Dienstag, 4. September 2012

Kardinal Martini: Kirche ist 200 Jahre hinter ihrer Zeit

Ehemaliger Papst-Kandidat Kardinal Carlo Maria Martini ruft im letzten Interview vor seinem Tod zur Modernisierung der Kirche auf. "Die Kirche muss einen radikalen Prozess des Wandels beginnen, angefangen beim Papst und den Bischöfen", fordert er.

Der frühere Erzbischof von Mailand, Kardinal Carlo Maria Martini hat vor seinem Tod dazu aufgerufen, die katholische Kirche endlich zu modernisieren. "Die Kirche ist 200 Jahre hinter ihrer Zeit. Warum wachen wir nicht auf? Haben wir Angst?", sagte er im letzten Interview vor seinem Tod, das die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" am Samstag publizierte. Kardinal Christoph Schönborn würdigte Martinis Wirken über die Grenzen der Kirche hinaus.
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Klartext vor dem Tod
Georg Sporschill führte das letzte Interview mit Kardinal Martini. Der 66-jährige Jesuitenpater arbeitet seit 1991 in Bukarest. Mit Kardinal Martini war er lange befreundet.
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Gibt es eine Hoffnung für die Kirche?
Ein Gespräch mit Kardinal Martini
P. Georg Sporschill SJ und Federica Radice Fossati Confalonieri
Mailand, am 8. August 2012

Wie sehen Sie die Situation der Kirche?
Die Kirche in den Wohlstandsländern Europas und Amerikas ist müde geworden. Unsere Kultur ist alt, unsere Kirchen sind groß, Häuser sind leer, die Organisation wuchert, unsere Riten und Gewänder sind prächtig. Doch drücken sie das aus, was wir heute sind? Dienen die Kulturgüter, die wir zu pflegen haben, der Verkündigung und den Menschen? Oder binden sie zu sehr unsere Kräfte, so dass wir uns nicht bewegen können, wenn eine Not uns bedrängt?
Der Reichtum belastet uns. Wir stehen da wie der reiche Jüngling, der traurig wegging, als ihn Jesus zur Mitarbeit gewinnen wollte. Ich weiß, dass wir nicht leicht alles verlassen können. Doch wir könnten zumindest Menschen suchen, die frei und den Menschen nahe sind. Wie es Erzbischof Romero und die Jesuitenmärtyrer von El Salvador waren. Wo sind die Helden bei uns, auf die wir schauen können? Keinesfalls dürfen wir sie mit den Fesseln der Institution behindern.

Wer kann der Kirche heute helfen?
Pater Karl Rahner gebrauchte gerne das Bild von der Glut, die unter der Asche zu finden ist. Ich sehe so viel Asche, die in der Kirche über der Glut liegt, dass mich manchmal Hoffnungslosigkeit bedrängt. Wie können wir die Glut von der Asche befreien, so dass die Liebe wieder zu brennen beginnt? Als erstes müssen wir die Glut aufspüren. Wo sind einzelne Menschen, die hilfreich sind wie der barmherzige Samariter? Die Vertrauen haben wie der heidnische Hauptmann? Die begeistert sind wie Johannes der Täufer? Die Neues wagen wie Paulus? Die treu sind wie Maria von Magdala?
Ich empfehle dem Papst und den Bischöfen, in ihre Leitungsgremien zwölf ungewöhnliche Menschen aufzunehmen. Menschen, die bei den Ärmsten sind, Jugendliche um sich haben und Experimente machen. Es braucht die faire Auseinandersetzung mit Menschen, die brennen, damit der Geist wehen kann.

Welche Heilmittel empfehlen Sie gegen die Müdigkeit?
Es gibt Heilmittel im Christentum, die ihre Wirkung nie verlieren. Ich empfehle drei starke Medikamente.
Das erste ist die Umkehr. Die Kirche − angefangen vom Papst und den Bischöfen − muss sich zu ihren Fehlern bekennen und einen radikalen Weg der Veränderung gehen. Die Skandale um den Missbrauch von Kindern zwingen uns, Schritte der Umkehr zu setzen.
Die Fragen zur Sexualität und zu allen Themen, die den Leib betreffen, sind ein Beispiel. Sie sind jedem Menschen wichtig, manchmal vielleicht zu wichtig. Nehmen wir wahr, ob die Menschen die Stimme der Kirche zur Sexualmoral noch hören? Ist die Kirche hier eine glaubwürdige Gesprächspartnerin oder nur eine Karikatur in den Medien?
Das zweite ist das Wort Gottes. Das Zweite Vatikanische Konzil gab den Katholiken wieder die Bibel in die Hand. Aber können sie die Heilige Schrift verstehen? Wie finden Katholiken einen selbstbewussten Umgang mit dem Wort Gottes? Nur wer dieses Wort in sein Herz aufnimmt, kann beim Neuaufbruch der Kirche mitmachen und in persönlichen Fragen gute Entscheidungen treffen.
Das Wort Gottes ist einfach und sucht als Partner das hörende Herz. Dazu braucht es nur Stille, Hören, Lernen, Fragen und Warten, wenn ich es nicht fassen kann. Nicht der Klerus und nicht das Kirchenrecht können die Innerlichkeit des Menschen ersetzen. Alle äußeren Regeln, Gesetze und Dogmen sind dazu da, um die innere Stimme des Menschen zu klären und die Geister zu unterscheiden.
Ein drittes Heilmittel sind die Sakramente. Sie sind keine Instrumente zur Disziplinierung, sondern eine Hilfe für die Menschen an den Wendepunkten und in den Schwächen des Lebens. Bringen wir Sakramente zu den Menschen, die neue Kraft brauchen? Ich denke an die vielen geschiedenen und wiederverheirateten Paare, an die Patchwork-Familien. Sie brauchen besondere Unterstützung. Die Kirche steht zur Unauflöslichkeit der Ehe. Es ist eine Gnade, wenn eine Ehe und Familie gelingt. Wenn die Eheleute zusammenhalten und einander tragen. Wenn sie Kinder haben und sie zu selbständigen und mutigen Christen erziehen. Christliche Familien zeichnen sich aus durch die Kraft, jenen entgegenzukommen, die Not haben in der Beziehung oder in der Erziehung.
Die Art und Weise, wie wir mit Patchwork-Familien umgehen, bestimmt die Generation der Kinder. Eine Frau wurde von ihrem Mann verlassen und findet einen neuen Lebenspartner, der sie und die drei Kinder annimmt. Die zweite Liebe gelingt. Wenn diese Familie diskriminiert wird, wird nicht nur sie, sondern werden auch ihre Kinder zurückgestossen. Wenn sich die Eltern in der Kirche ausgeschlossen fühlen oder keine Unterstützung erfahren, verliert die Kirche die nächste Generation.
Vor der Kommunion beten wir: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Wir wissen, dass wir unwürdig sind und mit unserer Leistung die Liebe nicht verdienen. Liebe ist Gnade. Liebe ist Geschenk. Die Einladung, zur Kommunion zu gehen und das Brot des Himmels zu empfangen, richtet sich an die Suchenden und Bedürftigen. Das ist kein Anbiedern, sondern ein selbstbewusstes Angebot der Kirche im Wissen darum, dass bei Gott nichts unmöglich ist.
Die Frage, ob Geschiedene zur Kommunion gehen dürfen, sollte umgedreht werden. Wie kann die Kirche den Menschen, deren Beziehung schwierig oder gescheitert ist, mit der Kraft der Sakramente zu Hilfe kommen?

Womit ringen Sie persönlich?
Die Kirche ist zweihundert Jahre lang stehen geblieben. Warum bewegt sie sich nicht? Haben wir Angst? Angst statt Mut? Wo doch der Glaube das Fundament der Kirche ist. Der Glaube, das Vertrauen, der Mut. Ich bin alt und krank und auf die Hilfe von Menschen angewiesen. Die guten Menschen um mich herum lassen mich die Liebe spüren. Diese Liebe ist stärker als die Hoffnungslosigkeit, die mich im Blick auf die Kirche in Europa manchmal überkommt. Nur die Liebe überwindet die Müdigkeit. Gott ist die Liebe.
Ich habe noch eine Frage an dich: Was kannst du für die Kirche tun?

Kommentare:

  1. Da geht mir das Herz auf, wenn ich das lese, was dieser große Mann hinterlassen hat, besonders hier seine Aussagen zum Themenkomplex Menschen in Zweitehe nach einer Scheidung! Eine edlere und tiefere Definition von Sakrament (und das nicht nur in diesem Zusammenhang) hat in den letzten Jahren kein Kardinal von sich gegeben!

    Martini war eine wahre Ausnahmepersönlichkeit unter den Kardinälen, ähnlich unserem unvergessenen Franz König. Er galt als papabile, und mit ihm als Papst bräuchte es beispielsweise keine Pfarrerinitiative oder Laieninitiative, weil es einen Vatikan gegeben hätte und geben würde, von dem selber überfällige Reformen ausgegangen wären. Und Bischofsernennungen würden auch anders laufen, und vieles anderes mehr. Statt ewiger Neuevangelisierungsparolen gäbe es beispielsweise Strukturreformen, die dem Verkündigungsdienst wirklich eine Hilfe wären.

    Auf die Fürbitte von Carlo Maria Martini bete ich darum, dass den Reformkräften die Luft nicht ausgeht! Das Konzil lebt!

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    1. „mit ihm als Papst bräuchte es beispielsweise keine Pfarrerinitiative oder Laieninitiative…“ – nein, das nicht, aber Visionäre!
      Sehr geehrter Herr, Sie benützen den Namen eines großen Konzilstheologen als Pseudonym. Ich nehme daher an, dass Sie sich irgendwann mit der Persönlichkeit dieses großen Mannes auseinandergesetzt haben (und auch mit den anderen Konzilstheologen). Vielleicht lesen Sie auch die von diesen Leuten gegründete Zeitschrift: „Concilium“…? Sie sind ja voller Begeisterung für das Konzil, nicht wahr? Interessant, ich auch. Und auch Martini war ein großartiger Mensch und Theologe.
      Nur was mich stört und verwundert; Sie können offenbar zwischen einer theologischen und menschlichen Leistung und bloßer Forderungen an die „Obrigkeit“ keinen Unterschied erkennen?!
      Ich habe schon ein paar Mal versucht auf dieser Seite auf einige grundlegende Unterschiede aufmerksam zu machen. Aber so etwas will keine/r weder lesen noch hören!
      Schauen Sie, „Ihr Schillebeecks“ war nicht nur ein großer Theologe, er war auch ein Vordenker mit Visionen und vor allem ein höchst bescheidener Mensch, wie so manche Konzilstheologen auch. Sie waren authentisch, in Wort und Tat. Die Leute von den verschiedenen Initiativen, denen Sie den „Konzilsgeist“ zusprechen, sind weder das eine noch das andere. Forderungen an die „Obrigkeit“ zu stellen und von diesen Reformen zu erwarten, ist keine allzu große Leistung. Sie haben bis dato nichts Neues geschaffen! Es sind halt bloße Forderungen, die ich unmöglich als „Visionär“ erkennen kann!
      Weiters sind diese Akteure im höchsten Grad Kinder ihrer Zeit. Sie stellen sich gerne in den Mittelpunkt, streichen ihre eigene Leistung hervor, was kaum einer der Konzilstheologen je getan hat! Sie nennen sich mit Vorliebe für ihre Gemeinden „ihr Pfarrer, ihr Seelsorger“ unabhängig davon, ob „ihre Schäfchen“ sie tatsächlich als solche empfinden. Sie fordern die Wahl des Bischofs, warum dann nicht auch die freie Wahl des Pfarrers zum Beispiel? Und warum wird überhaupt einem Bischof, dem Papst so viel Bedeutung beigemessen? Damit fühlen sie sich nur noch wichtiger, mächtiger. Warum will man ständig die Bestätigung von Ihnen? Wie ein Pubertierender, der für seine Missetaten noch Streicheleinheiten einheimsen will…?
      Und die Gottesdienste, diese verkommen oft zur Selbstdarstellung des Priesters, dienen ihm, um sich immer wieder selbst bestätigen zu lassen. Nicht umsonst wird den Akteuren der Priesterinitiative pubertäre Infantilität mit Identitätsschwäche vorgeworfen…!
      Sie fordern alle miteinander unentwegt Dialog, aber sie sind nicht weniger dialogunfähig wie die Herren „Oberhirten“. Was Ihnen nicht in den Kram passt, darüber wird nicht gesprochen!
      Kein Wunder, dass sich die „Oberen“ mit ihnen auf keine Gespräche einlassen, dass Sie nicht ernst genommen werden. Die Theologen des Konzils waren Autoritäten, ohne sich „erhöhen“ zu müssen. Schüller hat keine Autorität (höchstens in seiner Gruppierung), wird auch nie eine haben…
      Alles was man ihm nicht absprechen kann, ist Medienwirksamkeit… Und da weht wirklich der Konzilsgeist?!

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  2. @ Aquilea

    Liebe Frau Aquilea, langsam nerven mich Ihre Moralpredigten über mein Pseudonym, und auf das antworte ich Ihnen jetzt zum letzten Mal. Es ist mein gutes Recht, das zu verwenden, und werde mir das durch Ihre moralinsauren Äußerungen nicht abgewöhnen. Ihren Nicknamen kritisiere ich auch nicht und akzeptiere ihn. Alles klar jetzt? Oder muss ich noch eine weit ausschweifende Nicknamen-Philosophie hier loslassen?

    Was Ihre Äußerungen über die Zeitschrift "Concilium" und über die Kenntnis der Konzilstexte betrifft, brauchen Sie mir auch keine Belehrungen abhalten, darin bin ich seit Jahrzehnten bewandert, und möchte Ihnen auch nicht in Abrede stellen, das zu sein. Nur was Sie offensichtlich wirklich übersehen: Visionäre aus den 60ern und 70ern des vorigen Jahrhunderts sind eines, und Theologen und Seelsorger, denen es nach den Entwicklungen der letzten rund drei Jahrzehnten einfach reicht, was von diesem Konzil von der obersten und mittleren Kirchenleitung alles verschleppt, negiert und zum Teil verstümmelt wurde, ein anderes. "Nicht umsonst wird den Akteuren der Priesterinitiative pubertäre Infantilität mit Identitätsschwäche vorgeworfen" schreiben Sie beispielsweise. Wer macht solche Vorwürfe, bitteschön? Hoch kompetente Theologen und Seelsorger wohl kaum, wohl nur Karrieristen und Naivlinge. Und wenn Sie dann auch noch allen Ernstes schreiben, dass die Pfarrerinitiative den Bischöfen den Dialog verweigern würde, dann seien Sie bloß froh, dass ich Sie noch ernst nehme. Jeder weiß, dass es umgekehrt der Fall ist!

    Die von Ihnen gepriesene Bescheidenheit ist an und für sich eine große Tugend, aber die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen leider deutlich, dass man damit in der römisch-katholischen Kirche nicht weit kommt, wenn man Reformen will. Es wird in der Obrigkeit einfach nur als Kriecherei und Kadavergehorsam missverstanden ("Die geben eh eine Ruh"). Der Pfarrerinitiative und der Laieninitiative bleiben keine anderen Möglichkeiten mehr, als sich so zu verhalten, wie sie es tun. Das war in den 60ern und 70ern anders, da wurden reformorientierte Leute gehört und meistens sogar geschätzt, heute erleben wir das Gegenteil. Für mich ist es da keine Frage mehr, auf welcher Seite der Konzilsgeist weht, und die Frage der Medienwirksamkeit ist dabei irrelevant, wenn es letztlich um die Wahrheitsfrage geht.

    Eins noch zum Abschluss: Wenn Sie sich darüber aufregen, dass Gottesdienste zur Selbstdarstellung des Priesters verkommen, was Sie gerne der Pfarrerinitiative vorwerfen, dann feiern Sie mal die Liturgie selbstverliebter Bischöfe und besonders karrierefreudiger Priester halbwegs kritisch mit. Sollte Ihnen das dann nicht die Augen öffnen, so wird Ihnen wohl kaum mehr zu helfen sein.

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    1. Lieber Herr Schillebeeckx, ich akzeptiere Ihre Entscheidung, mir nicht mehr antworten zu wollen. Alleine verstehe ich Ihre überaus gereizte Reaktion nicht. Ich war weder beleidigend, noch zu persönlich, weder „zu moralisierend“ oder belehrend. Zumindest war das nicht meine Absicht.
      So viel noch zu meinen „Ausführungen“, damit sie mich (vielleicht, ev.) doch besser verstehen: Ich habe ihre theologische Qualifikation nicht in Frage gestellt, im Gegenteil. Deshalb verwundert mich Ihre einseitige Kritiklosigkeit gegenüber den „Reformgruppierungen“, Ihre naive Hoffnung auf die Wirkmacht einzelner Menschen, wie etwa Papst und Bischöfe (auch wenn das ein „Martini“ gewesen wäre…). Dafür habe ich Sie auf das „Concilium“ angesprochen!
      Weil ich AUCH die „sogenannten Reformorientierten“ kritisch betrachte und bei diesen einiges auszusetzen habe, heißt es noch lange nicht, dass ich alles verneine oder ablehne. Ich vermisse halt bei diesen Leuten vieles, sehr vieles, die diese von der „anderen Seite“ so grundlegend unterscheiden würde… Sie sind meiner Ansicht nach z.B. vor allem (und ich habe hier meine Erfahrungen!) in ihrem Denken nicht weniger, höchstens anders klerikal, wie die „andere Seite“ (maschek Seite). Und das ist es, was für mich das ganze Gerede über Reformen fragwürdig erscheinen lässt. Kurz gesagt, ich traue diesen Leuten einfach nicht zu, dass sie wirklich echte, tiefgreifende Reformen haben möchten oder noch besser, sich vorstellen können. Reformen möchten viele, aber was für eine?!
      Übrigens, in den letzten Jahren sind zahlreiche Bücher, Artikel zu diesem (meinem) Thema erschienen, durchaus von reformorientierten Theologen, die in die gleiche Richtung denken, wie ich. Diese betrachten sehr kritisch so manche (Fehl)Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in der Kirche, sowohl was die Pastoral als auch die Liturgie betrifft. Und das ist es, was „Ihre Leute“ nicht sehen und hören wollen und höchstwahrscheinlich auch Sie nicht. Vielleicht reagieren Sie deshalb so gereizt auf meine Kritik, weil damit auch das bisherige eigene Wirken einigermaßen in Frage gestellt wird?
      Glauben Sie mir, mir ist es vollkommen bewusst, dass die Kirche in den 70-er Jahren eine andere war, als heute. Und genau hier setzt meine Kritik an. Es wurde nicht nur die „Kirchenleitung“ „nach RECHTS“ ausgewechselt. Nach hoffnungsvollen Anfängen ist überall alles stecken geblieben! Es hat sich nichts mehr weiterentwickelt, heute wird nur noch das kopiert, oder nicht einmal, was in den 70-ern geschaffen wurde. Das ist das Problem. Die Bischöfe sind Selbstdarsteller, neufeudale Herren, natürlich, genau deshalb sollte die „andere Seite“ Kreativität erweisen und etwas Neues schaffen, und das auf höchstem Niveau! Aber das kann sie nicht, weil sie sich nur (noch) auf das (billige, billigste) „Kopieren“ versteht! Von der „Außenwelt“ wird nur das übernommen, was man lieber lassen sollte!
      Ich denke, es reicht nicht uns ständig auf das Konzil zu berufen. Wir müssen uns von so manchem Liebgewonnenen verabschieden, damit etwas ganz Neues entstehen kann! Konzil bedeutet für mich, uns geistig vorwärts zu bewegen, die „Zeichen der Zeit“ verstehen, deuten, nicht nur alles von „Oben“ fordern und erwarten!
      „Radikales“ Umdenken haben nicht nur die da „OBEN“ notwendig, sondern wir alle. Wir sind doch alle Kirche, nicht wahr?
      Es grüßt Sie herzlichst, Ihre Aquilea

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