Montag, 19. Dezember 2011

Kirche, Sensibilität Kommunikation, Verfassung, Reformen....

Lothar Müller 2011-12-17

Herrn Magister
Edi Posch
Begegnung & Dialog

An die Herren Bischöfe
DDr. Klaus Küng und
Dr. Stephan Turnovszky

Lieber Edi, liebe Herren Bischöfe!

Wir haben in letzter Zeit über die verdienstvolle Plattform „Begegnung & Dialog“ miteinander „ein Hühnchen gerupft“.
Wie sehr „sowas“ in weiten Teilen der Kirche aufmerksam verfolgt wird, habe ich in den letzten Tagen anhand der Reaktionen auf die Stellungnahme des Herrn Weihbischofs Stephan auf meine Aussagen erfahren: „Da hat sogar der Bischof geantwortet…“.

Ohne meine innerkirchliche Bedeutung zu überschätzen oder diese Antwort nur „als Zeichen von Höflichkeit“ zu schubladisieren möchte ich schon einmal festhalten, dass zumindest die innerkirchliche Kommunikation schon in Richtung einer neuen Qualität befindlich ist! Und dass das nicht überall so ist. Ich erinnere mich da sehr gut an das Verhalten der Regierungsspitze auf zahlreiche Einwendungen gegen den Umgang mit der Bundesverfassung anlässlich der Budgetvorlage. Eine Verfassung ist zwar keine „Heilige Schrift“, aber immerhin die höchstmögliche „Instanz“ für die betroffenen StaatsbürgerInnen. Und das ist auch „etwas Heiliges“ – innerweltlich halt!

Ich darf noch zwei Punkte anfügen.
Zum einen – auf meine z.T. etwas sarkastischen „Texte“ - haben neben Weihbischof Stephan auch Bischof Klaus, Kardinal Christoph Schönborn und – sehr intensiv – Weihbischof Andreas Laun geantwortet. Also es ist nicht so, dass man nur eine Empfangsbestätigung oder einen Rückruf einer „generell zuständigen“ Serviceeinrichtung bekäme. Dafür danke ich als Mitglied dieser unserer Kirche ausdrücklich!

Der zweite Punkt: Der steht unter dem sinngem. „Spruch“ von Leopold Kohr: „Macht, die keine Gegenmacht zu fürchten hat, wird immer missbraucht“. Das gilt selbstverständlich auch für unsere Kirche – die Geschichte ist leidvoll genug und die Verluste sind entsetzlich! Und deshalb müssen die Organisationsstrukturen diesem Prinzip unterworfen werden! Es muss – und es wird – zu einklagbarer Subsidiarität, zu transparent begründeten Entscheidungen, zu (auch menschlich ertrag- und managebaren) Teilungen kirchlicher „Macht“ kommen. Unter dem Motto – jetzt „weltlich“: Selbst wenn mein bester Freund eine hohe Funktion erhält, auch er muss in dieser Rolle demokratischen Mitwirkungs- und auch Kontrollanforderungen unterworfen werden. Auch der beste Freund!

Die Antworten der „Brüder Bischöfe“ (ernst gemeint!!) sind ein nicht unwichtiger Schritt in Richtung der Meinungsbildung in diese (halt nochmals) Richtung. Vergelts Gott! Aber sie werden verstehen, dass es noch viel weitergehen muss – und angesichts des „Katholischen Engagements“ sehr vieler – auch wird. Und – auch mit etwas Stolz: die Sensibilität ist bei uns durchaus da und hält – wenn auch nicht formell – manchem Vergleich stand.

Mit herzlichen und katholischen Grüßen – der „Heilige Geist“ mag uns!
Dein/Ihr Lothar Müller, Theologe.

1 Kommentar:

  1. "Bruder Müller", ich bin beeindruckt, wie sanft Bischof Turnovszky auf Ihren zynischen Kommentar antworten konnte. (Wenn die Kirche unter der Leitung solcher Menschen ist, dann mache ich mir keine großen Sorgen um sie.) Sie, Herr Müller, fühlen sich jetzt geschmeichelt, weil Bischöfe Ihnen persönlich geantwortet haben. (Ich vermute, dass Ihre Aggressivität und die vieler anderer Kirchenkritiker aus verletzter Eitelkeit stammt.) Und jetzt verteilen Sie als Oberlehrer gute Noten ("richtige Richtung").
    Zu "Sie verstehen, dass es noch viel weiter gehen muss": Ich vermute, Menschen wie Sie werden keine Ruhe geben, bis alles so läuft, wie sie es sich vorstellen. Dann erst stimmt für sie die "Machtkontrolle". Immer geht es ihnen um Macht. Der liebe Gott wird ihnen - nur ihnen - auch Macht abgeben müssen, wie es scheint, wenn es ihn überhaupt gibt. Sie haben den Heiligen Geist ja unter Anführungszeichen gesetzt. (Ich kann leider nicht so sanft reagieren wie der Bischof, aber ich hoffe, es nach seinem Vorbild zu lernen.)

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