Dienstag, 11. Februar 2014

"Ihr habt auf Seiten Eurer Gläubigen zu stehen"

Par.emer. KsR. Willibald Eichinger, Pregarten

Gott zum Gruß, Herr Kardinal!
Ihr habt auf Seiten Eurer Gläubigen zu stehen, sonst bleibt Ihr Vasallen Roms

Danke für Deine Antwort auf mein Email vom 23. 6. 2013. Meine Botschaft an Dich hat fast zwei Seiten gehabt. Deine Antwort drei Zeilen, in denen Du die beleidigte Majestät spielst, weil ich Euch Bischöfe Hampelmänner und Radfahrer genannt habe. (Anm.: scherzhafte Redewendung mit der Bedeutung „nach oben buckeln,nach unten treten“) Ein Axiom in der Psychologie sagt: „Es trifft mich, was mich betrifft!“ Scheint’s haben Dich die zwei Wörter getroffen. Ich kann mir nur hoffen und wünschen, dass von Deiner Seite entsprechende Konsequenzen folgen.

Ich habe bis heute überlegt, ob ich es noch einmal unternehmen soll, Dir zu schreiben. Dein letzter Fernsehauftritt vorige Woche und ein Gespräch mit einem engagierten Laien, dem es ähnlich erging wie mir, hat mich bewogen, es noch einmal zu tun. Es ging um den päpstlichen Fragebogen und die österreichische Beantwortung. Ich habe bei Gott nicht das Gefühl gehabt, dass Du auch nur ein Bisschen hinter den Anliegen der österreichischen Katholiken stehst. Ihr Bischöfe habt die Antworten 1:1 dem Papst übergeben und seid froh gewesen, die heiße Kartoffel aus den Händen zu haben.
Mit welchem Engagement steht Ihr Bischöfe hinter den Anliegen Eurer Katholiken? Seid Ihr für Eure Katholiken da oder für die päpstliche Kurie? Euer Engagement in den letzten Jahrzehnten war enttäuschend. Ihr habt Eure Gläubigen verraten! Wo war Euer Engagement beim Kirchenvolksbegehren, wo beim Dialog für Österreich? Ihr werdet von den Gläubigen Eurer Diözesen bezahlt und nicht von der Kurie! Oder liege ich da falsch? Ein weises Sprichwort sagt: „Wes Brot ich ess´, des Lied ich sing!“

Als der Hl. Vater Dich bat, ihm beim IOR zu helfen (Anm.: Berufung in die Kardinalskommission zur Aufsicht über die Vatikanbank) , da hat im Fernsehen Dein Gesicht gestrahlt. „Gerne helfe ich dem Hl. Vater!“ Wie gerne hilfst Du deinen Gläubigen? Bei Deinem letzten Fernsehauftritt vorige Woche hat Dein Gesicht nicht so gestrahlt. Man merkte die Mühe, wie Du um Worte gerungen und Dich um klare Antworten gedrückt hast. Immer wieder hast Du – so war mein Eindruck und der meines oben zitierten Gesprächspartners – Mt 19,6 (wörtlich ident mit Mk 10,9) mit einer gewissen Schadensfreude wie eine Keule geschwungen gegen die Geschiedenen und Wiederverheirateten. Hast Du Dir einmal die Mühe genommen und Mt. 19,6 (Mk. 10,9) im offiziellen, vom Lehramt autorisierten lateinischen Text zu lesen? Dort steht: „Quod ergo Deus coniunxit, homo non separet!“ Als alter Lateiner weißt Du, dass „separet“ 3.P. Sg. Konjunktiv Präsens ist. Der Konjunktiv ist die Möglichkeits – oder Wunschform, aber niemals eine Befehlsform. Wenn der Übersetzer ein klares und eindeutiges Verbot mit dem „homo non separet“ zum Ausdruck hätte bringen wollen, hätte er drei andere Möglichkeiten gehabt:
a. „homo non separat“
b. „homini separare non licet“ (homini separare non licitum est)
c. „homini non separandum est“

Es ist schon richtig, dass es ein großes Ideal ist, dass der Mensch nicht trennen möge, was Gott verbunden hat. Aber wer hat das Recht fest zu stellen, wen Gott wann und wo und wie verbunden hat? Ist nur die Verbindung von einem Mann und einer Frau das einzige, wahre und sichtbare Zeichen für die liebevolle Zuwendung Gottes an uns Menschen? Ist nicht jede Zuwendung zu einem anderen Menschen ein sichtbares Zeichen? Zeichen sind Zeichen, die aus sich heraus wirken, und wenn Zeichen nicht mehr wirken, haben sie ihren Sinn verloren. In der Dogmatik haben wir beim Sakrament der Eucharistie gelernt, wenn das eucharistische Brot aufhört, Brot zu sein, und der Wein nicht mehr Wein ist, dann ist auch die Realpräsenz Gottes nicht mehr gegeben. Wenn eine Glühbirne ausgebrannt und somit kein leuchtendes Zeichen mehr ist, muss man sie durch eine neue ersetzen, damit sie wieder ein leuchtendes Zeichen sein kann. Analog müsste man beim Sakrament der Ehe sagen können und dürfen: wenn eine Ehe nicht mehr Zeichen der gegenseitigen Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung und Liebe ist, dann ist dieses Zeichen eo ipso kein Hl. Zeichen mehr, das etwas Positives sichtbar macht. Eine – aus welchen Gründen auch immer – gescheiterte und kaputte Beziehung ist kein Zeichen mehr für die liebevolle Zuwendung Gottes, sondern das Gegenteil: ein Zeichen für die Abwesenheit Gottes = die Hölle. Und kann es im Sinne einer Kirche sein, die dem Menschen Freude und Heil bringen soll, den Menschen zu einer Hölle auf Erden zu verdammen? Das ist sicher nicht im Sinne Jesu und schon gar nicht der Auftrag der Kirche!

Die Kirche hat den Auftrag, Heil zu vermitteln und nicht Unheil! Warum tut sich die Kirche so schwer mit Menschen, die atypisch sexuell veranlagt sind? Sind diese Menschen keine Geschöpfe – und eben Abbilder Gottes? Wenn Gott den Menschen asexuell, bisexuell, heterosexuell oder homosexuell geschaffen hat, dann ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, den Menschen so anzunehmen wie er ist, so wie Gott ihn geschaffen hat. Wir können Gott keine Vorschriften machen, wie er die Menschen auszustatten hat. Die zölibatäre Männergesellschaft der Kirchenführung nimmt sich das Recht heraus, sagen zu dürfen, wer wann, wo und wie leben darf und soll, damit er den Vorschriften der Kirche entspricht.

Das ist unchristliche, menschenverachtende Diskriminierung. (Das Gesetz ist für die Menschen da und nicht umgekehrt!) Und noch dazu ist es eine scheinheilige Doppelmoral, wenn Menschen „in der Welt“ (auch einfache und gewöhnliche Priester- siehe Z. B .Walhala!) so diskriminiert werden, während höhere Kleriker die Stufenleiter der Hierarchie mühelos und – vielleicht so gar noch unterstützt von oben – noch weiter nach oben klettern können. Scheinheiliger geht es wirklich nicht mehr! Es ist nicht zu verwundern, wenn normal denkende Menschen diese ganze scheinheilige Doppelmoral durchschauen und der Kirche den Rücken kehren. In Sachen Ehemoral hat die Kirche ohnehin schon jede Autorität verloren, sie steht ihr auch nicht zu. Die Kirche hat nicht das Recht von etwas zu reden, das sie selbst nicht lebt. Das macht sie unglaubwürdig.

Herr Kardinal, Du hast in Deiner kurzen Antwort den Wunsch geäußert, dass ich Euch Bischöfen Wohlwollen entgegenbringen soll. Ich bringe grundsätzlich jedem Menschen mein Wohlwollen entgegen. Ich wünsche mir von meinen Bischöfen, dass Ihr endlich begreift, dass Ihr auf Seiten Eurer Gläubigen zu stehen habt, sonst bleibt Ihr weiterhin Vasallen Roms (Hampelmänner und Radfahrer: bitte, beweist das Gegenteil!). Laut Oberösterreichische Nachrichten vom 31.1.2014 hat der Hl. Vater zu Euch Bischöfen gesagt: „Seid den Menschen nahe“ (nicht der Kurie!!!) Es wäre schön und befreiend, wenn wir Katholiken von Euch Bischöfen mit einem strahlenden Gesicht hören könnten: „Mit Freude unterstützen wir eure Anliegen und stehen voll und ganz auf eurer Seite!“

In Liebe und Sorge um die Kirche von heute verbunden verbleibe ich

Kommentare:

  1. Es ist in der Kirche, die ja bekanntlich die Wahrheit und Gerechtigkeit gepachtet hat, nicht anders als im wirklichen Leben - sprich als Bürger eines demokratischen Staates. Es ist einem als Bürger bzw. Mitglied der kath. Kirche auferlegt dem System zu dienen, und leider ist es nicht umgekehrt, dass das System für diejenigen die ihm anvertraut sind, da ist.

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  2. Herr p.t. Eichinger, Sie schreiben, der Kardinal stehe nicht hinter den Anliegen DER österreichischen Katholiken. - Meinen Sie wirklich, dass Sie und noch ein paar andere DIE Meinung der österr. Katholiken repräsentieren?
    Zitate: "Ihr werdet von den Gläubigen Eurer Diözesen bezahlt." Der Bischof ist Gott sei Dank nicht käuflich.
    "Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen." (Der Konjunktiv "separet" drückt nicht nur eine Möglichkeit aus, sondern er steht auch für ein Gebot. "Du sollst nicht töten" ist in der Vulgata auch nicht mit dem Gerundiv ausgedrückt. Ist das Nicht-Töten also auch nur eine Kann-Bestimmung?
    Zitat: "Wenn Gott den Menschen asexuell, bisexuell, homosexuell geschaffen hat, dann ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, den Menschen so anzunehmen wie er ist."
    Nach dieser "Logik" befürwortet Gott auch die Pädophilie, weil es ja Menschen gibt, die eine pädophile Veranlagung haben. Und wir hätten also die "verdammte Pflicht und Schuldigkeit", sie gewähren zu lassen. - Das ist nicht nur eine absurde Theologie, sondern auch Anthropologie!

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