Freitag, 2. November 2012

Absage an Reformen bei Bischofssynode

Die katholische Kirche kämpft mit Kirchenaustritten und innerkirchlichem Streit über Reformen. Bei einer Synode in Rom berieten Kardinäle, Bischöfe und Experten über Strategien zur Glaubensstärkung, unter ihnen Bischof Ägidius Zsifkovics.

Den Reformern in der Kirche erteilt Zsifkovics eine Absage. Es müsse Schluss sein mit „internem Hickhack und strukturellen Streitereien“. Während in manchen Ländern dieser Welt Christen für ihren Glauben zu sterben bereit seien, werde in Mitteleuropa „auf hohem Niveau gejammert“.
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Ohne Freude steckt die Botschaft niemanden an
„martinus“ bat Bischof Ägidius um eine Zwischenbilanz zur Bischofssynode

martinus: Zeichnet sich schon so etwas wie eine „Strategie“ zur Neuevangelisierung ab?

Bischof Zsifkovics: Worüber sich ebenso alle einig sind: Es gibt keine „Strategie“, kein „Programm“, kein „Marketing“, keinen „Masterplan“ einer Neuevangelisierung! Wer auf so etwas wartet, wird enttäuscht werden. Es geht darum, in der heutigen Zeit die Einfachheit des Glaubens neu auszusagen und in der Christusbegegnung neu zu verwurzeln. Hilfe dabei sind die Liturgie, die Verkündigung, die Sakramente, die christliche Caritas.

Doch es braucht im 21. Jahrhundert sicher einen neuen, vertieften Blick auf Jesus Christus, wie ich in meiner Intervention vor der Synode betont habe. Dazu habe ich das Vermächtnis des Jesuiten Teilhard de Chardin in Erinnerung gerufen. Erst wenn eine menschliche Kirche in der Nachfolge Christi die Menschen wieder im Kontext ihrer unmittelbaren Lebenswirklichkeiten persönlich und emotional erreicht, wird die heutige Unfruchtbarkeit der Evangelisierung beendet sein. Erst wenn die Kirche wieder beginnt, in ihrem Dienst, ihrem Tun und Sagen alle Themen und Wirklichkeiten des Menschen, auch die Wissenschaft, zu umarmen, wird der christliche Glaube den Zauber seiner Anziehungskraft wieder voll entfalten können. Diese heutige Zeit birgt in meinen Augen die reelle Chance, das unermessliche Potential suchender, ringender und hoffender Menschen im christlichen Glauben zu aktivieren. Dazu muss die Neuevangelisierung auch die von den meisten Bischöfen betonte interreligiöse und ökumenische Dimension voll entfalten. Die Bischöfe sind sich einig, dass dieser Prozess begleitet sein muss von viel intensiveren Katechumenaten und Einführungen in den Glauben und seine Themen. Denn ein Glaube ohne Inhalt ist wie ein Organismus ohne stützendes Skelett: schwammig und schwabbelig!

Zuletzt sind sich die Bischöfe einig, dass Schluss sein muss mit internem Hickhack und strukturellen Streitereien. Ich darf daran erinnern, dass heute in manchen Ländern dieser Welt Christen für ihren Glauben zu sterben bereit sind, während in der westlichen, zumal mitteleuropäischen Welt auf hohem Niveau gejammert wird. Das Evangelium ist aber keine Sitzordnung, sondern Wegweisung! Wir alle – Priester und Laien – müssen zusammenrücken (ohne dabei auf unseren Sesseln kleben zu bleiben!) und wieder sehen lernen, worauf es wirklich ankommt!
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Mehr Fragen als Antworten
Die Bischofssynode in Rom hat am Freitag (26.10.) einen "Nuntius", eine abschließende Botschaft, als Ergebnis ihrer Arbeit veröffentlicht. So richte sich die Neuevangelisierung „hauptsächlich an die Menschen […], die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben und in ihrem Leben keine Beziehung zur christlichen Praxis haben“. Mit anderen Worten, an Menschen, die außerhalb der Kirche stehen, ihr den Rücken gekehrt haben. Was aber sind die Rezepte für die Neuevangelisierung dieser Menschen?
Was nützt es, zu konstatieren, dass die Kirche "der Raum, den Christus in der Geschichte anbietet“, ist? Gerade diesen Raum haben die Menschen ja verlassen! Reicht es dann aus, dass wir “einladende Gemeinden bilden“ müssen? Und was müsste sich dazu ändern? Und wenn für die Feier innerhalb dieser Räume gilt: „Die Schönheit des Glaubens muss besonders in der heiligen Liturgie und dort vor allem in der sonntäglichen Eucharistiefeier aufstrahlen“, wie bewegt man denn die Menschen draußen dazu, an dieser Feier teilzunehmen?
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