Dienstag, 16. Oktober 2012

Welches Menschenbild liegt der Neuevangelisierung zugrunde?

Tagebucheintrag von Prof.Söding vom 15.10.2012 zur derzeit laufenden Weltbischofssynode

Die zweite Arbeitswoche beginnt. Der ganze Tag ist wieder den bischöflichen Voten in der Aula gewidmet. Langsam kommen alle zu Wort. Hinter den Kulissen wird bereits an der Zusammenfassung und Bündelung der Stellungnahmen gearbeitet, damit der nächste Schritt getan werden kann: die Formulierung konkreter Vorschläge.
Ein Bischof zitiert frei den hl. Franziskus: „Einen Menschen zu evangelisieren, heißt, ihm zu zeigen, dass er von Gott geliebt ist.“ Und zwar nicht erst, wenn er zum Glauben gekommen ist oder ihn wieder entdeckt hat sondern unbedingt: weil er ein Mensch ist.
Wer die Menschen so sieht, betrachtet sie nicht als Objekte der Glaubensvermittlung, sondern als Partner in der Entdeckung des Glaubens. Davon sind allerdings viele Materialien und Vorstellungen zur Katechese und Neuevangelisierung weit entfernt. Ob die Synode insgesamt diesen Blick schärft? Es wäre eine Konsequenz der biblischen Anthropologie Jesu. Sie relativiert nicht die Bedeutung des eigenen Glaubens. Aber sie öffnet zwei Perspektiven: dass diejenigen, die eingeladen werden, in der Kirche heimisch zu werden, zwar, wie alle, umkehren müssen, aber wertvolle Gaben mitbringen, wie die „Heiligen drei Könige; und dass diejenigen, die einladen, sich selbst fragen müssen, ob sie die Kirche öffnen oder verschließen, wie Petrus, der einige Zeit brauchte, bis er es verstanden hat, dass der Heilige Geist dort schon war, wo er, der Apostel, erst hinkommen sollte.

Prof. Söding führt Tagebuch über die derzeit laufende Weltbischofssynode....kurz und interessant >>

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