Sonntag, 31. Juli 2011

Brot sein


Es war Abend geworden. Die vielen Menschen, die nach einem langen Marsch und einem langen Tag hungrig dastanden. Jesus zu den Jüngern: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Darauf die Antwort: „Wir haben doch nur fünf Brote und zwei Fische!“ Und wieder Jesus: „Bringt sie her!“

In der Welt scheint es Abend zu werden. Die vielen Menschen, die nach Glück und Sinn hungern, lebensmüde und traurig sind. Jesus zu uns: „Macht sie glücklich!“ Unsere Antwort: „Wir haben doch nur zwei Augen, zwei Ohren und einen Mund. Wir haben doch nur zwei Hände!“ Und Jesus: „So seht mit den zwei Augen die Not, hört mit den zwei Ohren das Leid und sprecht mit dem einen Mund ein gutes Wort. Die zwei Hände aber streckt helfend aus.“ Dann werden Menschen auch heute glücklich. Wie damals Menschen satt wurden.

aus einem Fastenkalender, in: Lebendig ist das Wort,
Impuls- und Meditationstexte zur Bibel,
Haus der Stille-Heiligenkreuz, 2000, 159.


Samstag, 30. Juli 2011

Neuordnung von Priesterrat und Dechantenkonferenz ist Scheingefecht

In den Amtlichen Mitteilungen der Diözese Eisenstadt vom 25. Juni 2011 ist zu lesen, dass der hochwst. Herr Diözesanbischof zum Zweck der Neuordung des Priesterrats und der Dechantenkonferenz der Diözese Eisenstadt am 10. Juni 2011 das folgende Dekret erlassen hat:

"Im Hinblick auf die spezifischen Aufgaben und Ziele der unterschiedlichen Beratungsgremien des Diözesanbischofs, zur Stärkung der priesterlichen Gemeinschaft und zum Wohl der Seelsorge in unserer Diözese, verfüge ich hiermit die Trennung der mit 1. Juni 2000 durchgeführten Vereinigung der Gremien Priesterrat und Dechantenkonferenz der Diözese Eisenstadt. Zugleich setzte ich mit gleichem Datum die bisherige Wahlordnung dieses gemeinsamen Gremiums außer Kraft und verfüge, dass zum nächstmöglichen Zeitpunkt gemäß der neuen Wahlordnung - bei der gemäß den Normen des kanonischen Rechts und den Vorschriften der Österreichischen Bischofskonferenz alle Gruppen von Priestern der Diözese Eisenstadt wirken, berücksichtigt werden mögen - ein Priesterrat in der Diözese Eisenstadt gewählt wird, der sich umgehend konstituieren möge und sich gemäß den Normen des kanonischen Rechts ein Statut geben soll.
Hinsichtlich der Dechantenkonferenz möge die Dekanatsordnung der Diözese Eisenstdadt dahingehend überarbeitet werden, dass die Angelegenheiten der Bestellung der Dechanten sowie des Statuts und der Geschäftsordnung der Dechantenkonferenz als selbstständiges Gremium dort rechtmäßig geregelt sind.
Bei all diesen Maßnahmen möge darauf geachtet werden, dass die Anzahl der Mitglieder dem möglichst wirkungsvollen Erreichen der Aufgaben und Ziele der jeweiligen Gremien dient, die Abläufe einfach bleiben sowie die Anzahl der Zusammenkünfte insgesamt möglichst gering sein sollen.
Alles zur höheren Ehre Gottes!
+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Hintergrund:
CIC, can 495 ff: PRIESTERRAT UND KONSULTORENKOLLEGIUM >>

Kommentar zur "Neuordnung":
  1. Ein ganzes Arbeitsjahr lang hat es den verpflichtenden  Priesterrat nicht gegeben.
  2. Das bestehende Beratungsgremium "Priesterrat und Dechantenkonferen" wurde in zwei Gremien getrennt "zur Stärkung der priesterlichen Gemeinschaft und zum Wohl der Seelsorge".
    Mit demselben Argument wurden sie im Jahre 2000 zusammengeführt. Denn einerseits sind die Gremien "nur" beratend und nicht wirklich entscheidungsbefugt, andererseits sind ihre Aufgaben sehr ähnlich: sie sollen dem Wohl der Diözese dienen. Und Priester, die sich neben einer Großraumseelsorge auch noch überregional oder dekanatsmäßig engagieren wollen, werden immer rarer.
  3. Diese Trennung der Gremien und ihre Neuordnung ist zunächst nur ein Scheingefecht, ein Vortäuschen einer Geschäftigkeit, die sich auf Seelsorge und die Verkündigung des Evangeliums nicht wirklich auswirken wird.
  4. Wenn man das Kirchenrecht überfliegt, fällt auf, dass der Bischof vor Entscheidungen relativ oft den Priesterrat anhören müsste. Das hat bis jetzt unter dem neuen Bischof nicht stattgefunden. Es wird interessant, wer die Mitglieder des neuen Priesterrates sein werden.
  5. Ein besonders großes Anliegen dürfte dem Bischof allerdings der Dialog und die Beratung mit dem Priesterrat nicht sein, wenn er verordnet, dass "die Anzahl der Zusammenkünfte insgesamt möglichst gering sein sollen."

Blog-Archiv:
Neuer Kirchlicher Standesausweis ohne Gremien

Freitag, 29. Juli 2011

Bischofs-Brief erzürnt Pamas Gläubige

"Die Kirche im Burgenland kommt seit der Ernennung von Ägidius Zsifkovics zum Diözesanbischof einfach nicht zur Ruhe," heißt es in einem Beitrag in der Zeitschrift NEWS vom 28.07.2011. Die ganzen Ereignisse und Entscheidungen des letzten Jahres bestätigen leider diese Aussage.

Neben den bisher bekannten Pfarren melden sich jetzt auch die Gläubigen von Pama zu Wort: "Bei uns gibt es keine Probleme - das einzige Problem sind die einsamen Entscheidungen des Bischofs."
Auch in Gemeinden von denen bisher noch nichts in der Öffentlichkeit bekannt war - nämlich in  St. Michael und Strem - führt die Neubesetzung der Pfarre zu Unmut sowie Protesten und einer Unterschriftenaktion. Und immer wieder wird beklagt, dass es keinen Dialog gibt und die Gläubigen und Pfarrgemeinderäte in den Pfarren "überfahren" werden.


Donnerstag, 28. Juli 2011

Minister hält Brief an die Gläubigen für bedenklich

Schon beim Amtsantritt von Bischof Ägidius Zsifkovics riefen Umbesetzungen auf oberster Diözesanebene Kritiker auf den Plan. Jetzt protestieren Gläubige in mehreren Gemeinden des Landes gegen die geplanten Versetzungen einzelner Pfarrer. In Lockenhaus wurden nicht nur Unterschriften gesammelt, sondern auch eine Gemeinderats-Resolution verabschiedet. In Hornstein wurde aus Protest sogar ein Dorffest abgesagt.

Zum ganzen Beitrag in der BVZ >>

Mittwoch, 27. Juli 2011

Starke Sätze aus der Bibel auf 700 Plakaten


Diözese St. Pölten startet „Sommerkampagne 2011“ mit starken Bibelworten .Starke Sätze aus der Bibel sind ab sofort bis Mitte August auf über 700 Plakatflächen im gesamten Diözesangebiet zu sehen. Bei einer Pressekonferenz in der Filiale der Bäckerei Hager im Schwaighofcenter stellten Bischof DDr. Klaus Küng, Projektleiter DDr. Fritz Brunthaler, Mag. Erwin Pundy von der Raiffeisen Holding NÖ – Wien und Reinhard Bösenkopf von der Agentur Cayenne die diesjährige diözesane „Sommerkampagne“ vor.
Zum ganzen Beitrag >>

Friedrich Griess hat der Diözese St. Pölten geschrieben und vorgeschlagen, auch die folgenden Sätze aus der Bibel zu plakatieren:
"Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein ..." (Mt 20, 25).

"Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr aber alle seid Geschwister. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen, denn nur einer ist euer Lehrer, Christus....." (Mt 23, 8-10).

„Wir wollen ja nicht Herren über euren Glauben sein, sondern wir sind Helfer zu eurer Freude; denn im Glauben seid ihr fest verwurzelt.“ (2 Kor 1,24)

Über den Bischof: "Er soll ein guter Familienvater sein und seine Kinder zu Gehorsam und allem Anstand erziehen. Wer seinem eigenen Hauswesen nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen?" (1 Tim 3, 4-5; ähnlich Tit 1, 6).

"Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr seid alle 'einer' in Christus Jesus" (Gal 3, 28).

"Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten" (Mt 9, 12; ähnlich Mk 2, 17).

"Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs. Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen." (Mt 5, 34-37)

"Legt deshalb die Lüge ab und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden." (Eph 4, 25)

Dienstag, 26. Juli 2011

Minister gegen Bischof: Die Kontroverse geht in die 2. Runde

Kurier vom 26.07.2011:


Priesterversetzung erzeugt Unmut
Pfarrerumbesetzung in Nikitsch: Menschen steigen auf die Barrikaden; Minister Darabos verlangt eine Erklärung
Die Großgemeinde Nikitsch kämpft um den Verbleib ihres allseits beliebten Pfarrers Marko Jukic, der ab 1. September die Pfarren Güttenbach und Neuberg leiten soll.
NIKITSCH (EP). Auf Unverständnis stößt die Entscheidung nicht nur bei der Bevölkerung, auch Bürgermeister Johann Balogh (SPÖ) ist entsetzt. „Es ist eine bodenlose Frechheit, was sich der Bischof hier erlaubt. Ohne die Bevölkerung zu informieren, wird Pfarrer Jukic abgezogen. Gegen diese Entscheidung müssen wir uns geschlossen zur Wehr setzen.“
Weiter in Mein Bezirk Oberpullendorf >>

Diözese Eisenstadt weist Kritik an Bischof Zsifkovics zurück
Die Diözese Eisenstadt hat sich am Freitag zur öffentlichen Kritik an Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics zu Wort gemeldet. Sie verteidigt dabei die Neubesetzungen in mehreren burgenländischen Pfarren.
Weiter auf Religion.ORF.at>>

Bischofsvikar P. Stefan Vukits nimmt zu den personellen Veränderungen in der Diözese Eisenstadt Stellung
Im Hinblick auf den größerwerdenden Priestermangel und die Verwirklichung schon länger geplanter Seelsorgeräume kommt es auch in einigen kroatisch- und zweisprachigen Pfarren der Diözese Eisenstadt zu personellen Veränderungen. Diese mit 1. September erfolgenden Versetzungen sind kein Novum im Leben einer Diözese, sie sind nicht die einzigen Veränderungen im kommenden Arbeitsjahr und auch nicht an der Person des neuen Bischofs festzumachen. Sämtliche Entscheidungen beruhen auf Beratungen und Beschlüssen der Personalkommission.
In der Diözese Eisenstadt gibt es 172 Pfarren, davon 36 kroatisch- bzw. gemischtsprachige, die alle ein Recht auf eine gediegene Seelsorge haben. Kein Priester ist auf eine Pfarre geweiht, sondern auf eine Diözese oder einen Orden. Mit seinem „Hier bin ich!“ stellt er sich bei der Priesterweihe in den Dienst seines Ordens bzw. der ganzen Diözese.
Um die Seelsorge in der gesamten Diözese mit den vorhandenen personellen Möglichkeiten gewährleisten und auf die Erfordernisse in den Pfarren eingehen zu können, sind daher bisweilen auch auf den ersten Blick unpopuläre Maßnahmen notwendig. Jeder Priester ist für die ganze Diözese geweiht. Wenn es notwendig ist, müssen wir in eine andere Pfarre gehen, damit die Seelsorge in der ganzen Diözese gut organisiert ist. Wichtig ist es, dass wir eine Kirche sind und dass die Grenzen der Pfarre nicht die Grenzen der Kirche sind. Als Katholiken müssen wir die ganze Kirche im Blick haben.
Dabei ist es verständlich und nachvollziehbar, dass ein überraschender Wechsel bei den Gläubigen Verunsicherung, Trauer oder Enttäuschung auslöst.

Es soll festgehalten werden, dass die Versetzung dieser Priester in keinster Weise eine Bestrafung ist, wie dies in den vergangenen Tagen gelegentlich darzustellen versucht wurde, und sich auch nicht gegen die betroffenen Pfarren richtet. Es sei vielmehr diesen Priestern für ihren bisherigen Dienst, ihre Sorge für den Glauben und die Kirche und ihren Einsatz und ihr Engagement und den Pfarren für ihre gute Zusammenarbeit gedankt.
Wir bitten die Gläubigen, diese Entscheidungen anzunehmen, auch wenn sie bei ihnen vielleicht Unverständnis und Wehmut auslösen. Es ist dies ein Einschnitt ins bisherige Pfarrleben und ein Schritt ins Ungewisse. Zugleich ist es - bei allen Schwierigkeiten, die ein Neuanfang mit sich bringen kann - eine Chance, Neues zu entdecken und wachsen zu lassen.
Quelle: martinus.at

Das verlassene Imperium

Gastbeitrag von Peter Pawlowsky:

Das verlassene Imperium
Über den Ausstieg Roms aus der Kirchengeschichte

Der Titel, ich gebe es zu, ist gestohlen. So nannte Werner Raith, der unermüdliche Altphilologe und Journalist, 1982 eines seiner zahlreichen Bücher und gab ihm den Untertitel: „Über das Aussteigen des römischen Volkes aus der Geschichte“.

Rom, ehemals Zentrum eines Weltreichs, hat seine politische Weltgeltung längst verloren. Nur der Papst versteht sich noch als Kaiser einer weltweiten Institution, die von Rom aus regiert wird. Kein Monat vergeht, und wir werden mit neuen Weisungen überrascht. Bischöfe werden reglementiert und abgesetzt, Frauen in die Schranken gewiesen, alte Riten neu eingeschärft, vatikanische Gerichte entscheiden über Ehen und Exkommunikationen.  

Anmaßung der Befehlsgewalt
So ist schon einmal Rom aus der Geschichte ausgestiegen. Nicht der viel beschworene Sittenverfall war die Ursache. (Wäre es so gewesen, hätten schon die Renaissance-Päpste mit ihren Konkubinen das Ende der römischen Kirche bedeutet.) Vielmehr erwies sich das römische Imperium zunehmend als unregierbar. Immer strengere Gesetze und die Anmaßung zentraler Befehlsgewalt vertrieben die interessierten Schichten aus der Mitverantwortung. Ein unpolitisches Biedermeier war den damaligen römischen Aristokraten lieber, sie meldeten sich ab und überließen die Staatsgeschäfte willfährigen Abgesandten der Zentrale. So auch im heutigen römisch-katholischen Imperium. Volksbeteiligung, auch des Volkes Gottes, ist unerwünscht, Bischof wird nur, wer sich als Statthalter Roms versteht. In den Priesterseminaren wächst eine Generation heran, die von der Bedeutung des ehelosen Amtes und seinem Vorrang vor dem Volk der Laien zutiefst überzeugt ist. 

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist absehbar. Den Reformbewegungen ist die Lust auf Revolutionen vergangen, neue Dekrete aus Rom werden achselzuckend ignoriert. Längst wissen die Bischöfe, dass sie nicht mehr Herren der Lage sind, dass Priester nicht im Zölibat, Gemeinden nicht nach amtlicher Vorschrift leben, dass ihre Liturgie römische Vorschriften missachtet und das Abendmahl mit Christen anderer Konfessionen geteilt wird. Das bedeutet, dass die gesamte Amtskirche ohne Boden unter den Füßen arbeitet, dass sich ein abgehobenes System um seine Selbsterhaltung kümmert, während die Christen und Christinnen, denen der Glaube noch etwas bedeutet, sich anderswo Orientierung suchen.  

Eine Kirche, die es nicht mehr gibt.
Noch eine Parallele gibt zu denken. Ein schönes Beispiel liefert Constantius II. (317-361). Er war als Kaiser nicht in Rom angetreten, weil er den politischen Schwerpunkt des Reiches schon nach Konstantinopel verlegt hatte. Aber in die alte Hauptstadt reiste er, um gefeiert zu werden, weil sich die Römer auf die Gestaltung prachtvoller Triumphzüge verstanden. Wo die Macht abnimmt, wird zunächst gefeiert. Heute folgen diesem Rezept die triumphalen Papstreisen, zuletzt nach England, Spanien und Kroatien, demnächst nach Deutschland: Auftritte vor jubelnden Massen, die über die schwindende Bedeutung des römischen Führungsanspruchs hinwegtäuschen, und ohne Kontakt mit den realen Problemen der Menschen.  

Rom als Zentrale der Christenheit hat vor 1000 Jahren den Osten, vor 500 Jahren den Norden verloren, aber aus diesen Fehlleistungen nichts gelernt. Heute verliert das Imperium seine prägende Macht nicht mehr durch dramatische Abspaltungen, sondern durch eine lautlose Auswanderung. In den Ländern, wo dies möglich ist, treten die Menschen aus der Kirche aus, in anderen Ländern leben sie, als wären sie ausgetreten, nach ihren eigenen Regeln und Ansichten. Das Imperium wird verlassen und der hierarchische Einfluss verkommt zur  Illusion.  

Sagte ein österreichischer Bischof zum Abt eines österreichischen Stiftes (die Namen sind der Redaktion bekannt): „Rom regiert eine Kirche, die es gar nicht mehr gibt.“ 

in: Quart 2/2011

Montag, 25. Juli 2011

Vatikan beruft Botschafter aus Irland ein

Nach heftiger Kritik des irischen Parlaments und des Premierministers Enda Kenny an der Rolle der katholischen Kirche in der Aufarbeitung von Kindesmissbrauch beruft der Vatikan nun seinen Nuntius Giuseppe Leanza ein. Erzbischof Leanza sei zur Rücksprache in den Vatikan beordert worden.
Nach Berichten von Radio Vatikan reagierte der Heilige Stuhl damit auf die Veröffentlichung des Cloyne-Berichts und vor allem auf die nachfolgenden harschen Vorwürfe Kennys.

ORF >>

Ziele des norwegischen Terroristen...

In unseren Nachrichten hörte man bisher wenig über die Beweggründe des norwegischen Terroristen Anders Behring Breivik, außer dass er der christlich fundamentalistischen bzw. politisch rechten Szene zuzuordnen sei.

Laut der norwegischen Tageszeitung
"Aftenposten" >>  h
at derTerrorist, kurz bevor am Freitag in Oslo die Bombe hochging, ein 1500 Seiten langes Manifest an finnische Poltiker geschickt. Am Ende dieses Manifest stellt er eine Reihe von Forderungen für Europa auf (Quick List Suggestions):
  • Dafür sorgen, dass muslimische Länder sich keine Atomwaffen und andere Massenvernichtungswaffen beschaffen.
  • Im Westen die Demokratien abschaffen und durch administrative Monarchien oder Republiken ersetzen. Massendemokratien funktionieren nicht, wie sich erwiesen hat.
  • Eine Strategie einführen, um die Einwohnerzahl zu erhöhen, zum Beispiel durch Verbot der Abtreibung.
  • Die Kirche soll größeren Einfluss bekommen.
  • Einführung der Todesstrafe nach der dritten Verurteilung.
  • Drogensüchtige sollen in eigene Lager geschickt werden, wo sie keinen Zugang zu härteren Drogen erhalten.
  • Marxisten sollen von ihren politischen Auffassungen umgeschult werden. Außerdem sollen Gruppen, die von solchen Gedanken angesteckt sind, sechs Monate lange Kurse besuchen. Alle Teilnehmer müssen eine Prüfung bestehen.
  • Die westlichen Länder sollen sich von Öl weniger abhängig machen.
  • Die Zivilisation muss sich neue Ziele setzen. Das Schwergewicht soll von Geld und Konsum auf Forschung und Kenntnisse umgelenkt werden.

Samstag, 23. Juli 2011

Neuer Dom- und Diözesanmusikdirektor

Jetzt ist es amtlich, worüber ich bereits am 18. Juni 2011 berichtet habe: Der Wiener Thomas Dolezal ist Dom- und Diözesanmusikdirektor der Diözese Eisenstadt. Eine neue Funktion, die es in dieser Form in der Diözese noch nicht gegeben hat.

Um Dolezal diesen neu geschaffenen Posten zuschanzen zu können, sind zwei Positionen frei (gemacht?) geworden:
Christian Dreo wurde als Domkapellmeister und als Mitglied in den betroffenen diözesanen Gremien enthoben. Ebenso enthoben wurde der Leiter des Referates für Kirchenmusik, Wolfgang Horvath.
Die Ausschreibung war offensichtlich eine Schmähparade,  um dieser Besetzung ein "objektives Mäntelchen" umhängen zu können. Von einem transparenten Auswahlverfahren ist nichts bekannt. Im Gegenteil: Die verschiedenen BewerberInnen wurden offensichtlich erst gar nicht  zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Einer der durchgefallenen Bewerber ist der Eisenstädter Domorganist Mag. Robert Kovács.
Ebenso durchgefallen ist die burgenländische Kirchenmusikerin MMag. Renate Nika.



Neuer Musikdirektor für Diözese
Der Wiener Kirchenmusiker Thomas Dolezal ist neuer Dom- und Diözesanmusikdirektor der Diözese Eisenstadt. Er ist der Nachfolger von Wolfgang Horvath, der 19 Jahre lang für die Kirchenmusik im Burgenland verantwortlich war.
Thomas Dolezal ist in der Wiener Kirchenmusikszene bestens bekannt als Organist, Chorleiter und Betreuer von musikalischen Projekten. Er hat in Wien Kirchenmusik studiert und ist seit 23 am Stephansdom in Wien als Kirchenmusiker tätig.
Er betreut die gesamte Palette der kirchenmusikalischen Tätigkeiten - und die reicht etwa von der Chorleitung, und dem Komponieren über das Orgelspiel und Orgelkonzerte bis hin zu Dirigaten und Orchesterkonzerten.

Im Martinsdom und Stephansdom
Seine Tätigkeit im Stephansdom wird der neue Eisenstädter Musikdirektor nicht ganz aufgeben, der Mittelpunkt seiner Arbeit wird aber im Burgenland liegen.

„Ich bin immer, wenn ich im Burgenland bin, exklusiv für das Burgenland da. Ich werde weiterhin im Stephansdom Dinge betreuen, aber ich bemühe mich natürlich sehr, in der Diözese Eisenstadt und auch in der Dommusik möglichst viel Anteil zu haben und kennenlernen zu können“, so Thomas Dolezal.

Pläne für neuen Domchor
Pläne für die Dommusik und einen neuen Domchor in Eisenstadt sind vorhanden, aber noch nicht ausgereift. „Ich weiß nicht, wenn ich jetzt einlade zu einer Domchorprobe, wie viele Menschen überhaupt Interesse haben.“
Thomas Dolezal lädt dennoch Sängerinnen und Sänger ein, sich an einem neuen Chor zu beteiligen. „Es soll sich niemand fürchten oder Sorge haben, dass er zu wenig musikalisches Vermögen hat, am besten ist es, einfach vorbei zu schauen. Zu Hause bleiben kann man dann immer noch“, sagt Thomas Dolezal.
Burgenland.orf.at >>

Freitag, 22. Juli 2011

Personelle Verfügungen - Teil 2


Personalnachrichten
22. Juli 2011
Diözese Eisenstadt

I.

Der hochwst. Herr Diözesanbischof hat am 16. Juli 2011, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel, folgende weitere personelle Verfügungen getroffen, die mit 31. August bzw. 1. September 2011 in Kraft treten:


Mag. Dietmar D. STIPSITS (Pfarrer in Bad Tatzmannsdorf)
In Anlehnung an den vorgesehenen Seelsorgeraum Ernennung auch zum Pfarrer der Pfarren Mariasdorf  und Bernstein
*****

Ehrenkons.Rat OStR Mag. Erich IBY
Enthebung als Pfarrer der Pfarre Bocksdorf nach erfolgter Annahme seines Rücktrittsgesuches
Versetzung in den dauernden Ruhestand
*****

Stanisław SWIECA
Enthebung als Pfarrmoderator der Pfarren Gattendorf und Potzneusiedl
Ernennung zum Pfarrmoderator Bocksdorf
*****

Jerzy Wojciech NIEWCZAS
Enthebung als Pfarrmoderator der Pfarren Pama und Edelstal
Ernennung zum Pfarrmoderator der Pfarren Gattendorf und Potzneusiedl
*****

Mag. Johann KARALL
Enthebung als Pfarrer der Pfarre Kittsee nach Annahme seines Amtsverzichtes
Ernennung zum Pfarrmoderator der Pfarren Draßburg und Baumgarten
*****

Geistl.Rat Mag. Valentin ZSIFKOVITS
Enthebung als Dechant des Dekanates Eisenstadt
Enthebung als Pfarrer der Pfarre Hornstein
Ernennung zum Pfarrer der Pfarren Kittsee, Pama und Edelstal
*****

Kan. Kons.Rat Mag. Martin KORPITSCH (Propst- und Stadtpfarrer in Eisenstadt-Oberberg und Stadtpfarrer in Eisenstadt-Kleinhöflein)
Ernennung zum Dekanatsleiter des Dekanates Eisenstadt
*****

Mag. Stefan RAIMANN
Enthebung als Pfarrmoderator der Pfarren Güttenbach und Neuberg
Ernennung zum Pfarrmoderator der Pfarre Hornstein
*****

Marko JUKIĆ
Enthebung als Pfarrmoderator der Pfarren Nikitsch und Kroatisch Minihof
Ernennung zum Pfarrmoderator der Pfarren Güttenbach und Neuberg
*****

Mag. Johannes VERTESICH
Enthebung als Pfarrer der Pfarren Draßburg und Baumgarten nach erfolgter Annahme seiner Resignation
Ernennung zum Pfarrer der Pfarren Nikitsch und Kroatisch Minihof
*****

Mag. Dr. Johannes FLEISCHACKER (Pfarrer i. R., Graz)
Betrauung mit der weiteren Mithilfe in Wolfau und Kitzladen
*****

II.

1.     Weiters hat der hochwst. Herr Diözesanbischof am 16. Juli 2011 ernannt

den  ehrw. Herrn Fr. Hans-Ulrich Möring OT, Bischöflicher Zeremoniär, zusätzlich zum Leiter des Referates für Liturgie. (1. September 2011)

Herrn Mag.  Thomas Dolezal, Wien, zum Dom- und Diözesanmusikdirektor der Diözese Eisenstadt. (1. September 2011)


Personalnachrichten
11. Juli 2011
Diözese Eisenstadt
 
Der hochwst. Herr Diözesanbischof hat am heutigen Gedenktag des hl. Benedikt von Nursia (11. Juli 2011) über Vorschlag des hochw. Pater Provinzial der Franziskanerprovinz Austria zum hl. Leopold folgende personelle Verfügungen getroffen, die mit 31. August bzw. 1. September 2011 in Kraft treten:

P. Norbert PLESCHBERGER OFM (Neupriester, Frauenkirchen)
Ausscheiden aus der Diözese Eisenstadt
*****

P. Mag. Kajetan FILIPOWICZ OFM
Ernennung zum Kaplan der Stadtpfarre Frauenkirchen
*****

Geistl.Rat P. Mag. Marcellus MIKOLAJCZYK OFM
Enthebung als Kaplan der Stadtpfarre Güssing
Ausscheiden aus der Diözese
*****

Ehrenkons.Rat P. Anton BRUCK OFM
Ernennung zum Kaplan der Stadtpfarre Güssing

Irlands Premier beschimpft Vatikan: "Elitär, abgehoben"

Die Presse:
Der Heilige Stuhl habe die Ermittlungen zu Fällen von Kindesmissbrauch behindert, sagt der Premierminister Enda Kenny. Der Kirche sei es nur darum gegangen, ihre Macht und ihre Reputation zu schützen.
Der irische Premierminister Enda Kenny hat mit scharfen Worten den Vatikan für seinen Umgang mit Fällen von Kindesmissbrauch kritisiert. "Erstmals in Irland wird in einem Report über Kindesmissbrauch dargestellt, dass der Heilige Stuhl versucht hat, in einer souveränen Republik Untersuchungen zu behindern", sagte Kenny mit Blick auf einen in der vergangenen Woche vorgestellten Report einer Regierungskommission.
Zum ganzen Artikel >>

Donnerstag, 21. Juli 2011

Schönborns ungeheuerliches Ansinnen

Kardinal Schönborns Aussage, bei Gewissenskonflikten als Konsequenz „den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen“, bedarf energischen Widerspruchs - Gastbeitrag von Herbert Kohlmaier:

Als reformorientierter Katholik kann man oft von Konservativen den keineswegs wohlgemeinten Rat hören, man solle doch zu den Evangelischen übertreten. Denn dort gäbe es ja das, was Reformer anstreben. Dem ist dann entgegenzuhalten, dass man bei aller Wertschätzung für die Protestanten eben der katholischen Kirche angehöre. Änderungen würden ja aus  Zugehörigkeitsgefühl und Verbundenheit mit dieser Gemeinschaft eingemahnt, in die man getauft wurde und die viel Gutes tut, aber auch arge Mängel aufweist..

Es ist unfassbar, aber in der Auseinandersetzung mit der Pfarrerinitiative hat sich nun auch der Wiener Erzbischof zu der Empfehlung verstiegen, „im äußersten Fall den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen“. Das sei die Konsequenz, wenn jemand aus einem geprüften Gewissen zur Überzeugung komme, dass Rom auf einem Irrweg sei, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht.

Man stelle sich vor: Jemand kritisiert die Regierung und erhält dann von dort den Rat, er möge doch seine Heimat verlassen und auswandern. Oder es beschwert sich ein Kunde über die Qualität einer Ware und die erzeugende Firma erklärt ihm daraufhin kühl, er solle eben wo anders einkaufen. Schon daraus erkennt man die Dummheit und Pflichtvergessenheit, die hinter so einer Haltung stünde.

Bei einem so genanten Oberhirten kann der Rat, die Kirche zu verlassen, noch viel weniger ertragen werden. Ob das zu Jesu Gleichnis vom guten Hirten passt? Wenn einer die Schafe, die ihr Futter wollen, in eine andere Herde schickt, damit sie ihn nicht mehr belästigen? Offenbar schwebt Schönborn eine von kritischen Geistern bereinigte Kirche vor, wo man unter sich ist. Klein, aber fein. Er komplimentiert Christen hinaus, die sich eine bessere und tauglichere Kirche wünschen. Das ist ungeheuerlich!

Dankbar hätte ein Bischof zu sein, wenn Menschen eben nicht so wie unzählige andere weggehen, sondern sich vielmehr dafür einsetzen, dass Seelsorge von sturem Beharren auf theologisch unhaltbaren Vorschriften befreit wird. Er sollte in dieser Situation über seine Pflicht und Schuldigkeit nachdenken, selbst etwas zu tun, um das Auseinander- und Weglaufen zu überwinden. Es genügt nicht, wenn er sich abgefunden hat, er übt sein Amt nicht für sich und den Papst aus.

Eigentlich muss einem so ein Bischof leid tun. Hat man von Schönborn je eine plausible Begründung für das gehört, was heute unzählige Gläubige – darunter viele Geistliche und Theologen – für nicht mehr zeitgemäß halten? Nein, dazu fällt ihm nichts ein, auch er weiß, dass es dafür keine Argumente gibt. Wenn er nur blinden Gehorsam einmahnt, gibt er wie viele seiner Amtsbrüder ein trauriges Geistliches Armutszeugnis ab. Er opfert Reichtum, Lebendigkeit und Vielfalt des Glaubens einer ängstlichen und gar nicht heiligen Obrigkeit, die er kurioser Weise „Weltkirche“ nennt. Kann er das vor dem Herrn verantworten?

Mittwoch, 20. Juli 2011

ORF-ZIB 2: Pfarrer-Wirbel im Burgenland

Der konservative Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics hat mit seinem Amtsantritt vor einem Jahr für Unmut gesorgt. Nun sollen zahlreiche Pfarren in der Eisenstädter Diözese neu besetzt werden. In vielen Gemeinden regt sich Protest.

ORF ZIB 2 vom 19.07.2011 >>

ORF Burgenland >>

Burgenland Heute vom 19.07.2011 >>

Die Presse vom 19.07.2011 >>

Montag, 18. Juli 2011

Unmut in Kroatisch-Minihof & Nikitsch über Bischof Zsifkovics - Pfarrgemeinderat will geschlossen zurücktreten

Minister Darabos zürnt Bischof Zsifkovics
Die geplante Abberufung des Pfarrers aus der Heimatgemeinde des Verteidigungsministers lässt die Wogen zwischen weltlicher und geistlicher Macht hochgehen

Seit seinem Amtsantritt im vergangenen September sorgt der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics mit seinen Personalentscheidungen immer wieder für Unmut. Jetzt hat sich der katholische Oberhirte mit der geplanten Versetzung des Pfarrers von Nikitsch und Kroatisch Minihof nicht nur den Unmut des Pfarrgemeinderates zugezogen, sondern gar einen Minister gegen sich aufgebracht. "Das ist unchristlich", zeiht Verteidigungsminister Norbert Darabos den Oberhirten der Dialogverweigerung.

Als der SPÖ-Minister aus Kroatisch Minihof von Gerüchten über eine Abwanderung des beliebten Ortspfarrers Marko Jukic (er war für den KURIER nicht erreichbar) ins Südburgenland erfuhr, griff er spontan zum Telefon, um Zsifkovics von seinem Vorhaben abzubringen. Der aus Bosnien stammende Jukic ist seit neun Jahren in der Pfarre und sei überaus beliebt. "Er hat es geschafft, dass die Jungen wieder in die Kirche gehen", lobt der Politiker. "Seit 8. Juli habe ich versucht, Zsifkovics zu erreichen - bis heute hat er mich nicht zurückgerufen", empört sich Darabos, selbst praktizierender Katholik und regelmäßiger Kirchgänger.

Er wolle keine bevorzugte Behandlung, versichert der Minister, aber dass es trotz mehrmaliger Anrufe keinerlei Reaktion des Bischofs gegeben habe, sei "sehr enttäuschend", sagt Darabos, der Zsifkovics aus der gemeinsamen Zeit im kroatischen Volksgruppenbeirat kennt. "Wenn er mir gesagt hätte, das geht mich nichts an, wäre es auch in Ordnung gewesen". Des Politikers Vermutung: Pfarrer Jukic sei dem Bischof "zu fortschrittlich". Es stünde zwar jedem neuen Oberhirten zu, "sein Haus neu zu bestellen", aber "nicht mit Brachialgewalt".

Manöverkritik
Der Minister ist mit seiner Manöverkritik nicht allein: Leo Fischer, seit vier Jahren Vorsitzender des Pfarrgemeinderates in Nikitsch, versteht die Welt nicht mehr. Auch für den Pfarrgemeinderat habe der Bischof kein offenes Ohr gehabt. "Ich habe aus der kroatischsprachigen Kirchenzeitung von der Abberufung erfahren". Sollte Jukic wirklich nach Neuberg und Güttenbach gehen müssen, würde der siebenköpfige Pfarrgemeinderat umgehend geschlossen zurücktreten, so der 67-jährige Fischer, der auch ankündigt, dass der Pfarrgemeinderat die kircheninterne Geldsammlung am kommenden Sonntag nicht mehr durchführen werde.

Proteste - ob von oben oder unten - die an der Abberufung von Jukic wohl nichts mehr ändern werden. Zwar war Zsifkovics für den KURIER nicht erreichbar - er sei bis Mitte August auf Urlaub und anschließend auf Pilgerreise nach Santiago de Compostela, hieß es aus der diözesanen Pressestelle, aber der für die Belange der kroatischen Volksgruppe zuständige Pater Stefan Vukits verteidigte die Rochaden in einer Handvoll kroatischsprachiger Gemeinden mit Verweis auf den allgemeinen Priestermangel. Der Bischof habe das nicht aus heiterem Himmel, sondern auf Grundlage eines Beschlusses der Personalkommission verfügt. Vukits: "Alle Pfarren müssen seelsorgerisch gleichmäßig versorgt sein."

Kurier.at >>

Sonntag, 17. Juli 2011

Du Unbegreiflicher


Wir möchten dich auch loben, Gott,
für alles, was wir nicht verstehen:
warum es Hunger gibt und Krebs und Krieg…
warum auch kleine Kinder leiden müssen…
warum wir leben, um am Schluss zu sterben…

Wir loben dich, du Unbegreiflicher,
trotz unserer Fragen, trotz unserer Zweifel,
trotz unsrer Angst, trotz unsrer dunklen Stunden

Und hoffen, dass wir nicht umsonst
auf Antwort warten.
Dass du sie alle krönen wirst,
die unbekrönt und ungeliebt
trotz allem dieses Leben still ertragen.
Wir loben dich, du Unbegreiflicher.


Hermann J. Coenen, Singen im Feuerofen. Jugendgottesdienste,
Patmos Verlag, Düsseldorf, 1985, 25.

Samstag, 16. Juli 2011

Burgenland: Revolte gegen den Bischof


Ganze Pfarrgemeinderäte wollen zurücktreten, weil Bischof Zsifkovics Priester versetzt. Eine neue Austrittswelle droht. Im Bischofshof werden die Aufstände nicht überbewertet.

Die Spezies Wutbürger ist dieser Tage auch im Burgenland aufgetaucht. Sie ist dort katholischer Ausprägung und formiert sich in Scharen gegen die Pläne des Diözesanbischofs von Eisenstadt, Ägidius Zsifkovics. Denn der ehemalige Generalsekretär der Bischofskonferenz ist gerade dabei, die zweite Ebene neu aufzustellen, nachdem er kurz nach seiner Weihe im September hohe Amtsträger der Diözese reihum abgesetzt hat.

Auf dem Schachbrett wird derzeit eifrig rochiert. So soll etwa der Pfarrer von Hornstein und Müllendorf im Bezirk Eisenstadt, Valentin Zsifkovits (er stammt wie sein Bischof aus Stinatz im Südburgenland), an die slowakische Landesgrenze versetzt werden – in den Pfarrverband Kittsee, Pama, Edelstal. Die Begründung lautet: Die Diözese brauche ihn dort als eine Art Krisenfeuerwehr, weil sich überdurchschnittlich viele Gläubige von der Kirche abwenden.
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"Wir wollen eins sein..." als Prozess verstehen


Wir wollen eins sein...

Untenstehender Text (über die Erklärung zur ökumenischen Pfarrei) entstand in der Folge einer Begegnung zwischen den Gemeinden Paul-Gerhardt (evang.) und der Pfarrei St. Peter (kath.) am Pfingstmontag diesen Jahres. Es ist uns wichtig darauf hinzuweisen, dass er nicht das Ergebnis eines Prozesses darstellt, sondern an dessen Anfang steht. Die Aussagen sind daher pointiert und auch provokativ formuliert. Sie sollen auf- und wachrütteln und haben bereits jetzt eine intensive und breite Diskussion in den Gemeinden in Gang gebracht. Im Pfarrgemeinderat St. Peter wurde der Text bereits thematisiert, die Diskussion unter den (evangelischen) Kirchenältesten der Paul-Gerhardt-Gemeinde steht derzeit (Stand 14.7.2011) noch aus. Die nächste Sitzung ist auf den 21. Juli angesetzt. Für den Herbst ist ein gemeinsames Gespräch von Pfarrgemeinderäten und Kirchenältesten in den Blick gefasst.
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Freitag, 15. Juli 2011

Annäherungsgespräche: Passen die Piusbrüder in die katholische Kirche?

Die Piusbruderschaft in Zaitzkofen mit Bischof Williamson - Foto: Piusbruderschaft

Passen die Piusbrüder in die katholische Kirche?
Zwischen dem Vatikan und den Piusbrüdern scheint sich keine Bewegung hin zur Einigkeit bei der theologischen Auslegung des II. Vatikanischen Konzils abzuzeichnen. Dies verlautet aus Vatikanischen Kreisen im Blick auf die Sondierungsgespräche, die eine vatikanische Kommission mit Vertretern der Pius-Bruderschaft seit über einem Jahr führt. Derzeit ist das Abschlußdokument der zuständigen vatikanischen Kommission „Ecclesia Dei“ in Vorbereitung. Das Internetportal kreuz.net, das den Piusbrüdern ideologisch nahe steht, scheint seine Angriffe auf die Konzilstheologie in den letzten Wochen zu verstärken.
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Piusbruder-Bischof nennt Papst „verwirrt"
Der Piusbruder-Bischof Richard Williamson hat in seinem Newsletter an Gläubige Papst Benedikt XVI. als „verwirrt“ bezeichnet. Für Williamson sind die Gespräche zwischen dem Vatikan und der von Rom abgespaltenen Piusbruderschaft offenbar gescheitert. Zwei Tage vor dem neuerlichen Prozess gegen Williamson wegen Leugnung des Holocausts will die Bruderschaft wieder Priester in Zaitzkofen weihen.
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Antwortet Piusbruderschaft erst nach Assisi 3 auf römisches Angebot? – Personalordinariate für Ecclesi-Dei-Gemeinschaften?
Msgr. Bernard Fellay dementierte am Sonntag (19.6.), daß eine Einigung mit Rom unmittelbar bevorstehe. Die Aussage machte der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. in einer Predigt, die er anläßlich von Priesterweihen in Winona in den USA hielt.
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Piusbruder-Bischof poltert gegen Papst und Amtskirche
Am Samstag (2.7.) haben in Zaitzkofen bei Regensburg Priesterweihen der ultrakonservativen Piusbruderschaft stattgefunden. Während die nicht von der katholischen Amtskirche genehmigten Weihen im letzten Jahr noch auf harsche Kritik von Bischöfen und des Vatikans stießen, wollten sich Vertreter der Amtskirche zu den neuerlichen Weihen nicht mehr äußern. Diese fanden zwei Tage vor dem Berufungsprozess gegen den Piusbruder-Bischof Richard Williamson wegen Volksverhetzung statt.
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Lombardi: Priesterweihen der Piusbrüder sind illegitim
Vatikansprecher erinnert, dass zuerst strittige Lehrfragen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Gruppierung geklärt werden müssen
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Fall Williamson verfolgt Papst weiter
Ob der Papst den Fall des umstrittenen Bischofs Richard Williamson wohl jemals loswerden wird? Im Landgericht Regensburg war das Urteil der zweiten Instanz gegen den Piusbruder nur wenige Minuten alt, da läuteten Williamsons Verteidiger schon die nächste Runde ein. Mit vier Sätzen kündigten die Rechtsanwälte Edgar und Benjamin Weiler in einer vorbereiteten Erklärung an, Revision gegen die Verurteilung des Briten zu einer Geldstrafe von 6500 Euro wegen Volksverhetzung einzulegen. «Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung nach Art. 19 der Menschenrechtskonvention», erklärten Vater und Sohn - dabei bestreiten nicht einmal die Verteidiger, dass der 71-Jährige den Holocaust geleugnet hat.
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Holocaust-Leugner Williamson: Anklage fordert 12.000 Euro Strafe
Der Angeklagte ist zwar nicht persönlich zum Gerichtstermin in Regensburg erschienen - doch auch in Abwesenheit von Bischof Richard Williamson forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 12.000 Euro.
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Donnerstag, 14. Juli 2011

Pfarrgemeinderat Bruchsal erklärt sich zur "ökumenischen Pfarrei"


Wir, die unterzeichnende(n) Gemeinde(n), erklären für uns die fast 500 Jahre andauernde unsägliche Spaltung der Christenheit in unseren Breiten für beendet.
Wir erachten den Willen Jesu Christi, dass alle eins seien, als gewichtiger, als alle theologischen und kirchenpolitischen Überlegungen und Fragestellungen, und wissen uns der Überzeugung verpflichtet, ihm mehr gehorchen zu müssen, als den Menschen.
Wir stehen uneingeschränkt zur Tradition und je eigenen Spiritualität unserer Gemeinden und bekennen die Vielfalt christlichen Lebens in miteinander vereinbarer Verschiedenheit.
Wir bekennen uns zur synodalen Struktur der Alten Kirche und erwarten von unseren eigenen Kirchenleitungen, sich dieser urkirchlichen Tradition wieder zu besinnen.
Wir erkennen an, dass in den anderen mitunterzeichnenden Gemeinden in gleicher Weise Nachfolge Christi und Gemeinde Jesu Christi gelebt wird.
Wir erkennen, dass in unseren Gemeinden Jesus Christus zum Tisch des Herrn einlädt und wissen darum, dass er niemanden, der in seiner Nachfolge steht, auslädt. Diese gegenseitige Gastfreundschaft erklären wir hiermit ausdrücklich.
Für uns ist der Gedanke der weltumspannenden Christenheit bedeutender, als das Denken in Konfessionen. Wir erklären uns dementsprechend zur
  • ökumenischen Pfarrei St. Peter in der römisch katholischen Erzdiözese Freiburg
    [Beschluss des Pfarrgemeinderates vom 28. Juni 2011]
In der Hoffnung, dass dieses Beispiel Schule macht laden wir alle Gemeinden guten Willens ein, sich diese Erklärung zu eigen zu machen. Geben Sie uns Nachricht vom Beschluss des Ihre Gemeinde repräsentierenden Gremiums und wir werden den Namen Ihrer Gemeinde mit Datum der Unterzeichnung der Erklärung hier anfügen.

Der Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Peter in Bruchsal


Dialogprozess und geplante Seelsorgeeinheit:
Brief der Bruchsaler Pfarrei St. Peter an den Erzbischof

Ende der Pfarrei?
Immer mehr Pfarreien werden zu größeren pastoralen Räumen zusammengefasst. Was bedeutet dies für die traditionelle Territorialgemeinde? Gehört sie der Vergangenheit an oder hat sie noch den Status einer Filiale? Oder wählen sich die Gläubigen angesichts der wachsenden Mobilität ihre Gemeinde selber aus?
Beitrag in der aktuellen Pfarrzeitung von Bruchsal, Seite 20-24

Aktion vor der Peterskirche in Bruchsal zum Thema Zölibat und Priestermangel:
"Kirche fällt aus"

Mittwoch, 13. Juli 2011

Dialogprozess begann in Mannheim: Wo stehen wir?

Ein Anfang ist gemacht

Mit einem positiven Fazit haben die katholischen Bischöfe in Deutschland die Auftaktveranstaltung (8.7.) zu dem von ihnen angestoßenen Dialog über die Zukunft der Kirche beendet. Er stelle eine „neue Kommunikations- und Sprachfähigkeit“ in der Kirche fest, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in Mannheim. Auch die Laien reagierten weitestgehend positiv.
Weiter auf Domradio.de >>

Offener Brief deutscher Reformbewegungen zum Gesprächsforum in Mannheim >>

pax-christi-Vizepräsident Schnettler zum Dialogauftakt:
„Den Worten müssen nun Taten folgen“

Dialogprozess in Mannheim: „Ein neuer Stil, eine neue Sprachfähigkeit“
Beitrag auf Radio Vatikan >>

Wir müssen reden
Zum Auftakt der Begegnung kommen die alten Probleme wieder auf den Tisch. Viele Gemeinden schaffen Fakten, statt auf Reformen zu warten
Weiter auf Christ & Welt Ausgabe 28/2011 >>

Dossier auf katholisch.de >>

Im Reich der Stuhlkreise
Tabufrei diskutieren? Das gilt bei der Auftaktveranstaltung zum katholischen Dialogprozess in Mannheim aber nur, solange das Wort „Rom“ nicht fällt.
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Dienstag, 12. Juli 2011

Reaktionen auf Schönborns Zurechtweisung der Pfarrerinitiative

Dr. Herber Kohlmaier, Mitbegründer der Laieninitiative, widerspricht Kardinal Schönborn und ruft zur Solidarität mit der Pfarrerinitiative auf.
Hier der offene Brief von Dr. Kohlmaier an den Erzbischof >>

Dipl.Ing. Friedrich Griess, Mitarbeiter der Laieninitiative, geht in einem beachtenswerten Schreiben an Kardinal Schönborn auf dessen Erklärung ein, dass in Firmen ein ungehorsmes Verhalten nicht tragbar wäre.
Der Brief von Dipl. Ing. Griess an Kardinal Dr. Schönborn >>

Montag, 11. Juli 2011

Laieninitiative solidarisiert sich mit dem Aufruf der Pfarrerinitiative

Die Laieninitiative

Für eine Kirche mit Zukunft

Ein offener Brief an Kardinal Dr. Christoph Schönborn

Die scharfe Maßregelung der Pfarrer-Initiative wegen ihres „Aufrufs zum Ungehorsam“ lässt völlig außer Acht, dass alle sieben Punkte des Aufrufs längst verbreitete Praxis in vielen Pfarren sind. Der Ungehorsam bezieht sich also lediglich darauf, dass es die Pfarrer leid sind, sich der amtskirchlich praktizierten Verschleierungstaktik anzuschließen. Endlich sagen mutige Pfarrer in aller Offenheit, was sie schon seit langem tun: Wiederverheirateten und Christen anderer Konfession wird die Kommunion gegeben, Laien, Frauen und Männer, predigen längst, müssen es aber unter dem Titel „Glaubenszeugnis“ tun, als würde die andere Überschrift die Sache selbst verändern. Es ist auch kein Geheimnis, dass Priester, die wegen Heirat aus dem Amt gejagt wurden, trotzdem weiter als Priester tätig sind.

Der Aufruf der Pfarrer-Initiative ist ein Akt der Zivilcourage gegen ein kirchliches Regime, das den Gehorsam über das Gewissen stellt. Ein biblischer Grundsatz lautet: Christen müssen Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen. Die päpstlichen und bischöflichen Weisungen mühen sich zwar den Willen Gottes zu formulieren; es genügt aber ein Blick in die Kirchengeschichte, um zu wissen, dass das oft daneben gegangen ist. Das Charisma des freien Wortes zu unterdrücken, schadet der Kirche, die aufzubauen das Amt eines Bischofs wäre.

Jedem Christen und jeder Christin wird bei der Taufe das prophetische Amt übertragen; gerade den Priestern soll es nun mittels Gehorsamsforderung aberkannt werden? Resignierte und Angepasste, Ängstliche und Reaktionäre gibt es heute unter den Priestern genug, und das ist ihnen angesichts der Krise der Kirche nicht einmal vorzuwerfen; aber sie sind keine Basis für eine missionarische Kirche der Zukunft. Wir fordern daher den Kardinal auf, nicht gerade die Mutigen unter den Priestern mundtot zu machen und zu vertreiben.

Für den Vorstand der Laieninitiative
Peter Pawlowsky


Laien für Pfarrer-Ungehorsam
Auf mahnende Worte von Christoph KardinalSchönborn, der "Wut und Trauer" wegen des "Aufrufs zum Ungehorsam" durch die kirchenkritische Pfarrerinitiative empfinde, folgte am Sonntag eine Unterstützungsbekundung der "Laieninitiative", betitelt mit: "Für eine Kirche mit Zukunft"
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"Ungehorsam" in der katholischen Kirche: Sehen, was Sache ist
Was die Pfarrer rund um den früheren Wiener Generalvikar Helmut Schüller fordern, ist nichts anderes, als die Anerkennung der Realität
Kommentar im Standard >>

"Die Wehleidigkeit der Kirchenleitungsmänner ist schrecklich"
Eva Fitz vom Kirchenfrauen-Kabarett über Frausein in der katholischen Kirche und den Ungehorsam
Interview im Standard >>

Sonntag, 10. Juli 2011

Frucht bringen

Auf unseren leeren Acker
leg dein Samenkorn.

In unsere offenen Hände
leg dein Handeln.

In unsere bereiten Herzen
leg deine Liebe.

Roland Breitenbach, Sechs-Minuten-Predigten,
Herder-Verlag. Fr. i. Br., 2004, 158.

Samstag, 9. Juli 2011

Diözese Eisenstadt: "Klasser Bursch" soll gehen


KURIER vom 09.07.2011:
Der Hornsteiner Pfarrer Valentin Zsifkovits soll nach Kittsee versetzt werden. Die Pfarrgemeinde ist fast sprachlos.
In der Hornsteiner Pfarrgemeinde herrscht Unmut und Ungewissheit. "Was hier bei uns passiert, ist sehr, sehr traurig", sagt eine "gläubige Katholikin", die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Der Grund ihrer Trauer: Pfarrer Valentin Zsifkovits, der seit 1995 Hornsteiner Ortspfarrer ist, soll nach Kittsee versetzt werden.
Zum ganzen Artikel >>

Die Wahrnehmung der Bischöfe

Die Gesamtzahl der Priesterweihen sei heuer „deutlich“ angestiegen, meldete das Internet-Portal der Bischofskonferenz (katholisch.at): 35 Männer wurden im ersten Halbjahr in Österreich zu römisch-katholischen Priestern geweiht, im ganzen Jahr 2010 nur 27.

Doch 21 der 35 neuen Priester stammen aus dem Ausland. Um nicht falsch verstanden zu werden: Der Punkt ist nicht, dass sie aus dem Ausland kommen, sondern dass sich nach wie vor wenige Österreicher zum Priestertum berufen fühlen – zumindest nicht unter den Voraussetzungen Zölibat und Beschränkung auf Männer.

Die Zulassungsbedingungen gehören zu den Kritikpunkten von Reformbewegungen. Einer davon, der Pfarrerinitiative, wurde vom Grazer Bischof Egon Kapellari wegen ihres „Aufrufs zum Ungehorsam“ vorgeworfen, die Einheit der Kirche zu gefährden. Eine Gruppe der „Laieninitiative“ hat dem Linzer Bischof Ludwig Schwarz angekündigt, ähnlich der Pfarrerinitiative notfalls nicht nach dem Kirchenrecht, sondern nach dem Gewissen zu handeln. Laut Renate Bachinger von der Laieninitiative antwortete Bischof Schwarz, dies seien „Spaltungstendenzen“

Natürlich wissen die Bischöfe, dass Regeln in vielen Pfarren tolerant gehandhabt werden. Was sie aufregt, ist der offene Aufruf zum Regelbruch. Dass es so weit gekommen ist, haben die Bischöfe freilich mitzuverantworten. Sie ließen in den 90er Jahren den „Dialog für Österreich“ versanden. Und auch von den Forderungen vom Mariazeller Pfarrgemeinderatstreffen 2010 hört man kaum mehr etwas.

Bischof Kapellari sagte, die Kirche galoppiere nicht, aber sie bewege sich. Die Wahrnehmung vieler Kirchenmitglieder dürfte eine andere sein – in Bezug auf Reformen und in der Bewertung des „deutlichen“ Anstiegs bei den Priesterweihen.

Beitrag in den Oberösterreichischen Nachrichten >>

Freitag, 8. Juli 2011

Kardinal Schönborn: Aufruf zur Einheit

Kardinal Schönborn entgegnet im diözesanen Mitarbeitermagazin "thema kirche" dem "Aufruf zum Ungehorsam" der "Pfarrer-Initiative" und ruft zur Einheit auf.

In den Impulsen zur aktuellen Sommer-Ausgabe des Mitarbeitermagazins der Erzdiözese Wien "thema kirche" entgegnet Kardinal Christoph Schönborn dem "Aufruf zum Ungehorsam" der "Pfarrer-Initiative" und mahnt zum "Bemühen, selber neu und besser Jünger und Jüngerinnen Jesu zu werden."

Das Schreiben im Wortlaut >>

Chronologie der Ereignisse dazu:

Aufruf der Pfarrer-Initiative zum Ungehorsam 

„Wir sind Kirche“ unterstützt Pfarrer-Initiative

Bischof Kapellari reagiert scharf

Kolb: Kritik an Kapellari und Co

Bischof Küng: Postulate der Pfarrerinitiative "nicht hilfreich"

Veronika Prüller-Jagenteufel: Gottes Kreativität vertrauen und das Mögliche tun

Kardinal Schönborn: Aufruf zur Einheit

Wir sind Kirche: Für Dialog statt Kadavergehorsam

Donnerstag, 7. Juli 2011

Sieben offene Fragen an die Personalkommission

Gastbeitrag von DI Rudolf Berghofer, Müllendorf
Rudolf Berghofer war Professor und langjähriger Direktor der HTBLA Eisenstadt

Sieben offene - auch für die Öffentlichkeit bestimmte - Fragen an die Personalkommission der Diözese Eisenstadt

Die durch den hochwst. Herr Diözesanbischof am 29.06.2001 erfolgten personellen Verfügungen sind in Zusammenarbeit mit der Personalkommission der Diözese Eisenstadt entstanden. Auf Grund des Missbehagens und Missmutes, der durch diese Verfügung beim Kirchenvolk und auch zum Teil beim Klerus entstanden ist, ist es nur recht und billig zu fragen, ob sich der hochwst. Herr Diözesanbischof und seine Personalkommission bei diesen für die Kirche so lebens- und überlebensnotwendigen Personalentscheidungen auch die folgenden sieben Fragen gestellt haben..... Weiter >>

Mittwoch, 6. Juli 2011

Valentin Zsifkovits soll nach Kittsee versetzt werden

Ergänzung:
Bezüglich der Medienberichte über suspendierten Religionslehrer in Kittsee siehe die Homepage der NMS-Kittsee.
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Dechant Mag. Valentin Zsifkovits
Auch Kirchenjobs wackeln

PERSONALROCHADEN / Hornsteins Gläubige wollen den Abzug ihres Pfarrers nicht hinnehmen. Familien drohen mit Austritt.

bvz-EISENSTADT (6.7.2011) / Bischof Ägidius Zsifkovics hat personelle Verfügungen getroffen. So steht die Nachfolge für den mit Ende August in den dauernden Ruhestand tretenden Prälat Johann Haider der Nachfolger fest. Fabian Mmagu wird mit 1. September die Pfarren Großhöflein und Müllendorf, die ab diesem Zeitpunkt einen Pfarrverband bilden, betreuen.

Valentin Zsifkovits soll nach Kittsee versetzt werden

Müllendorfs bisheriger Pfarrer Valentin Zsifkovits – er ist auch in Hornstein tätig – wurde als Pfarrprovisor seines Amtes enthoben. Er soll nach Kittsee versetzt werden. Bis jetzt, so eine Insiderin, soll er die Versetzung noch nicht unterschrieben haben.

Fix hingegen scheint seine Abberufung aus Müllendorf. „Vertreter der Gemeinde und der Pfarrgemeinde waren beim Bischof und haben ihre Bedenken kundgetan“, berichtet eine gläubige Müllendorferin. Sie und viele andere Kirchenbesucher sind sich einig: Was in den letzten sechs Jahren mühevoll aufgebaut wurde, wird jetzt mit einem Schlag zunichtegemacht. Wie sie weiter vorgehen werden, soll in den Pfarrgremien geklärt werden.

Anders läuft es in Hornstein. „Wir waren gemeinsam mit Vertretern aus Müllendorf beim Bischof. Aber es schaut nicht gut aus“, betont Ratsvikarin Eva Trimmal. Sie und die Pfarrgemeinde hätten Pfarrer Zsifkovits noch gerne bei der Pfarrvisitation 2013 dabei. „In der Pfarre gibt es bereits einige Familien, die einen Kirchenaustritt überlegen. Das ist für viele der einzige Weg, um ein Zeichen zu setzen“, so die Ratsvikarin weiter.

Ob und wann es zu einer Ablöse des Pfarrers kommt, steht noch nicht fest. „Es sind noch einige Pfarrbesetzungen ausständig. Grundsätzlich verspricht ein Pfarrer bei seiner Weihe, Dienst zu tun, wo er vom Bischof eingesetzt wird“, argumentiert Barbara Horvath-Piroska, Sprecherin des Bischofsamtes.

Fix ist hingegen die Ablöse Martin Korpitschs als Geistlicher Assistent der Caritas. Ihm folgt Günther Kroiss nach.
bvz-EISENSTADT (6.7.2011)

Offener Brief von Pfarrer Valentin Zsifkovits auf der Homepage der Pfarre Müllendorf:

Müllendorf, 2011-07-03

Liebe Pfarrangehörige!

Mit Wirksamkeit 1. September hat unser Herr Diözesanbischof einen neuen Pfarrer für euch bestellt. Unsere Pfarre bildet mit Großhöflein einen Pfarrverband. Dieser war in den letzten Jahren nicht verwirklicht, da Pfarrer Haider von Großhöflein auch noch eine leitende Funktion auf Diözesanebene innehatte. Da er mit 31. August in Pension geht, hat die Diözesanleitung entschieden, den Pfarrverband wieder zu verwirklichen und neu mit einem Priester zu besetzen. Der von der Diözese ernannte neue Pfarrer für beide Gemeinden ist Mag. Dr. Fabian MMagu. Der aus Nigeria stammende und schon lange Zeit im Burgenland lebende und wirkende Priester war zuletzt als Pfarrer von Großpetersdorf, Jabing und Neumarkt sowie auch als Dechant des Dekanates Rechnitz tätig. Sein Wohnsitz wird der Pfarrhof in Großhöflein sein.

Gerne wäre ich noch in Müllendorf, wo ich mich sehr wohl fühle, geblieben. Doch meine Bitte, bei euch bleiben zu dürfen, wurde ebenso wenig erhört wie jene des Pfarrgemeinderates und der politischen Gemeinde. Zwei Mitglieder des pfarrlichen Gremiums sind gemeinsam mit unserem Herrn Bürgermeister beim Herrn Diözesanbischof vorstellig geworden. Doch hatten sie keinen Erfolg. Mit Verweis auf die angespannte Personalsituation bei den Priestern und des bestehenden Pfarrverband wurde diese Entscheidung als eine notwendige dargestellt, die umgesetzt werden muss.

Bitten wir Gott in dieser für, viele, natürlich auch für mich, schwierigen Zeit besonders um seinen Segen.

In herzlicher Verbundenheit
Valentin Zsifkovtis e.h.





Schreiben des Bischofs an die Pfarre Müllendorf vom 11. Juli >>  (Link ist bereits inaktiv)
(sehr ähnlich dem "Niktischer Brief">>)

Eisenstadt, 11. Juli 2011
Liebe Gläubige in der Pfarre Müllendorf,
Schwestern und Brüder im Herrn!

Als Bischof entbiete ich der gesamten Pfarrgemeinde ein herzliches Grüß Gott und wende mich in einer für uns alle - Diözese und Pfarre - dringenden und ernsten Angelegenheit an Sie mit der Bitte um Ihr Gehör und Verständnis.

Die Personalkommission unserer Diözese hat nach mehreren Beratungen mit mir gemeinsam beschlossen, die Pfarre Müllendorf mit 1. September 2011 aus der Zuständigkeit des Pfarrers von Hornstein zu lösen und sie ab diesem Zeitpunkt mit der Pfarre Großhöflein zu einem Pfarrverband zusammenzufügen, wobei der jeweilige Pfarrer von Großhöflein auch zum Pfarrer von Müllendorf ernannt wird. Sitz des Pfarrers ist Großhöflein. Da Prälat Haider in den wohlverdienten Ruhestand tritt, wird der bisherige Pfarrer von Großpetersdorf, Neumarkt i. T. und Jabing Dechant Dr. Fabian Mmagu mit 1. September als Pfarrer den Pfarrverband Großhöflein-Müllendorf übernehmen.

Diese Umstellung hat ihren Grund allein in der Tatsache, dass es notwendig ist, die Seelsorge in dieser Region binnen zwei Jahren neu zu regeln. Wie schon in der Vergangenheit einmal gewesen, wird deshalb nun der Pfarrverband Großhöflein-Müllendorf wieder belebt und die Pfarre Hornstein wird in Zukunft mit den Pfarren Steinbrunn und Zillingtal schon wegen der Zweisprachigkeit einen Pfarrverband bzw. eine Seelsorgeeinheit bilden. In diesem Zusammenhang wird auch ihr bisheriger Pfarrer, Dechant Valentin Zsifkovits, bereits mit 1. September unabhängig von der Frage der Loslösung der Pfarre Müllendorf von Hornstein eine neue seelsorgliche Aufgabe übernehmen und mit Mag. Stefan Raiman wird ein neuer Seelsorger die Pfarre Hornstein übernehmen.

Dieser überraschende Wechsel löst bei vielen Gläubigen Eurer Pfarre Trauer, Enttäuschung oder Unmut aus - ich habe Verständnis dafür! Gleichzeitig aber ersuche ich auch um Euer Verständnis. dass ich in meiner Verantwortung als Bischof für die Gewährleistung der Seelsorge in der ganzen Diözese im Blick auf die vorhandenen personellen Möglichkeiten und auf die Erfordernisse in den Pfarren auch manchmal auf den ersten Blick hin unpopuläre Maßnahmen setzen muss. Und vergessen wir nicht, dass es in unserer Diözese 172 Pfarren gibt, die alle ein Recht auf eine gediegene Seelsorge haben; und keiner der Priester ist auf eine Pfarre geweiht, sondern auf die Diözese.

Was mich als Bischof im Zusammenhang mit Pfarrbesetzungen aber traurig stimmt ist, dass oft von Seiten einzelner Gemeindemitglieder, die sich als gute und gläubige Christen bezeichnen, mit Kirchenaustritt und dem Gang in die Medien gedroht wird. Das hat mit Glaube und Kirche nichts zu tun! Das ist keine Haltung echten und reifen Christseins, eines Christen nicht würdig! Es verwundert, dass sich auch die Politik in kirchliche Belange einmischt.

Als Bischof ersuche ich Euch, diese Entscheidung anzunehmen und mitzutragen, auch wenn sie bei Euch Unverständnis und Wehmut auslöst. Schenkt Eurem allseits beliebten und geschätzten bisherigen Pfarrer Valentin einen ehrenvollen Abschied und bringt Eurem neuen Pfarrer den gleichen Respekt und die Offenheit entgegen. Trotz Priestermangels bin ich froh, den Pfarrverband Großhöflein-Müllendorf mit einem guten, bewährten Priester besetzen zu können und dass dieser auch bereit ist, bei Euch als Seelsorger zu wirken - Gott sei dafür Dank gesagt!

Zugleich danke ich Eurem scheidenden Pfarrer ebenso wie allen, die mit ihm bei Euch Sorge für Glaube und Kirche tragen sowie für allen Einsatz und das Engagement in und für die Pfarrgemeinde und lade alle ein zur Weiterarbeit!

Möge diese strukturelle Veränderung und dieser Pfarrwechsel für Eure Pfarre zu einem gesegneten Aufbruch werden - denn schon die Bibel sagt: Alles hat seine Zeit!

Mit der Bitte um Euer Verständnis, Eure Mitarbeit und Euer Gebet um neue geistliche Berufungen verbleibt mit den besten Segenswünschen


Bischof von Eisenstadt

Ungehorsam: Schönborn zitiert Schüller zu sich

Nicht ohne Konsequenzen bleibt der Aufruf, Laien predigen zu lassen und die Kommunion auch Geschiedenen und Ausgetretenen zu spenden.

 [WIEN/d. n.] Kardinal Christoph Schönborn lässt den „ Aufruf zum Ungehorsam“, zu dem die Pfarrerinitiative aufruft, nicht ohne Konsequenzen. Er lädt nun Sprecher Helmut Schüller, der ihm von 1995–1999 als Generalvikar gedient hat, und den Vorstand des Vereins zu sich ein.

Und der Wiener Erzbischof bereitet ein Schreiben an alle seine Priester vor, mit dem er auf den Aufruf zumindest indirekt eingehen wird. Dass er ähnlich vehement wie vor ihm schon sein Stellvertreter an der Spitze der Bischofskonferenz, Egon Kapellari, vor einem Sonderweg Österreichs warnen wird, darf als sicher gelten.
Die ungefähr 300 Priester und Diakone haben sich in einer viel beachteten Erklärung unter anderm dazu verpflichtet, das Predigtverbot für Laien zu missachten und Geschiedenen, die neu verheiratet sind, entgegen der römischen Order die Kommunion zu spenden.

Artikel in "Die Presse" >>


"Zu viel Macht für einen Einzelnen"

Helmut Schüller probt den Aufstand gegen Rom - Im Standard-Interview spricht er über den "starken Bremsvorgang" in der Kirche
Die "Pfarrer-Initiative" veröffentlichte vor wenigen Tagen einen "Aufruf zum Ungehorsam". Darin kündigte sie wegen der "römischen Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform" unter anderem an, sich öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen, das Predigtverbot von Laien zu missachten und sich solidarisch mit jenen Kollegen zu zeigen, "die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten". Mit Helmut Schüller, einem der Proponenten der Pfarrerinitiative, sprach Sebastian Pumberger über den provokanten Aufruf.
Interview im Standard >>