

STANDARD: Man könnte den Takt ja etwas erhöhen.

Krautwaschl: Wir müssen ja nicht überall mitgaloppieren.

STANDARD: Sind Sie papsttreu?

Krautwaschl: Ich hoffe – weil er mich sonst nicht ernannt hätte. (lacht laut)

STANDARD: Papst Franziskus ist ein populärer, volksnaher Papst. Aber mit seinem Sager über das Schlagen von Kindern "in Würde" hat er viele Menschen schwer irritiert. Was war da los?

Krautwaschl: Fragen S' ihn! Ich glaube, es ist sein Temperament mit ihm durchgegangen. Ich betone, dass ich nichts positiv an diesem Satz finde. Aber da stelle ich die gleiche Frage wie beim Priesteramt: Was ist der Papst in der Kirche? Auch da passiert eine unheimliche Erhöhung. Er ist ja nicht unfehlbar! Dieser Papst will sogar eine Streitkultur in der Kirche. Die Kirche ist nicht entweder-oder, sondern auch. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 22.4.2015)

Samstag, 25. April 2015

4. Sonntag der Osterzeit

4. Sonntag der Osterzeit
Nichts Kostbareres gibt es für den Menschen als das Leben: ein volles, geglücktes, glückliches Leben. Dem Leben dienen ist das Größte, was ein Mensch für andere tun kann. Jesus hat für uns sein Leben eingesetzt; er liebt uns. Er ruft uns beim Namen, der Gute Hirt. Er nimmt uns in Dienst; auch wir sollen helfen. retten, heilen.

Ps 33(32), 5-6
Die Erde ist voll von der Huld des Herrn.
Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen.
Halleluja.

Lesungen auf Erzabtei Beuron >>


Sonntagslesungen des Bibelwerks >>

Liturgische Bausteine der Steyler Missionare >> 

Freitag, 24. April 2015

Papst nimmt Rücktritt von US-Bischof Finn an


Papst nimmt Rücktritt von US-Bischof an
Immer wieder sorgt sexueller Missbrauch durch Priester für Aufregung in den USA. Der Papst nahm nun den Rücktritt von Bischof Finn an: Aber erst drei Jahre nach dessen Verurteilung und ohne eine Begründung.
Deutsche Welle >>

Vertuschung von Kinderpornografie
Papst entlässt US-Bischof
Erstmals muss ein katholischer Bischof sein Amt aufgeben, weil er Kindesmissbrauch in seinem Bistum nicht gemeldet hat. Allerdings liess sich Papst Franziskus für die Entlassung des amerikanischen Bischofs Finn viel Zeit.
NZZ >>

Blog-Archiv zu Bischof Finn >>

Donnerstag, 23. April 2015

Sexualerziehung: Ein neuer Erlass, der an Kindesmissbrauch grenzt


Die Bildungsministerin will neue Standards in der Sexualpädagogik an Schulen: Ausschaltung der Eltern sowie "Lust" und "Genuss" statt Werte und Beziehung.
Bereits die Ankündigung eines „modernen“ neuen Sexualkundeunterrichts durch Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Herbst 2014 ließ Schlimmes ahnen: „Möglichst früh“ solle dieser einsetzen, also noch im Kindergarten. Ende März schickte sie den Entwurf für eine Aktualisierung des Grundsatzerlasses „Sexualerziehung an den Schulen“ zur Stellungnahme an Elternverbände und Experten. Diese hatten nur wenige Tage Zeit zur Begutachtung, die Frist lief bereits am 10. April wieder ab.
DiePresse.com >>


Papst: Gender-Theorie ist Ausdruck von Resignation
„Die moderne und zeitgenössische Kultur hat neue Räume, Freiheiten und Tiefen eröffnet, diese Unterschiede besser zu verstehen. Doch sie hat auch viele Zweifel und Skepsis hineingebracht. Ich frage mich zum Beispiel, ob die sogenannte Gender-Theorie nicht auch Ausdruck von Frustration und einer Resignation ist, die auf die Auslöschung der sexuellen Differenz zielt, weil sie nicht mehr versteht, sich mit ihr zu konfrontieren. Wir riskieren hier, einen Rückschritt zu machen. Die Verdrängung der Unterschiede ist das Problem, nicht die Lösung.“

Der Dialog von Mann und Frau, die Ehe und die Familie seien dagegen eine Stütze nicht nur im Leben gläubiger Christen, sondern in der ganzen Gesellschaft. Franziskus wandte sich hier explizit an die Vertreter der Gender-Theorie: „Ich möchte die Intellektuellen hier auffordern, dieses Thema nicht zu ignorieren, als wäre es sekundär für den Einsatz für eine freiere und gerechtere Gesellschaft geworden.“

Heutige Probleme im Umgang der Geschlechter setzte Franziskus vor der Folie der biblischen Erzählung dann in einen Zusammenhang mit der heutigen Krise des Glaubens: „Die biblische Erzählung sagt uns mit ihrem großen symbolischen Fresko zum irdischen Paradies und dem Sündenfall, dass die Einheit mit Gott sich in der Einheit des menschlichen Paares widerspiegelt und dass der Vertrauensverlust in den himmlischen Vater zu Teilung und Konflikt zwischen Mann und Frau führt.“

Aufgabe der Kirche und aller Gläubigen, aller Familien sei hier heute, die Schönheit der göttlichen Schöpfung von Mann und Frau und ihrer Einheit wiederzuentdecken, so Papst Franziskus.
Radio Vatikan >>


Vatikan: Papst Franziskus kritisiert "Gender-Theorie"
Die heutige Kultur hat nach Meinung des Pontifex Angst vor den Unterschieden zwischen Mann und Frau. Er forderte in seiner Generalaudienz am Mittwoch mehr "Kreativität" bei der Gleichberechtigung.
DiePresse.com >>

Mittwoch, 22. April 2015

Deutschlandweite Seelsorgestudie: Ehelosigkeit für jeden dritten Priester Problem


So gestresst sind unsere Seelsorger (Mit Grafiken)
Erreichbar sein, trösten können, spirituelle Orientierung geben: Die Anforderungen an Seelsorger sind hoch. Vielleicht zu hoch? Das wollten Wissenschaftler durch eine deutschlandweite Stress-Studie herausfinden, an der rund 8.600 katholische Seelsorger teilgenommen haben. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse in Berlin vorgestellt: Während der Umgang mit dem Zölibat für viele ein Problem ist, scheint sich die oft extreme Arbeitsbelastung kaum auf das Seelenleben der Seelsorger auszuwirken.
Katholisch.de >>

Studie: Katholische Priester hadern mit dem Zölibat
Die katholischen Priester in Deutschland leiden unter dem Zölibat. Jeder dritte Priester empfindet die von der Kirche verlangte Ehelosigkeit als belastend für seinen Dienst. Das ergab eine von der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin vorgestellte deutschlandweite Seelsorgestudie.
Welt-Online >>

Katholische Kirche und Zölibat
„Viele schaffen das auch“
Der Psychiater, Theologe und Jesuit Eckhard Frick im Interview über priesterliche Ehelosigkeit, Einsamkeit und Frust.
Stuttgarter Nachrichten >>

Die Seele der katholischen Seelsorger
Wie ausgebrannt sind Seelsorger im deutschsprachigen Raum? Dieser Frage ist eine Studie nachgegangen, die ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Universitäten ist. Jetzt wurden erste Zwischenergebnisse präsentiert, und diese sind mehr als überraschend. Die katholischen Seelsorger sind ausgesprochen zufrieden mit ihrer Arbeit und mit ihrem Leben.
Deutschlandfunk >>

http://www.seelsorgestudie.de/

Dienstag, 21. April 2015

Tebartz-van Elst mit Vollbart und neuer Brille


Tebartz-van Elst im Vatikan
Neuer Job, neuer Bart, neue Brille
Der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird nun auch offiziell im Verzeichnis der Vatikan-Mitarbeiter geführt. Er zeigt sich im neuen Outfit: mit Vollbart und markiger Brille.
FAZ >>

Tebartz-van Elst missioniert jetzt Abtrünnige
Der einstige Skandal-Bischof aus Limburg ist nun im Päpstlichem Rat für Katechese. Zum Neustart im Vatikan hat er sich modisch verändert. Zudem bekommt er doppelte Bezüge – zumindest vorläufig.
Welt-Online >>

Tebartz' Ruhestandsbezüge werden mit Delegaten-Lohn verrechnet
Keine doppelten Bezüge
Die Ruhestandsbezüge des zurückgetretenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst werden mit Zahlungen für seine neue Tätigkeit als "Delegat für Katechese" des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung verrechnet.
domradio.de >>

Montag, 20. April 2015

Bischof Krautwaschl: Für eine Kirche "ohne Oben und Unten“

Grazer Bischof: "Es geht nicht nur den Bach hinunter"
Der neu ernannte Grazer Bischof, Wilhelm Krautwaschl, wenige Tage nach seiner Ernennung im Interview: Er tritt für eine Kirche ein, in der kein Oben oder Unten, kein Links oder Rechts gilt. Und: »Wir haben nach wie vor vielen vieles zu geben.«

Ihre Ernennung zum Grazer Bischof erntet großen Applaus. Wie erleben Sie die Begeisterung angesichts dessen, dass Hosanna und Crucifige oft recht nah beieinanderliegen?
Wilhelm Krautwaschl: Es lässt mich sehr demütig werden, dass ich Hoffnungen wecke, die ich möglicherweise nicht erfüllen kann, dass mir Missgeschicke passieren werden. Das Crucifige wird kommen. Aber ich hoffe, dass, wenn man miteinander unterwegs ist, man im anderen ein Stückchen weit denken kann. Dann wird es leichter.

Müsste es nicht Normalfall sein, dass ein neuer Bischof eben nicht polarisiert? Schwingt da nicht Personenkult mit?
Die große Gefahr ist da. Ich bin sehr, sehr zurückhaltend und muss mir immer wieder sagen: Es gilt nicht dir, sondern durch mich geht es woanders hin.

Auch bei der Wahl von Franziskus gab es Begeisterung. Nur hat sich diese in Österreich nicht in nüchternen Zahlen niedergeschlagen, beispielsweise was Kirchenaustritte betrifft. Ist das nur ein Strohfeuer?
Das sehe ich nicht so. Die Beziehung zur Kirche ist vielfach loser geworden, und da gibt es jetzt einen, der Kirche wieder sympathischer macht. Das heißt nicht, dass überlegt wird, wieder einzutreten. Ich möchte mir keine Illusionen machen: Die Zustände, die wir rund um das Konzil gehabt haben, wird es wahrscheinlich nicht mehr geben.

Wann wird eine Talsohle erreicht sein?
Ich kann umgekehrt sagen: Wenn angesichts des Angebots noch immer so viele freiwillig sonntags die Messe besuchen – dann ist das ein Wunder. Das war früher anders. Da habe ich müssen, oder da gab es gar kein anderes Angebot am Sonntagvormittag. Wenn ich so an die Situation herangehe, habe ich wieder eine Perspektive. Es geht nicht nur den Bach hinunter. Wir haben nach wie vor vielen vieles zu geben.

Was verbindet Sie mit dem Papst?
Ein Bursche von uns im Seminar hat gemeint, als er ihn zum ersten Mal gesehen hat: „Der ist geil!“ Da ist etwas übergesprungen durch die Art und Weise, wie er aufgetreten ist. Ich habe fast den Atem anhalten müssen.

An Änderungen in der Kirche Österreichs ist seit Franziskus nicht viel zu bemerken.
Innerkirchlich wird die Frage, wieso wir uns engagieren, wieder leuchtender beantwortet.

Papst Franziskus weckt viele Hoffnungen, auch für die Familiensynode, die im Herbst tagen wird. Welche Hoffnungen hegen Sie im Zusammenhang mit dem viel diskutierten Kommunionverbot für Geschiedene, die zivilrechtlich wieder geheiratet haben?
Ich finde es interessant, dass er diese unterschiedlichen Meinungen zulässt. Das ist ein neuer Stil von Kirche. Das ist toll, das ist Kirche! Dass nicht gesagt wird: „Ich habe recht, und du hast unrecht.“ Das sind wir nicht gewohnt. Wir glauben, verkürzt gesagt: Lehramt – und damit hat es sich. Das ist ein Stil, den wir lernen müssen, Gott sei Dank.

Aber die Kirche ist kein Diskutierklub. Am Ende wird eine Entscheidung stehen müssen. Welche?
Natürlich, das aber kann ich nicht sagen.

Aber Sie haben jahrzehntelange Erfahrung in der Seelsorge. Haben Sie jemals wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion verweigert?
Ich darf laut Kirchenrecht, wenn jemand zu mir zur Kommunion nach vorne tritt, niemandem etwas verweigern.

Franziskus spricht oft von Barmherzigkeit, ihr bischöflicher Wahlspruch lautet „Gott ist Liebe“. Wie könnte ein barmherziger, ein liebevoller Umgang mit dieser Personengruppe aussehen?
Schlicht und ergreifend zum Leben innerhalb der Kirche mit einzuladen. Das ist ein irrsinnig breites Spektrum, es geht nicht nur um den Kommunionempfang. Egal wie eine Regelung aussieht: Wir dürfen uns vom Menschen und den tatsächlichen Fragen nicht verabschieden, und die sind unter Umständen ganz andere als die, wie sie sich in einer rechtlichen Ordnung niederschlagen.

Sollte die Türe für diese Personengruppe weiter aufgemacht werden?
Es gibt kreative Lösungen, aber da möchte ich dem Heiligen Geist nicht vorgreifen.

Am Tag vor Ihrer Ernennung zum Bischof hat Franziskus mehr Gewicht für Frauen in Gesellschaft und Kirche gefordert. Da hat die Kirche Nachholbedarf, oder?
Da bin ich ganz beim Papst. Ich weiß nicht, wie viele Religionslehrerinnen wir haben, ich denke an die Pastoralassistentinnen, Kindergärtnerinnen, Lektorinnen, Kommunionspenderinnen. Sie machen den Dienst der Verkündigung im Auftrag der Kirche. Das ist nicht nichts, das ist unendlich wertvoll. Der Krampf ist, dass wir immer das Weiheamt als einzige Entscheidungskompetenz sehen.

Könnten Sie sich Diakoninnen vorstellen?
Da ist ein Prozess notwendig, dem nachzuspüren, wie das auch in der Urkirche war. Derzeit ist die Einheit des Amts sehr im Vordergrund (das Weihesakrament ist dreistufig: Diakon – Priester – Bischof; Anm.), da geht das nicht.

Wie sehr gehen Ihnen Fragen nach den sogenannten innerkirchlichen heißen Eisen eigentlich auf die Nerven?
Sie sind ernst zu nehmen, kommen immer wieder. Ohne das abzuwerten, aber ich möchte die grundlegenden Fragen des Ganzen anschauen dürfen. Da habe ich eher das Gefühl, dass viele Gott nicht mehr wahrnehmen, dass sie mit Gott nichts anfangen können. Das irritiert mich weit mehr.

Da könnte die Kirche Mitschuld daran tragen.
Dazu will ich gar nicht Nein sagen. Wir sind in der Sprache oft sprachlos geworden. Wir müssen sensibler werden gegenüber den Suchenden, jenen, die am Rande stehen: Was ist für diese wirklich wichtig und richtig?

Wann wären Sie als Bischof gescheitert?
Ich möchte es positiv formulieren: Das Wichtigste wäre für mich, wenn in der Kirche das Miteinander im Namen Jesu Christi wieder mehr erfahrbar würde und nicht als Oben und Unten, als Links und Rechts. Wenn das gelingt, würde ich mir alle zehn Finger abschlecken. Ehrlich müssen wir sein, dann passt es.
Quelle: DiePresse.com