Montag, 26. Mai 2014

Heizers Exkommunikation: Diskrepanz dieses Kirchenrechts zum Evangelium

Die Exkommunikation des Ehepaares Heizer mag dem Kirchenrecht entsprechen, empörend ist sie dennoch. Wieder einmal gibt dieser konkrete Fall Anlass dazu, auf die Diskrepanz dieses Kirchenrechts zum Evangelium und zum Verhalten Jesu hinzuweisen.

Jesus sagte: "Tut dies zu meinem Gedächtnis." 

Er hat nicht gesagt dass dieses Tun auf bestimmte Personen beschränkt sein soll. Dass dieses Tun auf Priester beschränkt sein soll, ist eine spätere Maßnahme der Kirche. Und dass diese Priester nur zölibatär lebende Männer sein dürfen, gilt nicht einmal in der ganzen Kirche. Daraus ist ein Eucharistie-Notstand geworden!

Über jene, die junge Menschen zum Bösen verführen, sagte Jesus bekanntlich, es wäre besser für sie, wenn sie mit einem Mühlstein um den Hals in den Tiefen des Meeres versenkt würden. Zahlreiche Priester haben sich an jungen Menschen vergangen, haben sie missbraucht.

Soviel ich weiß, wurde kein einziger von diesen Priestern jemals exkommuniziert, obwohl es das Kirchenrecht vorschreibt.

An diesem Beispiel ist empörend:
- Die Nichtübereinstimmung des Kirchenrechts mit dem Evangelium und dem Verhalten Jesu
- Die gleiche Bestrafung für Tatbestände völlig unterschiedlicher Schwere
- Der Unterschied, den die Kirche zwischen Klerus und Laien macht


Solche Ungereimtheiten erschüttern das Vertrauen vieler Gläubiger auf die Kirchenleitung schwer. Die Bischöfe sind gefordert, im Rahmen Ihrer Gesamtverantwortung für die Kirche für eine Lösung Ihre Stimme zu erheben.


Paul M. Zulehner: 
Offene Fragen zu Heizers Exkommunikation
– es braucht eine Priestersynode


Das Ehepaar Heizer betrachtet die Exkommunikation offenbar als einen – wenngleich wohl hilflosen – Versuch, eine Diskussion zu brennenden Fragen der katholischen Kirche voranzutreiben. Das sind einige davon:

Frage 1: Wenn das Herzstück der Feier der Eucharistie (in der katholischen Kirche und noch mehr in der Orthodoxie) die “Epiklese” ist, also die Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben und die Versammelten, dann ist die Frage, wie die versammelte Gemeinde und der priesterliche Vorsteher der Gemeinde dabei zusammenwirken?

Frage 2: Die Laien wurden durch das Konzil aufgewertet. Alle Strukturprogramme für die Ordnung der pastoralen Räume “werten” sie auf: allein deshalb, weil ohne Laien viele Gemeinden nicht überlebensfähig wären. Diese “Aufwertung” hat auf dem Konzil die Liturgie erreicht: Beteiligung ist das oberste Prinzip. Aber wie weit geht diese?

Frage 3: Papst Johannes Paul II., der Heilige, hat 2003 ein Dokument ediert mit dem Titel: Ecclesia de Eucharistia – die Kirche entspringt der Eucharistie. Auch das Konzil betont mehrmals: Die Eucharistie/die Liturgie ist Quelle und Höhepunkt nicht nur des kirchlichen, sondern dem zugrundeliegend allen christlichen Lebens. Die Kirche hat also eine Bringschuld, dass die kirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften (Orden, gläubige Subgemeinden) Eucharistie feiern können. Derzeit ist die Kirchenleitung vielerorts nicht in der Lage, diesen gläubigen Gemeinden einen Ordinierten zuzuweisen. Die Diskussion um die Zulgangswege zum ordinierten Amt ist damit freilich eröffnet. Tertullian geht davon aus, dass dies die Eucharistiefähigkeit der Gemeinden nicht behindert. Sie nehmen eine/n aus ihrer Mitte und feiern. Es gibt priesterliches Handeln ohne Ordination?

Frage 4: Dass ein Ordinierter vorsteht, wird auch damit begründet, dass damit die Einheit mit der ganzen Kirche handfest sichtbar gemacht wird. Aber ist das die einzige Form der Kirchlichkeit? Ist nicht auch eine Gemeinschaft von Getauften, die sich im Namen Jesu versammeln, genauso kirchlich? Jesus meinte “wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind…”. Daher hat auch Tertullian keine Probleme, dass eine Gemeinschaft von Glaubenden, die taufen oder darbringen wollen, einen aus ihrer kirchlichen Mitte wählen. Wenn es ein Problem gibt, dann dass die Kirchenleitung niemanden zuordnet. Es ist wie heute.

Frage 5: Das Konzil hat das Bild der Kirche vertieft. In diesem Zusammenhang wurde das Bild der “Laien” vertieft. Nicht vertieft wurde das Bild der Priester. Auch nicht auf der Bischofssynode 1971. Kollidiert also nicht ein erneuertes Bild von Kirche und Laien mit einem antiquiert-archaischen Priesterbild? Papst Franziskus spürt das, wenn er gegen den Klerikalismus wettert und den Karriere- und Machtsüchtigen empfiehlt, statt die Karriereleiter hochsteigen zu wollen “doch lieber auf die Berge zu steigen”.

Priestersynode
Nach verlässlichen Informationen wünschen immer mehr Bischöfe und Kirchenmitglieder (vor allem aus Gemeinden, für die die Kirchenleitung keinen Priester hat) eine Priestersynode. Diese wird mit Sicherheit kommen. Der Papst hat auch schon angeregt, dazu Vorschläge zu unterbreiten.
Eine Möglichkeit wäre, so der emeritierte und pastorale erfahrene Bischof Fritz Lobinger aus Aliwal-Noord in Südafrika, dass gläubige Gemeinden (wie in Tertullians Zeiten) zwei bis drei “gemeindeerfahrene Personen” (“personae probatae”) wählen, ausbilden lassen und der Bischof weiht sie in ein “Team of Elders” (so Lobinger: biblisch also ein Presbyterteam – das meint nicht nur Alte, sondern “Gestande”, man kann sie auch anders nennen). Es wäre eine futuristische, aber dogmatisch problemfreie Option, die Heizers zu ordinieren statt zu exkommunizieren. Ausgebildet sind sie ja schon bestens
Blog Paul M. Zulehner

 

Volks-Eucharistie als Weg der Hoffnung
Herbert Kohlmaier bringt energische Einwände gegen die Exkommunikation von Martha Heizer und setzt sich mit sehr Grundsätzlichem auseinander.
Blog von Herbert Kohlmaier >>


„In der Kirchengemeinde Christi ist zwar vieles, aber nicht alles möglich“.
Was ich zur Exkommunikationswarnung an Dr. Martha und Mag. Gert Heizer meine
Univ. Prof. Roman Siebenrock auf Uni-Innsbruck >>

Kommentare:

  1. Volle Zustimmung zu Siebenrock, klarer und tiefer lässt sich dogmatisch nicht argumentieren!
    Zulehner sieht das Heil mal wieder in einer Synode, nichts Neues bei ihm. Wetten, dass es kaum was bringen würde?
    Und Kohlmeier beweist einmal mehr, wie wenig er von Theologie versteht, wenn's drauf ankommt. Nur eifern und den kirchlichen Wutbürger spielen ist zu wenig.

    Ich hoffe, dass das Ehepaar Heizer zurückrudert. Andernfalls erweitern sie nur die endlose Reihe von Schismatikern und Sektierern der (nicht nur Kirchen-)Geschichte.

    Im Namen des Konzils,
    Schillebeeckx

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  2. Ebenfalls volle Zustimmung zu Prof. Sieberock.
    Kohlmaier verwechselt Kirchenreform offensichtlich mit Astrologie, die er ja betreibt (siehe: http://www.herbert-kohlmaier.at/?cat=4/). Gott sei Dank gibt es unter uns mehrheitlich SERIÖSE Bemühungen, die sicher zum Ziel führen werden.

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  3. Wer kann ersnthaft das Vorgehen von Martha Heizer rechtfertigen?. Die Gedankenakrobatik von Paul Zulehner ist eines heologen völlig unwürdig. Siebenrock und Niewadomski sprechen Klartext. Heizer ist im Stzande um ihrer Eigeninteressen die gesamte WiSi Ki-Bewegung zu spalten und damit zu zerstören. Jeder, der sich hinter sie stellt, trägt dazu bei.

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  4. Bischof Erwin Kräutler hält die Exkommunikation der "Wir sind Kirche"-Vorsitzenden durch Bischof Scheuer für richtig: Die von Martha und Gert Heizer durchgeführten privaten Eucharistiefeiern seien "eine Provokation, ein absoluter Unsinn", so der Bischof von Altamira-Xingu, der sich zurzeit auf Österreich-Besuch befindet, im Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten" (Mittwoch).
    Zwar würden in seiner Amazonas-Diözese die meisten der kleinen Gemeinschaften von insgesamt 800 Laien geleitet und 90 Prozent der Gemeinden könnten nicht regelmäßig Eucharistie feiern, so der Bischof. Dennoch seien Eucharistiefeiern durch Laien undenkbar, da sie sich damit "außerhalb der Gemeinschaft" stellen würden.
    Kräutler: "Du kannst dich ja auch nicht selber zum Arzt machen. In unserer Kirche bekommst du eine Beauftragung. Das gehört seit 2.000 Jahren dazu."

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