Montag, 13. Januar 2014

Bischöfe getrieben von Laien - und vom Papst

Mehr als 30.000 haben in Österreich den Vatikan-Fragebogen ausgefüllt. Themen: Geschiedene, Verhütung. Die Bischöfe müssen Franziskus darüber berichten.
 
Österreichs Bischöfe erscheinen immer mehr als Getriebene. Getrieben unter anderem von den Wünschen der Laien (und auch mancher Priester), die an der vom Vatikan angeordneten Kirchenvolksbefragung zu Themen wie Ehe und Sexualität in unerwartet hohem Ausmaß teilgenommen haben. Mehr als 30.000 haben den Fragebogen ausgefüllt, die meisten per Internet – Tendenz trotz offiziellen Annahmeschlusses weiter steigend.
Die Ergebnisse sollen noch im Jänner veröffentlicht werden. Die Zeit drängt. Denn die gesamte Bischofskonferenz ist von 27. bis 31. Jänner in Rom zum Rapport. Genau gesagt: Der für die Bischöfe der Welt alle fünf Jahre vorgesehene Ad-limina-Besuch (leitet sich von der Visite bei den Grabkirchen von Petrus und Paulus ab) beim Papst und den Spitzen der vatikanischen Kongregationen wird fällig.
Getrieben sind die österreichischen Bischöfe auch von Franziskus selbst. Dieser gibt nämlich ein zumindest in der jüngsten Kirchengeschichte einmalig hohes Tempo vor. So wurde auch die Bischofssynode der Weltkirche zum Thema Familie auf den heurigen Herbst vorverlegt. Die heißesten Themen dabei: der Ausschluss von Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, von den Sakramenten. Und das Verbot „künstlicher“ Mittel der Empfängnisregelung (Pille, Kondom,...). In beiden Fällen gibt es seit Jahrzehnten größer werdenden Druck vor allem der Basis, auch von Theologen in Richtung einer Änderung.
Der Vatikan hatte im vergangenen November zur Vorbereitung auf diese Bischofssynode einen Fragenkatalog an die Ortskirchen aller Länder versendet. Die 39 Fragen richten sich zwar an die Bischöfe. Die Vorgabe aber: Sie mussten die Fragen bis an die Kirchenbasis weitergeben und sie nicht nur selbst im stillen Kämmerlein des Bischofshauses beantworten. In der Folge luden alle österreichischen Diözesen dazu ein, Antworten zum Fragebogen via E-Mail und Internet einzusenden.
Die größte Resonanz fand der Fragebogen laut Katholischer Presseagentur in der Steiermark. Von der Diözese wurde eine leicht verständliche Kurzversion erarbeitet, der sich auch die Diözesen Innsbruck und Gurk-Klagenfurt anschlossen. Von den steirischen Katholiken allein kamen 14.221 ausgefüllte Kurzfragebögen.

 „Dass sich wirklich etwas bewegt“
Der Feldkircher Pastoralamtsleiter Walter Schmolly hofft auf Veränderungen in der Familienpastoral: Die erhobenen Fakten zur Lebensrealität der Familien und Ehen sollten bei der Synode möglichst viel Gewicht bekommen, „sodass sich wirklich etwas bewegt“, so Schmolly in der neuen Ausgabe des Vorarlberger Kirchenblatts. Er hofft vor allem auf Veränderungen bei den Themen Wiederheirat nach Scheidung und „verantwortete Empfängnisregelung“. Ziele müsse sein, dass die Kirche für Familien und Jugendliche in Beziehungsfragen eine „verständnisvolle und kompetente Begleiterin“ sein kann.

Quelle: DiePresse

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