Dienstag, 8. Oktober 2013

Zaghafter Auftakt des "Zukunftsforums"

Am Samstag, den 5. Oktober fand die von der Katholischen Aktion initiierte "Auftaktveranstaltung zum Zukunftsforum" in Wien-Ottakring statt. Kathpress berichtete darüber und auch in der "Orientierung" vom Sonntag wurde darüber berichtet.

Das Ganze war, wie die Laieninitiative ja vermutete, ein Ablenkungsmanöver. "Keine Nabelbeschau" war die Devise, denn laut Kardinal Schönborn "interessiert das niemanden". Wenn man sich den Fragebogen ansieht, dann merkt man ebenfalls: Fragen zu heißen Eisen in der Kirche fehlen völlig. Vielmehr geht es um Probleme in der familialen Lebenswelt, in der Arbeitswelt, im Zusammenleben von Kulturen und Religionen sowie in einer globalen Welt. Man könnte fast von einem neuerlichen innerkirchlichen Redeverbot sprechen - und das in einer Zeit, in der der neue Papst Franziskus permanent von notwendigen Veränderungen in der Kirche redet.

Allerdings lässt die Umfrage viel Freiheit zu. Man kann nämlich auch anonym und frei alle Sorgen bezüglich der Kirche hinschreiben, die einem am Herzen liegen. Bitte machen Sie davon Gebrauch!



"Zukunftsforum": Die Wiener Franziskus-Reformer
Am Samstag erfolgte durch Kardinal Schönborn bei einer Art Mini-Katholikentag der Kick-off für das Zukunftsforum. Die Kirche will sich wieder zurückmelden.

Man kann nicht sagen, dass Franziskus mit seinen römischen Tabubrüchen Christoph Schönborn unvorbereitet trifft. Immerhin gehörte der Kardinal von Wien dem exklusiven Kreis jener Männer an, die der vatikanischen Kurie diesen Papst „eingebrockt“ haben. Reformen hat auch der Erzbischof begonnen. Nur zaghafter und unentschlossener.

Man kann aber andererseits auch nicht sagen, dass die römischen Tabubrüche Christoph Schönborn vorbereitet treffen. Seine Diözesanversammlungen, die nächste Runde vom 17. bis 19. Oktober im Stephansdom, schleppen sich bereits in den fünften Herbst. Nicht wenige haben auf dem Weg die Orientierung verloren, worum konkret es bei diesen Zusammenkünften eigentlich geht – außer um ein Sich-schön-Reden von Sparmaßnahmen und des Zusammenlegens von Pfarren zu größeren Einheiten. Sieht so die Nähe zu den Menschen aus, wie sie Franziskus von seiner Kirche verlangt?
Nein, sagt Helmut Schüller, Sprecher der Pfarrer-Initiative. Trotzdem macht er „selbstverständlich“ mit, wenn er zu Gesprächen eingeladen ist. Auch beim jüngsten Projekt Schönborns, dem Zukunftsforum, dessen Kick-off-Veranstaltung er am Samstag aber fernbleiben musste. Seine jährliche Pfarrfahrt, diesmal ins Waldviertel, ging vor. Dafür kamen einige Vertreter der Laieninitiative – und machten durch Transparente mit der Aufschrift „Frauenweihe jetzt“ und „Priester ohne Eheverbot“ auf sich aufmerksam.
Der Heldenplatz mit seinen Großveranstaltungen bei Papstbesuchen in den 1980er- und 90er-Jahren war jedenfalls gestern. Der Yppenplatz ist es, der am Samstag für ein zweistündiges Treffen zum Auftakt des Zukunftsforums gewählt wurde, mit dem die Kirche gesellschaftliches Terrain wieder zurückgewinnen will. Yppenplatz/Brunnenmarkt also. Ausgerechnet.

„Kein kircheninterner Prozess.“ Wenn die Kirche diese nicht typisch katholisch geprägte Gegend entdeckt, kann er nicht mehr wirklich angesagt sein. „Angesagt“ zu sein, darum ist es dem Christentum selbst ja nie gegangen. Aber natürlich ist die Wahl des Ortes eine Ansage, wie Hauptorganisatorin Gerda Schaffelhofer, Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, vor einigen hundert Teilnehmern betonte: „Das ist kein kircheninterner Prozess, es geht uns um eine Öffnung, es geht uns um die Menschen draußen.“ Denn in einer „Welt der globalisierten Gleichgültigkeit“ gelte es, die „Kultur des offenen Blicks und des wachen Zuhörens“ zu stärken. Sie träume von einer Kirche, die „nicht ängstlich um sich selbst kreist, sondern ihre Tore weit öffnet“.
Kardinal Schönborn ist an diesem stürmisch-herbstlichen Samstag auch auf den Yppenplatz gekommen, um die Frage „Wo drückt der Schuh?“ zu stellen. Eine Frage, die bis Ende des Jahres gestellt bleibt. Online sollen unter www.wodruecktderschuh.at auch Angehörige anderer Religionsgemeinschaften, selbst Atheisten ihre Anliegen zu 15 Fragen formulieren – nicht an die Kirche, sondern in erster Linie an Gesellschaft und Politik.
Quelle: Die Presse >>


Fotos der Laieninitiative von der Auftaktveranstaltung zum Zukunftsforum >>

Zur "Wo-drückt-der-Schuh"-Umfrage >>

Den Weg der kirchlichen Erneuerung mit dem Papst gehen
Wortlaut der Ansprache von KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer zur Eröffnung des Zukunftsforums der katholischen Kirche in Österreich
Kathpress >>

Kommentare:

  1. Das im Einleitungstext "Probleme in der familialen Lebenswelt, in der Arbeitswelt, im Zusammenleben von Kulturen und Religionen sowie in einer globalen Welt" als sozusagen zweitrangig gegenüber den "heißen Eisen" dargestellt werden finde ich sehr merkwürdig. Etwa die Tragödie von Lampedusa und mögliche Konsequenzen zum Thema zu machen wir Papst Franziskus daraus finde ich sehr viel wichtiger als erneutes austauschen schon bekannter Standpunkte und Fakten bez. Zölibat oder Frauenpriestertum...

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    1. Es ist sehr gut, dass Papst Franziskus zu Syrien oder Lampedusa ein klares Wort gesagt hat. Dieser Papst kann es, weil er von Anfang an authentisch dem Evangelium gegenüber sein wollte und es auch ist.
      In Syrien dürfte der Papst sogar wesentlich zur Entspannung beigetragen haben. Die EU-Asylpolitik konnte er noch nicht beeinflussen - diese bleibt "eine Schande".
      Dennoch: beim Arbeitsrecht oder in der Frage der Gleichstellung kann die Kirche wenig von andern fordern, weil sie da selber in Bedrängnis kommt... Und deshalb sollte sie zunächst bei sich anfangen - Ordnung ins eigene Haus bringen. Natürlich nicht mit "NabelSCHAU", schon eher mit "Entnabelung" von all dem jahhundertealten Ballast, der Schlachtopfern gleichkommt und die Liebe verdeckt.

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