Freitag, 28. August 2015

Familiensynode: "Der Papst will die Bischöfe offen diskutieren lassen"

Sechs Wochen vor der Familiensynode im Vatikan "Der Papst will die Bischöfe offen diskutieren lassen"
Wenige Wochen vor der Familiensynode im Vatikan sei es schwierig, mögliche Ergebnisse abzusehen, sagt Pater Hagenkord von Radio Vatikan im domradio.de-Gespräch. Ohnehin werde die Diskussion über die katholische Ehe-Lehre noch Jahre andauern.

domradio.de: Auch für den Vatikan ist eine  Bischofssynode keine Alltagsveranstaltung - wie laufen die Vorbereitungen?
Pater Bernd Hagenkord (Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan): Routiniert, würde ich sagen. Man hat ja viel gelernt aus der Bischofssynode vor fast einem Jahr. Es ist ja zum ersten Mal so, dass es zwei Synoden zum selben Thema gibt. Das muss man auch erst einmal lernen. Aber meine Beobachtung ist, dass bei den Vorbereitungen alles im grünen Bereich ist.

domradio.de: Von den Bischofskonferenzen kommen einzelne Bischöfe - auch aus Deutschland. Außerdem kann der Papst noch andere Personen benennen. Wie heikel sind diese Ernennungen?
Pater Hagenkord: Heikel sind sie nicht. Es ist einfach die Frage, wen der Papst da sitzen haben will, wer beraten soll. Die Synode ist ja ein Beratungs- und kein Entscheidungsgremium. Da hat er beim letzten Mal schon einige dazu geholt, wie zum Beispiel Kardinal Kasper. Die Namen für die jetzige Synode sind aber noch nicht bekannt. Die Personen sind sozusagen Zugaben. Ich wäre aber vorsichtig, in die Auswahl schon etwas hineinzuinterpretieren, was der Papst erreichen will. Er will einfach nur deutliche Meinungen bei der Synode haben.  

domradio.de: Sie haben es schon angesprochen: Vor knapp einem Jahr hat es ja eine außerordentliche Bischofssynode zum Familienthema gegeben. Schon da konnte man sehen, dass es schwer ist, die unterschiedlichen Strömungen in der Kirche zu vereinen. Warum versuchen sich jetzt schon einige Bischöfe und Kardinäle so eindeutig zu positionieren?
Pater Hagenkord: Bei einigen sind es Positionierungen, bei anderen sind es einfach Beiträge. Ich finde es gut, dass sehr viele Leute auch sagen, was sie denken - und das auch im Vorfeld in der Öffentlichkeit und nicht im Hinterzimmer tun. So dass es debattiert werden kann und eine breite Debatte daraus wird. Vielleicht hat man in Deutschland damit etwas spät begonnen, nämlich erst im Frühjahr. Egal was das Ergebnis der Synode sein wird: Das Thema wird uns noch in den nächsten zehn Jahren beschäftigen.

domradio.de: Der Vatikan hat im Juni ein Arbeitsdokument für die geplante Bischofssynode über den Umgang der katholischen Kirche mit Ehe, Familie und Sexualität veröffentlicht. Was lässt das für die anstehende Synode vermuten?
Pater Hagenkord: Ich würde sagen, noch nicht so viel. Es sind keine riesen Würfe drin. Das ist ja auch die Idee des Papstes: Er will ja etwas von den Bischöfen, die da kommen werden, hören. Er will den Bischöfen ja kein fertiges Papier vorlegen. Er will die Bischöfe offen und ehrlich diskutieren lassen. Dafür, glaube ich, ist das Arbeitsdokument eine gute Basis, weil es noch nicht die Ergebnisse vorweg nimmt.

domradio.de: Der Papst hat bis jetzt eindeutige Festlegungen zum Thema vermieden. Wird Franziskus sich irgendwann eindeutig positionieren?
Pater Hagenkord:  Spätestens nach der Familiensynode muss er das tun, weil er aus den Ergebnissen ein Dokument erstellen muss. Es gibt ja ein sogenanntes postsynodales Schreiben. Der Vatikan nimmt also die Vorschläge aus der Synode und macht daraus ein Dokument. Spätestens dann wird er seine eigene Stellungnahme auch einarbeiten. Er spricht aber auch schon seit Januar jeden Mittwoch bei der Generalaudienz über Familie. Da spricht er sehr pastoral ohne die Themen vorwegzunehmen. Er möchte die Debatte offen lassen. Er setzt große Stücke auf die Synode.

domradio.de: Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat sich für behutsame Reformen der katholischen Ehe-Lehre ausgesprochen. Wie realistisch ist eine solche Änderung?
Pater Hagenkord: Das kann ich sechs Wochen vor der Synode schlecht einschätzen. Das hängt sehr stark von der Debatte ab und davon, wie viele Themen da gleichzeitig verhandelt werden. Es hängt auch von der Rolle der Experten ab. Und, wie gesagt, es ist mindestens für die nächsten zehn Jahre ein Thema. Die Fragestellungen in Afrika und Indien zum Beispiel sind ja auch andere als bei uns. Das muss auch erstmal kommuniziert werden und ankommen. Das ist mit einem Dokument nicht zu machen.

domradio.de: Medial gesehen wird oft über Wiederverheiratung und Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern diskutiert. Kritiker sehen darin eine Abwertung der traditionellen Ehe. Doch eine konkrete Gefährdung von Familie und Kinder besteht ja vor allem durch Armut und Hunger - wie sehr werden solche Aspekte auf der Familiensynode eine Rolle spielen?
Pater Hagenkord: Wenn man das Maß der letzten Familiensynode nimmt: Da hat es eine wahnsinnig wichtige Rolle gespielt. Es gibt jede Menge Stellungnahmen, zum Beispiel eine von Kardinal Marx, der sagt: Die wahren Gefährder für Familie sind Vertreibung, Armut und Ausbeutung. Leider ist das Thema medial nicht so interessant wie zum Beispiel wiederverheiratet Geschiedene.

Donnerstag, 27. August 2015

Kardinal Levada: Trunkenheit am Steuer

Trunkenheit am Steuer: Polizei verhaftet früheren Papst-Vertrauten

Als Chef-Sittenwächter der katholischen Kirche wachte Kardinal Levada jahrelang über die Reinheit der Lehre. Jetzt geriet er auf Hawaii mit ganz profanen Gesetzen in Konflikt.

Kardinal William Joseph Levada war sieben Jahre lang der oberste Sittenwächter der katholischen Kirche. Der 79-jährige US-Amerikaner amtierte von Mai 2005 bis Juni 2012 als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan - ein enger Vertrauter von Papst Benedikt XVI. Vor drei Jahren trat Levada in den Ruhestand.

Jetzt ist er mit einem Vorfall in die Schlagzeilen geraten, der mit seiner früheren Rolle nur schwer in Einklang zu bringen ist. Auf Hawaii hat ihn die Polizei verhaftet - weil er betrunken Auto gefahren sein soll. Gegen 500 Dollar Kaution kam Levada zunächst wieder frei. Am 24. September muss er sich vor Gericht verantworten.
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Mittwoch, 19. August 2015

Mit Franziskus an die Ränder der menschlichen Existenz

Bischof Erwin Kräutler über Reformen in der Kirche unter Papst Franziskus und über den Kampf für das Überleben der Menschheit.

Nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. haben Sie der Tiroler Tageszeitung gesagt, dass der nächste Papst mit viel Mut Reformen anpacken müsse. Entspricht Franziskus Ihren Vorstellungen?
Erwin Kräutler: Ja sicher! Allerdings gibt es zwei Reformebenen. Die Kurienreform ist eher nach innen gerichtet. Festgefahrene Strukturen zu ändern war nie einfach. Die Alteingesessenen schreien gleich einmal: „'S war immer so!“
In Bezug auf die Weltkirche ist Franziskus auch an Vorgegebenheiten gebunden. Es ist für ihn gar nicht einfach, die Weichen im Alleingang von heute auf morgen zu verstellen. Deshalb will der Papst, dass die Bischöfe sich einbringen, und er ruft sie auf, konkrete, mutige Vorschläge zu machen.
Ich bin überzeugt, dass viele Reformen vom Mut der Bischofskonferenzen abhängen, diese vorzuschlagen und auch mitzutragen. Franziskus weitet diese Dimension noch aus und lässt in allen Diözesen Umfragen zu bestimmten Themen durchführen.

Sie haben an der Enzyklika „Laudato si“ mitgearbeitet, in der es im Wesentlichen um Ökologie geht. Was ist für Sie die Kernaussage dieses 200-Seiten-Dokuments?
Kräutler: Meine Mitwirkung hat sich auf Amazonien und die indigenen Völker beschränkt, und ich bin dankbar, dass diese Themen ganz klar zur Sprache kommen.
In der Enzyklika geht es um einen Aufruf an die Weltgemeinschaft, endlich den besorgniserregenden Zustand des Planeten Erde ernst zu nehmen und Wege zu finden, dieses unser gemeinsames Haus auch für die zukünftigen Generationen bewohnbar zu erhalten. Es geht um das Überleben der Menschheit. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Enzyklika die Überzeugung, dass unsere Sorge unserer Mitwelt gehören muss, der Welt, in der und mit der wir leben und für die wir verantwortlich sind. Der Papst räumt auch mit einer Fehlinterpretation von Genesis 1,28 „Macht euch die Erde untertan“ auf. Es geht nicht um Unterwerfung, sondern um Sorge für das anvertraute Gut.

Was kann „Laudato si“ bewirken? Sehen Sie eine realistische Möglichkeit, dass die Enzyklika über den Kreis der katholischen Insider hinaus Einfluss auf Wirtschaft und Politik nimmt?
Kräutler: Wir alle erhoffen uns genau das. Die Enzyklika ist ein Lehrschreiben, das die ganze Welt angeht. Erderwärmung, Klimawandel, Abfall- und Wegwerfkultur und Verschlechterung der Lebensqualität sind Probleme, die die gesamte Menschheit betreffen. Der Verlust biologischer Vielfalt ist ein weltweites Problem. Mit der Ausrottung auch nur einer einzigen Spezies geht jedes Mal unwiderruflich ein Stück von uns selbst verloren. Das Sterben unserer Mitwelt bringt uns selbst den Tod.
Der Papst hat den Mut, Politikern und Wirtschaftsverantwortlichen ins Gewissen zu reden, die nicht aufhören, ein System zu rechtfertigen, in dem ein Streben nach finanziellem Ertrag vorherrscht. Kritische Stimmen waren zu erwarten, die den Papst sozusagen in die Sakristei der Petrusbasilika in Rom verbannen wollen. Leute, die so reden, haben die Enzyklika nicht oder nur oberflächlich oder voreingenommen gelesen.
Das Datum der Veröffentlichung der Enzyklika (18. Juni) war so gewählt, dass das Schreiben vor der Sommerpause die Mächtigen der nördlichen Halbkugel erreicht, ganz sicher auch im Hinblick auf die UNO-Klimakonferenz in Paris Ende November.

Der Papst hat gerade auf seiner ersten Südamerika-Reise eine Art Heimspiel absolviert. Was bedeutet es für Europäer, dass das Bild der Weltkirche immer weniger europäisch aussieht?
Kräutler: Schon die Wahl eines Lateinamerikaners zum Papst war für die Kirchen in Europa ein heilsamer Hinweis, dass unsere Kirche eben „katholisch“ ist — das meint im Griechischen „umfassend“ oder „weltumspannend“. In Lateinamerika leben heute 41 Prozent der Katholiken. Schon deshalb war es naheliegend, einen Papst aus diesem Kontinent zu wählen. Aber ich bin überzeugt, dass nicht die Statistiken den Ausschlag gegeben haben, sondern dass die wahlberechtigten Kardinäle sich neue Impulse für die Weltkirche erwartet haben.
Vor allem sein Stil hat Papst Franziskus über alle konfessionellen Grenzen hinweg sympathisch gemacht. Schon bei seinem ersten schlichten „Buona sera“ kurz nach seiner Wahl hat er mit der Auffassung aufgeräumt, der Papst sei so etwas wie ein Halbgott. Bei einer Privataudienz und im Haus Santa Martha habe ich seine einfache, brüderlich-väterliche Art selber erlebt.
Aber es geht nicht nur um Gesten, sondern vielmehr um seine Botschaft. Im Vor-Konklave sagte der damalige Kardinal-Erzbischof von Buenos Aires Worte, die sicher auf die Kardinäle so nachhaltig wirkten, dass sie ihn wenige Tage später zum Papst wählten: „Evangelisierung setzt in der Kirche Parrhesia (Wagemut, Kühnheit, Furchtlosigkeit) voraus. Sie ist aufgerufen, aus sich herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz.“
Quelle: Tiroler Tageszeitung >>

Dienstag, 18. August 2015

Die Stationen des liberalen Protestantismus


Liberaler Protestantismus (Teil 1) - Lessing und die Theologie der Aufklärung
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 04.08.2015)
Philosophen und Theologen der Aufklärungszeit waren überzeugt, dass sich die Menschheit stetig zum Positiven hin entwickelt, wenn sie ihr Handeln durch die Vernunft lenken lasse. Diese Vorstellung teilte Gotthold Ephraim Lessing in seinem Werk "Erziehung des Menschengeschlechts". Er grenzte sich aber auch gegen die radikale Rationalisierung der Religion durch manche Aufklärer ab.

Liberaler Protestantismus (Teil 2) - Schleiermacher und der Beginn der liberalen Theologie
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 05.08.2015)
Friedrich Schleiermacher (1768-1834) wird als evangelischer Kirchenvater des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Nach seinem neuen Verständnis von Religion als "Sinn und Geschmack für das Unendliche" ist Religion weder ein Wissen noch ein Tun. Er setzt an die Stelle der objektiven kirchlichen Lehrsätze eine moderne Erfahrungstheologie.

Liberaler Protestantismus (Teil 3) - Adolf von Harnack und die Kritik der kirchlichen Dogmen
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 06.08.2015)
Adolf von Harnack (1851 – 1930) war international der bedeutendste Vertreter des liberalen Protestantismus. Sein Hauptwerk "Das Wesen des Christentums" gilt bis heute als Grundschrift liberaler kulturprotestantischer Theologie.

Liberaler Protestantismus (Teil 4) - Ernst Troeltsch und die Religionsgeschichtliche Schule
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 07.08.2015)
Ernst Troeltsch, evangelischer Theologe und Kulturphilosoph, gilt als der Systematiker der religionsgeschichtlichen Schule, deren Vertreter für einen konsequenten Historismus in der theologischen Forschung eintraten. Troeltsch setzte sich dafür ein, die Substanz des Christentums zu bewahren, um sie mit der intellektuellen Form der Moderne zu versöhnen.

Montag, 17. August 2015

Grundzüge einer zeitgemäßen Deutung des Islams


Professor Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster hat erstmals für den deutschsprachigen Raum eine zeitgenössische islamische Theologie vorgestellt. Er zeigt, wie der Islam aus sich heraus, nicht von außen, zu einem Selbstverständnis kommen kann, das eine grundsätzliche Wende hin zu einer Theologie eines barmherzigen Gottes vollzieht.

In vier Themensendungen werden auf Deutschlandfunk die Diskussionsrunde online und als Audio-on-Demand-Beiträge abbilden.

Montag, 20.07.2015
Der barmherzige Gott (Teil 1)

Dienstag, 21.2015
Theologische und situationsbezogene Aussagen im Islam (Teil 2)

Mittwoch, 22.2015
Der Islam als immerwährende Reform (Teil 3)

Donnerstag, 23.2015
Religionsfreiheit im Islam (Teil 4)


Olivier Roy über den Säkularismus
Religion auf dem Rückzug
In muslimischen Ländern scheinen religiöse Extremisten die Szene zunehmend zu dominieren. Der Islam-Experte Olivier Roy konstatiert dennoch auch dort eine Ausdifferenzierung der Glaubenslandschaft.
NZZ >>

Freitag, 14. August 2015

Kardinal Lehmann: Nachdenkliches zum Kirchenaustritt


Kennst Du Deine Kirche? - Nachdenkliches zum Kirchenaustritt
Kolumne von Kardinal Lehmann in der Kirchenzeitung "Glaube und Leben"
Immer wieder stoßen wir auf traurige Nachrichten um und über die Kirche. Sie werden manchmal auch genüsslich breitgetreten. Dies gilt z.B. auch für die Veröffentlichung der Kirchenaustritte im vergangenen Jahr. Wir hatten vom Bistum Mainz her in dieser Zeit eine Rekordzahl mit 8.885 Austritten - die höchste Zahl, die wir bisher hinnehmen mussten. Es ist kein großer Trost, wenn andere vergleichbare Bistümer einen ähnlich großen Aderlass erfahren mussten.

Auf dem bisherigen Höhepunkt der Austritte war in unserem Bistum eine Zahl über 8.000 im Zusammenhang der schlimmen Ereignisse von sexuellem Missbrauch zu verzeichnen. Die Austritte sind dann zurückgegangen und haben sich längere Zeit bei ca. 4.000 eingependelt. Immer noch zu viel. Die Ereignisse um Bischof Tebartz-van Elst in Limburg ließen die Zahlen wieder steigen. Schließlich haben wir nicht nur eine lange Grenze zu unserem Nachbarn, sondern im Rhein-Main-Gebiet auch viele Gemeinsamkeiten in der gesellschaftlichen Atmosphäre.

Als die Zahl sank, beruhigten wir uns nicht einfach. Immer wieder habe ich auch die Gattung „Österlicher Hirtenbrief" benutzt, um z.B. zu fragen „Kirche - wohin gehst du?" (2009). Ausführlich beschäftigte ich mich 2011 in einem umfangreichen Text mit dem „Kirchenaustritt" und gab auch mehrere positive Beiträge prominenter Christen und Theologen von heute wieder: Warum ich in der Kirche bleibe. Wir haben auch schmerzliche Vergehen, ja sogar Skandale nicht geleugnet oder gar vertuscht. Wir sind vielen Forderungen nachgekommen in der Offenlegung kirchlicher Finanzen, haben ausführlich dargelegt, was wir mit unseren Einnahmen für die Menschen im Bistum und in aller Welt tun. Gewiss hat uns auch eine Änderung des Einzugs mancher Kirchensteuerarten („Kapitalertragsteuer") Mitglieder gekostet, obgleich es keine zusätzliche Steuer war oder diese erhöht wurde.

Es gibt in dieser Frage rasch wandelnde Stimmungen. Dies ist sicher etwas Neues. Gewiss gab es sie in unterschiedlicher Intensität schon länger. Aber es gibt einen zeitlich nicht leicht festlegbaren Wandel in den letzten Jahrzehnten: Früher war es eher verpönt, die Frage nach dem Kirchenaustritt bei Zusammenkünften zu stellen. Irgendwo gab es einen Umschlag, bei dem die Frage oft lautete: „Was, Sie sind noch in der Kirche?" Manchmal wurde es geradezu chic, seine Aufgeschlossenheit und Modernität durch den Kirchenaustritt zu beweisen.

Ich bitte um Verständnis: Ich weiß gut um die Ärgernisse in der Kirche und will sie nicht wegwischen. Ich habe auch oft gegen sie gekämpft und, wenn es sein musste, entlarvt. Ich weiß auch als Theologe um den Riss in der zugleich heiligen und sündigen Kirche von oben bis unten, der Menschen enttäuscht und bis zum Verlassen der Kirche ärgert.

Ich möchte aber auch einen ehrlichen Umgang mit dem Kirchenaustritt. Wir haben im Unterschied zu vielen Ländern der Welt Religionsfreiheit, die den Kirchenaustritt als reale Möglichkeit mit sich bringt. Es gibt auch persönliche Lebensentscheidungen, die wir in jedem Fall zutiefst bedauern, aber auch als freie Entscheidung achten wollen. Die Kirchenaustritte sind aber auch genauer demoskopisch und soziologisch untersucht. Manche ärgern sich spontan über Papst, Bischöfe und Pfarrer. Manche von ihnen kehren wieder zurück. Es gibt aber sehr oft ein stilles sich Distanzieren von der Kirche, die man einfach nicht mehr kennt. Der regelmäßige Gottesdienstbesuch, bei dem man immerhin regelmäßig über die Kirche erfährt, ist bis auf zehn Prozent zurückgegangen (auch bei uns in Mainz z.Zt. auf 9,8 %). Woher haben die Menschen Kenntnis von „ihrer Kirche"? Wer nur die gesellschaftliche Mehrheitsmeinung kennt, kann auf die Dauer kaum mehr in der Kirche bleiben. Man braucht eine gegenläufige Erfahrung, die man fast nur im Leben mit einer Gemeinde oder in einer Gemeinschaft machen kann. Hier sieht manches anders aus. Wir sehen auch heute wieder, wie viel zum Beispiel an Flüchtlingshilfe in unseren Gemeinden geleistet wird.

Deswegen möchte ich gerne jeden, der austrittswillig ist oder auch schon ausgetreten ist, fragen: Kennst du deine Kirche, die du verlassen möchtest oder der du schon den Rücken gekehrt hast?

Quelle: Bistum Mainz >>

Kommentare:

Katholische Kirche: Keiner kümmert sich um die verlorenen Seelen
Warum treten Menschen aus der Kirche aus? Die katholischen Bischöfe haben dazu wenig gesagt – außer Kardinal Lehmann
Südkurier >>

Kardinal Lehmann über Kirchenaustritte in Mainz
Entfremdung
Kardinal Karl Lehmann führt den dramatischen Anstieg der Kirchenaustritte im Bistum Mainz im vergangenen Jahr vor allem auf ein "stilles Sich-Distanzieren" der Katholiken von der Kirche zurück.
domradio.de >>

Donnerstag, 13. August 2015

Bischof Büchel plädiert für einen zeitgemässen Umgang mit Homosexualität

Homosexualität
Bischof Büchel reagiert auf Bischof Huonder
fsr. Nach den umstrittenen Aussagen des Bischofs von Chur plädiert der Bischof von St. Gallen für einen unvoreingenommenen Umgang mit der Homosexualität. Es gehöre zur Beachtung der Menschenwürde, eine Person und ihre Beziehungen nicht auf die Sexualität zu reduzieren, schreibt Bischof Markus Büchel in einem Brief an die Seelsorgerinnen und Seelsorger seines Bistums. Der Schlüssel zu einer zeitgemässen Interpretation von biblischen Aussagen seien die Zuneigung und die Liebe zum Nächsten, die in der Botschaft Jesu im Vordergrund stünden. «Unser heutiges Wissen um die Homosexualität als Anlage und nicht frei gewählte sexuelle Orientierung war zur Zeit der Bibel gar nicht bekannt», heisst es in dem Schreiben, das auf dem Portal kath.ch abrufbar ist. Nicht die sexuelle Neigung sei entscheidend, sondern der verantwortungsvolle Umgang mit Sexualität und allen anderen Dimensionen in einer Beziehung. Büchel, der auch Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz ist, erklärt zudem, die Kirche müsse sich den «historischen Lasten im Umgang mit der Homosexualität bewusst stellen und eine neue menschen- und sachgerechte Sprache finden».
NZZ >>

Brief von Bischof Büchel an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge >>

Bischof von Lausanne
«Homosexualität ist weder Verbrechen noch Sünde»
Auch der Lausanner Bischof Charles Morerod geht auf Distanz zu seinem Churer Kollegen Vitus Huonder – und wehrt sich gegen eine fundamentalistische Auslegung des Alten Testaments.
NZZ >>

Bistum Chur
Bischof ohne Volk
Bischof Huonders provokative Äusserungen lösen Empörung aus. Am wenigsten allerdings bei den Zürcher Katholiken. Sie haben sich schon lange abgewandt.
NZZ >>
Schweizer Bischof Huonder wettert gegen Homosexuelle
Der Schweizer Bischof Vitus Huonder hat sich erneut gegen Homosexualität ausgesprochen. Bei einem Vortrag am Freitag zitierte er eine Bibelpassage, worin Homosexuelle mit dem Tode bestraft werden.
Religion.orf.at >>

Schweizer Bischof griff erneut Schwule an
Huonder liefert Rundumschlag gegen Gendertheorien, Scheidung, Sexualkunde und Homoehe.
KURIER >>