Montag, 24. November 2014

Franziskus: Christen sollen Dienst nicht in Macht verwandeln

Papstmesse: Christen sollen Dienst nicht in Macht verwandeln
Dienen, ohne etwas zu verlangen: Diese Haltung nach dem Vorbild Jesu kennzeichnet den Christen. Das sagte Papst Franziskus bei der Morgenmesse an diesem Dienstag in der Casa Santa Marta. Der Papst warnte davor, sich des Dienstes zu bemächtigen „und ihn in eine Struktur der Macht zu verwandeln“. Im Tagesevangelium Lk 17, 7-10 stellt Jesus den Sklaven vor, der nach dem Dienst des Tages dem Herrn auch zu Hause dient.
Franziskus:

„Einige von uns würden diesem Mann raten, zur Gewerkschaft zu gehen und sich beraten zu lassen, wie er mit einem solchen Herrn umgehen soll. Jesus aber sagt: Nein, der Dienst ist umfassend. Denn er selbst hat mit dieser Haltung des Dienstes begonnen; Er ist der Diener. Er stellt sich vor als jener, der nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Und so zeigt der Herr den Aposteln den Weg jener, die den Glauben empfangen haben, jenen Glauben, der Wunder wirkt. Ja, dieser Glaube wird Wunder wirken auf dem Weg des Dienstes.“

Ein Christ, der die Gabe des Glaubens in der Taufe empfangen hat, aber nicht den Weg des Dienens geht, „wird ein Christ ohne Kraft, ohne Fruchtbarkeit“, so der Papst weiter, ja sogar „ein Christ für sich selbst, der sich selbst dient“. Der Dienst sei überdies nur ein einziger, man könne nicht zwei Herren dienen: „entweder Gott oder dem Reichtum“. Wie aber kann ein Christ in die Lage geraten, sich aus dem Dienst zu entfernen? Am Beginn steht die Trägheit, erklärte Franziskus:

„Die Trägheit entfernt uns vom Dienst und führt uns zur Bequemlichkeit, zum Egoismus. Es gibt viele solcher Christen. Sie sind brav und gehen zur Messe, aber dann verwässert ihr Dienst. Wenn ich aber Dienst sagte, meine ich alles: Dienst an Gott in der Anbetung, im Gebet, im Lobpreis; Dienst am Nächsten, Dienst bis zum Schluss, denn Jesus sagt das ganz deutlich: ,Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven‘. Ein unentgeltlicher Dienst, ohne etwas dafür zu verlangen.“

Noch einen zweiten Weg der Selbstentfernung aus dem Dienst skizzierte Franziskus: sich selbst der Lage zu bemächtigen. Schon die Jünger hätten das getan: „Sie entfernten die Leute, damit sie Jesus nicht störten, aber sie taten das im Grunde, um es selbst bequemer zu haben.“ Die Jünger bemächtigten sich der Zeit und der Macht des Herrn: „Sie wollten ihn für ihr kleines Grüppchen“. Und sie nahmen den Dienst „und verwandelten ihn in eine Struktur der Macht“.

„Im Leben müssen wir sehr gegen diese Versuchungen ankämpfen, die uns von der Haltung des Dienstes entfernen wollen. Die Trägheit führt zur Bequemlichkeit: ein halber Dienst; und das Sich-Bemächtigen der Situation, wenn aus dem Diener ein Herr wird, das führt zu Hochmut, zum Stolz, dazu, die Leute schlecht zu behandeln, sich selbst für wichtig zu nehmen, „weil ich Christ bin und das Heil habe“, und ähnliche Dinge. Der Herr gebe uns diese beiden großen Gnaden: die Demut im Dienst, damit wir uns sagen können: wir sind nutzlose Diener – aber Diener – bis zum Ende; und die Hoffnung im Warten auf das Erscheinen des Herrn, wenn er zu uns kommt.“
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Seid nicht faul
Messe in Santa Marta am 11. November 2014
Wie soll unser Glaube aussehen? So lautet die Frage der Apostel, und auch die unsere. Die Antwort lautet: »Ein Glaube, der in den Dienst« an Gott und am Nächsten »integriert ist«. Ein demütiger, unentgeltlicher, großzügiger Dienst, der niemals »auf halbem Wege« stehenbleibt. Nur so kann man sich wirklich öffnen für die Hoffnung auf die endgültige Begegnung mit Jesus.
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