Dienstag, 15. November 2016

Kardinal Lehmann fordert, die vom Papst gewährte Freiheit zu nutzen


Lehmann: Vom Papst gewährte Freiheit nutzen
Ob Priestermangel oder sinkende Zahl der Gläubigen: Kardinal Karl Lehmann warnt davor, den richtigen Zeitpunkt für Reformen zu verpassen. Und auch zum Wahlsieg Donald Trumps hat er eine klare Meinung.
Kardinal Karl Lehmann hat die deutschen Bischöfe aufgerufen, die von Papst Franziskus eröffneten Freiheiten für die Kirchen vor Ort zu nutzen. "Franziskus will, dass wir neue Wege erkunden. Manchmal muss man nicht erst darauf warten, bis sich der ganze große Tanker bewegt", sagte Lehmann am Mittwochabend in Freiburg. Er verwies auf Annäherungen zwischen evangelischer und katholischer Kirche und auf die Debatte um den Sakramentenausschluss von wiederverheirateten Geschiedenen und um den Zölibat.
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Lehmann fordert, die vom Papst gewährte Freiheit zu nutzen
"Wir haben nicht ewig Zeit"
Neue Wege gehen: Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat die deutschen katholischen Bischöfe aufgerufen, die von Papst Franziskus eröffneten Freiheiten für die Kirchen vor Ort zu nutzen.
"Franziskus will, dass wir neue Wege erkunden. Manchmal muss man nicht erst darauf warten, bis sich der ganze große Tanker bewegt", sagte Lehmann am Mittwochabend in Freiburg. Er verwies auf Annäherungen zwischen evangelischer und katholischer Kirche und auf die Debatte um den Sakramentenausschluss von wiederverheirateten Geschiedenen und um den Zölibat.
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1000 Zuhörer kommen zu Veranstaltung mit Kardinal Lehmann an die Uni Freiburg
Die Albert-Ludwigs-Unviersität ist seine "Heimatuniversität": 1000 Menschen kamen, um Karl Lehmann in der Uni zu sehen – und zu hören, was er über Mut in der Kirche und Priestermangel sagt.
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Montag, 14. November 2016

Papst Franziskus besucht Ex-Priester und deren Familien

Ex-Priester nach Papstbesuch: Ein „Zeichen der Güte“
Er ist einer aus der Gruppe der verheirateten Ex-Priester, die Papst Franziskus im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit traf: Andrea Vallini, ehemaliger Pfarrer der Diözese Rom, der seine Wohnung in Ponte di Nona am Rande Roms für die Papstbegegnung zur Verfügung stellte. Im Interview mit Radio Vatikan bezeichnet der Familienvater die Begegnung mit dem Bischof von Rom als „Zeichen der Güte“ und „angenehme Überraschung“.
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Papst besucht sieben Ex-Priester, die geheiratet haben
Eine Geste der Barmherzigkeit, die in dieser Form niemand erwartet hätte: Papst Franziskus hat junge Ex-Priester besucht, die ihr Priestertum an den Nagel gehängt und geheiratet haben. Das gab der Vatikan an diesem Freitag bekannt. Franziskus machte sich am Freitagnachmittag auf den Weg in die römische Peripherie nach Ponte di Nona, dort traf er in einer Wohnung sieben Familien, die ein ähnliches Schicksal eint: der Mann war einst katholischer Priester. Mit seinem Besuch habe der Papst seine Nähe und der Zuneigung zu diesen jungen Männern bekunden wollen, deren Entscheidung, das Priestertum aufzugeben, von ihren Mitbrüdern und ihren Herkunftsfamilien oft ungünstig aufgenommen wurde. Vier der jungen Familienväter stammten aus dem Bistum Rom, einer aus Madrid und einer aus Lateinamerika, beide mit Wohnsitz in Rom, der letzte schließlich lebe in Sizilien.

„Nach einigen Jahren des priesterlichen Dienstes in den Pfarreien“, heißt es in der Mitteilung aus dem Vatikan, „war es so, dass die Einsamkeit, die Verständnislosigkeit, die Müdigkeit wegen des großen Engagements und der seelsorgerlichen Verantwortung die ursprüngliche Entscheidung zum Priestertums in die Krise brachten. Es folgten Monate und Jahre der Unsicherheit und des Zweifels, die oft zu der Überzeugung führten, dass das Priestertum die falsche Entscheidung war.“ So sei die Wahl gefallen, das Priesteramt aufzugegeben und eine Familie zu gründen.


Kardinal Bergoglio und wie er es mit Priestern hielt, die heiraten wollten

Katholische Priester, die heiraten, „verlieren" ihre Weihe grundsätzlich nicht, können aber ihrer ursprünglichen Berufung nicht mehr nachgehen. Papst Franziskus hatte sich seinerzeit als Erzbischof von Buenos Aires - wie jeder andere Bischof auch - mit solchen Fällen auseinanderzusetzen. In dem Interviewbuch „El Jesuita“ erzählte er, wie er damit umging.

„Priester geraten in Situationen, in denen sie sich verlieben, und das ist normal. Es ist eine schmerzvolle Situation und eine neue Gelegenheit, die Option für Gott zu erneuern. Aber wir sollten nicht vorschnell sein: Man muss unterscheiden zwischen einer wirklichen Verliebtheit, einer bloßen Begeisterung oder einem sexuellen Sich-angezogen-Fühlen. Sicher gibt es manchmal ein wirkliches Verliebtsein, und der Priester muss dann sein Priestertum und sein Leben neu überprüfen. Dann geht er zum Bischof und informiert ihn: „Bis hierher bin ich gekommen ... ich wusste nicht, dass ich ein so wunderbares Gefühl erleben würde ... dies ist die Frau, die ich wirklich liebe ...“ Und er bittet darum, den priesterlichen Dienst verlassen zu dürfen.

– Und Sie, was tun Sie in solchen Fällen?

– Ich bin der Erste, der einen Priester in diesem Augenblick seines Lebens begleitet; ich lasse ihn nicht allein, sondern begleite ihn auf seinem ganzen Weg, auch in der spirituellen Verarbeitung dessen, was er erlebt. Wenn er sich seiner Entscheidung sicher ist, dann helfe ich ihm auch, eine Arbeit zu finden. Was ich nicht durchgehen lasse, ist ein Doppelleben. Wenn er seinen priesterlichen Dienst nicht mehr ausüben kann, bitte ich ihn darum, zu Hause zu bleiben. Wir suchen dann um eine Dispens nach, also um eine Erlaubnis aus Rom. Dann kann er auch das Sakrament der Ehe empfangen. Aber es darf nicht zu einem Skandal in der Gemeinde kommen; man muss auch auf die Mitglieder der Pfarrei Rücksicht nehmen. In Gottes Barmherzigkeit ist Raum für alle.“

(Aus: Papst Franziskus - Mein Leben, mein Weg. El Jesuita: Die Gespräche mit Jorge Mario Bergoglio. Von Sergio Rubin und Francesca Ambrogetti. Herder 2013. S.108f.)
Quelle: Radio Vatikan >>


Barmherzigkeitsbesuch: Franziskus trifft sich mit ehemaligen Priestern und deren Familien
Es war der symbolträchtige letzte Freitagsbesuch im Jahr der Barmherzigkeit: Papst Franziskus hat den heutigen Nachmittag mit sieben jungen Männern verbracht, die ihre Berufung als Priester aufgegeben haben.
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Papst trifft ehemalige Priester und ihre Familien
Papst Franziskus hat sich mit ehemaligen Priestern getroffen. Am Freitag besuchte er im Osten Roms sieben Männer, die das Priesteramt aufgegeben und eine Familie gegründet haben.
Religion.orf.at >>

Samstag, 12. November 2016

Abschluss der Bischofskonferenz in Eisenstadt mit Erklärung und Festakt

Erklärungen der Bischöfe zu Klima, NS-Gedenken, Pfarrgemeinderatswahlen, Fatima, Indigenenrechte
Von Montag, 7. November bis Donnerstag, 10. November 2016 tagte in der burgenländischen Landeshauptstadt die Konferenz der österreichischen katholischen Bischöfe.
Am Freitag, 11. November wurden die Erklärungen der katholischen Bischöfe zu Hauptthemen veröffentlicht. Die Österreichische Bischofskonferenz wendet sich dabei an die Politik beim Thema Klimaschutz, ebenso mit ihrem Anliegen nach Gedenkstätten für in der NS-Zeit ermordete Roma. An die Gläubigen wendet man sich mit der Bitte um Engagement und Einsatz für die Pfarrgemeinderatswahlen im Frühjahr 2017.
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Presseerklärungen zur Herbstvollversammlung 2016 >>



„Inspirierende Botschaft für unsere Zeit“
Eisenstadt (DT) Zu einem Fest von europäischer Dimension geriet der Abschluss des Sankt-Martins-Jubiläumsjahres am Freitagvormittag in der burgenländischen Metropole Eisenstadt.
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Bischofskonferenz und Ungarischer Primas feiern Martinsfest
Kardinal Erdö: Heiliger Martin hatte als Bischof "Stallgeruch der Herde" - Bischof Zsifkovics: "Herz und das Haus offen halten für Fremde"
Katholisch.at >>


Martini im Burgenland
Mit einem besonders festlichen Gottesdienst im Martinsdom in Eisenstadt hat die Diözese den Landesfeiertag anlässlich des 1.700 Geburtstages des Heiligen Martin gefeiert. Im ganzen Land finden am Freitag Feierlichkeiten statt.
Burgenland.orf.at >>


Zsifkovics ruft zum gesellschaftlichen Zusammenhalt auf
Im Kathpress-Interview am Rande des großen Abschlussfestes zum Martinus-Jubiläumsjahr in Eisenstadt nahm der Bischof zum US-amerikanischen und österreichischen Präsidentschaftswahlkampf Stellung, warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft und forderte einmal mehr eine gesamteuropäische Lösung der Flüchtlingsfrage. Weiters zog er eine Bilanz des Martinus-Jubiläumsjahres in der Diözese Eisenstadt.
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Großes Martinsfest: Feierlicher Höhepunkt des Martinsjahres
Pontifikalamt mit dem Erzbischof von Budapest und Primas von Ungarn, Kardinal Erdö, der Österreichischen Bischofskonferenz, einer Vielzahl von Bischöfen aus den Nachbarländern und den Spitzen des öffentlichen Lebens im Burgenland im Martinsdom
martinus.at >>


Bischof Schwarz: Pfarren sind kein Auslaufmodell
Die traditionelle Pfarrgemeinde ist - allen Unkenrufen zum Trotz - kein Auslaufmodell: Das hat der Kärntner Bischof Alois Schwarz bei einem Vortrag am Freitag in Eisenstadt betont.
Religion.orf.at >>

Donnerstag, 10. November 2016

Ökumenischer Aufwind im Burgenland während Bischofskonferenz


Ökumene: Bischöfe feiern gemeinsam
Derzeit findet im Burgenland die katholische Bischofskonferenz statt. Dabei ist es am Dienstag zu einem historischen Ereignis gekommen. Erstmals ist es bei der Versammlung der katholischen Bischöfe zu einer hochrangigen ökumenischen Begegnung gekommen.
ORF.at


Hindernisse in Ökumene überwinden
Vorsitzende der Bischofskonferenz und des Evangelischen Oberkirchenrates ziehen positive Bilanz nach "historischer" ökumenischen Begegnung
Katholisch.at >>



"Das Gemeinsame ist stärker als das Trennende"
Gemeinsame Pressekonferenz von Kardinal Schönborn und Bischof Bünker im Rahmen der Begegnung der österreichischen Bischofskonferenz mit Spitzenvertretern der evangelischen Kirchen
Katholisch.at >>


Hochrangiges Bischofstreffen in Eisenstadt
Kardinal Christoph Schönborn und der lutherische Bischof Michael Bünker haben bei einem gemeinsamen Studientag am Dienstag in Eisenstadt die Gemeinsamkeiten beider Kirchen betont.
ORF.at >>

Mittwoch, 9. November 2016

Papsttext wird in Frankreichs Moscheen verteilt

Frankreich: Papsttext wird in Moscheen verteilt

Ein Papsttext, der in Moscheen verteilt wird: In Frankreich wird das wohl bald Wirklichkeit. Der französische Islamrat CFCM – das Kürzel steht für „Conseil francais du culte muselman“ – will den Text der Ansprache von Franziskus von diesem Donnerstag unter französischen Muslimen verbreiten. In der Ansprache hat der Papst Gewalt im Namen von Religion eine klare Absage erteilt.

„Ich hatte schon seit Monaten die Absicht, einmal den Papst aufzusuchen“, sagte uns der CFCM-Vorsitzende Anouar Kbibech in einem Gespräch nach der Audienz. „Das sind sehr tragische, schwierige Zeiten, vor allem nach den Anschlägen in Frankreich; da braucht es solche symbolischen Gesten und eine deutliche Botschaft an die Gläubigen unserer Religionen. Wir dürfen nicht in die Falle tappen, die man uns da aufgebaut hat! Die Terroristen wollen eine Gemeinschaft gegen die andere aufbringen. Unser Treffen mit dem Papst gehört in die neue Dynamik von Geschwisterlichkeit und Einvernehmen, die wir in Frankreich bei Christen und Muslimen ausgelöst haben.“

Die Zusammenarbeit der verschiedenen Religionsvertreter in Frankreich ist nach Kbibechs Darstellung sehr gut; er selbst sitzt als Islamvertreter in einem Rat der unterschiedlichen Kulte. „Es gibt unter uns einen friedlichen, ständigen Dialog; aber ich glaube, das Treffen mit dem Papst gibt dem Dialog noch einmal eine andere Dimension. Ich glaube, davon kann eine starke Botschaft an alle Gläubigen ausgehen, nicht nur an die jeweiligen offiziellen Religionsvertreter.“

Frankreichs Muslime brauchen den Papst sozusagen als Lautsprecher, als Verstärker, damit ihre Gesellschaft ihnen abnimmt, dass sie wirklich friedliche Absichten hegen. Das liegt daran, dass die Stimme der Muslime in der aufgeheizten politischen Debatte Frankreichs meist kaum zu hören ist. „Tatsächlich, wir stoßen da auf eine gewisse Skepsis, wenn wir das Wort ergreifen. Wir sind immer überrascht, wenn wieder einige unserer nicht-muslimischen Landsleute sagen: Die französischen Muslime nehmen nicht Stellung, sie äußern sich nicht klar in der Öffentlichkeit. Dabei hat mein Verband systematisch alle Gewalt- oder Terrorakte verurteilt, besonders wenn diese sich auf die islamische Religion berufen. Wir haben das geradezu herausgeschrien, über die Medien, im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen... Und trotzdem gibt es leider weiterhin den Eindruck bei einigen unserer Landsleute, das sei nicht genug.“
Quelle: Radio Vatikan >>



Papstansprache an Religionsvertreter vom 3. November 2016 in englischer Übersetzung
Radio Vatikan >>

Montag, 7. November 2016

Treffen mit Sozialbewegungen: „Das Geld regiert mit Angst"

Treffen mit Sozialbewegungen: „Das Geld regiert mit Angst"

Es ist bereits das dritte Treffen dieser Art, aber der Durst habe nicht abgenommen. Papst Franziskus traf an diesem Samstag in der Audienzhalle im Vatikan Vertreter von Sozialbewegungen. In seiner ausführlichen Rede sprach er vom Durst nach den „Drei T“, nach den spanischen Worten Tierra, Techo, Trabajo, also Land, Dach und Arbeit, die Grundforderungen dieser Treffen.

Ein erstes Treffen hatte im November 2014 in Rom stattgefunden, ein zweites während der Papstreise 2015 in Bolivien. „Bei unserem letzten Treffen, in Bolivien, haben wir von der Notwendigkeit eines Wandels gesprochen, damit das Leben würdig gelebt werden kann“, so der Papst. „Es geht um einen Wandel der Strukturen und ihr, die Sozialbewegungen, säht diesen Wandel aus, ihr steht für einen Prozess, in dem Millionen kleine Aktionen auf kreative Weise zusammen kommen.“

Das Programm habe sich seit den letzten Treffen nicht geändert, es klang ambitioniert, als der Papst die einzelnen Punkte aufzählte. „Würdige Arbeit für alle vom Arbeitsmarkt ausgeschlossenen; Land für alle Bauern und für die indigenen Völker; Wohnungen für Familien die keine haben; städtische Integration für die Wohnviertel der Ärmeren; Abschaffung von Diskriminierung, von Gewalt gegen Frauen und aller neuer Formen von Sklaverei; das Ende allen Krieges, des organisierten Verbrechens und der Unterdrückung; Meinungsfreiheit und Freiheit demokratischer Kommunikation; Wissenschaft und Technologie im Dienst an den Völkern.“ Auch wenn sich hier nicht alle über alles einig seien, weil die Sozialbewegungen aus sehr verschiedenen Akteuren bestehe, in diesen Punkten sei man sich einig, so der Papst.

Nicht mit tausend Konferenzen zu lösen

Umgesetzt könnten sie aber nicht „durch eine, drei oder tausend Konferenzen“ werden, sondern nur vor Ort, in einem Prozess der Unterscheidung, der zur Tat werde. Die Gefahr bestehe hier in der Abstraktion und einem „Nominalismus der Deklarationen“, also in Slogans. Es sei sich aber sicher, dass die Bewegung Wurzeln geschlagen habe und Gutes reifen lasse.

„Dieses Reifen, das langsam vor sich geht, wird aber von der Geschwindigkeit eines destruktiven Mechanismus gefährdet, der gegen es arbeitet“, warnte der Papst. „Es gibt mächtige Kräfte, die diesen Prozess des Reifens neutralisieren können und die erneut das Geld ins Zentrum des menschlichen Lebens setzen wollen.“ Exklusion und ungerechte Strukturen würden zu einer Geißel, welche die Freiheit raube. „Wer regiert? Das Geld. Wie regiert es? Mit der Geißel der Angst, der Ungleichheit, der ökonomischen, sozialen, kulturellen und militärischen Gewalt, die in einer Gewaltspirale mündet, die scheinbar nie endet.“ Erneut nannte der Papst dies den „grundlegenden Terrorismus“, alle anderen Terrorismen hätten hier ihre Wurzel.

Das lähmende System

Er mache sich den Ruf nach den „Drei T“ zu eigen, so der Papst, es gehe dabei um nichts anderes als um die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. „Wir müssen der Welt helfen, aus ihre moralischen Lähmung heraus zu kommen. Dieses lähmende System kann uns kosmetische ‚Prothesen’ anbieten, die nicht wirklich Entwicklung sind“, so die erneute Warnung des Papstes. Er nannte einige dieser Prothesen: Wirtschaftswachstum, technischer Fortschritt, größere Effizienz beim Herstellen von Konsumwaren. Das lähmende System „lasse aber keine ganzheitliche Entwicklung des Menschen zu, eine Entwicklung, die sich nicht im Konsum erschöpft und nicht im Wohlergehen nur Weniger.“

Flüchtlinge, Demokratie

Ausführlich ging der Papst auf Einzelthemen ein, zunächst auf die Frage nach Migranten und Flüchtlingen. Eine Schande sei das, wie die Welt mit diesen Menschen umginge, wiederholte der Papst seine Worte vom Papstbesuch auf Lampedusa. Er wies weiter darauf hin, dass sich die Demokratie weltweit in einer Krise befände, hier gälte es gegen zu steuern.

Dagegen müsse man das gute Beispiel setzen, das „mehr Kraft hat als tausend Worte, als tausend Flugschriften, tausend ‚Likes’, tausend ‚Retweets’ und tausend Videos auf Youtube.“ Das Handeln der Vertreter der Sozialbewegungen, die das Gemeinwohl wollten, könne mit der Hilfe Gottes die „falschen Propheten, welche die Angst und die Verzweiflung ausnutzten, überwinden.“
Quelle: Radio Vatikan >>

Mittwoch, 2. November 2016

Die Ökumenische Erklärung von Lund

Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Munib Younan, Papst Franziskus und der General Sekretär des Lutherischen Weltkongresses, Martin Junge beten gemeinsam
Feier in Lund: Die Mühen der ökumenischen Ebene
Spektakuläre Gesten waren es nicht, eher ein gemeinsames Zeugnis für den gemeinsamen Glauben, das in Lund an diesem Montag gefeiert wurde. Historisch zwischen Lutheranern und Katholiken. Ein Kommentar aus Lund von Pater Bernd Hagenkord SJ.
Radio Vatikan >>

Hoffnung für Ökumene - Papst betet mit Protestanten
Ein historisches Papstgebet mit Protestanten in Schweden, ein Gottesdienst im Geist der Ökumene und ein Festakt in Berlin: Der Auftakt zum 500. Jubiläumsjahr der Reformation hat Hoffnungen auf ein neues Miteinander der Christen in aller Welt aufkeimen lassen.
ORF.at >>


Die Ökumenische Erklärung von Lund
Im Rahmen des ökumenischen Gebetes in der Kathedrale von Lund unterzeichneten der Papst und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Mounib Younan, eine gemeinsame Erklärung. Wir dokumentieren den Text auf Radio Vatikan in der offiziellen deutschen Übersetzung.
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GEMEINSAME ERKLÄRUNG
anlässlich des gemeinsamen katholisch-lutherischen Reformationsgedenkens
Lund, 31. Oktober 2016

»Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt« (Joh 15,4).

Mit dankbaren Herzen

Mit dieser Gemeinsamen Erklärung bringen wir Gott unsere frohe Dankbarkeit für diesen Augenblick des gemeinsamen Gebets in der Kathedrale von Lund zum Ausdruck und beginnen damit das Gedenken an 500 Jahre Reformation. 50 Jahre ununterbrochener und fruchtbarer ökumenischer Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern haben uns geholfen, viele Unterschiede zu überwinden, und haben unser gegenseitiges Verständnis und Vertrauen vertieft. Gleichzeitig sind wir einander durch gemeinsame Dienste an unseren Mitmenschen, oft in Situationen von Leid und Verfolgung, nähergekommen. Durch Dialog und gemeinsames Zeugnis sind wir nicht länger Fremde. Vielmehr haben wir gelernt, dass das uns Verbindende größer ist als das Trennende.

Vom Konflikt zur Gemeinschaft

Während wir eine tiefe Dankbarkeit empfinden für die geistlichen und theologischen Gaben, die wir durch die Reformation empfangen haben, bekennen und beklagen wir vor Christus zugleich, dass Lutheraner und Katholiken die sichtbare Einheit der Kirche verwundet haben. Theologische Unterschiede wurden von Vorurteilen und Konflikten begleitet und Religion wurde für politische Ziele instrumentalisiert. Unser gemeinsamer Glaube an Jesus Christus und unsere Taufe verlangen von uns eine tägliche Umkehr, durch die wir die historischen Meinungsverschiedenheiten und Konflikte, die den Dienst der Versöhnung behindern, ablegen. Während die Vergangenheit nicht verändert werden kann, kann das, woran man sich erinnert und wie man sich erinnert, verwandelt werden. Wir beten um die Heilung unserer Wunden und Erinnerungen, die den Blick aufeinander verdunkeln. Nachdrücklich lehnen wir allen vergangenen und gegenwärtigen Hass und alle Gewalt ab, besonders jene im Namen der Religion. Wir hören heute Gottes Gebot, jeden Konflikt beizulegen. Wir erkennen, dass wir durch Gnade befreit sind, uns zur Gemeinschaft hin zu begeben, zu der Gott uns beständig ruft.

Unsere Verpflichtung zum gemeinsamen Zeugnis

Da wir diese Begebenheiten der Geschichte, die uns belasten, hinter uns lassen, verpflichten wir uns, gemeinsam Gottes barmherzige Gnade zu bezeugen, die im gekreuzigten und auferstandenen Christus sichtbar geworden ist. Im Bewusstsein, dass die Art und Weise, wie wir miteinander in Beziehung treten, unser Zeugnis für das Evangelium prägt, verpflichten wir uns selbst, in der Gemeinschaft, die in der Taufe wurzelt, weiter zu wachsen, indem wir uns bemühen, die verbleibenden Hindernisse zu beseitigen, die uns davon abhalten, die volle Einheit zu erlangen. Christus will, dass wir eins sind, damit die Welt glaubt (vgl. Joh 17,21).

Viele Mitglieder unserer Gemeinschaften sehnen sich danach, die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit. Wir erfahren den Schmerz all derer, die ihr ganzes Leben teilen, aber Gottes erlösende Gegenwart im eucharistischen Mahl nicht teilen können. Wir erkennen unsere gemeinsame pastorale Verantwortung, dem geistlichen Hunger und Durst unserer Menschen, eins zu sein in Christus, zu begegnen. Wir sehnen uns danach, dass diese Wunde im Leib Christi geheilt wird. Dies ist das Ziel unserer ökumenischen Bemühungen. Wir wünschen, dass sie voranschreiten, auch indem wir unseren Einsatz im theologischen Dialog erneuern.

Wir beten zu Gott, dass Katholiken und Lutheraner fähig sein werden, gemeinsam das Evangelium Jesu Christi zu bezeugen, indem sie die Menschheit einladen, die gute Nachricht von Gottes Heilshandeln zu hören und zu empfangen. Wir bitten Gott um Eingebung, Ermutigung und Kraft, damit wir zusammenstehen können im Dienst und so für die Würde und die Rechte des Menschen, besonders der Armen, eintreten, für die Gerechtigkeit arbeiten und alle Formen von Gewalt zurückweisen. Gott fordert uns auf, all denen nahe zu sein, die sich nach Würde, Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung sehnen. In besonderer Weise erheben wir heute unsere Stimme für ein Ende der Gewalt und des Extremismus, die so viele Länder und Gemeinschaften sowie unzählige Schwestern und Brüder in Christus betreffen. Wir bitten dringend, dass Lutheraner und Katholiken zusammenarbeiten, um den Fremden aufzunehmen, denen zu Hilfe zu kommen, die wegen Krieg und Verfolgung gezwungen waren zu fliehen, und die Rechte der Flüchtlinge und der Asylsuchenden zu verteidigen.

Mehr als je zuvor stellen wir fest, dass unser gemeinsamer Dienst in dieser Welt sich auf Gottes Schöpfung erstrecken muss, die durch Ausbeutung und die Auswirkungen einer unersättlichen Gier in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir anerkennen das Recht der zukünftigen Generationen, sich an Gottes Erde in all ihrem Reichtum und all ihrer Schönheit zu erfreuen. Wir bitten um einen Wandel der Herzen und der Sinne, der uns zu einer liebevollen und verantwortlichen Art und Weise der Sorge für die Schöpfung führt.

Eins in Christus

Bei diesem glücklichen Anlass bekunden wir unsere Dankbarkeit gegenüber den Brüdern und Schwestern, die die verschiedenen christlichen Weltgemeinschaften und -vereinigungen vertreten, die anwesend sind und sich im Gebet mit uns verbinden. Wenn wir uns wieder verpflichten, uns vom Konflikt zur Gemeinschaft zu bewegen, tun wir das als Teil des einen Leibes Christi, in den wir alle durch die Taufe eingegliedert worden sind. Wir fordern unsere ökumenischen Partner auf, uns an unsere Verpflichtungen zu erinnern und uns zu ermutigen. Wir bitten sie, weiter für uns zu beten, mit uns zu gehen und uns dabei zu unterstützen, unser durchbetetes Engagement, das wir täglich zu erkennen geben, lebendig werden zu lassen.

Aufruf an Katholiken und Lutheraner weltweit

Wir wenden uns an alle lutherischen und katholischen Gemeinden und Gemeinschaften, unerschrocken und schöpferisch, freudig und hoffnungsvoll bezüglich ihres Vorsatzes zu sein, die große Reise, die vor uns liegt, fortzusetzen. Mehr als die Konflikte der Vergangenheit wird Gottes Gabe der Einheit unter uns die Zusammenarbeit leiten und unsere Solidarität vertiefen. Indem wir uns im Glauben an Christus näher kommen, indem wir miteinander beten, indem wir aufeinander hören und Christi Liebe in unseren Beziehungen leben, öffnen wir uns, Katholiken und Lutheraner, der Macht des Dreieinen Gottes. In Christus verwurzelt und ihn bezeugend erneuen wir unsere Entscheidung, treue Boten von Gottes grenzenloser Liebe für die ganze Menschheit zu sein.