Mittwoch, 9. April 2014

"Der größte Schatz der katholischen Kirche sind ihre internen Kritiker."

Theologe Stubenrauch: Kirche kann von Demokratien lernen
 
"Vor allem muss es in Kirche rechtsstaatliches Prinzip geben"Die Kirche kann aus Sicht des Münchner Theologen Bertram Stubenrauch von der Demokratie lernen und einzelne Elemente dieser Staatsform übernehmen. "Vor allem muss es in der Kirche ein rechtsstaatliches Prinzip geben", sagte der Dogmatik-Professor am Dienstagabend in München beim "Katholischen Basiscamp" der Katholischen Akademie in Bayern. Gläubige müssten ihre Meinung sagen dürfen. Zugleich habe das Kirchenrecht zu gewährleisten, dass Prozesse transparent abliefen.

Stubenrauch betonte, innerhalb der Glaubensgemeinschaft gebe es eine große Bandbreite an Auffassungen und Meinungen. Aber es bestünden auch gewisse dogmatische Grenzen. Diese dürfe nicht überschreiten, wer zur Kirche gehören wolle. Die Kirche sei weder rein monarchisch noch rein demokratisch, erinnerte Stubenrauch. "Die Grundstruktur der Kirche ist vorgegeben, aber jede Zeit muss sich die Struktur konkret ausgestalten."

Der Münchner Soziologe Armin Nassehi erklärte, dass die Institution von der Meinungsfreiheit profitiere: "Der größte Schatz der katholischen Kirche sind ihre internen Kritiker." Nassehi betonte, die Zugehörigkeit zur Kirche habe heute immer weniger Konsequenzen auf individuelle Entscheidungen. Obwohl sich ihre Mitglieder nicht an die klar formulierte Sexuallehre hielten, habe die Kirche keine Sanktionsmöglichkeiten mehr. Um eine innere Bindung der Gläubigen zu erreichen, müsse sie ihre Lehren theologisch viel stärker begründen als in früheren Zeiten.
Kathpress

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