Donnerstag, 29. Januar 2015

Buchtipp: Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte


„Es gibt in der Kirche nichts, was immer schon da war“
Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ spricht Kirchenhistoriker und Theologe Hubert Wolf unter anderem über unterdrückte Traditionen der katholischen Kirche, Äbtissinnen als De-facto-Bischöfe und den Reformkurs von Franziskus. Von Joachim Frank


Herr Wolf, Sie beziehen sich in Ihrem neuen Buch auf den Papst, der aus weiter Ferne nach Rom kommt und gegen „gräuliche Missbräuche“ der Kurie wettert. Dieser Papst war der Reformer Hadrian VI., der Anfang des 16. Jahrhunderts nach kurzer Amtszeit grandios gescheitert und früh gestorben ist. Was muss Papst Franziskus besser machen als sein Vorgänger?

Franziskus braucht Bündnispartner, an denen es Hadrian fehlte, um mit den Krankheiten der Kurie aufzuräumen, die er in seiner in ihrer Schärfe einzigartigen Rede am 22. Dezember angeprangert hat. Für sein Reformprogramm muss er weder mit der Tradition der Kirche brechen noch etwas neu erfinden, sondern lediglich bewährte Modelle aus dem vergessenen oder verdrängten Schatz der Kirchengeschichte hervorholen. Dafür biete ich eine Art Materialsammlung.
Weiterlesen im „Kölner Stadt-Anzeiger“ >>


Kirchenhistoriker taucht in die Tiefen der Kirchengeschichte ein
Ein Tisch der Traditionen
Prof. Hubert Wolf von der Universität Münster hat sich mit den verschiedenen Traditionen des Christentums befasst. Woher man weiß, welche davon echt und welche unecht sind, erklärt er in seinem Buch "Krypta" und im
domradio.de-Interview >>


"Zeigen, dass es Alternativen gibt"
Frauen hatten in der Kirchengeschichte ähnliche Aufgaben wie männliche Bischöfe. Das schreibt Hubert Wolf von der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster in seinem neuen Buch "Krypta". Es gebe Alternativen zu Praktiken, die "manchmal daherkommen, als ob sie Ewigkeitscharakter" hätten, sagte er im 1. Teil im
Deutschlandfunk >>

"Reform funktioniert nur im Rahmen der Tradition"
Hubert Wolf im Gespräch mit Andreas Main (Teil 2)
Deutschlandfunk >>


So liberal war die Kirche früher
Frauen, die Priestern vorgesetzt sind? Kardinäle, die den Papst kontrollieren? Der Münsteraner Historiker Hubert Wolf hat in alten Akten brisante Vorbilder für eine mögliche Kirchenreform entdeckt.
Die Welt >>

Reformideen aus der Tradition der Kirche:
Frau Kardinal und die Macht der Geschichte
Reform gehört zu den Strukturmerkmalen der katholischen Kirche. Sie kann jedoch nur in dem Rahmen, den die kirchliche Tradition absteckt, stattfinden. Daher ist es eine Hauptaufgabe der Kirchengeschichte, den ganzen Tisch der Tradition zu decken und angeblich ewigen Wahrheiten und Strukturen alternative Modelle gegenüberzustellen. So hatten Fürstäbtissinnen über Jahrhunderte bischöfliche Vollmachten, gleichzeitig amtierten Bischöfe ohne jede Weihe. Erst das Zweite Vatikanische Konzil hat alle Vollmacht in der Kirche an die Bischofsweihe gebunden. Die Option einer „Frau Kardinal“ ist damit unmöglich geworden.
Hubert Wolf in Herder Korrespondenz >>

Hubert Wolf
Krypta
Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte
Tief unten in den Kellern der Kirchengeschichte, verborgen selbst für die meisten Historiker, liegen jahrhundertealte Traditionen begraben, von denen die Kirche heute nichts mehr wissen will. Hubert Wolf steigt mit archäologischem Spürsinn hinab in diese Krypta. Er entdeckt dort Frauen mit bischöflicher Vollmacht, Laien, die Sünden vergeben, eine Kirche der Armen – und andere Traditionen, die heute wieder aktuell werden könnten. Die katholische Kirche setzt auf die lange und unabänderliche Tradition ihrer heute gültigen Einrichtungen und Regeln. Grundlegende Reformen gelten als Sakrileg. Höchste Zeit für einen frischen Blick auf die Geschichte: Päpste waren einmal in Gremien eingebunden, die sie kontrollierten, Frauen konnten Sünden vergeben, Laien hatten etwas zu sagen, Bischöfe wurden gewählt. Die katholische Kirche war lange ein breiter Strom mit vielen Nebenarmen – den der römische Zentralismus im 19. Jahrhundert kanalisierte. Dazu wurden Traditionen erfunden, an die bis heute selbst Historiker glauben. Hubert Wolf enthüllt an zehn Beispielen Vergessenes und Verdrängtes – und gewinnt daraus Reformideen für die Kirche von morgen.
Verlag C.H.Beck >>

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