Freitag, 31. Dezember 2010

Du bist gesegnet

Du bist gesegnet

Gesegnet sei dein ureigener Weg
der dich an deine Einmaligkeit erinnert
die aufgehoben ist
im Wunder von Schöpfung und Kosmos

Gesegnet seien unsere Schritte
die uns dank des Geheimnisses
der Menschwerdung Gottes
auf den Weg des Glücks führen

Gesegnet seien deine Beziehungen
die sich in diesem Jahr vertieft haben
in kreativer Lebensfreude
sowie im gemeinsamen Ringen

Gesegnet sei unser Übergang
in ein neues Jahr
verwurzelt im Vertrauen
in die heilende Nähe Gottes

Gesegnet sei dein Dasein
zwischen Erde und Himmel
in staunender Dankbarkeit
über die erhellten Lebensnächte

Pierre Stutz, Der Stimme des Herzens folgen.
Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2005, 392.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Entschuldigungskirche?

Gastbeitrag von Dr. theol. Lothar Müller, Tirol:
Kommende kirchliche Entschuldigungen

Der Vatikan und sein oberster Chef, der jeweilige Papst, stehen immer wieder vor heiklen „Entschuldigungsnotwendigkeiten“.

In letzter Zeit kamen auch noch späte Rechtfertigungen dazu – etwa fehlende Internetkenntnisse im Zusammenhang mit dem lefebrianischen Holocaust – Leugner. Dem Vernehmen nach mußte ein verdienter alter Kardinal deshalb seinen Platz räumen – alles Gute in der Pension! Hoffentlich ist der Holocaust – Leugner Manns genug um auf seinen seltsamen Bischofstitel zu verzichten?

Unser Auftrag lautet „Geht hin zu allen Menschen und verkündet ihnen die Botschaft!“ Und nicht: „Macht Fehler, begeht (schwere) Sünden und entschuldigt Euch dann bei allen Menschen“. Das ist nicht der Auftrag. Und außerdem ist es zu billig! Mit einer Entschuldigung kann man nur symbolisch etwas gut machen. Nicht mehr!

Wir dürfen also keine „Entschuldigungskirche“ werden! Zuerst Galilei verdammen und dann – nach Jahrhunderten - eine Entschuldigung. Er lacht bloß darüber – im Himmel. Zuerst Protestanten aus den Tiroler Tälern vertreiben, Familien auseinanderreißen – und dann entschuldigen. Zuerst Mißbräuche – na ja, er ist doch einer von uns – hinnehmen – und dann entschuldigen? So geht`s wirklich nicht mehr weiter!!

Die kirchliche Hierarchie hat mit der „Komponente“ Prophetie wenig am Hut. Dabei wäre es so einfach: mitdenken, Strömungen erkennen und prüfen, Schlüsse ziehen, mit der Botschaft vergleichen. Unter diesen Kriterien sind folgende päpstlichen Entschuldigungen schon jetzt zwar nicht datierbar aber sicher erwartbar:

- Theologie der Befreiung
- Gleichberechtigung der Frauen (Diakonat, dann auch PriesterInnenamt)
- Mitwirkung der Ortskirche bei Bischofsernennungen
- Wiederverheiratete Geschiedene – (offizielle) Zulassung zu Sakramenten,
Aufhebung kirchlicher Berufsverbote
- Priesterweihe verheirateter Männer.

Die päpstlichen Entschuldigungen für alle diese Themen kommen. So sicher wie unser „Amen“. Wenn die Austrittszahlen weiter steigen, die Kirchenbeiträge zurückgehen, die Frauenorden auf den Tisch hauen und die Leute etwas lutheranisch – eigenständerischer werden , noch mehr Erwin Kräutler alternative Nobelpreise erhalten. Das rüttelt auf. Alle. Auch die in hierarchischen Positionen!

Lothar Müller, Polling

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Was hat Moderator Ivandic zu verbergen?

Wie ich bereits mehrfach geschrieben habe ist Petar Ivandic, der Pfarrer aus Bosnien der starke Mann hinter Bischof Zsifkovics, ohne dem in der Diözese offensichtlich nichts mehr geht.

Rechtzeitig – ja fast minutiös genau – hat Ivandic sein sechsjähriges Kirchenrechtsstudium in Rom beendet - „zufällig“ sieben Tage vor der Ernennung von Zsifkovics zum neuen Bischof um dann gleich von Rom nach Eisenstadt zu kommen und die Zügel in der Leitung der Diözese neben Zsifkovics in die Hand zu nehmen.

Um seine Dissertation ranken sich Gerüchte die Ivandic selber schürt, indem er seine Doktorarbeit "versteckt". Nach den üblichen akademischen Standards sind Doktor- und Diplomarbeiten öffentlich zugängliche Publikationen. Bereits zweimal (am 18.09.2010 und 20.11.2010) habe ich Moderator Ivandic ersucht, mir mitzuteilen wo ich mir seine Dissertation ausleihen kann.

Bis heute gibt es keine Reaktion. Irgend etwas will oder muss der Moderator verbergen. Was soll das kirchenbeitragszahlende Diözesanvolk des Burgenlandes, über das sechsjährige Studium Ivandic's in Rom bzw. über seine Doktorarbeit nicht wissen?

Dienstag, 28. Dezember 2010

Predigt von Bischof Zsifkovics am 25.12.2010

Das christliche Weihnachtsbrauchtum und die Symbole, mit denen wir in diesen Tagen unsere Wohnungen und Kirchen schmücken sind vielfältig und tiefsinnig. Die Christbäume erinnern uns an den Baum des Lebens im Paradies. Die Kugeln sind die Äpfel an diesem Baum. Die Kerzen weisen auf den Satz im Evangelium hin: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ Die Strohsterne sagen: Dieses Kind – auf Heu und Stroh gebettet – kann dein rettender Strohhalm sein. Aber ein Symbol fehlt auf unseren Christbäumen: ein Zelt. Es könnte uns helfen, den Kernsatz der Weihnachtsbotschaft in Erinnerung zu behalten: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“, was aus dem griechischen Text wörtlich besser mit „gezeltet“ zu übersetzen ist.

Ein Zelt würde unseren Blick zurücklenken in die ersten Bücher der Bibel, in die Geschichte des Volkes Israel, das die Bundeslade mit den Gesetzestafeln in einem Zelt aufbewahrte und sich so auf seiner Wüstenwanderung von Gott geleitet wusste.
Ein Zelt würde unseren Blick auch nach vorne lenken auf das letzte Buch der Bibel mit seiner Vision des himmlischen Jerusalem: „Da! Das Zelt Gottes bei den Menschen: Ja, zelten wird er bei ihnen“ – so wird in der Offenbarung des Johannes die endgültige Gemeinschaft mit Gott beschrieben. Im Symbol des Zeltes könnten wir vor allem aber schon das Profil des Menschen erkennen, in dem das Wort Gottes Hand und Fuß bekommen hat.

Aber wie sieht das Profil eines solchen Menschen, des Geburtstagskindes aus?
Wer zeltet, liebt die Freiheit: Er lebt mit der Sonne und unter dem Sternenhimmel. Er will sich nicht festsetzen, sondern beweglich bleiben und weiter-ziehen, wenn Neues lockt.

Wenn Gott in Jesus, dem Kind von Betlehem, bei uns zeltet, dann lässt er uns so seine Freiheitsliebe spüren. Jesus ist immer unterwegs zu den Menschen. Er hat keinen festen Ort, wo er sein Haupt hinlegen könnte. Er befreit die Menschen von Krankheiten und Zwängen. Er lässt sie aufatmen, richtet die Gebeugten auf und kämpft an ihrer Seite gegen die Unterdrücker. Er befreit vom Buchstaben des Gesetzes, indem der die Liebe zum Maßstab der Gebote macht. Er befreit vom Druck alles selbst machen zu müssen. Und er zwingt niemanden, seine Worte anzunehmen. Er gesteht allen die Freiheit zu, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Sehnt sich der moderne Mensch nicht nach dieser inneren Freiheit?

Wer zeltet, lebt auch bescheiden: Er verzichtet auf Komfort und stellt keine hohen Ansprüche. Er schläft auf den Boden und kocht am offenen Feuer.
Wenn Gott in Jesus, dem Kind von Betlehem, bei uns zeltet, dann solidarisiert er sich so mit den armen und einfachen Leuten. Jesus lebt bescheiden. Er setzt sich mit den Kleinen, Schwachen und Ausgestoßenen an einen Tisch, isst und trinkt mit ihnen. Er lässt sich nicht beeindrucken von den Großkopfigen+Hochnäsigen, die sich für besser, klüger und frömmer halten. Und er lädt seine Freunde ein, dieses einfache Leben mit ihm zu teilen. Braucht es in unserer übersättigten Welt nicht Menschen und Christen, die einfach und bescheiden leben?

Wer zeltet, beweist schließlich Mut und zeigt Risikobereitschaft: Er bricht auf zu Expeditionen und abenteuerlichen Reisen. Er setzt sich den Kräften der Natur aus und will neue Erfahrungen machen.
Wenn Gott in Jesus, dem Kind von Betlehem, bei uns zeltet, dann geht er das Risiko ein, in die Hände der Menschen zu fallen. Er scheut nicht den Konflikt mit den weltlichen und religiösen Machthabern. Er sichert sich nicht nach allen Seiten ab, sondern steht für seine Überzeugungen ein. Er konfrontiert Menschen mit den Zumutungen der Bergpredigt. Er ermutigt zum Aufstehen und zum Schwimmen gegen den Strom. Er lädt ein zu Umkehr und Neuanfang.
Braucht es heute nicht Menschen und Christen, die überzeugt, selbstbewusst und mutig aus dem Glauben heraus ihr Leben gestalten und so Kirche + Gesellschaft tragen und mitgestalten?

Das Bild des Zeltes charakterisiert aber nicht nur unser Geburtstagkind. Es zeigt auch ein Programm für alle, die heute sein Fest mitfeiern und in seinem Sinn leben wollen. Es deutet schon an, wie die Weihnachtsgabe zur Weihnachtsaufgabe werden kann, wie wir mithelfen können, dass dieses Wort in unserer Welt nicht verstummt, sondern Fleisch wird.

Weihnachten feiern heißt: Die Freiheit des Wortes respektieren.
Weihnachten feiern heißt: Sich an der Bescheidenheit des Wortes orientieren.
Weihnachten feiern heißt: Sich vom Mut des Wortes provozieren lassen.

Kleine glitzernde Zelte an unseren Christbäumen erinnern uns daran, dass uns in Jesus, dem Kind von Betlehem, ein Gott begegnet, der nicht unter Hausarrest stehen will, sondern die Freiheit, die Bescheidenheit und den Mut/Risiko liebt.

Mein Weihnachtswunsch an Sie und mein Gebet bei der Krippe für Sie und alle Menschen unseres Landes ist die Bitte: Kind von Betlehem, hilf uns, dass wir freiheitsliebende, bescheidene und mutige Christen sind, die wissen, dass Gott mitten unter ihnen zeltet, mit ihnen unterwegs ist in eine gute Zukunft! Amen.

Martinus

Montag, 27. Dezember 2010

Dompfarrer Toni Faber im Profil Interview

„Ich habe mich so geschämt“
Dompfarrer Toni Faber ist die PR-Rakete der katholischen Kirche. Ein Gespräch über Alleingänge im Vatikan, Groers Sexualmoral, verlorene Führerscheine und Kundenkeilen

Dompfarrer Toni Faber im Profil Interview

Sonntag, 26. Dezember 2010

Was wir erwarten

Was wir erwarten

Was wir erwarten von Jesus Christus
und durch seine Nähe
vom Erbarmen Gottes - so wie Stephanus –
das ist:

Nicht, dass er unsere Krankheit heilt,
sondern dass wir durch die Begegnung mit ihm
den Mut haben,
als Ärztin und Patient,
gegen die Krankheit anzugehen,
bis zuletzt.
Dass wir, wenn sich die Krankheit
als todbringend erweist,
die letzte Wegstrecke des Lebens
in Kraft und Gelassenheit gehen können.

Nicht, dass er das Leid nimmt,
sondern dass wir, durch seine Nähe gestärkt,
im Leid stehen und aushalten können.

Nicht, dass er den Hunger stillt,
sondern dass wir, durch sein Vorbild geleitet,
teilen lernen und verzichten
und geschwisterlich helfen.

Nicht, dass er das Kreuz abschafft,
sondern dass wir,
durch seinen Kreuzweg ermutigt,
unsere unausweichlichen Kreuze tragen können.

Nicht, dass er uns den Tod erspart,
sondern dass wir,
an Jesu Tod und Auferstehung weise geworden,
durch unser Sterben hindurchgehend
das Ziel unseres Lebens erfahren dürfen.

A. Albrecht, Neuwerden aus seinem Wort,
in: Gottes Volk LJC 1/2001, Stuttgart 2000, 114.

Freitag, 24. Dezember 2010

Wenn du dich satt gesehen hast...

Wenn du dich satt gesehen hast
an dem schönen Kind in der Krippe,
geh noch nicht fort.

Mach erst seine Augen zu deinen Augen,
seine Ohren zu deinen Ohren
und seinen Mund zu deinem Mund.
Mach seine Hände zu deinen Händen,
sein Lächeln zu deinem Lächeln
und seinen Gruß zu deinem Gruß.

Dann erkennst du in jedem Menschen
deine Schwester, deinen Bruder.
Wenn du ihre Tränen trocknest
und ihre Freude teilst,
dann ist Gottes Sohn
wahrhaftig geboren:
und du darfst dich freuen!

Autor unbekannt, aus: Gott unter uns.
Impuls- und Meditationstexte (nicht nur) zur Weihnachtszeit, Haus der Stille 21995, 29.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude für die Menschen!

Liebe LeserInnen!

Vor zwei Jahren hat in der Adventzeit eine Werbekampagne der katholischen Kirche Aufmerksamkeit erregt. Auf Plakatflächen wurde die Antwort auf die Frage gegeben: Warum feiern wir Weihnachten?
Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude für die Menschen.

Diese einfache und klare Botschaft ruft uns in Erinnerung worum es beim Weihnachtsfest geht. Gott ist Mensch geworden und hat mit Jesus das Licht der Welt gesandt. Das hat unglaubliche Konsequenzen.

„Wer sich als Christ auf Jesus von Nazareth einlässt, beruft sich zuallererst auf einen freien Menschen: frei in seiner Ausstrahlung, frei in der Begegnung mit den Menschen, ja frei sogar im Umgang mit religiösen Gesetzen und Gott selber. Den Namenlosen nannte er Vater. Von den religiösen Vorschriften sagte er: Sie sind für den Menschen da, nicht umgekehrt.“ (Erwin Koller in "Wir sind Kirche", Oktober 2010)

Diese Freiheit führt uns zum Kern des Evangeliums in der besten Gemeinschaft mit Jesus Christus der zu uns sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10b)

Dankbar nehme ich diese Zusage für mich in Anspruch. Nehme ich—bei allem persönlichen Scheitern und Verfehlungen— das Evangelium als Leitbild für mein Leben und eine bessere Ordnung unserer Gesellschaft.

Das Licht der Welt heißt nicht Kirche, sondern Erinnerung und Nachfolge Jesu. Christus, nicht eine römische Institution ist das Licht der Völker.

Verbunden mit den besten Wünschen für ein gesegnetes Weihnachtsfest grüßt Sie/Euch herzlichst Ihr/Euer

Eduard Posch

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Bruder Bischof Paul Iby

Bildtext: Bischof Paul Iby besucht im Rahmen der bischöflichen Visitation am 10.06.2010 die Franziskusgemeinschaft in Pinkafeld

Bruder Fritz Giglinger im "Francesco" der Hauszeitschrift der Franziskusgmeinschaft Pinkafeld, Advent 2010:

Danke, Bruder Bischof Paul, dass du unserer Gemeinschaft immer ein bischöflicher Bruder oder ein brüderlicher Bischof warst. Danke, dass wir mit unseren Anliegen und auch mit Vorschlägen zu dir kommen konnten. Du hast uns immer freundlich und herzlich empfangen. Du hast uns gut zugehört und bist auf unsere Wünsche eingegangen. Du hast uns ehrliche und begründete Antworten gegeben. Wir hatten stets den Eindruck, dass du uns ernst nimmst und dass wir dir Geschwister im Glauben sind.

Danke, dass du mit uns und allen Christen in unserem Land einen echten Dialog führtest. Du warst ein Bischof für alle und ein ökumenischer Mitchrist.

Danke, dass du uns auch an deinen Sorgen und Nöten teilhaben ließest. So hast du uns deine Offenheit spüren lassen, und wir konnten dich mit unserem Gebet unterstützen.

Danke, dass du uns gerne und öfter besucht hast, um mit uns Gemeinschaft zu pflegen. Du hast unsere Hauskapelle geweiht und warst noch im Juni bei uns. Schön war es, mit dir unter unserer großen Linde im Hof zu sitzen und freundschaftlich über das Deine und das Unsere mit dir zu sprechen. Wie ein Mitbruder warst du unter uns und nicht wie ein Visitator von oben herab. Wir hatten immer den Eindruck, dass du uns verstanden hast, dass dich unser Leben und unsere Zukunft interessieren und sie dir ein echtes Anliegen sind.

Gerne haben wir dir geschrieben, und immer haben wir uns in deiner Nähe wohl gefühlt. Es hat uns wehgetan, dass du dann so plötzlich abgelöst wurdest und das große Jubiläum der Diözese nicht mehr als Diözesanbischof feiern durftest. Du hättest dir einen anderen Abgang verdient.

Lieber Bruder Bischof Paul, die Franziskusgemeinschaft hatte in dir ein Vorbild im christlichen Glauben, Hoffen und Lieben, weil du mit uns Christ und für uns Bischof warst. Das mögest du noch lange bleiben, auch wenn du nun sozusagen Bischofspensionist bist.

Danke zuletzt noch, dass du keine Angst vor der Welt hattest, dass du auch die "heißen Eisen" innerkirchlicher Fragen und Probleme aufgegriffen und ausgesprochen hast, dass du mutig die Dinge und Lösungen beim Namen nanntest.

Das ist kein Abschiedsbrief an dich, sondern das ist ein Wort des Dankes und der Geschwisterlichkeit.

Da ich dich schon seit Jahrzehnten kennen und wie du den gleichen Geburtsjahrgang habe - du bist allerdings um einige Monate älter und mein älterer Bruder - und da du mir nach deiner Bischofsweihe spontan mit dem Du-Wort begegnet bist, darf ich dir auch noch persönlich sagen, dass ich dich sehr schätze, dass du für mich ein "idealer Bischof" warst und bleibst, und dass dich unsere Gemeinschaft lieb hatte. Gibt es Besseres auf dieser Erde als dies, dass man geliebt wird?

Noch viele gute, erholsame, frohe und gesunde Jahre wünscht dir für die Franziskusgemeinschaft

dein Kalvarienbergbruder
Fritz Giglinger

Montag, 20. Dezember 2010

Enthebungsschreiben an Regens Pratl

Einfach zum Nachdenken: Die Wahrheit wird euch frei machen...

Auszüge aus dem Enthebungsschreiben von Bischof Zsifkovics an Regens Mag. Johannes Pratl...

„Hochwürdiger Mitbruder!

Da Sie meiner mündlichen Aufforderung zum freiwilligen Amtsverzicht, in Anwesenheit des hochwürdigen Herrn Generalvikars, vom 27. September 2010 nicht nachgekommen sind, bin ich genötigt, Ihnen mitzuteilen, dass Sie mit Wirksamkeit vom 01. Oktober 2010 von Ihrem Amt als Regens des Bischöflichen Priesterseminars der Diözese Eisenstadt enthoben sind...

Die Enthebung von diesem Amt beruht…auf den Ihnen dargelegten Gründen, die eine weitere Tätigkeit Ihrerseits als Regens…als unfruchtbar erscheinen lassen.

Ich fordere Sie auf, die Regenswohnung im Priesterseminar unverzüglich für Ihren Nachfolger frei zu machen…

...Nutzen Sie bitte diese Zeit auch für eine vertiefte Besinnung auf Ihren priesterlichen Dienst.

...Ich ersuche Sie eindringlich, diesem Dekret im gelebten priesterlichen Gehorsam nachzukommen.“

...und wie Bischof Zsifkovics in der Öffentlichkeit seine Personalentscheidungen kommentiert - ORF-Burgenland, 15.12.2010:

...Die ersten Monate im Bischofsamt seien für ihn sehr intensiv und "eine Zeit der Herausforderung" gewesen, sagte der Diözesanbischof.... An der Art und Weise der Ernennung des Bischofs und an seinen ersten Personalentscheidungen hatte es auch Kritik gegeben.

Davon bekomme er in seiner täglichen Arbeit im Haus und in der Diözese nichts zu spüren. "Es haben sich alle auf die neuen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eingestellt", so Zsifkovics. Er wolle noch einmal betonen, "dass ich da keinen Schritt gegen irgendjemand gesetzt habe."

Sonntag, 19. Dezember 2010

Wie können wir Gott begegnen?

Predigt von Pfarrer Dietmar Stipsits am Feiertag Maria Empfängnis am 4. Adventsonntag (19.12.2010):

Liebe ChristInnen!

Wie können wir Gott begegnen bzw. wie können wir ihn erfahren?
Ich glaube, davon spricht das heutige Evangelium (Mt 1,18-24), wenn es uns von Josef erzählt, der sich in einer existenziellen Krise befindet. Josef, der mit Maria verlobt war, wusste, dass seine Verlobte nicht von ihm schwanger war. Demnach musste wohl ein Ehebruch vorliegen, für den es nach jüdischem Recht zwei Möglichkeiten gab: entweder wird die Frau gesteinigt, oder Josef stellt einen Scheidungsbrief aus.

Das heutige Evangelium erzählt uns, dass sich Josef für den Scheidungsbrief entschlossen hat, und er sich „in aller Stille“ vertschüssen wollte. In dieser Krisensituation hat Josef einen Traum. Aus dem Unterbewussten, aus dem nicht Erklärbaren, kommt eine andere Möglichkeit der Lösung. Josef erfährt Gott im Traum, der ihm durch einen Engel zu erklären versucht, was Josef tun soll, und dass er, Gott, in seinem Leben mit dabei ist, Josef also keine Angst haben muss.

Da, wo es menschlich gesehen nur eine einzige Möglichkeit gibt, erweitert die Erfahrung, dass Gott da ist, den Horizont – und macht so eine andere Lebensbewältigung deutlich. Josefs Traum erklärt, rät und öffnet den Weg in eine neue Zukunft, die vorher undenkbar gewesen wäre.

Der heutige 4. Adventsonntag möchte uns einladen, für Unerwartetes offen zu sein, und darauf zu vertrauen, dass gerade in schwierigen Situationen einer bedingungslos auf unserer Seite ist. So wie Josef brauchen wir selbst in kritischen Lebenssituationen keine Angst haben, denn Gott weiß um uns/um mir, und er hilft uns, unser Leben zu bewältigen. Wem wundert’s dann noch, wenn der Name „Jesus“ übersetzt bedeutet „JHWH/Gott ist Hilfe“ – damals wie heute und bis in Ewigkeit.

Samstag, 18. Dezember 2010

Kohlmaier gibt päpstlichen Orden zurück

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TT.com
Kohlmaier gibt nach Tadel päpstlichen Orden zurück

Vatikanstadt/Wien (APA) - Nach einer vatikanischen Rüge hat der ehemalige ÖVP-Politiker und Ex-Volksanwalt Herbert Kohlmaier, der mit der Forderung nach einer Beteiligung der Kirchenbasis an Bischofsbestellungen hervorgetreten ist, den ihm vor 16 Jahren verliehenen päpstlichen Gregorius-Orden demonstrativ zurückgegeben. Er betrachte es als seine „Pflicht als Christ und Katholik, mit vielen Gleichgesinnten energisch gegen gravierende Fehlentwicklungen bei der Leitung unserer Kirche aufzutreten“, betonte der vormalige ÖVP-Generalsekretär und ÖAAB-Chef in einem am Samstag der APA übermittelten Antwortschreiben an Erzbischof Fernando Filoni.

Der Substitut des vatikanischen Staatssekretariats hatte darauf hingewiesen, dass die hohe kirchliche Auszeichnung, die der damalige Wiener Erzbischof Kardinal Hans Hermann Groer für den Politiker beantragt habe, „Respekt und Wohlwollen gegenüber dem Nachfolger Petri und dem Apostolischen Stuhl erwarten lässt“, und von Kohlmaier eine „Erklärung“ für sein Verhalten verlangt. Der ehemalige Volksanwalt und andere hierarchiekritische Laienaktivisten, die sich selbst als „Reformkräfte“ sehen, hatten auf einer Medienkonferenz ihren „Unmut“ geäußert und die Ernennung des neuen burgenländischen Diözesanbischofs Ägidius Zsifkovics zum Anlass genommen, mit der Drohung an die Öffentlichkeit zu treten, dass sie zum „Ignorieren ungültig ernannter Bischöfe“ aufrufen würden. Unterstützung bekamen sie vom früheren Generalvikar Helmut Schüller von der sogenannten Pfarrerinitiative.
Durch das geltende Konkordat ist der Heilige Stuhl lediglich dazu verpflichtet, vor der Ernennung eines residierenden Erzbischofs oder Bischofs bzw. -Koadjutors den Namen der in Aussicht genommenen Persönlichkeit der österreichischen Bundesregierung zur Kenntnis zu bringen. 2009 hatte der massive Widerstand von Teilen des Klerus und der Kirchenbasis die Einsetzung des als ultrakonservativ angesehenen Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof vereitelt.
Der Päpstliche Orden vom Heiligen Gregor dem Großen (Ordine Pontificio di San Gregorio Magno) ist der vierthöchste Orden für Verdienste um die römisch-katholische Kirche. Er wurde 1831 von Papst Gregor XVI. gestiftet. Herbert Kohlmaier gehörte zu der Ordensklasse „Komtur mit Stern“.



Die Männer im Vatikan begehen Verrat an Jesus
Gastkommentar von Herbert Kohlmaier in der Wiener Zeitung, 20. Mai 2010 >>

Prof. Winkler: "Diakoninnen sind Teil der kirchlichen Tradition"


Weihe von Diakoninnen wird weithin totgeschwiegen
Salzburger Nachrichten am 13. Dezember 2010

Theologie. Symposium bekräftigt historische Beweise für die Weihe von Frauen.
Johannes Paul II. hatte „endgültig“ festgestellt, dass die römisch-katholische Kirche von der Bibel und von der Tradition her nicht berechtigt ist, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. In seinem neuen Interviewbuch „Licht der Welt“ ist Benedikt XVI. auf derselben Linie. Er sagt in Hinblick auf das Verhältnis Roms zu anderen christlichen Kirchen, dass „der Protestantismus Schritte getan hat, die ihn eher von uns entfernen“. Als Beispiel nennt der Papst die Frauenordination.

Freitag, 17. Dezember 2010

Kohlmaier: Scheitert die Kirchenreform am Bischofsgehorsam?

Nach der empörenden Zurechtweisung einer Salzburger Gemeinderatsinitiative durch Erzbischof Kothgassner machte Herbert Kohlmaier, Obmann der Laieninitiative, einige grundsätzliche Überlegungen:
Kirchenreform und Bischofsgehorsam - ein unauflösbarer Wiederspruch?

Hintergrund:
Auf die in einer Pressekonferenz am 23.11. publizierten Reformideen der Pfarrinitiative Taxham antwortete Erzbischof Alois Kothgasser mit der Erklärung "Für wahre Erneuerung in der Kirche". Auszüge daraus:
"Gemeint mit „Ecclesia semper reformanda“ ist aber sicher nicht eine „Reformation“. Deshalb ist die Einheit mit und in der Kirche ein untrügliches Zeichen wahrer und echter Erneuerungsbestrebung. [...]
Die vorliegende „Erklärung von Delegierten aus Salzburger Pfarrgemeinderäten und der Taxhamer PGR-Initiative“ ist diesbezüglich (d.h. einer klaren Entscheidung zur Mitarbeit... gemeinsam mit dem Papst...) wenig hilfreich und widerspricht direkt kirchlichen Weisungen. Die Mitarbeit in der Sorge um das Wohl und Heil der Menschen setzt die Annahme und das Mittragen der von der Weltkirche gesetzten Bedingungen voraus."


Beitrag dazu auf kathweb.at, 7.12.2010
Kothgasser: Reformen nur innerhalb gesamtkirchlicher Ordnung

Salzburger Erzbischof kritisiert in offizieller Stellungnahme publizierten Reformideen der Pfarrinitiative Taxham: "Durch das Stellen von Forderungen löst man keine Probleme"

Aus der Presseinformation der Taxhamer Pfarrinitiative:
Ab 2013 werden nur noch 17 statt bisher 27 Priester in der Stadt Salzburg in der Seelsorge tätig sein. Die nachhaltige Seelsorge vor Ort ist in Gefahr.

Bei der erweiterten Stadtteilkonferenz am 19.09.2010 in Salzburg wurden die Pfarrgemeinderäte aufgerufen, über die Pfarrverbände zu beraten und die Ergebnisse an das Seelsorgeamt zu leiten. Diesem Aufruf folgend, haben sich auf Initiative des Pfarrgemeinderates Taxham am 19.11.2010 Delegierte aus den Pfarrgemeinderäten der Stadt Salzburg getroffen und einen zukunftsorientierten Alternativplan zu den von der Erzdiözese vorgesehenen Pfarrverbänden erstellt:

ERKLÄRUNG
von Delegierten aus Salzburger Pfarrgemeinderäten
vom 19.11.2010 und der Taxhamer PGR-Initiative

• Der von der Kirchenleitung vorgelegte Plan (Pfarrverbände) überfordert hauptamtliche MitarbeiterInnen, belastet Ehrenamtliche und lässt die Gläubigen im Stich. Insbesondere gewährleistet er nicht die Nachhaltigkeit der Seelsorge.

• Wir Pfarrgemeinderäte wurden eingeladen, kreativ mitzuarbeiten. Dieses Angebot mitzugestalten nehmen wir im Bewusstsein unserer Verantwortung gerne an.

• Wenn die Kirche ihre Aufgaben wahrnehmen will, braucht sie kleinräumige Seelsorgeeinheiten und ausreichend SeelsorgerInnen vor Ort. Daher schlagen wir folgende Maßnahmen vor:
  1. Unverzüglich wird geprüft, welche außer Amt stehende Priester fähig und willens sind, ihr Amt wieder auszuüben, damit sie ab Herbst 2011 vom Bischof wieder in der Pastoral eingesetzt werden.
  2. Geheimgehaltene Beziehungen von Priestern sind eine Tatsache. Um die Glaubwürdigkeit der Kirche in diesem Punkt wieder herzustellen, wird bis Herbst 2011 ein Modus gefunden, wie man bestehende Beziehungen von Priestern zu Frauen anerkennt und die Priester ihr Amt weiter ausüben können.
  3. Die Lebensform darf kein Hindernis für die Weihe zum Priester sein. Berufene Menschen entscheiden sich in freier Wahl für das zölibatäre oder das Eheleben.
  4. Berufenen Frauen werden - wie in den Schwesterkirchen möglich - zu Diakoninnen geweiht.
  5. Im Bewusstsein, dass die angeführten Maßnahmen eine gewisse Vorlaufzeit brauchen und um die Qualität der Seelsorge zu gewährleisten, werden ab Mai 2011 geeignete Personen (Personae probatae) vom Erzbischof beauftragt, im Gottesdienst das Wort Gottes zu verkündigen, zu taufen, Eheschließungen zu assistieren und Begräbnisse zu leiten.

    Beschlussfassung einhellig mit einer Enthaltung

    Homepage der Pfarre Taxham
    Aktuelles Pfarrblatt "Blickpunkt-Taxham"

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Bischofsbestellung - historische Betrachtungen zu einer Fehlentwicklung



Univ. Doz. Dr. Gerhard Hartmann
Bischofsbestellung – historische Betrachtungen zu einer Fehlentwicklung
Vortrag bei der Enquete der Reformbewegungen in der Katholischen
Kirche Österreichs am 27. November 2010 in Wien

Zusammenfassung
1. Die Befassung mit der Geschichte im allgemeinen und mit der Kirchengeschichte im besonderen hat etwas Tröstliches an sich. Sie führt zur Erkenntnis, daß die historischen Abläufe einem ständigen Wandel unterworfen sind und es rückblickend keinen Ewigkeitszustand gibt. Gegner des Unfehlbarkeitsdogmas auf dem Ersten Vatikanum im Jahr 1870 haben den Befürwortern entgegengehalten: Olim sic non erat. Einst war es nicht so.

2. Anhand zahlreicher Zeugnisse kann man erkennen, daß die Wahl der Bischöfe die unbestrittene Praxis in den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche sowie der frühen westlichen, d. h. lateinischen Kirche, war. Es steht außer Zweifel, daß von Anfang an eine Wahl durch das Volk und den Klerus die normale Form war. Nach der konstantinischen Wende (313) wurde dieses Prinzip durch Begehrlichkeiten von Kaisern und Königen zwar oft unterlaufen, aber weder von diesen noch von Rom je in Frage gestellt. Diese Praxis war dann rund 1000 Jahre, also die Hälfte der Kirchengeschichte, vom Grundsatz her unbestritten.

3. Nach der ersten Halbzeit der bisherigen Kirchengeschichte – nämlich im 11. Jahrhundert – entwickelte sich aus unterschiedlichen, nicht zuletzt vor allem aus pekuniären Motiven zum einen die Tendenz des Papsttums, die Bischofsbestellung an sich zu ziehen. Infolgedessen kam es zu einer sukzessiven Ausschaltung der Laien, d. h. des „Volkes“, von den unmittelbaren Wahlhandlungen. In der Praxis bildeten sich feste Wahlkollegien heraus, nämlich die Domkapitel. Damit wurde die Bischofswahl klerikalisiert.

4. Die Tendenz des Papsttums, die Bischofbestellung an sich zu ziehen, wurde durch das Exil in Avignon und das Abendländische Schisma, sowie den Konziliarismus des 15. Jahrhunderts entscheidend abgeschwächt. Die Wahl der kirchlichen Amtsträger blieb daher weiterhin das vorherrschende, an sich unbestrittene Grund-Prinzip. Es wurde jedoch durch das im 15. Jahrhundert wieder eingeführte landesfürstliche Nominationsrecht unterlaufen.

5. In den konkordatären Regelungen nach dem Wiener Kongreß (1815) suchte der Heilige Stuhl, noch überall das freie Kapitelwahlrecht gegen Einflußversuche des Staates bzw. der regierenden Häupter durchzusetzen, was ihm auch fast immer gelang. Von einem alleinigen Ernennungsrechtsanspruch des Papstes war damals nicht die Rede.

6. In der Schweiz konnten nach 1815 für Basel, Chur und St. Gallen ein freies Domkapitelwahlrecht gesichert werden, daß 1943 jedoch für Chur in ein solches aufgrund eines Dreiervorschlags geändert wurde. Für die übrigen Schweizer Diözesen besteht ein päpstliches Ernennungsrecht.

7. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kippte das bisherige System zugunsten des alleinigen Ernennungsanspruchs des Papstes. Beschleunigt bzw. beeinflußt wurde das sicher durch die Definition der Unfehlbarkeit und des Jurisdiktionsprimats des Papstes im Juli 1870 auf dem I. Vatikanum.

8. 1917 wurde der neue Codex Iuris Canonici, der CIC, promulgiert. Bezüglich der Bischofsbestellung kam es nun zum endgültigen Durchbruch des päpstlichen Alleinanspruchs.
So hieß es daher in c. 329 § 2: „Die Bischöfe ernennt der Papst frei.“

9. Ähnlich wie nach den Napoleonischen Kriegen war es aufgrund der Umwälzungen auch nach dem Ersten Weltkrieg notwendig, zu Regelungen zwischen Staat und Kirche zu kommen. Während in Bayern und Österreich der Heilige Stuhl das päpstliche Ernennungsrecht durchsetzen konnte, verblieb im übrigen Deutschland sowie in Salzburg ein Domkapitelwahlrecht aufgrund eines päpstlichen Dreiervorschlags.

10. Auf dem II. Vatikanum kam es lediglich zur Aussage, daß staatliche Stellen keinen Einfluß auf die Bischofsbestellung haben sollen.

11. In den Orthodoxen wie altorientalischen Kirchen sowie in den mit Rom unierten Ostkirchen herrscht bei der Bischofsbestellung das synodale Prinzip.

12. Die Irritationen um Bischofsbestellungen ab den achtziger Jahren forcierten die Diskussion um eine Verbreiterung der Bischofsbestellung bzw. um eine Demokratisierung der Kirche, bei der zahlreiche konkrete Vorschläge gemacht wurden, die aber von Rom nicht ernstgenommen wurden. Es kam auch zur Kirchenvolksbegehrens-Bewegung.

13. Die Glaubwürdigkeitskrise der Kirche ab 2009 verschärfte diese Debatte. Vor diesem Hintergrund wurden und werden Stimmen nach Reformen in der Kirche immer stärker, und auch Bischöfe sehen die Lage der Kirche zunehmend kritisch und formulieren derartige Überlegungen auch in aller Öffentlichkeit.

14. In diesem Zusammenhang steht auch die Forderung nach einer Verbreiterung der Mitwirkung bei der Bischofsbestellung, die keine Frage der katholischen Glaubenssubstanz berührt. Eine Hinwendung sowohl zur Praxis früherer Zeiten als auch zur demokratischen Lebenswirklichkeit der Menschen würde das Glaubwürdigkeitsproblem der katholischen Kirche zu einem erheblichen Teil abmildern helfen.

15. Das jetzige System der Bischofsbestellungspraxis in der Lateinischen Kirche kann man als eine Fehlentwicklung bezeichnen, weil sie weder auf biblischen Grundlagen, noch auf der historischen Praxis der Kirchengeschichte beruht. Sie geht auch nicht konform mit der Communio Ekklesiologie des II. Vatikanums.

Der Vortrag fußt inhaltlich weitgehend auf:
Gerhard Hartmann
Wählt die Bischöfe! Ein Vorschlag zur Güte und zur rechten Zeit (= topos taschenbücher
716). Kevelaer 2010. ISBN 978-3-8367-0716-9.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

2010: "Austrittszahlen weit über Tausend"

ORF-Burgenland, 15.12.2010:

Im Burgenland haben im Vorjahr erstmals mehr als Tausend Katholiken ihrer Kirche den Rücken gekehrt. Dieser Trend setze sich 2010 fort. Bischof Ägidius Zsifkovics spricht von einer riesigen Herausforderung.

"Austrittszahlen weit über Tausend"
Die Austrittszahlen heuer seien "weit über Tausend", so der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics. Genaue Zahlen will man im Jänner bekanntgeben.

Für Zsifkovics sei das eine Entwicklung, die "die Zeit mit sich bringt". Auf der anderen Seite sei es auch eine "riesige Herausforderung".

Reformbewegungen machen Vorschläge für Bischofsernennungen

Bei einer Pressekonferenz am 13.12.2010 in Wien äußerten sich Vertreter von "Wir sind Kirche", "Priester ohne Amt", "Pfarrerinitiative" und "Laieninitiative" besorgt über aktuelle Modalitäten von Bischofsernennungen und präsentierten eine entsprechende gemeinsame "Entschließung", in der sie sich für die Wiedereinführung ortskirchlicher Mitentscheidung aussprachen.
Entschließung der Reformbewegungen
Stellungnahme der Laieninitiative
Stellungnahme der Pfarrerinitiative
Modell "Bischofswahl" von Wir-sind-Kirche

PRESSEMELDUNGEN:

Katholiken-Drohung: Bischöfe nicht anerkennen?
Die Presse am 14.12.2010

Katholische Laienorganisationen fordern gemeinsam vom Papst in Rom ein Mitspracherecht der Ortskirche bei der Bischofsbesetzung. Und rufen im Falle einer Abfuhr aus dem Vatikan zum kollektivem Ungehorsam auf.

Eine Rebellion gegen den Papst
Wiener Zeitung vom 14.12.2010
Mitsprache von Klerus und Laien bei Bischofsernennung dringlich gefordert.
Neubesetzung der Diözese Eisenstadt als direkter Anlass.

Bischofsernennungen: Initiativgruppen für mehr Mitbestimmung
Kathweb am 14.12.2010

Kirchliche Initiativgruppen in Österreich setzen sich für mehr Mitsprache der Kirchenbasis bei Bischofsernennungen ein. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien präsentierten Vertreter von "Wir sind Kirche", "Priester ohne Amt", "Pfarrerinitiative" und "Laieninitiative" eine entsprechende gemeinsame "Entschließung", in der sie sich für die Wiedereinführung ortskirchlicher Mitentscheidung aussprechen. Bischofsernennungen bräuchten eine nachvollziehbare und ausgewogene Befragung des Klerus und der engagierten Laien im Vorfeld, heißt es in dem Papier.

Katholische Kirche: Gegen „römische Willkür“
Die Presse am 12.12.2010

Eine Allianz von Reformgruppen will Einfluss auf die Ernennung von Bischöfen. Der Noch-Generalsekretär ist offensichtlich ernannt worden, vor einer Befragung unter burgenländischen Priestern und Laien.

Brief an Bischof Zsifkovics und Kardinal Schönborn

Gastbeitrag von Dr. Vera Luka im Namen einer Gebetsgruppe aus Purbach. Der folgende Brief erging an Bischof Zsifkovics und an Kardinal Schönborn:

Herr Bischof! 13.12.2010

Die Ereignisse seit Ihrer Weihe zum Bischof haben uns so sehr erschüttert, dass wir Ihnen diese Zeilen schreiben müssen. Wir sind damit Sprachrohr für viele Menschen, die in den letzten Wochen Unmut und Enttäuschung geäußert haben. Gerne würden wir auch persönlich mit Ihnen über unsere Sorgen und Anliegen sprechen.

Wir sind eine Gruppe von Christen, die sich seit vielen Jahren ehrlich bemüht, dem Beispiel Jesu zu folgen. Wir treffen uns regelmäßig zum gemeinsamen Austausch und Gebet, weil wir von Gottes Gegenwart tief berührt worden und seither auf einem Weg der inneren Stille und Kontemplation sind, wo wir gelernt haben, den Egoismus in uns zu erkennen und die Verwandlung unseres Seins durch die göttliche Liebe zuzulassen. Das hat unser Handeln und Umgehen miteinander verändert.

Die Erfahrung des Göttlichen und die Gestaltung des Lebens und Handelns aus dieser Präsenz sind offensichtlich nicht an eine Religion gebunden, schon gar nicht an die Katholische Kirche, denn es hat sich seit Jesu Zeit nichts geändert. Heute wie damals sind die „Würdenträger“ oft Pharisäer, die sich selber in den Vordergrund stellen und auf ihren Vorteil bedacht sind, aber von den Worten und der Botschaft Jesu nichts verstehen (wollen).

Sie haben als Bischof den Auftrag Jesu übernommen, so wie er Diener zu sein und nicht Herrscher. (Ihr sollt einander lieben, so wie ich euch geliebt habe,… der Größte unter euch soll euer Diener sein,…) Das kann man aber nur leben aus der innigen Verbundenheit mit Gott (bleibt in mir, dann bleibe ich in euch) und aus der daraus fließenden Liebe, wie uns auch einige Bischöfe der Gegenwart zeigen, was trostvoll und hoffnungsvoll ist.

Die Art, wie Sie ihre Personalentscheidungen getroffen und durchgesetzt haben, zeigen uns das leider auch ganz deutlich, und wir empfinden es als diktatorisch und absolut unchristlich wie Sie Menschen behandeln. Das passt nicht zum Auftrag christlicher Nächstenliebe, sondern eher in die Zeit des Kommunismus und erinnert an schlimme Zeiten in der Vergangenheit der Kirche, und das erschreckt uns zutiefst.

Wenn in der kirchlichen Obrigkeit Doppelmoral und Lüge zu finden sind statt aufrichtigem Miteinander, wird es für uns und viele andere Menschen, vor allem für Jugendliche, sehr schwer, in diesem von lieblosen Handlungen erfüllten „Verein Katholische Kirche“ zu bleiben, wo nur wenig an das Beispiel Jesu Christi erinnert und die Messen scheinbar zu „Theatervorstellungen“ verkommen. Sie finden in Ihren Predigten oft sehr gute Worte, aber wenn diese nicht dem gelebten Zeugnis entsprechen, bleiben sie leer und unglaubwürdig. Wir fragen uns, wie es Ihnen dabei geht, am Altar zu stehen und von Vergebung und Liebe zu sprechen, während Ihr Umgehen mit engagierten Amtsträgern eher rücksichtslos erscheint. Wird man vor lauter Streben nach Macht im Herzen blind und taub für Botschaft Christi?

Sie haben bei der Aufführung der Cenacolo Leute im Römersteinbruch kein einziges Wort für diese Menschen gefunden, die mit ihrem ganzen Leben Zeugnis für die Gegenwart und das Wirken Gottes ablegen. Wir haben das vom neuen Bischof erwartet.

Im unzeitgemäßen, pompösen „Outfit“ lächeln macht keinen Bischof aus. Die Welt braucht Menschen, die dem Beispiel Jesu folgen (wie Bischof Erwin Kräutler und viele andere Priester und Bischöfe), damit seine Botschaft glaubhaft bleibt, Christus braucht Menschen, die Frieden in die Welt bringen, nicht Egoismus, Streit und Unversöhnlichkeit.

An Weihnachten feiern wir die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. In ihm ist die Göttlichkeit in ganz besonderer Weise konkret sichtbar geworden. Aber Gott will auch in jedem von uns erfahrbar werden, wenn wir es zulassen. So wünschen wir Ihnen, dass Sie in den kommenden Adventtagen genug Zeit für Stille und Besinnung finden, um in Ihrem Herzen das Wunder der Menschwerdung Gottes zu erspüren.

Wir grüßen Sie mit einem hoffnungsvollen Shalom

Dienstag, 14. Dezember 2010

Neuevangelisierung?

Gastbeitrag von DI Gregor Görtler:

Neuevangelisierung?

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Wenn die katholische Amtskirche so weitermacht wie in den letzten zwanzig Jahren, dann wird in den nächsten zwanzig Jahren nur mehr das Amt übrigbleiben, während die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen aufhört zu existieren. Am Ende des Weges steht eine Randgruppe einiger Weniger, in welcher Form auch immer. Welche Ursachen bedingen die geradezu panische Flucht der Menschen vor der Kirche in der heutigen Zeit?

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass die Marginalisierung der Institution Kirche nicht mit der Unempfänglichkeit der heutigen Gesellschaft für die Frohe Botschaft zu erklären ist. Allerorts wird zum Beispiel die Einstellung der Jugendlichen kritisiert, doch schon Sokrates klagte mehr als 400 Jahre vor Christus „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer“. Im Zusammenhang mit den Jugendlichen gibt es also wenig Neues.

Auch der Verfall der Moral wird häufig angesprochen und als Ursache für eine grundsätzlich kirchenferne Einstellung herangezogen. Im selben Atemzug beschwört man den Zusammenhalt und die Gläubigkeit der Eltern und Großelterngeneration. Ich möchte jedoch daran erinnern, dass gerade diese Generation am furchtbarsten und menschenverachtendsten Krieg der Geschichte, dem 2. Weltkrieg, beteiligt war. Selbstverständlich erhebe ich keine Pauschalvorwürfe, dennoch soll gerade dieses Beispiel aufzeigen, dass jede Generation ihre Licht- und Schattenseiten mit sich bringt.

Nein, diese Generation ist nicht schlechter oder besser als andere Generation, sie hat ihre eigenen Probleme und sehnt sich um nichts weniger nach einer Botschaft, die Ihr Sinn und Halt im Leben gibt, als andere Generationen. Und wie jede Generation, möchten die Menschen in einer Sprache angesprochen werden, die sie auch verstehen.

Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie die katholische Kirche es zuwege bringt, die wunderbare, mitreißende Botschaft des Neuen Testaments so hinter Floskeln, Riten und Zeremonien zu verhüllen, dass sie ein Großteil der Menschen nicht versteht und daher auch gar nicht annehmen kann. Speziell die Ereignisse der jüngsten Zeit im Burgenland zeigen mit geradezu erschreckender Deutlichkeit wie weit sich die Kirchenoberen und somit die Amtskirche selbst vom Volk entfernt haben.

Wie kann sich ein Hirtenbrief, der bei den Gläubigen viel bewirken könnte, so um brennende Fragen drücken? Wie kann ein Bischof, der Nächstenliebe predigt, einen Mitarbeiter kurzerhand entlassen und noch dazu delogieren? Wie kann eine Kirche, die Armut und Bescheidenheit predigt, eine solch pompöse Bischofsernennung mit rauschenden Gewändern und prächtigen Utensilien inszenieren? Wer soll so etwas verstehen?

Ich versuche mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, darunter sind Religionslehrer, Atheisten, Akademiker, Pensionisten, Priester und noch viele Andere. Die Meinungen über die Ereignisse schwanken zwischen Gleichgültigkeit, Frustration, Zorn und Resignation. Wie auch in den Medien, so findet man in persönlichen Gesprächen nahezu keine Andeutungen einer positiven Entwicklung oder Stimmung. Praktisch niemand erkennt einen Zusammenhang zwischen dem Evangelium und den jüngsten Vorgängen in der Amtskirche, gleichgültig ob er kirchennah, kirchenfern oder gar von Berufs wegen mit der Kirche zu tun hat. Der Grundtenor, der sich durch alle Gespräche zieht, ist das Unverständnis über die bereits hinlänglich bekannten Ereignisse.

Die Zustände zu kritisieren ist wohl einfach, wo aber liegt die Lösung? Ich denke, die Lösung liegt einerseits darin, die Menschen in einer Sprache anzusprechen, die sie auch verstehen und andererseits darin das Evangelium nicht nur zu predigen sondern vor allem zu leben. Dieser Lösungsvorschlag klingt recht einfach, vielleicht sogar naiv, doch ist er lediglich so einfach wie die Frohe Botschaft selbst. All das Gerede über das Kirchenrecht, die Dogmen, die Kirchenhierarchie oder die richtige Form der Liturgie verstellen uns nur allzu oft den Blick auf das mitreißende Leben und Wirken Jesu.

Noch hat die katholische Kirche, vielleicht, die Wahl. Sie wird entweder weiter auf den Abgrund zusteuern oder umkehren und sich wieder den Menschen zuwenden. Die häufig geforderte Neuevangelisierung ist nicht nur für die Menschen wichtig, sondern vor allem für die Kirche und deren Entscheidungsträger selbst der längst notwendige Schritt.

Montag, 13. Dezember 2010

Bischofswechsel in Eisenstadt – eine mehrfach unerträgliche Vorgangsweise

Wie ich bereits berichtet habe, hat am 27.11.2010 eine Enquete zum Thema „Zentralistische Bischofsernennungen – theologisch unhaltbare Willkür" stattgefunden. Veranstalter waren die katholischen Reformbewegungen Plattform "Wir sind Kirche", Laieninitiative,Priesterinitiative und Priester ohne Amt.

Ich hatte die Ehre, das Eröffnungsreferat zum Thema "Bischofswechsel in Eisenstadt – eine mehrfach unerträgliche Vorgangsweise" zu halten. Unter anderem sagte ich:

"Das Auswahlverfahren und die sog. „Befragung“ durch den Nuntius Peter Zurbriggen

Die Vorfälle in Linz um die Ernennung von Weihbischof Wagner ließen schon ahnen, dass es im Burgenland nicht viel anders zugehen würde: Ein romtreuer Kandidat musste her, das ist das Wichtigste. Logischer Weise kam dafür Ägidius Zsifkovics in Frage und schon sehr früh kursierte sein Name als möglicher Kandidat in der Presse.

Nicht zu Unrecht. Der Generalsekretär der Bischofskonferenz und Kirchenrechtler hat jahrelang sein persönliches Netzwerk gepflegt – insbesondere zur vatikanischen Bürokratie um seine Karrieremöglichkeiten zu verbessern. Undementiert wurde mehrmals öffentlich berichtet, dass aus dem Umfeld von Zsifkovics zu erfahren war, dass er schon nach seiner Priesterweihe meinte, einmal Bischof werden zu wollen. Da kommt einem unweigerlich ein ehemaliger Bundeskanzler der Republik in den Sinn, der schon in der Sandkiste spielend feststellte, einmal Bundeskanzler zu werden.

Doch sehr viele Priester und Laien hatten auch sehr früh Bedenken gegen einen möglichen Bischof Zsifkovics. Sie äußerten die Bedenken, öffentlich und in Gesprächen mit dem Nuntius Peter Zurbriggen, mit Kardinal Schönborn, seinem Stellvertreter in der Bischofskonferenz Bischof Kapellari und vielen anderen mehr. Doch die Sorgen eines bedeutenden Teiles des burgenländischen Klerus und der Laien wurden nicht ernst genommen.

Die wichtigsten Kritikpunkte die immer wieder genannt wurden:
1. Zsifkovics soll Priesterkollegen gegenüber sehr unchristlich und unkollegial gewesen sein. Vor allem solchen gegenüber, die er als seine "Feinde" einstufte.
2. Er habe ganz selten an diözesanen Beratungen und Zusammenkünften der Priester, sowie diözesanen Weiterbildungsveranstaltungen teilgenommen.
3. Zsifkovics wollte immer schon Bischof werden und war deshalb auch sehr oft in Rom und der Anima oder in Zagreb, um an seiner Karriere zu arbeiten.
4. Er hat Bischof Iby und mit ihm die pastoralen Linien des "Dialogs" in Rom ständig denunziert.
Aufgrund all dieser Punkte würde es sehr schwer sein, eine Vertrauensbasis zu schaffen.

Die Kritik wurde auch bei einem Treffen von der Dechantenkonferenz und des Priesterrates derDiözese Eisenstadt am 15. April 2010 deutlich ausgesprochen. Bei diesem Treffen fanden die Priester starke Worte und es wurde die Vorgangsweise bei der Kandidatensuche kritisiert.

Wörtlich heißt es in den Amtlichen Mitteilungen der Diözese Eisenstadt Nr. 578 vom 25. April 2010 unter dem Punkt "Kurzbericht über die Zusammenkunft des Gremiums Priesterrat und Dechantenkonferenz der Diözese Eisenstadt: „…In der Diskussion zeigten sich die Anwesenden großteils darüber enttäuscht, dass der Nuntius bisher keine Befragung in der Diözese Eisenstadt durchgeführt hat. Auch wurde mit großer Enttäuschung festgestellt, dass eine Anfrage zu einem Gesprächstermin mit dem Apostolischen Nuntius, die der Generalvikar bereits vor drei Wochen an die Nuntiatur richtete, bisher unbeantwortet blieb. Die Anwesenden werten dies als Affront gegen die Diözese Eisenstadt….“

Klarer kann die Rolle des Nuntius Peter Zurbriggen nicht beschrieben werden.

Im Eilzugsverfahren kam dann plötzlich eine Befragung zustande. Eilzugsverfahren deshalb, weil Nuntius Zurbriggen erst Mitte Mai 2010 Priester der Diözese um ihre Meinung gebeten hat, wer Bischof werden soll. Danach musste er die Antworten sichten, bewerten und eine Reihung der Kandidaten vornehmen und diese an den Vatikan schicken. Anschließend muss die Bischofskongregation eine genaue Überprüfung der Kandidaten vornehmen. Dann tritt die Bischofskongregation zusammen. Schließlich geht der Akt an den Papst.

Diese ganze Prozedur fand in einem Zeitraum von rund 40 Tagen statt – das muss man sich einmal richtig auf der Zunge zergehen lassen und sich praktisch vorstellen. Diese Geschwindigkeit in so wichtigen Fragen ist für die Kenner der vatikanischen Bürokratie eigentlich unmöglich. Der Verdacht liegt einfach auf der Hand, dass die Befragung reine Augenauswischerei war und die Ernennung vorher fest stand. Die Befragung sollte offensichtlich nur dazu dienen, die getroffene Entscheidung für Zsifkovics nachträglich zu legitimieren und scheinheilig zu behübschen.

Bischof Iby bestätigt diesen Verdacht wenn er in einem ausführlichen Gespräch in der ORF Sendung „Orientierung“ am 26. September Kritik am Ablauf der Bestellung und auch das Tempo der Ernennung in Frage stellt. „Was ich mir gewünscht hätte ist, dass man jene Umfragen, die in letzter Zeit gemacht wurden, auch beachtet hätte", so Iby zum Prozedere bei der Bestellung seines Nachfolgers. Und weiter: "Die Kürze der Zeit zwischen der Befragung und der Ernennung lässt vermuten, dass auf diese Fragen und Antworten nicht sehr geschaut wurde." Klarer kann diese „Schmähparade“ die sich Befragung nennt, nicht beschrieben werden.

Weiters ist die Auswahl der Teilnehmer an jener Befragung unfassbar. Es ging hier überhaupt nicht nachvollziehbar, transparent oder demokratisch zu – dafür aber unter Betonung „strengster Geheimhaltung“. Ein System an Willkür und Intransparenz sondergleichen. Nicht einmal alle Dechanten waren unter den ca. 60 eingeladen Personen. Auch nicht alle Mitglieder des Pastoralrates. Dafür aber fehlten die ausgewiesenen Freunde und Sympathisanten des neuen Bischofs nicht – auch wenn sie sich schon lange im Ruhestand befanden. Diese Auswahl von system- und romtreuen Personen für die Befragung verwundert nicht, wenn man weiß, wer dafür verantwortlich war.

Hinter der "Umfrage des Nuntius zur Ernennung eines Bischofs in Eisenstadt" stand sein Sekretär. Er erstellte die Liste der Personen, die zur Befragung eingeladen wurden.

Es handelt sich um Pater Florian Grafl F.S.S.P. aus Schattendorf, Mitglied der Priesterbruderschaft St. Petrus. Diese Petrusbruderschaft ist ein Ableger der 1969 von Lefebvre gegründeten Piusbruderschaft. Die Geisteshaltungen dieser Gemeinschaften sind hinlänglich und sattsam bekannt.

Dass sich Nuntius Zurbriggen mit Mitarbeitern aus diesem Milieu umgibt ist wohl eigenartig und sonderlich – jedenfalls ist es bezeichnend.


Es ist auch daher weiter nicht verwunderlich, dass diese Personenauswahl eigentümlich anmutet. Das aufgrund dieses Hintergrundes die Liste der Befragten einschlägig eingefärbt war liegt wohl auf der Hand.
Wer mein ganzes Referat möchte, den/der schicke ich es gerne zu: Email an edi.posch@bnet.at

Katholische Kirche: Gegen "römische Willkür"

Katholische Kirche: Gegen „römische Willkür“
12.12.2010 18:04 (Die Presse)

Eine Allianz von Reformgruppen will Einfluss auf die Ernennung von Bischöfen. Der Noch-Generalsekretär ist offensichtlich ernannt worden, vor einer Befragung unter burgenländischen Priestern und Laien.

Wien/D.n. Eine Allianz von vier Reformbewegungen will nun Druck auf den Vatikan ausüben, vor der Entscheidung über die Ernennung eines Bischofs auf die betroffene Ortskirche zu hören. Motto: „Schluss mit der römischen Willkür!“

Pfarrer- und Laieninitiative, „Wir sind Kirche“ und „Priester ohne Amt“ wollen nächstes Jahr Befragungen durchführen, wer als Bischofskandidat geeignet sein könnte, und die Ergebnisse in den Vatikan übermitteln.

Zuletzt haben die Kür von Ägidius Zsifkovics zum Nachfolger Paul Ibys auf dem Eisenstädter Bischofssitz und das unmittelbar nach der Weihe erfolgte Auswechseln so gut wie aller führenden Mitarbeiter für Kritik gesorgt. Der Noch-Generalsekretär der Bischofskonferenz ist offensichtlich ernannt worden, bevor eine Befragung unter burgenländischen Priestern und Laien ausgewertet war, die der Papst-Botschafter in Wien, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, durchgeführt hat.

Nächstes Jahr stehen gleich zwei mögliche Pensionierungen von Diözesanbischöfen an: Egon Kapellari (Steiermark) und Elmar Fischer (Vorarlberg) vollenden ihr 75. Lebensjahr und müssen zu diesem Zeitpunkt laut Kirchenrecht um ihren Rücktritt ansuchen.

Noten für Bischöfe
Gleichzeitig will die Laieninitiative mit Ex-Volksanwalt Herbert Kohlmaier an der Spitze auch die Arbeit der schon amtierenden Bischöfe evaluieren. In Fragebögen sollen Menschenfreundlichkeit, Volksverbundenheit, Aufgeschlossenheit und Förderung der Laienmitwirkung, insbesondere der Frauen, nach dem Schulnotensystem bewertet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2010)

Sonntag, 12. Dezember 2010

Eine nirgendwo 2010 in einer Kirche der Diözese Eisenstadt gehaltene Predigt zum dritten Adventsonntag

Diese "nirgendwo 2010 in einer Kirche der Diözese Eisenstadt gehaltene Predigt zum dritten Adventsonntag" wurde mir von einem Leser des Blogs übermittelt mit der Bitte um Veröffentlichung als Gastbeitrag:

Johannes der Täufer war von Gott gesandt und gewollt. Das zeigt sich gerade auch durch dieses Evangelium: Er selber weiß ja, dass er nicht der Messias ist. Aber ist es dieser Jesus von Nazaret, über den er jetzt viel Gutes, Großes, ja Gewaltiges hört?

Er ist es. Erstens, weil es sich an Taten erweist, wer dieser Jesus von Nazaret ist. Schon gut, ein gekonnt schwindelnder Pseudo-Wunderheiler könnte einiges von dem schaffen, was an Jesu Wirken sichtbar wurde. Aber die Wunder Jesu sind ja keine Zaubertricks oder ähnliches, sondern Erfahrungen, Begegnungen mit einem befreienden Gott und dessen gute Macht. Wo Jesus ist, ist ein liebender und barmherziger Gott – nicht mehr und nicht weniger als das erfahren jene Menschen, die sich mit ihm auf eine Begegnung und auf einen Dialog einlassen.

Zweitens zeigt sich das an Johannes dem Täufer selbst: „Bereitet dem Herrn den Weg!“ lautet sein Motto, man kann bei seinem Auftreten schon fast sagen sein Schlachtruf. Er fordert das nicht nur, sondern tut es auch selber. Daran erkennt man eben auch echte Propheten: Sie schaffen nicht an, was andere tun sollen, sondern gehen voraus, tun es in erster Linie einmal selber.

Und Jesus selber weiß schließlich, welchen Dank er seinem Vorläufer schuldet. Jesu Worte sind keine Höflichkeitsfloskeln, wie sie unter Politikern und Geschäftsleuten üblich sind, sondern absolut klare Aussagen, die alles auf den Punkt bringen: Wer Gottes Willen nicht nur erkennt, sondern auch tut, bereitet dem Erlöser den Weg. Was auch König Herodes erkannte, weil er andernfalls den Täufer nicht ins Gefängnis gesteckt hätte.

„Bereitet dem Herrn den Weg!“ Bleiben wir bei diesem Gedanken, und verbinden wir ihn mit dem, was die beiden Lesungen dieses Sonntags aussagen: An die Befreiung glauben und Geduld haben. Wenn wir das mit Kirche in Verbindung setzen, mit Kirche, wie wir sie im Burgenland, in der Diözese Eisenstadt derzeit erleben, und als burgenländische Katholiken dürfen wir das und müssen es sogar, wenn wir die Frohe Botschaft als Wort von heute an uns erfahren wollen – ja, dann sind wir enorm gefordert. Seit einigen Monaten ist unsere Diözese eine andere. Wir wissen das, und wir verarbeiten das auf verschiedene Weise, was ich hier schon alleine aus Zeitgründen nicht näher ausführen kann.

So möchte ich zum Abschluss meiner Ausführungen an etwas erinnern, an das in diesen Tagen nicht einmal der Vatikan erinnert hat, obwohl er guten Grund dazu gehabt hätte: Am 8. Dezember 1965, also vor 45 Jahren, endete das Zweite Vatikanische Konzil. Es war ein gewaltiges Ereignis und ist es bis heute, weil vieles von dem, was dieses Konzil in Bewegung brachte, bis heute wenig umgesetzt ist. Und wenn unsere Kirche heute ihren Verkündigungsauftrag, ja ihre Glaubwürdigkeit überhaupt bewahren möchte, dann muss sie an diesem Konzil festhalten. Wer nur, aus welchen Gründen auch immer, in vergangene Zeiten zurückkehren möchte, wer ernsthaft glaubt, das Rad der Zeit zurückdrehen zu können, und dabei auch noch glaubt, das Wahre zu tun, dem sei gesagt, dass damit genau das Gegenteil geschieht: So wirken Sekten und sogar Regimes, wenn sie um jeden Preis an ihren alten Machtstrukturen festhalten wollen. Eine Kirche, die aus dem Hl. Geist heraus leben und wirken will, hält sich nicht ängstlich an alte Zeiten fest, sondern verkündet die Frohe Botschaft den Menschen von heute.

Und wer eine „missionarische und einladende Kirche“ fordert, soll auch selber etwas dazu beitragen, dass sie möglich wird. Dann wird diese Freude, die dem heutigen dritten Adventsonntag entsprechen soll, in unserer Diözese spürbarer werden können. „Bereitet dem Herrn den Weg!“ – das steht nicht für Ängstlichkeit und Enge, sondern für Befreiung und für Weite.

Reiß ab, wo Schloß und Riegel vor

Damals.
Johannes - hinter Gittern
in der Finsternis, in der Kälte,
in Zweifeln und Fragen:

Bist du es, der da kommen soll?
Oder müssen wir auf einen anderen warten?

Er soll selbst urteilen:
Blinde sehen. Lahme gehen. Taube hören.
Aussätzige werden rein.
Tote stehen auf.
Armen wird die Frohe Botschaft verkündet.

Heute.
Wir - hinter Gittern
von Ungewißheit, Glaubensnot,
in Zweifeln und Fragen:

Wo ist das Heil, das du verkündet hast?
Hast du die Welt vergessen?

Wie sollen wir urteilen?
Öffne unsere Sinne, deine Spuren zu erkennen.
Bring uns auf die Beine, dich zu suchen.
Heile uns von unseren Zweifeln.
Erwecke uns aus unserer Dürre.

Befreie uns durch deine Frohe Botschaft.

Gisela Baltes in Magnificat S. 124, Dezember 2010

Samstag, 11. Dezember 2010

«Der Bischof muss ein Mann der Mitte sein»

Portal der Schweizer Kirche
Walter Kirchschläger ist einer der Initianten des Manifests zur Bischofswahl im Bistum Basel, dessen Unterzeichnende sich für mehr Mitsprache bei der Wahl des neuen Bischofs einsetzen. kath.ch hat in Luzern mit ihm gesprochen.

Freitag, 10. Dezember 2010

Pfeift der Bischof auf seine Pfarrer?

Der neue Bischof hat für alles mögliche Zeit, nur nicht für seine wichtigsten Mitarbeiter, die Priester. Bald drei Monate nach der Bischofsweihe und sechs (!) Monate nach der Ernennung zum Bischof hat sich Bischof Zsifkovics bis jetzt noch kein einziges mal mit ihnen getroffen.

Zwar ließ er sich von seinem Presbyterium (= alle Priester der Diözese) den Bischofsstab sponsern, aber die Sorgen und Anliegen der Pfarrer haben keine Priorität. Anders ist es nicht erklärbar, warum der Bischof mit seinen engsten Mitarbeitern bis jetzt keine Begegnung und keinen Dialog gesucht hat.

Vollmundig bedankte sich der Bischof bei seiner Ansprache bei seiner Bischofsweihe am 25.09.2010 bei den Priestern für den gesponserten Bischofsstab: " ....ich danke Euch, liebe Mitbrüder, für dieses tiefe Zeichen der Brüderlichkeit, Wertschätzung und Unterstützung."

Die Brüderlichkeit, Wertschätzung und Unterstützung des Bischofs seinen Pfarrern gegenüber ist bislang aber nicht zu sehen.

Diese Vorgangsweise ist aber auch kirchenrechtlich bedenklich, weil es bislang noch nicht den vorgeschriebene Priesterrat gibt.

Can. 495 § 1: In jeder Diözese ist ein Priesterrat einzurichten, das ist ein Kreis von Priestern, der als Repräsentant des Presbyteriums gleichsam Senat des Bischofs ist; seine Aufgabe besteht darin, den Bischof bei der Leitung der Diözese nach Maßgabe des Rechts zu unterstützen, um das pastorale Wohl des ihm anvertrauten Teiles des Gottesvolkes so gut wie eben möglich zu fördern.

Mit wem hat sich Bischof Z. bisher bei der Leitung der Diözese beraten? Jedenfalls nicht mit seinem Presbyterium und dem Priesterrat.

Was ist das für ein Führungsverständnis? Wo bleibt der Dialog?

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Zur Bestellung der Caritas-Direktorin Edith Pinter

Da nicht alle Leser dieses Blogs gewohnt sind, auch die "Kommentare" zu verfolgen, wird dieser auch als Gastbeitrag veröffentlicht:

Kommentar vom 8. Dezember 2010 21:47
HABEMUS DIRECTRICE!
Weißer Rauch steigt aus der Comedey-WG auf


Lange hats gebraucht – aber offenbar braucht gut Ding Weile. Nachdem der erfolgreiche Caritas-Direktor Glatz-Schmallegger vorsorglich durch Bischof Ägidius gekündigt wurde, nein, falsch, im Einvernehmen das Dienstverhältnis beendet wurde, gibt es nun endlich eine Nachfolgerin: Künftig wird Frau Pinter die Verantwortung für über 500 Mitarbeiter/innen und ein Budget von fast ca. 20 Mio € übernehmen. Dass sie gar keine Führungserfahrung mitbringt und auch ihr Lebenslauf auf keine wesentlichen wirtschaftlichen oder gesellschaftspolitischen Kenntnisse hinweist, scheint ein Zeichen dafür zu sein, dass letztendlich sich niemand anderer diese Aufgabe zugetraut hat. Oder aber, dass Bischof Ägidius wohl eine Marionette installieren möchte.
Besorgniserregend sind in diesem Zusammenhang auch die ersten Statements zu ihrer Berufung: Bischof Ägidius betont dass sie künftig dass sie „mithilft, das mütterliche Gesicht der Kirche“ zu zeigen. Das entspricht wohl eher einem Kirchenbild aus den Jugendjahren des Bischofs. Und sie selbst meint im Interview, dass für sie Management vor allem auf Transparenz beruht, wovon allerdings bei ihrer Bestellung gar nicht gesprochen werden kann. Ohne Ausschreibung, die für solche wesentlichen Führungspositionen selbst in der Kirche zum Standard gehören, und nach mehreren erfolglosen direkten Ansprachen von auserwählten potentiellen Kandidaten fiel nun die Wahl auf Frau Pinter. Wobei die Entscheidung wohl im innersten Kreis, dem Bischof, seinem Generalvikar und seinem Moderator (eine einzigartige Institution in Österreich) gefallen sein dürfte. Ohne jegliche Beratung oder Anhörung der Caritas Burgenland oder anderen Caritas-Organisationen.
Die Caritas wird wohl professionell genug sein, um der neuen Caritas-Direktorin offen und positiv gegenüber zu treten. Aber es steht zu befürchten, dass sie nach einigen wenigen Wochen das Handtuch werfen wird. Und das wird dann wirklich bitter: In einer Zeit, in der wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen, in Zeiten starken Drucks auf die Sozialbudgets der Länder wird niemand kompetenter an der Spitze der Organisation stehen, um sie besonnen und zielgerichtet durch die schwierigen nächsten Monate zu manövrieren.

Ein Mitarbeiter der Diözese Eisenstadt.

Die "Wiesen-Connection"

Einige der letzten Personalentscheidungen des Bischofs tragen ganz offenbar die deutliche Handschrift des Moderators der Diözesankurie, Petar Ivandic.

Die "graue Eminenz" der Diözese Eisenstadt war von 2001 - 2004 Pfarrer in Wiesen, ehe er zum Studium nach Rom ging.

Zwei Wiesener haben jetzt im Umfeld von Ivandic Karriere gemacht: Mag. Edith Pinter (Caritas-Direktorin) und Franz Klawatsch (Bischöflicher Chauffeur).

Dem Vernehmen nach ist Ivandic während seiner Zeit in Wiesen bei der Familie Pinter "ein und aus gegangen".

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Caritas-Chefin Edith Pinter ein "unbeschriebenes Blatt"

Kurier, 8. Dezember
Caritas-Chefin ein "unbeschriebenes Blatt"
Edith Pinter macht vom Landesmuseum aus eine himmlische Kirchen-Karriere.

Eine himmlische Karriere: Am Dienstag war Edith Pinter noch im Landesmuseum, wo sie seit 2004 neben der Depotverwaltung für Pressearbeit zuständig war. Morgen, Donnerstag, ist die 50-Jährige als neue Caritas-Direktorin Chefin eines humanitären Unternehmens mit rund 500 haupt- und 800 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die im Jahr 28.500 Kunden betreuen und 9000 Beratungsstunden leisten.

Dass Bischof Ägidius Zsifkovics Caritas-Direktor Markus Glatz-Schmallegger (44) ablösen will, um mit einem Direktor "seines Vertrauens neu zu starten", ist seit einem KURIER-Bericht Ende Oktober bekannt.

Rasch
Dass die Wahl auf Pinter fiel und just kurz nach einer Pressekonferenz von Caritas-Präsident Franz Küberl mit Glatz-Schmallegger publik wurde, überraschte doch. Glatz, promovierter Theologe, bis 2005 Mitarbeiter der Katholischen Sozialakademie und von Küberl als "exzellenter Mann" gelobt, wurde noch am Dienstag bis zum Ende seines Dienstverhältnisses am 31. März 2011 freigestellt. Der Wechsel an der Caritas-Spitze ist nur einer von vielen, die Zsifkovics seit seiner Kür im September durchgezogen hat.

Über ihre Ideen für die Caritas will Pinter im KURIER-Gespräch noch nichts verraten. Sie wolle sich zunächst den Kollegen vorstellen, den Apparat kennenlernen und ihre Vorstellungen mit den engsten Mitarbeitern besprechen, so die in Wiesen lebende gebürtige Mittelburgenländerin. Der Bischof, den sie als "sehr aufgeschlossenen, ganz und gar nicht konservativen Managertyp mit Handschlagqualität" kennengelernt hat, habe ihr die Funktion angeboten. Die verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder, die 2003 ihr Publizistik- und Philosophie-Studium abgeschlossen hat, sagte nach Bedenkzeit zu.

Was für Pinter spricht? Man habe eine Burgenländerin gewonnen, "die als praktizierende Katholikin und langjährige kompetente und engagierte Mitarbeiterin der Burgenländischen Landesregierung die Voraussetzung für ihre neue Tätigkeit mitbringt", sagt Zsifkovics.
Erste Reaktion von Caritas-Österreich-Generalsekretär Bernd Wachter: "Pinter ist ein unbeschriebenes Blatt."

"Erwählung Mariens - von Maria lernen"


Predigt von Pfarrer Dietmar Stipsits am Feiertag Maria Empfängnis am 08.12.2010:

Liebe ChristInnen!

„Erwählung Mariens“, das war der Vorschlag während des II. Vat. Konzils für die Bezeichnung des heutigen Festes. Geblieben ist leider der sperrige und theologisch höchst komplizierte Titel: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Was möchte uns der heutige Marienfeiertag nicht in der Sprache des 1854 verkündeten Dogmas, sondern für uns Menschen des 21. Jhs. sagen oder wozu möchte er uns einladen? Wer war also diese Maria?

Gleich vorweg: Der biblische Befund ist in Bezug auf Äußerungen zu Maria äußerst dürftig. In den paulinischen Briefen, den frühesten Dokumenten des NT, ist ohne Namensnennung nur lapidar von der Geburt des Sohnes „aus der Frau“ (Gal 4,4), nicht aber aus „der Jungfrau“ die Rede. Von Mirjam bzw. Maria hören wir beim Evangelisten Markus (dem ältesten Evangelium, um ca. 70 n. Chr. verfasst) – außer einer Namensnennung zusammen mit den Namen der vier Brüder und den Schwestern Jesu – nur ein einziges Mal: als nämlich die Mutter mit ihren Söhnen Jesus, den sie für verrückt hielten, mit Gewalt nach Hause holen wollten.

Matthäus und Lukas fügen zwischen 80 – 90 n. Chr. eine Geburts- und Kindheitsgeschichte in ihren Evangelien ein. Den Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas zufolge fehlt Maria unter dem Kreuz genauso wie in den Ostergeschichten. Nur das spät – um 100 n. Chr. - verfasste Johannesevangelium berichtet von der uns so bekannten Szene Marias unter dem Kreuz. In der Apg schließlich wird Maria als Mitglied der ersten christlichen Gemeinschaft erwähnt; soweit der biblische Befund.

Ich verbinde mit dem heutigen Fest der „Erwählung Mariens“ folgendes; Andrea Schwarz formuliert es folgendermaßen (Aus: Andrea Schwarz, Und jeden Tag mehr leben. Ein Jahreslesebuch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.):

„Erwählung Mariens – von Maria lernen: Mensch sein - bereit für Gottes Ruf, für sein Einbrechen in den Alltag. Stehen bleiben, auf Gott schauen, ihn auf mich zukommen lassen - und »Ja« sagen - voll Zweifel, voll Hoffnung und doch voll Liebe. Sehnsüchtig sein nach dem, was noch nicht ist, suchen, hoffen, erwarten. Lauschen, hinschauen, zu verstehen versuchen, Neues probieren, mich berühren lassen - aufbrechen. Meinen Weg gehen im Namen dessen, der mit mir geht. Das Leben probieren, weil es mir einer zugesagt hat. Die Lebendigkeit nicht verkaufen, bloß weil es dann einfacher und billiger wäre. Mich berühren lassen auf die Gefahr hin, dass ich verletzt werde. Zart sein können, weil Gott selbst mich umarmt. Mit meinen Schwächen stark sein, weil Gott mich liebt. Mich von meiner Angst nicht überwältigen lassen, weil meine Hoffnung größer ist. Glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Vertrauen, weil die Liebe immer noch lebt.

Der Grund ist Gott. Der Grund ist ein Kind. Der Grund ist, dass Gott sich ganz klein macht, damit er in unser Leben hineinpasst. Der Grund ist, dass ER unser Leben weit macht und zu neuen Horizonten führt, unsere Grenzen übersteigt. Der Grund ist, dass Gott Mensch wird, damit wir Menschen endlich Mensch sein können. Und das allein ist Grund genug.“

Das hat Maria in ihrem Leben erfahren. Sie möchte auch uns einladen, uns von Gott erwählen zu lassen, bereit zu sein für Gottes Ruf, für sein Einbrechen in unseren, in meinen Alltag. Gott möchte auch unser Leben weit machen und zu neuen Horizonten führen heute und jeden Tag bis in Ewigkeit.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Edith Pinter neue Caritas-Direktorin


Das Geheimnis ist gelüftet. Es gibt eine neue Caritas-Direktorin. Mag. Edith Pinter hat mit heutigem Tag die Leitung der Caritas der Diözese Eisenstadt übernommen. Zugleich wurde der bisherige Caritas-Chef Markus Glatz-Schmalleger vom Dienst freigestellt.

Die in Caritas Kreisen bisher unbekannte Edith Pinter ist studierte Publizistin und Philosophin. Beruflich war sie zuletzt im Burgenländischen Landesmuseum tätig. Ob die Wiesenerin die von Caritas-Präsident Franz Küberl gewünschte "exzellente Nachfolgerin" ist wird die Zukunft zeigen.
Auf alle Fälle möchte ich der neuen Caritas-Direktorin alles Gute und Gottes Segen für die neue Tätigkeit wünschen.

Ein solches klares und transparentes Auswahlverfahren hat es leider nicht gegeben. Bei der Besetzung des Caritas-Direktors mit Glatz-Schmalleger vor einigen Jahren hat es zuvor eine öffentliche Ausschreibung, Voauswahlgespräche und ein Hearing gegeben. Die Letztentscheidung war beim Bischof.

Eine etwas eigenartige und dürftige fachliche Begründung für die Auswahl der neuen Caritas-Direktorin legte Bischof Zsifkovics an den Tag wenn er auf der Hompage der Diözese meint:

Vor allem ihr persönliches Engagement als Christin und ihre Erfahrungen als Frau und Mutter seien Garant dafür, dass die neue Direktorin "gerade im Dienst der Caritas die Bedürfnisse und Nöte der Menschen unserer Zeit kennt und mithilft, das mütterliche Gesicht der Kirche zu zeigen."

Was heißt das, Herr Bischof?

Reformdruck in der katholischen Kirche steigt

Prof. Zulehner im KURIER vom 05.12.2010:

Montag, 6. Dezember 2010

"Papst verfolgt die Vorgänge und ist gut informiert"

Radio Vatican berichtet über den Freitags-Besuch von Bischof Zsifkovics beim Papst sehr geheimnisvoll. Der Papst empfängt den neuen Bischof in Audienz, aber Themen werden nicht bekannt gegeben.
Auffällig auch der knappe und förmliche Kommentar von unserem Bischof: "Benedikt XVI. verfolgt alle Vorgänge aufmerksam und ist gut informiert", zeigte sich Zsifkovics beeindruckt.

Sollte der Papst wirklich so gut informiert sein und alle Vorgänge in der Diözese kennen, die bei vielen Gläubigen und Priestern Angst und Unverständnis hervorrufen?

Das würde auch mich beeindrucken.

Radio Vatican: Bischof Zsifkovics beim Papst

KathWeb:Benedikt XVI. empfängt Eisenstädter Bischof Zsifkovics

Sonntag, 5. Dezember 2010

"Nehmt einander an, so wie Christus uns angenommen hat"


Predigt von Pfarrer Dietmar Stipsits am 2. Adventsonntag:

Liebe ChristInnen!

Ein Satz aus der heutigen Lesung (Röm 15,4-9) lässt mich nicht los: „Nehmt einander an, so wie Christus uns angenommen hat.“ Einander annehmen, das ist leicht gesagt, aber wenn ich die konkreten Menschen anschaue … Bei manchen Menschen habe ich überhaupt keine Schwierigkeiten, sie anzunehmen, bei anderen kann ich mir das nur schwer vorstellen. Genauso erging es auch den Menschen in der Gemeinde von Rom.

Je älter ich werde, umso mehr bin ich davon überzeugt, dass unter all den Grundbedürfnissen des Menschen dies eines der wichtigsten ist: angenommen zu werden. Wenn ich spüre, dass ich angenommen bin, dann ist alles gut, oder sagen wir es vorsichtiger: Selbst wenn ich etwas Schlimmes zu bewältigen habe, ist es nur noch halb so schlimm. Aber wenn ich mich abgelehnt fühle, dann hilft mir alles nichts, denn ich werde mich zurückziehen, werde verkrampft sein, werde vom Misstrauen gelenkt werden.

Jesus hat die Menschen angenommen. Und er verlangte keine Vorleistungen und stellte keine Bedingungen. Wir denken meist anders. Wir sagen: Erst muss die oder der sich ändern, dann ist vielleicht ein Kontakt möglich. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich den andern links liegen lasse, hat er überhaupt keine Chance, sich zu verändern; wenn ich ihn annehme, sieht vieles plötzlich ganz anders als zuvor aus.

Genug Beispiele gibt es dafür. Ich denke z. B. an Nachbarn oder Verwandte, die miteinander verfeindet waren, und irgendwann hat einer den andern gegrüßt und schließlich auch ein kurzes Gespräch aufgenommen, ohne dass zuvor eine ausführliche demütigende Entschuldigung abverlangt wurde. Diese Bitte um Verzeihung wird oft erst sehr viel später nachgereicht oder ist vielleicht manchmal durch das gegenseitige Annehmen sogar überflüssig geworden.

Ich denke an Menschen, die von Minderwertigkeits-gefühlen geplagt werden, die in eine Sackgasse geraten sind, die aber neuen Lebensmut gewinnen können, wenn andere sie spüren lassen, dass sie anerkannt und geschätzt werden.

Oder welche Hilfe ist es für einen Neuen in der Schule oder am Arbeitsplatz, für eine Neuzugezogene in einem Dorf, wenn sie angenommen wird, auch wenn manches an ihr vielleicht fremd und ungewohnt ist? Wer den anderen annimmt, der kann wirklich Wunder bewirken.

Zu diesem vorbehaltlosen Annehmen braucht es Mut. Die Angst, eventuell ausgenützt zu werden, ist eben groß. Unser berechnender Verstand rät zur Vorsicht und verweist auf frühere Enttäuschungen. Aber unser Herz weiß es besser. Unser Herz weiß, dass der Mensch nur dann l(i)eben kann, wenn er angenommen wird, so wie uns Jesus angenommen hat.

Deshalb lässt mich dieser Satz von Paulus nicht los: „Nehmt einander an, so wie Christus uns angenommen hat.“ Es gibt viele, die darauf warten, die das dringend brauchen heute und bis in Ewigkeit.

Samstag, 4. Dezember 2010

"Wir wissen nichts"

Viele Menschen in unserer Diözese fragen sich besorgt, wann endlich ein neuer Caritas-Direktor vom Bischof präsentiert wird. Es herrscht "Funkstille" in dieser Angelegenheit. Kein Wunder, hat doch Bischof Zsifkovics offensichtlich große Probleme, eine kompetente Nachfolge für den gefeuerten Markus Glatz-Schmallegger zu finden.
Hat er gar bis jetzt nur Absagen erhalten? Wundern würde es nicht. Markus Glatz-Schmalleger hat Großartiges geleistet, daran muss sich der/die NachfolgerIn messen lassen. Die Ablöse des Caritas-Direktors kam jedenfalls vollkommen unerwartet und mit fragwürdiger Begründung des Bischofs. Sie hat bei vielen Menschen Kopfschütteln und Entsetzen ausgelöst.

Die Tageszeitung KURIER bringt in ihrer heutigen Ausgabe ein Gespräch mit Caritas-Präsident Franz Küberl:

Küberl lobt abgelösten Caritas-Chef
Diözese - Caritas-Präsident versteht Entscheid des Bischofs nicht

"Ich bedaure die Ablöse und verstehe sie nicht, weil der Caritas-Direktor ein exzellenter Mann ist", bekräftigte Caritas-Österreich-Präsident Franz Küberl im Rahmen eines Burgenland-Besuchs am Freitag sein Unverständnis über die bisher letzte umstrittene Personalentscheidung von Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics.
Wie der KURIER berichtete, hatte der neue Eisenstädter Oberhirte Ende Oktober angekündigt, sich von Caritas-Direktor Markus Glatz-Schmallegger trennen zu wollen, um mit "einem Direktor seines Vertrauens neu zu starten". Auch ein Gespräch von Küberl mit Zsifkovics vermochte an dieser Entscheidung nicht mehr zu rütteln.
Küberl respektiert zwar das Recht des Bischofs zu dieser Entscheidung, er hofft aber, dass Zsifkovics' Wahl "im Interesse von katholischer Kirche, Caritas und Land" auf einen "ebenso exzellenten Nachfolger" falle. An der guten Zusammenarbeit zwischen Diözese und Caritas wolle er, Küberl, jedenfalls festhalten.

Glatz-Schmallegger bleibt noch bis Ende März 2011 in seinem Amt, was er danach beruflich macht, ist offen. Bei der Caritas wird er vermutlich nicht bleiben, so viel ließ Küberl durchblicken. "Glatz-Schmallegger ist eine gestandene Persönlichkeit und nicht darauf angewiesen, dass wir für ihn was suchen."

Wer neuer Caritas-Direktor wird? "Wir wissen nichts", heißt es aus der Pressestelle der Diözese.

Freitag, 3. Dezember 2010

30.000 Seitenaufrufe - Danke!



Liebe LeserInnen und FreundInnen!

Heute hat die Anzahl der Seitenaufrufe auf meinem Blog "Begegnung & Dialog" die gigantische Zahl von 30.000 erreicht. Und das, obwohl der Blog erst seit 10 Wochen online ist. Eindrucksvoll wird dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die Gläubigen in unserer Diözese ein großes Informationsbedürfnis haben und die Themen die behandelt werden von Interesse sind.
Ich danke allen LeserInnen sehr herzlich dafür, dass sie mich auf dem Blog "besuchen" und freue mich über Anregungen, Vorschläge, konstruktive Kritik sowie "Gastbeiträge". Email: edi.posch@bnet.at

Es grüßt Sie/Euch ganz herzlich
Ihr/Euer Eduard Posch

PS.: Heute habe ich auf einem Kalenderblatt einen schönen Gedanken von Mark Twain gelesen, den ich gerne mit Euch teilen möchte: "Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden."

Solidarität eines Diakons: Womit haben wir das verdient?

Herzlichen Dank an Diakon Walter Kirchmayer für seine Diak/gonale Ansichten im Pfarrblatt 4/2010 der Pfarre Ober St. Veit über unsere kirchliche Situation.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Der Fall Gizella Vörös - Dr. Erich Seifner


In den letzten Tagen, vor allem seit der ORF-Sendung "Report" am 23. November 2010 wurde sehr viel über den neuen Schulamtsleiter der Diözese Eisenstadt, Pfarrer Erich Seifner diskutiert. Eine Stellungnahme des Pfarrgemeinderates von Oberwart habe ich bereits auf dem Blog veröffentlicht.

Pfarrer Alfons Jestl möchte folgenden Gastbeitrag bezüglich E. Seifner auf meinem Blog veröffentlichen:

Dr. Erich Seifner spricht meist nur abschätzend über seine Priesterkollegen und hält nicht viel oder gar nichts von LaienmitarbeiterInnen. Die folgende Geschichte dokumentiert unter anderem die menschliche Haltung des Herrn Stadtpfarrers von Oberwart.

Am 09. Mai 2010 fand in Pinkafeld die Abschlusskonferenz der kanonischen Visitation des Dekanates Pinkafeld statt, an der auch Gizella Vörös aus Mariasdorf teilnahm. Diesmal war auch der Herr Stadtpfarrer von Oberwart, Dr. Erich Seifner dabei, der bei Dekanatskonferenzen sich sonst nie blicken ließ. Er kam ausschließlich zu den Konferenzen mit dem Bischof.
Nach der Besprechung eines Pädophil -Falles und diverser Angelegenheiten im Dekanat Pinkafeld, riss Dr. Seifner das Wort an sich und griff nicht anwesende pastorale Mitarbeiter und Pfarrerkollegen scharf an. Den anwesenden Bischof, Dr. Paul Iby, beschuldigte er, gegen Missbräuche nichts zu unternehmen. Er sprach u.a. wiederholt über »Eselpriester« die der Herr Bischof unterstützten würde und forderte scharfe Maßnahmen gegen diese.
Er ließ sich weder von mir als Dechanten, noch von einem der anwesenden Diakone, noch vom Bischof unterbrechen. Als die Situation immer peinlicher wurde, unterbrach ihn Frau Vörös mit den Worten: »Wenn der Herr Bischof all das tun würde, was du hier von ihm verlangst, dann würdest du auch nicht mehr Pfarrer von Oberwart sein«.
Er reagierte auf diesen Satz nicht, sondern sagte zu Frau Vörös: »Was du für die Kirchenzeitung geschrieben hast, war ein Schmarrn«. Darunter verstand er den Leserbrief im „martinus” vom 28.03.2010 , in der offiziellen Zeitung der Diözese Eisenstadt, in dem Frau Vörös für die Rechte der Minderheiten, bzw. für ihr Recht auf Eigenständigkeit und für die Wichtigkeit der hl. Messen in der Muttersprache an den Feiertagen Stellung nahm.
Damit ging aber endlich Dr. Seifners Wortschwall zu Ende, alle standen erleichtert auf und die »Sitzung« mit dem Bischof war beendet.

Am nächsten Tag, am 10.05.2010, rief Pfarrer Seifner mich, P. Mag. Alfons Jestl CSsR, Pfarrer von Mariasdorf-Bernstein an. Er behauptete, dass Frau Gizella Vörös ihn bei der Besprechung in Pinkafeld mit einer Pädophil-Sache in Verbindung gebracht hätte und er drohte ihr mit einer Klage. Auf meine Richtigstellung ging er gar nicht ein. Weiters hielt er mir lautstark vor, dass er 2005 nach kaum drei Monaten als Pfarrer von Unterwart abgelöst wurde. Und er sagte: »Ich wusste eh schon immer, du tust nur das, was die da oben anschaffen!«
Am folgenden Tag schickte Pfarrer Dr. Seifner an Bischof Iby ein Schreiben, in dem er ihm mitteilte, er hätte ja selbst gehört, wie Frau Vörös »bei der Diskussion um sexuellen Kindesmissbrauch und anderer Missstände in unserer Diözese vor allen Anwesenden behauptet hat, auch bei mir gäbe es ›Gründe‹, die schon lange meine Abberufung als Stadtpfarrer von Oberwart nahelegten«. Er ersuchte Bischof Iby, Frau Gizella Vörös dazu zu »drängen« ihre Gründe – warum er in Oberwart als Pfarrer abgelöst werden soll – offen zu legen. Er wiederholte seine Drohung, gegen sie ein Gerichtsverfahren für den Fall anzustreben, würde sie dieser Forderung nicht nachkommen und sich bei ihm entschuldigen.

Zwei Wochen später kam ein Schreiben vom Herrn Bischof an Frau Vörös, in dem die Vorwürfe vom Pfarrer Seifner fast wörtlich wiederholt wurden und empfahl ihr, sich beim Pfarrer Seifner zu entschuldigen, und sich auf die entstandene »emotionale Stimmung« zu berufen. Eine Kopie dieses Schreibens erging – ohne von Frau Vörös die Klärung der Sache abzuwarten – an Dr. Seifner, der mit diesem Brief des Bischofs zum Anwalt ging. (Kurze Zeit später bei einer Begegnung meinte Bischof Iby mir gegenüber, dass Frau Gizella Vörös natürlich im Recht sei und im Falle eines Prozesses Pfarrer Seifner keine Chance hätte.)

In den folgenden Tagen entschuldigte sich Frau Vörös – auf ausdrücklichen Wunsch des Bischofs – beim Pfarrer Seifner, wobei sie festhielt, dass ihre emotional vorgebrachte Äußerung wegen seiner überspannten Rundumschläge gegen Priesterkollegen und hauptamtliche Angestellte, sowie gegen den Bischof gefallen ist. Der Kindesmissbrauchsfall wurde von Frau Vörös nicht angesprochen; dieser war bereits am Anfang der Sitzung in einem völlig anderen Zusammenhang behandelt.

Pfarrer Dr. Seifner ließ über seinen Anwalt ausrichten, dass er bereit sei die Entschuldigung von Frau Vörös anzunehmen, wenn sie seine Anwaltskosten in Höhe von € 248,06 übernimmt. Der Pfarrer von Bad Tatzmannsdorf, der Pastoralassistent von Oberschützen und auch ich intervenierten beim Bischof in dieser Angelegenheit für Frau Vörös. Weiters wurde die Ombudsstelle der Diözese Eisenstadt um Vermittlung ersucht.
Einige Tage später beauftragte Frau Gizella Vörös die Anwältin Dr. Eva Maria Barki, für sie in der Sache tätig zu werden. Im Falle eines Prozesses wären einige von den Kollegen und Priester bereit gewesen, die an der Sitzung am 09. Mai 2010 teilgenommen haben, für Frau Vörös auszusagen.

Am 30. Juni 2010 kamen die Mitglieder der Diözesanen Vermittlungskommission zur Besprechung zusammen. Die Entscheidung fiel einstimmig zugunsten Gizella Vörös aus, Pfarrer Seifner wurde nahe gelegt die Entschuldigung von Frau Vörös anzunehmen und die Anwaltskosten – da selbst verursacht – aus der eigenen Tasche zu begleichen.
Pfarrer Seifner akzeptierte die Empfehlung der Kommission nicht und behauptete, dass Frau Vörös mit der Entschuldigung ihre Schuld quasi zugab und bestand weiterhin auf die Bezahlung der Anwaltskosten.

Damit die Sache ein Ende hat, bezahlte der Herr Kreisdechant, Pfarrer Alois Luisser, die Anwaltskosten. Damit gab sich dann Herr Dr. Seifner zufrieden.

P. Mag. Alfons Jestl CSsR war Dechant im Dekanat Pinkafeld und ist Pfarrer in Mariasdorf und Bernstein. www.alfons-jestl.at