Montag, 15. Dezember 2014

„Es stinkt“: Verbale Entgleisung von umstrittenem Pfarrer

Der Geistliche Gerhard Maria Wagner hat heftig gegen die katholische Kirche gewettert. Sie sei ein „Saustall“, in dem es stinke. Der Pfarrer disqualifiziere sich mit diesen Aussagen selbst, so die Reaktion der Diözese Linz.

Der 2009 als Weihbischof verhinderte Pfarrer veröffentlichte am Freitag sein neues Buch „Himmel oder Hölle“ (edition innsalz) und übte bei der Präsentation heftige Kritik an seiner Diözese: „In Linz Bischof zu werden, ist vielleicht ein bisschen schwieriger.“ Die Situation in Oberösterreich sei kontrovers und von Gegensätzen getragen, sagte der umstrittene Geistliche.

Er wünsche dem Nachfolger von Bischof Ludwig Schwarz - die Diözese hat für das Amt vor kurzem einen Dreiervorschlag erstellt - „alles Gute“, so Wagner. „Es stinkt“, sagte er auf eine frühere Aussage angesprochen, wonach er sich schon zugetraut hätte, „diesen österreichischen Saustall auszumisten“. Der Pfarrer sagte, die Kirche befände sich auf keinem guten Weg. Es gebe Spannungen, und viele Menschen seien orientierungslos. Er berief sich dabei auch auf Priester, die - wie er sagte - darunter litten, „dass wir heute im Grunde aufhören, katholisch zu sein“.

Kirche „Oligarchenwirtschaft“
Außerdem bezeichnete der Pfarrer von Windischgarsten im Bezirk Kirchdorf das Beichtsakrament in vielen Gemeinden als „tot“. Wortgottesdienste hätten eine Eigendynamik bekommen, die ihn störe. Er sagte, es gebe eine Konkurrenz im Verhältnis von Laien und Geistlichen, die er nicht verstehe. Er warf Priestern vor, „Angst vor der Pfarrgemeinderatssitzung“ zu haben. „Da stimmt doch etwas nicht“, sagte Wagner. Seine Meinung sei allerdings in Linz nicht sonderlich gefragt, vermutete der Pfarrer und bezichtigte die heimischen Diözesen, „schon ein bisschen eine Oligarchenwirtschaft“ zu betreiben. Viele Bischöfe stünden alleine da.
In der Diözese Linz würden sich alle bemühen, eine qualitätsvolle Arbeit zu leisten, sagte der Linzer Bischofsvikar Wilhelm Vieböck. „Ich finde es erschreckend, dass Pfarrer Wagner das drastische Wort ‚Saustall‘ für die ganze Kirche in Österreich verwendet.“ Diese Einstellung qualifiziere ihn nicht für höhere kirchliche Ämter, er disqualifiziere sich damit von selbst, sagte Vieböck.

„Geschämt“ für Conchita Wurst
In dem nun erschienenen Buch von Pfarrer Wagner, für das der Autor Norbert Blaichinger sieben Tage mit dem Geistlichen verbracht hatte, äußert sich der Pfarrer mitunter zu kontroversen Themen. Über Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst sagte er etwa, dass er sich damals „für Österreich geschämt“ habe. Praktizierte Homosexualität sei „Verführung und schwere Sünde“, sagte er und weiter, dass er Hilfe suchende Schwule kennen würde, so der Pfarrer bei der Buchpräsentation.
Er freue sich zwar, dass es dem neuen Papst von Anfang an gelungen sei, auf der ganzen Welt Sympathie und Vertrauen zu wecken, wird Wagner in seinem Buch zitiert. Doch er merke nichts davon, dass die Kirchen deswegen voller würden, „die Leute mehr beichten gehen und alle, die Papst Franziskus loben, in der letzten Zeit frömmer geworden sind“.
Quelle: religion.orf.at 


Linz: Bischofsvikar Vieböck weist Wagner-Aussage zurück
Gerhard Maria Wagner, Pfarrer von Windischgarsten, nennt katholische Kirche in Österreich einen "Saustall"

Linz, 12.12.2014 (KAP) Der Linzer Bischofsvikar Wilhelm Vieböck hat den Vorwurf des umstrittenen Windischgarstner Pfarrers Gerhard Maria Wagner, die Kirche in Österreich sei ein "Saustall", zurückgewiesen: "Ich finde es erschreckend, dass Pfarrer Wagner das drastische Wort 'Saustall' für die ganze Kirche in Österreich verwendet", so Vieböck in einer Stellungnahme, die die Diözese am Freitag veröffentlichte. Wagner hatte sich am Freitag im Rahmen der Präsentation seines Buches "Himmel oder Hölle - Sieben Tage mit Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner" in Linz betont kritisch zum Zustand der katholischen Kirche in Österreich geäußert.

Diese Einstellung qualifiziere Wagner nicht gerade für höhere kirchliche Ämter und disqualifiziere sich von selbst, nahm Vieböck indirekt Bezug auf Wagners umstrittene Ernennung zum Weihbischof von Linz Ende Jänner 2009. Bereits zwei Wochen später hatte dieser als "ernannter Weihbischof von Linz" um Rücknahme seiner Ernennung bei Papst Benedikt XVI. gebeten, der schließlich am 19. Februar 2009 stattgegeben wurde.

Laut Wagner sei die Kirche in Österreich in einem Spannungsfeld zwischen der Lehre des Glaubens und der Praxis. "Wenn das Durcheinander so groß wird, dann muss man das zur Sprache bringen", sagte der Pfarrer von Windischgarsten bei der Buchpräsentation. Dennoch sehe er sich als Teil dieser Kirche, die er "sehr liebt". Für Vieböck sind die Aussagen Wagners angesichts des Bemühens in der Diözese, qualitätsvolle Arbeit zu leisten, zurückzuweisen. "In unseren pastoralen Leitlinien und im Schwerpunkt 'LebensZEICHEN' werden wir durch die Akzente von Papst Franziskus, zum Beispiel im Schreiben 'Evangelii Gaudium', ermutigt", so der Pastoralamtsleiter in seiner Stellungnahme.

Konkret kritisierte Wagner etwa, dass das Beichtsakrament in vielen Gemeinden tot sei. Wortgottesdienste hätten eine Eigendynamik bekommen, die ihn wirklich störe. Er verstehe zudem die Konkurrenz im Verhältnis von Laien und Geistlichen nicht, so Wagner. "Wie kommt es, dass heute Priester Angst vor der Pfarrgemeinderatssitzung haben? Da stimmt doch etwas nicht." Er habe aber bisher nicht den Eindruck gehabt, dass seine Meinung in Linz sonderlich gefragt ist. Den heimischen Diözesen attestierte der Pfarrer "schon ein bisschen eine Oligarchenwirtschaft", viele Bischöfe stünden alleine da.

Im nun erschienenen Buch, für das Autor Norbert Blaichinger sieben Tage mit Wagner verbracht hat, nimmt der streitbare Geistliche zu verschiedenen Themen Stellung. Dabei wird der Umgang mit Homosexualität genauso thematisiert wie das neue Pontifikat: Er freue sich, dass es dem neuen Papst von Anfang an gelungen sei, auf der weiten Welt Sympathie und Vertrauen zu wecken, wird er im Buch zitiert. Aber: "Ich merke nichts davon, dass die Kirchen voller werden, die Leute mehr beichten gehen und alle, die Papst Franziskus loben, in der letzten Zeit frömmer geworden sind."
Kathpress >>


Himmel oder Hölle?
Pfarrer Gerhard Maria Wagner im siebentägigen Interview, zusammengefasst in kontroversem Buch.(Edition Innsalz).
Einige Provokationen von Gerhard Maria Wagner auf ots.at >>

Kommentare:

  1. Ich hab das nun gar nicht gelesen, aber alleine vom Titel her hört sich das doch fast an wie etwas von unserem Papst Franziskus: Die Kirche ist ein Saustall, in dem ausgemistet werden muss! - könnte doch wörtlich vom Papst sein, oder?

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    1. Lieber Pfarrer-Wagner-Freund!
      Du bist zynisch. Wagner meinte vor allem die Kirchenbasis, die "verlorenen" Schafe und die Hirten, die denen nachgehen - und fordert Rigorismus und Strenge.
      Papst Franziskus würde nie die KIRCHE so beschimpfen. Höchstens die Kleriker, die ja eine besondere Berufung haben, von der man leider kaum etwas bemerkt.

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