Freitag, 27. Juli 2012

Bischofskongregation: Erzbischof Bezak hätte "die Soutane als Zaubererkleidung lächerlich gemacht"


Slowakei: Abschiedsgottesdienst mit Erzbischof Bezák in Trnava
Aufregung um vom Papst abgesetzten Erzbischof geht weiter - Briefwechsel zwischen römischer Bischofskongregation und Bezak veröffentlicht

Die elf Fragen des Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, die im Mai, also rund drei Monate nach der Visitation in Trnava, an Erzbischof Bezak gerichtet wurden, beschäftigten in den vergangenen Tagen die slowakischen Medien ebenso wie die gleichfalls bekannt gewordenen Antworten. Der Fragenkatalog umfasste sowohl die amtlichen Entscheidungen als auch die Glaubenstreue und den Lebensstil des abgesetzten Erzbischofs.

So interessierte sich die Bischofskongregation etwa konkret für die Rolle der früheren Generaldirektorin der Finanzgruppe ING, Anna Huscavova, in der Erzdiözese Trnava sowie deren Monatsgehalt. Auch der Grund für die Errichtung mehrerer Handelsgesellschaften wurde erfragt und von Bezak beantwortet. Huscavova habe er nach seinem Amtsantritt "um ihre Meinung zu Wirtschaftsfragen der Erzdiözese Trnava gebeten", schrieb Bezak. Die Wirtschaftsexpertin arbeite "zu einem weitaus niedrigeren Gehalt als an ihren früheren Wirkungsstätten", heißt es weiters. Ihre Fähigkeiten hätten "der Erzdiözese bereits viel Geld aus früheren schlechten Verträgen gesichert und ihre Beziehungen" hätten "mitgeholfen, viel Geld von bedeutenden Spendern zu lukrieren". Dass ihr Name bis zur Bischofskongregation vorgedrungen ist, bewertete Bezak als "ein untrügliches Zeichen dafür, wie nervös Leute sind, die um ihre Dotationen, Pfründe und Verträge gekommen sind". Sie hofften, mit Huscavovas Entfernung als Fachberaterin des Erzbischofs könne "alles wieder in die alten Bahnen zurückkehren".

Erzbischof Bezaks Treue zum kirchlichen Lehramt betreffend hatte die Bischofskongregation formuliert, "es wäre nützlich", Bezaks "Standpunkt im Hinblick auf Zölibat, Euthanasie, Abtreibung, Priestertum der Frauen und voreheliche Beziehungen zu erfahren". Der Erzbischof erklärte dazu, er sei zwölf Jahre lang Provinzial der Redemptoristen sowie sechs Jahre lang Vorsitzender der Konferenz der höheren Ordensoberen der Männerorden gewesen und habe sieben Jahre lang Moraltheologie gelehrt; wenn er "zweifelhafte Ansichten" vertreten habe, so hätte dies "über einen so langen Zeitraum schwerlich der Aufmerksamkeit entgehen können". Er habe seine Meinungen nicht geändert und seine Studenten stets angehalten, "sich um die Einhaltung der christlichen Moralgrundsätze zu bemühen, der Grenzen der göttlichen Normen eingedenk zu sein sowie enthaltsam zu leben und die Würde ihrer Sexualität zu bewahren".

Den größten Widerhall in den Medien fanden die römischen Fragen zum Lebensstil des Erzbischofs. So wurde moniert, Bezak habe "sich nur in ziviler Kleidung (Jeans und Hemd, Trainingsanzug) gezeigt und damit die Soutane als Zaubererkleidung lächerlich gemacht". Weiterer Vorwurf: Bezak habe sich "mit Mitarbeitern zweifelhaften Rufs umgeben", darunter "mit Priestern mit homosexueller Neigung sowie anderen, die Kinder haben".

Weiters wird festgehalten, er habe "Turnhallen, Saunen, Bäder und öffentliche Duschen mit Personen zweifelhaften Rufs aufgesucht". Bezak erklärte dazu, letztere Frage verstehe er nicht und wolle "den in ihr enthaltenen erniedrigenden Ton nicht zulassen". Von "Personen zweifelhaften Rufes" sei ihm "überhaupt nichts bekannt", er wisse "nicht, was eine öffentliche Dusche ist"; für Bäder habe er "keine Zeit" und Saunen interessierten ihn nicht. Vom Turnsaal, den er wegen Rückenproblemen aufsuche, kehre er stets sofort nach Hause zurück.
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Die elf Fragen des Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet vom Mai 2012 an Róbert Bezák

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Recht auf Information als "irrige Ansicht"
Neues von der fortschreitenden römischen Selbstbeschädigung
Der Vorgang ist so selten, dass der deutschsprachige "L'Osservatore Romano" gar keine Rubrik dafür kennt. Daher wurde der Rausschmiss (korrekte Bezeichnung: Amtsenthebung) des
slowakischen Erzbischofs Robert Bezak fälschlich unter "Rücktritte" veröffentlicht. Dabei
hatte sich der junge Bischof gerade dazu - trotz massiven Drucks der Nuntiatur - nicht überreden lassen.
Der Standard >>

Bischof abgesetzt: Recht auf Information "irrige Ansicht"
Die Absetzung des slowakischen Erzbischofs Robert Bezák sorgte in Bratislava für viele Fragezeichen bei den Gläubigen. Die Bischofskonferenz nennt keinen konkreten Grund für diese Maßnahme.
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Ein seltsames Spiel zwischen dem Vatikan und seinen übertreuen Anhängern in der Slowakei
Beides – seine Menschenfreundlichkeit und Begeisterung für das Evangelium sowie seine Distanzierung von seinem Vorgänger wurden Erzbischof Robert Bezak offenbar zum Verhängnis. Es gab - und gibt - Menschen in der Slowakei, die besser wissen, was katholisch heißt; daher haben sie unermüdlich Berichte über Bezák nach Rom geschickt, bis sich „der Heilige Vater traurig über die Situation zeigte und nach langem Überlegen und intensiven Gebet entschied – zum Wohle der Kirche – Eure Exzellenz zu bitten, abzutreten” hieß es in der Formulierung des Apostolischen Nuntius.
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