Freitag, 18. November 2016

Kardinal Meisner unter den Gegnern der "neuen Barmherzigkeit"


Vier Kardinäle stellen sich Papst Franziskus mit fünf „Dubia“ zu „Amoris laetitia“ frontal in den Weg
Eine solche Opposition durch Kardinäle „hat es seit der Gegenreformation nicht mehr gegeben“, so Gloria.tv. Erstunterzeichner der Dubia (Zweifel) gegen Amoris laetitia ist der emeritierte Erzbischof von Bologna, Kardinal Carlo Caffarra, gefolgt von Kardinal Raymond Burke und den beiden deutschen Kardinälen Walter Brandmüller und Joachim Meisner. Die Unterzeichner ließen Papst Franziskus ihre Zweifel vertraulich zukommen. Nachdem sie der Papst keiner Antwort würdigte, haben sie ihre Dubia nun öffentlich gemacht.
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„Amoris laetitia“ spaltet weiter
Rom (DT) Das Rumoren geht weiter, die unterschiedlichen Interpretationen des nachsynodalen Dokuments „Amoris laetitia“ reißen nicht ab. Nach der Formulierung von fünf „Zweifeln“ an einzelnen Passagen des päpstlichen Schreibens von vier Kardinälen an Papst Franziskus (DT vom 17. November) hat einer der Autoren, Kardinal Raymond Burke, in einem Interview nochmals nachgelegt: Der Patron des Malteser-Ordens erklärte jetzt gegenüber dem „National Catholic Register“, dass „Amoris laetita“ Verwirrung geschaffen habe. Wo auch immer er hingehe, treffe er Priester, die nicht einig seien, die anderer Meinung seien als ihre Bischöfe, er treffe Bischöfe, die untereinander uneins seien. „Da ist eine fürchterliche Spaltung in die Kirche geraten, und das ist nicht der Weg der Kirche“, so Burke.

Auch hätten einzelne Diözesen unterschiedliche Direktiven zu „Amoris laetitia“ herausgegeben. Solche Direktiven, „die sagen, dass die Priester, wenn sie es für nötig halten, im Beichtstuhl frei sind, einer Person zu erlauben, weiter die Sakramente zu empfangen, auch wenn sie in einer ehebrecherischen Beziehung leben – während in anderen Diözesen ein Priester in Übereinstimmung mit dem, was immer Praxis der Kirche war, diese Erlaubnis nur denen geben kann, die den festen Vorsatz fassen, in der Ehe keusch zu leben, wie Bruder und Schwester, und die Kommunion nur da zu empfangen, wo das keinen Skandal verursacht.“ Angesichts solcher grundsätzlicher Zweifel, die laut Burke mit „Amoris laetitia“ aufgekommen seien, still zu bleiben, wäre ein „schwerer Mangel an Barmherzigkeit gegenüber dem Papst und ein schwerer Mangel an Pflichterfüllung in unserem kirchlichen Amt“.

Burke sieht Konflikt von Autorität und Tradition

Auf die Frage, was geschehe, wenn Franziskus den vier Kardinälen nicht antworte und die kirchliche Lehre nicht kläre, stellt der Kardinal weiter fest: „Dann müssen wir die Situation angehen. Es gibt in der Tradition der Kirche die Praxis der Korrektur des römischen Papstes. Das ist natürlich etwas sehr Seltenes. Aber wenn auf die Fragen keine Antwort kommt, dann würde ich sagen, ist die Frage die, einen formalen Akt der Korrektur eines ernsten Fehlers zu setzen.“ Bei einem Konflikt zwischen der kirchlichen Autorität und der heiligen Tradition der Kirche binde die Tradition, die kirchliche Autorität stehe nur im Dienst an der Tradition, so Burke. Wie dieser formale Akt aussehen könne, sagt der Kardinal nicht.

Ohne direkt auf diese schwerwiegenden Vorwürfe einzugehen, hat Papst Franziskus in seinem jüngsten Interview zu der Frage der Kritik an „Amoris laetitia“ Stellung genommen. In einem ausführlichen Gespräch mit der Zeitung der italienischen Bischöfe, „Avvenire“, das gestern erschienen ist und sich in weiten Teilen der Ökumene, dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit und der Rezeption des Konzils widmet, erklärt der Papst, auf dem Zweiten Vatikanum habe die Kirche ihre Verantwortung gespürt, in der Welt wie ein lebendiges Zeichen der Liebe des Vaters zu sein. „Mit ,Lumen gentium‘“, so Franziskus, „ist sie“, die Kirche, „zu den Quellen ihrer Natur, zum Evangelium, zurückgekehrt. Das verrückt die Verbindung der christlichen Auffassung weg von einem gewissen Legalismus, der ideologisch sein kann, hin zur Person Gottes, der in der Fleischwerdung des Sohnes Barmherzigkeit geworden ist. Einige, denken Sie an gewisse Antworten auf ,Amoris laetita‘“, fährt der Papst fort, „verstehen weiterhin nicht, für sie ist alles schwarz und weiß, auch wenn man im Fluss des Lebens unterscheiden muss. Das Konzil hat uns das gelehrt, aber die Historiker sagen uns, dass ein Konzil, um gut in den Leib der Kirche übernommen zu werden, hundert Jahre braucht... Wir sind bei der Hälfte“, so Franziskus.

An anderer Stelle, bei der es allgemein um ökumenische Begegnungen sowie den Vorwurf geht, Papst Franziskus wolle die katholische Lehre „verkaufen“ und die Kirche „protestantisieren“, kommt Franziskus nochmals allgemein auf kritische Stimmen ihm gegenüber zu sprechen. Er gehe weiter auf dem Weg dessen, der ihm vorausgegangen sei, er folge dem Konzil. „Was die Meinungen angeht, sagt der Papst weiter, „muss man immer den Geist unterscheiden, mit dem sie geäußert werden. Wenn es kein schlechter Geist ist, können sie“, diese Meinungen, „auch helfen weiterzugehen. Andere Male sieht man sofort, dass die Kritiken dies und das aufgreifen, um eine einmal übernommene Position zu rechtfertigen, sie sind nicht ehrlich, sie sind aus einem schlechten Geist, um Spaltungen hervorzurufen. Man sieht sofort, dass gewisse Rigorismen aus einem Mangel entstehen, man will die eigene traurige Unzufriedenheit hinter einer Rüstung verstecken.“ Wenn man den Film „Babettes Fest“ sehe, erkenne man dieses rigide Verhalten, meint Franziskus.

Farrell: „Amoris laetitia“ stützt sich auf „Familiaris consortio“

Indes hat der heute die Kardinalswürde erhaltende Präfekt des neuen Dikasteriums für Laien, Familie und das Leben, Erzbischof Kevin Farrell, „Amoris laetitia“ verteidigt. Es sei wichtig, eine Diskussion darüber zu haben, so Farrell gegenüber der französischen Zeitung „La Croix“, und, so der neue Kardinal weiter, „zu begreifen, dass der Heilige Geist durch diesen Text spricht“. Das postsynodale Schreiben von Franziskus „stützt sich auf die Lehre von ,Familiaris consortio‘ von Johannes Paul II.“. „Amoris laetitia“ sei ein pastorales Dokument, „das uns sagt, wie wir fortfahren müssen“. Die wiederverheirateten Geschiedenen „müssen auf allen Ebenen der Kirche integriert werden können“, meint Farrell und bekräftigt: „Das ist ein Prozess der Unterscheidung und des Gewissens“, und: „Wir müssen die Personen in schwierigen Umständen begleiten.“
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