Dienstag, 8. Juli 2014

Papst-Interview im Messaggero: "Der Kommunismus hat uns die Fahne geraubt"

Papst im Interview:
„Nichts habe ich allein getan“
Der Bischof von Rom kennt Rom nicht. Das hat Papst Franziskus in einem Interview mit der römischen Tageszeitung „Il Messaggero“ eingeräumt, das an diesem Sonntag – zum römischen Patronatsfest Peter und Paul – veröffentlicht wurde. Die Sixtinische Kapelle von innen habe er zum ersten Mal beim Konklave von 2005 gesehen, in den Vatikanischen Museen sei er noch nie gewesen, sagte Franziskus in dem Interview. Als Kardinal sei er nicht oft nach Rom gekommen. Er kannte Santa Maria Maggiore – „denn dorthin bin ich immer gegangen“ – und die Piazza Navona, weil er bei seinen Aufenthalten stets im Priesterhaus um die Ecke gewohnt habe, in der Via della Scrofa. Nun langsam beginne er sich „als Römer“ zu fühlen, sagte der Papst in dem Interview, das wir hier auszugsweise in Übersetzung wiedergeben.
[...]
Sie gelten als kommunistischer und populistischer Papst. Die Zeitschrift „Economist“ hat Ihnen eine Titelseite gewidmet und festgehalten, Sie sprechen wie Lenin. Erkennen Sie sich wieder?

„Ich sage nur, die Kommunisten haben uns die Fahne geraubt. Die Fahne der Armen ist christlich. Die Armut ist im Mittelpunkt des Evangeliums. Die Armen sind im Mittelpunkt des Evangeliums. Nehmen wir Matthäus 25, die Fragen, nach denen wir gerichtet werden: ich hatte Hunger, ich hatte Durst, ich war im Gefängnis, ich war krank, ich war nackt. Oder sehen wir auf die Seligpreisungen – noch eine Fahne. Die Kommunisten sagen, das alles sei kommunistisch. Ja, sicher, zweitausend Jahre später! Also könnte man ihnen sagen, wenn sie reden: Aber ihr seid doch Christen!“ (Lacht)

Mehr auf Radio Vatikan >>


Im Original:
Papa Francesco:
«Il comunismo ci ha rubato la bandiera»
("Der Kommunismus hat uns die Fahne geraubt")

Il Messaggero >>


Papst-Interview:
„Theologie der Frau“ verstärken
Papst Franziskus hat sich dafür ausgesprochen, die Frauenfrage in der Kirche zu vertiefen. Die Kirche spreche zu wenig über die Rolle der Frau, sagte er im Interview der Tageszeitung „Il Messaggero“ (Sonntag-Ausgabe).
Er plädierte dafür, intensiver an einer „Theologie der Frau“ zu arbeiten. „Die Frauen sind das Schönste, was Gott geschaffen hat“, schwärmte Franziskus in dem Interview mit der römischen liberalen Zeitung. Und der Papst weiter: „Die Kirche ist weiblich, es ist ein weiblicher Begriff. Man kann nicht Theologie ohne diese Weiblichkeit machen.“ Er stimme zu, so der Papst, „dass man die Frauenfrage vertiefen muss, sonst kann man die Kirche selbst nicht verstehen“. Auf die Frage nach vatikanischen Leitungsämtern für Frauen ging er jedoch nicht näher ein.
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Papst:
Ich beginne mich jetzt als Römer zu fühlen
Franziskus in einem Interview mit der römischen Tageszeitung "Il Messaggero"
Kathpress >>

Aktuell:

So half Papst Franziskus, einen Mord aufzuklären
Der Vatikan übergab brisante Briefe an die Justiz Argentiniens. Jetzt wurden zwei ehemalige Offiziere wegen des Mordes an einem Bischofs verurteilt worden. Papst Franziskus musste einen Ex-Kardinal beschuldigen.
Hamburger Abendblatt >>

Montag, 7. Juli 2014

"So wie Ihr im Domkapitel agiert habt, kann ich euch nicht schonen"



Pfarrer kritisiert Domkapitel von Limburg
Albert Dexelmann, katholischer Pfarrer von Runkel und Arfurt, hat einen offenen Brief an das Domkapitel verfasst. Darin ist von Untreue, illoyalem Vorgehen und konspirativem Handeln die Rede.

Das Domkapitel hatte Ende vergangener Woche "zu wenig Kontrolle" im "Fall Tebartz" eingeräumt. Dexelmann kritisierte, dass "Reflexion und Darstellung" viel zu spät eingesetzt hätten. Der Pfarrer fragt nun nach, warum das Domkapitel das alte Bischofshaus am Bischofsplatz unbewohnbar gemacht und das Neubauprojekt betrieben habe. Von Untreue spricht Dexelmann, weil das bestehende Bischofshaus für den Nachfolger von Kamphaus nicht treuhänderisch vorgehalten wurde. Faktisch habe sich das Ordinariat die Räume des alten Bischofshauses zu eigen gemacht. Gleichzeitig habe sich Bischof Kamphaus bei den besparten Gemeinden dafür verbürgt, dass die Verwaltung nicht wachsen werde - in Dexelmanns Augen ein illoyales Vorgehen. Als konspiratives Handeln bezeichnete der Pfarrer, der im August in Ruhestand geht, das eiserne und kollektive Schweigen, in das das Domkapitel verfallen sei. "Bitter enttäuscht" sei er, weil kein Bedarf zum Dialog gesehen wurde beziehungsweise sich "dieser vom Hals gehalten worden sei". Dexelmann wirft dem Domkapitel Falschinformation und Informationsverweigerung gegenüber dem Bistum in den entscheidenden Phasen vor sowie chaotisches Bauen ohne Bedarfsanalysen. Den offenen Brief wählte er, weil er die bestehenden Dialogforen des Bistums noch nicht so renoviert sieht, dass seine kontroverse Sicht nur dort "zielführend und heilend" besprochen werden könne.
Mittelhessen.de >>

Offener Brief von Pfarrer Dexelmann an das Domkapitel von Limburg zur Erklärung vom 20. Juni 2014 als PDF >>


Kirchenbezirk Limburg:
Ex-Bezirksdekan kritisiert Pfarreienreform scharf

Westerwald/Limburg – Die vom Apostolischen Administrator Weihbischof Manfred Grothe zum 1. Oktober verfügte Errichtung von 7 statt bisher 15 Pastoralen Räumen im Kirchenbezirk Limburg ist umstritten.

Einer der schärfsten Kritiker von Anfang an ist der Limburger Bezirksdekan Dieter Lippert. Er hält es für die falsche Entscheidung, die einmal von Bischof Tebartz-van Elst angestrebten neuen Strukturen nach der Devise "Weiter so!" oder "Augen zu und durch!" zu verfolgen.
Der WZ stellte sich Lippert im Interview >>



100 Tage ohne Tebartz:
Ein Bistum, zwei Welten
Es scheint zwei Bistümer Limburg zu geben. In dem einen ist der Apostolische Administrator, wie Manfred Grothes offizieller Titel für die Mission an der Lahn lautet, im Auftrag des Papstes auf einem schweren, aber guten Weg. In dem anderen verpasst er gerade die Chance zum Aufbruch. Je nachdem, mit wem man spricht.

Die Lage in Bistum 1 gibt seit dem Ende der Amtszeit von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst – vor genau 100 Tagen – mehrere Anlässe zur Hoffnung: Die Zeit immer neuer Enthüllungen ist vorbei. Immer wieder berichten Grothe, der eigentlich Weihbischof von Paderborn ist, und sein Stellvertreter Wolfgang Rösch von einem "wichtigen Schritt der Aufarbeitung und des Neubeginns in der Diözese". Gerade war das wieder der Fall, als die Limburger Staatsanwaltschaft erklärte, sie werde die Akte Tebartz-van Elst ohne Ermittlungen schließen. Grothe und die Seinen ordnen die Finanzen, heben Unrechtspassagen in Satzungen auf, eilen von Gremium zu Gremium, werben angesichts des Ausmaßes der Verheerung um Geduld - auch bei Journalisten.

Transparenz und Ungeist
Mitarbeiter im Bischöflichen Ordinariat und der Bistumsgremien berichten, wie gut die Atmosphäre nach vielen beklemmenden Jahren wieder sei. "Man wird wieder gehört", sagt Ingeborg Schillai, die Präsidentin der Diözesanversammlung. Demnächst will das Bistum, das die ganze Kirche mit Schlagzeilen über Protzsucht, First-Class-Flüge und falsche eidesstattliche Erklärungen in Misskredit brachte, sogar zum Vorbild in Sachen Transparenz werden: mit der bislang einzigartigen Offenlegung seiner neu geregelten Finanzen.

Grothe, 75 Jahre alt, spricht von einer ganzen Themenliste, die "nun systematisch und verlässlich abgearbeitet" werde - auf Basis des Berichts der Prüfkommission, die er selbst geleitet hatte. Er will das Feld bestellen für einen neuen Bischof, der möglicherweise erst in zwei Jahren kommt. Einen symbolischen Erfolg kann der Krisenmanager nach langer Hängepartie auch verbuchen: Im September beginnt in Limburg tatsächlich die Zeit ohne Tebartz-van Elst: Der will dann doch noch aus der 31-Millionen-Euro teuren Residenz ausziehen, die ihn um Amt und guten Ruf brachten.

Angriff auf die "lieben Mitbrüder"
Den Katholiken im Bistum 2 reicht das nicht. Sie fühlen sich schon fast um ihre Hoffnung betrogen, das Desaster werde grundsätzliche Reformen unvermeidlich machen. Ihr Verdacht: Die Ruhe ist trügerisch. Der konservative selbstherrliche Geist der Tebartz-Ära bleibe institutionell und personell am Ende unangetastet. Zu viel Kontinuität, zu wenig Umbruch.

Ob Millionen ins Limburger Priesterseminar gesteckt oder Pläne zum Bau eines katholischen Kultur- und Bildungszentrums in Frankfurt geschmiedet werden: Immer wieder äußern nicht nur einzelne Reformer den Verdacht, das Bistum habe seine Lektion nicht gelernt, spare nicht, höre die Basis nicht. Gerade sammelt ein Pfarrei Unterschriften gegen eine Fusion mit Nachbargemeinden. Ein Argument gegen die umstrittene Bildung neuer XXL-Pfarreien "modernen Typs", die Grothe absegnete: Die Idee hatte Tebartz-van Elst.

Breitseite gegen "liebe Mitbrüder"
Was sich an neuem heiligem Zorn inzwischen angestaut hat, verdeutlichte der Pfarrer Albert Dexelmann aus Runkel gerade erst in einem geharnischten offenen Brief an die "lieben Mitbrüder" des Domkapitels. Den Männern, die Tebartz-van Elst wählten und schalten und walten ließen, wirft der Bischofskritiker der ersten Stunde nicht weniger vor als "Illoyalität" gegenüber dem früheren Bischof Franz Kamphaus, "Untreue", "konspiratives Schweigen" und "Fehlinformation" der Gläubigen. Keine Spur vom "Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung" also, das Grothe immer wieder beschwört.

Die Domherren hatten den streitbaren Pfarrer ausgerechnet mit einer Erklärung in Rage gebracht, in der sie sich zerknirscht zur schweren Mitverantwortung am Desaster um den Bau der 31-Millionen-Residenz auf dem Domberg bekannten. Zurücktreten, um anderen die Wahl eines neuen Bischofs zu überlassen, wollen die Domherren nicht. Mit ihnen bleiben auch die pompösen Ehrentitel, die Tebartz-van Elst einigen von ihnen verschaffte, obwohl sein Vorvorgänger sie eingemottet hatte. Und Grothe lässt Milde walten mit Prälaten und Monsignores: Abberufen wird keiner.

Den Falschen gedankt?
Dass es in seiner Versöhnungsarbeit ein schmerzliches Missverhältnis zugunsten von Schuldigen und Mitschuldigen gebe, darauf haben Pastoralreferenten den Apostolischen Administrator vor kurzem ungewöhnlich deutlich hingewiesen. Ihre Forderung: Grothe habe dem Ex-Bischof und seinen Vertrauten ausdrücklich gedankt. Nun solle das Bistum endlich auch denen Dank sagen, "die dem Bischof Tebartz-van Elst entgegengetreten sind, um die Missstände zu benennen und sich mutig auch öffentlich geäußert haben".

Geschehen ist das noch nicht, wie enttäuschte Betroffene berichten. Bis die Wunden halbwegs verheilt seien, würde es wohl mindestens noch fünf Jahre dauern, sagt Grothe-Stellvertreter Rösch. Das wären noch mehr als 18 mal 100 Tage.
hr-Online >>


Tebartz-van Elst wird nicht angeklagt

Gnade vor Kirchenrecht
Die Staatsanwaltschaft Limburg klagt nicht gegen Tebartz-van Elst. Damit liegt der Ball unwiderruflich im Feld der Kirche. Würden die vatikanischen Gerichtsinstanzen den emeritierten Bischof zu Rechenschaft ziehen – es wäre ein Präzedenzfall von weltweiter Bedeutung.
FAZ >>

Sonntag, 6. Juli 2014

Sein dürfen…

Sein dürfen
ich muss nicht
- sondern ich bin begleitet
das in mir zu entdecken
was mir zutiefst gut tut

Diese Spur kann sich
auch durch Schwierigkeiten hindurch zeigen
durch Zweifel
- doch ich DARF
und muss nicht
weil du
Leben in Fülle versprichst

Erkennen
dass Glücklichsein
auch Leiden beinhaltet
weil es keine Liebe ohne Leiden gibt

Pierre Stutz, Verwundet bin ich und aufgehoben,
Kösel-Verlag, München, 2003, 100.

Freitag, 4. Juli 2014

Abgesetzter slowakischer Bischof Bezak bei Papst Franziskus

Aktualisiert am 7.8.2014:

Fall Bezak: Vatikan schweigt weiterhin

Der von Papst Benedikt XVI. vor zwei Jahren abberufene Erzbischof der slowakischen Erzdiözese Trnava, Robert Bezak, wartet weiterhin auf eine Reaktion auf seinen Fall aus dem Vatikan.

Papst Franziskus hatte am Rande einer Generalaudienz Ende Juni von Bezak persönlich einen Brief entgegengenommen, in dem dieser ein weiteres Mal um Klärung der Gründe für seine Absetzung ersucht hatte. Franziskus hatte den Brief einem Sekretär mit den Worten übergeben: „Das legen Sie mir direkt auf den Schreibtisch.“

Der vatikanische Pressesprecher Federico Lombardi erklärte nunmehr der slowakischen Tageszeitung „Novy Cas“ auf deren Nachfrage nach dem Verbleib des Briefes, er habe „keine näheren Informationen, die ich Ihnen anbieten könnte“. Die Apostolische Nuntiatur in Pressburg reagierte auf eine gleichlautende Anfrage gar nicht.
Religion.orf.at >>


Abgesetzter slowakischer Bischof Bezak bei Papst Franziskus
Begegnung nach Generalaudienz auf Petersplatz - Ex-Parlamentspräsident Miklosko erkennt "Rehabilitierung" des früheren Erzbischofs von Trnava

Vatikanstadt-Pressburg (KAP) Der am 2. Juli 2012 von Papst Benedikt XVI. abberufene Erzbischof von Trnava, Robert Bezak, ist in der Vorwoche erstmals Papst Franziskus begegnet. In einem kurzen Treffen im Anschluss an die Generalaudienz übergab Bezak, der sich seit Dezember 2013 in einem Kloster in der Nähe von Verona aufhält, dem Papst einen Brief. Bezak war einer jener rund 30 Bischöfe, die dem Papst wie üblich nach der Generalaudienz persönlich die Aufwartung machten.

Über Inhalte des Gesprächs ist bislang nichts bekannt, bereits im Vorfeld hatte Bezak jedoch angekündigt, er wolle dem Papst gegenüber seine Situation klären und hoffe, die bisher immer noch nicht bekanntgegebenen Gründe für seine Abberufung zu erfahren. Das Treffen wurde weder vom Pressebüro der Slowakischen Bischofskonferenz noch vom slowakischen katholischen Radio "Lumen" registriert, wohl aber vom Vatikan. Die Angaben über die Dauer der Begegnung variieren von "wenigen Sekunden" bis "zwei Minuten", laut der Tageszeitung "Novy Cas" habe sich das Gesicht des Papstes "verfinstert", er habe "den Kopf geschüttelt" und beide hätten "während des Gesprächs gestikuliert".

Bezaks Begegnung mit Franziskus sei jedoch eine "faktische Rehabilitierung", wie der ehemalige slowakische Parlamentspräsident Frantisek Miklosko erklärte. Miklosko hatte vor zwei Jahren als erster auf die damals unmittelbar bevorstehende Abberufung Robert Bezaks hingewiesen. Zuvor sei es dem degradierten Erzbischof "verboten gewesen, die bischöflichen Insignien zu tragen", jetzt aber habe er sie "angehabt" und sei er "unter den anderen Bischöfen gesessen", unter denen sich auch der Kaschauer Erzbischof Bernard Bober befand.

Skeptischer äußerte sich Mikloskos älterer Bruder Jozef, der als früherer slowakischer Botschafter bei der Republik Italien über gute Verbindungen zum Heiligen Stuhl verfügt. Es handle sich um einen "großen Schritt vorwärts", jetzt aber "zu erwarten, dass Robert Bezak im großen Triumphzug nach Trnava heimkehrt, das wohl nicht". Dass Bezak immerhin bis zum Papst vorgedrungen sei, führte Jozef Miklosko auf das Versprechen des Papstes gegenüber den tschechischen Bischöfen bei deren Ad-Limina-Besuch vor einigen Monaten zurück, er werde "Robert Bezak auf irgendeine Weise zu einem Treffen einladen". Freilich habe man dabei an "eine Privataudienz" gedacht.

"Irregeleiteter Bruder"

Bei mehreren slowakischen Bischofskollegen hat Bezak allerdings weiter einen sehr schwierigen Stand, wie die Pressburger Tageszeitung "Plus jeden den" berichtete. Sie veröffentlichte gemeinsam mit den Generalaudienz-Berichten vier Stellungnahmen kirchlicher Würdenträger zum Manuskript des vor einigen Wochen verstorbenen Jesuiten Sebastian Labo über die "wahren Hintergründe" der Abberufung Bezaks vom Tyrnauer Bischofsstuhl. Von Labos Text, der Bezak u.a. als "Teufel" bezeichnet, hatte sich der Jesuitenorden ausdrücklich distanziert und eine Publikation untersagt, weshalb er zu Lebzeiten des Ordensmitglieds nur im Internet zirkuliert war und erst jetzt von einem tschechischen Verlag veröffentlicht wurde.

Laut "Plus jeden den" dankte Marian Chovanec, Bischof von Banska Bystrica und Sprecher der Slowakischen Bischofskonferenz, Bezak-Kritiker Labo posthum für dessen "Manneswort, das wir schon lang gebraucht haben". Der emeritierte Kurienbischof Jozef Zlatnansky erklärte nach der Lektüre des Manuskripts, "dass wir noch mehr für den irregeleiteten Bruder Robert und seine Anhänger beten müssen". Zlatnansky gilt als Vertrauter von Robert Bezaks Amtsvorgänger Erzbischof Jan Sokol, dessen Amtsführung vor allem im finanziellen Bereich Bezak unter die Lupe nahm. Sokol ist laut Beobachtern seit Amtsantritt von Bezaks Nachfolger Jan Orosch Ende August 2013 wieder stärker in die Öffentlichkeit zurückgekehrt.

Erster Slowakei-Besuch seit dem Exil

Bereits rund eine Woche vor besagter Generalaudienz war Alterzbischof Bezak überraschend nach halbjähriger Pause erstmals wieder in seiner Heimat in Erscheinung getreten. Am 17. Juni feierte er auf Einladung des Stadtpfarrers von Partizanske, Vladimir Farkas, mit Jahrgangskollegen in seiner Heimatdiözese Banska Bystrica den 30. Jahrestag der Priesterweihe. Wie die Tageszeitung "Novy Cas" meldete, hielt Bezak in der überfüllten Herz-Jesu-Kirche zwei Ansprachen, die "stürmischen Applaus" ernteten. Bürgermeister Jozef Bozik sprach von einem "unglaublichen Erlebnis".

Zu seinem von der Kirchenführung auferlegten Exil (Redemptorist Bezak hält sich seit Dezember 2013 im Kloster seines Ordens in Bussolengo bei Verona auf) gab er an, man frage sich in der Kleinstadt, wieso dort ein so junger Bischof sei, wo man doch einen viel älteren habe. Der 54-Jährige setze sich - wie er mitteilte - bei der Sonntagabendmesse nicht als Bischof oder Priester, sondern wieder als einfacher Gläubiger in die Kirchenbank - und dies gefalle ihm: "Es ist so gewöhnlich, ich bin mit ihnen als einer von ihnen", so Bezak.

Quelle: Kathpress

Blog-Archiv zu Erzbischof Robert Bezak >>

Donnerstag, 3. Juli 2014

Aufruf zum Aktionsbündnis „Pfarren mit Zukunft – statt XXL-Gemeinde!“


Liebe Mitglieder, Unterstützerinnen und Unterstützer der Pfarrer-Initiative!

In den letzten Monaten haben sich immer mehr Kollegen, PfarrgemeinderätInnen und ihren Pfarren verbundene Kirchenbürgerinnen und Kirchenbürger an mich gewandt – in der akuten Sorge um die Zukunft ihrer Gemeinde. Die Strukturreform schreitet leise voran, mit absehbaren Folgen. Dabei gibt es Alternativen zur Auflösung von lebendigen Pfarrgemeinden und sogar kirchenrechtlichen Schutz!

Die Sorgen der Betroffenen teile ich, denn auch meine Pfarre, Probstdorf, fürchtet um ihren Fortbestand. Ich weiß, dass ich keinen Nachfolger mehr bekommen werde. Die Pfarre besteht aus vier Ortschaften, hat ca. 2.500 Einwohner und wird wegen des starken Zuzugs weiter wachsen. Laut diözesanem Konzept soll sie demnächst in einer „Pfarre-neu“ aufgehen, die dann eine Kleinstadt, Groß-Enzersdorf, sowie neun Filialortschaften umfassen würde. Fürs erste noch vom „Pfarrer-neu“ und mir als Priester begleitet, mittelfristig dann nur mehr von einem – und langfristig…?

In Deutschland kann man die Folgen der Zusammenlegung von Pfarren zu neuen „Großräumen“ in der Realität studieren: Der Kontakt zwischen den Menschen geht verloren. Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Ex-Pfarren (nun „Filialgemeinden“) müssen über ihr Engagement vor Ort hinaus viel Zeit für die Kommunikation mit den Verantwortlichen der Großraumpfarre aufwenden – und schaffen das kaum. Die Priester werden zu Dauerreisenden mit immer weniger Augenmerk für die Menschen mit ihren Anliegen und Sorgen. Für den Kern unserer priesterlichen Aufgabe, die Seelsorge, bleibt kaum mehr Zeit. Das können der Pfarrgemeinderat von Probstdorf und ich mit unserem gelebten Verständnis von Gemeinde nicht vereinbaren: einer Pfarrgemeinde, für die sich sehr viele Menschen – durch alle Generationen – tagtäglich eigenverantwortlich einsetzen. In der die Feier der Eucharistie und der sakramentalen Heilszeichen mit dem Alltagsleben und den Diensten der Gemeinde eng verbunden ist. Eine Gemeinde, die viele nur lose verbundene Menschen zusammenführt, „mit auf die Reise“ nimmt und im Alltag begleitet.

Deshalb haben wir Probstdorfer bekanntgegeben, dass wir bei der geplanten Zusammenlegung zur „Pfarre-neu“ nicht mitmachen werden. Stattdessen entwickeln wir gemeinsam Modelle für eine weiterhin eigenständige, von Kirchenbürgerinnen und Kirchenbürgern geleitete Pfarrgemeinde. Dazu gehören auch Überlegungen, wie die Feier der Sonntagseucharistie und der sakramentalen Heilszeichen für die Zeit nach mir gesichert werden kann.

Da es vielen Gemeinden ähnlich geht wie uns, sollten wir uns zusammentun: um einander zu informieren und zu unterstützen, um miteinander an möglichen Modellen für die Zukunft zu arbeiten, um die nötigen kirchenrechtlichen Schritte zu beraten. Für das Kirchenrecht ist nämlich der Mangel an Pfarrern kein Grund für die Aufhebung von Pfarren. Es sieht vielmehr die Möglichkeit von Einsprüchen gegen Aufhebungen und im Canon 517 auch eigenständige Pfarren ohne Pfarrer am Ort vor. In den USA haben kirchenrechtliche Einsprüche bereits zur Wiederöffnung mehrerer geschlossener Pfarren geführt!

Papst Franziskus hat in Gesprächen mit Bischöfen über die Zukunft der Gemeinden gemeint, er sehe bezüglich möglicher Lösungen (wie etwa der „viri probati“) noch nicht klar – die Bischofskonferenzen sollten mutige Vorschläge dazu machen. Doch die Zeit läuft und täglich verschwinden Pfarrgemeinden von der Landkarte. Also lasst uns in die Eigenverantwortung gehen, pro-aktiv werden und miteinander die Zukunft unserer Gemeinden positiv gestalten!

Ich lade alle Betroffenen und Interessierten ein, gemeinsam das Aktionsbündnis
„Pfarren mit Zukunft – statt XXL-Gemeinde!“ zu starten. Im Rahmen regionaler Dialogveranstaltungen wollen wir:
  • uns miteinander austauschen und vernetzen,
  • Informationen, Erfahrungen und Ideen rund um den Umgang mit der diözesanen Strukturreform bündeln,
  • gemeinsam über nächste, auch kirchenrechtliche, Schritte beraten.
Bitte gebt/geben Sie bis Sonntag, 31. August Bescheid, ob Ihr/Sie bei dieser Initiative dabei sein wollt/wollen - dann können wir in die konkrete Planung der ersten Zusammenkunft einsteigen.

Bitte  [HIER_KLICKEN]  und anmelden!

Ich freue mich auf Eure/Ihre Antwort und das gemeinsame Tun!  

Euer und Ihr Helmut Schüller
Vorsitzender Pfarrer-Initiative


Wien, 1. Juli 2014

Mittwoch, 2. Juli 2014

Familiensynode: Die Debatte ist eröffnet

Am 26. Juni 2014 hat der Vatikan das "Instrumentum laboris", die Grundlage für die Familiensynode vom 5. bis 19. Oktober 2014 in Rom, veröffentlicht und damit die weltweite Debatte eröffnet. Zwei Tage zuvor hatte jedoch – sicher nicht zufällig – die internationale Theologenkommission (Beratungsgremium der Glaubenskongregation) verlauten lassen: „Glaubenspraxis der Mehrheit nicht ausschlaggebend“.
> Wir sind Kirche zur Familiensynode

Kommentare zum Arbeitspapier:

Vatikan will an Familienmoral festhalten

Der Vatikan will die bestehende Familienmoral zur Grundlage der Bischofssynode machen – und legt nur behutsame Aktualisierungen nahe. Oft sei „Unkenntnis“ Ursache für die Kluft zwischen Lebenspraxis und Morallehre.
Frankfurter Allgemeine >>


Vatikanpapier spricht Heikles an
Ehe, Familie, Homosexualität: In einem päpstlichen Papier werden auch die heiklen Themen nicht ausgespart. Mit Wertungen halten sich die Autoren allerdings zurück - und ebenso mit Vorschlägen, was man ändern sollte.
Süddeutsche >>

Heißer Herbst in der Katholischen Kirche?
Kondom, Homo-Ehe, Geschiedene - heikle Punkte wollen die katholischen Bischöfe auf zwei Familiensynoden debattieren. Dazu gibt es ein erstes Arbeitspapier des Vatikan. Erwartet die katholische Kirche ein heißer Herbst?
Deutsche Welle >>

Umfrage des Vatikans
Mehr Respekt gegenüber anderen Lebensentwürfen
Rom - Im Vatikan wollten sie, wortwörtlich, „den Puls der Basis fühlen“. Ein Dreivierteljahr später haben sie nun die Ergebnisse dieses amtskirchlich einzigartigen Tastversuchs vorgestellt, und zwar – wie sie sagen – „in realistischer, ehrlicher Weise und ohne die Augen vor irgendeinem Problem zu verschließen, so beunruhigend und unbequem es auch sein mag“.
Stuttgarter Zeitung >>


Zur Vertiefung:

Moraldoktrin oder Moral der Wahrnehmung "im Kontext der Evangelisierung"?
Bemerkungen zur bevorstehenden Bischofssynode von Konrad Hilpert
Stimmen der Zeit >>

Dienstag, 1. Juli 2014

Vatikan-Experte: Starker Widerstand gegen Papstreformen

Der prominente italienische Vatikan-Journalist und Rom-Insider Marco Politi sieht starken Widerstand in der römisch-katholischen Hierarchie gegen Reformen von Papst Franziskus.

Nicht nur im Vatikan, sondern auch bei Bischofskonferenzen und auf Ebene der Weltkirche gebe es Kräfte, die Änderungen bekämpften und eine Schwächung des Papsttums fürchteten, sagte der Buchautor am Donnerstag in einem Interview der Deutschen Welle in Bonn. In dieser Woche hatte der Vatikan-Insider, zunächst auf Italienisch, sein neuestes Buch vorgelegt: „Franziskus. Papst unter Wölfen“. Vor zwei Jahren hatte Politi die Monographie „Benedikt. Krise eines Pontifikats“ publiziert.

„Mafiamilieus werden nervös“
„Es gibt auch großen Widerstand auf verschiedenen Ebenen. Widerstand etwa, wenn der Papst sagt, Frauen sollten in Schlüsselpositionen kommen und Entscheidungen treffen können“, sagte Politi in dem Interview. „Es gibt Widerstände, wenn der Papst Transparenz in Geldangelegenheiten bringt.“ Wenn Franziskus gegen solche Sachen anrede, „werden die Mafiamilieus nervös. Wölfe gibt es auch, wenn der Papst die Kirche demokratisieren will. Leute sagen dann, er vermindert die Rolle des Primates des Papstes und des römischen Pontifex.“

„Aggressiv Stimmung gegen Papst“
Nach Einschätzung von Politi will der Papst eine offene Debatte. Er setze große Hoffnungen in die Bischofssynoden als kleine Parlamente der Kirche. Leider herrsche in der Weltkirche und in den Bischofskonferenzen aber noch zu viel Passivität, kritisiert der Vatikan-Insider. „Die obere Hierarchie bezieht nicht offen Position. Stattdessen gibt es mittlerweile ein ganzes Netz von Websites, die aggressiv Stimmung gegen diesen Papst machen.“
Politi zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Reformen die Kirche verändern. „Wenn in den nächsten sieben Jahren zwei, drei solcher Synoden zusammenkommen, wenn die Bischofskonferenzen erleben, dass sie mitentscheiden können, dann wird die Revolution von Franziskus unumkehrbar.“
Die Kurie würde dann nach Überzeugung des Buchautors eine ganz neue Funktion als „nützliches Werkzeug auch für die Bischöfe“ übernehmen. „Das ist nicht einfach, immerhin hat sich die Kurie über die Jahrhunderte zu einer Art Oberkommando der Kirche entwickelt, das die Bischofskonferenzen regiert.“
Religion ORF

Vatikankenner Marco Politi:
Der Papst revolutioniert die katholische Kirche
Kann Papst Franziskus die katholische Kirche demokratisieren? Besteht er den Machtkampf hinter den Mauern des Vatikan? Antworten dazu von Vatikan-Insider Marco Politi im Interview.
Deutsche Welle