Donnerstag, 30. Juli 2015

Bischof Bode für behutsame Reformen der katholischen Ehe-Lehre


Bischof Bode befürchtet Scheitern der vatikanischen Familiensynode
Nicht nur Sieger und Besiegte
Franz-Josef Bode warnt vor Lagerkämpfen bei der vatikanischen Familiensynode. Beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen sind die Bischöfe uneins, in diesen Lagern dürfe man aber nicht verharren.

Franz-Josef Bode selbst hat sich für behutsame Reformen der katholischen Ehe-Lehre ausgesprochen. "Es geht darum, ob eine zweite zivile Ehe immer und in jedem Fall von Beichte und Kommunion ausschließt", sagte Bode in einem Interview mit der "Herder Korrespondenz". Bode befürwortet für Geschiedene, die erneut geheiratet haben, "unter bestimmten Umständen die Zulassung zum Bußsakrament und zur Eucharistie".

Der Osnabrücker Bischof Bode ist einer von drei deutschen Bischöfen, die an der vatikanischen Familiensynode im Herbst teilnehmen. Zu der vom 4. bis 25. Oktober tagenden Versammlung werden auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, sowie der neue Berliner Bischof Heiner Koch nach Rom reisen. Bei der Synode werden sich Bischöfe aus aller Welt mit den Themen Ehe, Familie und Sexualität befassen. Die Erwartungen, vor allem was die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Eucharistie sowie den Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen angeht, sind groß.

Bischöfe tief gespalten

Mit Blick auf die bevorstehende Versammlung äußerte Bode die Sorge, "dass die Synode in Lagern verharrt und am Ende nur Sieger und Besiegte übrigbleiben". Dies dürfe auf keinen Fall passieren. "Es braucht einen Unterscheidungs- und Versöhnungsprozess", sagte der Bischof. "Wir stehen eben nicht nur vor Einzelfragen zu Ehe und Familie, sondern es geht um die grundsätzliche Entscheidung, wie wir uns den Entwicklungen in Europa und der Welt stellen."

Bode warnt davor, die Lehrvorstellung von der Unauflöslichkeit der Ehe aufzugeben. "Abgesehen davon, dass es bestimmte Fälle der 'Scheidung' gibt, sollte Kirche sich da nicht anpassen", sagte der Bischof. "Das war schon der Urkirche so wichtig: Einehe, Treue in der Ehe und Unauflöslichkeit". Zugleich sei es jedoch wichtig, die kirchliche Wahrheit "in einen Dialog mit der Lebenswirklichkeit zu bringen und dann differenzierte Antworten zu finden für einzelne Probleme".

Keine Segnung

Der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz sprach sich gegen eine kirchliche Segnung für in zweite Ehe verheiratete Paare aus. Eine zweite liturgische Feier, wie in der orthodoxen Kirche üblich, sei keine Lösung. Er wünsche sich aber eine "pastorale Lösung, die auch einen längeren Weg seelsorglicher Begleitung der Betroffenen einschließt".

Wichtig sei zudem, die eheliche Beziehung nicht allein aus dem Blickwinkel der katholischen Sexualmoral zu beurteilen, sondern viel stärker die Ehe als gemeinsamen Verantwortungsgemeinschaft zu betrachten. "Die Fixierung auf das Sexuelle und auch die Einengung des Sexuellen auf den Akt müssen wir überwinden", so der Bischof.
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Eine stumme Ruferin
Die kirchliche Sexualmoral findet kaum noch Resonanz. Dabei wäre die Kernbotschaft notwendiger denn je. Es braucht eine selbstkritische Reflexion der eigenen Irrungen, um wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen – auch für die Debatten um die sogenannte Homo-Ehe und die Gender-Theorien.
Quelle: Herder Korrespondenz

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