Mittwoch, 6. Juli 2011

Ungehorsam: Schönborn zitiert Schüller zu sich

Nicht ohne Konsequenzen bleibt der Aufruf, Laien predigen zu lassen und die Kommunion auch Geschiedenen und Ausgetretenen zu spenden.

 [WIEN/d. n.] Kardinal Christoph Schönborn lässt den „ Aufruf zum Ungehorsam“, zu dem die Pfarrerinitiative aufruft, nicht ohne Konsequenzen. Er lädt nun Sprecher Helmut Schüller, der ihm von 1995–1999 als Generalvikar gedient hat, und den Vorstand des Vereins zu sich ein.

Und der Wiener Erzbischof bereitet ein Schreiben an alle seine Priester vor, mit dem er auf den Aufruf zumindest indirekt eingehen wird. Dass er ähnlich vehement wie vor ihm schon sein Stellvertreter an der Spitze der Bischofskonferenz, Egon Kapellari, vor einem Sonderweg Österreichs warnen wird, darf als sicher gelten.
Die ungefähr 300 Priester und Diakone haben sich in einer viel beachteten Erklärung unter anderm dazu verpflichtet, das Predigtverbot für Laien zu missachten und Geschiedenen, die neu verheiratet sind, entgegen der römischen Order die Kommunion zu spenden.

Artikel in "Die Presse" >>


"Zu viel Macht für einen Einzelnen"

Helmut Schüller probt den Aufstand gegen Rom - Im Standard-Interview spricht er über den "starken Bremsvorgang" in der Kirche
Die "Pfarrer-Initiative" veröffentlichte vor wenigen Tagen einen "Aufruf zum Ungehorsam". Darin kündigte sie wegen der "römischen Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform" unter anderem an, sich öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen, das Predigtverbot von Laien zu missachten und sich solidarisch mit jenen Kollegen zu zeigen, "die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten". Mit Helmut Schüller, einem der Proponenten der Pfarrerinitiative, sprach Sebastian Pumberger über den provokanten Aufruf.
Interview im Standard >>

Kommentare:

sanschopansa hat gesagt…

Außer ein bisschen schimpfen, wird der Kardinal nicht viel tun können. Die Purpurträger sind ganz schön in der Zwickmühle. Was sollen sie tun? Alle von der Pfarrerinitiative den blauen Brief durch den Türschlitz schieben, wie Schönborn seinerzeit bei Schüller es gemacht hat? Dann wird wohl die Pastorale Arbeit zum Stillstand kommen. Der Kardinal und die Bischöfe sollen lieber zusammenstehen und Rom Gas geben. Nur so können Reformen zustande kommen. Geredet ist genug geworden, jetzt muss gehandelt werden lieber Kardinal.
Ich bin aus der Diözese Linz und beobachte in diesem Forum mit Bewunderung die Entwicklungen in Eurer Diözese mit eurem neuen Bischof. Der fährt ja mit der Dampfwalze auf seine Mitarbeiter und Schäflein im Burgenland zu.
Liebe Burgenländer, geht zur Seite sonst kommt ihr unter die Räder, oder Ihr wehrt euch. Wir in Linz haben gezeigt, dass man nicht mit allem was Rom schickt einverstanden sein muss. Der Möchtegernbischof Wagner kann ein Lied davon singen. "Manda sìsch Zeit".

Anonym hat gesagt…

In Burgenland gehen die Uhren etwas anders, hierzulande braucht man mehr Zeit zum "Nachdenken". Die Linzer haben eben mehr Übung in Sachen Widerstand. Vielleicht geschieht aber ein Wunder und werden die burgenländische Pfarrer sich ein Beispiel an den Linzer nehmen ...

Margit hat gesagt…

Kann irgend jemand wirklich erwarten, dass Mag. Schüller den Aufruf zurücknimmt? Nein, weil man als Mensch mit Rückgrat zu dem steht, wovon man überzeugt ist und wofür man sich einsetzt. Der Aufruf war die logische Folge nach einer andauernden Reformresistenz. Echter Dialog wäre jetzt gefragt und nicht Machtspiel. Diskussionen, Informationsabende,... haben bis jetzt nichts bewirken dürfen. Nur schon bekannte Standpunkte wurden immer wieder wiederholt. Mitdenkende Menschen lassen sich auch durch Wiederholungen und ausweichende Argumente nicht überzeugen. Besonders die Warnung vor Spaltung soll stereotyp immer wieder zum Schweigen bringen. Ich vermisse auch die viel gepriesene Augenhöhe.
Das Vertrauen geht mit jeder beschwichtigenden und unverständlichen Aussage mehr verloren. Viele Menschen erwarten sich nichts mehr aus dem Vatikan. Somit geschieht die Abspaltung der Amtsträger von ihrer eigenen Seite her.