Freitag, 15. November 2013

„Ökumene 2017“: Offener Brief an Papst Franziskus

Die Mitglieder der „Ökumene 2017“ haben einen offenen Brief an Papst Franziskus geschrieben. Darin setzt sich die in Ennepetal gegründete, bundesweit agierende Kirchenreformgruppe für die Aufhebung der Exkommunikation Martin Luthers durch die katholische Kirche sowie die gegenseitige eucharistische Gastfreundschaft zwischen den christlichen Kirchen. Damit ist die Möglichkeit zur gemeinsamen Feier des Abendmahls gemeint.

Große Hoffnung in neuen Papst
Die Mitglieder der „Ökumene 2017“ setzen sich für eine „jesuanische Kirche“ ein: einladend, dialogisch und synodal, voller Gottvertrauen, bescheiden und lebendig sowie den Menschen und ihren Nöten zugewandt. Im Hinblick auf diese Attribute setzen sie große Hoffnungen in den neuen Papst. „Franziskus’ schlichte Feierlichkeit“, hebt der Vorsitzende der Initiative, der Ennepetaler Bruno Hessel, hervor. Er trete in Kontakt mit den Menschen, im Gegensatz zum „weltängstlichen und überheblichen“ Auftreten seines Vorgängers Benedikt XVI. Man erwarte aber von Franziskus nicht nur eine Stiländerung, sondern strukturelle Reformen der Kirche und theologisch-pastorale Neuansätze.

Mit zwei zentralen Forderungen wendet sich die „Ökumene 2017“, die eine „versöhnte Verschiedenheit der Kirchen“ propagiert, nun an Franziskus I.

„Sehr geehrter, lieber Bruder Franziskus im Papstamt“, heißt es in dem Brief, „in Deutschland begann vor fast 500 Jahren die Reformation. Nun ist es an der Zeit, dass die von Luther nicht beabsichtigte Kirchenspaltung auch von Deutschland aus zu einer neuen, gegenseitigen Anerkennung der christlichen Konfessionen führt.“Dieser „Religionsfriede“ lasse sich durch zwei Entscheidungen verwirklichen: Die Exkommunikation Martin Luthers durch die Bulle von Papst Leo X. aus dem Jahr 1521 müsse zurückgenommen werden. „Das wird in der Katholischen Kirche inzwischen als berechtigt angesehen“, erläutert Hessel. „Die Rehabilitierung Martin Luthers durch die römische Kurie wäre ein angemessenes Zeichen der Versöhnung und eine historisch längst überfällige Geste, die Mitverantwortung der römischen Kurie an der Kirchenspaltung einzuräumen“, heißt es im Brief. Franziskus habe ja bis 2017 Zeit, dies vorzunehmen – im „Lutherjahr“ jährt sich der Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg zum 500. Mal. Luthers kritische Worte gegen die Ablasspraxis setzten letztlich die Reformationsbewegung in Gang.

Keine so großen Differenzen
In einer zweiten Forderung an den Papst setzt sich die „Ökumene 2017“ dafür ein, dass auch Protestanten zur katholischen Eucharistiefeier eingeladen sind. „Im theologischen Verständnis der Eucharistie bzw. des Abendmahls bestehen inzwischen keine so großen Differenzen mehr, dass die gegenseitige Einladung zum Mahl noch nicht verantwortbar wäre“, schreibt die Gruppe.Übrigens unterzeichnete neben Bruno Hessel für den Vorstand der „Ökumene 2017“ mit Professor Gotthold Hasenhüttl ein suspendierter katholischer Priester für den Beirat den Brief an den Papst. Der österreichische Theologe und Kirchenkritiker hatte 2003 auf dem Kirchentag in Berlin einen ökumenischen Gottesdienst abgehalten. In der Folge suspendierte ihn die katholische Kirche vom Priesteramt und entzog ihm später auch die Lehrerlaubnis.
Quelle: derwesten.de

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