Freitag, 26. Oktober 2012

Für mehr aufrechten Gang in der Kirche

Ungehorsam. In einer Festschrift für den Obmann der Pfarrerinitiative, Helmut Schüller, tritt der Bibelwissenschafter Walter Kirchschläger „gegen den gebeugten Rücken“ auf. Die SN bringen einen Auszug.

Walter Kirchschläger: Die Grundhaltung des gebeugten Rückens ist in den letzten Jahrzehnten zu einem zunehmenden Symptom in der katholischen Kirche geworden, das sich auf allen Ebenen ausgebreitet hat. Hand in Hand damit geht ein Autoritäts- und ein Gehorsamsverständnis, das mit dem Beispiel Jesu und mit dem biblischen Zeugnis nicht zu rechtfertigen ist, ja diesem oftmals konträr zuwiderläuft.

Ein Großteil der Bischöfe hat sich vor allem seit dem Pontifikat Johannes Pauls II. zu Befehlsempfängern degradieren lassen – obwohl das II. Vatikanische Konzil die Autorität und Verantwortung der Bischöfe in ihren Diözesen ausdrücklich hervorgehoben hat. Diese Entwicklung geht parallel zur wachsenden Tendenz eines überbordenden Zentralismus, die unter dem gegenwärtigen Bischof von Rom noch verstärkt wurde.Gebeugte Rücken als Bazillus Der gebeugte Rücken als Grundhaltung katholischer Menschen setzt sich auf regionaler und lokaler Ebene fort – so, als wäre er ein ansteckender Bazillus. Die Seelsorgenden nehmen kritiklos auf, was von den Bischöfen kommt, die nicht geweihten Katholikinnen und Katholiken – gern völlig unpassend und unpräzise als „Laien“ bezeichnet – verhalten sich ebenso gegenüber jenen, die in der (Pfarr-)Seelsorge Verantwortung tragen. Subsidiär ausgeübte und zugelassene Verantwortung in gegenseitiger Solidarität scheinen zu unverständlichen Werten verkommen zu sein, obwohl sie Grundelemente neutestamentlichen Kirchenverständnisses sind.

Eine umso wichtigere und rühmliche Ausnahme bildet – neben den weitgehend von nicht geweihten Personen getragenen Reformbewegungen – die österrei- chische Pfarrerinitiative. Sie tritt öffentlich für eine andere Grundhaltung ein und engagiert sich konsequent dafür, dass der Rücken der Katholikinnen und Katholiken, ja der eigene Rücken als Seelsorgende wieder aufgerichtet wird – und so die Tugend des aufrechten Ganges und mit ihr mehr Ehrlichkeit, Transparenz und damit mehr Christuskonformität in der Kirche Platz greifen können.

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Diese Gedanken des bekannten Theologen Walter Kirchschläger passen sehr gut zum heutigen Nationalfeiertag. Es braucht in vielen Bereichen der Gesellschaft mehr aufrechten Gang, nicht nur in der Kirche - aber da wohl ganz besonders!

Kommentare:

  1. Exzellenter Beitrag, der einmal mehr aufzeigt, wie unbiblisch und unjesuanisch, und schließlich auch unapostolisch dieser bisweilen schon fast wahnartige Ausmaße annehmende Gehorsamsbegriff auf römisch-katholisch (mit Betonung auf "römisch") ist!

    Was aber nicht unerwähnt werden soll, und Kirchschläger wohl bekannt sein dürfte: Als Religionslehrer/in, Pastoralassistent/in oder sonstige kirchlich entweder direkt beschäftigte oder indirekt anstellungsmäßig gebundene (Religionslehrer/innen-Missio) Person verliert man/frau nicht gerne leicht seinen Job, und Auszugssenarien sind nicht so einfach, wie sie uns von Juppies immer wieder vorgegaukelt werden. Singles mit "Hotel Mama"-Möglichkeiten können das einigermaßen locker nehmen, aber wer eine Familie versorgt oder ein Haus baut bzw. gebaut hat, kann ganze zwei Möglichkeiten haben: Krummer Rücken oder finanzielles bzw. soziales Fiasko! So schaut's aus in der Realität!

    Diözesanpriester haben es da insofern besser, als dass es keinen Jobverlust geben kann, Verluste sind da aber immerhin an Funktionen und Titeln möglich. Ordenspriester können es da besser haben.

    Und am besten haben es rein Ehrenamtliche: Sie haben Bedingungen, wo sie glücklich und konstruktiv Kirche mitgestalten können, oder sie pfeifen einfach drauf. Den krummen Rücken können sie sich ersparen (Masochisten ausgenommen).

    Sollte es aber in nicht allzu ferner Zukunft sowieso keine Laienbediensteten und hauptamtlich tätigen LaientheologInnen mehr geben, und gerade noch ein paar Ehrenamtliche, und die Bischöfe einsam in ihren Palästen hocken und gar noch stolz darauf sein, den größten Teil des Gottesvolkes (das sie irrtümlich für ihre Leibeigenen hielten) vertrieben zu haben, dann wird sogar der Krumme Rücken (Kirchen-)Geschichte sein.

    Das Zweite Vatikanum wollte zwar das Gegenteil von all dem, aber ... nun, Sie wissen schon.

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  2. @Schillebeeckx

    ach Gott, wie melodramatisch. Zum Lachen traurig.

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    1. @ Anonym vom 27.10.2012 21:38

      Typen wie Sie finden das also noch witzig, dass die katholische Kirche immer mehr zu einer Diktatur verkommt. Vielleicht denken Sie mal über christliche Grundwerte nach, das heutige Evangelium wäre da schon naheliegend. Und sollten Sie davon mal was begriffen haben, verstehen Sie vielleicht auch vom Zweiten Vatikanum, wenigstens ansatzweise.

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    2. Christus ist kein Diktator, sondern ein König.

      Gewiss aber kein demokratisch verbrämter. Im Johannesevangelium heißt es nicht "Ich bin ein Demokrat". Debattiert oder diskutiert hat er nicht und sich auch niemals der Meinung einer keifenden Öffentlichkeit angepasst.

      Aber so wie die Konzilstexte für sie keine Bedeutung haben, sondern nur Ihre Fantasievorstellungen davon, hat wohl auch die Bibel keine Bedeutung für sie.

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  3. @Schillebeeckx
    Gratulation für Ihre Kommentare!"
    Diese sind immer wieder wie süße Sahne auf Edis Artikel-Rosinen!
    Dankeschön!

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    1. Danke für die Blumen, liebe Schwester in Christo!

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