Freitag, 30. Dezember 2011

„Ich bin mir nicht sicher, ob Benedikt XVI. der richtige Papst ist“

Worüber die römisch-katholische Kirche nachdenken müsste, sagt Bert Brandstetter im OÖNachrichten-Gespräch. Der neue Präsident der Katholischen Aktion OÖ erklärt auch, warum Kardinal Schönborn mit seiner Kritik an der Pfarrer-Initiative übertreibt.
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Mittwoch, 28. Dezember 2011

Große Worte, wo bleiben die Konsequenzen?

Österreichs Bischöfe verweisen in ihren Weihnachtspredigten auf die Botschaft Jesu: Ludwig Schwarz: "Nicht Schweigen angesichts der Not und Ausbeutung von Menschen" – Manfred Scheuer: "Mensch weiß sich von Gott erwünscht" – Klaus Küng: "Gott begibt sich auf die Suche nach dem Menschen" – Ägidius Zsifkovics: "Gott spannt Rettungsschirm" – Christoph Schönborn: "Gott ist keine Illusion"- Egon Kapellari: "Gott ist auch heute erfahrbar" - Alois Kothgasser: „Weihnachten ist Beziehung" und Alois Schwarz: „Gott geht den Menschen bis ins Menschsein entgegen".

Die Worte der Bischöfe unterstreichen die Botschaft Jesu. Nur - wo bleibt das Handeln?

Es braucht eine Kongruenz zwischen Wort und Tat. Im Kirchenalltag wird die rettende Gegenwart Gottes immer schwerer vermittelbar, wenn die Kirchenleitungen den Reform-Dialog mit den Menschen verweigern und unbarmherzig an Lösungen festhalten, welche die Fragen unserer Zeit nicht mehr beantworten können. Um die Glaubwürdigkeit der Botschaft zu erhöhen verlangt „Wir sind Kirche“ Mitbestimmung und dieselben Rechte für Frauen und Männer, die Freistellung der Entscheidung der Priester über ihre Lebensform und eine menschenwürdige Sexualität, die volle Integration von Geschiedenen und wieder Verheirateten, von Lesben und Schwulen in die Gemeinden, die Eucharistiefähigkeit aller Gemeinden und die Achtung der Menschenrechte in der Kirche. Nur dort, wo die Botschaft Jesu verständlich und spürbar erlebt wird, kann sie als Frohbotschaft angenommen werden.

„Wir sind Kirche“ wünscht allen Menschen ein gesegnetes Jahr 2012 und ruft die Gläubigen auf, sich weiterhin für eigenverantwortliches Handeln und die Menschenrechte in der Kirche in der Nachfolge dieses Jesus von Nazareth einzusetzen.

Für den Vorstand der Plattform „Wir sind Kirche“: Hans Peter Hurka & Martha Heizer

Quelle: Plattform Wir-sind-Kirche

Selbstbewußter Engel mit (noch brav) spielenden Kindern

Dienstag, 27. Dezember 2011

Orientierung: Gedanken von Altbischof Reinhold Stecher zu den Naturelementen


Wasser – Feuer – Erde – Luft: Gedanken von Altbischof Reinhold Stecher
Nachzusehen auf TVthek >>

Einer der profiliertesten Kirchenmänner Österreichs feiert seinen 90. Geburtstag: der Altbischof von Innsbruck, Reinhold Stecher. 16 Jahre lang hat er die Geschicke der Diözese geleitet und war dabei immer eine Art „moralische Instanz“. Stecher hat sich stets für eine offene Kirche eingesetzt, den Traditionalismus in der römisch-katholischen Kirche, der seiner Meinung nach die Fortschritte des Zweiten Vatikanischen Konzils untergräbt, hat er öffentlich kritisiert. 1988 setzte er dem judenfeindlichen Anderl-von-Rinn-Kult in seiner Diözese ein Ende. Auch als Caritas-Bischof setzte er Zeichen. Er machte sich zum Beispiel in den 1990er Jahren für Kirchenasyl stark; von der Abschiebung bedrohte Ausländer konnten auf Grund seiner Initiative in Klöstern und anderen kirchlichen Einrichtungen unterkommen.

Reinhold Stechers Engagement als Seelsorger, Pädagoge, Autor und Maler ist ungebrochen; dabei war und ist ihm die Natur eine stete Kraft- und Inspirationsquelle. Im ORIENTIERUNG-Film nimmt er die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde, Luft – Grundvoraussetzungen allen Lebens – zum Ausgangspunkt für Gedanken, die einen Bogen spannen von der Bibel zu den drängenden Problemen der Menschen von heute.

Monica Ladurner hat mit Altbischof Reinhold Stecher wichtige Schauplätze seines Lebens besucht und ein sehr persönliches Portrait gestaltet.

Drewermann: "Jesus von Nazareth und die Botschaft des Friedens"


Ö1: Motive - Glauben und Zweifeln
"Jesus von Nazareth und die Botschaft des Friedens" - ein Vortrag von Eugen Drewermann. Gestaltung: Martin Gross

Wenn in der Nacht der Geburt des kleinen Jesus ein Engelschor in Bethlehem zitiert wird, "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden", dann gibt das schon manchen zu denken. Und was meinte der erwachsen gewordene Jesus von Nazareth mit seinem Aufruf: "Selig, die Frieden stiften ..."?

Der Psychoanalytiker, Schriftsteller, Theologe und suspendierte katholische Priester Eugen Drewermann geht in einem seiner zahlreichen Vorträge der Frage nach Frieden nach. Dazu gehört auch, wie die "Entschuldung" des Menschen in der Botschaft von Jesus die Strukturen des gegenwärtigen Geld- und Wirtschaftssystems verändern - und wie eine Pädagogik des Friedens für die Kinder aussehen könnte. "Durch Jesus von Nazareth haben Menschen die Hemmnisse ihres Lebens überwunden und gelernt, auf Gewalt mit Güte zu antworten, auf das Verbrechen mit Verstehen und auf Hass mit noch vermehrter Liebe."
Sendung zum Nachhören auf Ö1 >>

Montag, 26. Dezember 2011

FeierAbend: Coraggio - Habt Mut!

Am 25. Dezember vor genau 50 Jahren wurde von Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberufen. Eine neue Ära der römisch-katholischen Kirche sollte damit beginnen - eine Ära der Weltoffenheit, Dialogbereitschaft und Toleranz. Walter Kirchschläger - Sohn des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger - ist Theologe und lehrt heute an der Universität in Luzern. Das Zweite Vatikanische Konzil ist bis heute für ihn richtungsweisend und in einer Zeit, in der der Kirchenkurs wieder in Richtung "zurück hinters Konzil" zu gehen scheint, herausfordernd. Ein Porträt über den österreichischen Theologen, über seine Prägung durch seinen Vater, und über sein Festhalten an den Weichenstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils.
FeierAbend in der ORF TVthek >> 



Weihnachtliche Seligpreisungen

Selig, wer sich von der Ohnmacht
der Liebe Jesu in der Krippe und später
am Holz des Kreuzes mehr leiten lässt
als von allen anderen Machtansprüchen.

Selig, wer dem Wunder der Weihnacht mehr traut
als den Berechnungen, Statistiken,
Prognosen und Prophezeiungen unserer Zeit.

Selig, wer sich mehr vom Stern
des neu geborenen Königs leiten lässt
als von den geheimen Verlockungen
der Selbstbeweihräucherung.

(Paul Weismantel, Wache und warte! Abendlicher Adventkalender 2011, Kemmern 2011)

Sonntag, 25. Dezember 2011

Möge Gott neu in dir zur Welt kommen


Möge Gott neu in dir zur Welt kommen.

Möge Gottes Wort bei dir ankommen
            und in dir Hand und Fuß bekommen.

Möge Gottes Nähe dein Leben hell machen.

Möge aus Gottes Botschaft die Kraft entstehen,
            mehr und mehr Mensch zu werden.

Möge deine Liebe dich
            mit Gott und den Menschen verbinden.

Roland Breitenbach, Sechs-Minuten-Predigten,
Herder-Verlag 2004, 33.

Samstag, 24. Dezember 2011

Gesegnete Weihnachten!

Bild von der Geburt Jesu

Liebe Leser/innen und Freund/innen!

Ich wünsche euch und uns allen, dass der Geist dieses Jesus,
dessen Geburt in Bethlehem
wir heute feiern,
in unserer Kirche wieder lebendig werde.

Gesegnete und friedvolle Weihnachten!
pax et bonum
Euer Edi Posch


Freitag, 23. Dezember 2011

Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils jährt sich zum 50. Mal


Mit einer Einladung von Papst Johannes XXIII. an alle Bischöfe der Weltkirche erfolgte zu Weihnachten vor fünfzig Jahren die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

„Wir hielten die Zeit für reif“, schrieb der Papst in seiner Konstitution „Humanae salutis“ vom 25. Dezember 1961, „der katholischen Kirche und der Menschheitsfamilie die Möglichkeit eines neuen Ökumenischen Konzils zu schenken“. Damit realisierte der Papst den Plan eines Konzils, den er im Jänner 1959 erstmals angekündigt hatte. Schließlich eröffnete Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962 die bisher letzte beschlussfassende Versammlung der rund 2.800 katholischen Bischöfe, die nach seinem Tod 1963 durch seinen Nachfolger Papst Paul VI. fortgesetzt und am 8. Dezember 1965 abgeschlossen wurde.

„Mutter Kirche in immerwährender Lebenskraft und Jugend“

Der Papst fand zu Weihnachten 1961 noch nicht so prägnante Worte wie bei seiner Konzilseröffnung knapp zehn Monate später, wo er erklärte, er wolle den „Unglückpropheten“ der Zeit „entschieden widersprechen“ und sich furchtlos an die Aufgaben begeben, die das Jahrhundert an die Kirche stelle. In „Humanae salutis“ heißt es, das Konzil werde „die Mutter Kirche in immerwährender Lebenskraft und Jugend zeigen“, so dass die Kirche „neues Licht ausstrahlt“. Am 2. Februar 1962 legte Johannes XXIII. schließlich den Beginn auf den 11. Oktober fest.

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Was der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff über die katholische Kirche sagt
Eberhard Schockenhoff ist Professor für Moraltheologie in Freiburg und einer der renommiertesten Vertreter seines Fachs. Johannes Adam hat mit ihm über Erscheinungsbild und Außenwirkung der katholischen Kirche gesprochen.
Interview in der Badischen Zeitung >>

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Bischof Stecher: Ein Kirchenmann der nicht zu bremsen ist

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Alles Gute und Gottes Segen zu diesem schönen Geburtstag, lieber Bischof Reinhold!

Hie und da ein bisschen unangenehm
Am 22. Dezember wird Altbischof Reinhold Stecher 90 Jahre alt. Pensionsschock hat er keinen erlebt, auf die Seite der Unglückspropheten schlägt er sich nicht und für den Ungehorsam der Priester hat er Verständnis.
Interview in der Tiroler Tageszeitung  >>


Altbischof Reinhold Stecher auf Ö1:

Gedanken für den Tag
von Reinhold Stecher: "Weihnachten kann man riechen"

Logos - Theologie und Leben
"Was glauben Sie?" - der Tiroler Altbischof Reinhold Stecher.

Audio als mp3  und  Sendungsübersicht

Die weibliche Botschaft der Weihnacht

Marias Revolte für das Leben
Von Peter Bürger

Ob es am Ende dieses Jahrtausends noch eine Erde gibt, auf der ein Engel den Menschen Frieden verkünden kann, ist keineswegs gewiss. Fest steht, dass die von Männern gemachte und gelenkte Zivilisation das Überleben auf der Erde ernsthaft bedroht. Das Lied der Weihnacht ist kein süßer Schlafgesang, sondern ein weiblicher Aufstand gegen die Welt der Todesanbeter.

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Mittwoch, 21. Dezember 2011

Oberösterreichs KA-Präsident Brandstetter möchte "Diözesankonzil"

Der neue Präsident der Katholischen Aktion Oberösterreich, Bert Brandstetter, beginnt sein neues Amt mit einem Aufsehen erregenden Vorschlag. Bei einem „Kamingespräch“ für Medienvertreter sprach sich der ehemalige Journalist für ein „Diözesankonzil“ aus, im Zuge dessen versucht werden solle, „die Kirche in der Gegenwart zu verankern“.  „Die Vielfalt muss in der Katholischen Kirche Platz haben, sonst wäre sie nicht katholisch. Ich finde, dass eine gute Streitkultur in der Kirche fehlt.“
Beitrag auf religion.orf.at >>

Katholische Aktion fordert Reformen
Der Wechsel an der Spitze der Katholischen Aktion in OÖ ist von Bischof Ludwig Schwarz bestätigt worden. Der neue Präsident der größten katholischen Laienorganisation der Diözese Linz, Bert Brandstetter, spart nicht mit Kritik an der Kirche.
Beitrag auf ORF-OÖ >>

TV LT1, 23.11.2011
Die Akte: Bert Brandstetter, Präsident Katholische Aktion

Dienstag, 20. Dezember 2011

"Jeder Reformer muss Angst vor Rom haben"

Zehntausende Katholiken kehren der Kirche den Rücken, junge Männer wollen kaum noch Priester werden. Woran liegt das? In einem neuen SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch spricht der Papstkritiker Hans Küng über römischen Klüngel, sein Kirchen-Ideal und den Kontakt zu Papst Benedikt.
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Montag, 19. Dezember 2011

Kirche, Sensibilität Kommunikation, Verfassung, Reformen....

Lothar Müller 2011-12-17

Herrn Magister
Edi Posch
Begegnung & Dialog

An die Herren Bischöfe
DDr. Klaus Küng und
Dr. Stephan Turnovszky

Lieber Edi, liebe Herren Bischöfe!

Wir haben in letzter Zeit über die verdienstvolle Plattform „Begegnung & Dialog“ miteinander „ein Hühnchen gerupft“.
Wie sehr „sowas“ in weiten Teilen der Kirche aufmerksam verfolgt wird, habe ich in den letzten Tagen anhand der Reaktionen auf die Stellungnahme des Herrn Weihbischofs Stephan auf meine Aussagen erfahren: „Da hat sogar der Bischof geantwortet…“.

Ohne meine innerkirchliche Bedeutung zu überschätzen oder diese Antwort nur „als Zeichen von Höflichkeit“ zu schubladisieren möchte ich schon einmal festhalten, dass zumindest die innerkirchliche Kommunikation schon in Richtung einer neuen Qualität befindlich ist! Und dass das nicht überall so ist. Ich erinnere mich da sehr gut an das Verhalten der Regierungsspitze auf zahlreiche Einwendungen gegen den Umgang mit der Bundesverfassung anlässlich der Budgetvorlage. Eine Verfassung ist zwar keine „Heilige Schrift“, aber immerhin die höchstmögliche „Instanz“ für die betroffenen StaatsbürgerInnen. Und das ist auch „etwas Heiliges“ – innerweltlich halt!

Ich darf noch zwei Punkte anfügen.
Zum einen – auf meine z.T. etwas sarkastischen „Texte“ - haben neben Weihbischof Stephan auch Bischof Klaus, Kardinal Christoph Schönborn und – sehr intensiv – Weihbischof Andreas Laun geantwortet. Also es ist nicht so, dass man nur eine Empfangsbestätigung oder einen Rückruf einer „generell zuständigen“ Serviceeinrichtung bekäme. Dafür danke ich als Mitglied dieser unserer Kirche ausdrücklich!

Der zweite Punkt: Der steht unter dem sinngem. „Spruch“ von Leopold Kohr: „Macht, die keine Gegenmacht zu fürchten hat, wird immer missbraucht“. Das gilt selbstverständlich auch für unsere Kirche – die Geschichte ist leidvoll genug und die Verluste sind entsetzlich! Und deshalb müssen die Organisationsstrukturen diesem Prinzip unterworfen werden! Es muss – und es wird – zu einklagbarer Subsidiarität, zu transparent begründeten Entscheidungen, zu (auch menschlich ertrag- und managebaren) Teilungen kirchlicher „Macht“ kommen. Unter dem Motto – jetzt „weltlich“: Selbst wenn mein bester Freund eine hohe Funktion erhält, auch er muss in dieser Rolle demokratischen Mitwirkungs- und auch Kontrollanforderungen unterworfen werden. Auch der beste Freund!

Die Antworten der „Brüder Bischöfe“ (ernst gemeint!!) sind ein nicht unwichtiger Schritt in Richtung der Meinungsbildung in diese (halt nochmals) Richtung. Vergelts Gott! Aber sie werden verstehen, dass es noch viel weitergehen muss – und angesichts des „Katholischen Engagements“ sehr vieler – auch wird. Und – auch mit etwas Stolz: die Sensibilität ist bei uns durchaus da und hält – wenn auch nicht formell – manchem Vergleich stand.

Mit herzlichen und katholischen Grüßen – der „Heilige Geist“ mag uns!
Dein/Ihr Lothar Müller, Theologe.

Freitag, 16. Dezember 2011

Symposium zu 50 Jahre II. Vatikanisches Konzil in Wien

Ganz im Zeichen des Konzilsjubiläums steht das von der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien organisierte Symposium, welches von 11. bis 13. Jänner 2012 an der Universität Wien stattfinden wird. Zahlreiche Vorträge und Diskussionen bieten die Möglichkeit, sich die programmatische Weichenstellung des Konzils (1962-1965) neu ins Bewusstsein zu rufen und die Konzilstexte nach ihrem bleibenden Gehalt zu befragen.

Programm

11.01.2012,
18.00 Uhr:

Eröffnungsvortrag: Peter Hünermann (Tübingen),
anschließend Empfang
12.01.2012,
9.00-18.00 Uhr:

Vorträge von Albert Gerhards (Bonn), Christoph Theobald (Paris), Statements und Diskussion
13.01.2012,
9.00-18.00 Uhr:

Vorträge von Thomas Söding (Bochum), Ottmar Fuchs (Tübingen), Statements und Diskussion
13.01.2012,
19.00 Uhr:

Abschlussvortrag von Eberhard Schockenhoff (Freiburg),
anschließend Empfang

Detaillierte Informationen entnehmen Sie bitte der Homepage.

Anmeldung bis 4. Jänner 2012 unter folgendem Link erbeten: http://ktf.univie.ac.at/vatikanum.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Leserbrief zur Plakataktion der Diözese

Leserbrief aus dem Bezirk Güssing:


Servus Edi!

Als gelegentlicher Leser deines Blogs: Ein Foto der Adventplakataktion aus Güssing im Anhang.
Auf dem Foto sind drei Plakate zu sehen. Die Plakate sind durch ein hohes Gestell einige Meter über dem Ackerboden erhöht.
Auf dem ersten Plakat ist eine aktuelle Preisangabe der Werbeagentur zu sehen. Auf dem zweiten, nicht ganz so aktuellem Plakat steht die Einladung zu einem laut Zeitungsnachrichten eher
unglücklich verlaufenem Fest in Wien. Auf dem dritten Plakat, das wie eine "Power Point" Folie aussieht, die Worte "Einer wird kommen. Advent ist die Zeit der Erwartung."
Handelt es sich bei der Werbeagentur um eine für die Diözesanleitung ausreichend katholische?
Dass in der Politik viel Geld in Werbung investiert wird ist leider bekannt. Die Einladung zu diesem Burgenlandfest in Wien ist ein Zeichen dafür. Aber irgendeine wechselwirksame Beziehung zwischen Auftraggeber und nicht nur Auftragnehmer gibt es meistens.
Welche wechselwirksamen Beziehungen gibt es bei dieser öffentlichen Plakataktion?
Wieviele Plakate wurden um Kirchenbeitragsgelder angebracht?

Die kostenlosen Schaukästen der Pfarren und die kostenlosen Pfarrblätter wurden dabei nur sehr spät oder gar nicht bedacht.

Mit adventlichen Grüßen
NN (Name bekannt)

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Newsletter 10 der Laieninitiative

      12. Dezember 2011


Erfolg in Linz: Studientag in großer Einmütigkeit / Bischofs­konferenz blockiert Reformen / St. Pölten: 350 Pfarren schließen? / Sieben Thesen zur Eucharistiefeier in den Gemeinden
Linz: Frauen und Männer – eine „königliche Priesterschaft“
Über 100 Teilnehmer/innen hatten sich zum Studientag in Linz am 5. November angemeldet. Die Frage, wie es beim zunehmenden Priestermangel weitergehen würde, bewegt heute alle, die sich in der Kirche engagieren. Die beiden Referate der Professoren Franz Nikolasch und Peter Trummer zeigten Wege auf, wie die Eucharistiefeier in den Gemeinden sicher­gestellt werden kann, auch wenn kein Priester zur Verfügung steht. Schon heute stehen viele Priester wieder am Altar, die wegen Heirat laiisiert wurden – was im Übrigen ein irre­führender Vorgang ist, weil die Priesterweihe nach gut katholischem Verständnis gar nicht verloren gehen kann. Aber auch Laien, Frauen wie Männer, sind in der Taufe mit der „königlichen Priesterschaft“ Christi ausgestattet worden. Da die Gemeinde Trägerin der Eucharistiefeier ist, müssen die Mitglieder der Gemeinde auch dann für eine Eucharistiefeier sorgen, wenn der zuständige Bischof seiner Verpflichtung nicht nachkommt, einen Leiter oder eine Leiterin für die Eucharistiefeier in der Gemeinde zu beauftragen.
Die Teilnehmer/innen des Studientags stimmten den Überlegungen mit großer Einmütigkeit zu und beauftragten ein kleines Redaktionskomitee, das Ergebnis schriftlich zusammen­zufassen (siehe nächste Seite). Wir werden die Referate von Nikolasch und Trummer, sowie Tagungsergebnis mit ausführlichen Begründungen Anfang nächsten Jahres in einer eigenen Broschüre veröffentlichen.
Bischofskonferenz blockiert Reformen
Am Tag nach dem Studientag versammelten sich die Mitglieder der Pfarrer-Initiative und beschlossen, die Ankündigungen und Forderungen im „Aufruf zum Ungehorsam“ nicht zurückzuziehen. Die in den Tagen darauf zusammengetretene Bischofskonferenz befasste sich, wie es heißt, gründlich mit den Reformforderungen der Pfarrer und der Laien, war aber nicht imstande, sich auf einen Reformprozess zu einigen. Zwar ist von Gesprächen die Rede, doch einem österreichweiten Reformdialog erteilten sie eine klare Absage. Es hat sich wieder einmal herausgestellt, dass die Bischöfe nicht wagen, in Rom für die Interessen ihrer Diözesen einzutreten. Statt einen Schritt in die Zukunft zu tun, hungern sie ihre Pfarren aus.
St. Pölten: Dürfen 350 Pfarren geschlossen werden?
Wohin das führt, demonstriert die Diözese St. Pölten unter dem Opus-Dei-Bischof Klaus Küng. Er will 350 der 424 Pfarren seiner Diözese schließen. Die Sonntagsmesse wird dann nur mehr in Zentralpfarren gefeiert, in den verwaisten „Filialkirchen“ dürfe weiterhin Rosenkranz gebetet werden. Die Bischöfe scheinen völlig vergessen zu haben, dass das Konzil die Eucharistiefeier als Zentrum christlichen Lebensvollzugs festgeschrieben hat. Im Gegenteil: Sie erklären neuerdings, sie seien die wahren Reformer, und es sei konservativ und rückständig, an der Forderung einer Eucharistiefeier in jeder Gemeinde festzuhalten. Um ein elitäres Priesterbild aufrecht zu erhalten, verweigern sie den Gläubigen die Feier des Todes und der Auferstehung des Herrn.
Unter diesen Umständen darf man sich nicht wundern, wenn die Gemeinden zur Selbsthilfe greifen. Immerhin hat eine andere Diözese, nämlich Linz, beschlossen, dass Pfarr-Zusammenlegungen nur stattfinden werden, wenn die Betroffenen zustimmen.

Laieninitiative >>

Dienstag, 13. Dezember 2011

Reaktion von Lothmar Müller auf Bischof Turnovszkys Aussagen zum Zölibat

Der – unser – Jugendbischof Stephan Turnovszky – müht sich wirklich redlichst, Argumente für den Zölibat zu finden (KATHPRESS 8.12.2011).

Zuerst wird von einem „wunderbaren Abenteuer mit Gott“ gesprochen. Ich bin erschüttert, in der Kirchensprache „tremendiert“, „fasciniert“. Tremendum et fascinosum. Doch: wer von uns „Nicht – Zölibatären“ hatte noch nie so ein wunderbares Abenteuer mit Gott? Jeden Tag ein Abenteuer - und er hat mir noch nie gesagt, daß mir das wegen des fehlenden Zölibats eigentlich gar nicht zustehe!

Dann – nächster Absatz – kommt die „tiefe Gottesbeziehung“. Die Definition „der Tiefe“ überlassen wir – getrost – lieber dem lieben Gott. Das Bemühen darum dürfte aber nicht mit dem Zölibat zusammenhängen.

Dritter Absatz: bei einem „priesterlichen Leben“…“bliebe zu wenig Zeit und Energie für die Anforderungen in einem familiären Umfeld“. Also: diese Exklusivität und diese berufliche Selbst – erhöhung ist mir zutiefst zuwider. Dazu kenne ich genug „Leben“! ÄrztInnen, SozialarbeiterInnen, LehrerInnen, PolitikerInnen usw. Die haben auch nicht weniger zu tun.
So geht’s nicht! Das ist schon nahezu beleidigend!

Im vierten Absatz – da hat er wirklich recht und gibt auch zu denken! „Man könne es so sehen, daß dies „ein Luxus sei, den sich die Kirche bewußt leiste“. Weitergedacht: ein „Luxus“, der auf Kosten der Seelsorge und der Gemeinden geht. Und auch auf Kosten vieler betroffener Menschen.

Beim fünften – nächsten – Absatz – da kommen mir wiedereinmal die Tränen! „Größere Erfüllung im Himmelreich“, "heilige Wunde" usf. Leiden also „in dieser Welt“, um einen Emporeplatz „dort drüben“ zu erhalten. O.K. Wir Nichtzölibatären werdens auch „drüben“ überleben! Der wirklich liebe Gott hat mir zugeflüstert: „Laß ihnen das, sie brauchen es halt“.

Nochmals: „O.K. Du bist der Chef“!
Gruß Lothar     

Montag, 12. Dezember 2011

"Kirchen-Rebell" verspricht für 2012 Offensive

Monsignore Helmut Schüller will die Kirche modernisieren. 400 Pfarrer und Tausende Gläubige sind seiner Meinung.
Bis Jahresende bleibt der Weihnachtsfriede aufrecht. Für 2012 kündigt "Kirchen-Rebell" Helmut Schüller – er ist auch Pfarrer in Probstdorf – eine breite Info-Kampagne an. Monsignore Schüller rief im Sommer mit der Pfarrer-Initiative "zum Ungehorsam" auf. Ziel: Kirche und Glaube zu modernisieren. Seitdem prallen Reformer und Konservative immer wieder aufeinander.
KURIER >>

Freitag, 9. Dezember 2011

Ende der Kirchenkrise durch Menschwerdung

Soll und darf man im Advent, in der Weihnachtszeit von einer Kirchenkrise und deren Bewältigung reden oder schreiben? Stört man damit nicht den Frieden und den Sinn von Weihnachten?
Gott ist Mensch geworden. Christus ist ein menschlicher Gott. Er ist „in Güte und Menschenfreundlichkeit“ erschienen, um „ein Gnadenjahr des Herrn“ auszurufen,  um uns Frieden, Freiheit und Hoffnung zu bringen. Sind der Papst und die Bischöfe, die uns seine frohe Botschaft verkünden (sollen), sein „Ebenbild“, sind sie menschlich, mitmenschlich, gütig, bringen sie Frieden, Freiheit und Hoffnung? Die Kirchenleitung, die Kirche, wir alle werden den Frieden nicht finden ohne die Mit-Menschen, die anderen, die Mehrheit der Gläubigen, die aufgeschlossen und reformwillig ist. Es gibt keinen (Weihnachts-)Frieden ohne Mit-Menschlichkeit, ohne Barmherzigkeit, ohne Solidarität, ohne Gerechtigkeit. Christus ist „zur Welt gekommen“. Ohne Welt gibt es keinen Christus, keine Menschwerdung, keine Erlösung, keine Realität. Alles andere ist eine unbiblische „Entweltlichung“, fauler Friede, Selbsttäuschung und Schein.
Nicht die Kirche, sondern die Kirchenleitung befindet sich in einer Krise. Wenn sie keine „Menschwerdung“ vollzieht, hat sie den Sinn von Weihnachten, ihre Aufgabe verfehlt. Mit Verboten, mit Ausschluss, mit bloßen Aus- und Abgrenzungen, mit dem Allein- und Vollbesitz sowie mit dem Absolutheitsanspruch von Wahrheit und Moral, mit „Unfehlbarkeit“ wird man die (eigene) Identität, die Kirche, die Gläubigen nicht retten, die Ökumene aber töten.  Alle sollen eins sein. Die Identität ist nur durch Differenz zu erkennen und aufrecht zu erhalten. Identität und Selbsterhaltung sind ohne die anderen, ohne das Andere nicht möglich. Selbsterhaltung gibt es nicht ohne Fremderhaltung. Gott entäußerte sich selbst. Erlösung besteht in der Entäußerung.
Der Papst und die Bischöfe wollen den Gläubigen Zäune, Ordnung und Halt bieten. Die diesbezügliche derzeitige Überdosis aber wird alle haltlos machen, bewirkt das Gegenteil, ist tödlich. Zuviel Determination bedeutet Negation. Unveränderlichkeit verhindert jede Reform, jeden Fortschritt, die Aufgeschlossenheit, die Zukunft. Nicht „homo homini lupus“  (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, ein Feind; Th. Hobbes), sondern homo homini homo. (Der Mensch sei dem Menschen ein Mensch) Das gilt im besonderen Maße für die Christen, für die Gläubigen.
Auch die Bischöfe werden Weihnachten in festlichen Gewändern feiern. Sollen sie. Wir auch. Wenn diese aber nicht Gewänder des Heiles sind, haben sie ihren Zweck nicht erfüllt. Mögen Prunk und Pracht sowie äußerer Reichtum sie nicht ablenken und abhalten von den Zeichen der Zeit, von den derzeitigen inneren Armutszeichen der Kirche, von den Anliegen, den Sehnsüchten und Problemen der Menschen, der Gläubigen, der Mehrheit, der Einzelnen. Möge der Weihrauch nicht zu sehr in ihre Nasen, ihnen nicht zu Kopf steigen. Mögen sie nicht „glauben“, dass sie die Kirche sind. Der selig gesprochene Papst des Unfehlbarkeitsdogmas, Pius IX., sagte den unseligen Satz: „Ich, ich bin die Kirche.“
Die Laien sind längst nicht mehr laienhaft. Sie – insbesondere die Frauen – bedeuten und tragen in erheblichem Maße die Kirche. Ihnen gebühren alle „Menschenrechte“, alle Christenrechte in vollem und eingeschränktem Maß. Ohne Frau, ohne Maria, gäbe es keinen menschgewordenen Gottessohn. Christus ist nach seiner Auferstehung zuerst den Frauen erschienen. Die vielen Charismen von Laien, von Frauen werden das Antlitz der Kirche erneuern. Wir brauchen eine Kirche „mit menschlichem Antlitz“. Schenkt Kindern das Leben und behütet dasselbe! Es könnte ein „Christkind“ für Sie darunter sein. Das Leuchten der Kinderaugen möge auf die Eltern, die Erwachsenen, die Kirchenleitung übergreifen, damit alle sehen und verstehen, worauf es zu Weihnachten, in der Kirche ankommt.
Die Menschwerdung, ein Weihnachtswunder mögen geschehen. „Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind“, allen Gruppierungen in der Kirche!

Graz, am 07.12.2011
Anton Kolb

Donnerstag, 8. Dezember 2011

"Skoblicki soll in Polen bleiben"

Der 87-jährige Priester Josef Kammerer über die Drogensüchtigkeit der Kirche, den Panzer an der Spitze und die Zukunft der Gemeinden.
KURIER >>

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Benno Elbs: Strafandrohung für Helmut Schüller "nicht hilfreich"


Der neue Diözesanadministrator Benno Elbs ist bis zur Ernennung eines Bischofs die Nummer eins in Vorarlbergs Kirche. Er hält der Pfarrerinitiative zugute, dass sie aus Sorge um das Leben der Pfarrgemeinden handle.
Interview mit Benno Elbs in Die Presse >>

Dienstag, 6. Dezember 2011

Innsbrucks Alt-Bischof Stecher für Verheiratete als Priester

Der frühere Innsbrucker Diözesanbischof Reinhold Stecher hat sich für Verheiratete als Priester ausgesprochen. Dennoch sei er nicht für die Abschaffung des Zölibats, beides solle möglich sein.

"Wenn es Jesus gemacht hat, kann es nicht so falsch sein. Unter seinen Aposteln gab es eine ganze Reihe Verheirateter", meinte er Mittwochabend beim sogenannten Zeitzeugengespräch von "ORF-Tirol" und der "Tiroler Tageszeitung" in Innsbruck anlässlich seines bevorstehenden 90. Geburtstags am 22. Dezember.

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Siehe auch:

Stecher: Forderungen der Pfarrer-Initiative nicht wegwischen
Innsbrucker Alt-Bischof für verheiratete Priester - ORF-Zeitzeugengespräch im Vorfeld von Stechers 90. Geburtstag

Montag, 5. Dezember 2011

Um welche Macht geht es denn eigentlich in der Kirche?

Ruf nach Reformen. Über die versteckten Rivalitäten zwischen den diversen Gruppen. Historisch waren die Erneuerer aber immer auch Heilige.
Worum geht es eigentlich bei der Kirchenreform, von der so viele reden? „Um die Macht“, antwortet die aus Deutschland kommende Generalsekretärin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs ohne Umschweife. Für den Feminismus ist auch die Kirche ein Schauplatz des Gender-Kampfes. Von dieser Perspektive ist selbstverständlich auch die Frage nach dem Priestertum von Frauen schon geklärt. Es muss quasi nur noch kirchenamtlich nachvollzogen werden.
In Österreich ist eine so direkte Sprache nicht üblich, daher verpackt der Präsident der Katholischen Aktion der Steiermark dasselbe in eine rhetorische Frage: „Wo ist die Macht?“ „Wer hat die Deutungskompetenz?“ Für den Präsidenten wird die „Machtfrage“ in der Kirche durch demokratische Abstimmungen entschieden. Es sei nämlich die „Gretchenfrage für die Kirche im 21. Jahrhundert“, ob sie an die „demokratisch-partizipativen Entscheidungsfindungen“ Anschluss finde, die in der Gesellschaft selbstverständlich geworden sind.

Kommentar von Hans Winkler in "Die Presse" >>

Samstag, 3. Dezember 2011

Papst Benedikt XVI. vor dem Bundestag: „Vergesst mir das Naturrecht nicht“

Homosexualität? Natürlich unnatürlich
Papst Benedikt XVI. hat sich in seiner Rede vor dem Bundestag auf die Naturrechtslehre eines Salzburger Emeritus gestützt. Das Naturrecht a la Wolfgang Waldstein ist das als Intuition ausgegebene Vorurteil.
Von Stephan Rixen

Die „Vergesst mir das Naturrecht nicht“-Rede Benedikts XVI. vor dem Bundestag hat nicht nur un­ter den Abgeordneten für Irritationen ge­sorgt. Wer der Rede auf den Grund gehen will, kann sie auf der Homepage des Parla­ments nachlesen - leider nicht vollstän­dig. Die fünf Fußnoten, die der Papst sei­ner schriftlichen Redevorlage angefügt hatte, sind bei der elektronischen Über­mittlung von Rom nach Berlin offenbar verlorengegangen. Auf der Homepage des Vatikans aber sind sie verfügbar, und das ist gut so, denn sie geben Aufschluss über einen Eideshelfer, dem der Papst bei dem Versuch folgt, neue Aufmerksamkeit auf das katholische Naturrechtsdenken zu lenken.
Wie in diesem Feuilleton bemerkt wur­de (F.A.Z. vom 27. September), folgen in Benedikts Rede auf ein Augustinus- und ein Origines-Zitat drei Verweise auf Wolf­gang Waldsteins Buch „Ins Herz geschrie­ben - Das Naturrecht als Fundament ei­ner menschlichen Gesellschaft“. Auf gut 170 Seiten wirbt Waldstein für seine Les­art des katholischen Naturrechts. Wald­stein, geboren 1928, ist emeritierter Ordi­narius für Römisches Recht an der Univer­sität Salzburg und hat auch an der Päpstli­chen Lateran-Universität gelehrt. Sein Werk ist 2010 im Augsburger Sankt Ul­rich Verlag erschienen.
Waldstein stellt schnell klar, wer sich im Irrtum befindet: Positivisten und So­zialisten, Anhänger der Fristenlösung, des Klonens und der „Euthanasie“, Befür­worter des Adoptionsrechts gleichge­schlechtlicher Paare und jene, die nicht einsehen, dass aus „einer homosexuellen Verbindung natürlicherweise keine Familie hervorgehen“ könne. Er stellt Homo­sexualität mit „Päderastie oder Pädophilie auf eine Stufe. Es gelingt ihm, die Forderungen nach Gleichberechtigung ho­mosexueller Menschen zu einem der we­sentlichen Gründe für sexuelle Gewalt ge­gen Kinder umzudeuten. Es empört ihn, dass „längst vorliegende Forschungser­gebnisse zur Homosexualität, die eine echte und humane Hilfe für Personen mit homosexuellen Neigungen möglich ma­chen“, nicht hinreichend beachtet wür­den.
Wer Kritik an solchen Ansichten an­meldet, dem bescheinigt Waldstein eine „totalitäre“ Haltung. Sie passe zu einer in Europa verbreiteten „hedonistischen und marxistischen Ideologie“. „Parallelen zwi­schen der EU und der UdSSR“ sind für ihn, dessen Vater vor der Gewalt der Ok­toberrevolution aus Russland fliehen musste, unverkennbar. Dass der seinerzei­tige französische Europaminister Pierre Moscovici gegen eine Anrufung Gottes in der EU-Grundrechtecharta eingetreten sei, quittiert Waldstein, weil für ihn der Name „Moscovici“ nach Moskau klingt, mit der Bemerkung: „nomen est omen!“ Die „Tyrannei der Mehrheit“ führe zu ei­ner „Diktatur des Pluralismus“, die mit Hilfe der Massenmedien die „Keule des Fundamentalismus“ schwinge, eine For­mulierung, die Waldstein ausdrücklich von Joseph Ratzinger übernimmt.

Erkenntnistheorie sei etwas für Positivisten und Sozialisten
Hans Kelsen, dem großen Theoretiker des Rechtspositivismus, attestiert Wald­stein, „dass er nicht weiß, wovon er spricht“. Gleichwohl holt ihn Waldstein heim ins Reich des Naturrechts, denn Kelsen habe im hohen Alter dem Dualis­mus zwischen Sein und Sollen abge­schworen. In einem Leserbrief in dieser Zeitung hat Waldstein vor wenigen Ta­gen (F.A.Z. vom 22. November) seine Kelsen-Interpretation gegen die Einwän­de Horst Dreiers (F.A.Z. vom 3. Novem­ber) verteidigt.
Waldsteins Werbung für das Natur­recht ist eine unfreiwillige Warnung vor dessen Gefahren: erkenntnistheoretische Selbstentmündigung, eschatologisch auf­geladenes Freund-Feind-Denken, struktu­relle politische Instrumentalisierbarkeit. Waldstein meint, allen Menschen, gleich ob katholisch oder nicht, sei es möglich, die Vernunft „in rechter Weise“ zu gebrau­chen, nämlich durch „Intuition“, dann werde sich die Wahrheit des Naturrechts schon erschließen. Dass ein intuitiver Weltzugang beträchtliche erkenntnistheo­retische Probleme aufwirft, ist für Wald­stein kein Argument. Erkenntnistheorie ist etwas für Positivisten, Sozialisten und andere unsichere Kantonisten. Deshalb verwirft Waldstein das Denken am Leitfa­den der erkenntnistheoretischen Unter­scheidungen Kants, die uns darüber infor­mieren, dass Begriffe unsere Wahrneh­mungen prägen. Neukantianismus und kritischen Rationalismus identifiziert Waldstein ausdrücklich und aus seiner Sicht intuitiv als naturrechtswidrige Verir­rungen. Dass die longue duree kultureller Überlieferung etwas über funktionieren­de Tradierungstechniken aussagt, nicht mehr und nicht weniger, ist für Waldstein bestenfalls „szientistische" Geistreiche­lei. Dass seit Jahrhunderten naturrecht­lich gedacht wird, kann nur in der Natur des Menschen grundgelegt sein - basta!
Naturrecht ä la Waldstein ist konstitutiv polemogen, wie Niklas Luhmann das destruktiv-streitstiftende Potential ethi­scher Diskurse umschrieben hat. Naturrecht, wie Waldstein es versteht, ist im Kern eine ethische Position mit eingebau­tem Weltformelwahn. Eschatologisch überhitzt, verlangt sie, dass das Recht ei­ner modernen Staatsgesellschaft letzte Fragen beantworten müsse, um vorletzte Fragen des Alltags bewältigen zu können. Sie neigt zur radikalen Verschärfung und gruppiert Menschen in gute und böse, in akzeptable und exkommunizierte, in glei­che und pastoral zu bemutternde. Dieser Hang zur Exklusivität, der die in staatli­chen Gesetzen sich manifestierende Ex­klusion all derer verlangt, die anders sind, ist nicht weit entfernt von den totalitären Ideologien, gegen die Waldstein sich ab­grenzt.
Naturrecht, wie Waldstein es propa­giert, ist in besonderer Weise offen für po­litische Instrumentalisierung. Wer sich die Äußerungen der naturrechtlich inspi­rierten Bischöfe im französischen Vichy-Regime oder im Spanien der frühen Franco-Zeit vor Augen führt, wird sich in­tuitiv die Frage stellen, wo die Grenze zwi­schen ethischer Reflexion und politischer Korruption verläuft. Auch das Verhalten von Vertretern der akademischen, im tra­ditionellen Naturrecht geschulten Theolo­gie der Hitler-Zeit, die in der Lage waren, das Regime naturrechtlich gesundzubeten, wirft Fragen auf: weniger nach der Korruptionsanfälligkeit, wohl aber nach der Theoriefähigkeit des Naturrechts.

Mit der Rekatholisierung des Rechtes ist kein Staat zu machen
Wen also soll ein ethisches Konzept über­zeugen, für das unverändert Konsens­zonen zum autoritären, ja extremisti­schen politischen Denken charakteris­tisch sind? Wer will ein Naturrecht, vor dessen Tendenz zu „intolerant-perfektionistischer Verabsolutierung“ der frühere Richter des Bundesverfassungsgerichts und überzeugte Protestant Helmut Simon schon vor gut fünfzig Jahren in seiner be­rühmten Schrift über die „Katholisierung des Rechtes“ gewarnt hat? Staat ist mit ei­nem solchen Naturrecht nicht zu machen, jedenfalls kein moderner Rechtsstaat der Inklusion, dem Phantasien der staatlich-rechtlich organisierten Abwertung ande­rer fremd sind.
Und umgekehrt ist zu fragen: Er­schöpft sich in Waldsteins Werk das intel­lektuelle Niveau katholischen Natur­rechtsdenkens? Wohl kaum, wenn man etwa im deutschen Sprachraum an die auch für Andersdenkende lehrreichen Stu­dien des Tübinger Theologen Franz-Josef Bormann denkt, dem man wohl nicht zu nahe tritt, wenn man ihn nicht zu den übli­chen Verdächtigen der akademischen Papstkritik zählt. Aber wieso kann dann Waldstein - neben Augustinus und Origines - zur Referenzgröße in der Rede des Papstes werden?
Spezifisch rechtswissenschaftliche Ar­gumente, die für einen anderen Umgang mit dem katholischen Naturrecht spre­chen, lassen sich im Werk Ernst-Wolf­gang Böckenfördes finden, dem Benedikt XVI. nach seiner Rede im Freiburger Konzerthaus so lange und sichtlich be­rührt die Hand gereicht hat. Schon Ende der fünfziger Jahre ist Böckenförde für das „Ethos der modernen Demokratie“ und die „Bejahung der pluralistischen Gesellschaft“ durch die katholische Kir­che eingetreten. Schon früh hat er die Auffassung zurückgewiesen, Katholiken könnten sich den verfassungsmäßigen Regeln der Demokratie durch Verweise auf das Naturrecht entziehen. In dem jüngst erschienenen langen biographi­schen Interview mit Dieter Gosewinkel (F.A.Z. vom 26. November) wird der gro­ße Beitrag Böckenfördes zur demokratie­förderlichen Historisierung des katholi­schen Naturrechtsdenkens nochmals in Erinnerung gerufen. Naturrecht kann nicht mehr als eine philosophisch-politi­sche Position unter vielen sein, die sich dem demokratischen Meinungsstreit stel­len muss und nicht mit staatlichem Zwang als juristisch approbierte Rechtswahrheit aufgedrängt werden darf. Die Grundrechte des Grundgesetzes bringen die Pluralität der Menschen, nicht die Uniformität „des“ Menschen in Verfas­sungsform. Sie sperren sich gegen die Vereinnahmung durch ein einziges ethi­sches Vorverständnis,
Böckenförde hat in mehreren Beiträ­gen, die nach seiner Zeit als Richter des Bundesverfassungsgerichts entstanden sind, die manchmal nicht einfache Situati­on katholischer Juristen beschrieben, die ihren Glauben in einem freiheitlichen Verfassungsstaat zu leben versuchen. Das Leben mit all seinen Facetten erweist sich für den, dem katholisches Christsein am Herzen liegt und der doch Kind seiner Zeit ist, als complexio oppositorum. Das ist ohne verantwortliche Kompromisse nicht lebbar. Der vermeintlich natur­rechtliche Hang zum unversöhnlichen Schwarzweißdenken kann hingegen nur in einer gesinnungsethisch reinen Paral­lelgesellschaft funktionieren, die sich sektenhaft von „der Welt“ abspaltet, statt sich ihr mit Gottes Hilfe tagtäglich neu auszusetzen.

Stephan Rixen lehrt Öffentliches Recht an der Universität Bayreuth.
FAZ Mittwoch, 30. November 2011S. 33

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YouTube
Papst - Rede im Bundestag - komplett - 22.09.2011 live

Freitag, 2. Dezember 2011

Kardinal Ratzinger: Warum wiederverheiratete Geschiedene nicht zur Kommunion dürfen

Zur Vollversammlung des Päpstlichen Familienrates veröffentlicht die Vatikanzeitung Osservatore Romano einen kaum bekannten Text des heutigen Papstes zum Thema Seelsorge für Geschiedene und Wiederverheiratete. Darin geht er konkret auf Einwände gegen die kirchliche Vorschrift ein, dass Geschiedene, die eine neue Ehe eingegangen sind, nicht zur Kommunion gehen dürfen. Das Thema hat vor allem die deutschsprachige Kirche in den letzten Jahrzehnten immer wieder beschäftigt und war zuletzt beim Papstbesuch in Deutschland wieder benannt worden. Den Essay hatte Kardinal Joseph Ratzinger 1998 als Vorwort zu einem vom Vatikan veröffentlichten Buch beigesteuert; an diesem Mittwoch hob ihn der „Osservatore Romano“, zusammen mit einem Papst-Text zum selben Thema, auf die Doppelseite im Innenteil.
Beitrag auf Radio Vatikan >>

Dokumentation: Nur das Wahre kann auch pastoral sein
Zu einigen Einwänden gegen die kirchliche Lehre über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen. Von Joseph Kardinal Ratzinger

Bei dieser ausführlichen Behandlung der Einwände gegen die Haltung der katholischen Kirche zum Kommunion- empfang wiederverheirateter Geschie- dener handelt es sich um einen Text, den der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, 1998 als dritten Teils der Einleitung zu Band 17 der von der Glaubenskongregation veröffentlichten Reihe „Documenti e Studi“: Sulla pastorale dei divorziati risposati. Documenti, commenti e studi, Citta del Vaticano 1998, 20–29, publiziert hatte. Die deutsche Originalfassung des Aufsatzes wurde diese Woche in Rom in mehreren Sprachen dokumentiert. Die Fußnoten wurden nachträglich von der Glaubenskongregation hinzugefügt.
Beitrag in der Tagespost >>

Durch diese Nachricht im  „Osservatore Romano“ kommt aus dem Vatikan unmissverständlich eine klare Absage auf die durch den Aufruf der Pfarrer-Initiative in Gang gekommene Diskussion über den Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen.
Aber wer hört noch auf den Vatikan!? Nicht einmal die Piusbrüder:


Piusbrüder verlangen Nachbesserungen vor Einigung mit Rom
Der Generalobere der lefebvrianischen Piusbruderschaft, Bernard Fellay, verlangt Nachbesserungen bei den römischen Vorschlägen für eine Einigung mit dem Vatikan. Die "lehrmäßige Präambel", die Rom vorgelegt habe, könne nicht die Zustimmung der Piusbruderschaft erhalten.
Beitrag auf religion.orf.at >>

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Bischof Erwin Kräutler kommt zur Firmung nach Pinkafeld

Am 16. Juni 2012 kommt Bischof Erwin Kräutler nach Pinkafeld und wird das Sakrament der Firmung spenden. Das wird sicher ein ganz besonderer Tag - nicht nur für die Firmlinge, sondern auch für die ganze Pfarrgemeinde.
Ich freue mich, dass dieser großartige Bischof, der 2010 für seinen Einsatz für die Menschenrechte und die Bewahrung der Umwelt mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde,  zu uns kommt.

Als Vorbereitung darauf möchte ich auf Homepages hinweisen, die Einblick in Arbeit und Leben von Erwin Kräutler vermitteln:

Dom Erwin Kräutler - unterwegs mit dem Volk Gottes am Xingu

plattform belo monte - Solidarität mit den Menschen am Xingu und mit Dom Erwin Kräutler

Selbstbesteuerungsgruppe Bischof Kräutler

Koblach am Xingu

Buchtipp:

Mittwoch, 30. November 2011

Advent-Plakataktion der Diözese Eisenstadt

Spezielle Ankündigungen erwecken spezielle Erwartungen!


In Jennersdorf wurde für die Advent-Plakataktion der Diözese Eisenstadt ein besonderer Standort ausgewählt. Wenn man von Osten nach Jennersdorf kommt und den 1. Kreisverkehr wieder verlässt, fällt einem die große, violette Plakatwand auf.

Wahrscheinlich hat die zuständige Werbefirma nicht auf das Umfeld des Standortes besonders geachtet.

Dienstag, 29. November 2011

Spendenaufruf für Familie Gjoni


Raimond, Linda und Eduard gehen wieder in die Schule: In Pinkafeld!
Die ältesten drei Kinder der im August 2010 abgeschobenen Familie Gjoni können seit April 2011 wieder ihre Schulbildung im Burgenland fortsetzen (HLW in Pinkafeld, sowie in der Hauptschule und „Neuen Mittelschule“ in Pinkafeld). Möglich wurde dies durch Erteilung von Schülervisa.
Zur Erinnerung: die Familie Gjoni reiste im Jahr 2004 nach Österreich ein. Ein humanitäres Bleiberecht wurde ihnen trotz bester Integration, Sprachkenntnissen und Jobzusagen von den österreichischen Behörden verweigert. Sie wurden nach fast sechsjährigem Aufenthalt im August 2010 ausgewiesen. Die Region, in die sie abgeschoben wurden gehört zu den ärmsten in ganz Europa. Nachwievor fehlt es am Notwendigsten. An schulische  und berufliche Perspektiven ist nicht einmal zu denken. Zudem beherrschen die Kinder nur das deutsche Alphabet, nicht jedoch das im Kosovo verwendete albanische.
Deshalb haben wir Raimond, Linda und Eduard mit einem Schülervisum nach Österreich eingeladen.
Durch Ihre/Deine Spende konnten wir bisher den Aufenthalt (Versicherung, Unterkunft, Verpflegung, Schule etc.) finanzieren.
Der Vater der Kinder hätte im Herbst dieses Jahres eine Arbeit im Burgenland aufnehmen können (freier Kontingentplatz, Zusage des Dienstgebers, Bewilligung des AMS).
Auch in dieser Angelegenheit zeigten sich die österreichischen Behörden – konkret die österreichische Botschaft in Skopje – von der hartherzigen Seite: sie lehnte den Antrag auf Einreise nach Österreich ab. Auch eine diesbezügliche Berufung hatte keinen Erfolg.
Somit sind wir wieder auf Ihre/Deine Unterstützung angewiesen. Bitte öffnet die Herzen und auch die Geldbörsen für den Weiterverbleib der Kinder in Pinkafeld. Dies wäre das schönste Weihnachtsgeschenk für sie.
Konto Nr.: 705.277, Empfängername: Unterstützung der Familie Gjoni, BLZ: 33.125 Raika Pinkafeld
Wir garantieren die widmungsgemäße Verwendung und stehen für nähere Informationen gerne zur Verfügung.
Vielen herzlichen Dank!
Mag. Rainer Klien, Vorstandsmitglied SOS-Mitmensch Bgld. - 0650/3514003
Mag. Eduard Posch, Ratsvikar Pinkafeld & Vorsitzender SOS-Kinderdorf Bgld. - 0664/1961550
Mag. Harald Zapfel, Schulleiter - 0664/3034038 

Wo bleibt der Aufschrei der Priester!?



Liebe FreundInnen!

Sicher habt ihr schon vom plötzlichen Tod von Johannes Leuthner gehört. Hermi Scharinger hat zum Nachruf von Kardinal Schönborn folgenden Text verfasst und auch an viele versendet:


"Er hat sich sehr bewusst auf die neue Situation eingelassen..." (Nachruf von Kardinal Schönborn)

Über 14 Jahre lang habe ich mit Johannes zusammengearbeitet. Ich habe nicht nur meinen Chef verloren, sondern auch meinen Freund und Wegbegleiter, mit dem ich gemeinsam unsere Visionen von Kirche verwirklichen wollte. Deswegen möchte ich die Worte unseres Kardinals nicht unkommentiert stehen lassen: Einen Sommer lang hatte Johannes mit der Entscheidung, die 5 Pfarren gemeinsam mit seinem Team zu leiten, gerungen. Dass er sich letztlich dafür entschieden hat, war, das hat er in den letzten 4 Jahren immer wieder gesagt, weil er damals von der Leitung "emotional erpresst" worden war: Großstelzendorf und Göllersdorf lagen zwischen den drei "Altpfarren" und es fand sich kein Priester, der diese 2 Pfarren übernehmen wollte. Wo hätte der auch wohnen sollen? Der Pfarrhof von Göllersdorf ist vollkommen verfallen, seit 40 Jahren ist nichts renoviert worden. So sah die Leitung nur die Möglichkeit, alle von einem Team unter der Leitung von Johannes betreuen zu lassen oder die 5 Pfarren zu teilen. Das jedoch hätte bedeutet, dass Bergau, Göllersdorf und Großstelzendorf eine Einheit gebildet hätten, weil sie auch zu einer politischen Gemeinde gehören. Und Breitenwaida und Sonnberg wären extra geblieben. Für Johannes hätte die Entscheidung gegen die 5-Pfarren-Lösung bedeutet, dass er auf jeden Fall eine seiner liebgewonnenen "Altpfarren" verloren hätte, wenn er Pfarrer von Breitenwaida bleiben und in seinem Pfarrhof weiter wohnen wollte. Mit Sonnberg und Breitenwaida alleine hätte er seiner Meinung nach bald andere Pfarren im Bereich Hollabrunn dazu bekommen. Hätte er zugestimmt, Pfarrer von Göllersdorf, Großstelzendorf und Bergau zu werden (ohne Wohnmöglichkeit und mit einem um ca. 1 Mio Euro sanierungsbedürftigen Pfarrhof) hätte er auf Breitenwaida und Sonnberg verzichten müssen. 10 Jahre war er glücklich gewesen als Landpfarrer von Breitenwaida, Sonnberg und Bergau und er wollte einfach nicht eine dieser drei Gemeinden und die vielen vertrauten Menschen dort im Stich lassen. So hat er sich "mit viel Bauchweh", das ihm im ersten Jahr auch eine Darmspiegelung bescherte, für die 5-Pfarren-Lösung entschieden, letztlich auch, weil er mit einem guten Team arbeiten konnte. Bis zuletzt hat er dabei seine Anforderung an sich als Seelsorger nichtaufgegeben: "Ich möchte bei den Menschen sein in ihrem Leid und in ihren Freuden." Er kannte fast alle Menschen in den Pfarren persönlich, wollte jede Taufe selber machen, jedes Fest mit den Leuten feiern, ihre Toten begraben.

Dass ihn das an seine Grenzen brachte, kann man auf der HP des Canisiuswerkes nachlesen:

Bei einem Interview für "miteinander" im Juni 2011 sagte Pfr. Johannes Leuthner, zuständig für 5 Pfarren, dass er selbst und viele andere Priester bereits am Limit arbeiten. Am 20.10.2011 wurde der 46-Jährige tot in seiner Wohnung gefunden. Ein Fanal.

Im Leitartikel des letzten Pfarrbriefes vom September 2011 hat Johannes selbst auch sehr deutlich ausgesprochen:

Liebe Pfarrgemeinde!
Viel mediale Aufregung gab und gibt es rund um den “Aufruf zum Ungehorsam” der österreichischen Pfarrerinitiative. Es ist kein Geheimnis, dass auch ich mich im Jahr 2006, als diese Initiative gegründet wurde, als Mitglied angeschlossen habe. In die Erarbeitung der jetzigen Forderungen war ich zwar nicht involviert, kann aber trotzdem fast alle dieser Anliegen mittragen, die ja großteils schon lange von vielen bis hin zu manchen Bischö-fen erhoben werden. Über die Art und Weise wie dieser Protest geführt wird, kann man streiten und manches macht mich dabei nicht glücklich, scheint aber unumgänglich, um etwas weiterzubringen. Und wenn schon nicht die Durchsetzung der Forderungen, so doch mehr Klarheit und Transparenz, was der Kirchenleitung wichtig ist und wofür sie steht. Vieles gäbe es zu dieser Aktion hier zu sagen, ich will als Pfarrer auf 2 Punkte hinweisen. Ein Aufschrei aus der Not Die Pfarrer der Initiative, die ich persönlich kenne, sind alle keine Revoluzzer, sondern Priester aus Leidenschaft. Sie haben eine Lebensentscheidung getroffen, um ganz für Gott und die Men-schen als Seelsorger da zu sein. Der Aufruf ist ein Notruf, weil wir alle spüren, dass wir das eigentlich nicht mehr können. Immer größere Einheiten und immer mehr Aufgaben, lassen uns kaum Zeit und Kraft für unsere eigentliche Aufgabe da zu sein: die Menschen in ihren Nöten und Sorgen zu begleiten und ihnen als Seelsorger aus der Kraft des Evangeliums zur Seite zu stehen. Es gibt mir und vielen von uns jedes Mal einen kleinen Stich ins Herz, wenn wir zu jemand “Nein” sagen müssen, weil unser Zeitbudget und unsere Kräfte oft an ihre Gren-zen stoßen. und in Sorge um den Glauben Keine der Forderungen betrifft den Kern unseres Glaubens, ja die Forderungen werden gerade deshalb erhoben, um genau diesen Glauben auch weiter in unserer Gesellschaft lebendig zu halten. Nur dazu und dafür gibt es die Kirche mit all ihren Traditionen und Regeln, um den Men-schen die liebende Nähe Gottes zu vermitteln. Wir meinen dass die Erfüllung dieser Forderungen der Kirche dabei helfen können, diese ihre einzige Aufgabe auch heute zu erfüllen. Ich hoffe und bete, und ich bitte sie da-für mitzubeten, dass wir das als Kirche, im Großen wie im Kleinen, auch in unserer Zeit schaffen, meint
Ihr Pfarrer Johannes Leuthner


In dieser für uns alle entsetzlichen Situation wünsch ich mir, dass wir als 5 Pfarren diesen neuen Weg im Sinne von Johannes weiter gehen können und dass es einen Aufschrei der Priester des Vikariates, der Diözese,... gibt. Dieses System ist zutiefst krank und sollte geändert werden, bevor es noch mehr Opfer gibt. So hätte der Tod von Johannes vielleicht irgendeinen Sinn.

Hermi Scharinger

Aus dem Blog-Archiv:
Leserbrief zum Tod von Pfarrer Leuthner: Ich klage an!

Montag, 28. November 2011

"Des Bischofs neuer Palast"

Kommentar vom 26.11.2011:

"Mit dem Umbau des Bischofshofes ist es auch so: ein "Projekt", über dessen Kosten bisher absolutes Stillschweigen gewahrt wird. Da es nicht nur um übliche Renovierungen geht, sondern um grundsätzliche Umbauten, z.B. mit einem 5-m-hohem Kapellenfenster, dürfte das Projekt sündteuer werden.
Dafür wird hoffentlich das gesamte Domkapitel früher oder später den Kopf herhalten müssen!!"

Alle bisherigen Beiträge zum Thema "Des Bischofs neuer Palast" - Umbau Bischofshof >>

Samstag, 26. November 2011

Mit Heinz Nußbaumer den „Mönch in mir“ entdecken!

Am 2. Dezember im Pfarrsaal Pinkafeld:

Es war das „Goldene Buch des Jahres“, wurde vielfach ausgezeichnet − und ist inzwischen in 9 Sprachen übersetzt worden: Heinz Nußbaumers faszinierendes Bestseller−Buch „Der Mönch in mir“, die spirituelle Ernte seiner vielen Pilgerfahrten die Klösterwelt des Hl. Berg Athos.
Auf Einladung der katholischen Pfarrgemeinde kommt Prof. Heinz Nußbaumer, der prominente katholische Publizist und Herausgeber der "FURCHE" nach Pinkafeld, um − begleitet von meditativen Bildern und den wunderbaren Hymnen der Ostkirche − von dieser einzigartigen „Gegenwelt“ zu berichten, die auch für Christen von Heute einen Schatz an Lebenserfahrungen bereithält.
Viele erinnern sich noch an Nußbaumers spannewnden Islam-Vortrag im vergangenen März, andere kennen ihn aus dem ORF oder haben über sein eben erschienenes neues Buch "Meine kleine große Welt" gelesen, dessen erste Auflage bereits zwei Wochen nach Erscheinen restlos ausverkauft war.
Für uns kehrt Nußbaumer am Freitag, den 2. Dezember um 19:45 (im Pfarrsaal) noch einmal an jenen Ort zurück, den er die „Heimat meiner Seele“ nennt − um uns am Beginn der Adventzeit in die Stille und Zeitlosigkeit des Athos mitzunehmen.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! 

Ausstellung über die Sehnsucht nach dem Absoluten

Pierre Stutz spricht über seine Eindrücke von der Züricher Ausstellung «Mystik – Die Sehnsucht nach dem Absoluten». Die Ausstellung macht Mut, den eigenen Erfahrungen zu trauen und zugleich lässt sie erahnen, dass alles nochmals viel größer ist...



Hintergrund
Mystik - Die Sehnsucht nach dem Absoluten (Homepage zur Ausstellung im Museum Rietberg Zürich)

Homepage von Pierre Stutz

Pierre Stutz: Atempause für die Seele

Freitag, 25. November 2011

Barbara Karlich-Show: "Ungehorsam - wir wollen eine neue Kirche"

Titel der Sendung: „Ungehorsam – wir wollen eine neue Kirche“
Drei Vertreter der "Laieninitiative" sind bei dieser Sendung.
Zum Nachschauen auf tvthek >>

Bischöfliche Auszeichnungen für Verdienste um den Generalsekretär der BiKo

Ich wurde von LeserInnen des Blogs gebeten, diese von Bischof Ägidius Zsifkovics verteilten pästlichen und bischöflichen Auszeichnungen zu veröffentlichen und zu kommentieren.

Aufgefallen ist vielen, dass die Diözese Eisenstadt allem Anschein nach beim Bernsteiner Gebirge aufhört und dass ein Drittel (!)  der Auszeichnungen an Personen der Bischofskonferenz gingen - für besonderes Engagement....... 
Einer unter ihnen ist der Chauffeuer des Generalsekretärs - nunmehr Chauffeur des Bischofs.
Verbergen sich in dieser Liste vielleicht weitere KandidatInnen für besondere Posten?

Worin liegen deren besondere Verdienste für die Diözese Eisenstadt?

Päpstliche und bischöfliche Auszeichnungen
Als äußeres Zeichen des Dankes überreichte Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics am 12. November 2010 folgende päpstliche und bischöfliche Auszeichnungen:

Komturkreuz des päpstlichen Silvesterordens
Prof. Stefan Kocsis, Unterpullendorf

Ritterkreuz des päpstlichen Silvesterordens
OStR Prof. Mag. Dr. Walter Kaschmitter, Neusiedl am See

St. Martinsorden in Gold
Dr. Martin Bolldorf, ehem. Österreichischer Botschafter am Heiligen Stuhl
Anton Schlögl, Drassmarkt
Dr. Walter Hagel, Österreichische Bischofskonferenz

Verdienstmedaille der Diözese in Gold
Marianne Berger, Steinberg-Dörfl
Maria Gschiesl, Stotzing
Ernst Thell, Andau
Karin Matkovits, Hornstein
Lieselotte Vinczencz, Österreichische Bischofskonferenz
Bernadette Schreier, Österreichische Bischofskonferenz

St. Martinsorden in Silber
Alfred Kloiber, Königsdorf
Walpurga Trettler, Draßmarkt
Herbert Schlögl, Draßmarkt
OStR. Prof. Mag. Paul Sailer, Eisenstadt
Prof. Mag. Lukas Wessely, Eisenstadt
Agnes Bubich, Oslip
OStR. Prof. Mag. Dr. Valentin Grandits, Eisenstadt
Dr. Paul Wuthe, Kathpress
Mag. Walter Lukaseder, Österreichische Bischofskonferenz
Mag. Rita Kupka-Baier, Österreichische Bischofskonferenz
Elisabeth Kreyca, Österreichische Bischofskonferenz
Thomas Beranek, Österreichische Bischofskonferenz


Mittwoch, 23. November 2011

Fühlt sich an wie ein Bischof - ist aber keiner. Eine katholische Akrobatik

Achtung: In der weiten Welt der katholischen Kirche laufen auch Phantombischöfe herum. Sie sehen aus wie Bischöfe - sind aber keine. Trotzdem werden sie vom Papst in den Bischofshäusern geduldet und dürfen das Bett mit ihren Ehefrauen teilen.
mehr im STANDARD >>

Dienstag, 22. November 2011

Der Zölibat - Eine Geschichte von Sex, Gier und Moral

Heute um 22:30 Uhr auf ORF 2: Kreuz und Quer zum Thema "DER ZÖLIBAT - EINE GESCHICHTE VON SEX, GIER UND MORAL"

Nicht zuletzt der Aufruf zum Ungehorsam der Pfarrerinitiative haben die Diskussion rund um den Zölibat wieder ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Den Pflichtzölibat für Priester hat es nicht immer gegeben. Erst Ende des 11./Anfang des 12. Jahrhunderts wird der Zölibat erstmals zu einer gesamtkirchlichen Vorschrift.
Weshalb überhaupt die kirchliche Auflage des Zölibats? Wie ist es überhaupt zu dieser Vorschrift gekommen? Wo finden sich biblische Hinweise? Und weshalb entscheiden sich Menschen, zölibatär zu leben?
Eine Dokumentation über die Ursprünge, die Begründungen und die praktischen Ausformungen des Zölibatsgedankens in der römisch-katholischen Kirche.

Ausführliche Beschreibung der Sendung auf religion.orf.at >>

Fakten zum Zölibat

Die Ehelosigkeit der Priester wird auch vom offiziellen Lehramt der Kirche als disziplinäre Maßnahme mit langer Tradition, aber nicht als Dogma angesehen:
  • Jesus hat als seinen wichtigsten Apostel Petrus, einen verheirateten Mann, gewählt; Petrus hatte eine Schwiegermutter (Mt 8,14).
  • Paulus empfiehlt zwar nach seinem Beispiel, nicht zu heiraten, sagt aber ausdrücklich dazu, darüber "kein Gebot vom Herrn" zu haben (1Kor 7,25).
  • Bischöfe der frühen Kirche waren verheiratet: (1 Tim 3,2).
  • Das Konzil der 318 Väter zu Nicäa (325) lehnte den Antrag ab, Priester zur Ehelosigkeit zu verpflichten. Die Entscheidung von Nicäa wurde vom 6. Konzil von Konstantinopel (681) bestätigt und gilt bis heute für die Orthodoxen Kirchen: Verheiratete Männer werden zu Priestern geweiht, einmal geweihte, ebenso Bischöfe , dürfen nicht heiraten.
  • Ab dem 4.  Jahrhundert gab es immer wieder Aufforderungen zur sexuellen Enthaltsamkeit der Priester, überhaupt (Zölibat) oder bei verheirateten vor der Eucharistiefeier.
  • Erst beim 2. Laterankonzil (1139) wurde der Priesterzölibat in der Westkirche verpflichtend. Dir Kirche kam somit 1000 Jahre ohne Ehelosigkeit der Priester aus.
  • In den Unierten Ostkirchen, die dem Papst unterstehen, sind die Priester verheiratet.
  • Wenn heute Anglikaner oder Protestanten zur römischen Kirche konvertieren und katholische Priester werden, dann führen sie ihre Ehe weiter.
  • Während über den Priestermangel geklagt wird, leben allein in Österreich 600 bis 800 Priester, die geheiratet haben und vom Priesteramt ausgeschlossen wurden.
  • Der Priestermangel wird künstlich herbeigeführt. Weltweit schätzte man 20 Jahre nach dem 2. Vatikan. Konzil die Zahl verheírateter und daher entlassener Priester auf 60.000.
    (Carl Andresen, Georg Denzler, Wörterbuch der Kirchengeschichte, dtv München 1982, S. 641).
  • In Österreich leben rund 1.000 Priester in Beziehung mit einer Frau.
    (In Österreich gibt es lt. Kirchenstatistik 2009 rd. 4.51 % Priester; Prof. Paul M. Zulehner, hat erhoben, dass 12 bis 24 % der Priester in Beziehungen leben , die Gruppe "Priester ohne Amt" mutmaßt sogar 50 %).
Quelle: Newsletter 9 der "Laieninitiative"

Montag, 21. November 2011

Eigenartiges rund um die Anstellung von Thomas Dolezal

Schön, wenn die Qualität der Instrumente der Eisenstädter Dommusik seit dem heurigen Martinsfest verbessert wurden. Es scheint, als ob Thomas Dolezal ganze Arbeit leistet als Dommusikdirektor.

Was im Burgenland anscheinend noch nicht öffentlich, aber Tatsache ist: Thomas Dolezal will nicht auf sein Standbein in der Wiener Dommusik verzichten und ganz in Eisenstadt tätig sein. Er ist noch für 30 Stunden in Wien angestellt und dort v.a. unter der Woche im Stephansdom tätig. Sein offizielles Stundenausmaß im Burgenland beträgt lediglich 10 Stunden, man kann annehmen, dass er sich seine Mehrleistungen zusätzlich auf Honorarbasis ausbezahlen lässt.

Nun, man könnte ja argumentieren, dass das für Eisenstadt finanziell gesehen die bessere Variante ist. Man sollte aber nicht vergessen, dass zwei Personen ihre Anstellung wegen der vermeintlichen Vollanstellung von Thomas Dolezal verloren haben. Gerade für sie finde ich diese Regelung unter jeglicher Kritik. 

Ich bin gespannt, ob sich diesbezüglich etwas in Zukunft ändern wird.

Maria Ulrich-Neubauer