Dienstag, 7. April 2015

Leobener Dechant gibt Amt auf und wird heiraten

Nach dem Emmaus-Gottesdienst am Ostermontag in der Pfarrkirche Leoben-Donawitz informierte Dechant Maximilian Tödtling (45) die Anwesenden von seinen Plänen, alle Kirchenämter aufzugeben und nach dem Laiisierungsverfahren heiraten zu wollen.
"Ich habe euch heute eine Mitteilung zu machen, die mir sichtlich nicht leicht fällt", sagte Maximilian Tödtling, seit 2006 Dechant des Dekanates Leoben, am Ostermontag beim Emmaus-Gottesdienst in der Pfarrkirche Leoben-Donawitz. Er habe eine Beziehung und habe gebeten, ihn mit Ende August von allen kirchlichen Funktionen zun entbinden.

"Schritt fällt nicht leicht"
Wenn das Laiisierungsverfahren, die Entbindung vom Zölibat, im Vatikan abgeschlossen sei, werde er die Frau an seiner Seite, Nora Musenbichler, heiraten. Der Schritt falle ihm nicht leicht, aber er möchte auch wieder "wahrhaftig" leben, sagte er. Tödtling betonte, wie sehr er in dieser schweren Zeit des Entscheidens und des Bekanntgebens von Diözesanadministrator Heinz Schnuderl  unterstützt worden war.

"Klare Entscheidung"
Er bat die Anwesenden in der Donawitzer Kirche um Entschuldigung und Verzeihung. Er könne und wolle aber auch so nicht mehr durchs Lebens gehen. Sondern zu seiner Beziehung stehen. Er wolle aber auch keine Initiativen für seinen Verbleib als Priester. "Ich habe mich klar für diesen Weg entschieden", betonte er.
Er werde in den nächsten fünf Monaten alle Rechte und Pflichten seines Priesterseins voll ausüben, dann ein paar Wochen Urlaub und sich Gedanken über seine Zukunft machen. Auch Aufgaben innerhalb der Kirche seien im Gespräch.
Quelle: Kleine Zeitung


Homepage des Pfarrverbandes Leoben-West >>

Pressemeldung der Pfarrer-Initiative >>

Maximilian Tödtling im Ö3-Interview >>


Dechant heiratet - Zölibatsdebatte neu entflammt
Die Bürger von Leoben stehen hinter dem Schritt von Dechant Maximilian Tödtling - der 45-Jährige hatte ja angekündigt, heiraten zu wollen. Tödtlings Fall löste auch eine Zölibatsdebatte aus - eine aus Sicht eines Kirchenrechtsexperten unnötige Debatte.
Steiermark.orf.at >>

Kommentare:

  1. Er bat um Entschuldigung und Verzeihung.

    Ja wofür denn um Gottes Himmels willen? Dafür, dass er einen anderen Menschen liebt?

    Genau das ist das Grundproblem der römisch katholischen Kirche. Man glaubt sich für seine Liebe entschuldigen zu müssen, weil sie "sündhaft" ist.
    Merkt eigentlich niemand, was das für ein unmenschlicher Blödsinn ist?
    Ist halt auf zölibatärem Mist tausend Jahre lang gewachsen. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund für die Verteidigung des Zölibats mit Zähnen und Klauen.
    Man stelle sich vor, ein römisch katholischer Pfarrer muss am Sonntagvormittag eine Predigt zur "Verhütungsmentalität" oder gar "Kultur des Todes" halten und am Abend, im ehelichen Himmelbett holt ihn die Frau Pfarrerin auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Das wird ein sehr, sehr harter Aufschlag in der Realität.
    Da werden die nächsten Predigten zu dem Thema wohl nicht mehr ganz so glaubwürdig klingen.

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  2. Ich gratuliere den beiden, dass sie sich zu ihrer Liebe bekennen.
    Weiters finde ich es sehr traurig, dass die katholische Kirche immer noch an den längst überholten Traditionen festhält.
    Es wird regelmäßig für geistliche Berufe gebetet. Vielleicht sollte auch dafür gebetet werden, dass in Rom endlich Augen und Ohren für die Zeichen der Zeit geöffnet werden.

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