Montag, 10. Juni 2013

"Prunkvolles Gehabe zu Ende"

Spiritual Werner Ruschil (Mitte) im Gespräch mit den Gärtnern vom Kloster Erlenbad Klaus Bruder (links) und Siegfried Müller
Der Sasbacher Spiritual Werner Ruschil spürt, dass die katholische Kirche einen Wandel einleiten kann 
Wenn heute in Offenburg über die Handreichung für die Begleitung geschiedener und wiederverheirateter Christen diskutiert wird, ist Werner Ruschil dabei. Der Spiritual aus Sasbach setzt sich klar für eine moderne Kirche unter dem neuen Papst ein. In der ARZ nimmt er kein Blatt vor den Mund.
»Um es klar zu sagen: Der Heilige Geist stört uns«. Mit dieser »Diagnose« aus Rom hat Spiritual Werner Ruschil keine Probleme. Ganz im Gegenteil. Der Geistliche aus dem Kloster Erlenbad ist geradezu begeistert von dem, was sich derzeit im Vatikan tut. Die Signale von Papst Franziskus würden unten an der Basis tatsächlich Gehör finden, die Menschen wieder aufhorchen lassen. Priester und gar Bischöfe zitieren Franziskus in ihren Predigten.
Offensichtlich spricht der neue Papst vielen aus dem Herzen und weiß aus reicher Erfahrung als Priester und Bischof, wo in der Institution Kirche Kräfte wirken, die den Heiligen Geist zähmen, bequem für sich zurecht biegen oder gar zum Einschlafen bringen wollen. »Und das geht nicht. Denn er ist Gott. Er ist die Kraft Gottes, er ist der, der uns den Trost und die Kraft gibt, voranzugehen. Aber voranzugehen stört: Das Bequeme ist schöner«. Volle Übereinstimmung mit dieser Botschaft aus Rom signalisiert Werner Ruschil. Papst Benedikt XVI. hat Ruschil in den vergangenen Jahren nicht mehr in einer Predigt zitiert, weil er sich mit seiner Ausrichtung vielfach nicht mehr identifizieren konnte.

Zu zögerlich
»Papst Franziskus geht pastoral und spirituell genau dorthin, wo auch ich hin will«, sagt der Spiritual, der wie viele andere im kirchlichen Dienst wieder gerne nach Rom blickt. So sage Franziskus: »Leistet dem Heiligen Geist keinen Widerstand. Es ist der Geist, der uns frei macht, mit jener Freiheit Jesu, mit der Freiheit der Kinder Gottes.« Dass der Papst diese Gedanken über den Heiligen Geist quasi als kirchlichen Störenfried während einer Messe am Geburtstag seines Vorgängers Benedikt XVI. äußerte, mag auch eines der Signale zum Neuaufbruch gewesen sein – vor allem an die Adresse jener, die den Machtapparat Kurie ausbauten und nur zögerlich an die wirkliche Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) heran gingen.

Zentralismus verfestigt
Es könne nicht sein, dass das »Rad der Kirche« hinter der Konzil in Richtung Tridentinum gedreht und der römische Zentralismus verfestigt werde, so Ruschil. »Rom spricht ständig und hat zu allen Themen etwas zu sagen und zwar so, als würde es auf der ganzen Welt keine anderen Bischöfe und Theologen geben«. Als Beispiel nannte er das neue Gotteslob für die deutschsprachigen Diözesen, das in Rom abgesegnet werden muss. »Unsere Bischöfe sind doch durchaus in der Lage, mit ihren Beratern das Gotteslob selbst herauszugeben«.
Unsäglich sei gewesen, so Ruschil, dass unter Johannes Paul II. und Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation die damaligen Bischöfe Oskar Saier, Karl Lehmann und Walter Kasper dreimal nach Rom zitiert wurden und 1993 ihr Hirtenschreiben zur Pastoral mit Geschiedenen und Wiederverheirateten zurückziehen sollten. Bereits nach dem »Habemus Papam« auf dem Balkon des Petersdoms habe Franziskus Zeichen gesetzt und betont, dass er sich als »Bischof von Rom« verstehe im Kollegium mit den anderen Bischöfen in der Welt. Ruschil verspricht sich von dem neuen Papst einiges, der allein schon durch sein bescheidenes Auftreten und einfache Kleidung ohne »komisch anmutende Gewänder mit Spitzen« überzeuge. »Ich bin heilfroh, dass dieses prunkvolle Gehabe ein Ende hat, das unter Papst Benedikt XVI. deutlich zunahm.«

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