Dienstag, 4. November 2014

Weil er schwul ist: Mann darf nicht Pfarrgemeinderat werden

Der ehemalige Mönch Horst Fritze aus Wörleschwang ärgert sich über die katholische Kirche. Weil er mit einem Mann zusammen ist, durfte er nicht Pfarrgemeinderat werden.
Horst Fritze war einmal Mönch und wollte Pfarrgemeinderat werden. Er durfte nicht, weil er mit einem Mann liiert ist. Dabei möchte die katholische Kirche Homosexuelle einbinden. 

Im Lauf seines Lebens hat sich Horst Fritze zweimal entschieden, Mönch zu werden. Das erste Mal 1989. Damals ging er als Novize ins Kloster Königsmünster in der Diözese Paderborn. Weil sich das Klosterleben für ihn nicht richtig anfühlte, trat er nach einem Jahr wieder aus. Zwölf Jahre später versuchte er es noch einmal. „Ich habe immer wieder an die Zeit im Kloster gedacht und wollte meine Spiritualität mehr in mein Leben einbinden“, sagt er. Doch auch diesmal hielt die Verbindung nicht lange. Im Jahr 2004 verließ er den Benediktinerorden erneut, zog nach München und arbeitete als Innenarchitekt. Mittlerweile lebt der 50-Jährige in Wörleschwang, einem Ortsteil von Zusmarshausen, und ist seit sieben Jahren liiert: mit einem Mann.

Katholische Kirche ruft Homosexuelle zu Keuschheit auf
Bei der vergangenen Pfarrgemeinderatswahl im Frühjahr hätte er sich gerne aufstellen lassen. Einige Menschen wünschten sich, dass er in der Kirche Lektor werde. Fritze fände das schön, denn der Glaube und die Spiritualität bedeuten ihm viel. Doch der gebürtige Westfale wurde zu beiden Ämtern nicht zugelassen. Der Grund ist seine Partnerschaft mit einem Mann.

Aus Sicht der katholischen Kirche steht er damit im offenen Gegensatz zu ihren Lehren. Und Pfarrgemeinderat darf nur werden, wer sich an diese Grundsätze hält. Eine Partnerschaft zwischen zwei Männern ist für die Kirche eine Sünde, denn sie bleibt kinderlos. So steht es im Katechismus.
Schwulsein hingegen wird nicht verdammt. So schreibt Prälat Bertram Meier auf eine Anfrage unserer Zeitung: Die katholische Kirche diskriminiere Menschen mit homosexuellen Veranlagungen nicht und lehne sie nicht ab. Vielmehr gelte das Motto von Papst Johannes XXIII.: Den Irrtum ablehnen, den Irrenden lieben. Das Problem bestehe darin, dass Fritze seine Veranlagung auslebe. Denn: „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit aufgerufen“, teilt der Leiter des bischöflichen Seelsorgeamtes mit.

Homosexueller darf bei Pfarrgemeindewahl nicht teilnehmen
Diese Einstellung verärgert den ehemaligen Mönch Fritze. „Warum kümmert es die Kirche mehr, was in den Betten ihrer Mitglieder passiert, als in ihrem Glauben?“, fragt er. Aus seiner Zeit im Kloster wisse er, dass Homosexualität unter Geistlichen weit verbreitet sei und auch gelebt werde. „Aber es gilt das Prinzip: Solange es keiner erfährt, kannst du machen, was du willst.“ Diese Doppelmoral macht die katholische Kirche aus seiner Sicht unglaubwürdig.
Wenn Horst Fritze seine Geschichte heute erzählt, wirkt er sehr ruhig. Aber innerlich brodle es noch immer, sagt er. Als er im April davon erfuhr, dass er nicht aufgestellt werde, war der Ärger deutlicher zu spüren. Damals entscheid er sich, einen offenen Brief an die Wörleschwanger zu schreiben. Zusammen mit seinem Partner Björn verteilte er das Schreiben an alle Haushalte im Ort. Den Ausschlag für den offenen Brief gab ein Gespräch mit Pater Saji, dem Pfarrer von Zusmarshausen.
Saji hatte erzählt, dass es aus dem Dorf eine Bitte gebe, Fritze nicht für die Wahl zuzulassen. „Auf mich ist keiner zugekommen und hat mir gesagt, dass er nicht möchte, dass ich kandidiere“, erzählt der Innenarchitekt. Diese Unaufrichtigkeit habe ihn geärgert. In seinem offenen Brief schrieb er: „Man hat mich ausgegrenzt und hinter meinem Rücken geurteilt, was für mich persönlich zutiefst verletzend ist.“

Katholische Kirche: Wegen Homosexualität ausgegrenzt?
Eigentlich hat das Paar keine Probleme mit seinen Nachbarn und ist gut in das Gemeindeleben integriert. Horst Fritze betreibt mitten in dem kleinen Ort sein Innenarchitekturbüro. Er leitet den Wörleschwanger Chor Cantaremos, ließ sich bei der Kommunalwahl im März für die Freien Wähler aufstellen und ist Ansprechpartner für die Umgestaltung des Dorfplatzes.
Nur mit der Kirche und Pater Saji herrscht seit dem offenen Brief Funkstille. „Ich habe mich noch ein paarmal um ein Gespräch mit Pater Saji bemüht, aber er hat abgeblockt“, sagt Fritze. Seitdem fällt es dem Innenarchitekt schwer, in Wörleschwang einen Gottesdienst zu besuchen. Auch in unserer Zeitung wollte sich der Priester nicht äußern und verwies an das Bistum Augsburg. Er habe die Weisung erhalten, alle Anfragen weiterzuleiten.

Papst Franziskus spricht sich für Einbindung von Homosexuellen aus
Dass sich Papst Franziskus nun für die Einbindung von Homosexuellen ausspricht und auch die aktuelle Familiensynode in Rom eine Öffnung der Kirche signalisiert, deutet der 50-Jährige als ein positives Zeichen. Viel Hoffnung schenkt es ihm allerdings nicht. „Um wirklich etwas zu verändern, muss es aus zwei Richtungen Impulse geben: von unten und von oben“, sagt er. Eine Verordnung aus Rom helfe wenig, wenn die Gläubigen nicht mitzögen, und umgekehrt.
Um seine Geschichte mit der Kirche zu verarbeiten, schreibt der ehemalige Mönch nun ein Buch. Dann hofft er, dass er irgendwann wieder mit Freude einen Gottesdienst feiern kann.

Quelle: Augsburger Allgemeine 


Homepage von Innenarchitekt Dipl.-Ing. Horst Fritze:
Räume und Gebäude gestaltend zu verändern nennen viele Planer ihre Aufgabe. Nur wenige schaffen es, hinter der Fassade des "Angesagten" den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken und Innen-Architektur auch als eine im Außen erlebbare Gestalt des Inneren des Menschen zu verstehen, der diese Räume bewohnt.
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