Mittwoch, 30. April 2014

Pfarrer aus Oberfranken bittet Papst um Befreiung vom Zölibat

Priester bittet Papst um Befreiung aus Zölibat
"Barmherzigkeit! Jetzt!": Erst im Januar hat sich ein Priester aus Oberfranken zu seiner erwachsenen Tochter bekannt. Nun bittet er Papst Franziskus in einem offenen Brief darum, ihn aus dem Zölibat zu befreien. Die Enthaltsamkeit entspreche "nicht der Konstitution meiner Person."
Als er sich Anfang des Jahres im Fernsehen zu seiner erwachsenen Tochter bekannte, hat Pfarrer Stefan Hartmann der lange währenden Debatte um den Zölibat für katholische Priester neuen Schwung verpasst. Nicht unbedingt zum Gefallen seines Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick. Der wusste, ebenso wie Hartmanns Gemeinde, längst von der Tochter, nun aber kritisierte Hartmann öffentlich die Ehelosigkeit als "Anachronismus, der vielen Menschen und der Kirche schadet".
Nun hat der Pfarrer aus dem oberfränkischen Oberhaid bei Bamberg nachgelegt: In einem offenen Brief bittet er Papst Franziskus, ihn vom Zölibat zu befreien. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte der Pfarrer am Donnerstagabend das Schreiben, das er mit "Barmherzigkeit! Jetzt!" betitelt hat. Er beantrage die Dispens "im Bewusstsein meiner Schwäche, meiner Fehler und in aller geschuldeten Demut", schreibt Hartmann. Er habe nach langen Jahren eingesehen, dass das Zölibatsversprechen, dass er bei seiner Diakonatsweihe 1981 in Trier gegeben hatte "voreilig war und nicht der Konstitution meiner Person entspricht".
Süddeutsche.de >>

Dienstag, 29. April 2014

Neugestaltung des Bischofshof-Platzes anlässlich des Ersten Frauentags

Bischof Ägidius Zsifkovics, LR Verena Dunst, Moderatorin Nicole Aigner, LR Mag. Michaela Resetar, kfb-Diözesanleiterin Gabriela Zarits, kfb-Vorsitzende Imelda Krizan, Susanna Hackl von der Evangelischen Frauenarbeit.
Die Nachlese auf martinus.at zum Frauentag am 22. April in Eisenstadt möchte ich euch nicht vorenthalten.


Bischof Zsifkovics gibt die neuen "K"s für Katholische Frauen vor: kommunikativ, kreativ und kritikfähig

"Ich öffne gerne dieses Haus – es ist ja euer Haus!" Bischof Ägidius Zsifkovics begrüßte am Osterdienstag im Bischofshof 200 Frauen zum ersten Frauentag. Die Katholische Frauenbewegung will damit Frauen in Kirche und Gesellschaft stärken.

"Indem wir die Tore des Bischofshofs für den ersten Frauentag weit öffnen, verneige ich mich als Bischof vor den Leistungen der Frauen in Gesellschaft und Kirche". Mit diesen Worten begrüßte Bischof Ägidius Zsifkovics die Teilnehmerinnen am Sitz der Diözese in Eisenstadt. Mit Hinweis auf das Evangelium nannte der Bischof die Frauen die ersten Zeuginnen der Auferstehung Jesu, die es den Jüngern weitererzählten. "Im Klartext gesprochen: Sie sagten den Männern, was Sache ist." Dessen sei sich nicht nur Papst Franziskus bewusst, wenn er mehr Frauen in führende Funktionen berufen will. Frauen, so der Bischof seien "tragende Säulen mit statischer Funktion" in der Kirche von heute.

Neue Gestaltung für Bischofshof
Der Platz vor dem Bischofshof erhielt anlässlich dieses Ersten Frauentags eine neue Gestaltung durch den Künstler Heinz Ebner, der das Thema "Frauen in der Kirche" auf seine unverwechselbare Art und Weise umsetzte und Frauen in ihrer Bedeutung und ihrer Vielfalt ein Gesicht verleiht.
Weiterlesen auf martinus.at >> 


Acrylmalerei von Heinz Ebner im Bischofshof >>   

Montag, 28. April 2014

Porträt von Papst Johannes XXIII.

Johannes XXIII.: Sanftmut und Menschenrechte
Das ist die Faszination, die von Johannes XXIII. noch immer ausgeht: wie sich seine konservative Frömmigkeit mit dem untrüglichen Gespür für die Herausforderungen einer neuen Zeit verbindet und mit dem Mut, notwendige Reformen in Angriff zu nehmen.
Religion.orf.at >>

Als Papst ein Reformator
Als Johannes XXIII. sein Amt antrat, galt er als Papst des Übergangs. Doch mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verordnete er der katholischen Kirche den Weg in die Moderne. Er war ein gewiefter Diplomat und geschickter Vermittler innerhalb der Kirche.
Tagesschau >>

Heiligsprechung von Papst Johannes XXIII.
Sakrosankt in finsteren Zeiten
Hannah Arendt pries ihn als "wahren Papst", nun wird er heilig gesprochen: Johannes XXIII. reformierte die katholische Kirche, besuchte Gefangene, sprach mit Arbeitern - und gab diesen mitunter Nachhilfe beim Fluchen.
Süddeutsche >>

Leben und Wirken von Johannes XXIII.
Friede in der Welt!
Papst Johannes XXIII. war Seelsorger, Schlitzohr, Kirchendiplomat und der Papst des Zweiten Vatikanischen Konzils. Am Sonntag findet seine Heiligsprechung statt.
Domradio.de >>

Papst Johannes XXIII.
Heiliger Vater der Herzen
Der leutselige Italiener führte die Kirche nur wenige Jahre, aber berief das Zweite Vatikanische Konzil ein - und wurde damit zu einem großen Kirchenreformer.
Süddeutsche >>

Johannes XXIII.: Mit einer Portion heiliger Verrücktheit
Im Vatikan galt Angelo Roncalli als naiver Bauernsohn. Dann wurde er Papst - und revolutionierte die Kirche.
FAZ >>

Sonntag, 27. April 2014

Steinharte Zweifel



Der Stein des Zweifels ist groß.
Der Stein unserer Bedenken wiegt schwer.
Es sind große Brocken,
die es zu überwinden gilt.
Ganze Felsen liegen mir im Weg.
Wer wird die Steine wegnehmen?

Ich möchte glauben, dass du das Leben bist.
Ich möchte glauben, dass du Jesus
zu neuem Leben auferweckt hast.

Ich möchte glauben, dass ich das Leben habe.
Ich möchte glauben,
dass der Tod nicht das letzte Wort hat,
sondern das Leben.

Zertrümmere den Stein meiner Zweifel.
Wälze den Stein meiner Bedenken weg.
Nimm mir die Felsen aus dem Weg.
Bau die Hindernisse ab –
wenigstens die großen, du mein Gott.

Roland Breitenbach, Sechs-Minuten-Predigten. LJ A,
Herder-Verlag, Fr. i. Br., 2004, 89f.

Freitag, 25. April 2014

Bedenken gegen Wojtyla-Heiligsprechung


Zeitung "Corriere":
Martini hatte Bedenken gegen Wojtyla-Heiligsprechung

Verstorbener Erzbischof von Mailand kritisierte, dass Johannes Paul II. Rolle der Ortskirchen in den Hintergrund drängte

Im Heiligsprechungsverfahren für Papst Johannes Paul II. (1978-2005) sollen nach Informationen der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" auch Bedenken laut geworden sein. Der frühere Mailänder Erzbischof Kardinal Carlo Maria Martini (1927-2012) habe als Zeuge Vorbehalte geäußert, berichtete die Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf nicht zugängliche Prozessakten. "Ich möchte die Notwendigkeit seiner Heiligsprechung nicht besonders unterstreichen, da mir scheint, dass das historische Zeugnis seiner ernsten Hingabe für die Kirche und für den Dienst an den Seelen ausreicht", zitierte die Zeitung aus Martinis Stellungnahme aus dem Jahr 2007.
Kathpress >>

Kirchenhistoriker äußert Skepsis über „Santo subito“
Der prominente deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf steht der Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. am 27. April in Rom skeptisch gegenüber.
Religion.orf.at >>

Heiligsprechungen in Rom
“Unfehlbar ist das nicht”
Manche müssen Jahrhunderte warten, bei Johannes Paul II. ging es so schnell wie kaum je zuvor: Neun Jahre nach seinem Tod wird Karol Wojtyla, der polnische Papst in den Zeiten des europäischen Umbruchs, am kommenden Sonntag in Rom heiliggesprochen. Mit ihm erfährt auch Johannes XXIII. diese Ehre, der 1962 das Zweite Vatikanische Konzil einberufen und damit die große Erneuerung der katholischen Kirche und ihre Öffnung zur Welt eingeleitet hat. Dazu befragen wir den katholischen Theologen Peter Hünermann (85) von der Universität Tübingen.
Stuttgarter Zeitung >>

Ein päpstlicher Balanceakt
Für den langjährigen Vatikanbeobachter John Allen ist die Heiligsprechung der zwei Päpste einerseits Ausdruck der inneren Zerrissenheit der katholischen Kirche, und anderseits Ausdruck eines päpstlichen Balanceaktes. "Er weiß, dass unter den Katholiken Johannes XXIII. ein großer Held der Linken und Johannes Paul II. ein Held der Rechten ist. Wenn er einen von beiden allein heilig gesprochen hätte, wäre das eine Siegesfeier für dessen Fraktion der Kirche geworden." Doch nun bringe Franziskus beide Seiten zusammen.
Tagesschau.de >>

Unheiliges Schweigen
AnalyseJohannes Paul II. taugt nicht zum Heiligen, weil er die Missbrauchsfälle in der Kirche vertuschte.
Tagesanzeiger >>

Heiligsprechung zweier Päpste
"Narzisstische Selbstverherrlichung des Systems"
Wieder einmal wird Rom einen Besucher- und Medien-Hype erleben. Polen, Italiener und alle anderen Papstbegeisterten werden jubeln und glücklich sein. Warum? An einem Tag werden zwei Päpste heiliggesprochen, die gegensätzlicher kaum sein könnten.
Ein Beitrag von Hermann Häring auf T-mobil-Online >>

Heiligsprechung scharf kritisiert
Der Religionssoziologe Michael N. Ebertz hat die Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. scharf kritisiert. „Wenn die Päpste anfangen, einander durch die Bank heilig zu sprechen, dann ist das die nochmalige Steigerung einer Selbstsakralisierung der Institution Kirche und des Papstkults durch einen Kult um die Person der Päpste“, sagte der Freiburger Wissenschaftler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag-Ausgabe). Eine Institution, deren Spitzenpersonal so um sich selbst kreise, wirke leicht unglaubwürdig.
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Wunder gibt es immer wieder
Der Heiligenkult ist eine katholische Besonderheit. Am Sonntag werden die Ex-Päpste Johannes Paul II. und Johannes XXIII. von Franziskus heiliggesprochen. Es ist eine kirchenpolitische Demonstration.
Welt.de >>

Wie zu Zeiten der Cäsaren
Der Kirchenkritiker Hans Küng im Interview mit Joachim Frank über die Seligsprechung von Johannes Paul II.: Er taugt nicht als Vorbild

Herr Professor Küng, hat es Johannes Paul II. verdient, seliggesprochen zu werden?
Küng: Er hat gewiss Lob verdient als Mann von Charakter, als Vorkämpfer für Frieden und Menschenrechte. Aber das war nur die eine Seite. Denn was er nach außen propagierte, stand in völligem Widerspruch zu seiner Innenpolitik: In der Kirche hat er ein autoritäres Lehramt ausgeübt, er hat die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt. Er ist somit der zwiespältigste Papst des 20. Jahrhunderts und taugt nicht dazu, den Gläubigen als Vorbild präsentiert zu werden. Markante Persönlichkeiten wie Johannes Paul II. werden immer Widerspruch hervorrufen. Es geht ja auch nicht darum, fehlerlose Menschen seligzusprechen. Die Mängel sollten nur nicht wesentliche Teile des gesamten Wirkens betreffen. Aber die dunklen Seiten sind im Seligsprechungsprozess ganz und gar unberücksichtigt geblieben. Kein Wunder also, dass der Vatikan kritische Zeitzeugen wie mich nicht anhören wollte.

Was hätten Sie auszusagen gehabt?
Küng: Ich war immerhin der erste große Inquisitionsfall dieses Papstes. Er hat mir zu keiner Zeit die Gelegenheit gegeben, meine theologischen Positionen ihm persönlich gegenüber zu verteidigen, deretwegen mir vor Weihnachten 1979 über Nacht die kirchliche Lehrbefugnis entzogen wurde. Dabei war bekannt, dass Papst Wojtyla kein einziges meiner Bücher gelesen hatte. Verurteilen aber konnte er sie schon. Daran sehen Sie: Dieser Papst war intolerant und unwillig zum Dialog. Auch seine Behandlung der lateinamerikanischen Befreiungstheologen war das Gegenteil von dem, was man von einem christlichen Vorbild erwarten sollte.

Geht es nicht mindestens so sehr um Kirchenpolitik wie um persönliche Tugendhaftigkeit?
Küng: Dass Johannes Paul über bestimmte Positionen wie Zölibat oder Frauenpriestertum nicht reden wollte, gilt seinen Anhängern gerade als Pluspunkt. Der Pflichtzölibat entstammt einem Missbrauch der päpstlichen Macht im Mittelalter. Er wurde erst im 11.Jahrhundert eingeführt und verstößt gegen die altkirchliche Tradition und - noch schlimmer - gegen das Evangelium: Jesus hat die Ehelosigkeit empfohlen, aber nicht befohlen. Darum muss dieses Gesetz abgeschafft werden.

Und das Frauenpriestertum?
Küng: Da liegt der Fall ein wenig komplizierter, weil zum Kreis der "Zwölf Apostel" Jesu wohl tatsächlich nur Männer gehörten. Trotzdem haben Frauen das Wirken Jesu von Anfang an begleitet, haben sogar seinen Lebensunterhalt mit bestritten. Er selbst war im Umgang mit Frauen seiner Zeit weit voraus. Sicher ist auch, dass Frauen in der Frühkirche Gemeinden geleitet haben. All das wird von der Amtskirche konsequent verschwiegen. Stattdessen hat Johannes Paul II. erklärt, nach dem Willen Gottes sei die Weihe von Frauen ausgeschlossen. Woher der Papst den Willen Gottes kannte, weiß niemand. Trotzdem hat er es als unfehlbare Lehre verkünden lassen.

Was halten Sie generell von Selig- und Heiligsprechungen?
Küng: Ursprünglich bestimmten die Gläubigen durch ihre anhaltende Verehrung, wer ein Heiliger ist. Franz von Assisi zum Beispiel ist vom Volk heiliggesprochen worden. Vom Jahr 1200 an hat die römische Kurie daraus ein päpstliches Privileg gemacht. Das hat dazu geführt, dass ein guter Brauch vielfach zum Missbrauch geworden ist.

Auch jetzt? Was denn sonst? Der Nachfolger spricht den Vorgänger selig?
Küng: Da geht es doch in Rom zu wie zu den Zeiten der Cäsaren, die den jeweils vorangegangenen Kaiser zum Gott erhoben! Die Selig- und Heiligsprechung dient dem Papst als Instrument der Selbstdarstellung. Wie ein absolutistischer Fürst hat Benedikt XVI. das eigene Kirchenrecht gebrochen, um Johannes Paul im Hauruckverfahren seligsprechen zu können: unter Umgehung der vorgeschriebenen Fristen, mit der Anerkennung einer äußerst dubiosen Wunderheilung und mit der Zulassung einer sofortigen öffentlichen kultischen Verehrung, die sonst vor einer Selig- oder Heiligsprechung strikt verboten ist. Schon bei seinem Amtsantritt 2005 predigte Benedikt, er sehe seinen Vorgänger "aus dem Himmelsfenster auf die versammelten Gläubigen herunterschauen". Ich möchte mal wissen, wie der Theologieprofessor Joseph Ratzinger so einen Gedanken verteidigt hätte.

Was hat Papst Benedikt XVI. davon?
Küng: Wäre ich bösartig, würde ich sagen, er spekuliert schon auf die eigene Seligsprechung. Nein, vermutlich denkt der gegenwärtige Papst, wenn er seinen Vorgänger seligspricht, gerate all das Schlimme in Vergessenheit, was dieser Mann angerichtet hat. Mit der Person soll auch die Politik seliggesprochen werden - eine Politik, mit der Johannes Paul und sein getreuer Vasall, Kurienkardinal Joseph Ratzinger, hauptverantwortlich sind für das gegenwärtige Siechtum der Kirche. Wir haben eine prunkvolle Fassade mit viel Pomp and Circumstance. Aber hinter den großen Liturgien in Rom gähnt in vielen katholischen Gemeinden die große Leere. Trotzdem forderten Gläubige bei der Beerdigung Johannes Pauls II. 2005 dessen sofortige Heiligsprechung. Dieses "Santo Subito!" war doch von vorn bis hinten gesteuert. Ich habe die "spontanen" Transparente auf dem Petersplatz gesehen: alle fein säuberlich gedruckt. Das Ganze war eine Inszenierung konservativer bis reaktionärer katholischer Gruppierungen, die vor allem in Spanien, Italien und Polen sehr stark sind.

Sie bestreiten aber nicht, dass Karol Wojtyla zumindest bei seinen Landsleuten schon so eine Art Kultstatus genießt?
Küng: Ich gönne den Polen einen neuen Heiligen. Nur sind in Polen Katholizismus und Nationalismus immer eine sehr enge Liaison eingegangen. Das war eine Stärke zur Zeit des Kommunismus, ist aber heute eine Schwäche, weil es eine Öffnung für Demokratie, Pluralismus und die Werte der Aufklärung hemmt. Als Nationalheiliger eignet sich Johannes Paul aber auch deshalb nicht, weil ihm das polnische Kirchenmodell, das er der ganzen Welt aufzwingen wollte, sogar in der eigenen Heimat in den Händen zerbrochen ist. Moderne und Säkularisierung haben auch um Polen keinen Bogen gemacht. Zum Glück.

Sie sprechen in Ihrem neuen Buch von einem "Verrat am Zweiten Vatikanischen Konzil" durch Johannes Paul II. Was meinen Sie damit?
Küng: Ich nenne Ihnen fünf Programmworte des Konzils, und Sie sehen sofort den Widerspruch: Das "Aggiornamento" (Erneuerung) trifft bei Johannes Paul auf rigorose Moralenzykliken und einen traditionalistischen Weltkatechismus. Der vom Konzil propagierten "Kollegialität" der Bischöfe begegnet Johannes Paul mit einem nie dagewesenen römischen Zentralismus. Der "Apertura" (Öffnung) zur modernen Welt setzt Johannes Paul die Verteufelung einer Anpassung an den Zeitgeist und eine traditionelle Marienfrömmigkeit entgegen. Statt auf "Dialog" setzt er auf Gängelung der Rede- und Gewissensfreiheit, etwa in der akademischen Theologie. Und die "Ökumene" drängt Johannes PaulII. durch römisch-katholische Vorrang-Fantasien zurück. Im Vergleich zu den sieben fetten Jahren der katholischen Kirche, deckungsgleich mit dem Pontifikat Johannes XXIII. und dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1958-1965), nahmen sich die vier mal sieben Jahre des Wojtyla-Pontifikats in der Substanz eher mager aus. Übrigens auch gemessen an Johannes Pauls eigenen Zielen.

Inwiefern?
Küng: Was hat er denn erreicht? Dass Katholikinnen nicht die Pille nehmen? Dass der Zölibat der Priester allseits akzeptiert ist? Dass die Rufe nach Kirchenreformen verstummt sind? Nichts davon! Nach einer jüngsten Umfrage wünschen sich 80 Prozent der deutschen Katholiken Reformen in ihrer Kirche und vor allem die Abschaffung des mittelalterlichen Zölibatsgesetzes. Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche wäre fast zum Stolperstein für die Seligsprechung geworden. Warum eigentlich? Selbst im Vatikan gab es Zweifel, ob die jahrzehntelange Anhänglichkeit des Papstes an den mexikanischen Priester und Gründer der "Legionäre Christi", Marcial Maciel Degollado, eine Seligsprechung nicht komplett unmöglich machen würde. Der Mann war nicht nur ein notorischer Kinderschänder, sondern führte ein komplettes Doppelleben mit zwei reichen Geliebten. Diese Frauen trugen maßgeblich zur Finanzierung der päpstlichen Jubelreisen nach Mexiko bei. Bis ans Ende seines Lebens hielt Johannes Paul schützend die Hand über Maciel. Wie er überhaupt bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche komplett versagt hat. Das ganze Ausmaß dieser scheußlichen Verbrechen wurde von ihm gemeinsam mit Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation systematisch vertuscht.

Wen würden Sie gerne heiligsprechen?
Küng: Ich würde erst einmal das ganze Verfahren überprüfen. Das Kriterium einer Wunderheilung hält naturwissenschaftlichen Maßstäben in keiner Weise stand. Die Auswahl der Kandidaten dürfte nicht nur den Machtinteressen der Kurie gehorchen. Am liebsten wäre mir die "Heiligsprechung von unten", durch das Volk. Oscar Romero, der Erzbischof von San Salvador, wegen seines Einsatzes für die Armen 1980 am Altar erschossen, wurde vom Vatikan stets missachtet. Romero hat es nie auf die offizielle römische Liste der Seligen und Heiligen geschafft. Dafür steht er - wie viele andere - auf der heimlichen Liste wahrer Vorbilder im Glauben.
Berliner Zeitung >>


Erst "selig", dann "heilig", dann arme Seele:
Karol Wojtyla, genannt Johannes Paul II.
Der Theologe >>


Kritik an Heiligsprechung: "Widersprüchlicher Papst"
Die Heilisprechung von Johannes Paul II. könnte eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Wirken behindern, befürchtet die Plattform "Wir sind Kirche".

Mit Skepsis sehen deutschsprachige Reformorganisationen wie "Wir sind Kirche" die bevorstehende Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. In einer gemeinsamen Stellungnahme gibt man zu bedenken, dass es sich bei dem polnischen Pontifex um den "widersprüchlichsten Papst des 20. Jahrhunderts" gehandelt habe.

In dem Papier der Reformgruppen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz heißt es, die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. dürfe nicht die kritische Auseinandersetzung mit ihm verhindern. Während das Kirchenvolk Johannes XXIII., der durch die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils der römisch-katholische Kirche den Weg in die Moderne bereitet habe, längst als Heiligen verehre, werde das Wirken von Johannes Paul II. auch nach seiner Heiligsprechung umstritten bleiben.

"Rückfall in zentralistische Strukturen"

Ohne Zweifel habe Johannes Paul II. vieles getan, das hohe Achtung verdiene. Doch liege seine Tragik in der großen Diskrepanz zwischen dem Einsatz für Reformen und für Dialog in der Welt und dem unter seiner Verantwortung vollzogenen innerkirchlichen Rückfall in zentralistische und autoritative Strukturen.

Nicht zu übersehen sei, dass er und mit ihm der damalige Glaubenspräfekt (und spätere Papst Benedikt XVI.) Joseph Ratzinger mit "autoritärem Dogmatismus" Christen anderer Kirchen sowie mündige Katholiken, besonders aber Frauen und Reformbewegungen vor den Kopf gestoßen, Gräben aufgerissen und eine gehörige Hoffnungskrise verursacht hätten: "Mit seiner Inflation von Heiligsprechungen, seinem rückwärtsgewandt-zentralistischen Kirchenbild, seinem unbiblischen Personenkult, Pomp und Klerikalismus wurde Johannes Paul II. deshalb zum widersprüchlichsten Papst des 20. Jahrhunderts."
DiePresse.com >>


Bischof Zsifkovics bei Heiligsprechung in Rom
Eisenstädter Bischof betont Verbundenheit der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. mit Burgenland
Kathpress >>

Donnerstag, 24. April 2014

Philosoph West: "Sprache des Papstes kommt Sprache Jesu nahe"

Amerikanischer Philosoph und Prediger Cornel West plädiert im "Kathpress"-Gespräch für eine Wiederentdeckung der biblischen Prophetie

Wien, 18.04.2014 (KAP) Als eine "Quelle anhaltenden Hallelujas" hat der US-amerikanische Philosoph und Bürgerrechtler Cornel West den Pontifikatswechsel von Benedikt zu Franziskus bezeichnet. Franziskus zeichne sich nicht nur durch seine Fokussierung auf die Menschen am Rande der Gesellschaft aus, sondern vor allem durch eine besondere Sprachbegabung, sagte West im Gespräch mit "Kathpress": "Diese Sprache kommt der Sprache Jesu sehr nahe und ist wie ein neuer Atem für die Kirche."

West, der an der amerikanischen Harvard-Universität lehrt und als einer der prominentesten öffentlichen Intellektuellen und Bürgerrechtler der USA gilt, plädierte außerdem für eine Wiederentdeckung der biblischen Prophetie als eine gesellschaftsverändernde Kraft. Prophetie meine dabei nicht, die Zukunft vorauszusagen, "sondern zur Wahrnehmung des Leidens und des Übels in der Welt zu sensibilisieren, dieses aufzudecken und die Kraft zu mobilisieren, dagegen anzukämpfen."

Sein philosophisches Programm bezeichnet der bekennende Baptist West als "prophetischen Pragmatismus": Pragmatismus bedeute dabei eine flexible und dynamische Handlungsform, "verbunden mit einer intellektuellen Demut, dass alles letztlich vorläufig bleibt, dass man bei allem auch falsch liegen kann", so West. "Prophetisch" werde dieser Pragmatismus, "wenn man ihn in die Leidensgeschichten dieser Welt eintaucht".

Die Philosophie neige dazu, Geschichte "klinisch zu bereinigen", er begreife Geschichte dagegen als Abfolge des "Tragischen" und "Katastrophischen". Darin liege letztlich auch der "Genius des Judentums", so West unter Verweis auf biblische Prophetengestalten: So habe das Judentum "der Menschheit ein großes moralisches Geschenk gemacht und die Frage in den Mittelpunkt seiner Tradition gerückt, was es bedeutet, Mensch und menschlich zu sein."

Daher gebe es laut West, der u.a. CD-Projekte mit Hip-Hop-Musikern realisiert hat und im Kino-Blockbuster "Matrix" mitgespielt hat, auch kein "neutrales" Verhalten zur Geschichte: "Wenn man sich als radikal demokratischer Intellektueller versteht, dann muss man auf die Stimmen dieses 'demos', des Volkes, hören - wo immer sie sich artikulieren. Das kann in politischen Verbänden sein oder in Kirchen oder eben im Studio mit Hip-Hop-Musikern." In diesen Stimmen - aber auch in der Musik wie etwa dem von ihm favorisierten Blues - artikulieren sich laut West "Ströme von Tränen, Gräuel und Leiden".

Forciert würde dieser Blick auf Geschichte als Leidensgeschichte laut West etwa durch gesellschaftliche Entwicklungen wie den aktuellen Aufstieg des Neo-Faschismus und Rassismus weltweit. Bedingt werde dieser Aufstieg durch die Finanz- und Wirtschaftskrisen: "'Big business' auf der einen Seite, soziale Abstiegsängste auf der anderen Seite". Dies befördere den Neo-Faschismus ebenso wie einen autoritären Politikstil. West kennzeichnet diese Entwicklung in seiner Philosophie mit dem Begriff "Nihilismus": Darunter verstehe er den "Triumph von Macht und Gewalt über alle Moral, ohne Rücksicht auf die Schwachen und Verwundbaren".

Sich selbst bezeichnet West als "Karsamstags-Christ". Wenn Karfreitag der Todestag Jesu ist und Ostern als Tag der erfolgten Auferstehung gefeiert werde, so sei die Existenz des Christen genau jene des Abwartens und "Ringens mit dem Tod", sprich: des Karsamstags. Christen neigten zum Teil dazu, "vorschnell zum Ostersonntag überzugehen", mahnte West. Dagegen laute der biblische Auftrag: "Leben wir als Karsamstags-Christen, stärken wir die radikale Nächstenliebe und mutige Mitleidenschaft, ohne vorschnell in den Jubel des Ostersonntags einzustimmen."
Kathpress >>

Mittwoch, 23. April 2014

Kardinal Bertone bezieht riesige Luxuswohnung im Vatikan

Die Forderung von Papst Franziskus nach einer „armen Kirche“ findet offenbar nicht bei allen Geistlichen Gehör: Der italienische Kardinal Tarcisio Bertone lässt sich eine 700 Quadratmeter große Luxuswohnung im Vatikan herrichten. Die neue Unterkunft will der frühere Kardinalstaatssekretär nach umfangreichen Umbauarbeiten im Sommer beziehen.

Wie die italienische Zeitung „La Repubblica“ am Sonntag meldete, sei Bertones Wohnung, die über eine 100 Quadratmeter große Dachterrasse verfügen soll, zehnmal so groß wie die Gemächer des Papstes, der sich mit rund 70 Quadratmetern begnügt. Der für seine bescheidene Lebensweise bekannte Pontifex wohnt anders als seine Vorgänger im vatikanischen Gästehaus und nicht im Apostolischen Palast.

„Arme Kirche für die Armen“
Franziskus tritt seit seinem Amtsantritt im März 2013 mit Nachdruck für eine Reform des Vatikan ein und fordert eine „arme Kirche für die Armen“. Den im Jänner bestimmten Kardinälen gab er mit auf den Weg, sie sollten „Weltlichkeit“ und Partys meiden und ein „einfaches und demütiges Herz“ behalten. Erst am Gründonnerstag hatte Franziskus in seiner Predigt gefordert: „Die priesterliche Freude ist eine Freude, welche die Armut zur Schwester hat.“
Bischöfe und Priester mahnt der Papst immer wieder, der Kirche nicht zu schaden, indem sie auf Geld und Ruhm aus sind. Beharrlich ruft er sie dazu auf, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen, zu den Armen und Benachteiligten und macht es ihnen vor, indem er Kranken und Behinderten die Füße wäscht, Obdachlose zu seinem Geburtstag einlädt oder für die traditionellen Fastenexerzitien mit seinen Mitarbeitern in einem Bus in die Albaner Berge südöstlich von Rom fährt.

Opfer von „Maulwürfen und Schlangen“
Bertone wurde im Oktober vom Papst seines Amtes erhoben. Sieben Jahre lang war er die Nummer zwei im Vatikan. Der Norditaliener, der von Benedikt XVI. zum Staatssekretär ernannt worden war, wurde von einigen Vatikan-Beobachtern für wiederholtes mangelndes Krisenmanagement der Kurie verantwortlich gemacht. Seine Behandlung von Missbrauchsfällen in den USA und die Probleme mit der umstrittenen Pius-Bruderschaft wurden in den Medien diskutiert. Sein Name tauchte außerdem in Zusammenhang mit Enthüllungen der „Vatileaks“-Affäre um Dokumentenklau, Intrigen und Korruption im Vatikan auf.
Seine Kritiker hatten Bertone immer wieder einen autoritären Führungsstil und zu enge Beziehungen zur Politik vorgeworfen. Der Kardinal witterte hingegen eine Verschwörung. Er sei ein Opfer von „Maulwürfen und Schlangen“ im Vatikan geworden, sagte er damals. „Natürlich habe ich meine Fehler“, sagte der Kardinal, aber er habe alles für die Kirche getan.
In seine Luxuswohnung werde Bertone immerhin nicht alleine einziehen, schreibt die „Repubblica“. Er werde sein neues geräumiges Domizil mit drei Nonnen teilen. Sein Nachfolger als Kardinalstaatssekretär, Erzbischof Pietro Parolin wohnt indes im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, in dem auch Papst Franziskus logiert.
Quelle: orf.at


Kardinal baut "Goldenes Penthouse" im Vatikan
Gegen dieses Luxusapartment ist Tebartz-van Elst' Residenz mickrig: Im Vatikan lässt sich Tarcisio Bertone ein 700 Quadratmeter großen Alterssitz errichten – zehn Mal so groß wie das Papst-Domizil.
Welt-Online >>


Kardinal Bertone: Der Tebartz vom Vatikan
Eine Baustelle sorgt für Empörung in Rom: Ex-Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone lässt sich im Vatikan eine mehrere hundert Quadratmeter große Luxuswohnung herrichten. Der Kirchenfürst hofft auf Verständnis - vergebens.
Spiegel-Online >>

Dienstag, 22. April 2014

Österreicher vertrauen dem Papst wieder mehr als dem Dalai Lama

Auch der ungehorsame Pfarrer Helmut Schüller genießt weiterhin großes Vertrauen
Papst Franziskus hat es in Österreich gerichtet: Nicht mehr der Dalai Lama (wie noch 2011), sondern das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche kommt im vorösterlichen APA-OGM-Vertrauensindex auf den Bestwert. Den dritten Platz kann der ungehorsame Pfarrer Helmut Schüller für sich verbuchen. In den Minusbereich wurde der abgetretene Pontifex Josef Ratzinger verbannt.

Für den Vertrauensindex wurden in der Karwoche 500 Österreicher über 16 Jahren online befragt, ob sie der jeweiligen Person vertrauen oder nicht. Aus den Ja- und Nein-Stimmen wurde ein Saldo gebildet und dann ein Ranking erstellt. Die Schwankungsbreite beträgt plus/minus 4,5 Prozent.

Dalai Lama konnte klar zulegen
Der erstmals abgefragte Papst Franziskus liegt mit 59 Punkten an der Spitze, gefolgt vom Dalai Lama mit 50 Punkten. Dieser konnte damit gegenüber 2011 klar zulegen, damals reichten ihm 38 Punkte für den Spitzenplatz.
Schüller liegt mit 32 Punkten klar vor dem Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari, der mit 16 Punkten den Bestwert der österreichischen römisch-katholischen Bischöfe schafft. Gleich dahinter folgen Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn (15) und der neue Salzburger Erzbischof Franz Lackner (14).
Auf elf Punkte kommt der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, ebenso wie der Innsbrucker katholische Bischof Manfred Scheuer. Mit dem Wiener Dompfarrer Toni Faber (10) folgt dann wieder ein einfacher, wenn auch societyerprobter katholischer Kleriker, dahinter dann die Bischöfe Alois Schwarz (Gurk-Klagenfurt, 7), Ludwig Schwarz (Linz, 6) und Benno Elbs (Feldkirch, 6).

Minusbereich
Im Minusbereich finden sich der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis (-1), der Eisenstädter katholische Bischof Ägidius Zsifkovics (-3), Ex-Papst Benedikt XVI., also Joseph Ratzinger (-4), der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg (-5), der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch (-8), und der St. Pöltner Bischof Klaus Küng (-12). Schlusslicht ist Fuat Sanac, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, mit -16 Punkten. Schon 2011 nahm sein Vorgänger Anas Schakfeh den letzten Platz im Vertrauensranking ein.
Größter Gewinner gegenüber der Befragung 2011 ist Bünker mit +14 Punkten vor dem Dalai Lama (12), Kapellari (9) und Scheuer (9). Auch Eisenberg (8), Küng (7), Zsifkovics (5), Schönborn (5), Alois Schwarz (4) und Faber (3) legten zu. Einen Vertrauensverlust mit minus 12 Punkten musste einzig Ratzinger hinnehmen. Alle anderen wurden heuer erstmals abgefragt.

Substanzielle Verbesserung der Vertrauenswerte
Laut OGM-Chef Wolfgang Bachmayer zeigt der Vertrauensindex im Vergleich zu 2011 eine durchgehende und substanzielle Verbesserung der Vertrauenswerte vor allem bei den Vertretern der katholischen Kirche. Er führt das auf das Abebben des Missbrauchsthemas, aber auch auf die Strahlkraft des neuen Papstes zurück. Auch die Akzeptanz der anderen Glaubensvertreter hat - bei sehr geringen Bekanntheitswerten - zugenommen. Das könne als Zeichen etwas zunehmender Toleranz interpretiert werden, so Bachmayer.
 Artikelbild
Quelle:  Der Standard

Freitag, 18. April 2014

Kreuz und Auferstehung laden ein…

Maria Hafner - Auferstehen, Acryl 1998
„Vor dem grünen Kreuz, das zum Lebensbaum wurde, steht der Auferstandene. Er ist die Frucht dieses Baumes, er gibt sich zur Speise – seinen Brüdern und Schwestern. Er teilt sein Wesen mit, sein verwandeltes, auferstandenes Leben. Nicht als philosophische Idee, sondern sich selbst – zu einem neuen Begegnen. In einer neuen Gegenwart, auf einer neuen Ebene. „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabge kommen ist, damit sie (die Menschen) das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 5,33-35; 10,10)
Seine Arme sind ausgebreitet, sie sind nicht mehr ans Holz genagelt, sie sind frei. Es ist, als bewegen sie sich leicht im Tanze, uns einladend. Damit wir es immer wieder erfahren: in diesem auferstandenen Jesus, dem Christus, haben wir Anteil: an der Erde, am ganzen Kosmos, am Himmel.“ (Maria Hafner)
Mit diesen meditativen Worten der Künstlerin ist das Wesentliche gesagt. Ergänzend sei auf das Kreuz und die Farben eingehen. Das grüne Kreuz hat eine lange Tradition (z.B. Glasfenster in Chartres) und will sagen, dass aus dem Kreuz des Todes ein Kreuz der Hoffnung geworden ist durch den Tod und die Auferstehung Jesu. In das Holz des Kreuzes ist Leben eingekehrt, so dass es wieder grünt. Die Arme des Kreuzes gehen von einem Bildrand zum andern – Ausdruck für eine Hoffnung, die über alle Grenzen hinaus geht und alle Menschen erfassen soll.
Vor diesem Kreuz des Lebens steht der „Lebendige“, der von den Toten Auferstandene. Ganz in Rot: Zeichen seiner Liebe, in der er für uns und zur Vergebung der Sünden für uns sein Blut vergossen hat.

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs!
Liebe Freundinnen und Freunde!

Mit dem Bild "Auferstehen" und dem Text von Martin Gutl wünsche ich euch ein segensreiches Osterfest.

Euer Edi Posch


Kreuz und Auferstehung laden ein…

Ein neues Leben beginnen,
sich von neuem dem Menschen zuwenden.
Mit neuer Energie seine Arbeit tun.
Sich von neuem herausfordern lassen
von Menschen, von Umständen.
Das vergangene Gespräch loslassen können.
Nicht nur in Erinnerungen schwelgen.
Das Heute bedenken, heute handeln.
Mit neuem Mut sich den Schwierigkeiten stellen.

Von neuem sich dem Leben anvertrauen.
Von neuem den Menschen begegnen.
Von neuem Geduld haben und wissen,
dass nicht jede meine Erfahrungen macht,
nicht jeder das gleiche Bewusstsein hat.

Daher von neuem miteinander reden und wissen:
Es braucht viel Zeit,
um den anderen zu verstehen.
Von neuem das Leben als Schule begrüßen.
Von neuem das Leben
als Tag und Nacht erkennen,
als Leid und Freude,
als Ruhe und Kampf,
als Kreuz und Auferstehung.

Martin Gutl, Ich begann zu suchen,
Styria Verlag, Graz, 31990, 106.



Bischof Zsifkovics: Priester müssen Menschen nahe sein

Eisenstädter Bischof ruft bei Chrisammesse die Priester seiner Diözese auf, das Evangelium in Wort und Tat zu den Menschen zu bringen.
"Bringt das Evangelium in Wort und Tat zu den Menschen": Mit diesem Aufruf hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics an die Priester seiner Diözese appelliert, den Menschen in den Pfarren nahe zu sein. "Seid nicht steril und gleichgültig, habt keine Angst die Wunden der Menschen im Feldlazarett des Lebens zu berühren und ihre Herzen zu erwärmen", sagte Zsifkovics am Mittwochabend in seiner Predigt bei der Chrisammesse im Eisenstädter Dom.

Der burgenländische Diözesanbischof nahm darin Bezug auf ähnlich lautende Worte von Papst Franziskus, der zu Beginn der Fastenzeit die Priester der Diözese Rom dazu aufgerufen hatte, in ihrem Wirken weder lax noch rigoros, auf keinen Fall jedoch "keimfrei und steril" zu sein.

Wie Franziskus dankte Zsifkovics den Priestern für ihren Einsatz und ihr Glaubenszeugnis, appellierte aber gleichzeitig an sie, über die Beziehung zu den ihnen anvertrauten Gläubigen nachzudenken. "Kennt Ihr die Wunden Eurer Pfarrangehörigen und seid Ihr ihnen wirklich nahe?", fragte der Bischof, und: "Wie ist unsere Beziehung zu den Armen und Schwachen, Kranken und Alten? Wie viele von uns weinen wirklich angesichts des Leidens eines Menschen, angesichts des Zerbrechens einer Familie, angesichts der vielen Menschen, besonders der Kinder und Jugendlichen, die den Weg zu Jesus nicht finden?"

Priester müssten sich wie Jesus für die Menschen einsetzen, betonte Zsifkovics. "Wir müssen ihnen nahe sein und dürfen keine Berührungsängste haben."
Quelle: kathweb 


Die Predigt im Wortlaut auf martinus.at >>

Donnerstag, 17. April 2014

Peinliche Gemeinsamkeit

Für Frauen verboten: hier der Altar, dort das Lenkrad
Kürzlich in Marokko: Mohamed, der junge Reiseleiter erklärt seinen 30 österreichischen Gästen vom Bus aus die Stadt Marrakesch. Plötzlich stockt er mitten im Satz: da schauen Sie, von rechts kommt ein Auto, das von einer Frau gelenkt wird! Mohamed verbindet mit dieser Beobachtung die moderne Entwicklung in seinem Land, die auch die Emanzipation von Frauen miteinschließt. Am selben Tag in der Altstadt: ein junges Mädchen fegt auf dem Moped die enge Straße entlang. Auch diese junge Dame wird von den Österreichern aufmerksam registriert, wie übrigens sehr viel mehr Frauen am Steuer eines Autos, als unser Mohamed erwähnt hat. Die große Überraschung für die Österreicher aber erst im Flugzeug der Lufthansa. Aus dem Cockpit des riesigen Airbus 321 meldet sich wie selbstverständlich eine Dame: Hier spricht Ihre Kapitänin. Butterweich hebt sie den großen Vogel auf und setzt ihn dann auch wieder auf. Sie erntet herzlichen Applaus, nicht nur von den weiblichen Passagieren. Die Pilotin ist kein Einzelfall, genauso wenig wie die marokkanischen Frauen am Steuer. 27 Damen besitzen alleine in der Lufthansa bereits die Kapitänslizenz, sie sitzen also vorne im Cockpit links auf dem Chefsessel, eine davon sogar in der riesengroßen A 380. Es sind Selbstverständlichkeiten, eigentlich, genauso wie die weiblichen Mitglieder bei den Wiener Philharmonikern, ebenfalls einer traditionellen männlichen Domäne. Aber auch hier wird die Zahl der weiblichen Mitglieder immer größer, wie das jüngste Neujahrskonzert unübersehbar gezeigt hat. Frauen holen auf und bewähren sich. Weltweit, wie sich zeigt. Aber nur fast. Einige wenige Länder und Bereiche gibt es, wo ihnen dieses Recht verwehrt wird. Saudi Arabien gehört dazu, und auch die katholische Kirche. Eine peinliche Gemeinsamkeit. Hier wie dort werden zwischen Frauen und Männern völlig irreale und absolut nicht nachvollziehbare Grenzen gezogen. Dieses dürft ihr, jenes nicht. Basta. In Saudi Arabien ist es unter anderem das Lenken von Fahrzeugen, das Frauen gesetzlich vorenthalten wird, in der katholischen Kirche sind es die Weiheämter, von denen Frauen ferngehalten werden. Die Argumente dagegen kommen vor allem aus der vatikanischen Zentrale, in der Männer in rotumrandeten Kleidern dieses „No“ immer und immer wieder begründen. Einwände selbst von hochdekorierten Würdenträgern aus vielen Ländern gegen dieses „No“ werden ignoriert. Und nicht einmal der Papst, sonst in seinem Denken so wohltuend aufgeschlossen, traut sich öffentlich für Priesterinnen am Altar einzusetzen. Wie er persönlich darüber denkt, lässt sich nur vermuten.
Saudi Arabien und der Vatikan. Eine peinliche Gemeinsamkeit in der modernen Welt. Sie hat zu verschwinden, weil sie menschenfeindlich ist und diskriminiert. Und weil der Begründer des christlichen Glaubens, dessen Auferstehung dieser Tage gefeiert wird, die Fleisch gewordene Botschaft gegen solche Ausgrenzungen ist. Ob er damals vor 2000 Jahren persönlich Jüngerinnen berufen hat oder nicht, ist einerlei: heutzutage würde er es tun, davon sind viele Menschen überzeugt.

Mittwoch, 16. April 2014

Papst wettert gegen mittelmäßige, mutlose Priester

Franziskus vor Priesteramtskandidaten im Vatikan: Es ist besser eine Berufung zu verlieren, als ein Risiko einzugehen. Priesterseminare dürften kein Rückzugsort für "psychologische Defizite" sein. 
Papst Franziskus will nach eigenem Bekunden keine laschen Priester. In der Kirche sei "kein Platz für Mittelmäßigkeit, die nur dazu führt, das heilige Volk Gottes zum eigenen Vorteil zu benutzen", sagte Franziskus am Montag vor italienischen Priesteramtskandidaten im Vatikan. Wer nicht dazu bereit sei, "Stimme Christi" zu werden und unermüdlich für die Gläubigen einzutreten, sollte den Mut haben, einen anderen Weg zu wählen, forderte der Papst, schließlich gebe es in der Kirche "viele Arten, christliches Zeugnis abzulegen".
Es sei besser eine Berufung zu verlieren, als mit einem unsicheren Kandidaten ein Risiko einzugehen, zitierte Franziskus einen Ausspruch von Pius XI. Priesterseminare dürfen kein Rückzugsort für "psychologische Defizite" oder für jene sein, denen der Mut fehlte, sich einen Platz im Leben zu erkämpfen. Andernfalls würde ein Seminar "zu einer Hypothek für die Kirche", so der Papst vor Angehörigen des Priesterseminars von Anagni.
DiePresse >>


Papst zu Seminaristen: „Seid keine Bürokraten“
Bei Priestern gibt es keinen Platz für Mittelmäßigkeit. Mit diesen Worten hat Papst Franziskus die Studenten, Seminaristen, Priester und Bischöfe der päpstlichen Universität „Leoniano di Anagni“ der Region Lazio empfangen. Nach dankenden und ehrenden Worten an die Seminaristen, die zu Fuß zu ihm gepilgert sind, hat er betont, wie wichtig die vier Pfeiler sind, auf welche die Ausbildung der Priester basiert: das starke geistliche Leben, das ernste intellektuelle Leben, das gemeinschaftliche Leben und das apostolische Leben. Diese unterschiedlichen Teile sollen keine Reihung sein, meint er, viel eher eine Interaktion. Klare Worte fand der Papst auch für die Fehlformen des Berufes:

„Ihr lieben Seminaristen, bereitet euch nicht auf einen Beruf vor, auf eine Funktion in einer Firma und seid kein Teil eines bürokratischen Körpers. Wir haben viele Priester auf halber Strecke. Es schmerzt, dass sie es nicht geschafft haben: viele wirken wie Funktionäre einer Firma, es bekommt eine bürokratische Dimension und das tut der Kirche nicht gut! Passt auf, dass ihr nicht so werdet! Werdet Hirten, wie Jesus, um wie er zu sein müsst ihr Teil seiner Herde sein und diese nähren. “
Radio Vatikan >>


Die Berufung zum Priestertum ist die Berufung des Guten Hirten!
Am heutigen Montag (14.4.) empfing Papst Franziskus die Seminaristen und Ausbilder des Päpstlichen Kollegs „Leonianum“ (Anagni) in Audienz. Das „Leonianum“ ist ein interdiözesanes Priesterseminar für die Region Latium.

In seiner kurzen Ansprache betonte der Papst, dass sich Seminaristen nicht auf die Ausübung eines Berufs vorbereiten, darauf, „Funktionäre eines Betriebs oder eines bürokratischen Organismus zu werden“. Vielmehr „werdet ihr Hirten nach dem Bild des Guten Hirten, um wie er und an Stelle seiner Person mitten in der Herde zu sein, um seine Schafe zu weiden“.

Angesichts dieser Berufung „dürfen wir antworten, wie dies die Jungfrau Maria vor dem Engel getan hat: ‚Wie soll das geschehen?’. Gute Hirten nach dem Bild Jesu zu werden ist eine zu große Sache, und wir sind so klein.... Ja, das ist wahr, es ist zu groß. Aber das ist nicht unser Werk! Es ist dies das Werk des Heiligen Geistes, mit unserer Zusammenarbeit.“

Priester zu sein bedeute, jeden Tag das Evangelium zu betrachten, um es mit dem Leben und der Verkündigung weiterzugeben. Es bedeute, „die Barmherzigkeit Gottes im Sakrament der Versöhnung zu erfahren, um dessen großherzige und barmherzige Spender zu werden. Es bedeutet, sich mit Glauben und Liebe an der Eucharistie zu nähren, um mit ihr das christliche Volk zu nähren. Es bedeutet, Männer des Gebets zu sein, um Stimme Christi zu werden, die den Vater preist und ständig für die Brüder Fürsprache hält“.

„Wenn ihr nicht bereit seid, diesen Weg zu gehen“, so der Papst, „mit diesen Haltungen und mit diesen Erfahrungen, ist es besser, dass ihr den Mut habt, einen anderen Weg zu suchen“. Das Seminar sei keine Zuflucht für Leute mit psychologischen Problemen: „Wenn ihr nicht für das Priestertum bereit seid, dann sucht einen anderen Weg!“.

Es gebe viele Weisen in der Kirche, christliches Zeugnis zu geben, aber: „In der Nachfolge Jesu Christi im Priesteramt ist kein Platz für die Mittelmäßigkeit, die immer dazu führt, das heilige Volk Gottes zum eigenen Vorteil zu benutzen“.

„Weh den schlechten Hirten“, so Franziskus abschließend, „die nur sich selbst und nicht die Herde weiden! – so riefen die Propheten (vgl. Ez 34,1-6). Dieses ‚Weh!’ lasse euch ernsthaft über eure Zukunft nachdenken! Pius XI. hatte einmal gesagt, dass es besser ist, eine Berufung zu verlieren, als mit einem unsicheren Kandidaten zu riskieren. Er war ein Alpinist, er kannte diese Dinge“.
Kath.net >>

Dienstag, 15. April 2014

Neue Vorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“

"Wir sind Kirche" mit neuer Führung

Die katholische Reform-Plattform "Wir sind Kirche" hat seit Samstag eine neue Führung. Martha Heizer, pensionierte Tiroler Religionspädagogin, übernimmt die Leitung von Hans-Peter Hurka, der sich nach fast zehn Jahren von der Spitze zurückzieht.

Heizer ist in der katholischen Kirche kein unbeschriebenes Blatt. In den 1990er-Jahren initiierte sie mit Thomas Plankensteiner das Kirchenvolks-Begehren zur Reform der katholischen Kirche, das mehr als 500.000 Unterstützer aufwies. Seither war sie als stellvertretende Vorsitzende für "Wir sind Kirche" im Einsatz und leitet seit 2012 die internationale Bewegung We are Church (IMWAC).

Zuletzt hatte sich das Verhältnis von "Wir sind Kirche" zum Vatikan verbessert, seit Papst Franziskus im Amt ist. Dennoch war zum einjährigen Amtsjubiläum des argentinischen Pontifex die eindringlich Aufforderung der Plattform gekommen, nach den von ihm gesetzten Gesten nun auch echte Reformen anzugehen. Nichtsdestotrotz hielt Heizer am Samstag gegenüber der APA fest, man sei froh, sich jetzt nicht mehr auf Kritik konzentrieren zu müssen sondern sich wieder mehr aufs Unterstützen verlegen zu können.

Neben Heizer bei der Generalversammlung in Salzburg gewählt wurden die stellvertretenden Vorsitzenden, der Salzburger Pfarrer Gidi Außerhofer als Vertreter der Priester sowie der Informatiker Matthias Jakubec, der "demokratische Strukturen, Grundrechte und Gewaltenteilung" als besondere Anliegen vertritt. Auch Hurka bleibt in der Plattform tätig, wird sich aber künftig auf die Erzdiözese Wien konzentrieren.
Kleine Zeitung >>

Montag, 14. April 2014

Passau: Dem neuen Bischof flogen die Herzen zu

Bischof Pater Stefan zum 1. Mal in Altötting
Dem neuen Bischof flogen Altöttings Herzen zu
Passaus neuer und gleichzeitig 85. Bischof Pater Stefan Oster hatte sich gewünscht, sein Bistum Passau über Altötting zu betreten - und dieser Wunsch wurde ihm am Donnerstag, 10. April, erfüllt. Tausende Menschen, vom Baby bis zum Greis, waren auf den Kapellplatz geströmt, wo Pater Stefan gegen 14 Uhr eintraf. Und genau zu diesem Zeitpunkt kam endlich auch die Sonnen durch die Wolken des bis dahin verregneten Tages.
Erst nahm er sich viel Zeit für die Blumen- und Fähnchenkinder, dann für die Abordnungen der Vereine und schließlich für die wartenden Menschen. Von den Ehrengästen wurde er mit vielen freundlichen Worten und Geschenken bedacht. Von Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer gab´s einen Korb mit der "Altöttinger Grundausstattung" - u.a. Bruder Konrad-Wasser und ein Mousepad für den neuen Facebook-Freund. Bischof. em. Wilhelm Schraml begrüßte seinen Nachfolger mit einer Umarmung.
Bischof Pater Stefan war überwältigt von dem "herzlichen und warmen Empfang" durch die für ihn schier unglaublich vielen Menschen auf dem Kapellplatz. Aus vollem Herzen könne er von "seinem Wallfahrtsort Altötting" sprechen. Schwerer falle ihm noch die Formulierung "meine Diözese Passau".
Nach seiner Predigt in der Gnadenkapelle wurde Passaus neuer Bischof noch einmal mit Applaus verabschiedet - ein Zuschauer rief ihm nach: "Guad hast es gmacht!"
Wochenblatt >>

Passauer Katholiken bejubeln ihren künftigen Bischof
Große Hoffnung und Freude
Der ernannte Passauer Bischof Stefan Oster hat am Donnerstag seiner künftigen Diözese einen ersten Besuch abgestattet. Im Wallfahrtsort Altötting empfingen ihn mehr als 1.500 Menschen, in Passau über 2.500.
Umfangreiche Berichte auf domradio.de >>

Antrittsbesuch von Stefan Oster
Neuer Bischof in Passau zu Tränen gerührt
Stefan Oster, der designierte Bischof von Passau, hat am Donnerstag (10.04.14) seine künftige Diözese besucht. In Altötting wurde er herzlich empfangen, danach ging es weiter nach Passau - dort weinte er sogar.
BR-Nachrichten >>

Ernannter Bischof besucht Altötting
Großer Zuspruch für Pater Stefan Oster
Mehr als 1.500 Altöttinger haben dem ernannten Bischof von Passau, Salesianerpater Stefan Oster, am Donnerstag einen herzlichen Empfang bereitet. Der Ordensmann zeigte sich gegenüber dem Münchner Kirchenradio "überwältigt" vom Zuspruch der Gläubigen. Oster hatte sich dafür entschieden, in seinem neuen Bistum zuerst den Marienwallfahrtsort aufzusuchen und dort zu beten.
Münchner Kirchennachrichten >>

Sonntag, 13. April 2014

Siehe dein König kommt zu dir

Jesus, du bist unser König,
ein König ganz anders
als die Könige und Herrscher dieser Erde.

Du bist in den Herzen der Menschen:

Wo Menschen das Brot teilen,
da ist dein Königreich.
Wo Menschen verzeihen,
da ist dein Königreich.
Wo Menschen den Frieden bringen,
da ist dein Königreich.
Wo Menschen Mut machen,
da ist dein Königreich.
Wo Menschen trösten,
da ist dein Königreich.
Wo Menschen ohne Gewalt
ihre Streitigkeiten lösen,
da ist dein Königreich.

Autor unbekannt, in:
Gottes Volk LjC 3/2007, 112.

Freitag, 11. April 2014

Papst will von Bischöfen „kühne Vorschläge“

Kirchenreform. Papst Franziskus will nichts allein von Rom aus entscheiden. Er setzt auf Initiativen von Bischofskonferenzen.

In einer Audienz für Bischof Erwin Kräutler am 4. April hat Papst Franziskus seine Vorgangsweise für Reformen in der römisch-katholischen Kirche deutlich gemacht. In den SN schildert Kräutler im Detail seine wegweisende Begegnung mit Papst Franziskus.

SN: Bischof Erwin, Sie waren exklusiv beim Papst. Wie hat Franziskus Sie empfangen und was konnten Sie vorbringen?

Kräutler: Der Papst hat mich sehr liebenswürdig und unheimlich herzlich empfangen. Es war für mich eine große Auszeichnung, dass ich mit ihm knapp 20 Minuten allein habe reden können.
Das erste Thema war die Situation der bedrohten Indios in Amazonien, ein zweites war unsere große Not, weil wir für 800 Gemeinden nur 27 Priester zur Verfügung haben.

SN: Wie hat der Papst auf diese seelsorgliche Notlage reagiert?

Kräutler: Ich habe dem Papst berichtet, dass ich Bischof der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens mit 700.000 Gläubigen bin und dass unsere Gemeinden nur zwei bis drei Mal im Jahr die Eucharistie feiern können.
Franziskus hat erwidert, der Papst könne von Rom aus nicht alles selbst in die Hand nehmen. Wir Bischöfe seien vor Ort, wir würden die Bedürfnisse unserer Gemeinden am besten kennen und wir sollten ihm daher ganz konkrete Vorschläge machen. Wir sollten „corajudos“ sein, sagte er auf Spanisch, das heißt couragiert, mutig, beherzt, kühn.
Ein Bischof sollte nichts im Alleingang machen, sagte der Papst. Regionale und nationale Bischofskonferenzen sollten sich auf Reformvorschläge einigen. Die sollten wir dann in Rom vorbringen.

SN: Wurde bei der Audienz mit dem Papst die Weihe von verheirateten Männern angesprochen?

Kräutler: Es ist im Zusammenhang mit der Not unserer Gemeinden auch das Wort von den Viri probati gefallen, also von bewährten verheirateten Männern, die zu Priestern geweiht werden könnten. Der Papst selbst erzählte von einer Diözese in Mexiko, in der jede Gemeinde einen Diakon habe, aber viele keinen Priester. Es gebe 300 Diakone, die freilich nicht die Eucharistie feiern könnten. Die Frage sei, wie das weitergehen könne. Dazu sollten die Bischöfe Vorschläge machen.

SN: Das heißt, dass es jetzt sehr von den Bischofskonferenzen abhängt, ob in der Kirchenreform etwas weitergeht?

Kräutler: Ja, davon bin ich nach diesem persönlichen Gespräch mit dem Papst absolut überzeugt.

SN: Wie konkret ist der Papst über die bedrängten Völker in Amazonien informiert?

Kräutler: Ich bin Präsident des Rats für die indigenen Völker der brasilianischen Bischofskonferenz und habe dem Papst dazu eine Stellungnahme übergeben. Denn derzeit werden die Rechte der Indios, die wir 1988 in die Verfassung hineingebracht haben, im brasilianischen Kongress wieder massiv infrage gestellt.

SN: Konkret spitzt sich dieser Konflikt beim Staudamm Belo Monte zu. Dieses drittgrößte Kraftwerk der Welt wird ein Drittel Ihrer Bischofsstadt Altamira unter Wasser setzen.

Kräutler: Durch den Stausee des Kraftwerks Belo Monte wird ein Drittel der Stadt Altamira überflutet. 40.000 Menschen werden zwangsumgesiedelt.

SN: Der Papst bereitet ein Schreiben zu Ökologie und zur Bewahrung der Schöpfung vor. Konnten Sie ihm dazu Hinweise geben?

Kräutler: Ich habe ihm eine Dokumentation über die 90 indigenen Völker übergeben, die in Amazonien ohne Kontakt mit der umgebenden Gesellschaft leben. Diese sind besonders bedroht, weil sie offiziell nicht existieren.
Ich konnte das dem Papst selbst nahebringen, ich hatte aber auch drei Stunden lang ein Gespräch mit dem Präsidenten der päpstlichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Turkson. Dieser bereitet einen ersten Text für das geplante Papstschreiben vor. Ich habe ihn gebeten, dass da unbedingt die Anliegen der indigenen Völker und des Regenwaldes in Amazonien hineinkommen. Der Kardinal hat mir seine private E-Mail-Adresse gegeben und mich ersucht, ihm Unterlagen aufzubereiten.

SN: In welcher Sprache redet ein brasilianischer Bischof mit dem Papst aus Lateinamerika?

Kräutler: Im Grunde Spanisch. Aber wenn mir ein Ausdruck auf Spanisch nicht eingefallen ist, konnte ich auf das brasilianische Portugiesisch ausweichen, das versteht der Papst aus Argentinien selbstverständlich auch.
Salzburger Nachrichten >>


Kräutler informiert Papst über Indios
Bischof Erwin Kräutler ist am Freitag von Papst Franziskus in einer Privataudienz empfangen worden. Kräutler sprach vor allem über die Problematik der einheimischen Bevölkerung und ihre Bedrohung durch das Mega-Kraftwerk Belo Monte.
Es war die erste persönliche Begegnung der beiden Kirchenmänner, seit Jorge Bergoglio Papst Franziskus ist. Die beiden Kirchenmänner haben ja eine Gemeinsamkeit: den Kampf an der Seite der Armen.
Der austro-brasilianische Bischof und Träger des Alternativen Nobelpreises kämpft seit Jahren gegen das geplante Mega-Kraftwerk Belo Monte in seiner Diözese Xingu. Der aus Koblach stammende Bischof informierte den Papst vor allem über die dramatischen Folgen des Mega-Kraftwerks.
ORF-Vorarlberg >> (mit Video-Interview)


Papst will mehr Mitbestimmung der Ortsbischöfe
Franziskus-Reformen I und II

Papst Franziskus hat nicht nur eine Reform der Kurie im Vatikan angestoßen, sondern setzt verstärkt auch auf ein kollegiales Miteinander und gemeinsame Entscheidungen der Bischöfe. Das betont er nun in einem Schreiben.

Mehr denn je sei es notwendig, "die enge Bindung mit allen Hirten der Kirche zu beleben", schreibt Franziskus in einem am Dienstag vom Vatikan veröffentlichten Brief an den Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri. Der Papst macht deutlich, wie wichtig für ihn der Rat, die Erfahrung und die Umsicht der Bischöfe sind. Seit der Einführung der Bischofssynode im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) seien nahezu fünf Jahrzehnte vergangen, dieses wertvolle Erbe müsse aufgewertet werden. Es gehe ihm darum, die kirchliche Gemeinschaft noch tiefer zu leben.
Weiterlesen auf domradio.de >>

Befreiungstheologe Paulo Suess:
Lateinamerika ist jetzt Weltkirche

„Die katholische Kirche soll ein Garten sein, wo Schmetterlinge freiwillig hereinfliegen - und kein Netz, das sie einfängt."
So beschreibt Paulo Suess, einer der bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie, seine Arbeit mit indigenen Völkern in Brasilien. Er lebt und wirkt in Südamerika seit 1966. Kurz nach einer Privataudienz mit Papst Franziskus hat er Radio Vatikan am Freitagabend von seiner Arbeit in Südamerika erzählt. Suess ist ehemaliger Generalsekretär des Indigenen Missionsrates (CIMI).
Siebzig Prozent der Gemeinden haben in Brasilien keinen Sonntagsgottesdienst, weil es zu wenige Priester gibt. Der Theologe würde es begrüßen, wenn auch die Ältesten der Gemeinden diesen Dienst übernehmen könnten. Er fordert eine neue Generation mit pastoraler Courage:
„Es geht nicht um Rettung. Es geht um Gemeindebildung! Um diese Leute zu stärken, auch in einer gewissen Verlassenheit in diesen riesigen Gebieten, wo die Leute leben und gegen Hunger kämpfen. Es geht darum, sie dort nicht alleine zu lassen.“
Weiterlesen auf Radio Vatikan >>

„Papst schließt Weihe von verheirateten Männern nicht aus“
Radio Vatikan, 14.4.2014

*****
In Interviews auf Portugiesisch erwähnen Bischof Kräutler und sein theologischer Berater Paulo Suess, dass ihnen Papst Franziskus aufgrund des "Eucharistischen Notstands" (wegen des Priestermangels können 70 % der Gemeinden nur zwei- bis dreimal jährlich Eucharistie feiern) mit "interessanten Vorschlägen" geantwortet hätte. In der Diözese Aliwal in Südafrika träumt ein Bischof von der Weihe erfahrener Gemeindemitglieder; in der Diözese San Cristobal de Las Casas gibt es Hunderte von Diakonen, die die Gemeinden leiten.
Der südafrikanische Bischof ist Fritz Lobinger, der gemeinsam mit Prof. Zulehner das Buch "Leutepriester" herausgegeben hat.

Leutepriester in lebendigen Gemeinden
Ein Plädoyer für gemeindliche Presbyterien
Schwabenverlag >>

Priester und Viri Probati nebeneinander
Eine Frage der Koexistenz - von Bischof Fritz Lobinger
Anzeiger für die Seelsorge >>

Vorstellung des "Modell Lobinger" beim Studientag zur Gemeindeentwicklung
Katholische Kirche Vorarlberg

Donnerstag, 10. April 2014

Kardinal Kasper fordert Frauen in Päpstlichen Räten

Frauen in Leitungspositionen der Kurie
Ohne Frauen sei die Kirche "bloß ein verstümmelter Körper", hat Walter Kardinal Kasper gesagt. Deshalb sollen sie nun nach seinem Willen Leitungsaufgaben in der römischen Kurie übernehmen.

Frauen sollten nach Worten von Kardinal Walter Kasper in der römischen Kurie Leitungsaufgaben übernehmen, die nicht unbedingt an die Priesterweihe gebunden sind. Es sei etwa "absurd", dass Frauen in den Päpstlichen Räten für Familie, Kultur, Soziale Kommunikation und Laien bislang keine wichtige Rolle spielten, sagte der frühere Ökumeneminister des Vatikan im Interview der Südtiroler Kirchenzeitung "Sonntagsblatt". Die Kirche sei ohne Frauen bloß "ein verstümmelter Körper". Viele kirchliche Aktivitäten oder auch die Pfarrgemeinden seien ohne Mitwirkung von Frauen "undenkbar".
Weiterlesen auf domradio.de >>

Kasper: Frauen sollten Leitungsaufgaben in Kurie übernehmen
Emeritierter Kardinal im Interview mit Südtiroler "Sonntagsblatt": Kirche muss in Sachen Ehe und Familie Resignation und Defensivhaltung verlassen
Weiterlesen auf Kathpress >>

Mittwoch, 9. April 2014

"Der größte Schatz der katholischen Kirche sind ihre internen Kritiker."

Theologe Stubenrauch: Kirche kann von Demokratien lernen
 
"Vor allem muss es in Kirche rechtsstaatliches Prinzip geben"Die Kirche kann aus Sicht des Münchner Theologen Bertram Stubenrauch von der Demokratie lernen und einzelne Elemente dieser Staatsform übernehmen. "Vor allem muss es in der Kirche ein rechtsstaatliches Prinzip geben", sagte der Dogmatik-Professor am Dienstagabend in München beim "Katholischen Basiscamp" der Katholischen Akademie in Bayern. Gläubige müssten ihre Meinung sagen dürfen. Zugleich habe das Kirchenrecht zu gewährleisten, dass Prozesse transparent abliefen.

Stubenrauch betonte, innerhalb der Glaubensgemeinschaft gebe es eine große Bandbreite an Auffassungen und Meinungen. Aber es bestünden auch gewisse dogmatische Grenzen. Diese dürfe nicht überschreiten, wer zur Kirche gehören wolle. Die Kirche sei weder rein monarchisch noch rein demokratisch, erinnerte Stubenrauch. "Die Grundstruktur der Kirche ist vorgegeben, aber jede Zeit muss sich die Struktur konkret ausgestalten."

Der Münchner Soziologe Armin Nassehi erklärte, dass die Institution von der Meinungsfreiheit profitiere: "Der größte Schatz der katholischen Kirche sind ihre internen Kritiker." Nassehi betonte, die Zugehörigkeit zur Kirche habe heute immer weniger Konsequenzen auf individuelle Entscheidungen. Obwohl sich ihre Mitglieder nicht an die klar formulierte Sexuallehre hielten, habe die Kirche keine Sanktionsmöglichkeiten mehr. Um eine innere Bindung der Gläubigen zu erreichen, müsse sie ihre Lehren theologisch viel stärker begründen als in früheren Zeiten.
Kathpress

Dienstag, 8. April 2014

Limburg: Missbrauchs-Vorwürfe gegen früheren Generalvikar

Auch nach dem Amtsverzicht von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und der Veröffentlichung des von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Prüfberichts kehrt im Bistum Limburg keine Ruhe ein: Am Donnerstag meldet die Wochenzeitung "Die Zeit", dass der ehemalige Limburger Generalvikar Franz Kaspar (75) die Offenlegung des Missbrauchs an einem Behinderten verhindert habe. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit Kaspars als Direktor des katholischen Pflege- und Bildungsheimes St. Vicenzstift in Aulhausen am Rhein (1970-2006).
Katholisch.de, 3.4.2014 >>


Limburger Ex-Vikar vereitelte Aufarbeitung von Missbrauchsfall
Als Generalvikar war er der Vertraute von Tebartz-van Elst: Franz Kaspar hat als Leiter eines Pflegeheimes die Offenlegung eines Missbrauchsfalls verhindert.
Die Zeit >>

Missbrauchsstudie belastet Limburger Ex-Generalvikar
Viele Ehrungen, schlechte Noten
Franz Kaspar, der vormalige Generalvikar des Bistums Limburg, bekommt im kirchlichen Prüfbericht zur millionenschweren Limburger Bischofsresidenz kein gutes Zeugnis ausgestellt. Es gibt aber auch anderweitige Vorwürfe.
domradio.de, 4.4.2014 >>

Missbrauchsstudie belastet Kaspar
In zwei katholischen Heimen im Rheingau sind auch nach 1970 Jugendliche missbraucht worden. Das ergab eine neue Erhebung. Geführt wurden die Heime damals von dem ehemaligen Limburger Generalvikar Franz Kaspar.
hr-online >>

AKTUALISIERT:

"Tiefes Bedauern" über Krise in Limburg
Ex-Generalvikar Kaspar bittet Missbrauchsopfer um Verzeihung
"Ich teile die Bestürzung und Fassungslosigkeit all derjenigen, denen im Sankt Vincenzstift Aulhausen Leid zugefügt wurde und denen Unrecht geschehen ist", so die Worte des ehemaligen Limburger Generalvikar Franz Kaspar.
domradio.de, 8.4.2014 >>

Kostenexplosion im Bistum Limburg
Früherer Generalvikar äußert „tiefes Bedauern“
Nach der Kostenexplosion für den Bischofssitz in Limburg äußert der ehemalige Generalvikar Franz Kaspar sein „tiefes Bedauern“. Um Nachsicht bittet Kaspar wegen der sexuellen Übergriffe nach 1970 im katholischen Sankt Vincenzstift.
FAZ >>

Nachtrag:

Als Generalvikar von Limburg hat Franz Kaspar Millionen verwaltet und sich in die Ereignisse um den skandalträchtigen Bau des Bischofssitzes verstrickt.

Er schaffte Geld für den Limburger Bischof heran
Franz Kaspar war Generalvikar unter Tebartz-van Elst. Er ließ die teuren Rechnungen begleichen. Nun lebt der Geistliche in unserer Region. Und spricht über die Affäre.
Tagesspiegel, 14.2.2017

Sonntag, 6. April 2014

Glaubensbekenntnis

Trotz Leiden und Tod
trotz Armut und Not
glaube ich an den lebendigen Gott
und daran, dass er alles gut macht.

Gerade wegen Leiden und Tod
gerade wegen Armut und Not
glaube ich an Jesus Christus, seinen Sohn
und daran, dass er alle befreit.

In Leiden und Tod
in Armut und Not
glaube ich an den Heiligen Geist
und daran, dass er mich in die Welt sendet.

Anton Rotzetter; Gott, der mich atmen lässt;
Herder-Verlag, Freiburg i. Br., 162001.

Freitag, 4. April 2014

Riccardi: Papst-Kritik hat zugenommen

Andrea Riccardi
Kein Papst des 20. Jahrhundert ist nach Ansicht des italienischen Historikers Andrea Riccardi auf so viel innerkirchlichen Widerstand gestoßen wie Franziskus. Er genieße zwar hohe Sympathie in der katholischen Bevölkerung, finde aber Vorbehalte unter Bischöfen und Priestern, sagte der Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio im Interview des Onlinedienstes "Vatican Insider".

Kritik komme vor allem von Personen und aus Kreisen, die nichts ändern und die sich selbst nicht zur Diskussion stellen wollten. Natürlich könne man das nicht verallgemeinern, so Riccardi. Auch Franziskus finde unter Klerikern viel Enthusiasmus. Auch gegen frühere Päpste habe es Kritik gegeben, räumt der Historiker ein, meist aber nicht aus dem Raum der Kirche, sondern von außen. Lediglich bei Paul VI. (1963-1978) registriert Riccardi auch ernste innerkirchliche Widerstände. Bei Benedikt XVI. (2005-2013) dagegen sei Kritik von außen gekommen, aus den Medien oder dem internationalen Bereich, nicht aber von innerhalb der Kirche.

Riccardi: Bischöfe fühlen sich angegriffen
Die Kritiker hielten Papst Franziskus vor, in seinen Predigten mit zu wenig Nachdruck auf ethische Themen einzugehen, so Riccardi. Hinzukomme, dass das Kirchenoberhaupt aus Argentinien durch seinen pastoralen Stil und Zugang die Leitung und das Verhalten mancher Bischöfe zur Diskussion stelle, die nun von ihren Gläubigen gefragt würden: "Warum machst du es nicht wie der Papst?". Auch habe Franziskus gleich in seinen ersten Monaten im Amt alles mitgeteilt, was er tun und ändern wolle. Dagegen habe etwa Paul VI. immer nur schrittweise seine Pläne und Aussagen dargelegt.

Die Kritik an Franziskus wird nach Ansicht von Riccardi über traditionalistische Blogs und Internetportale befeuert. Sie äußere sich mitunter öffentlich, in Murren oder im Schweigen oder im Sich-Abkoppeln. Auffallend sei, dass Kritik gerade aus Kreisen komme, die bislang immer nachdrücklich die Autorität des Papstes und den Gehorsam gegenüber dem Papst angemahnt hätten, so Riccardi. "Es ist merkwürdig, dass für einige offenbar gilt: Wenn der Papst nicht so ist, wie ich meine, und nicht tut, was ich sage, ist er nur ein halber Papst."

"Der gute Papst ist immer der vorige"
Erstaunen äußerte er auch über Vorwürfe, Franziskus sei "zu wenig Theologe". Das lasse einen schmunzeln, wenn man bedenkt, dass man Benedikt XVI. vorgehalten habe, er sei "zu sehr Theologe". Dahinter stehe offenbar eine Vorstellung, der gute Papst sei immer der vorherige gewesen.

Andrea Riccardi (64) gründete 1968 als Schüler in Rom die Laienbewegung Sant'Egidio. Er war von 2011 bis 2013 in der Regierung von Ministerpräsident Mario Monti Minister für "Internationale Zusammenarbeit und Integration"
Katholisch.de >>


Riccardi: Gegen Franziskus mehr Widerstand als gegen Vorgänger

Rom, 18.3.14 (Kipa) Kein Papst des 20. Jahrhundert ist nach Ansicht des italienischen Historikers Andrea Riccardi auf so viel innerkirchlichen Widerstand gestossen wie Franziskus. Er geniesse zwar hohe Sympathie in der katholischen Bevölkerung, finde aber Vorbehalte unter den Bischöfen und Priestern, erklärte der Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio im Interview mit dem Online-Dienst «Vatican insider» am Dienstag (18. März).
Kipa >>


Historiker: Opposition gegen Papst auch unter Bischöfen
Nach Ansicht des früheren Ministers Andrea Riccardi sieht sich Franziskus wie kein Papst zuvor mit Opposition aus Kräften innerhalb der Bischofskonferenzen, der kirchlichen Gremien und des Klerus konfrontiert.
Religion.orf.at >>

Donnerstag, 3. April 2014

Limburg: Stadtdekan fordert Bischofs-„Entmachtung“


Limburg: Stadtdekan fordert Bischofs-„Entmachtung“

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz fordert in der deutschen Wochenzeitschrift „Die Zeit“ eine Entmachtung des katholischen Klerus und eine Einschränkung der Bischofsmacht.

„Die klerikale Ära ist vorbei. Die Amtskirche, wie wir sie kennen, ist erledigt“, sagte er mit Bezug auf den Rücktritt des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. „Bei uns nehmen die Menschen die Machtverhältnisse nicht mehr als gegeben hin. Sie finden es unerträglich, wenn die Hierarchie in offenem Widerspruch zum Evangelium handelt“, so zu Eltz in einer „Zeit“-Vorausmeldung von Mittwoch.

Zu Eltz sieht die Ordnung seiner Kirche erschüttert. „Merkt man uns Klerikern noch an, dass wir von Pracht und Macht und all den anderen Ersatzbefriedigungen unabhängig sind? Wenn nicht, dann geht die Glaubwürdigkeit zum Teufel.“ Limburg sei kein Einzelfall, sondern stehe für ein Systemproblem. „Es gibt eine dunkle Seite der katholischen Macht- und Prachtentfaltung, die an Unglauben grenzt.“

„Samthandschuh um Stahlkralle“

Über den abgesetzten Bischof Tebartz-van Elst sagt der Stadtdekan, der auch Mitglied des Limburger Domkapitels war: „Der Bischof war kein Wüterich, er hatte Manieren und ein gewinnendes Auftreten. Aber das war nur der Samthandschuh um die Stahlkralle.“ In Wirklichkeit habe Tebartz gemacht, was er wollte, einfach weil er der Bischof war. „Mir ist klar geworden, solche Macht muss weg“, so zu Eltz.

Johannes zu Eltz war im Domkapitel von Limburg einer der Berater des Bischofs und wurde später zu dessen schärfstem Kritiker. In der „Zeit“ gesteht er seine Mitschuld am Bauskandal ein: „Wir haben zu viel geschwiegen. Da war ich dabei.“ Aus dem Untersuchungsbericht zu Limburg gehe hervor, dass es auf kritische Anfragen oft keine Antwort gab: „Da haben wir nur die Faust in der Tasche geballt.“

„Brauchen Kultur der Fehlbarkeit“

Zu Eltz fordert seine Kirche auf, Konsequenzen aus dem Fall Limburg zu ziehen. Es gehe nicht um Geldverschwendung, sondern um die hohen Ämter. „Manche finden immer noch: Der Bischof ist nicht vom Domkapitel gewählt, sondern vom Heiligen Geist eingesetzt. Wer ihn angreift, greift Gott an.“ Es müsse künftig möglich sein, einzugestehen, wenn ein Bischof „nichts taugt“. Zu Eltz fordert in der „Zeit“: „Wir brauchen eine Kultur der Fehlbarkeit in der unfehlbaren Kirche!“ Es sei nicht das Ende der Welt, wenn ein hoher Kleriker, der seinen Job nicht gut macht, einen anderen bekommt.
Quelle: Religion.orf.at >>

Am Anfang stand das böse Wort

Am Anfang stand das böse Wort.
Es wurde als Signal verstanden.
Auch die Entschuldigung wurde verstanden.
Notwendiger taktischer Rückzug.

Das böse Wort setzt sich in den Köpfen fest.
Es funktioniert, bringt Erfolg.
Wenn aus dem Erfolg für wenige Unheil für alle wird sagen sie billig:
Das haben wir nicht gewollt.
Und eigentlich sind wir gar nicht dabei gewesen.
Muss sich alles wiederholen?

Aus Anlass Negerkonglomerat, Vergleich EU – Nazistaat.
Lothar Müller

Mittwoch, 2. April 2014

Die Bischöfe sind in der Pflicht im kirchlichen Richtungsstreit!

Gefordert wie noch nie

An der katholischen Kirchenspitze tobt ein Richtungsstreit, der zurzeit in der Ehe- und Geschiedenenfrage kulminiert. Auch Österreichs Bischöfe müssen Farbe bekennen.

Von Otto Friedrich

„Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen.“ Das finale „Gebot“ aus George Orwells bitterböser Totalitarismus-Parabel „Die Farm der Tiere“ steht unversehens vor Augen, wenn man das jüngste Interview von Gerhard Ludwig Müller liest. Der Neo-Kardinal sucht darin einmal mehr die Befürworter von Änderungen in der Geschiedenenpastoral in die Schranken zu weisen: Denn er rede als Chef der Glaubenskongregation, der einzigen vatikanischen Behörde, „die am Lehramt des Papstes unmittelbar Anteil“ habe. Andere Wortspender, so Müller, „auch wenn sie im Kardinalsrang sind“, sprächen „einfach nur für sich selber persönlich“.
Hat Müller damit auch Walter Kasper gemeint, der erst Ende Februar unter ausdrücklichem Beifall von Papst Franziskus derartige Änderungen vor den versammelten Mitbrüdern im Kardinalsamt angedacht und referiert hat? Kasper, 81, beileibe kein kirchlicher Heißsporn, sondern renommierter Theo*loge, hat bedachtsam, aber klar aufgezeigt, dass es fürs katholische Lehramt sehr wohl konkrete Möglichkeiten gibt, sich in Bezug auf die Familie und alle Themenbereiche, die damit zusammenhängen – etwa Sakramentenzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen –, neu aufzustellen (vgl. FURCHE 11/2014).

Eigentlich müssten die Ortskirchen aufatmen

Es ist evident, dass um diese Fragen an der katholischen Kirchenspitze ein Richtungsstreit tobt, der bis vor kurzem undenkbar war. Neo-Kardinal Müller kämpft da als Speerspitze der Konservativen mit Zähnen und Klauen für die Zementieren des Status quo, auch wenn ihm die „Privatmeinungen“ anderer Kardinäle, vom Landsmann Reinhard Marx bis zum honduranischen Papstvertrauten Óscar Rodríguez Maradiaga um die Ohren fliegen. Wie dieser Richtungsstreit ausgeht, ist aber längst nicht entschieden. Dass Franziskus Bewegung will, ist ebenso evident wie die Tatsache, dass er dann agieren wird, wenn seine bischöflichen Brüder mitgehen. Was soll der Bischof von Rom denn tun, als einen wie Kardinal Kasper vorzuschicken und ausdrücklich zu ermuntern?
Nichts an Kaspers Überlegungen ist revolutionär, er plädiert für eine vorsichtige Öffnung. Vielerorts sind diese Fragen seit langem „klar“, sie stehen in allen Forderungskatalogen zur Kirchenreform und sind theologisch und pastoral zigfach diskutiert. Dass diese Diskussion nun aber auch vom Papst her zugelassen und gefördert wird, sollte eigentlich ein Aufatmen in den Ortskirchen zur Folge haben. Meint man.

Die postmoderne Kirchenspaltung ist überwindbar

Ist aber den Einlassungen Kaspers ein Begeisterungssturm beispielsweise der Bischöfe Europas gefolgt? Hat man von den heimischen Hirten, die dieser Tage, zu ihrer Frühjahrssession versammelt sind, bislang klar gehört: Wir unterstützen Kasper, in diese Richtung kann und muss sich die Kirche bewegen? Man will ja hoffen, dass sich Derartiges in nächster Zeit ereignet.
Aber als selbstbewusster Laie kann man dieser Tage nicht umhin, gerade die Hirten in die Pflicht zu nehmen: Positionen wie die von Kardinal Kasper geäußerten haben – Sympathien von Franziskus hin oder her – nur dann Chancen, wenn sie von den Ortskirchen erkennbar aufgenommen werden – auch auf der Bischofssynode im Herbst. Bislang hat man in der kirchlichen Reformdiskussion von den Hirten immer gehört, man könne diese Fragen nur weltkirchlich lösen. Nur zu! – ist man geneigt, zu sagen.
Der am Dienstag verstorbene Religionsphilosoph Eugen Biser hat bereits vor 25 Jahren den bis vor kurzem perpetuierten Kirchenzustand als „vertikales Schisma“, als einen Riss zwischen Hierarchie und den Gläubigen, charakterisiert. Die Chance zur Überwindung dieser postmodernen Kirchenspaltung ist intakt. Dabei sind jedoch die Bischöfe gefordert wie noch nie. Sie können sich nicht zurücklehnen und warten, wer aus dem beschriebenen Richtungsstreit siegreich hervorgeht.

Die Furche >>
Quelle: Die Furche, 27. März 2014


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"Wir haben Angst, dass der Papst allein gelassen wird", sagte Initiativen-Sprecher Helmut Schüller. Auf Ebene der Bischofskonferenzen ortet er nur "Passivität". Schüller: "Wenn es scheitert, dann nicht am Papst, sondern an den Bischöfen, die auf seine Reformbemühungen nicht einsteigen. Das ist der Risikofaktor."
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