Mittwoch, 17. September 2014

Wiederverheiratete Geschiedene: Kommunionverbot aufheben

Innsbrucks Diözesanbischof Manfred Scheuer hofft auf die Überwindung des prinzipiellen Verbots der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. So deutlich hat sich bislang noch kein hochrangiger kirchlicher Würdenträger zur Aufhebung des Kommunion-Verbots für wiederverheiratete Geschiedene geäußert. 

Im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung und der Austria Presse Agentur plädierte Innsbrucks Diözesanbischof Manfred Scheuer am Mittwoch für eine Überwindung des Verbots. Allerdings setzt dies für Scheuer Verzeihung und Versöhnung der Betroffenen voraus. Von einer Generalabsolution hält Innsbrucks Oberhirte nichts.

Im Zusammenhang mit der dritten außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode vom 5. bis 19. Oktober in Rom, die unter dem Motto „Die pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung“ steht, erwartet sich Scheuer weniger konkrete Ergebnisse, aber vielmehr Impulse. Die eigentliche Synode findet dann 2015 statt. Es geht Scheuer vor allem um den Wert von Familie und Ehe unter weltweit geänderten Bedingungen und um ein Signal an jene Menschen, „deren Beziehungen zerbrochen sind“. Auch sie sollten die Möglichkeit eines Neuanfangs und einer neuen Heimat in der Kirche erhalten. Ein viel diskutiertes Thema ist dabei die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Geschiedene sind von diesem Sakrament derzeit ausgeschlossen. Eine „undifferenzierte Absolution“ dürfe es jedoch nicht geben, schließlich benötigt es Verzeihung und Versöhnung, betont der Bischof. Aber er hofft dennoch, dass die „Synode das prinzipielle Verbot der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene“ überwindet. Die Eucharistie sei keine Belohnung, aber es bestehe auch kein Recht darauf.
Die Eucharistie bezeichnet der Bischof als „sakramentale Gemeinschaft“, aus diesem Grund könne es keine undifferenzierte Zulassung zur Kommunion geben. Verletzungen würden dem entgegenstehen, „deshalb ist ein Mittun der Betroffenen notwendig“, sagt Scheuer. Im Vorfeld der Bischofssynode hat der Vatikan bekanntlich den Fragebogen zu Ehe, Familie und Homosexualität verschickt.

Dienstag, 16. September 2014

Deutsche Bischöfe im Dialog mit Kardinal Müller über Reformen

Auf dem Weg zur "Barmherzigkeit"
Die deutschen Bischöfe haben ihre Reformvorschläge für den Umgang der Kirche mit wiederverheiratet Geschiedenen mit Kardinal Müller in Rom diskutiert. Dies wurde am Rande der Gesprächsrunde zum Dialog in der katholischen Kirche in Magdeburg bekannt.


Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, das Gespräch mit Müller habe "in der Sommerpause in Rom" stattgefunden. Es sei in guter Atmosphäre verlaufen, Ergebnisse habe man nicht festgehalten. Die Delegation sei unter Führung des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode nach Rom gereist. Es habe sich um die von der Bischofskonferenz eingesetzte Arbeitsgruppe zu diesem Thema gehandelt.

Müller ist als Präfekt der Römischen Glaubenskongregation für die Bewahrung und Fortentwicklung der katholischen Lehre zuständig. In den vergangenen Monaten hatte er sich mehrere Male strikt dagegen ausgesprochen, die kirchliche Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe durch neue Lösungen für wiederverheiratete Geschiedene infrage zu stellen.

Marx kündigte in Magdeburg ferner an, er selbst werde einen mehrheitlich abgestimmten Text der deutschen Bischöfe zu den Themen Ehe und Familie in die Weltbischofssynode in Rom einbringen, die im kommenden Monat in Rom zusammentritt. Der Text gehe in der Frage der Geschiedenen "in die Richtung", die Kardinal Walter Kasper beim letzten Kardinalskonsistorium umrissen habe. Kasper hatte für einen Weg der "Barmherzigkeit" gegenüber Menschen geworben, die nach einer gescheiterten Ehe eine zweite Zivilehe eingehen.

Marx betonte, das Thema werde inzwischen nicht nur in Deutschland diskutiert, sondern in fast allen Bischofskonferenzen in Europa. Marx ist als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz einer der rund 200 stimmberechtigten Teilnehmer der Weltbischofssynode.
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Wer sind die Teilnehmer der Bischofssynode zur Familie?
(Vatikan) 253 Teilnehmer wird die III. Außerordentliche Versammlung der Bischofssynode zählen. Unter ihnen werden 14 Ehepaare sein, die als Experten oder als Auditoren teilnehmen. Dies gab das Generalsekretariat der Bischofssynode bekannt, das am Dienstag die Teilnehmerliste veröffentlichte. Vom 5.-19. Oktober werden sie im Vatikan über das Thema „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ sprechen.
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Montag, 15. September 2014

Papstpredigt: „Fürchtet euch nicht vor den Neuerungen in der Kirche“

Die Frohe Botschaft „ist Neuheit“, Jesus bittet uns darum, „hinfällige Strukturen“ aufzugeben. Das sagte Papst Franziskus an diesem Freitag (5.9.) bei der Morgenmesse in der Kapelle seiner Residenz Santa Marta. Der Christ soll kein „Sklave vieler kleiner Gesetze“ sein, sondern sein Herz dem neuen Gebot der Liebe öffnen, so Franziskus. Im Tagesevangelium indignieren sich die Schriftgelehrten vor Jesus, warum seine Jünger essen und trinken, während ihre eigenen Jünger und die des Johannes fasten. Jesus antwortet mit der Neuheit, führt Franziskus aus:

„Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. Was bringt uns das Evangelium? Freude und Neuheit. Jene Rechtsgelehrten waren versponnen in ihre Gebote und Vorschriften. Der Heilige Paulus sagt uns mit Blick auf sie, dass wir alle, bevor der Glaube und das heißt Jesus kam, wie beschützte Gefangene unter dem Gesetz waren. Die Gesetze jener Leute waren nicht schlecht: Die Menschen waren beschützt, wenn auch gefangen, in Erwartung des Glaubens. Jenes Glaubens, der sich in Jesus Christus selbst offenbaren sollte.“

Das Volk habe unter dem Gesetz Mose gelebt, das Gelehrte dann mit allerlei „Gewohnheiten und kleinen Gesetzen“ angereichert hätten, erklärte Franziskus. Freilich kennten auch die Christen Gesetze.

„Jesus hat gesagt: Ich komme nicht, um das Gesetz aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Und die Fülle des Gesetzes sind zum Beispiel die Seligpreisungen, das Gesetz der Liebe, der umfassenden Liebe, so wie er – Jesus – uns geliebt hat. Und als Jesus diesen Schriftgelehrten Vorwürfe macht, wirft er ihnen vor, das Volk mit dem Gesetz nicht behütet, sondern versklavt zu haben mit so vielen kleinen Dingen, die sie befolgen mussten.“

Das Evangelium sei Fest, Freude, Freiheit, betonte Franziskus. Deshalb habe das Volk es als die ersehnte Befreiung wahrgenommen. Jesus wolle uns sagen, fuhr der Papst fort:

„Neuer Wein braucht neue Schläuche. Und habt keine Angst, die Dinge nach dem Gesetz des Evangeliums zu ändern. … Das Gesetz einhalten – das Gesetz, das Jesus zur Erfüllung gebracht hat – im Gebot der Liebe, in den Geboten, die aus den Seligpreisungen kommen. Gott gebe uns die Gnade, keine Gefangenen zu bleiben. Er gebe uns die Gnade der Freude und der Freiheit, die uns die Neuheit des Evangeliums bringt.“

Quelle: Radio Vatikan

Sonntag, 14. September 2014

Krankhafte Sparsamkeit

Gott, wir sparen mit Worten und Werken
der Liebe und Zuversicht.

Wir sparen mit Worten und Werken
der Zärtlichkeit.

Wir sparen am Evangelium,
an guten Nachrichten
und am Mitmenschen.

Herr, guter Gott,
erbarme dich über unsere
oft krankhafte Sparsamkeit.

Zeige uns durch Jesus,
wie menschlich wir sein können
und wie viel Zärtlichkeit und Wärme
wir für andere bereithalten.

Verfasser unbekannt, in: Jugendgottesdienste,
Innsbruck 21997, Schuldbekenntnis 5.

Donnerstag, 11. September 2014

Schweizer Bischofskonferenz empfing Huonder-kritische Allianz "Es reicht!"

Kundgebung am 9. März in St. Gallen
Bistum Chur fühlt sich brüskiert
Tiefer Riss bei den Bischöfen
Die Spitze der Bischofskonferenz findet lobende Worte für die Huonder-kritische Allianz «Es reicht!» – und provoziert damit eine saftige Replik aus Chur.

Der Churer Bischof Vitus Huonder ist erbost und lässt dies die anderen Bischöfe in einem deutlichen Communiqué wissen – was wiederum im Kollegium für Ärger sorgt. Er wolle künftig nicht Gegenstand von Gesprächen sein, so Huonder, sondern einer der Teilnehmer. Stein des Anstosses ist die Kommunikation über ein Gespräch des Präsidiums der Bischofskonferenz (SBK) mit «Es reicht!», einer Allianz progressiver Katholiken. Diese fordert die Absetzung von Huonder. Beim Gespräch am Montag war dieser – wie vorgesehen – nicht dabei. Übergangen fühlt er sich aus einem anderen Grund: «Das SBK-Präsidium hat mit Dritten über Bischof Vitus gesprochen und dann ohne seine Beteiligung kommuniziert», sagt dessen Sprecher Giuseppe Gracia. Besonders irritierend sei dieses Vorgehen, weil die Bischöfe die letzten drei Tage zusammen verbracht hätten, aber niemand das Communiqué mit Huonder besprochen habe. Vonseiten der SBK heisst es, Huonder sei über das geplante Communiqué sehr wohl informiert gewesen, habe aber keinen Anspruch erhoben, bei der Redaktion des Wortlauts mitzuarbeiten.
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Der isolierte Huonder
Bischof Vitus Huonder rüffelt die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK), sie habe ein Communiqué ohne seine Beteiligung verfasst. Obwohl dieses Vorgehen laut dem SBK-Sprecher mit ihm abgesprochen war.

Rund 2000 Menschen demonstrieren am 9. März diesen Jahres in St. Gallen gegen den Churer Bischof Vitus Huonder. Sie werfen ihm Ausgrenzung und Diskriminierung von Katholiken vor, die nicht seiner konservativen Linie entsprechen. Am letzten Montag nun trafen sich Delegationen der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) und der Allianz «Es reicht!», welche zur Demo aufrief, zu einem Gespräch. In der SBK-Delegation war Bischof Huonder nicht vertreten. Auf das nach dem Gespräch an die Medien verschickte Communiqué reagierte das Bistum Chur beleidigt: Der Bischof von Chur wünsche eine «Beteiligung» bei einem Communiqué, das ihn betreffe, heisst es darin.
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9. März-Demo «Es reicht!» auf Facebook >>

Medienmitteilung zur «Es reicht!- Kundgebung am 9. März in St. Gallen (Forderungen und Ansprachen) >>




Neben der Kritik an Bischof Huonder fordert die Allianz "Es reicht!" die Eucharistische Gastfreundschaft:


Offener Brief der Allianz «Es reicht!» an die Mitglieder der Schweizerischen Bischofskonferenz
Sehr geehrte Bischöfe
Die Allianz «Es reicht!» bittet die Bischofskonferenz von der Veröffentlichung des geplanten Grundsatzpapiers «Normen zum Empfang der Eucharistie» abzusehen.
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Kirche soll gastfreundlich bleiben
Die Allianz «Es reicht!» hat einen offenen Brief an die Bischofskonferenz verfasst. Diese soll das bereits erstellte Grundsatzpapier «Normen zum Empfang der Eucharistie» nicht veröffentlichen. Die Theologin Regula Grünenfelder nennt den Grund.
Tagblatt Online >>

Mittwoch, 10. September 2014

Scheidung mit Gottes Segen

Der reformierte Pfarrer Andrea Bianca
Reformierte und Katholiken nehmen sich der Geschiedenen an – damit nicht noch mehr Mitglieder austreten.

Mit leiser Stimme spricht Andrea Bianca (53) ein Gebet am Altar. Dann segnet der reformierte Pfarrer das Paar vor ihm. Auf einen Kuss warten die Gäste vergeblich.Was der Pfarrer aus Küsnacht ZH hier mit einem Gottesdienst feiert, ist keine Hochzeit – sondern eine Scheidung.

«Die Kirche muss nicht nur den Anfang, sondern auch das Ende einer Ehe rituell begleiten», sagt Bianca. Wenn ein Paar auseinandergehe, solle es dies respektvoll tun. Vor allem, wenn es Kinder habe und sich das Sorgerecht teilen soll, wie es seit dem 1. Juli gesetzlich vorgegeben ist.

Der reformierte Pfarrer – er ist selber geschieden – will die Scheidung in der Kirche schweizweit salonfähig machen. «Die reformierten Kirchen können dabei eine Vorreiterrolle einnehmen.» Bianca hat gerade erst an der Universität Bern seine Dissertation zum Thema Scheidungsrituale abgeschlossen.
Fast die Hälfte aller Ehen in der Schweiz wird geschieden. «Die Kirchen können die Augen vor dieser Realität nicht verschliessen», sagt Bianca. «Sie müssen da sein, wo Schmerz ist.»

Deshalb fordert er das Angebot von Scheidungsritualen in allen Kirchen: «Diese Arbeit sprengt die Konfessionsgrenzen. Es gibt heute so viele Mischehen, da kann sich eine Seite nicht verschliessen.»
Tatsächlich: Auch die katholische Kirche will sich künftig verstärkt um Geschiedene kümmern. Die Bischofssynode im Oktober befasst sich im Vatikan mit dem Thema «Ehe und Familie». Im Zentrum steht auch der Umgang mit gescheiterten Ehen: «Ich hoffe, dass es dabei Ermutigendes gibt für die Arbeit mit Geschiedenen», sagt Christoph Casetti, Domherr im konservativen Bistum Chur.

Geschiedene als Aussätzige
Die katholische Kirche tut sich seit Jahrhunderten schwer mit diesem Thema: Schliesslich gilt die Ehe vor Gott für sie als unauflösbar. Wer geschieden ist und neu heiratet, bleibt nach offizieller Lesart des Vatikans von den Sakramenten ausgeschlossen.

«Geschiedene werden heute noch immer zu oft als Aussätzige behandelt», sagt Bischofsvikar Christoph Casetti. Neu sensibilisiert er Priester im Umgang mit dem Thema und hilft Geschiedenen in Seminaren, ihren Platz in der Kirche zu finden.

Weil sich freikirchliche und neureligiöse Gruppierungen zunehmend der Geschiedenen annehmen, fühlen sich die etablierten Kirchen gefordert. Pfarrer Bianca: «Wir müssen jetzt handeln. Sonst verlieren wir die Menschen an andere, weniger seriöse Anbieter.»

Mit seinen Scheidungsritualen machte er überraschende Erfahrungen: «Ich hatte ein Paar, das danach feststellte: Jetzt haben wir unsere Schwierigkeiten verarbeitet: Wir bleiben zusammen!»
Quelle: blick.ch


Homepage von Dr. Andrea Marco Bianca >>


Scheiden vor dem Altar
Bei der Trauung ist die Kirche dabei, bei der Trennung oft abwesend: Ein Scheidungsgottesdienst kann jedoch den Betroffenen enorm über die schmerzliche Zeit hinweg helfen, wie der Berner Theologe Andrea Marco Bianca in seiner Studie herausgefunden hat.
Online-Magazin der Universität Bern vom 11.9.2007 >>


Positionspapier mit praktischen Arbeitshilfen, erarbeitet von der Fachgruppe Kirche des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF und vom Zentralvorstand am 7. Mai 2003 verabschiedet.
Geschieden und wiederverheiratet –
„Du aber stärke deine Schwester!“ (vgl. Lk 22,32)

Aus dem Inhalt:
Scheidungsliturgie für ein Paar in Trennung (Seite 13)
Scheidungsliturgie für eine Frau in Trennung (Seite 15)
Segensfeier für Geschiedene und standesamtlich Wiederverheiratete (Seite 17)
Dieses Positionspapier mit praktischen Arbeitshilfen wurde von der Fachgruppe Kirche des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF erarbeitet und vom Zentralvorstand am 7. Mai 2003 verabschiedet.
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