Montag, 31. Januar 2011

Memorandum zur Zölibatsdiskussion

Wie am Samstag, 29.01.2011 angekündigt, möchte ich ein bisher nicht öffentlich zugängliches Schreiben veröffentlichen. Der 42-jährige Josef Ratzinger dachte einmal ganz anders über die Zölibatsproblematik als heute. Folgendes Memorandum wurde von ihm mitunterzeichnet:

"Die Unterzeichneten, die durch das Vertrauen der deutschen Bischöfe als Theologen in die Kommission für Fragen der Glaubens- und Sittenlehre der Deutschen Bischofskonferenz berufen worden sind, fühlen sich gedrängt, den deutschen Bischöfen folgende Erwägungen zu unterbreiten.

Unsere Überlegungen betreffen die Notwendigkeit einer eindringlichen Überprüfung und differenzierten Betrachtung des Zölibatsgesetzes der lateinischen Kirche für Deutschland und die Weltkirche in ganzen (weil beide Gesichtspunkte nicht gänzlich voneinander getrennt werden können). Ob man diese erneute Prüfung "Diskussion" nennen will oder nicht, ist ein sekundäres, terminologisches Problem. Über die Frage, wie diese Überprüfung angestellt werden könnte, soll in folgenden noch einiges gesagt werden (vgl. bes. V)"
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Sonntag, 30. Januar 2011

Eine ist da

Da ist einer, der mich annimmt,
wie ich genommen werden will.

Da ist eine, die mich aufrichtet,
wenn mich etwas niederdrückt.

Da ist einer, der mich sich zu Herzen nimmt,
wenn meines zu eigennützig schlägt.

Da ist eine, die mir Gehör schenkt,
wenn ich des Lebens Rätsel nicht lösen kann.

Da ist einer, der für mich ist,
wenn alles gegen mich ist.

Und der EINE ist Gott.

Oder… - auch DU?

Roland Breitenbach, Sechs-Minuten-Predigten…
im Lesejahr A, Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau 2004

Samstag, 29. Januar 2011

Ratzinger war gegen den Zölibat

Kurier-Online, 28.01.2011:
Eine deutsche Zeitung enthüllt ein altes Schreiben, in dem der heutige Papst gegen die Ehelosigkeit argumentiert. Als Joseph Ratzinmger jung war, zweifelte er am Pflichtzölibat. Der Zölibat könne keine Fixpunkt in der Kirche bleiben.
Zum gesamten Kurier-Artikel>>

Diese Meldung in der Süddeutschen:
Ratzinger zweifelte an Zölibat
Den Inhalt darf man gut und gerne als Sensation bezeichnen: 1970 stellten neun Theologen in einem Memorandum den Pflichtzölibat in Frage. Einer der Unterzeichner war Joseph Ratzinger. Der ist heute Papst.
Zum gesamten Artikel >>

Anmerkung:
Am Montag, 31.01.2011 werde ich dieses Schreiben vom 09. Feber 1970 an die Deutsche Bischofskonferenz in vollem Umfang auf dem Blog veröffentlichen. Dieses Schreiben war lt. KURIER bisher nicht öffentlich zugänglich.

Elektronische Postkarten-Kampagne "Führt wieder weibliche Diakone ein"

So dass alle zum Tisch des Herrn kommen können
Führt wieder weibliche Diakone ein

Freitag, 28. Januar 2011

Bischof möchte "in Ruhe" seinen Dienst tun

Bischof Zsifkovics gab beim traditionellen Medienempfang am 24.1. ein Interview, bei dem er auf die immer wieder kritisch auftauchenden Töne in der Diözese Eisenstadt im Zuge der getroffenen Personalentscheidungen angesprochen wurde.

Die Sendung kann noch auf Religion aktuell vom 24.1.2011 nachgehört werden - (Auf "Religion aktuell" klicken - wie im Bild - vorausgesetzt Sie haben einen mp3-Player konfiguriert)


Das Interview führte Wolfgang Slapansky. Hier als Text:

Seit Ägidius Zsifkovics im vergangenen September zum Bischof von Eisenstadt geweiht wurde, gäbe es ziemliche Unruhe in der Diözese, sagen Kritiker des Bischofs. Der Hintergrund: zahlreiche Führungspositionen sind neu besetzt worden, etwa Generalvikar, Pastoralamtsdirektor, Regens des Priesterseminars, Direktor des Schulamtes, Herausgeber der Kirchenzeitung, und Direktor der Caritas. Bischof Zsifkovics sieht die Neubesetzungen als logischen Schritt eines neuen Bischofs:

"Ich gehe da ganz gelassen an die Dinge heran. Ich habe das getan, was ein neuer Bischof tun muss: er muss sich seine engsten Mitarbeiter suchen. Und da habe ich auch konkret wirklich meine Linie festgelegt und auch Menschen und Mitarbeiter meines Vertrauens gewählt."

Der Prozess sei nun weitgehend abgeschlossen. Zu seinen Kritikern meinte er:
"All das, was in der Öffentlichkeit da oft transportiert wird, das sind nicht die Menschen der Diözese Eisenstadt oder die Mehrheit, sondern das ist eine verschwindende Minderheit, die ich natürlich auch Ernst nehme."

Der Bischof lässt trotz Kritik keinen Zweifel daran, seinen eingeschlagenen Weg fortzusetzen.
"Ich bin als Bischof hier hergekommen. Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte einfach in Ruhe meinen Dienst tun und ich verlange auch, dass ich hier so vorgehen kann, wie ich das persönlich auch mit meinem Team ausgemacht habe."

Nun stehen einige Neubesetzungen von Pfarren an. Es wird sich zeigen, wie der Weg in der Diözese Eisenstadt weiter geht.

Meine Anmerkung:
Die Kritiker - auch wenn sie eine Minderheit sein sollten, für die sich der Bischof ja sonst gerne einsetzt - werden nicht Ernst genommen bzw. angehört. Leider wird hier nicht dem Wunsch von Kardinal Schönborn bei der Bischofsweihe entsprochen: "Hab' ein hörendes Herz für die Sorgen und Anliegen der Menschen!"
Der Weg des Dialogs ist nicht ersichtlich.

Brüder im Geiste

Gastbeitrag von DI Gregor Görtler:
BRÜDER IM GEISTE

Sehr geehrter Herr Bischof Zsifkovics, höchstwürdigste Eminenz.

In einer Situation höchster Bedrängnis wende ich mich an Sie. Erlauben Sie mir bitte, mich zu Beginn meines Schreibens kurz vorzustellen. Mein Name ist Generalleutnant Gregor Großkopf und ich bekleide eine nicht unwichtige Position im österreichischen Generalstab. Durch meine ehrenamtliche Mitarbeit im Pfarrgemeinderat bin ich auf Sie als meine letzte Rettung aufmerksam geworden.

Höchstwürdigste Eminenz. Zweifellos werden Ihnen die furchtbaren Zustände im österreichischen Bundesheer zu Ohren gekommen sein. Warum ich mich als Berufssoldat gerade an Sie wende, möchte ich in weiterer Folge kurz ausführen. Wir haben so viele Gemeinsamkeiten, dass ich selbst überrascht war.

Werte Exzellenz, es ist ein Jammer – nein, ein Drama. Bei der Armee sind wir umgeben von Laien, linksliberalen Aufrührern, die immer mehr mitzureden haben. Allesamt Wendehälse ohne Rückgrat, ohne Prinzipien und vor allem ohne Kenntnis der Heeresgesetze. Auch bei Ihnen in der Kirche wollen ja Amateure immer stärker mitbestimmen. Ich kann Sie nur bewundern ob Ihrer Standhaftigkeit und bestärken in Ihrem Weg. Lassen Sie sich nicht beirren von diesen Halbwissenden. Die faseln nur irgendetwas von der frohen Botschaft und haben in Wirklichkeit nichts verstanden. Keine Kenntnis des Kirchenrechts, kein Respekt vor den Würdenträgern und damit auch kein Respekt vor der Wahrheit. Ich sage Ihnen, diesen Leuten ist nichts heilig, nicht einmal ein Bischof. Bei uns haben Sie das Ruder bereits übernommen – und was war das Resultat: Frauen in der Armee. FRAUEN. Wir beide wissen wohl nur zu gut, wo diese Geschöpfe ihren Platz haben. Seien wir doch ehrlich. Eine Frau als Soldat, das ist doch genauso absurd wie eine Frau als Priester. Jetzt werden sie auch schon Offiziere und bald sitzen sie im Generalstab. Stellen Sie sich das vor! Dieser Weg kann nur im Chaos enden. Selbstverständlich bin ich für die Gleichberechtigung und Förderung der Frauen, aber doch nicht bei uns in der Armee! Immer wieder versuchte ich bei internen Diskussionen auf die katholische Kirche zu verweisen. Es ist ganz einfach die Wahrheit, dass Frauen eben für gewisse Bereiche nicht geeignet sind. Sie haben das als Behüter der Wahrheit ganz richtig erkannt.

Bleiben Sie standhaft Herr Bischof! Bei uns hat dieser völlig unnötige Demokratisierungsprozess nur Disziplinlosigkeit und Chaos hervorgebracht. Wer seine von Amts wegen erhaltene Autorität verliert, der ist verloren! Erfreulicherweise ist mir über sichere Quellen zu Ohren gekommen, dass es bei Ihnen noch nicht so weit ist. Diese linken Randalierer sollen sogar richtig Angst vor Ihnen haben. Ich komme fast ins Schwärmen wenn ich mich daran erinnere, dass es auch bei uns früher noch so war. Einmal den Mund aufmachen und – zack, weg mit Ihnen. Da herrschte noch Ordnung und Disziplin. Aber heute …Wehret den Anfängen sage ich! Lassen Sie es nicht so weit kommen. Bald werden sie uns auch noch unsere Rangabzeichen und Generalstreifen wegnehmen, dann bricht die Ordnung vollends zusammen.

Hochwürdigste eminente Exzellenz. In der Armee ist kein Platz mehr für gerechte Männer wie mich. Ich bitte Sie, als Bruder im Geiste, mich bei Ihrer Organisation einzustellen. Ich glaube an die unverrückbare Hierarchie im Klerus, an das Kirchenrecht, an Disziplin und Ordnung und an die von Gott bestimmte Stellung der Frau in der Kirche. Benötige ich sonst noch welche Qualifikationen?

Donnerstag, 27. Januar 2011

Diözesanes Informationsbüro reagiert auf Aufregung um "Bischofs-Palast"



Bereits am 28. Oktober 2010 und am 10. Jänner 2011 habe ich auf diesem Blog über Umbaupläne im Bischofshof Eisenstadt geschrieben und somit exclusiv dieses kostspielige Bauprojekt öffentlich gemacht und in die Diskussion gebracht.

Am 20.01.2010 hat auch das Wochenmagazin NEWS darüber berichtet.


In der diözesanen Kirchenzeitung "martinus" vom 30. Jänner 2010 reagiert nun das diözesane Büro für Information und Kommunikation mit einer Stellungnahme - Vergrößern durch Anklicken

Ich finde es erfreulich, dass die Diözesanleitung nach der langen Zeit der Geheimhaltung endlich etwas "Licht ins Dunkel" dieses Großprojekts bringt.


Dennoch bleibt weiterhin vieles unklar und ungereimt:
  1. Diözesanmoderator Petar Ivandic erklärt gegenüber NEWS, dass die Kosten von drei Millionen Euro Schätzungen sind, die so nicht stimmen. Er kann dazu gar nichts sagen, auch nicht wann die Bauarbeiten beginnen.
    Offensichtlich unter dem Eindruck der öffentlichen Berichterstattung hat die Diözesanleitung einen Tag später, am 21. Jänner über Kathpress>> die Geheimnisse rund um das Bauprojekt etwas gelüftet.
  2. Die von der Diözesanleitung nun bekannt gegebenen Informationen für dieses Projekt sind nicht sehr konkret, zum Teil widersprüchlich und unklar. Welche "für das Projekt zuständige diözesane Gremien" waren z.B. "von Beginn an eingebunden"? Welche Gremien wurden schon ernannt?
  3. Dass hinsichtlich der Kosten seitens der Diözesanleitung noch keine Angaben - auch keine Schätzungen - genannt werden legt für mich die Vermutung nahe, dass die von mir zitierten und von Finanzkammerdirektor Dienstl genannten ca. drei (!) Millionen Euro wahrscheinlich nicht einmal ausreichen werden.
  4. Dass notwendige Renovierungen gemacht werden sollen, steht außer Zweifen. Ich würde mir aber bei einem derart großen und teuren Projekt mehr Transparenz erwarten, bezüglich den Notwendigkeiten und des Projekts an sich genauso wie über Ausschreibungsvorgang oder Beteiligung von Architekten. Warum werden dem Diözesanvolk nur scheibchenweise Informationen gegeben?

Kirche darf sich erneuern


Leserbrief in der Kirchenzeitung martinus vom 16. Jänner 2011
(Bild zum Vergrößern anklicken)

Papst ermahnt Internet-Gemeinde

Benedikt XVI. plädiert für respektvolles Verhalten im Internet
Papst mahnt in Botschaft zum Weltmediensonntag 2011 zu einem ehrlichen, offenen und verantwortungsvollen Kommunikationsstil im Netz

Vatikanstadt, 24.01.2011 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat zu einem verantwortungsbewussten Verhalten im Internet und in den sozialen Netzwerken gemahnt. In seiner Botschaft zum Weltmediensonntag 2011 plädierte er für einen ehrlichen, offenen und respektvollen Kommunikationsstil im Netz. Er verwies auch auf mögliche Gefahren, etwa dass gerade jugendliche Nutzer sich in eine Art Parallelwelt flüchteten. Der virtuelle Kontakt könne nie den persönlichen direkten Kontakt mit Menschen auf allen Ebenen ersetzen, unterstrich der Papst im am Montag im Vatikan veröffentlichten Dokument.

An die Christen appellierte Benedikt XVI., die Chancen des digitalen Zeitalters zu nutzen und sich "zuversichtlich mit verantwortungsbewusster Kreativität im Netz zusammenzufinden". Dabei müsse auch die christliche Dimension präsent sein. Die neuen Technologien müssten in den Dienst des ganzheitlichen Wohls des Menschen und der gesamten Menschheit gestellt werden. "Wenn sie vernünftig genutzt werden, können sie dazu beitragen, das Verlangen nach Sinn, nach Wahrheit und nach Einheit zu stillen, das die tiefste Sehnsucht des Menschen bleibt."
Mehr auf Kathpress>>

Mittwoch, 26. Januar 2011

Wer wird in Vorarlberg Bischof?

Nachdem der Vatikan die Bischofsernennung für Graz-Seckau überraschend schnell auf römische Weise gelöst und um zwei Jahre verschoben hat, rückt Vorarlberg in den Blickpunkt.
Bischof Elmar Fischer erreicht am 6. Oktober 2011 das 75. Lebensjahr und muss dann sein Amt zur Verfügung stellen.

"Wer wird nächster Vorarlberger Bischof?", fragen die Vorarlberger Nachrichten, und bringen interessante Details.

Erster Medienempfang von Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics

Am Gedenktag des hl. Franz von Sales, Schutzpatron der Journalisten und Schriftsteller, fand gestern in Eisenstadt der erste Medienempfang von Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics statt. In seiner Grußbotschaft stellte der Gastgeber den zahlreich anwesenden MedienvertreterInnen „ihren“ Schutzheiligen näher vor: Franz von Sales, begnadeter Prediger und vorbildlicher Seelsorger, der im 16. Jahrhundert mit Flugblattaktionen für Aufsehen sorgte.
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Eisenstadt: Medienempfang im Zeichen des Hl. Franz von Sales

Gegenüber Medienvertretern zog der Bischof in einem Interview Bilanz über sein bisheriges Wirken: Am wichtigstes sei es für ihn gewesen, mit möglichst vielen in der Diözese in Kontakt zu kommen und einander kennenzulernen. Ein Höhepunkt darin war das Neujahrstreffen am 7. Jänner, zu dem von den insgesamt 150 Priestern der Diözese 135 gekommen waren. "Das ist für einen Bischof sicher sehr erfreulich und macht viel Mut und Freude", betonte Zsifkovics. Auch wolle er die Arbeit seines Vorgängers, Bischof Paul Iby, "in einem guten Sinn weiterführen".
Angesprochen auf mediale Turbulenzen im Zuge der getroffenen Personalentscheidungen erinnerte Zsifkovics daran, dass es zur normalen Aufgabe eines neuen Bischofs gehöre, sich die engsten Mitarbeiter zu suchen, zumal einige Positionen ohnedies aus Altersgründen neu zu besetzen gewesen seien. Die "Phase der Teamsuche ist im Großen und Ganzen abgeschlossen", sagte der Bischof
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Laieninitiative zur Kirchenreform und Bischofsbestellungen

Presseaussendung der Laieninitiative, Obmann Herbert Kohlmaier:

Kursänderung der Laieninitiative (LI)

Der LI-Vorstand hat am vergangenen Wochenende beschlossen, nach zwei Jahren vergeblicher Bemühungen, die Kirchenleitung zu überfälligen Reformschritten zu bewegen, die Zielsetzung der Vereinigung auf diese Situation auszurichten.


Allen Katholikinnen und Katholiken, denen ihre Kirche am Herzen liegt, bleibt angesichts des unbegreiflichen vatikanischen Starrsinns und des Ignorierens eines immer stärker werdenden Drängens dazu berufener Kräfte – auch von maßgeblichen Klerikern und Theologen, zuletzt von führenden Deutschen Politikern – nur mehr ein Weg übrig: Sie müssen die überlebensnotwendige Erneuerung der Glaubengemeinschaft selbst in die Hand nehmen!

Dem entsprechend wird die Laieninitiative ihre im Statut festgelegte Aufgabenbeschreibung neu bestimmen. Sie setzt sich dabei zum Ziel, die Kirchenmitglieder dazu aufzurufen und anzuleiten, sich als von ihrer Eigenverantwortung geleitete Reformkatholikinnen und Reformkatholiken zu verstehen und so zu handeln. Dies bedeutet insbesondere:

• die Nichtbeachtung von Vorschriften und Anordnungen der Kirchenleitung, soweit deren Befolgung sorgfältig gebildetem christlichen Gewissen widersprechen würde, sowie die Loslösung von einem nicht mehr zeitgemäßen Klerikalismus,

• die eigenständige und selbstverantwortliche Übernahme und Besorgung der kirchlichen Dienste, sofern geeignete Priester dafür nicht zur Verfügung stehen, sehr wohl aber qualifizierte und erprobte Laien beiderlei Geschlechts,

• die Praktizierung eines offenen ökumenischen Verhaltens wie die Teilnahme an gemeinsamen Abendmahlfeiern mit Angehörigen von im Ökumenischen Rat vertretenen Kirchen, sowie

• überhaupt ein Verhalten, welches die Gesellschaft erkennen lässt, dass Christen zu ihrer Katholischen Kirche und deren heilswirksamen Einrichtungen stehen, sie aber mit einer erneuerten und zeitgemäßen Glaubenspraxis attraktiv und zukunftsfähig machen wollen.

Kapellari-Dienstzeitverlängerung:
Der Vatikan weicht dem Konflikt aus

Nach den skandalösen Vorgängen in Eisenstadt ist es den Reformbewegungen gemeinsam gelungen, das Thema der Bischofsernennungen und der unentbehrlichen Mitwirkung der Ortskirchen ins öffentliche Bewusstsein zu rufen. Sie haben sich entschlossen, im Vorfeld der Besetzung von Graz alle Kräfte zu mobilisieren, die einen volksverbundenen neuen Bischof durchsetzen und die neuerliche Entsendung eines vatikanischen „Politkomissars“ verhindern wollen!

Die Reformbewegungen haben daher den Papst in Form einer Entschließung aufgefordert, die bisherige verfehlte Vorgangsweise zu überprüfen und zu ändern – hat doch Benedikt selbst eine Ämterbesetzung „nur von oben“ als „entschieden zu kritisieren“ bezeichnet. In diesem Zusammenhang wurde betont, dass ein Ignorieren dieses Appells weit reichende Folgen auslösen müsste (vgl. Medienaussendung v. 18. 1. 11).

Die Laieninitiative betrachtet die nun erfolgte Amtsverlängerung des Grazer Bischofs als Versuch, der Auseinandersetzung über diese ganz entscheidende Frage zumindest im Moment auszuweichen. Mag auch damit Zeit zur Besinnung gewonnen sein, soll daran kein Zweifel bestehen: Die weitaus überwiegende Mehrheit jener Menschen, die ihrer Kirche trotz derer Fehler die Treue halten und sie im Sinne des Evangeliums zukunftsfähig machen wollen, werden in ihrem Bemühen nicht nachlassen, die Dinge endlich zum Besseren zu wenden!

http://www.laieninitiative.at/

Dienstag, 25. Januar 2011

Pater Alfons Jestl zum Provinzvikar der Redemptoristen ernannt

Das Kapitel der Wiener Provinz der Redemptoristen tagte vom 16. bis 24.1. im Kloster und Exerzititenhaus in Puchheim. Dabei wurde eine neue Provinzleitung für die vierjährige Amtszeit (2011-2015) gewählt:

P. Lorenz Voith wurde als Provinzial für eine dritte Amtszeit bestätigt.

P. Alfons Jestl wurde zum Provinzvikar (=Stellvertreter des Provinzials) gewählt. Er ist somit auch Mitglied im Föderationsrat der Provinzen Wien und München.

Die Redemptoristen haben in Oberpullendorf eine Niederlassung.

Gratulation an P. Alfons - derzeit noch Pfarrer in Mariasdorf und Bernstein - zu dieser Beförderung und Gottes Segen für die neue Aufgabe!

Homepage und Predigtforum der Redemptoristen

Montag, 24. Januar 2011

Ich ärgere mich: zweierlei Maß bei der Verlängerung von Amtszeiten der Bischöfe

Ich wollte gerade den Computer ausschalten, schaute aber doch noch einmal auf die letzten News. Das hätte ich besser nicht machen sollen. Denn was ich hier lese, ärgert mich sehr:



Bischof Kapellari: Papst verlängert Amtszeit um zwei Jahre
Die Amtszeit des Grazer Diözesanbischofs Egon Kapellari ist vom Papst um zwei Jahre verlängert worden. Gleichzeitig hat Benedikt XVI. das Ansuchen von Bischof Kapellari um Entpflichtung vom Amt "nunc pro tunc" (= "jetzt für später") angenommen.
Ausschlaggeben für die Verlängerung sei die "pastorale Erfahrung" und "stabile Gesundheit" von Bischof Kapellari. Der Bischof nimmt die päpstliche Entscheidung "mit Dank für das darin zum Ausdruck kommende große Vertrauen" an. Kapellari erklärte, dass er versuchen werde, "die nächsten zwei Jahre als eine Zeit gestalten zu helfen, in der die katholische Kirche Österreichs der Verwirklichung des biblischen Mottos 'Einheit in Liebe' ein Stück näher kommt".

Ich bin verblüfft und verärgert:

  1. Kapellari darf weitere zwei Jahre bleiben - "mit Hinweis auf seine pastorale Erfahrung und seine stabile Gesundheit".
  2. Unser Bischof Paul Iby hatte diese pastorale Erfahrung scheinbar nicht. Die "Papstdiktatur" mit seinen Handlangern in Österreich und der römischen Kurie räumten ihm nicht einmal vier Monate ein und vergönnten ihm nicht, das 50-Jahr Jubiläum der Diözese Eisenstadt als Bischof im Amt zu feiern.
  3. Iby wurde abgestraft wie ein Schuljunge, nur weil er sich erlaubt hat, Dinge anzusprechen, die der vatikanischen Religionsdiktatur nicht passen.

Hochachtung vor den Menschen in Tunesien - sie haben sich selber befreit von einer Diktatur. Es wird der Tag kommen, wo auch die Menschen in der katholischen Kirche das absolutistische Herrschaftssystem der Kleriker nicht mehr akzeptieren.

Caritas: Günther Kroiss der Nachfolger von Martin Korpitsch?

Wie es aussieht, wird Günther Kroiss Nachfolger von Martin Korpitsch als geistlicher Assistent der Caritas Burgenland.

Kroiss ist seit zwei Jahren Pfarrer in Rechnitz, war als Jugendpfarrer in der Diözese tätig und hat den Verein "2getthere" gegründet und aufgebaut, der Jugendzentren betreibt und schulische Nachhilfe organisiert.

Ob Günther Kroiss in seiner neuen Funktion weiter Pfarrer in Rechnitz bleibt ist fraglich. Die Pfarre Mattersburg wird vakant und muss im Herbst neu besetzt werden, möglicherweise mit Günther Kroiss.

Sonntag, 23. Januar 2011

Zeichen setzen

Du brauchst einen Plan für deinen Weg
und für dein Leben.
Frag: Woher das kommt.
Wohin das führt. Für wen es gut ist.
Sag auch deinem Kind,
dass, was wir tun, nicht immer recht ist.
Verrat nicht deinen Traum,
pflanz einen Baum, der morgen Frucht bringt.

Denn der Tag des Friedens kommt.
Der Mann aus Nazaret und viele hier und da
setzen schon Zeichen.

Leb nicht in den Tag.
Such dir ein Ziel. Lass dich nicht treiben.
Mach’s nicht jedem recht.
Zeig, wo du stehst. Bekenne Farbe.
Pass dich nicht bloß an.
Entscheide dich. Und trag die Folgen.
Bleib dir selber treu.
Geh deinen Weg in kleinen Schritten.

Trau nicht der Gewalt.
Tu keinem weh. Fang keinen Streit an.
Schlag nicht gleich zurück.
Zahl es nicht heim mit gleichen Waffen.
Sag, wenn’s sein muss: Nein!
Glaub an das Ziel. Setz kleine Zeichen.
Die Welt muss nicht so sein,
wie sie jetzt ist. Bau mit am Frieden!

Hermann Josef Coenen, In Ninive und anderswo,
Patmos Verlag, Düsseldorf, 1989, 119.

Samstag, 22. Januar 2011

Priesterweihe auch für verheiratete Männer


Katholische Politiker der CDU haben sich dafür ausgesprochen, dass auch verheiratete Männer die Priesterweihe erhalten können. Zu den Verfassern des Briefes, der der F.A.Z. vorliegt, gehören Bundestagspräsident Lammert und Bildungsministerin Schavan.
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Die Kirche braucht Erneuerung von innen


Botschafter Dr. Christian Prosl in einem Gastkommentar in der Zeitung "Die Presse":

Missbrauchsfälle, Aversion gegen Institutionen: Warum zigtausende Gläubige aus der Kirche ausgetreten sind und was dagegen zu tun ist.

...„Die Kirche“, der wir als Katholiken alle angehören, ist mit den Verbrechen von Amtsträgern und Autoritätspersonen gedemütigt. In ihrer 2000-jährigen Geschichte hat sie mehr als einmal versagt – durch zu feste Bindung an die Mächtigen, durch Gier nach Besitz, durch Anmaßung ihrer Führer, durch Missbrauch ihres Interpretationsmonopols und ihrer Stellung. Päpste und Bischöfe haben gehurt, Kleriker ließen es sich auf Kosten des Volkes gut gehen. Ein Sittenbild, kein Vorbild.

Aber es hat auch andere Menschen in der Kirche gegeben: Franz von Assisi hat vor etwa 800 Jahren seinen Besitz zugunsten der Armen verkauft, seine Nachfolger sind bis heute im Dienste der Armen tätig. Ignatius von Loyola hat sich im 16. Jahrhundert dem Papst für die Ausbreitung des Glaubens zur Verfügung gestellt, seine Nachfolger tun dies heute wie damals.....

Zum gesamten Kommentar>>

Freitag, 21. Januar 2011

Über die Macht

Der Urvater der "Small is beautiful Bewegung", der österreichische Wissenschaftler und Philosoph Leopold Kohr sagt:

"Macht, die keine Gegenmacht zu fürchten hat, wird immer missbraucht."


Kohr erhielt 1983 den „Alternativen Nobelpreis“.
Mehr über Leopold Kohr >>

"Wenn es dem Esel gut geht..."


Der "Fall Gizella Vörös - Dr. Erich Seifner" - ausgelöst während der Abschlusskonferenz der kanonischen Visitation des Dekanates in Pinkafeld am 10. Mai 2010 - wurde auf diesem Blog am 2. Dez. 2010 von P. Alfons Jestl veröffentlicht. Stadtpfarrer Dr. Seifner versuchte am 8. Jänner, einiges ins rechte Licht zu stellen. Nun antwortet Gizella Vörös auf dessen Stellungnahme.

Zum Streitpunkt „Eselspriester, die der Bischof unterstützen würde“ versus „Leider ist manchen Leuten ein Esel als Priester lieber als gar keiner“ schreibt sie:

In erster Linie ging es aber um scharfe Angriffe gegen Bischof Iby, der nach der Ansicht von Dr. Seifner Missstände unter den Priester zuließ und nichts dagegen unternahm. Also unabhängig davon, welche Version stimmt: einerseits wurden die Leute – die Laien – stark abgewertet und als dumm hingestellt, andererseits alle Schuld dem Bischof zugeschoben. Auf jeden Fall warf der damalige Auftritt Dr. Seifners bereits den Schatten seines baldigen Aufstiegs voraus.

Den gesamten Beitrag von Vörös finden Sie hier>>

Donnerstag, 20. Januar 2011

Geistlicher Assistent der Caritas - nächste Umbesetzung?

Dem Vernehmen nach soll Propstpfarrer Martin Korpitsch, seit 16 Jahren als Geistlicher Assistent der Caritas Burgenland tätig, von dieser Funktion enthoben werden.

Über die genaueren Gründe bzw. eine eventuelle Bevorzugung von "Vertrauensleuten" oder über einen Nachfolger könnte ich momentan nur spekulieren.

Aber da der Bischof in Rom weilt, weiß niemand nichts.

Bischof Zsifkovics und Ordinariatskanzler vertiefen Kontakte zur Kurie

Kathpress am 19.01.2011
Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch die Ordinariatskanzler der österreichischen Diözesen begrüßt. Nach der Generalaudienz in der Nervi-Halle unterhielt sich der Papst mit dem Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics, der die Leiter der kirchlichen Verwaltungen auf diözesaner Ebene begleitete.
Rund 20 Mitglieder der kirchlichen Verwaltung halten sich seit Montag zu ihrer Frühjahrskonferenz in Rom auf. Bis Freitag sind Besuche mehrerer Kongregationen und päpstlicher Räte vorgesehen.

Communio zwischen Diözesen und Rom stärken

Die diesjährige Konferenz der Ordinariatskanzler stehe ganz "im Zeichen der communio mit der Römischen Kurie", betonte Bischof Zsifkovics nach der Papstaudienz im Gespräch mit "Kathpress". Ziel des Besuchs der Kanzler und Vizekanzler der österreichischen Diözesen in Rom sei es, "bestehende Kontakte mit Kurienmitarbeitern zu vertiefen und neue zu knüpfen".

Die Delegation nahm auch an der Papstaudienz teil.

Radio Vatikan
Papst: „Leider noch weit entfernt von eucharistischer Gemeinschaft“

Die christlichen Kirchen sind „noch weit entfernt“ von der Abendmahlsgemeinschaft. Das meinte Papst Benedikt XVI. an diesem Mittwoch. Bei seiner Generalaudienz im Vatikan sagte er:

„In besonderer Weise drückt sich das Leben der Kirche im Brechen des Brotes, der Feier der heiligen Eucharistie aus, in der Christus mit Leib und Blut gegenwärtig wird. Die Eucharistie ist Ausdruck der vollen Gemeinschaft mit Christus und der Gläubigen untereinander. Aus diesem Wort der Apostelgeschichte dürfen wir wohl schließen, dass schon damals die tägliche Eucharistie zum Leben der Christen gehörte. Leider sind wir von dieser Einheit, um die Christus doch gebetet hat, noch weit entfernt.“


Zenit, 19. Januar 2011
Glaube der Apostel als Fundament der Einheit
Beginn der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen

Papst Benedikt XVI. hat seine Katechese bei der Generalaudienz der Einheit der Christen gewidmet. Das Leitwort der einwöchigen Gebetswoche, die gestern begonnen hat, lautet: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten" (Apg 2, 42).

Mittwoch, 19. Januar 2011

Neuer Kirchlicher Standesausweis ohne Gremien




















Nach Hinweisen aus dem Bischöflichen Ordinariat erlaube ich mir ausnahmsweise, den Blogeintrag "Neuer Kirchlicher Standesausweis - Byzantinischer Hochglanz mit Leerseite" nun in überarbeiteter Form neu zu veröffentlichen.

Der "Kirchliche Standesausweis der Diözese Eisenstadt" oder Schematismus ist ein "who is who"-Nachschlagewerk der katholischen Kirche des Burgenlandes und ausnahmslos für kirchliche Stellen und Verantwortungsträger gedacht. Er ist für die Diözese obligatorisch und wird alle 5 Jahre herausgegeben.

Der aktuelle Standesausweis wurde bereits 2007 vom damaligen Diözesanbischof Dr. Paul Iby im Hinblick auf das Diözesanjubiläum in aufwändigerer Form mit vielen Fotos zur Dokumentation genehmigt.

Durch die Eigenleistungen beträgt der Herstellungspreis nur ca. € 10,50/Stück.

Umfang (493 Seiten), ausführliche Darstellungen des Papstes, des Kardinalskollegiums, der Kirchenhierarchie Österreichs und der Nachbarländer sowie die unzähligen Farbfotos auf Hochglanzpapier haben jedoch meine Aufmerksamkeit nicht so auf sich gelenkt wie die Seite 142 - hier abgebildet:



Das derart umfangreiche Werk begnügt sich damit, die Seite über die Diözesanen Räte, Kommissionen und Gremien einfach leer zu belassen und findet dafür nur diese Worte: "Die Gremien sind zum Teil mit Eintritt der Sedisvakanz erloschen und werden neu bestellt."

Wie man weiß, ist die Sedisvakanz aber seit 25. September 2010 beendet und der Bischöfliche Stuhl besetzt, wie die diözesane Homepage seither auch verkündet.

Das gern gebrauchte Argument, dass die Zeit seit der Besitzergreifung der Diözese durch Bischof Zsifkovics für die Ernennung und Bestellung der Gremien noch zu kurz sei, ist wirklich nicht glaubwürdig. Vielmehr scheint dahinter eine bestimmte Absicht zu stecken, die offensichtlich sehr stark von Moderator Ivandic beeinflusst ist. Ich habe darüber bereits geschrieben (17. Jänner 2011, 07. Oktober 2010)

Denn wo man auch nachfragt und hinhört: es gibt nicht einmal kleine Anzeichen für die Entstehung von Priesterrat, Pastoralrat, Laienrat, Personalkommission, Ökumene-Kommission und anderen diözesanen Kommissionen und Gremien.

Was meint also die leere Seite?

  • Soll der Platz für alle Diözesangremien in den nächsten fünf Jahren dafür reichen?
  • Soll damit verdeutlicht werden, dass es jedem auffallen soll, dass es derzeit keine Gremien gibt?
  • Oder steht "leere Seite" einfach nur sinngemäß für etwas Ähnliches wie "Keine Antwort ist auch eine Antwort", also dass eine leere Seite auch eine, bzw. doch keine Seite ist?

Keine Diözesanen Räte, Kommissionen und Gremen - keine Kooperation - kein Miteinander - kein Dialog. Leider dominiert der autoritäre Alleingang, bestenfalls mit einer handvoll Vertrauensleuten. Dafür steht die leeren Seite 142.

Nachdem so viel von Räten und Gremien die Rede war, möchte ich die interessierten LeserInnen darüber informieren, was diesbezüglich vor dem Bischofswechsel alles bestanden hat. Das gibt einen guten Überblick über das, was fehlt.

Ich zitiere aus dem "Burgenländischen Jahrbuch 2010" Seite 143 - 147. Bei allen Gremien sind im Jahrbuch auch alle Namen der Mitglieder genannt, ich erwähne hier nur die Vorsitzenden:

E) DIÖZESANE RÄTE, KOMMISSIONEN UND GREMIEN

  1. Priesterrat und Dechantenkonferenz der Diözese Eisenstadt, Vorsitzender: Diözesanbischof Dr. Paul Iby
  2. Pastoralrat, Vorsitzender: Diözesanbischof Dr. Paul Iby
  3. Diözesaner Wirtschaftsrat, Vorsitzender: Diözesanbischof Dr. Paul Iby
  4. Diözesaner Laienrat, Vorsitzender: Prof. Harald Mandl MAS
  5. Diözesane Personalkommission, Vorsitzender: Diözesanbischof Dr. Paul Iby
  6. Diözesankommission für die Heilige Liturgie, Vorsitzender: Diözesanbischof Dr. Paul Iby
  7. Liturgische Kommission für kroatische Belange, Vorsitzender: Msgr. WKR Mag. Dr. Ägidius Zsifkovics
  8. Diözesankommission für Kirchenmusik, Vorsitzender: Kan. Msgr. GR Franz Graf
  9. Diözesankommission für kirchliche Kunst, Vorsitzender: Kan. EKR Mag. Gottfried Pinter
  10. Diözesane Frauenkommission, Vorsitzende: Gabriela Zarits
  11. Ökumene-Kommission der Diözese, Vorsitzender Kan. Prälat GR Dr. Johannes Kohl
  12. Ökumenischer Arbeitskreis, Vorsitzender: Kan. Prälat WKR Johann Haider
  13. Medienkommission der Diözese, Vorsitzender: Mag. (FH) Walter Fikisz
  14. Vermittlungskommission der Diözese Eisenstadt, Vorsitzender: Mag. Gerhard Grosinger
  15. Arbeitsgemeinschaft der kroatischen Seelsorger der Diözese Eisenstadt, Vorsitzender: Diözesanbischof Dr. Paul Iby
  16. Arbeitskreis "Christ in Gesellschaft", Vorsitzender: Mag. Dr. Markus Glatz-Schmallegger

Dienstag, 18. Januar 2011

Gebetswoche für die Einheit der Christen

Vom 18. bis 25. Jänner 2011 wird die "Gebetswoche für die Einheit der Christen unter dem Motto "Zusammen glauben, feiern, beten" begangen.

Die Gebetswoche 2011 wurde von palästinensischen Christen vorbereitet. Sie wählten als Thema Apg 2,42: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten”.

Dieses Thema ist ein Ruf zurück zu den Ursprüngen der ersten Kirche in Jerusalem. Es ist ein Ruf nach Begeisterung und Erneuerung, eine Rückkehr zu den unverzichtbaren Bestandteilen des Glaubens. Es ist eine Aufforderung, sich an die Zeit zu erinnern, als die Kirche noch eine Einheit war.

Apg 2,42 bekennt vier Kennzeichen der ersten christlichen Gemeinde, die für jede christliche Gemeinde und Kirche unverzichtbar sind: Das Festhalten an der Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, das Brechen des Brotes (Eucharistie) und das Gebet.

Die Christen im Heiligen Land möchten diese vier grundlegenden Elemente in den Vordergrund stellen, wenn sie für die Einheit der Kirche überall auf der Welt beten. Sie laden ihre Schwestern und Brüder dazu ein, sich ihnen in diesem Gebet ebenso anzuschließen, wie im Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Wohlstand für alle Menschen des Heiligen Landes.

TV-Doku: Vatikan schützte pädophile Priester

Der Vatikan soll sich laut einer neuen Dokumentation in den 1990er Jahren direkt in Untersuchungen der Irischen Bischofskonferenz zu Missbrauchsfällen eingeschaltet und Anzeigen gegen pädophile Priester verhindert haben, meldet Kathpress.

Katholische Reformbewegungen schreiben an Papst Benedikt

Am 27.11.2010 haben sich die katholischen Reformbewegungen "Plattform Wir sind Kirche", "Priester ohne Amt", "Pfarrerinitiative" und "Laieninitiative" in einer Enquete mit der Frage der jetzigen Form Bischofsernennungen beschäftigt. Ich habe darüber auch auf diesem Blog berichtet.



Die Laieninitiative teilte heute Papst Benedikt im Auftrag der erwähnten Reformbewegungen eine auf der Enquete gefasste Entschließung mit. Weiter zum Text>>

Die Reformbewegungen verlangen die Wiedereinführung ortskirchlicher Mitentscheidung bei Bischofsernennungen.

  1. "Das jetzige System der Bischofsbestellungspraxis in der Lateinischen Kirche kann man als eine Fehlentwicklung bezeichnen, weil sie weder auf biblischen Grundlagen, noch auf der historischen Praxis der Kirchengeschichte beruht. Sie geht auch nicht konform mit der Communio Ekklesiologie des II. Vatikanums." (Univ. Doz. Hartmann)

  2. Papst Leo I. sagte: "Wer allen vorstehen soll, muss auch von allen gewählt werden"

Presseaussendung der Laieninitiative vom 18.01.2011:

Bischofsernennungen – ein Grundsatzproblem von höchster Aktualität!

Die vier Reformbewegungen in der Katholischen Kirche Österreichs sind als Ergebnis ihrer gemeinsamen wissenschaftlichen Enquete vom November zur Überzeugung gekommen, dass Bischofsernennungen ohne ausreichende Mitwirkung des Klerus und des Kirchenvolks nicht zulässig sind. Wie beschlossen und angekündigt, wurde die dazu gefasste Entschließung (1. Beilage) heute dem Papst mit einem Begleitbrief übermittelt (2. Beilage).

Kann sich Benedikt weiter verschweigen?

Alle Reformkräfte im In- und Ausland haben bisher erfahren müssen, dass solche Vorbringen vom Vatikan einfach ignoriert werden – aus welchen Gründen auch immer, die allesamt unverständlich erscheinen. Im vorliegenden Fall wird allerdings eine wichtige Frage aufgeworfen, zu der sich Josef Ratzinger deutlich geäußert und dies auch später bekräftigt hat:

"Die Tatsache, dass bis weit ins Mittelalter hinein sich die einzelnen Gemeinden ihre Vorsteher selbst gewählt haben, war für sie der selbstverständliche Ausdruck des Subjektcharakters der einzelnen Ekklesien“ […] (S. 38f)
Amtsbestellungen sollten diesem Prinzip gemäß nie nur von oben erfolgen – hier muss an der seit dem 13. Jahrhundert zum Sieg kommenden Entwicklung entschieden Kritik geübt werden.
Anderseits kann Amtsbestellung nie nur von unten, von der Einzelgemeinde her erfolgen, sondern muss immer auch den gesamtkirchlichen Faktor in sich bergen“ (S. 41).

Aus: Joseph Ratzinger / Hans Maier, Demokratie in der Kirche. Möglichkeiten und Grenzen. Topos-Taschenbuch 348, Limburg-Kevelaer 2005. Das Buch ist zuerst 1970 erschienen.

Ratzinger schreibt 30 Jahre später:
„Als ich auf Einladung des Verlegers meinen fast vergessenen Beitrag über die Demokratisierung der Kirche wieder aus dem Bücherregal hervorgezogen und von neuem gelesen hatte, musste ich zu meiner Überraschung feststellen, dass ich alles damals Gesagte auch heute noch vertrete“ (S.78).“

Amtsbestellungen „nur von oben“ sind nicht rechtens.

Sollte der Papst auch in diesem Fall nicht reagieren, kann dies gemäß dem alten Rechtsgrundsatz „qui tacet consentire videtur“ nur so gedeutet werden, dass er den Vorhaltungen der Reformbewegungen in konsequenter Beibehaltung seines bisherigen Standpunktes zustimmt. Demnach wären die zu einem wesentlichen Teil missglückten Bischofsernennungen der jüngeren Vergangenheit nicht nur „entschieden“ zu kritisieren, sondern dürften sich auch nie wieder in dieser Form wiederholen!

Geschähe dies dennoch, würde sich der Papst ganz offensichtlich ins Unrecht setzen. Das könnte nicht folgenlos bleiben. Es würde sich damit – wie im Schreiben an den Papst ausdrücklich betont – die Frage erheben, ob zentralistisch erfolgte Bischofsernennungen überhaupt gültig und für das Kirchenvolk verbindlich sind.

Das Problem ist gerade in Österreich von höchster Aktualität. Steht doch die Besetzung wichtiger Diözesen bevor!

www.laieninitiative.at

Montag, 17. Januar 2011

Säumige Diözesanleitung - keine Beratung, kein Dialog

Derzeit gibt es in der Diözese Eisenstadt keinen Priesterrat, Pastoralrat, Wirtschaftsrat und Laienrat.
Diese diözesanen Räte unterstützen den Diözesanbischof bei seiner Arbeit und sind zum Teil kirchenrechtlich verpflichtend vorgeschrieben. Sie dienen auch der Beratung und des Dialogs. Die Mitglieder dieser Räte sind bisher immer im "Jahrbuch der Diözese Eisenstadt" veröffentlicht worden. Im neuen Jahrbuch 2011 scheint diesbezüglich nichts auf.

Es stellt sich die Frage, warum diese Organe noch immer nicht aktiviert wurden?
Oder werden diese Gremien gar aufgrund der Doktorarbeit von Moderator Ivandic ersatzlos gestrichen?


Sonntag, 16. Januar 2011

Die Kunst der kleinen Schritte

Herr, lehre mich die Kunst der kleinen Schritte

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag. Lass mich immer wieder herausfinden aus dem täglichen Trott, aus dem ermüdenden Einerlei und Vielerlei, aus Angst und Langeweile. Zu mir selbst möchte ich finden. Hilf mir dazu!

Bewahre mich vor der kindischen Angst, ich könnte das Leben versäumen und "leben", ohne das Leben zu erleben. - Es kommt ja nicht darauf an, dass ich erfolgreich, sondern daß ich gesegnet bin.

Gib mir nicht, was ich wünsche, sondern was ich brauche. Das weißt Du allein. Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft.

Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die Wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, wodurch wir wachsen und reifen, um unser Leben zu meistern.

Schenke mir eine Portion Misstrauen gegen mich selbst; keiner kann die Hand für sich ins Feuer legen. Erinnere mich in kritischen Minuten daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.

Ich möchte mich nicht beeinflussen lassen vom Gerede der Leute, Alles sehen und Vieles übersehen. Gib mir die Kraft dazu.

Halte mich fest, wenn ich versucht bin, bitter oder verbittert zu werden. Schicke mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat, die Wahrheit in Liebe zu sagen. Gib mir die tägliche Wachsamkeit für Leib und Seele, eine Geste deiner Barmherzigkeit, ein gutes Wort, ein freundliches Echo und wenigstens hin und wieder das Erlebnis, dass man noch gebraucht wird.

Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man etwas tut.

Gib, dass ich warten kann. Ich möchte dich immer aussprechen lassen. Das Wichtigste im Leben sagt man nicht sich selbst, es wird einem gesagt.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens gewachsen bin. Ich möchte trösten, aber bewahre mich vor der Gefahr, dass ich andere nur vertröste. - Ich möchte das nötige Stehvermögen haben, um Haltlosen Kraft zu bieten.

Herr, gib mir die Kraft, die Kunst der kleinen Schritte für heute zu lernen.

Antoine de Saint-Exupéry, in "Die Stadt in der Wüste"

Die neue Familienpastoral der Kirche

"Wir müssen die Biographie des Gegenübers respektieren"

Alleinerziehende, Geschiedene, unverheiratete Paare: Wie geht Kirche mit Familie heute um? Ein Kommentar zum Familiensonntag am 16. Januar von Georg Kardinal Sterzinsky

Samstag, 15. Januar 2011

Seifner: „Initiativ – einladend“ Kirche sein

Anlässlich der hohen Kirchenaustrittszahlen hat Schulamtsdirektor Dr. Erich Seifner in einer Aussendung die Situation zu deuten und ein Gegenkonzept vorzustellen versucht. Dabei will er nicht "Symptome behandeln, sondern das Übel an der Wurzel (A.d.V: radix, "radikal", wesentlich) angehen". In seiner Art gibt er sich missionarisch-kämpferisch gegen die Missstände, er spricht aber auch von Lieben und Teilen.

Der Text soll hier einer breiteren Öffentlichkeit zur Diskussion zur Verfügung stehen.

„Initiativ – einladend“ Kirche sein

Im Jahr 2010 sind über 80 000 Menschen in Österreich aus der katholischen Kirche ausgetreten. Auslöser für diese hohe Zahl waren zweifelsohne die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle. Aber die Ursachen dafür liegen tiefer und sind auch sehr komplex.


Eine Ursache möchte ich eigens hervorheben: den schon lange in unserer Gesellschaft stattfindenden Säkularisierungsprozess und die damit einhergehende Entfremdung von Glaube und Kirche.


„Das Heidentum sitzt heute in der Kirche selbst“, konstatierte bereits im Jahre 1958 Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI., in einem Artikel der Zeitschrift „Hochland“.


Diese Entwicklung, die sich bereits in der Mitte des vorigen Jahrhunderts abzuzeichnen begann, ist heutzutage in weiten Teilen der westlichen Welt eine Realität, mit der wir tagtäglich konfrontiert sind: Glaube und Kirche haben für viele unserer Zeitgenossen, obwohl sie getauft und gefirmt sind, keinen Wert und keine Bedeutung. Sie leben so, als ob es Gott nicht gäbe.


Oft ist es dann nur eine „Kleinigkeit“, dass Menschen, die ohnehin am kirchlichen Leben schon lange nicht mehr teilnehmen oder die in den christlichen Glauben gar nicht richtig eingeführt wurden, die Kirche verlassen. Erst recht löst ein Skandal wie der Kindesmissbrauch eine hohe Kirchenaustrittswelle aus.


Was dagegen tun? – Die Antwort kann nur lauten: Nicht Symptome behandeln, sondern das Übel an der Wurzel anpacken! Und das bedeutet laut übereinstimmender Auskunft der letzten Päpste von Paul VI. bis zu Benedikt XVI.: Neuevangelisierung beziehungsweise „initiativ - einladend“ Kirche sein.


„Initiativ – einladend“ Kirche sein heißt aber nicht, nach Art mancher Sektenmitglieder „aufdringlich“ sein, von Haus zu Haus gehen und dort ungefragt und ungebeten über unseren Glauben reden oder an belebten Plätzen christliche Zeitschriften und Bücher an die Vorübergehenden verteilen.


„Initiativ – einladend“ Kirche sein bedeutet auch nicht, zusätzliche kirchliche Aktivitäten zu entfalten oder diverse pastorale Papiere und Konzepte zu erarbeiten, sondern Konzentration auf unsere ureigenste Aufgabe und Sendung als Kirche, nämlich: den Menschen unserer Zeit durch Wort und Tat glaubhaft das Evangelium zu verkünden, die froh- und freimachende Botschaft, dass da ein Gott ist, der uns, die Menschen, seine Geschöpfe, unendlich liebt und der von uns nichts anderes will als, dass auch wir ihn und einander lieben.


Zum „initiativ – einladend“ Kirche sein gehört aber auch, dass unsere Pfarrgemeinden solche Orte sind und es immer mehr werden, wo junge und erwachsene Menschen glauben lernen, den Glauben auch einüben und leben können.


Die Frage ist nur: Wollen wir das überhaupt, „initiativ – einladend“ Kirche sein, unseren christlichen Glauben weitergeben und Nichtchristen für ihn gewinnen?


Diese Frage zu stellen, scheint mir vor allem aus zwei Gründen wichtig:

1. weil heutzutage selbst viele regelmäßige Gottesdienstteilnehmer mitunter meinen und sagen: „Wir sind ohnehin gläubig! Das muss doch genügen!“

2. weil meines Erachtens die von manchen in der Kirche heute sehr lautstark geforderten strukturellen Veränderungen und kirchlichen Reformen a l l e i n wie z. B. Abschaffung des Zölibats und mehr Mitbestimmung bei Bischofsernennungen sicher nicht genügen, dass Menschen als überzeugte Christen leben.


Einen Satz von Kardinal Walter Kasper möchte ich in diesem Zusammenhang zu bedenken geben. Er kann uns helfen, auf die vorhin gestellte Frage die richtige Antwort zu finden und zu geben: „Wer seinen Glauben liebt, der will davon auch Zeugnis geben und ihn anderen weitergeben und andere daran Anteil nehmen lassen.“

Dr. Erich Seifner,

Direktor des Schulamtes und Stadtpfarrer von Oberwart

Freitag, 14. Januar 2011

Vom ersten Tag der Pastoraltagung 2011

KathPress
Zulehner: "Nicht Kirche stirbt, wohl aber ihre vertraute Gestalt"

Pastoraltheologe wies bei Salzburger Pastoraltagung auf "epochale Transformationskrise" der Kirche hin - Besonderes Augenmerk auf "Fernstehende" legen: "Kirchliche Kräfte dürften nicht nur auf Kernbereich konzentriert werden, denn Gott ist auch ein Gott der Atheisierenden und Skeptiker"

Freiwilliges Engagement ist 16 Milliarden wert
Österreich liegt beim ehrenamtlichen Engagement im europäischen Spitzenfeld. Das belegte Reinhold Popp, Professor am Salzburger Zentrum für Zukunftsfragen, bei der Pastoraltagung am Freitag mit folgenden Zahlen: Drei Millionen Österreicher, die sich freiwillig unentgeltlich, öffentlich und im Dienst für andere engagieren, erbringen ein jährliches Arbeitsvolumen von rund 720 Millionen Stunden. "Das entspricht der Arbeitsleistung von rund 400.000 Vollzeitbeschäftigten bzw. Lohnkosten von ca. 16 Milliarden Euro." Im EU-Durchschnitt beträgt der Anteil der ehrenamtlich Engagierten über 15 Jahren 23 Prozent, in Österreich dagegen 44 Prozent.

Popp zum Persönlichkeitsprofil des typischen Ehrenamtlichen: Er/sie kommt aus der Mittel- bzw. Oberschicht, ist gut gebildet, gut eingebunden in ein soziales Netz und wohnt nicht in Wien oder Salzburg - den Schlusslichtern beim freiwilligen Engagement. Die meisten (517.000) Österreicher engagieren sich im Bereich Kunst-Kultur-Unterhaltung, gefolgt vom Sport (475.000) und dem Bereich Kirche/Religion (430.000).

KathPress, 13.1.2011
"Ehrenamt heißt, Menschen nicht im Stich zu lassen"

Kärntner Bischof Schwarz erinnert bei Pastoraltagung in Salzburg an Papstwort, Ehrenamt sei "Weitergabe der Liebe, die wir selbst erfahren haben" -
Salzburger Theologe Halbmayr: Ehrenamt "keine Antwort auf Priesterrmangel"

Diözese Gurk, 13.1.2011
Pastoraltagung 2011 zum Thema Ehrenamt - Rückblick erster Tag

Die diesjährige Pastoraltagung in Salzburg lenkt ihren Blick auf das Ehrenamt

P. Alfons Jestl informiert den Dekanatsrat

P. Alfons Jestl informiert den Dekanatsrat darüber, dass er bereits vor fast einem halben Jahr das Dechantenamt zur Verfügung gestellt hat.
Auch auf diesem Blog wurde darauf hingewiesen und das Ordinariat gebeten, für eine Lösung der Situation zu sorgen.
Leider bleiben Bischöfliches Sekretariat wie auch Bischöfliches Ordinariat weiterhin säumig.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Für Gottes Lohn?! Ehrenamt und Kirche

Ich bin derzeit in Salzburg bei der Österreichischen Pastoraltagung 2011. Bei meiner Ankunft im Bildungshaus St. Virgil habe ich mich sehr gefreut, als ich unseren Bischof Paul gesehen habe. Iby nimmt wie zahlreiche andere Bischöfe an dieser wichtigsten jährlich stattfindenden pastoralen Tagung in Österreich teil. Er wird auch die Eucharistiefeier der Tagung am Freitag, 14. Jänner leiten.

Leider fehlt Bischof Zsifkovics. Gerade als neuer Bischof sollte es für ihn eine Selbstverständlichkeit sein, an diesem pastoralen Kongress anwesend zu sein.

Die heurige Tagung behandelt das Thema "Für Gottes Lohn?! - Ehrenamt und Kirche". Über 400 TeilnehmerInnen beschäftigen sich bis Samstag, 14.01.2011 mit diesem wichtigen Thema. Vorträge, Gespräche und Diskussionen sowie liturgische Feiern prägen das vielfältige und bunte Programm. (Programmfolder hier)

"Wir machen was wir wollen - Freiwillige in der Kirche" Mit dieser pointierten Aussage eröffnete der geschäftsführende Vorsitzende des Österreichischen Pastoralinstitutes, Prälat Balthasar Sieberer die Tagung. "Wir machen was wir wollen - Freiwillige in der Kirche" war das Motto einer Dankfeier für ehrenamtliche MitarbeiterInnen der Erzdiözese Salzburg im Jahr 2001.

Das Eingangslied beim Gottesdienst zur Eröffnung der Pastoraltagung hat mich sehr berührt:

  1. Suchen und fragen, hoffen und sehn, miteinander glauben und sich verstehn,
    lachen, sich öffnen, tanzen, befrein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.
    So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.
  2. Klagende hören, Trauernde sehn, aneinander glauben und sich verstehn,
    auf unsre Armut lässt Gott sich ein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.
    So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.
  3. Planen und bauen, Neuland begehn, füreinander glauben und sich verstehen,
    leben für viele, Brot sein und Wein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.
    So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

"Wir machen was wir wollen - Freiwillige in der Kirche" - darüber lohnt es sich nachzudenken.


Bischof Zsifkovics: Lebensgestaltende Kraft des Glaubens hat abgenommen

„Christen leben anders, weil sie glauben“

Die lebensgestaltende Kraft des Glaubens hat abgenommen, sagt der neue Bischof von Eisenstadt (Burgenland) und langjährige Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Ägidius Zsifkovics, im „Tagespost“-Interview. Von Stephan Baier

Ausschnitt:
Worin sehen Sie die Aufgabe der Laien in der Neuevangelisierung?

Die Aufgabe der Laien und der Kleriker ist dieselbe: den Glauben leben! Die Neuevangelisierung hängt nicht nur von den Priestern oder gar dem Bischof ab, sondern davon, ob er im Alltag gelebt wird. Daher ist der Beitrag der Laien im tiefsten Sinn des Wortes „fundamental“. Der Glaube muss für uns alle das Fundament unseres Lebens darstellen. Auf dem Fundament des Glaubens Leben zu gestalten, dem Leben Richtung zu geben. Von daher ist die Aufgabe der Laien gleich groß, wenn nicht sogar größer als jene der Priester. Allen gemeinsam ist, dass der Glaube gelebt werden will.

Hiaz kainst di aus!?

Mittwoch, 12. Januar 2011

"Die Weltkirche" - eine durchsichtige Ausrede


Presseaussendung der Laieninitiative (Obmann Herbert Kohlmaier) zu den gestrigen Aussagen von Kardinal Schönborn im ORF (ZIB 2):

„Die Weltkirche“ – eine durchsichtige Ausrede
Laieninitiative: Bischöfe sind mitschuldig!

Auf unterlassene Reformen als Ursache der Kirchenkrise angesprochen, hat Kardinal Schönborn gestern im ORF neuerlich erklärt, ohne die „Weltkirche“ ginge da nichts. Das ist nach Auffassung der Laieninitiative nichts anderes als eine durchsichtige Ausrede!

Kardinal Schönborn ist ein Teil und ein Verantwortungsträger dieser Weltkirche. Würden sich jene Bischöfe, die Änderungen des Kirchenkurses für nötig halten – und solche gibt es nicht wenige – mit diesem Anliegen energisch an den Papst wenden, müsste dieser reagieren. Tun sie das angesichts der dramatischen Situation nicht, fehlt Ihnen dazu entweder der Mut oder sie bejahen in Wahrheit Benedikts verhängnisvolle Realitätsverweigerung. Beides wirft wahrlich kein gutes Licht auf sie!

Auch der Wiener Erzbischof verfolgt die Taktik vieler seiner Kollegen, mit gewundenen Erklärungen und Beschäftigungstherapie von der katastrophalen Situation abzulenken. Wenn man allerlei Überlegungen über nur unwesentliche Veränderungen anstellt oder gar Aktivitäten missionarischen Charakters in Gang setzt, verschließt man die Augen vor der Wirklichkeit.

Die Menschen laufen der Kirche davon, weil sie so ist, wie sie jetzt ist. Sie werden weder zurückkehren noch ist der Verlust an Gläubigen und Priestern zu stoppen, solange die Kirchenleitung auf allen ihren Ebenen jene tief greifenden Änderungen verweigert, die im Sinn des Aggiornamento, also der Verkündigung des Evangeliums im Licht unserer Zeit, längst überfällig sind!

Interview von Kardinal Schönborn im ORF (ZIB 2 vom 11.1.)

Kardinal Christoph Schönborn nimmt zu den aktuellen Kirchenaustrittszahlen des Jahr 2010 Stellung.

Mehr über die Laieninitiative auf http://www.laieninitiative.at/

Werden unsere Bischöfe nun endlich verantwortlich reagieren?

Angesichts der dramatischen Austrittszahlen in Österreich kann die Kirchenleitung der katholischen Kirche nicht zur Tagesordnung übergehen. Unsere Bischöfe als Führungskräfte sind jetzt gefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Die Botschaft Jesu und die Menschen müssen im Vordergrund stehen und nicht Gesetzlichkeit, Kirchenrecht und die Zentrale in Rom.

Der Tübinger Theologe Bernd Jochen Hilberath sagt in einem Interview mit der Herder Korrespondenz 1/2011 sehr treffend: "Die Gläubigen haben im Allgemeinen ja nichts gegen ihre Bischöfe; aber sie wünschen sich, dass diese Bischöfe ihre Anliegen, ihre positiven wie negativen Erfahrungen kennen und das eine oder andere auch gegenüber der römischen Zentrale zur Sprache bringen."

Die Menschen, die die Kirche verlassen haben, verdienen in ihrer Entscheidung Respekt und Dank für die langjährige Treue zur Kirche. Ebenso wie alle, die in der Kirche bleiben.

Der Reichtum der Kirche sind die frohe Botschaft Jesu Christi und ihre Menschen.

Offene Fragen und Probleme gehören endlich gelöst – es ist jetzt wirklich Zeit für Reformen. Einige Punkte:

  • Umgang der Kirche mit Scheidung, Wiederverheiratung und Partnerschaf

  • Freie Wahl der Lebensform für Priester - Abschaffung der verpflichtenden Ehelosigkeit

  • Umgang mit und Rede über Sexualität

  • Stellung der Frau in der Kirche - Zugang zu Ämtern

  • Mitbestimmung und Mitverantwortung des Kirchenvolkes

  • Als Kirche authentisch handeln - der Geist des Evangeliums Jesu Christi muss sich in der Organisation abbilden

  • Einschränkung der klerikalen Macht

  • Verankerung des synodalen Prinzips der Urkirche auf allen Ebenen der Kirche

  • Verwirklichung einer einladenden Kirche durch Begegnung und DIALOG und durch die Nähe zu den Menschen.
Eine zentrale Botschaft Jesu lautet: „Fürchtet euch nicht!“ In diesem Sinne sollten wir mit Mut die neuen Herausforderungen annehmen, Platz für Veränderungen schaffen und den Dialog und das Gespräch mit den Menschen und der Welt suchen. Auch im Burgenland.

Bischof Schwarz auf ORF-Kärnten zu der Kirchenaustrittswelle:
Schwarz sieht zahlreiche Themen

Die Entwicklung zwinge die Kirche zum Umdenken, sagt Bischof Alois Schwarz. Offene Themenfelder müssten jetzt dringen in Angriff genommen und kirchenintern aber vor allem auch mit den Menschen diskutiert werden.

"Ich meine, dass die Rolle der Frau in der Kirche nach wie vor ein Thema ist. Auch persönliche Leidensgeschichten brauchen durchaus Aufmerksamkeit", erklärte Schwarz.

"Auch die Beziehungsgefüge der Menschen in Partnerschaften mit den Themen Liebe, Sex und Partnerschaft brauchen Aufmerksamkeit und Barmherzigkeit. Genauso die Frage, wie man Geschiedenen und Wiederverheirateten Barmherzigkeit zukommen lassen können", so Schwarz.

Dienstag, 11. Januar 2011

Kirchenaustritte in der Diözese Eisenstadt um 90,8 % gestiegen

Während österreichweit die Austritte um 64 % zunahmen, erreichte die Steigerungsrate im Burgenland mit 90,8 % einen Spitzenwert. Damit rangiert die Diözese Eisenstadt beim Anstieg der Austritte auf Platz Zwei hinter Gurk-Klagenfurt.

Dass Gläubige nicht zittern, wird das Vertrauen der von der Kirche enttäuschten Menschen nicht ohne Weiteres zurück gewinnen. Es müssen wohl auch endlich Dialogbereitschaft und Reformwille erfahrbar werden.

Das Büro für Kommunikation und Information der Diözese Eisenstadt machte am 11. Jänner 2011 folgende Medieninformation:

Kirchenstatistik 2010

Mit Stichtag 1.1.2011 zählte die katholische Kirche im Burgenland 204.375 Katholikinnen und Katholiken. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung (284.922 lt. Statistik Austria 4. Quartal 2010) liegt somit bei 71,73 %.
(1.1.2010: 207.232 von 283.965 Gesamtbevölkerung)

Im Jahr 2010 traten in der Diözese Eisenstadt 1.971 Personen aus, das sind 0,95 % der burgenländischen KatholikInnen. 2009 waren es 1.033 Personen.

69 Personen traten wieder in die Kirche ein (Reversionen: 59, Konversionen: 10). Im Vorjahr lag diese Zahl bei 11 Personen.

In der Diözese Eisenstadt wurden 2009 1.752 Personen getauft, 2.066 Personen gefirmt und 2.420 kirchliche Begräbnisse gehalten. Die genauen Zahlen für 2010 liegen noch nicht vor.

Krisenjahr 2010
Die Missbrauchskrise in der katholischen Kirche im Jahr 2010 hat vor allem im ersten Halbjahr zu einem massiven Anstieg an Kirchenaustritten geführt. So auch im Burgenland. 53 % aller Austritte sind in den Monaten März bis Juni erfolgt. Ab der zweiten Jahreshälfte ist eine Stagnation feststellbar.

Generalvikar Georg Lang bringt in einer ersten Stellungnahme seine Betroffenheit über den Verlust an Kirchenmitgliedern zum Ausdruck. „Es ist wie ein Weggehen aus der Familie. Ein jeder, der geht, wird vermisst. Doch die Tür ist nie zugeschlagen, sondern bleibt immer offen.“ Seinen besonderen Dank spricht er all den Menschen aus, „die gebliebenen sind, und auch in schweren und schwersten Zeiten der Kirche die Treue halten.“
„Wer glaubt, der zittert nicht.“ Diese Worte von Papst Johannes XXIII. sollen „Mut machen und Resignation hintanhalten“, so der Generalvikar. Die Kirche habe sich mit der Art und Weise, wie sie auf die Missbrauchsfälle reagiert hat, um Glaubwürdigkeit bemüht. Dieser Weg müsse in aller Entschiedenheit und auf allen Ebenen weitergegangen werden.

Weiterführend:

ORF-Burgenland:
Kirchenaustritte: Rekordhoch im Jahr 2010
Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche hat sich im Burgenland im Vorjahr gegenüber dem Jahr 2009 fast verdoppelt. Das Burgenland liegt damit deutlich über dem Österreich-Schnitt.


Ö1-Religion (mit dem Zulehner-Interview vom Morgenjournal)
Katholischer Kirche laufen die Schäfchen davon:
80.000 Austritte im Jahr 2010


Der Standard:
Rekordhoch: Kirchenaustritte stiegen 2010 um 64 Prozent auf 87.393 Personen

Die Presse:
Kirche: Mehr als 87.000 Katholiken sind 2010 ausgetreten
Das Bekanntwerden diverser Missbrauchsfälle hat zu einer Austrittswelle geführt. Der bisherige Rekord wurde um über 30.000 Austritte übertroffen.


kathpress:
Schönborn: Kirchenzugehörigkeit immer mehr freie Entscheidung
Kardinal im "Kathpress"-Gespräch zu den aktuellen Austrittszahlen
Kapellari: Entscheidungen respektieren, aber Hoffnung auf Wiedereintritt nicht aufgeben


"Wir sind Kirche":
Endlich Reformen einleiten statt jährlich Austritte beklagen
Für die regelmäßigen und im letzten Jahr besonders zahlreichen Kirchenaustritte trägt die Kirchenleitung die Verantwortung. „Wir sind Kirche“ begründet diese Feststellung damit, dass die Kirchenleitung bisher Reformen verhindert, den Dialog verweigert und Gewalt und sexuelle Übergriffe an Kindern in kirchlichen Einrichtungen vertuscht hat. Die Ausgetretenen haben dazu Stellung bezogen und sind eigenverantwortlich ihrem Gewissen gefolgt. Das ist zu achten und zu beachten.

religion.orf:
Zulehner zu Austritten: Kirche braucht mehr Menschennähe
Bis zu 44 Prozent jener Personen, deren Kirchenaustritt nicht länger als ein Jahr zurückliegt, halten „unter bestimmten Umständen“ einen Wiedereintritt für möglich. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Wiener Pastoraltheologen Prof. Paul Zulehner hervor.

Statistik der Katholischen Kirche in Österreich

Priestermangel: Rebellion in Salzburgs Kirchenbasis

Eine Initiative fordert die Abschaffung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester und die Weihe von Frauen zu Diakoninnen. Wenig Freude mit den Forderungen hat

...Die Laien verlangen nichts weniger als die Wahlfreiheit von Priestern zwischen Zölibat und Ehe, die Weihe von Frauen zu Diakoninnen, die Rückholung von Priestern ohne Amt in die Pastoralarbeit, die Anerkennung von bestehenden Beziehungen von Pfarrern und die stärkere Einbeziehung von Laien in die Seelsorgearbeit.

06.01.2011 | 18:23 | CLAUDIA LAGLER (Die Presse)

Montag, 10. Januar 2011

Drei (!) Millionen Euro für des "Bischofs neuen Palast"?

Dass Bischof Zsifkovics in größerem Maße seinen Amtssitz umbauen lässt, habe ich bereits am 28. Oktober 2010 unter dem Titel "Des Bischofs neuer Palast" geschrieben.

Nunmehr sickern erste Zahlen für diesen Umbau durch. Dem Vernehmen nach kostet der erste Teil des Projektes, der vor allem auch die privaten Räumlichkeiten des Bischofs betrifft, rund drei (!) Millionen Euro.

"Das kann ja wohl nicht wahr sein," denke ich mir und kann diese unfassbare Summe kaum glauben.

Kann es wirklich sein, dass:
  1. die ersten größeren Initiativen und Bemühungen von Bischof Zsifkovics seinem Amtssitz gelten?
  2. angesichts rasant steigender Kirchenaustritte so verschwenderisch mit dem Kirchenbeitrag umgegangen wird?
  3. ohne größere Rechtfertigung solche Ausgaben getätigt werden können?
  4. Prioritäten im bischöflichen Dienst gesetzt werden die den Eindruck vermitteln "Steine kommen vor den Menschen"?
  5. solche Vorgangsweise Ausdruck für eine dienende und arme Kirche im Geiste unseres Herrn Jesus Christus ist?

Fragen über Fragen.

Sonntag, 9. Januar 2011

Was sagen Worte?

Was sagen Worte,
Sätze,
Gespräche,
Bücher
über dich wirklich aus?

Wo bist du einzuordnen,
unendlicher Gott?
Wer will dich,
den Unbegrenzten,
be-greiflich machen?

Du bist weder
das Ergebnis von Schlussfolgerungen,
noch bist du
für den Suchenden unerreichbar.
Du bist
die ständige Herausforderung,
zu suchen,
zu finden,
zu beten,
zu lieben.

Martin Gutl, Ich bin bei dir,
Styria-Verlag, Graz 2001, 71.

Samstag, 8. Januar 2011

Seifner: "Leider ist manchen Leuten ein 'Esel' als Priester lieber als gar keiner"


Kanonikus, Schulamtsdirektor und Stadtpfarrer Mag. Dr. Erich Seifner schrieb am 4. Jänner eine Stellungnahme zum Gastbeitrag von Pfarrer P. Alfons Jestl ."Der Fall Gizella Vörös - Dr. Erich Seifner",
die an folgende Personen erging:
- Pfarrer P. Alfons Jestl
- Provinzial P. Lorenz Voith
- Diözesanbischof Dr. Ägidius Zsifkovics
- Bischof Dr. Paul Iby
- Kreisdechant Msgr. EKR Alois Luisser
- die Mitglieder der Diözesankommission der Diözese Eisenstadt

Freitag, 7. Januar 2011

Weihbischof Krätzl: "Kirche hat drei Mal Vertrauen verloren"

Interview mit Weihbischof Helmut Krätzl in den Salzburger Nachrichten:

Sexualmoral. Pillenverbot, wiederverheiratete Geschiedene und Missbrauchsfälle. Weihbischof Helmut Krätzl diagnostiziert einen dreifachen Vertrauensverlust und verlangt Reformen.

Josef Bruckmoser

Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl ist auch im Alter von 79 Jahren ein unermüdlicher Mahner. In zahlreichen Vorträgen und in seinen Büchern fordert Krätzl die längst überfälligen Reformen ein. Die SN sprachen mit dem Weihbischof über den Vertrauensverlust der Kirche und darüber, was ihm Hoffnung gibt.

Herr Weihbischof, die katholische Kirche hat im Jahr 2010 durch den Missbrauchsskandal einen schweren Vertrauensverlust erlitten. Wie nachhaltig ist der Schaden?

Krätzl:
Es ist durch diese Vorfälle tatsächlich zu einem schweren Vertrauensverlust bis in die innersten Kreise der Kirche hinein gekommen. Sogar die Kirchenaustritte haben erstmals das innerste Segment der katholischen Pfarrgemeinden erreicht. Nicht selten sind es erwachsene Kinder von Pfarrgemeinderäten, von kirchlich engagierten Eltern, die nicht mehr dazugehören wollen.

Besonders tiefgreifend war dieser Vertrauensverlust, weil erneut die Sexualmoral der Kirche am Pranger gestanden ist. Viele Gläubige haben sich daran gestoßen, dass ihnen die Kirche in Bezug auf die Ehe sehr rigide Vorschriften mache und von Verfehlungen im Klerus weggeschaut habe. Da hilft auch das sachlich richtige Argument wenig, dass die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche weniger als zwei Prozent aller Fälle ausmachen. Die Kirche wird in der Sexualmoral als streng erlebt und daher wird in dieser Frage auch ein besonders strenger Maßstab an sie angelegt.

In der Sexualmoral gab es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) mehrere Brüche.

Krätzl: Der erste Vertrauensverlust dieser Art zwischen Kirchenleitung und einem großen Teil der Gläubigen ist 1968 im Anschluss an die Enzyklika „Humanae vitae“ geschehen. Nach vielen sehr guten und tragenden Aussagen in diesem Schreiben von Papst Paul VI. blieb fast nur im Gedächtnis, dass alle direkt empfängnisverhütenden Mittel wie die Pille in sich schlecht seien. Damit begann zum ersten Mal das Vertrauen in eine päpstliche Lehre zu schwinden – auch wenn weltweit 30 Bischofskonferenzen, darunter die deutsche („Königsteiner Erklärung“) und die österreichische („Maria Troster Erklärung“) mildernde Stellungnahmen abgegeben hatten, die der persönlichen Gewissensentscheidung einen Raum gelassen haben.

Viele Gläubige und sogar Seelsorger tragen auch den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion nicht mit.

Krätzl:
Papst Johannes Paul II. hat eingeräumt, dass es wegen gemeinsamer Kinder Fälle geben könne, in denen wiederverheiratete Geschiedene sich nicht mehr trennen könnten. Zu den Sakramenten dürften sie aber nicht gehen, außer sie lebten enthaltsam.

Diese Entscheidung haben auch tiefgläubige katholische Ehepaare als untragbar angesehen. Das kirchliche Lehramt hat sich damit völlig von der Lebenswirklichkeit entfernt. Einige Pfarrer und Pfarrgemeinden folgen diesem rigorosen Verbot schon nicht mehr und gehen eigene Wege. Damit entsteht eine untragbare Spaltung zwischen der Kirchenleitung und dem Kirchenvolk.

Was kann diesem dreifachen Vertrauensverlust entgegengehalten werden: dem Pillenverbot von 1968, der Frage der wiederverheirateten Geschieden und den Missbrauchsfällen?

Krätzl:
Die katholische Kirche muss dringend die Entwicklung ihrer eigenen Theologie und der teils bereits geübten Praxis aufgreifen. Die unauflösliche Ehe steht außer Frage, aber es gibt sehr gute Vorschläge, wie die Kirche trotzdem konkreten Lebenssituationen gerecht werden kann. Etwa wenn in der neuen Beziehung Verpflichtungen durch gemeinsame Kinder entstanden sind und wenn die Trennung der ersten Ehe mit Achtsamkeit und Rücksicht auf alle Betroffenen aufgearbeitet wurde. Zu Recht wird auch immer die Nähe der römisch-katholischen Kirche zu den orthodoxen Kirchen betont. Dort wird zwar eine zweite oder dritte Eheschließung nicht mehr feierlich zelebriert wie die erste, aber die Brautleute bekommen den Segen der Kirche.

Zu den Missbrauchsfällen hat die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Kommission unter Waltraud Klasnic eine sehr gute Arbeit geleistet. Da sind andere gesellschaftliche Bereiche, die auch von dem Thema betroffen sind, nicht so weit. In den innerkirchlichen Fragen der Disziplin und der Moral wird aus Rom in naher Zukunft nichts Neues kommen. Wo sehen Sie dennoch Hoffnungszeichen?

Krätzl:
Außerordentlich positiv überrascht hat mich das Eröffnungsreferat, das der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch zur Herbstsession gehalten hat. Er sagte, Stagnation wäre Verrat. Die Kirchenleitung könne nicht darüber hinweggehen, dass viele Katholiken die Ehelosigkeit der Priester infrage stellten.

Eine andere gewichtige Stimme ist der bekannte Jesuit Henri Boulad. Er fordert die Gläubigen und die Bischöfe auf, nicht auf Lösungen aus dem Vatikan zu warten.

Derzeit werden in den österreichischen Diözesen, konkret jetzt in der Erzdiözese Wien, große Seelsorgeräume geschaffen, in denen ein Priester für mehrere Pfarren zuständig ist. Wieweit hilft das?

Krätzl:
Die Kirche hat bisher einen großen Bonus, weil sie in vielen Gemeinden die letzte Institution ist, die Menschen im Feiern und im Trauern zusammenbringt. Ich bin überzeugt, dass diese Nähe zu den Menschen nicht aufgegeben werden darf. Der Blaulicht-Pfarrer, der nur zur Spendung der Sakramente kommt, ist sicher nicht die Lösung. Die Menschen suchen mehr denn je eine Behausung in einer erlebbaren, überschaubaren Gemeinschaft.

Buchtipp:
Jüngst ist von Weihbischof Helmut Krätzl das Buch erschienen „. . . und suchen Dein Angesicht. Gottesbilder – Kirchenbilder“. 182 Seiten, Domverlag, Wien 2010.