Sonntag, 5. August 2012

Unser Brot


Wenn wir sagen: Unser tägliches Brot –
Meinen wir alles, was wir brauchen,
um im Frieden zu leben.
Brot ist Friede.
Friede im Schutz deiner Macht erbitten wir,
Frieden in deiner sorgsamen Hand.

Essen können, statt zu hungern, ist Frieden.
Trinken können, statt zu dürsten,
warm haben, statt zu frieren, ist Frieden.
Schutz finden in einem Haus,
arbeiten können
und seine Kraft einsetzen dürfen,
das alles ist Friede, ist tägliches Brot.

Einen Menschen haben,
mit dem man vertraut ist,
sich nicht ängstigen müssen vor der Einsamkeit,
vor Streit und Hass
und vor der Hölle des Krieges.
Sich nicht ängstigen müssen um Kinder,
Eltern oder Freunde,
sie nicht hergeben müssen
an die Maschine des Mordens:
das alles ist das Brot, das wir täglich brauchen
und für das wir täglich danken.

Unser tägliches Brot, von dem wir leben,
ist auch das Wort eines Menschen.
Wir können nicht leben,
wenn nicht das Wort zu uns kommt,
das ein anderer Mensch zu uns spricht.
Vertrauen muss darin liegen,
Weisung muss es geben,
Klarheit und Freundlichkeit.
Es ist kein Friede, wo Menschen nicht miteinander sprechen.
Das Wort ist Brot.
Unendlich viele Menschen hungern
nach dem täglichen Wort.


Jörg Zink, Wie wir beten können, Kreuz Verlag, Stuttgart 1970, 244.




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