Dienstag, 29. November 2011

Wo bleibt der Aufschrei der Priester!?



Liebe FreundInnen!

Sicher habt ihr schon vom plötzlichen Tod von Johannes Leuthner gehört. Hermi Scharinger hat zum Nachruf von Kardinal Schönborn folgenden Text verfasst und auch an viele versendet:


"Er hat sich sehr bewusst auf die neue Situation eingelassen..." (Nachruf von Kardinal Schönborn)

Über 14 Jahre lang habe ich mit Johannes zusammengearbeitet. Ich habe nicht nur meinen Chef verloren, sondern auch meinen Freund und Wegbegleiter, mit dem ich gemeinsam unsere Visionen von Kirche verwirklichen wollte. Deswegen möchte ich die Worte unseres Kardinals nicht unkommentiert stehen lassen: Einen Sommer lang hatte Johannes mit der Entscheidung, die 5 Pfarren gemeinsam mit seinem Team zu leiten, gerungen. Dass er sich letztlich dafür entschieden hat, war, das hat er in den letzten 4 Jahren immer wieder gesagt, weil er damals von der Leitung "emotional erpresst" worden war: Großstelzendorf und Göllersdorf lagen zwischen den drei "Altpfarren" und es fand sich kein Priester, der diese 2 Pfarren übernehmen wollte. Wo hätte der auch wohnen sollen? Der Pfarrhof von Göllersdorf ist vollkommen verfallen, seit 40 Jahren ist nichts renoviert worden. So sah die Leitung nur die Möglichkeit, alle von einem Team unter der Leitung von Johannes betreuen zu lassen oder die 5 Pfarren zu teilen. Das jedoch hätte bedeutet, dass Bergau, Göllersdorf und Großstelzendorf eine Einheit gebildet hätten, weil sie auch zu einer politischen Gemeinde gehören. Und Breitenwaida und Sonnberg wären extra geblieben. Für Johannes hätte die Entscheidung gegen die 5-Pfarren-Lösung bedeutet, dass er auf jeden Fall eine seiner liebgewonnenen "Altpfarren" verloren hätte, wenn er Pfarrer von Breitenwaida bleiben und in seinem Pfarrhof weiter wohnen wollte. Mit Sonnberg und Breitenwaida alleine hätte er seiner Meinung nach bald andere Pfarren im Bereich Hollabrunn dazu bekommen. Hätte er zugestimmt, Pfarrer von Göllersdorf, Großstelzendorf und Bergau zu werden (ohne Wohnmöglichkeit und mit einem um ca. 1 Mio Euro sanierungsbedürftigen Pfarrhof) hätte er auf Breitenwaida und Sonnberg verzichten müssen. 10 Jahre war er glücklich gewesen als Landpfarrer von Breitenwaida, Sonnberg und Bergau und er wollte einfach nicht eine dieser drei Gemeinden und die vielen vertrauten Menschen dort im Stich lassen. So hat er sich "mit viel Bauchweh", das ihm im ersten Jahr auch eine Darmspiegelung bescherte, für die 5-Pfarren-Lösung entschieden, letztlich auch, weil er mit einem guten Team arbeiten konnte. Bis zuletzt hat er dabei seine Anforderung an sich als Seelsorger nichtaufgegeben: "Ich möchte bei den Menschen sein in ihrem Leid und in ihren Freuden." Er kannte fast alle Menschen in den Pfarren persönlich, wollte jede Taufe selber machen, jedes Fest mit den Leuten feiern, ihre Toten begraben.

Dass ihn das an seine Grenzen brachte, kann man auf der HP des Canisiuswerkes nachlesen:

Bei einem Interview für "miteinander" im Juni 2011 sagte Pfr. Johannes Leuthner, zuständig für 5 Pfarren, dass er selbst und viele andere Priester bereits am Limit arbeiten. Am 20.10.2011 wurde der 46-Jährige tot in seiner Wohnung gefunden. Ein Fanal.

Im Leitartikel des letzten Pfarrbriefes vom September 2011 hat Johannes selbst auch sehr deutlich ausgesprochen:

Liebe Pfarrgemeinde!
Viel mediale Aufregung gab und gibt es rund um den “Aufruf zum Ungehorsam” der österreichischen Pfarrerinitiative. Es ist kein Geheimnis, dass auch ich mich im Jahr 2006, als diese Initiative gegründet wurde, als Mitglied angeschlossen habe. In die Erarbeitung der jetzigen Forderungen war ich zwar nicht involviert, kann aber trotzdem fast alle dieser Anliegen mittragen, die ja großteils schon lange von vielen bis hin zu manchen Bischö-fen erhoben werden. Über die Art und Weise wie dieser Protest geführt wird, kann man streiten und manches macht mich dabei nicht glücklich, scheint aber unumgänglich, um etwas weiterzubringen. Und wenn schon nicht die Durchsetzung der Forderungen, so doch mehr Klarheit und Transparenz, was der Kirchenleitung wichtig ist und wofür sie steht. Vieles gäbe es zu dieser Aktion hier zu sagen, ich will als Pfarrer auf 2 Punkte hinweisen. Ein Aufschrei aus der Not Die Pfarrer der Initiative, die ich persönlich kenne, sind alle keine Revoluzzer, sondern Priester aus Leidenschaft. Sie haben eine Lebensentscheidung getroffen, um ganz für Gott und die Men-schen als Seelsorger da zu sein. Der Aufruf ist ein Notruf, weil wir alle spüren, dass wir das eigentlich nicht mehr können. Immer größere Einheiten und immer mehr Aufgaben, lassen uns kaum Zeit und Kraft für unsere eigentliche Aufgabe da zu sein: die Menschen in ihren Nöten und Sorgen zu begleiten und ihnen als Seelsorger aus der Kraft des Evangeliums zur Seite zu stehen. Es gibt mir und vielen von uns jedes Mal einen kleinen Stich ins Herz, wenn wir zu jemand “Nein” sagen müssen, weil unser Zeitbudget und unsere Kräfte oft an ihre Gren-zen stoßen. und in Sorge um den Glauben Keine der Forderungen betrifft den Kern unseres Glaubens, ja die Forderungen werden gerade deshalb erhoben, um genau diesen Glauben auch weiter in unserer Gesellschaft lebendig zu halten. Nur dazu und dafür gibt es die Kirche mit all ihren Traditionen und Regeln, um den Men-schen die liebende Nähe Gottes zu vermitteln. Wir meinen dass die Erfüllung dieser Forderungen der Kirche dabei helfen können, diese ihre einzige Aufgabe auch heute zu erfüllen. Ich hoffe und bete, und ich bitte sie da-für mitzubeten, dass wir das als Kirche, im Großen wie im Kleinen, auch in unserer Zeit schaffen, meint
Ihr Pfarrer Johannes Leuthner


In dieser für uns alle entsetzlichen Situation wünsch ich mir, dass wir als 5 Pfarren diesen neuen Weg im Sinne von Johannes weiter gehen können und dass es einen Aufschrei der Priester des Vikariates, der Diözese,... gibt. Dieses System ist zutiefst krank und sollte geändert werden, bevor es noch mehr Opfer gibt. So hätte der Tod von Johannes vielleicht irgendeinen Sinn.

Hermi Scharinger

Aus dem Blog-Archiv:
Leserbrief zum Tod von Pfarrer Leuthner: Ich klage an!

1 Kommentar:

  1. Lieber Pfarrer Johannes Leuthner,
    du bist leider ein Opfer geworden. Durch deinen Tod ein besonders tragisches Opfer. Wie es scheint, ein Opfer der Zustände in der Kirche unseres Landes. Ein Opfer der Gespaltenheit.
    Diese Zerrissenheit der Kirche schmerzt. Der Kardinal klagt, dass ihm manches, was in der Kirche abläuft, weh tut. Du schreibst in deinem Brief an die Pfarrgemeinde, dass dich manches auch an der Vorgangsweise der Priesterinitiative nicht glücklich macht.
    Jede Seite behauptet aber auch, sie habe recht, und beruft sich dabei auf das Evangelium. Aber es kann doch nicht alles gleich wahr sein. Irgendwo gibt es einen Trugschluss. Wo ist der?
    Der Protest schien dir, wie du schreibst, unumgänglich. Jetzt aber weißt du genau, welche Art von Protest und Reform unumgänglich ist.
    Erbitte also von Gott für uns alle die richtige Sichtweise und die richtige Reform der Kirche, damit Einigkeit herrscht. Damit es niemandem mehr einen Stich ins Herz gibt, wenn wir an den Zustand der Kirche denken. - Danke für dein Gebet.

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