Montag, 11. Juni 2012

Zsifkovics erneuert Kritik an Pfarrerinitiative

Zsifkovics: Ungehorsams-Aufruf widerspricht kirchlichem Dienst
Eisenstädter Bischof äußert in APA-Interview Kritik an Bestreben, Kirche "wie eine Firma" zu führen - Trotz Priestermangels "kein Grund zu Torschusspanik"

Wien (KAP 07.06.2012) Ein "Aufruf zum Ungehorsam", wie ihn die Pfarrerinitiative zur Durchsetzung von Kirchenreformen publiziert hat, "widerspricht dem kirchlichen Dienst und dem kirchlichen Tun": Das sagte der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics in einem am Fronleichnamstag veröffentlichen APA-Gespräch. "Jeder Priester hat bei der Weihe in die Hände seines Bischofs auch diesen Gehorsam versprochen", der freilich "keine Willkür" bedeute, so Zsifkovics in dem Interview anlässlich seines silbernen Priesterjubiläums.

Die Forderungen der Pfarrerinitiative widersprächen der derzeit gültigen kirchlichen Lehre. "Die muss ja einmal von der anderen Seite angenommen, zumindest gehört werden und sollte auch einmal akzeptiert werden", forderte der Bischof. Alles andere wäre "keine Kultur der theologischen Diskussion", so Zsifkovics. Zugleich könne es "über verschiedene Punkte Gespräche und auch Weiterentwicklungen geben. Keiner von uns kann jetzt auf 50 Jahre voraussagen, wie sich manche Dinge entwickeln werden." Bemühungen der Kirche um pastoral gute Wege gebe es etwa in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen.

Er wolle die verschiedenen Reform-Initiativen der letzten Zeit nicht leichtfertig zur Seite schieben, meinte Zsifkovics. Vorbehalte habe er jedoch wegen der "Ideologie", die Kirche in ihrer Form wie eine Firma oder einen Betrieb präsentieren zu wollen. Das stehe dem entgegen, "was Kirche ist und was Kirche sein soll und was uns auch das Zweite Vatikanische Konzil an Kirchenbild mitgegeben hat", so der Bischof.

Zsifkovics wies auf ein problematisches Kirchenverständnis gerade im deutschsprachigen Raum hin, in anderen Teilen der Weltkirche gebe es diese Auseinandersetzungen nicht.

Lage bei Kirchenaustritten hat sich beruhigt

Bei den Kirchenaustrittszahlen habe sich die Lage "sehr beruhigt": Man sei fast wieder auf dem Niveau vor der Missbrauchskrise, so der Eisenstädter Diözesanbischof. Im Vorjahr traten im Burgenland 1.483 Personen (0,73 Prozent) aus der katholischen Kirche aus, 2010 hatten 1.971 Menschen die Kirche verlassen. 75 Personen sind im Vorjahr im Burgenland wieder in die Kirche eingetreten. Man bemühe sich, Ausgetretenen nachzugehen. Sie erhalten einen Brief des Bischofs mit der Einladung, ihren Schritt zu überdenken, so Zsifkovics.

In der Diözese Eisenstadt ist mittlerweile jener Brief der "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" eingelangt, in dem die Bischöfe darauf hingewiesen werden, dass sich noch immer wegen Missbrauchs verdächtige oder bereits verurteilte Priester im Dienst befänden. Für die Diözese Eisenstadt wird ein Fall genannt, in dem ein Geistlicher 2002 wegen versuchtem sexuellen Missbrauch, sittlicher Gefährdung von Personen unter 16 Jahren und Verstoß gegen das Suchtmittelgesetz zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt wurde. Er werde sich mit der Sache auseinandersetzen, so Zsifkovics: "Grundsätzlich halten wir uns an die Vorgaben, die die Bischofskonferenz da gemacht hat. Es gibt da auch ein klares Procedere und dem werden wir auch nicht ausweichen."

In der Diözese Eisenstadt leben zur Zeit 178 Priester, davon seien knapp 120 aktiv. Die 172 Pfarreien seien in Pfarrverbände und Seelsorgeräume eingeteilt, so dass man zur Zeit die Seelsorge garantieren könne, erläuterte der Bischof. "Riesige Einbrüche" befürchte er nicht, auch wenn die Zahl der aktiven Priester weiter zurückgehen werde. Es sei auch immer wieder schwierig, Priesterseminaristen zu finden. Derzeit befinden sich zehn im Seminar, vier weitere könnten im kommenden Jahr folgen. "Es ist kein Grund zu einer Torschusspanik", meinte der Bischof. Die Diözesanleitung sei bemüht, vorhandene Charismen, Fähigkeiten und Dienste gerecht über die Diözese zu verteilen.

Zsifkovics wurde vor 25 Jahren zum Priester geweiht und "kann sagen, dass ich nach heutigem Wissensstand und nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, wieder diesen Weg gehen würde". Er habe nie ein einschneidendes "Damaskuserlebnis" gehabt, in seiner Berufung aber "Erfüllung gefunden", meinte der Bischof. Drei Faktoren - sein Elternhaus, das Pfarrleben im südburgenländischen Stinatz und seinen verstorbenen Heimatpfarrer - hält er dafür für mit ausschlaggebend.


Zsifkovics erneuert Kritik an Pfarrerinitiative
Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics erneuert seine Kritik am „Aufruf zum Ungehorsam“ der Pfarrerinitiative. Die Bischofskonferenz und die einzelnen Bischöfe hätten bereits gesagt, „dass uns das riesige Schwierigkeiten macht“, so Zsifkovics.
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Diözesanbischof Zsifkovics hatte bereits in der Vergangenheit Kritik an der Pfarrerinitiative geübt - mehr dazu in Bischof Zsifkovics gegen „Experimente“.

Anmerkung: 
Es ist wirklich interessant: Zwei Bischöfe - Kräutler und Zsifkovics - zwei Sichtweisen, Haltungen und Kirchenbilder .

Kommentare:

  1. Es ist wirklich interessant: Zwei Bischöfe - Kräutler und Zsifkovics - zwei Sichtweisen, Haltungen und Kirchenbilder.

    Man muss ergänzen:
    der eine jung mit Blick auf die Zukunft
    der andere alt und geistig vor ein paar Jahrzehnten stehengeblieben

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    1. Richtig: der jung- gebliebene ist Bischof Kräutler, Dom Erwinmit viel Lebenserfahrung, Konzilserfahren und mit Indios am am Xingo arbeitend mit Blick auf die Zukunft !

      Der andere ist innerlich "Alt" und geistig vor ein paar Jahrzehnten stehengeblieben , Verfechter einer stehengebliebenen Kirche ohne Zukunft , wenn sie so weitermacht, wie bisher, und heißt Zsifkovics - so einfach ist das !

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  2. Bei den Romtreuen muss man zwischen den Zeilen lesen können:
    Natürlich führt der hochwürdigste Herr Bischof den "Verein Kirche" wie eine Firma - oder noch schlechter wie eine Firma (ohne Dialog, dafür aber mit Freunderlwirtschaft).

    Und "keine Torschusspanik" dürfte meinen, dass er noch 11 fußballtaugliche Kleriker zusammen bringt... Beim Besetzen von Pfarren schaut es völlig anders aus - da herrscht bereits landauf-landab Panik-pur.

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  3. "Ein 'Aufruf zum Ungehorsam' ... widerspricht dem kirchlichen Dienst und dem kirchlichen Tun". Schön, das ist nicht ganz falsch. Aber, lieber Episcopus: Wenn so manche Priester Gehorsam nur heucheln, und in ihrem Führungs- wie auch Lebensstil (klarer permanenter Zölibatsbruch nur als Beispiel) das Gegenteil von dem tun, was sie nicht nur ihrem Bischof, sondern vor allem Christus versprochen haben, ist Ihnen das vielleicht lieber? Wollen Sie gerne von Lügnern, Heuchlern und lebenden Halbwahrheiten umgeben sein, sind ihnen solche Kleriker lieber als solche, die ehrlich sind? Na, dann viel Spass weiterhin bei Ihrer Amtsausübung!

    "Die Forderungen der Pfarrerinitiative widersprächen der derzeit gültigen kirchlichen Lehre. 'Die muss ja einmal von der anderen Seite angenommen, zumindest gehört werden und sollte auch einmal akzeptiert werden', forderte der Bischof. Alles andere wäre 'keine Kultur der theologischen Diskussion', so Zsifkovics. Zugleich könne es 'über verschiedene Punkte Gespräche und auch Weiterentwicklungen geben. Keiner von uns kann jetzt auf 50 Jahre voraussagen, wie sich manche Dinge entwickeln werden.' Bemühungen der Kirche um pastoral gute Wege gebe es etwa in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen."
    Dazu stelle ich fest: Wenn der Herr Bischof nicht einmal weiß, wer hier seit Jahr und Tag den Dialog verweigert, dann wird's bedenklich. Wenn er es allerdings gut weiß, und nur das Volk für blöd hält, dann ebenfalls. Und was in 50 Jahren ist, weiß nur der Herr, das ist wohl klar. Allerdings: Wenn Rom im 21. Jahrhundert in Trient und beim Ersten Vatikanum stecken bleibt, dann braucht man weder ein Prophet noch ein Hellseher sein um zu wissen, wo das hinführt.

    "Vorbehalte habe er jedoch wegen der 'Ideologie', die Kirche in ihrer Form wie eine Firma oder einen Betrieb präsentieren zu wollen. Das stehe dem entgegen, 'was Kirche ist und was Kirche sein soll und was uns auch das Zweite Vatikanische Konzil an Kirchenbild mitgegeben hat', so der Bischof." - Lieber Herr Bischof, schauen Sie sich mal das Kirchenbild Ihrer Getreuen und gestandener Konservativer und schließlich Fundis an: Dort ist Ideologie, als sektiererische und dumme Sich von Glaube und Kirche eher daheim als bei der Pfarrerinitiative, die sich seit jeher an das Kirchenverständnis des letzten Konzils hält!

    "Zsifkovics wies auf ein problematisches Kirchenverständnis gerade im deutschsprachigen Raum hin, in anderen Teilen der Weltkirche gebe es diese Auseinandersetzungen nicht." Nein, das stimmt einfach nicht, und ein Dom Erwin Kräutler steht so alleine auch wieder nicht da. Halten Sie uns bitte nicht für blöd, mein Herr. Im Übrigen waren es vor rund 50 Jahren vor allem Konzilsväter aus der so genannten "Dritten Welt", die in die gleiche Richtung arbeiteten, in der heute die Pfarrerinitiative wirkt. Die Pfarrer- wie auch Laieninitiative zählen zu den wahren geistigen Erben des Zweiten Vatikanums, während Bischöfe wie der von Eisenstadt über halbwahre Lippenbekenntnisse nicht hinaus kommen!

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    1. Es wäre alles schön und gut, was Sie schreiben, Herr Schillebeecks, nur Ihr großes Vorbild, der große Konzilstheologe hätte da ein wenig anders formuliert. Und sie wollen nicht sehen: der Priesterinitiatieve mangelt es an Manches, was Schillebeecks wohl hatte: vor allem an Bescheidenheit, differenziertes Denken, und an Vorausschauen. Wenn man sich nur in heutigen Pfarrstrukturen denken kann, wenn einer sich nichts anderes, als ein z.B. "Dorfpfarrerdasein" vorstellen kann, dann kann man bei besten Willen nicht über "Reformen" sprechen. Und vor allem die "Frauenordination": sollte man nicht, bevor man an die Weihe der Frau denkt, überhaupt das Priestertum als ganzes neu denken?
      Und ich als Frau bin ich mir nicht ganz sicher, dass all diese Herren, die sich jetz so wehement für die Priesterweihe der Frau einsetzen, bereit wären, diese tatsächlich als vollwertige "Kollegin" zu akzeptieren.
      Ich kann als Frau berichten, dass ich von manchen Priester, die sich so "modern" gaben, wenn es dann darauf ankam, als Frau doch nicht als vollwertige "Gesprächspartnerin" akzeptiert wurde. Also, Herr pseudo-Schilleebecks, sie können sich mit der Theologie Ihres großen Vorbildes noch ein Zeitlang getrost außeinandersetzen!

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  4. es wird so viel geredet, tatsache ist, dass der burgenländische Bischof vor einigen Jahrhunderten leben hätte solln und nur darauf erpicht ist sich noch weiter vorzuarbeiten. menschen sind ihm nicht wichtig.

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