Donnerstag, 26. November 2015

Diözese beendet Zusammenarbeit mit Kroatischem Kulturverein


Aktualisierung am 2.12.:

„Beleidigungs-Brief“ schlägt Wellen
Zahlreiche empörte Reaktionen gingen in der BVZ nach dem vorwöchigen Artikel zum Konflikt zwischen dem Kroatischen Kulturverein (HKD) und der Diözese ein.

Wie berichtet (den BVZ.at-Artikel dazu siehe hier bzw. weiter unten), hatte HKD-Vorsitzender Stanko Horvath, zugleich Vorsitzender des Volksgruppen-Beirates für Burgenlandkroaten im Bundeskanzleramt, Bischof Ägidius Zsifkovics in einem Schreiben persönlich wegen dessen Sehbeeinträchtigung beleidigt.

„Rufe Bischof wiederholt zum Dialog auf“
Gegenüber der BVZ meint Horvath jetzt: „Ich rufe den Bischof wiederholt zum Dialog auf, so wie auch Papst Franziskus den Dialog mit der Welt forciert.“ Die Beleidigung in seinem Schreiben will Horvath nicht weiter kommentieren.

In einer Stellungnahme der Diözese heißt es dazu: „Wer Beleidigung, Diskriminierung, mobbendes Verhalten und Rangeleien vor einem Gotteshaus als Voraussetzung für einen ‚Dialog‘ erachtet, ist im öffentlichen Diskurs zwischen Kirche und Gesellschaft beim besten Willen nicht als salonfähig zu erachten. Inwieweit jemand, der einem Menschen aufgrund von dessen Sehbeeinträchtigung die Führungskompetenz abspricht, überhaupt geeignet ist, in der Republik Österreich eine ganze Volksgruppe in ihren Minderheitenrechten öffentlich zu vertreten, muss an anderer Stelle überlegt werden.“
Quelle: BVZ


Verspottung von Bischof: Empörung über Skandal-Brief
Übles Schreiben mit persönlicher Beleidigung: Diözese beendet Zusammenarbeit mit Kroatischem Kulturverein.

Aufgrund wiederholter öffentlicher Angriffe des Vorsitzenden des Kroatischen Kulturvereins, Stanko Horvath, gegen Bischof Ägidius J. Zsifkovics sieht die Diözese nach 86 Jahren von einer weiteren Zusammenarbeit mit dem ursprünglich kirchlichen Werten verbundenen Verein ab.

Trauriger Höhepunkt ist ein Brief Stanko Horvaths, in dem er zum fünfjährigen Amtsjubiläum des Bischofs und dessen Beschreibung als „Wegweiser“ Stellung nimmt.

„,Wegweiser‘ mit solchen ,Rex‘-Augengläsern“
Horvath beendet sein Schreiben mit einer diskriminierenden Verspottung des Bischofs, der aufgrund seiner Sehbehinderung seit frühester Kindheit eine starke Brille tragen muss: „Bezweifle, dass man mit solchen ,Rex‘-Augengläsern (Originalzitat Dr. Werner J. Gruber) überhaupt etwas sieht, geschweige denn ,Wegweiser‘ sein kann.“

Bischof Zsifkovics will auf die Untergriffe nicht weiter reagieren und meint nur: „Diese Aussagen, noch dazu eines Arztes, disqualifizieren sich selbst – sie sind eine Verspottung aller sehbeeinträchtigten Menschen.“

Zu den persönlichen Beleidigungen gegen den Bischof möchte Horvath auf BVZ-Anfrage keine Stellung nehmen: „Ich habe das per Mail kommentiert, aber es hat keinen offenen Brief gegeben. Ich sage dazu nichts mehr.“ Auslöser der Trennung zwischen Diözese und Kroatischem Kulturverein war nun die einstimmige Wiederwahl Horvaths zum Vorsitzenden des Vereins.

Bischofsvikar: „Schaden für die Volksgruppe“
Bereits im Vorfeld der Wiederwahl hatte der Bischofsvikar für die kroatische Volksgruppe, Stefan Vukits, einen offenen Brief an die Mitglieder des Kroatischen Kulturvereins gerichtet, der auch auf der Volksgruppen-Seite des ORF veröffentlicht wurde. Darin heißt es seitens der Diözese: „Wir sind überzeugt, dass das persönliche Auftreten Dr. Horvaths in der ,Causa Großwarasdorf’ sowohl der kroatischen Volksgruppe im Burgenland als auch ihrem Bischof und ihrer Kirche geschadet hat und weiterhin schadet.“

Horvath dazu: „Es muss ja keine Zusammenarbeit geben, aber wir suchen weiter den Dialog mit der Diözese. Dazu ist aber auch eine Mindestbereitschaft auf der anderen Seite nötig.“

In der „Causa Großwarasdorf“ hatte der Lockenhauser Zahnarzt Horvath für negative Schlagzeilen gesorgt: Wie berichtet, folgten auf die Amtsenthebung von Pfarrer Ivan Jélic im Mittelburgenland heftige Proteste. Es kam auch zu Rangeleien, an denen Horvath als einer der Hauptakteure der Unruhen beteiligt war. Sogar der Verfassungsschutz war im Einsatz.

Stanko Horvath gilt nicht nur in Kirchenkreisen als „Wiederholungstäter“. Aktenkundig ist auch ein früherer körperlicher Angriff gegen einen Vereinsfunktionär. Den Bischof hatte er zuletzt im Rahmen der Agape nach der Messe beim Vorbeigehen beschimpft. Horvath hingegen will davon nichts wissen; allerdings gibt es zu dem Vorfall einen Entschuldigungsbrief, der der BVZ vorliegt.
Quelle: BVZ

Mittwoch, 25. November 2015

Schreiben der Reformbewegungen an die Bischöfe Österreichs

Sehr geehrter Herr Bischof!

Die Reformbewegungen in unserer Kirche haben die Ergebnisse der stattgefundenen Bischofssynode eingehend beraten und sind zur Auffassung gelangt, dass sich über den unmittelbaren Beratungsgegenstand weit hinausreichende Folgerungen ergeben. Sie haben daher beschlossen, an die Diözesanbischöfe Österreichs den im Folgenden wiedergegeben Appell in Form eines offenen Briefes zu richten.

Liebe Bischöfe – nun liegt es ganz an Euch!
Ein freimütiger Zuruf und Aufruf

Vielleicht ist uns allen noch nicht ganz bewusst, wie sehr Papst Franziskus die Kirche bereits verändert hat. So gut wie alles davon betrifft die Bischöfe – angestoßen durch einen von ihnen, den von Rom. Das Entscheidende ist eindeutig: Die Zeit der Entmündigung ist vorbei. Das hat nach der Überzeugung der kirchlichen Reformbewegungen Konsequenzen, die den Bischöfen in aller Freimut zugerufen werden sollen:

Liebe Bischöfe, bewältigt mutig und unverzüglich das Umdenken zu einem neuen Verständnis Eueres Amtes! Dieses war bisher auf die Rolle von Außenstellenleitern des Vatikans reduziert, gebunden durch geschworenen und bedingungslosen Gehorsam. Bringt diese entwürdigende Situation rasch hinter euch und unternehmt alles, um nun die eigentlichen Verantwortungsträger der Kirche zu sein!

Diese neu gewonnene Verantwortung besteht gegenüber Jesus, dem wahren Oberhaupt der Kirche. Sie besteht aber auch gegenüber dem Kirchenvolk. Die Getauften und Gefirmten sind niemandes Untergebene, so wie auch Ihr Bischöfe nicht solche seid, sondern wie wir alle zur schöpferischen Kraft des Glaubens berufen.

Das Amt der Bischöfe braucht Autorität, wenn es Respekt und Anerkennung finden soll. Autorität kann in unserer Zeit weder durch Berufung auf Gesetze noch auf Tradition gewonnen werden, sondern nur durch die Gaben des Geistes. Der Papst hat gegenüber der Synode erklärt, dass die evangelische Demut des Bischofsamtes erfordere, „die Gläubigen an der Hand zu nehmen und ihnen aufzuhelfen, ohne sich ihnen jemals überlegen zu fühlen“.

Den Reformbewegungen ist diese Hand bisher verweigert worden, ebenso das Gehör und das Gespräch. Wir haben immer an dieses „Aufhelfen“ gedacht, das auch die Kirche in ihrer heute so schwierigen Lage braucht und das ihr nun von einem inspirierten Papst zuteil wird.

Die Reformkräfte stehen in der Kirche nicht abseits, sondern wollen ihren Beitrag zu jener Erneuerung leisten, um die sie stets gerungen haben und die nun in Gang gesetzt wurde, aber noch keineswegs abgeschlossen ist. Sie erwarten, endlich Partner fruchtbaren Gedankenaustauschs in einer neuen und hoffnungsvollen Ära der Kirchenentwicklung sein zu können.

Mit der Bitte um Kenntnisnahme und besten Empfehlungen

Für die Plattform Wir sind Kirche:  Dr. Martha Heizer
Für die Pfarrerinitiative:                  Mag. Helmut Schüller
Für die Priester ohne Amt:             Herbert Bartl
Für die Laieninitiative:                    Dr. Herbert Kohlmaier

Mittwoch, 18. November 2015

50. Jahrestag des Dekrets über das Wirken von Laien in der Kirche

Die Laieninitiative, 18. November 2015

Laien in der Kirche – nach fünfzig Jahren wurde alles anders!

Am 18. November 1965 wurde vom II. Vatikanum das Dekret APOSTOLICAM ACTUOSITATEM über das Laienapostolat veröffentlicht. Die Rolle der Kirchenmitglieder, die nicht dem geistlichen Stand angehören, wurde neu beschrieben. Sie sollten Mitwirkende und Mitverantwortliche am Sendungsauftrag der Kirche sein. Was weiterhin blieb, waren Unterordnung, Gehorsamspflicht und das Angewiesensein auf die den Geweihten vorbehaltenen Befugnisse.

Das „Volk Gottes“ ist also zur „Mitwirkung“ am Apostolat berufen, aber nicht dort, wo die Kir-che Entscheidungen trifft (Ausnahme ist die bescheidene Mitsprache in den Pfarrgemeinderäten). Von welcher Gesinnung das nach dem Konzil erlassene Kirchenrecht geleitet ist, wird etwa darin sichtbar, dass man annahm, den Gläubigen die Erlaubnis geben zu müssen, Meinungen und Wünsche zu äußern (Can. 212) oder tiefere Kenntnisse der Theologie zu erwerben (Can. 229)!

Die entscheidende Ungleichheit zwischen Priestern und Laien besteht aber darin, dass nur Pries-ter „in persona Christi“ handeln können; auch nicht Diakone, was Benedikt XVI. ausdrücklich betonte. Es handelt sich dabei um eine spezifisch katholische Glaubenskonstruktion als Merkmal der Kirche. Sie ist historisch entstanden und findet in den Evangelien keinerlei Stütze.

Korrekturen, welche die Zeit bewirkt

Die nach dem Konzil bis zum Amtsantritt von Papst Franziskus verstrichenen Jahre haben keinen Fortschritt betreffend die den Laien zugewiesene Rolle gebracht – eher wirkten auch in dieser Frage restaurative Tendenzen des Vatikans. Aber in genau dieser Zeit ist sichtbar geworden, dass eine Kirche zweier voneinander strikt getrennter Stände in unserer Zeit und heutigen Gesellschaft zur bloßen Theorie wird. Die Entwicklung hat sich von der kirchlichen Autorität gelöst und neue Fakten geschaffen, welche die heutige Realität bestimmen:

• Die Lehre der Kirche ist im „Gottesvolk“ kaum mehr und allenfalls nur bruchstückhaft bekannt. Soweit dies der Fall ist, wird keine Verbindlichkeit empfunden, sondern jeder glaubt, was ihm plausibel erscheint.
• Das Gleiche gilt für die Vorschriften, welche die Kirche erlassen hat; sie haben praktisch keine Wirksamkeit mehr.
• Der traditionelle Priesterstand schrumpft auf eine immer kleinere Zahl überalteter Männer. Der dürftige Nachwuchs für einen unattraktiv gewordenen Beruf rekrutiert sich oft aus Kreisen, die noch dem überholten Bild des hierarchischen Kultpriesters verhaftet und für die Seelsorge in einer Gemeinde mündiger Christen untauglich sind. Eine einigermaßen flächendeckende und von Person zu Person wirkende Seelsorge für die Glaubensangehörigen ist nur mehr eine Illusion.
• Wo es wirklich noch lebendige Gemeinden gibt, hängt dies weitgehend vom Engagement der Laien ab, wobei die Frauen eine besonders wichtige Rolle spielen.

Die Zukunft der Kirche liegt in der Hand der Laien

Was die Kirchenleitung tut, ist also in Wahrheit bedeutungslos geworden, soweit es um Regeln, Gebote und Vorschriften geht. Wichtig hingegen ist alles, was Gesinnung, Gewissen und Glaube im wohlverstandenen Sinn betrifft. Franziskus hat das erkannt. Es bedeutet aber auch, dass die Chancen der Kirche in einer neuen Gemeinsamkeit liegen, die an der Basis wirken muss, aber nicht von einer Zentrale und deren Bevollmächtigten hergestellt werden kann.

Die Entwicklung zu einer Kirche ohne künstlich geschaffene Standesunterschiede ist nicht auf- zuhalten. Es kommt nicht mehr darauf an, dass jemand vorgibt, „in persona Christi“ zu handeln, sondern nur auf die Bereitschaft, im Geiste Christi zu wirken. Nur wenn das sehr viele „Laien“ in ihrer Verantwortung tun werden, kann es auch in Zukunft noch eine Kirche geben.

Das Dekret über das Apostolat der Laien hätte ein Meilenstein in der Kirchengeschichte werden können, wenn man das, was noch zögerlich angedacht war, mutig weiterentwickelt hätte. So aber ist das wenige Brauchbare beim „Rückbau“ nach dem Konzil durch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. verschüttet worden. Sollte es jetzt im Zuge der Entrümpelung der Kirche wieder her- vorgeholt werden, genügt kein oberflächliches Entstauben. Vielmehr müsste das Verhältnis von Priestern und Laien geradezu vom Kopf auf die Füße gestellt und anerkannt werden, dass im Verhältnis zu Gott und unseren Herrn Jesus der Unterschied zwischen Priestern und Laien marginal ist und nicht ins Gewicht fällt.

Zum Thema:

50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil
"Noch viel zu entdecken"
Ob Ökumene, Laien in der Kirche, Dialog mit anderen Religionen oder Fragen des Glaubenslebens: kein Bereich, der nicht durch die Beschlüsse des Konzils berührt wurde. Vor 50 Jahren ging das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. Eine Bilanz mit dem Dogmatiker Jan-Heiner Türk.
Deutschlandfunk >>

Samstag, 14. November 2015

Papst unterstreicht Rolle von Laien in der Kirche

Papst unterstreicht Rolle von Laien in der Kirche

Papst Franziskus hat die Rolle der Laien in der Kirche hervorgehoben. Die Verkündigung des Evangeliums sei nicht nur Aufgabe von „Missionsprofis“ mit Weihe, sondern aller Getauften, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Botschaft an den Päpstlichen Laienrat. Anlass des Schreibens ist ein Kongress zum 50. Jahrestag des Dekrets „Apostolicam actuositatem“ über das Wirken von Laien in der Kirche; es wurde vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) verabschiedet und durch Papst Paul VI. am 18. November 1965 in Kraft gesetzt.

Das Konzil habe die Laien nicht als Kirchenmitglieder zweiter Ordnung und Befehlsempfänger verstanden, so Franziskus. Sie sollten vielmehr das Licht und die Hoffnung weitergeben, die Christus allen Menschen gebracht habe. „Niemand kann besser als sie die essenzielle Aufgabe erfüllen, das göttliche Gesetz ins Leben der irdischen Welt einzuschreiben“, schreibt der Papst. „Als Jünger Christi und kraft ihrer Taufe“ seien die Laien dazu berufen, „jedes Umfeld, jede Aktivität, jede menschliche Beziehung mit dem Geist des Evangeliums zu erfüllen.“

Quelle: Radio Vatikan >>

Freitag, 13. November 2015

Innehalten ist notwendig - der Blog legt eine Pause ein!

Liebe Leser_innen meines Blogs!

Im Kanzelwort zum Martinsfest 2015 ist von einem "synodalen Prozess" zu lesen:

Zum diesjährigen Martinsfest wird der neue pastorale Weg verabschiedet – als Ergebnis eines synodalen Prozesses, zu dem von der Diözesan- über die Dekanats- bis hin zur Pfarrebene alle eingeladen waren, und der mit einem offiziellen Beschluss der diözesanen Gremien am Diözesantag des 15. Oktober 2015 seinen feierlichen Höhepunkt fand.

Das Papier ist mittlerweile verabschiedet und verteilt, und ich frage mich:
Wo gab es bei uns einen "synodalen Prozess"?
Wo wurden Konzepte zeitgemäßer Seelsorge so offen und breit diskutiert, wie wir es vor einigen Wochen bei der Synode in Rom zum Thema Familie erlebt haben?
Wo blieben bei uns die "Kasper- und die Pell/Müller-Positionen"?

Vielmehr habe ich in den letzten Jahren in unserer Diözese diese Erfahrungen gemacht:
Wenn sich  Mitarbeiter_innen kritisch äußerten, wurden sie einvernehmlich (oder auch nicht)  verabschiedet oder sehr unfreundlich behandelt.
Wenn Priester ihre Sorgen kundtaten und nicht gehorchen wollten, wurden sie auf Konsequenzen hingewiesen.
Wenn Reformbewegte um den Dialog baten, wurden sie ignoriert.

Dominik Orieschnig beschreibt im SchauTV vom 6.11. die Gläubigen in 20 Jahren als solche, die kritisch reflektieren, Gewohnheiten und Traditionen ablegen und Eigenverantwortung übernehmen werden. Leider übersieht er, dass es diese bereits jetzt zur Genüge gibt, dass sie aber in unserer Kirche nicht wahrgenommen und schon gar nicht gehört werden.

Ich konstatiere ein anonymes Nebeneinander, manchmal sogar von Angst bestimmt. Auf diese Weise werden dem Geist des Konzils nicht die Türen geöffnet. Wenn Dialog und Begegnung und somit der synodale Prozess fehlen, wird weiterhin vielen die Luft ausgehen - da helfen auch Gebete für sie bei Jubiläumsveranstaltungen wenig.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, vorerst nur mehr in besonderen Fällen Beiträge auf dem Blog zu veröffentlichen. Seit 2010 habe ich hier über 1.800 Beiträge veröffentlicht.

Für Gastbeiträge zum Thema Kirche und besonders zu Ereignissen in unserer Diözese Eisenstadt bin ich jederzeit offen und stelle meinen Blog zur Verfügung. Beiträge bitte an: eduard.posch@gmail.com


Den Leser_innen meines Blogs wird aufgefallen sein, dass ich in letzter Zeit viele Beiträge aus Radio Vatikan übernommen habe, besonders die Audienzen und Predigten von Papst Franziskus. Ich empfehle sie zur regelmäßigen Lektüre.

Schließen möchte ich mit Worten von Papst Franziskus beim Angelus vom letzten Sonntag:
„Jesus wirft den Schriftgelehrten und Pharisäern drei Fehler vor, die in ihrem Lebensstil offenbar werden: Hochmut, Habgier und Heuchelei. Unter einem feierlichen und falschen Schein verbergen sie Falschheit und Ungerechtigkeit, doch das Urteil wird hart sein, das sie erwartet“, so der Papst zum ersten Teil über die Christus-Nachfolge.

... und bei der Messe in Florenz am Dienstag:
„Die Kirche Jesu müsse stets in „gesundem Kontakt“ bleiben mit der Realität, wie sie die Menschen erlebten, „mit ihren Tränen und Freuden“, so Franziskus. Anders werde es ihr nicht gelingen, die Herzen der Menschen zu erreichen. Diener der Kirche dürften daher nicht der Versuchung verfallen, sich in ihren Ansichten vom Kirchenvolk abzukoppeln, als ginge es sie nichts an und sei ihnen nicht wichtig.

In der Hoffnung auf eine Wiederbelebung von Dialog und Begegnung und dankbar für über 910.000 Seitenaufrufe verbleibe ich

Euer
Edi Posch

Dienstag, 10. November 2015

SchauTV: Burgenlands Katholiken werden in Zukunft flexibler sein müssen

Kirche im Burgenland:
Ein Pfarrer für mehrere Gemeinden



SchauTV aktuell vom 6.11.2015
Der Beitrag aus dem Burgenland mit markanten Aussagen von Dr. Dominik Orieschnig beginnt bei Minute 5:40. 

SchauTV: Priestermangel - das bedeutet auch im Burgenland neue Wege einer Seelsorge. Die Zeiten, wo ein Pfarrer ständig in seiner Gemeinde anzutreffen war, sind vorbei. Als "eilige Pater" versorgen sie immer gleich mehrere Gemeinden. Die Diözese wünscht sich aber auch von den Gläubigen mehr Engagement. Groß war die Aufregung im mittelburgenländischen Großwarasdorf, als voriges Jahr der Pfarrer abberufen worden ist. Willkür und Freunderlwirtschaft haben Gläubige der Diözese vorgeworfen. Die Katholiken im Burgenland werden sich allerdings daran gewöhnen müssen, dass sie sich ihre Seelsorger nicht aussuchen können.

Dominik Orieschnig: "Es ist verständlich, dass Pfarren einen Lieblingspfarrer haben, aber man muss ganz klar sagen: ein Pfarrer gehört nicht seiner Pfarre!"

Man soll zwar die Kirche im Dorf lassen, aber das ist leichter gesagt als getan, wenn es immer weniger Priester und letztlich immer weniger Gläubige gibt.   

"Es ist die Chance wegzukommen von einem alten Versorgungsdenken und - entschuldigen Sie das offene Wort - von einer Art Wohlstandskatholizismus, so quasi: da muss ich jetzt unbedingt meine Messe haben, gleich nebenan."

Dass ein Priester für mehrere Gemeinden zuständig ist, ist nicht neu.  

"Ich glaube, die Menschen sind im Burgenland so, dass sie grundsätzlich eine Zeit brauchen, um mit Neuem umzugehen. Aber ich glaube, dass es da keine Rolle spielt, ob der neue Priester aus Afrika kommt oder aus Indien, oder ob das ein Priester wäre, der aus einer anderen burgenländischen Gemeinde kommt."

Die katholischen Christen im Burgenland werden in Zukunft flexibler sein müssen, nicht nur in Bezug auf ihre Pfarrer. Auch eine Garantie auf die H. Messe zur gewohnten Uhrzeit in ihrer gewohnten Kirche wird es nicht mehr geben.

"Wenn es jemand wichtig ist, einen Gottesdienst zu besuchen, die Hl. Messe zu feiern, zur Eucharistie zu gehen, gibt es im Burgenland sicherlich keine Überforderungen. Vielleicht jetzt nicht in der eigenen Ortskirche das haben zu können, sondern vielleicht auch in die Nachbarkirche einmal zu gehen."

Der Anfang vom Ende mancher Pfarren oder Gotteshäuser soll damit aber nicht gemacht sein.  

"Es werden Pfarren weder als Einheiten zusammengelegt zu einer Einheit, und es wird schon gar keine Kirche verkauft, wie es in anderen Diözesen der Fall ist, vor allem in Deutschland."

Dafür will die Diözese Burgenland auch die Gläubigen selbst in die Pflicht nehmen.

 "Jeder getaufte und gefirmte Katholik ist ein Seelsorger und trägt wirklich eine aktive Verantwortung zur Gestaltung der kirchlichen Gemeinschaft."

Que vadis? Wie wird die katholische Kirche im Burgenland 2035 aussehen?

"Das wird eine Kirche sein, in der es viel mehr Menschen gibt, die Eigenverantwortung übernehmen, und die diese Eigenverantwortung deshalb übernehmen können, weil sie sich von einem Traditionschristentum, von einem Gewohnheitschristentum, das ihre Eltern und Großeltern noch vertreten haben, verabschiedet haben, und wirklich kritisch, vielleicht auch aus einer ursprünglich kritischen Distanz heraus, ihr Christentum hinterfragt haben, und dann aber zu Antworten kommen werden, die sie wirklich im Leben tragen können."

Wer in der Bibel ganz genau liest wird merken, dass das eigentlich von Anfang an so gedacht war. Die von oben herab predigenden Priester haben zwar eine lange Zeit für sich gehabt. Diese Zeit geht nun aber zu Ende.

Montag, 9. November 2015

Papstinterview im „Straatnieuws“: Pflicht des Papstes, Missstände aufzuzeigen

Papstinterview: Pflicht des Papstes, Missstände aufzuzeigen

Einmal mehr überrascht Papst Franziskus mit einem persönlichen Interview. Diesmal nahm sich das Kirchenoberhaupt Zeit für ein niederländisches Straßenblatt, das von Obdachlosen gestaltet und verkauft wird. Im Interview der Zeitung „Straatnieuws“, das am 27. Oktober in der Casa Santa Marta geführt wurde, erzählt Franziskus persönliche Details aus seiner Kindheit, über seine „verlorene“ Freiheit als Papst bis hin zum Kampf gegen die Korruption, und er erklärt, warum die Kunstwerke des Vatikans nicht verkauft werden können, um damit Bedürftigen zu helfen.

Schlechter Fußballspieler mit großem Herz

Anfangs erzählt Papst Franziskus von seiner Kindheit in Buenos Aires. Er erinnere sich noch an die Namen der Menschen aus seinem Viertel. Er wuchs umgeben von seiner Familie auf und spielte gerne Fußball, nach der Schule, auch wenn sie ihn „pata dura“ nannten, was so viel heiße wie „einer mit zwei linken Füßen“. Deswegen übernahm er oft den Part des Tormannes.

Sein Einsatz für die Armen begann bereits sehr früh, erzählt der Papst weiter. Die italienische Frau, die bei den Bergoglios in Buenos Aires seiner Mutter zuhause beim Wäschewaschen half, war sehr arm, und diese Armut habe ihn berührte und tief getroffen, bekannte der Papst. Der Frau habe es am nötigsten gefehlt. Seine Mutter habe diese Frau sehr unterstützt und ihr viel gegeben. Diese Frau begleitete Franziskus bis zur letzten Stunde. Die Medaille des „Heiligen Herz Jesu“, die sie ihm einmal schenkte, trägt er jeden Tag mit sich; der Papst zog sie hervor und zeigte sie den Journalisten. Ihnen verriet er auch, was er früher einmal werden wollte: Sein eigentlicher Wunschberuf sei Fleischer gewesen.

Das Recht auf Arbeit, Dach und Land

Auf die Frage, was die christliche Nächstenliebe für die Obdachlosen bedeute, antwortete der Papst mit den „drei T“. Im Spanischen sage man, jeder habe das Recht auf die „drei T“ – trabajo (Arbeit), techo (Dach) und tierra (Land). Die Kirche betet für jeden, dass er diese drei T’s habe. Franziskus betonte, auch Jesus sei obdachlos gewesen und habe sich arm gemacht – die Kirche wolle alle umarmen und sagen, dass es jedermanns Recht sei, ein Dach über dem Kopf zu haben.

Die Pflicht des Papstes, Missstände aufzuzeigen

Franziskus bezeichnete es als Pflicht des Papstes, auf die Missstände der Welt aufmerksam zu machen, auch wenn die Überpräsenz der Themen wie Flüchtlinge und Armut in den Massenmedien und in der Gesellschaft zu einer gewissen „Müdigkeit und Gleichgültigkeit” führe. Er antwortete den Journalisten, dass er es merke, dass die Menschen von den schlechten Nachrichten erschöpft seien. Dennoch wiederholte er: „Ich muss über die Wahrheit reden und die Sachen ansprechen, wie sie sind.“

Politische Ausbeutung der Kirche vermeiden, aber wie?

Einige Wege könnten zu dieser Problematik führen, betonte der Papst. Die Kirche müsse daher die reine Wahrheit sprechen und Zeugin der Armut sein. „Wenn ein Gläubiger von Armut oder von Obdachlosen spricht, und dann aber selbst ein Leben wie ein Pharao führt“, dann sei dies eine Versuchung, die auf Abwege führe, so der Papst. Die zweite Versuchung ssei die Korruption – Absprachen mit den Machthabern. Wer in der Öffentlichkeit stehe – sei es politisch oder religiös – sei immer der Versuchung der Korruption ausgesetzt. Man könne durchaus Abmachungen treffen, betonte Franziskus, diese müssten aber transparent und kontrolliert sein.

Der Vatikan, der goldene Käfig

Obdachlose haben einerseits finanzielle Probleme, aber seien auf eine Art und Weise frei. Auf die Frage hin, ob der Papst sich wie ein „Gefangener im goldenen Käfig“ sehe, antwortete er, die Entscheidung in Santa Marta zu wohnen, alle zu grüßen und mit den Mitarbeitern essen zu können, mache den goldenen Käfig weniger zu einem „Käfig“. Aber ihm fehle die Straße, bekannte Franziskus. Eine Pizza essen sei für ihn immer noch ein großer Anreiz, doch sein letzter Ausflug ins Zentrum von Rom, als er sich neue Brillengläser kaufte, habe ihm gezeigt, dass dies nicht mehr möglich sei. Den menschlichen Kontakt bekomme er aber durchaus jeden Mittwoch bei der Generalaudienz, und diese menschliche Nähe genieße er sehr.

Könnten die Reichtümer der Kirche die Welt retten?

Die Reichtümer der Kirche seien Reichtümer der Menschheit , antwortete der Papst. Deswegen könne er auch die „Pietà“ von Michelangelo nicht einfach so verkaufen. Aber er verkaufe Geschenke, die er erhalte und führe sie einer Lotterie zu. Dieser Gelder würden von seinem Almosenmeister verwaltet und sinnvoll eingesetzt, so der Papst. Auch die Immobilien der Kirche gäbe es und sie seien viele, aber die Erlöse und Gelder würden für die Finanzierung von humanitären Einrichtungen wie Spitäler oder Schulen oder für neue humanitäre Projekte investiert werden. Franziskus sagte, er habe eben erst 50.000 Euro in den Kongo geschickt, um dort den Bau dreier Schulen zu ermöglichen.

Es gibt keine Welt ohne Arme

Eine Welt ohne Arme – die werde es wohl nie geben, beklagte der Papst. Denn es gebe auch keine sündenlose Welt. Habgier, fehlende Solidarität und Egoismus führt zur Existenz der Armut und der Ungerechtigkeit. Es erscheine ihm schwierig, sich eine Welt ohne Armen vorzustellen, denn die Welt sei voll von Ausbeutung – Kinder werden für Arbeit versklavt, missbraucht oder für Organhandel getötet. Das sei reine Habgier, deswegen könne er sich nur schwer vorstellen, dass es eine Welt ohne Armut geben könnte.

Das Interview führte ein 51 Jahre alter Niederländer namens Marc, der in Utrecht Straßenzeitungen verkauft. „Straatnieuws“ gehört zu einem Verband von Obdachlosenzeitungen namens INSP (International Network of Street Papers), der zugleich eine Fürsorgeeinrichtung ist. INSP vereint rund 113 Straßenzeitungen, die in 35 Ländern der Welt verbreitet werden. Zehntausende Obdachlosen verkaufen die Blätter und sichern sich damit einen Lebensunterhalt. 
Quelle: Radio Vatikan


Kommentare:

Papst-Philippika gegen Emporkömmlinge in der Kirche
Papst Franziskus appellierte angesichts des jüngsten Skandals im Vatikan, auf Luxus und Bequemlichkeit zu verzichten.
Die Presse >>


Franziskus in Straßenzeitungs-Interview: "War ein schlechter Fußballer"
Vatikanstadt, 06.11.2015 (KAP) Papst Franziskus hat der niederländischen Obdachlosen-Zeitung "Straatnieuws" in Interview gegeben. In dem am Freitag von Radio Vatikan veröffentlichten Gespräch mit dem Straßenzeitungsverkäufer Marc im Vatikan berichtet der Papst etwa, dass er als Kind wegen seiner schlechten Fußballkünste "harte Pfote" genannt wurde und früher einmal Fleischhauer werden wollte. Außerdem erklärt Franziskus gegenüber der aus Utrecht stammenden Zeitung, warum er die "Schätze der Kirche" nicht verkaufen wolle.
Kathpress >>


Ähnlich bei der Morgenmesse am Freitag

Papst Franziskus prangert die Geldgier im Vatikan an
Papst Franziskus übt harte Kritik an Geschäftsmacherei und Geldgier im Vatikan. Auslöser waren zwei Enthüllungsbücher über die katholische Kirche.

"Auch in der Kirche gibt es solche Menschen, die sich an der Kirche bedienen, statt an die anderen zu denken: Emporkömmlinge, die am Geld hängen", sagte der Papst laut Radio Vatikan bei seiner Morgenmesse am Freitag im Gästehaus Santa Marta. "Wie viele Priester und Bischöfe dieser Art haben wir schon gesehen? Das ist traurig, nicht?"

Das Oberhaupt der katholische Kirche forderte deshalb, Priester und Bischöfe dürften kein Doppelleben führen. Sie würden sich wie Diener zeigen, während sie sich aber in Wirklichkeit bei anderen bedienen, kritisierte Papst Franziskus.
Weiterlesen auf Salzburger Nachrichten >>


Papst über Geldsucht:
Christen sollen dienen, nicht sich bereichern
Die Kirche ruft zum Dienen auf und nicht zum Sich-Bereichern. Daran erinnert Papst Franziskus kurz nach der Veröffentlichung zweier Skandalbücher, die anhand gestohlener Dokumente und Mitschnitte geheimer Unterredungen einen fragwürdigen Umgang mit Geld im Vatikan aufzeigen. Bischöfe und Priester müssen der Versuchung zu einem Doppelleben widerstehen, predigte der Papst bei seiner Morgenmesse am Freitag in Santa Marta. Denn neben den Dienern gebe es ein zweites Gesicht der Kirche: das der Emporkömmlinge, die am Geld hängen, so Franziskus.
Weiterlesen auf Radio Vatikan >>

Freitag, 6. November 2015

50 Jahre „Katakombenpakt“

Domitilla-Katakombe
Vom »Konstantinischen Pakt« zum Katakombenpakt
Fünfzig Jahre nach jenem denkwürdigen Ereignis am 16. November 1965, als rund vierzig Konzilsväter den „Katakombenpakt“ schlossen, wage ich es, die These zu behaupten und zu begründen: Im Katakombenpakt erklären die Unterzeichner ihren Willen, in ihrem persönlichen Leben, in ihrer kirchlichen Amtsführung, im politisch-gesellschaftlichen Kontext des jeweiligen Landes und auf globaler Ebene die konstantinische Ära zu beenden. Papst Franziskus scheint vom gleichen Willen beseelt.
Ausführlicher Beitrag in Stimmen der Zeit von Norbert Arntz >>


Versammlung 11.-17. November 2015 in Rom (Programm):
Katakombenpakt erinnern und erneuern!
Das „geheime“ Vermächtnis des II. Vatikanischen Konzils
Der fünfzigste Jahrestag des sogenannten Katakombenpaktes steht bevor: Gegen Ende des II. Vatikanischen Konzils, am 16. November 1965, unterzeichneten zunächst vierzig – später fünfhundert – Konzils-Bischöfe den Pakt. Sie verpflichteten sich darin auf eine Kirche, die „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Armen und Bedrängten“ teilt (GS 1), und griffen damit das Thema auf, das im Konzil zwar genannt, aber nur sehr marginal verhandelt wurde. So trugen sie das Ihre dazu bei, dass die römisch-katholische Kirche wenigstens in Teilen „immer leuchtender das Gesicht einer wirklich armen, missionarischen und österlichen Kirche [zeigte], losgelöst von aller zeitlichen Macht und mutig engagiert in der Befreiung des ganzen Menschen und aller Menschen“ (Medellín 5.15).
Fünfzig Jahre später hat der Katakombenpakt nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil: Die Ver-Wüstung unserer Welt nimmt zu… Aber es gibt auch wieder Zeichen der Hoffnung. Gegen die Ver­letzung der Menschenrechte und den Raubbau an der Natur flammen immer wieder Aufstände und Proteste auf. Papst Franziskus fordert die Umkehr zur samaritanischen Kirche. Der Zeit­punkt ist günstig: Jetzt liegt es an uns, das Vermächtnis des II. Vatikanums und des Katakombenpaktes aufzunehmen und fortzuschreiben.
Pro-Konzil.de >>


Pressemeldung zum 50. Jubiläum des Katakombenpaktes
Institut für theologie und Politik (ITPOL) >>



Archiv:

»Für eine dienende und arme Kirche«

Der Katakombenpakt als geheimes Vermächtnis des II. Vaticanums

Der so genannte Katakombenpakt, bis heute vielen Christen unbekannt, ist eine Selbstverpflichtung von Konzilsteilnehmern, der Gruppe »Kirche der Armen«. Woher der Katakombenpakt stammt, welche Motive zur Bildung der Gruppe von Konzilsbischöfen geführt haben, die sich »Kirche der Armen« nennt, welchen Einfluss die Gruppe auf den Gang des Konzils nehmen konnte und welche Wirkungen im Lauf der nachkonziliaren Kirchengeschichte sich mit dem Katakombenpakt in Verbindung bringen lassen – diesen Fragen will ich in den folgenden Zeilen nachgehen. Aus verständlichen Gründen gestatten der begrenzte Umfang eines kurzen Artikels sowie die noch ausstehenden Forschungen nur eine grobe Antwortskizze.
Formun Weltkirche vom 30.10.2012 / Ausgabe 11/2012 >>

Donnerstag, 5. November 2015

Deutscher Theologe Christoph Theobald: Dieses Pontifikat ist "unüberholbar"

Ein „unüberholbares“ Pontifikat?

Das von Papst Franziskus forcierte synodale Prinzip der katholischen Kirche ist nach Überzeugung des in Paris lehrenden deutschen Theologen Christoph Theobald „nicht mehr rückgängig zu machen“. Die breitere Streuung der Verantwortung zeige sich in oft nur kleinen Gesten des Papstes, die allerdings „Fakten schaffen“: Theobald nannte im Interview mit der katholischen österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress als Beispiel die Tatsache, dass Franziskus das Annulierungsrecht in Eheprozessen, das das Papsttum im 13. Jahrhundert an sich gezogen habe, jüngst „einfach wieder an die Bischöfe zurückgab“. Oder: Texte kontinentaler bzw. nationaler Bischofskonferenzen zitiere der Papst in eigenen Enzykliken als lehrmäßige Äußerungen. Dies war 1998 von Johannes Paul II. in seinem Motu proprio „Apostolos suos“ praktisch ausgeschlossen worden.

Eine erfolgreiche Konsequenz der Weltbischofssynode wäre für den Jesuiten, der Fundamentaltheologie und Dogmatik am Centre Sèvres in Paris lehrt, die Verpflichtung der Bischöfe, in ihren Zuständigkeitsbereichen selbst synodale Prozesse anzustoßen. Dies wäre, so Theobald, ein weiterer Schritt in Richtung Aufwertung der Ortskirchen bzw. zur Etablierung von Patriarchaten in der Weltkirche. Eine Kurienreform, derentwegen Jorge Mario Bergoglio letztlich gewählt worden sei, hält Theobald für wenig zielführend, sollte nicht auch das Papsttum selbst reformiert werden. Rom solle nicht Schauplatz der Gesamtadministration der Kirche sein, sondern als eine Art „Appellhof“ fungieren, der im Konfliktfall interveniert. Diese Sichtweise des ersten Jahrtausends würde auch ökumenisch neue Perspektiven eröffnen, sagte der Jesuit.

Christoph Theobald war Festvortragender eines internationalen Kongresses, der vor kurzem an der Universität Wien stattfand. Führende Theologen aus aller Welt - darunter auch aus Afrika, Asien, Nord- und Südamerika - beleuchteten die Enzyklika „Evangelii gaudium“ und die Impulse des Papstes für Kirche und Theologie neuen Stils. Kongressorganisator Kurt Appel und die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel, beide Lehrende an der Wiener Theologischen Fakultät und Vortragende bei der Tagung, äußerten sich im Interview mit "Kathpress" gemeinsam mit Theobald zu den Ergebnissen.

„Sprengt Grenzen progressiv-konservativ“

Nach den Worten Theobalds sprengt Franziskus die Grenzen „progressiv-konservativ“, er umgebe sich nicht mit bestellten Beifallklatschern oder bilde Seilschaften: Er sei vielmehr ein Papst, „der den anderen sucht und - ich glaube auch den Gegner - ganz ernst nimmt“. Zugrunde liege dieser Haltung eine Franziskus eigene „Mystik der Geschwisterlichkeit“ und eine geistlich fundierte neue Zuwendung zur Welt nach dem Motto „Alle müssen gehört werden“. Das gebe den Anstoß zu einem neuen gesellschaftlichen Engagement der Kirche. Die ganze Erde und besonders die Armen würden „als Partner“ gesehen, erläuterte Theobald, der letztes Jahr den Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen erhalten hat.

Die Voraussetzung für diesen neuen sozialen Dialog sei es, „glaubwürdig im eigenen Haus mit dem Besen zu kehren“. Das habe der Papst etwa beim Weihnachtsempfang 2014 gegenüber der römischen Kurie getan, als er zu einem unprätentiösen und uneitlen Dienst aufrief und u.a. vor „glaubensmäßiger Alzheimer-Krankheit“ und „blindem Aktionismus“ warnte.

Franziskus stehe für eine Haltung, bei der die kirchliche Lehre „pastoral ausbuchstabiert“ werden müsse, sagte Theobald. „Denn eine Lehre, die nicht pastoral ausgerichtet ist, ist Ideologie“ und „Jesus ist ja kein Schriftgelehrter“. Die „Pastoralität“ der Lehre mag aber unterschiedlich in Europa, Lateinamerika oder Afrika sein, wie Theobald anmerkte. Hier stelle sich wieder die Frage der Ortskirchenrelevanz.

Er orte zwischen Kirche und Gesellschaft bereits eine „klimatische Veränderung“, so der Jesuit. Er sehe das deutlich im traditionell laizistischen Frankreich, wie es sich auswirke, wenn die Kirche „keine Selbstverteidigungspolitik“ treibe und der Wahrheitsdiskurs nicht so im Vordergrund stehe wie noch bei Papst Benedikt XVI. Theobald sieht die Kirche unter Franziskus wie eine „Rutengängerin“ agieren, die hilft, Ressourcen zur Bewältigung gegenwärtiger Krisen auch außerhalb des Christentums aufzuspüren und zusammenzuführen.

Schon Konzil betonte Synodalität

Nach den Worten der Wiener Sozialethikerin und Vizepräsidentin der internationalen Justitia-et-Pax-Kommissionen, Ingeborg Gabriel, war die Aufwertung der Ortskirchen durch Papst Franziskus schon von Anfang seines Pontifikats an da, als er sich als „Bischof von Rom“ vorstellte. Das sei eigentlich schon im Zweiten Vatikanischen Konzil und unter Paul VI. dagewesen und werde jetzt von Franziskus - nach langjähriger „Blockade“, wie Gabriel sagte - aufgegriffen und realisiert vor dem Hintergrund von Bergoglios lateinamerikanischer Herkunft.

Dass der Papst die Synodalstruktur der Orthodoxen in „Evangelii gaudium“ als vorbildlich darstelle, ergänze er durch bemerkenswerte „Symbolpolitik“, wenn er etwa den „grünen Patriarchen“ Bartholomäus I. in „Laudato si’“ wie einen katholischen Lehramtsträger zitiere und bei der jetzigen Vatikan-Synode die orthodoxen Kirchen miteinbeziehe.

An der „Öko-Enzyklika“ bewundere sie, dass Franziskus darin die sich verschärfenden „Krisen anspricht, ohne in Katastrophenstimmung oder Alarmismus zu verfallen“, so Gabriel weiter. Er halte die Balance zwischen Hoffnung und Benennung von Missständen. Freilich gelte es, überzogene Erwartungen an einen Einzelnen zu relativieren. Der Papst könne „nicht mehr tun als Zeichen der Hoffnung zu geben“ und dabei an ethische Grundlagen zu erinnern, die Gläubige mit Nichtgläubigen gemeinsam haben. Laut der Sozialethikerin ist gerade die Ethik eine Brücke zu einer postchristlichen, wenn auch in wesentlichen Teilen vom Christentum gespeiste Gesellschaft.

Pontifikat nicht „nur pastoral relevant“

Die Tagung zeigte nach den Worten des Wiener Fundamentaltheologen und Kongress-Planers Kurt Appel auf, dass das jetzige Pontifikat nicht „nur pastoral relevant“ ist, sondern auf einer „äußerst innovativen, tief durchdachten“ Theologie fußt. Es sei ein „Franziskus-Effekt“ zu beobachten: Mittlerweile würden sich viele Katholiken, die im Dialog mit der Welt stehen, „wieder freuen, Katholik zu sein“. Davor hätten Depression bzw. sogar Scham vorgeherrscht. Dieser Effekt sei in anderen Weltteilen vielleicht stärker als in Österreich, meinte Appel, weil hierzulande noch Ressentiments gegenüber der Kirche meinungsbildend seien.

Als positiv bewertete es der Wiener Theologe, dass unter Papst Franziskus kanonische Richtlinien bei Bischofsernennungen wieder stärker beachtet würden. Bei wichtigen Nachbesetzungen wie in Madrid oder Chicago habe es wie zuletzt auch in Österreich „gute Lösungen“ gegeben. Appel erinnerte daran, dass es beim Konzil viele ausgezeichnete Bischöfe gab, da Pius XII. - wie oft übersehen werde - viele fähige Theologen und Seelsorger zu Bischöfen ernannt habe.
Quelle: Radio Vatikan


Gerüchte vom nahenden Rücktritt des Papstes sind stark übertrieben

Franziskus sieht sich mit VatiLeaks II konfrontiert. Vorgänger Benedikt hat nicht zuletzt wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente resigniert.
Die Presse >>


Vatileaks II: „Das Motiv ist schwer zu verstehen“
„Die Tatsache an sich ist sehr schwerwiegend, aber nichts kann den Weg vermauern, den der Heilige Vater eingeschlagen hat.“ So reagiert der Bischof von Albano, Marcello Semeraro, auf „Vatileaks II“, also den neuerlichen Dokumentendiebstahl im Vatikan. Der Sekretär des „K-9“-Kardinalsrates, der Franziskus bei der Kurienreform berät, glaubt, dass der Diebstahl letztlich gegen die vom Papst eingeleiteten Neuerungen im Vatikan gerichtet ist. „Aber das war vorhersehbar“, so Semeraro gegenüber der Tageszeitung „Corriere della Sera“, „jede Veränderung ruft Widerstand hervor.“
Radio Vatikan >>

Mittwoch, 4. November 2015

„Vatileaks 2“: Zwei Festnahmen nach Dokumentendiebstahl


Vatileaks II: Neuer Dokumentendiebstahl
Das Vatikan-Tribunal hat zwei Mitarbeiter festgenommen, die im Verdacht stehen, vertrauliche Dokumente gestohlen zu haben. Das hat der vatikanische Pressesaal an diesem Montag bestätigt. Am Samstag und Sonntag seien die beiden vernommen und danach verhaftet worden, hießt es in einer Mitteilung. Es handelt sich um den spanischen Priester Lucio Angel Vallejo Balda und die italienisch-marokkanische PR-Fachfrau Francesca Chaouqui. Beide wirkten früher in einer inzwischen aufgelösten Kommission (COSEA) für die Reform der wirtschaftlich-administrativen Strukturen des Heiligen Stuhles. Vallejo ist amtierender Sekretär der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhles und gehört der Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz an, die mit dem Opus Dei verbunden ist. Chaouqui ist der Vatikan-Mitteilung zufolge inzwischen wieder auf freiem Fuß, weil sich keine Notwendigkeit zu weiterem Arrest ergeben hatte und sie sich bei den Vernehmungen zur Zusammenarbeit bereit zeigte.

Die Mitteilung erinnert daran, dass die Verbreitung vertraulicher Nachrichten und Dokumente ein Vergehen nach den vatikanischen Gesetzen ist. Italienische Medien hatten am Allerheiligen-Wochenende berichtet, ein Priester habe interne Dokumente für zwei Bücher über die vatikanischen Finanzen weitergegeben, die in den nächsten Tagen in Italien erscheinen. Ein solcher Vorgang sei „Frucht eines schwerwiegenden Verrats des Vertrauens“, das der Papst gewährt habe, heißt es dazu aus dem Vatikan. Mit Blick auf die beiden Bücher behalte sich die vatikanische Justiz weitere Ermittlungen auch außerhalb des Vatikanstaates vor, hieß es. Solche Publikationen trügen auf keinen Fall dazu bei, Klarheit und Wahrheit zu schaffen.

Italienische Medien vergleichen den Fall mit der Vatileaks-Affäre gegen Ende des Pontifikates von Benedikt XVI. Dabei ging es um den Diebstahl von Dokumenten vom Schreibtisch des Papstes, die ein italienischer Journalist namens Gianluigi Nuzzi in einem Buch publizierte. Nuzzi ist der Autor eines der beiden Skandalbücher, die in wenigen Tagen die neu gestohlenen Papstdokumente veröffentlichen sollen. Für „Vatileaks I" war der Kammerdiener des Papstes Paolo Gabriele zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Benedikt XVI. begnadigte ihn bei der ersten Gelegenheit. Ein Prozess gegen Nuzzi fand nicht statt.
Radio Vatikan >>


Vatikan nimmt ranghohen Geistlichen und Italienerin fest
Vertrauensbrüche
Der Vatikan hat einen ranghohen Geistlichen und eine Italienerin wegen Weitergabe vertraulicher Dokumente festgenommen. Beide stehen im Verdacht, Informationen über Finanzmissstände im Vatikan weitergegeben zu haben.
Domradio.de >>


Neuer „Vatileaks“-Skandal: Papst „sehr verbittert“
Papst Franziskus soll wegen des neuen Skandals in Zusammenhang mit der Veruntreuung von Dokumenten zur Finanzlage im Vatikan „sehr verbittert“ sein. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA.
Religion.orf.at >>


Vatikanjournalist: Finanzverrat wird Papst nicht schaden
Römische Affären
Der neue Vatileaks-Skandal wird nach Einschätzung des Vatikankenners Ludwig Ring-Eifel noch größere Kreise ziehen. Im domradio.de-Interview blickt der Journalist auf die Verdächtigen und mögliche Motive.
Domradio.de >>


Hintergrund:
„Informantin“ aus Leidenschaft und starker Mann vom Opus Dei
Katholisches.info vom 26.8.2013

Blog-Archiv vom 19.8.2013:
Papst Franziskus in Bedrängnis


Dienstag, 3. November 2015

Bischof Zsifkovics: „Seht, ich mache etwas Neues!“

Immerhin gab es bei der Verabschiedung des Statuts für den neuen Weg eine Stimmenthaltung.


„Seht, ich mache etwas Neues!“ – Diözese Eisenstadt geht in der Seelsorge mutig neue Wege
Bischof Zsifkovics hebt auf Diözesantag mit Dechanten, Pfarrern und Laienmitarbeitern einen neuen „Pastoralen Weg“ aus der Taufe – Neue Seelsorgeräume als künftiger Boden von Teamgeist, sozialem Mehrwert und partizipativer Pastoral abseits überholten Versorgungsdenkens – Zsifkovics: „Zeichen der Zeit erkennen, gesellschaftlichem Paradigmenwechsel Rechnung tragen und mutig andocken an die Lebensräume der Menschen!“
martinus.at >>


Diözese „fit machen“ für die Zukunft
Die Diözese Eisenstadt plant eine groß angelegte Reform. In den kommenden zehn Jahren sollen 40 sogenannte Seelsorgeräume entstehen, in denen jeweils zwei bis fünf Pfarren zusammenarbeiten sollen.
Burgenland.orf.at >>


Theologe: Neuer Pastoraler Weg erkennt die "Zeichen der Zeit"
Renommierter Pastoraltheologe, -psychologe und -soziologe Christoph Jacobs (Paderborn) gab im Rahmen der Festakademie zum Martinsfest "Orientierungspunkte" für den Neuen Pastoralen Weg der Diözese Eisenstadt – Pastoral der Zukunft geschieht "auf Augenhöhe" und mit dem "Charisma der Zeitgenossenschaft"
martinus.at >>

Montag, 2. November 2015

„Osservatore Romano“-Journalistin über ihre Erfahrungen auf der Synode

Die italienische Journalistin Lucetta Scaraffia
Synode einmal anders:
„Eine Art Maskottchen“

So mancher Synodenvater wird jetzt vielleicht bereuen, dass er Lucetta Scaraffia in den drei Wochen der Synode nicht mal die Tür aufgehalten hat. Oder dass er sich in der Kaffeepause an ihr vorbeigedrängelt hat, in Richtung Buffet. Jedenfalls zieht die Beobachterin der Synodenarbeiten – eine von 32 Frauen, die es überhaupt in die Aula geschafft hatten – eine teilweise ätzende Bilanz, und zwar ausgerechnet in der französischen Tageszeitung „Le Monde“.

„Wenigstens haben sie mich eingeladen“: Das sei ihr immer wieder mal durch den Kopf gegangen während der Synode, berichtet die Historikerin und Feministin Scaraffia, Verantwortliche der Frauenbeilage in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Für eine Frau wie sie, „die den Mai 68 und den Feminismus mitgemacht hat“, sei die Synode eine „ungewöhnliche Erfahrung“ gewesen, und das meint sie nicht nur positiv. „Was mich bei diesen Kardinälen, Bischöfen und Priestern am meisten erstaunt hat, das war ihre vollkommene Unkenntnis des Weiblichen, ihr unsensibler Umgang mit Frauen, die sie offenbar für minderwertig halten“, so die 67-Jährige. Eine große Mehrheit der Synodenväter, nicht alle, hätten vor allem zu Beginn in ihrer Anwesenheit „deutliches Unbehagen“ verspürt. Nach einer Weile habe man sich immerhin an sie gewöhnt und sie „als eine Art Maskottchen“ gelten lassen.

„Es gab ganz klar verschiedene Lager“

„Nur geduldet“ und „fast inexistent“ habe sie sich gefühlt – nicht nur in der Aula, sondern auch in ihrer Sprachgruppe. „Jede meiner Wortmeldungen ging ins Leere.“ Als sie versucht hatte, mit einigen der anderen Frauen in der Synodenaula über ihre Erfahrungen zu sprechen, hätten die sich offenbar gewundert: „Für die war es offenbar normal, so behandelt zu werden.“ „Fast unsichtbar“ waren die Frauen auf der Synode, dabei gehe sie das Thema – die Ehe- und Familienpastoral – doch unmittelbar an. Immer, wenn sie darauf hingewiesen habe, hätten Synodenväter ihren „Mut“ gelobt, notiert Scaraffia. „Erst war ich etwas überrascht, dann merkte ich: Dass ich deutlich gesprochen hatte, befreite sie davon, das ebenfalls zu tun.“

Anders als viele Synodenteilnehmer schreibt Scaraffia übrigens unumwunden, natürlich habe es „verschiedene Lager“ gegeben: „jene, die die Dinge wirklich ändern wollen, und die, für die alles so bleiben soll, wie es ist“. Die „Opposition“ sei „sehr deutlich“ gewesen. „Zwischen den Lagern gab es eine Art Grauzone, wo man sich arrangierte, nur vage Dinge äußerte und erst einmal abwartete, in welche Richtung sich die Debatte entwickeln würde.“ Mit Belustigung notiert Scaraffia die Redeweise im „konservativen Lager“: „Sie haben eine bunte Sprache, um von den Freuden der christlichen Ehe zu sprechen, etwa Hochzeitsgesang, Hauskirche, Evangelium der Familie. Sie zeichneten damit eine perfekte Familie, wie es sie in der Wirklichkeit gar nicht gibt.“

Das „progressive Lager“ kam Scaraffia „nuancierter“ vor. Man erkenne die Mitglieder dieses „Lagers“ allerdings daran, dass sie alle von Barmherzigkeit sprächen. „Barmherzigkeit war das Schlüsselwort der Synode: In den Arbeitsgruppen kämpften die einen darum, es aus den Texten zu tilgen, während die anderen versuchten, es ganz im Gegenteil überall einzustreuen.“ Eigentlich sei das „gar nicht so kompliziert“, fährt Scaraffia fort. Sie habe sich vor der Synode eine „theologisch irgendwie komplexere Situation vorgestellt“.

„Sexualität“ wurde zu „Affektivität“

Die auf der Synode geführte Sprache fand Scaraffia, von einigen Ausnahmen abgesehen, viel zu „selbstreferentiell“. Sie sei „fast immer unverständlich“ gewesen „für alle, die nicht zum kleinen Kreis des Klerus gehören“. Da werde etwa „Sexualität“ zu „Affektivität“.

Trotz ihrer beißenden Bemerkungen glaubt Scaraffia, dass sich auf der Synode „ein tiefer Wandel vollzogen“ habe: „Zu akzeptieren, dass die Ehe ebenso eine Berufung ist wie etwa das Ordensleben, ist ein großer Schritt nach vorn. Es bedeutet, dass die Kirche den tiefen Sinn der Inkarnation versteht, die dem, was mit dem Körper zu tun hat, spirituellen Wert zuspricht.“ Das gelte „auch für die Sexualität“ als „spirituelles Mittel“.

Ebenso wichtig erscheint ihr das Insistieren auf einer guten Vorbereitung auf die Ehe: „Das war’s jetzt mit der Fassaden-Zugehörigkeit, ohne wirkliche Gewissensentscheidung. Die große Lehre Jesu, dass nur die Absicht des Herzens zählt, tritt jetzt immer mehr ins praktische Leben. Wir machen also einen wichtigen Fortschritt im Verständnis seines Wortes.“ Die Autorin fährt fort: „In den zahlreichen Polemiken über die Lehre oder die Normen kommt nichts von alledem vor. Aber wenn man näher hinsieht, ist die Veränderung doch erkennbar, und sie ist ohne Zweifel positiv.“
Quelle: Radio Vatikan >> 


Frauenbeilage-Chefin der Vatikanzeitung:
Geistliche halten Frauen für minderwertig
Ja-Kirchenzeitung.at >>


"Einer roch den Duft des Teufels"
Thomas Schirrmacher nahm als einziger Protestant (Evangelikaler) Deutschlands an der Familiensynode im Vatikan teil – und schmiedete Allianzen für die Weltchristenheit
Die Welt >>